Sonntag, 7. September 2008

Das hätte auch anders ausgehen können

Kaum von der A3 auf die A7 bei Würzburg gefahren, bildet sich ein offensichtlich frischer Stau. Ein einzelner Feuerwehrwagen fährt mit Blaulicht durch die Rettungsgasse, er sollte nicht der einzige bleiben. Rettungswagen, wieder Feuerwehr, mit Technik, mit Notarzt, zwischendurch Zivilfahrzeuge. Anhalten, Verkehrsfunk spricht von schwerem Unfall und empfiehlt aufgrund der beidseitigen Vollsperrung Wegkundigen weiträumiges umfahren, aber diese Nachricht erreicht uns fünf Minuten zu spät, und wegkundig sind wir auch nicht. Die anderen in der erstarrten Kolonne haben auch Verkehrsfunk gehört, die ersten Türen öffnen sich, dann ist es wie ein Dammbruch. Erste ältere Damen erklimmen die Böschung zwecks Toilettengang. Die Sonne scheint, wir nutzen den Zwangshalt für einen Aufenthalt im Freien. Andere auch, sie kramen ihre Handys raus und photographieren die Autoschlange samt vorbeifahrenden Rettungswagen.

Nach einer halben Stunde kommen langsame, alte Wagen von freiwilligen Feuerwehren umliegender Ortschaften. Nach einer Dreiviertelstunde kommt ein brachialer Jeep der Johanniter, ausgewiesen als Notfallseelsorge. Nach einer Stunde kommt ein Leichenwagen, das geht durch Mark und Bein. Im Radio heißt es, ein Kleinlaster sei, nachdem ein Reifen geplatzt war, durch die Leitplanke gebrochen und mit vier Fahrzeugen zusammengestoßen. Eine Situation, der man auch durch vorbildliches und vorausschauendes Fahren nicht ausweichen kann.

Mindestens ein Fahrzeug ist durch die Seitenleitplanke hindurch die Böschung hinuntergestürzt. Von zwei Fahrzeugen liegen nurmehr Trümmerteile da, eins liegt plattgedrückt auf dem Abschlepper, ein weiterer Abschlepper mit Kran macht sich am Abhang zu schaffen, wir fahren schnell vorbei und bedanken uns, da wir alle nicht an einen Schöpfer oder die Vorsehung glauben, bei der Officemate und dem Chef für das Rauchen einer Abschiedszigarette.

Wie oft ist man eigentlich am Abgrund, ohne daß man es überhaupt bemerkt?

1 Kommentar:

niesen hat gesagt…

auf deine abschließende frage habe auch ich natürlich keine antwort. aber auch da gibt es ja vielleicht abstufungen von abgrund und eventuell ist es ganz gut, wenn man nicht mitkriegt, wie man dransteht. die abgründe, die man mitkriegt, sind ja vielleicht schon furchtbar genug. wie auch immer; was ich eigentlich sagen wollte:

wie schön, dass ihr die fünf oder sieben minuten später erst losgefahren wart.

puh, ich musste grad erstmal ganz tief durchatmen.