Sonntag, 24. Mai 2009

Tja...

Man gewöhnt sich an so einiges.

Z.B. so ein Himmelfahrtswochenende war doch früher heilig, für Kreativtage in Altlüdersdorf oder Kreisjugendkonventsrüsten in Heinersdorf z.B. Nach nunmehr 7 Jahren im Einzelhandel habe ich mich wohl daran gewöhnt, daß man an diesen Tagen besonders wahrscheinlich besonders viel besonders anstrengend arbeitet. Ohne zu murren. Im Gegenteil stelle ich fest: Die Kunden haben das Gehirn irgendwo ganz abgegeben? Ich habe noch genug vorrätig. Die Mitarbeiter zicken herum? Mir egal, ich stehe so oder so bis 20 Uhr hier herum. Ein Kind schreit, die Kasse geht kaputt, die Tür läßt sich nicht abschließen? Brrr... davon geht die Welt nicht unter.

Auf dem Sigi kann man mittags prima Studien lesen. In Bielefeld taumeln nur vereinzelt biertrinkwillige Vatertagsfeierer durch die Straßen. Um zehn ist es noch überhaupt nicht richtig dunkel. Mein Mitbewohner ist vielleicht als typischer Underachiever in seinem Pädagogik-Studium völlig falsch aufgehoben. Der Blogkumpel will Gerd Gigerenzer vom Wert bildgebender funktionaler Studien überzeugen. Ich will nicht immer über die drohende Diplomarbeit nachdenken. Und schon gar nicht über die Diagnostik-Prüfung. Ich will, daß das Fahrrad ganz bleibt, weil Radfahren super ist. Und außerdem soll die ambitionierte Jazzband da zwei Etagen unter mir immer weiter diese schönen Lieder proben, wenn draußen die Sonne scheint. Und vor allem soll das Flugzeug, in dem die Prinzssin jetzt drinnesitzt, so sacht und weich wie möglich in Hannover-Langenhagen aufsetzen.

Donnerstag, 21. Mai 2009

Was wirklich wichtig ist:

merkt man, wenn es nicht mehr da ist. Oder wenn man es wieder hat.

Ich habe heute (wir erinnern uns an die Dramen [1;2] mit den schönen französischen Ventilen) in einer größeren Fahrrad-Wiederherstellungszeremonie meinem Fahrrad den gefühlten 25. Schlauch hinten eingebaut und mit einer neuen Luftpumpe aufgepumpt, und ich hoffe, daß das länger hält als von 12 bis Mittag. Licht hinten geht nicht mehr, schalten vorne auch nicht. Naja, fahre ja eh immer im schwersten Gang. Bremse unkundig erfolgreich alleine nachgestellt.

Ergebnis der Aktion (kurzfristig): zum GNT-Finale-gucken in die August-Schroeder-Straße gefahren, statt zu laufen. Super. Hoffe, das Zauberbike trägt mich auch demnächst in die Uni, dann muß ich nimmer mit dem Pöbel Bahn fahren.

Die Prinzessin weilt in der Schweiz und lauscht hochkarätigen Professoren bei Eröffnungsvorträgen und läßt sich anschließend anständig bekochen... tja, dann halte ich wohl in der ostwestfälischen Kulturmetropole die Fahne alleine hoch. Aber das Gefühl, einmal richtig entschieden zu haben, einmal richtig zu vermissen, einmal auch zu wissen, was einem wirklich fehlt, das ist unbezahlbar. Und dafür gibt es einmal I Still sleep with the lights on zur Erinnerung an die Zeit davor, als wir es noch nicht wußten, aber ahnten.

Dienstag, 19. Mai 2009

Läuft.

Das war ein Begriff, den der Konfident gerne einsetzte, vor allem dann, wenn es eigentlich nicht lief. Meistens, wenn aus Prokrastinationsgründen ganz andere Projekte "liefen".

*jetztfolgtkeineliebeserklärung*

Daß dieser Konfident mir einst sehr fehlen könnte, hätte ich nicht gedacht. Klar, man hat Klausuren zusammen geschrieben und mithilfe von Papier und Bleistift die Rolle des Calciums bei der Transmitterfreisetzung dermaßen anschaulich illustriert, daß alle Beteiligten wahrscheinlich in der Not noch alles hersagen und ggf. pantomimisch herzeigen könnten - aber die Zwanzigjährigen und die Dreißigjährigen haben oft eben auch die banale Barriere namens "zehn Jahre" zwischen sich zu operieren. Jetzt sage ichs aber laut und öffentlich: Konfident, tu, was du für richtig hältst, aber komm auch mal wieder! Oder soll ich auf meine alten Tage nach México reisen??

Die ganze Spezi-MezzoMix-SchwippSchwapp-Disputation hat ein Ende, seit ich der Spezi-Seite eine Dealer-Information über den Getränkemarkt Kesten in Steinhagen entlocken konnte. Dort gibt es echtes Spezi in leider Plasteflaschen. Verkauft wird das Spezi von netten und sympathischen jungen Männern, die einem die Kisten mit der begehrten Zucker-Koffein-Geschmack-Mix auch direkt ins Auto tragen. Gegen jedes psychologisches Grundwissen muß ich allerdings anmerken, daß das Spezi aus der Plasteflasche anders/nicht-so-gut schmeckt wie aus der schönen Glasflaschen. Einen Doppelblindversuch habe ich allerdings noch nicht angestrengt.

Ich freue mich wie blöd über mein "Bildgebende Studien zu Depression"-Referat. Keine Ahnung, bei der Referatsvergabe versuche ich sogar, die mir naheliegenden Themen zu vermeiden - damit kenne ich mich ja eh aus. Trotzdem oder gerade deshalb scheinen die einen ja nahezu magisch anzuziehen - im letzten Semester über neurologische Erkrankungen, jetzt die Hirnbilder. Ich bin da nicht gerade eine Expertin, andererseits aber mehr im Thema drin als andere. Das behaupte ich einfach - in Wirklichkeit weiß ich das überhaupt nicht. In Wirklichkeit befinde ich mich fachlich hauptsächlich in einer Reihe teils promovierter, teils therapeutischer (und teils alles beides und mehr) Psychologinnen und Psychologen und weniger unter Studierenden in ähnlichen Abschnitten der Entscheidungsfindung.

Ich will, will, will wieder mehr schreiben, vor allem wegen des öffentlichen Dialogs mit mir, wegen der Niederschreibung vielleicht blödsinniger Gedanken und wegen der Möglichkeit der späteren Erinnerung. Ich werde aber von meinem hauseigenen Browser oder von wem auch immer daran gehindert - zuhause funzt der blogger nicht mehr so wie gewohnt. Im Bloggerforum wußte niemand Antwort. Ich kann keine Links einfügen und auch nicht die Buchstabengröße einstellen. Das nervt, und das kleine nicht-html-Fenster lähmt die Schreibwut.

Dienstag, 12. Mai 2009

Folgen therapeutischer Gesprächsführung

Am Wochenende habe ich mich ausscließlich mit therapeutischer Gesprächsführung befaßt. Bislang habe ich mich nicht so sehr für therapeutische Arbeit interessiert und konnte mir aus verschiedenen, teils auch zeitlich und finanziell motivierten Gründen, nicht so recht vorstellen, nach dem Studium noch eine teure therapeutische Ausbildung dranzuhängen. Aber andererseits ist es im klinischen Bereich schwer, ohne Ausbildung überhaupt unterzukommen.

In dem praxisorientierten Seminar übt man vor allem in Rollenspielen basale Gesprächstechniken wie zum Beispiel aktives Zuhören, paraphrasieren und offene Fragen zu stellen. Dabei nimmt man logischerweise sowohl die Patientenrolle mit einem selbstgewählten Störungsbild als auch die entsprechende Therapeutenrolle ein. Es klingt ein bißchen verrückt und könnnte mir als Esoterik-Entgleisung ausgelegt werden, daß ich durch so basale Übungen der therapeutischen Arbeit so sehr verfiel, daß ich bereits über die nächsten Schritte, wie es nun mit dieser Planänderung weitergehen soll, nachdenke.

Der eine Grund für den Gesinnungswandel kam aus der Patientenrolle. Ich steckte ja im Störungsbild quasi drinne und saß mit meinem Therapeuten auf einmal einem Menschen gegenüber, der mich verstand, ernstnahm, die Symptome wiedererkannte und sogar einzuordnen wußte und überhaupt keine Sekunde lang an mir und meinen Problemen zu zweifeln schien. Der konnte das, weil er viele Jahre seines Lebens dafür verwendet hat, sich die entsprechenden Kompetenzen anzueignen. Wohlgemerkt: wir reden von Rollenspielchen mit seit langem bekannten Kommilitoninnen.

Die andere Seite kam aus dem Gefühl in der Therapeutenrolle. Ein Mensch kommt, ist verzweifelt und/oder verstört, braucht Hilfe, und ich kann ihm helfen. Nicht weil ich gut zuhören kann oder besonders einfühlsam, sondern weil ich das gelernt habe. Weil ich dafür kompetent bin.

Weil ich mir aber immer noch nicht so richtig vorstellen kann, daß ich einem depressiven Erwachsenen nicht irgendwann raten würde, mal ein bißchen aus der Hüfte zu kommen, soll es also die Kinderausbildung sein. Insofern muß ich wiederum innerhalb meiner Möglichkeiten darauf einwirken, daß hier in Biele das Ausbildungsinstitut für die Kinder- und Jugendlichentherapie zeitnah öffnet, damit ich nicht zwischen Duisburg und hier und anderen Standorten diffundieren muß.

Langfristig möchte ich ja doch in bestdenkbarer Begleitung an der Ostsee in irgendeiner Art Reha-Einrichtung Kinder ganzmachen. Ganz ehrlich. Die Betonung liegt ja leider auf LANGfristig. Das kann nämlich noch ganz schön dauern...

Montag, 11. Mai 2009

Trottel des Tages...

ist sicherlich der wissenschaftliche, also der andere Springer-Verlag.

Freundlicherweise verspricht die Professorin für Kinder- und Jugendlichenpsychologie und -psychotherapie, den dritten Band des Lehrbuchs für Verhaltenstherapie, der sich mit psychischen Störungen des Kindes- und Jugendalters befaßt und bei ihr Prüfungsliteratur ist, für die studentische Studienberatung zu besorgen. Wissenschaftler habens normalerweise leicht: tonnenweise bestellen sie sich die guten Bücher für lau, weil sie sie ja in Lehrveranstaltungen einsetzen und als Prüfungsvorbereitung empfehlen - davon profitieren die Verlage natürlich. Nun sagt Springer zu der Professorin, die in dem fraglichen Buch selber ein Kapitelchen geschrieben hat, daß sie kein Dozentenexemplar bekäme; es handele sich ja nicht um ein Lehrbuch. Es steht doch aber sowohl Lehrbuch vorne drauf als auch verschriftlicht im Vorwort von Herausgeber und Herausgeberin, daß man sich bemüht habe, ein schönes Lehrbuch usw... nein, steht zwar vorne drauf, ist aber trotzdem kein Lehrbuch.

Puh.

Ein dreibändiges, insgesamt 210 Öre teures Vergnügen, das, nach dem, was man von Experten so hört, sowohl extrem gut als auch extrem aufwendig zu kopieren sei, das nach dem Anspruch seiner Herausgeber ein Lehrbuch ist, weswegen sie das auch vorne draufgeschrieben haben.

Was ist es eigentlich sonst?

Und wenn es keines ist, warum schreibsts Springer vorne drauf? Wenn man im Urin fühlt, daß sich die Wälzer als Lehrbücher besser verticken lassen, vor allem, wenn es eigentlich auch welche sind, dann sollte man auch dazu stehen. Wenn man keinen Bock mehr hat, Hinz und Kunz kostenlose Belegexemplare zu schicken, dann soll man es auch sagen. Hasenfüßige Ausreden machen die Sache unnötigerweise lächerlich.

Sonntag, 3. Mai 2009

Der Laie fragt, der Fachmann wundert sich:

Zum Beispiel, wer hat sich bei der mehr-schlecht-als-Rechtschreibreform u.a. die Neuwörter Des Weiteren und sodass ausgedacht? Schon verbessert sich der Schreibstil erheblich, da man um sowas lieber herumkurvt, als es öffentlich sichtbar zu machen.

Warum findet der Sommer in Bielefeld immer im April statt?

Wo sind die Leute, die an warmen Tagen den Siegfriedplatz so intensiv bevölkern, daß es gegen Abend schwierig werden kann, überhaupt Platz zu finden, eigentlich bei schlechtem Wetter? Und was tun sie dann?

Wieso um alles in der Welt findet hier am ersten Mai kein Straßenfest statt? In Berlin ist jeder verfügbare Quadratmeter mit Straßenfesten aufgeladen. Hier nicht. Nicht mal'ne Kundgebung auf dem Jahnplatz gabs. Auf dem Siegfriedplatz nur die übliche Wolldeckenromantik und geöffnete, überquellende Biergärten. Neben uns an der Bierbank anstrengende Alt-Eltern mit Kind sowie eine anstrengende Dame, die ihrer Trinkkumpanin verbal arg zusetzte (sie tat mir ein bißchen leid - Nordic-Walking-Kurs auf Sylt, und lauter anderes dummes und vor allem lautes Zeug). Die alte Mutter verbreitete sich über die Miniröcke junger Mädchen und darüber, daß sich die jungen Mädchen morgens um acht Uhr per Handschlag nach dem Diskobesuch voneinander verabschieden.

Hat dieser eine Kellner im Mellow Gold eigentlich ausgeprägte Befürchtungen, daß ihn jemand für NICHT homosexuell, also für heterosexuell halten könnte? Wenn ja: unbegründet. Wirklich.

Macht Einkaufen glücklich? Sollte nicht, oder jedenfalls nicht ausschließlich bzw. als Handlung an sich. Das Ergebnis des Einkaufens ist schließlich wichtiger. Ein ausgedehnter schwesterlicher Bummel durch ausgewählte Läden in der Innenstadt macht müde Beinchen, aber Spaß. Und die Beute erst! Der vorläufige Höhepunkt wird von einem sehr schönen Lädchen in der Goldstraße in der Altstadt gebildet: hier gibt es schöne Sachen zu erträglichen Preisen. Darüber hinaus freut sich das Herz des bewußten Konsumenten, denn das erstandene schöne Shirt ist Made in EU.

Macht das Einkaufen teurer Sachen glücklicher? Der Modellversuch läuft. Gestern sind zwei Shirts von rumpfkluft angekommen, die zusammen 60 Öre gekostet haben. Produziert in Downtown L.A. (American Apparel), teils aus Biobaumwolle, teils mit Kapuze, mit schönen katzundgoldt-Motiven in der Wunschfarbe und -größe bedruckt. Glücksfaktor bislang: sehr hoch. Und dabei hab ich eins erst angehabt, und heute habe ich sie erstmal gewaschen = sie hängen auf der Leine. Trotzdem aber.

Woher kommt die gefühlt plötzliche Schwäche aller möglichen Schreiberlinge in Zeitungen, Bedienungsanleitungen, Bestellbeschreibungen, Rechungen, Reklamen, Ratgebern und sonst überall auch, die Höflichkeitsform Sie und die dritte Person Einzahl/weiblich bzw. Plural auseinanderzuhalten und richtig zu schreiben? (Zur Erinnerung: das eine schreibt man groß, das andere klein.) Durch die Falschschreibung ergeben sich immer wieder bekloppte und bescheuerte Sätze und ganze Texte, die überhaupt keinen Sinn ergeben. Ich habe keine Lust, entsprechende Beispiele anzuführen, und außerdem soll man den Leuten das Falsche nicht auch noch zeigen. Dabei ist es so einfach: immer, wenn Sie jemanden direkt ansprechen, zum Beispiel bei Zahlungsmodalitäten den Kunden oder in Kolumnen das Publikum, dann groß; immer wenn Sie über andere sprechen bzw. schreiben, zum Beispiel in der Beschreibung der Eigenschaften einer externen Festplatte oder einer Fußballmannschaft, dann klein.

Warum verschlechtert sich das Mensaessen so sehr? Inzwischen muß sogar ich zugeben, daß die Menuzusammenstellungen mehr und mehr abenteuerlich sind. Lachten wir früher noch über Kartoffeltaschen mit Kartoffelbrei und Reisschnitte mit Reis, stehen wir nun stumm vor dem Glaskasten und wundern uns über die geballte Kombinationswut mit Nudeln. Besonders beliebt beim Küchenchef sind Kombinationen, die teils im Heimatland der Pasta, teils im Heimatland des Schnitzels zu den übleren Beleidigungen bei Tische gezählt werden: Schnitzel in Sauce mit Spaghetti. In der Cafeteria wurde der schmackhafte Fairtrade-Biokaffee gegen irgendein untrinkbares Gebräu ausgetauscht, so daß ich das vorgezogene Eintreffen des Sommers, während welchem ich ja kaum Heißgetränke zum Überleben benötige, ausdrücklich begrüße. Auf lange Sicht allerdings werde ich mich wohl konstruktiv unter Verweis auf meine Mitfinanzierung des derlei Übles anbietenden Studentenwerks beschweren müssen.

Gibt es eine Alternative zu MezzoMix? Eine andere Begleitfolge der Kaffeeverschlechterung ist nämlich mein zunehmender Verzehr von Koffein in Kaltform, d.h. von flüssigen Produkten des Coca-Cola-Konzerns, weil es von der leckeren Fritz-Kola leider kein Spezi gibt, und mein aus Berlin importiertes Spezi ist alle.

Gibt es ein besseres Buch über Prokrastination als das von Kathrin Passig und Sascha Lobo (Dinge geregelt kriegen, ohne einen Funken Selbstdisziplin)? Ich glaube nicht. Das Beste daran ist, daß die Autoren die Prokrastination nicht verdammen, abschaffen oder zum notwendigen Übel erklären wollen. Bloß leben können muß man mit ihr, wenn man ein LOBO (Lifestyle of bad organisation) oder Partner eines LOBOs ist, und darum geht es in dem Buch. Prima ergänzt durch anschauliche Geschichten aus dem Dunstkreis der Autoren, zum Beispiel darüber, wie Nichtstun am Ende doch Probleme lösen kann (Verfahren wird aus Mangel an Beweisen eingestellt, die Kosten des Verfahrens trägt der Staat) - und somit, das wissen die LOBOs aber nicht, infolge intermittierender Verstärkung das Verhalten, oder besser das Nicht-Verhalten noch verstärkt wird. Oder wie das mit den To-Do-Listen und den Deadlines in Wirklichkeit aussieht. Oder wie es, als hohe Kunst der Prokrastination, dazu kommen kann, daß man erfolgreich "im Kreis" prokrastiniert - also am Ende infolge einzigartiger Prokrastination sogar die am Anfang eigentlich vermiedene Aufgabe auch erledigt bekommt - bei Kathrin Passig immerhin das dann doch noch abgeschlossene Studium. Es gab beim Erscheinen des Buchs übrigens einen sehr schönen Aufsatz von Kathrin Passig in der Zeit, in welchem sie beschrieben hat, wie während des Schreibens (bzw. zunächst Nicht-Schreibens) des Buches zahlreiche andere Projekte und Arbeiten fertiggestellt bzw. überhaupt erst erfunden und ins Leben gerufen worden sind.

Kann man nach elfeinhalb Jahren ein Studium abschließen? Ja, man kann, solange es keine Prüfungsordnung gibt, die den Verfall von Scheinen vorsieht, wie es leider einem anderen Freund passiert ist, der nach dem zweiten mißglückten Diplomarbeitsversuch feststellen mußte, daß er nicht nur die Diplomarbeit, sondern auch noch alle Scheine vom Hauptstudium wiederholen müßte, woraufhin er das Handtuch schmiß und jetzt mühsam einen Abenduni-Abschluß ertrotzt. Also, die Universität Stuttgart ist da offensichtlich generöser als die Bauhaus-Uni Weimar, und daher: Herzlichen Glückwunsch, Herr Architekt (Dipl.-Ing.)!

Reichts jetzt erstmal wieder?

Dienstag, 21. April 2009

Klischees abbauen bzw. erweitern

Also mein neuer Mitbewohner ist all das, was er nicht sein sollte: jung, männlich und Pädagogik-Student. Wenigstens sieht er gut aus und widerspricht nicht nur damit gängigen Pädagogik-Studenten-Klischees. Weiters verfügt er über ein typisches Emo-Piercing und ein Macbook und hört gerne unhörbare Musik, weil über kabellose (vermutliche Funk-)Kopfhörer. Sein Nahrungsmittelgeschmack scheint in der Bandbreite ähnlich indifferent, in der Ausprägung allerdings unaufwendiger zu sein. Insgesamt ein Abendduscher und bislang-wenig-zuhause-Seiender, also ein Guter.

Professoren sind ja überbezahlt und faul und kümmern sich um nichts und schon gar nicht um Lehre, und daß das nicht immer stimmen kann, mag ich hier gar nicht darlegen. Aber daß Professorinnen noch sonntagabends nach einem Wochenendseminar Geburtstagskinder aufsuchen und das Buffet angemessen plündern, das finde ich nett. Andere Professoren haben einen Anzug an bzw. sind von einem solchen umgeben und befinden sich in einem Raum mit klassischen old-school-Tafeln, die mit Kreide beschrieben sind. Binnen weniger Minuten ist der Professorenanzug vollständig kreideverziert. Und das der gleiche Professor nach dem Seminar in der Sonne ein Zimtnupsi verspeist und Kaffee dazutrinkt und nahezu träumerisch vor sich hinsagt Hängematte, Strand, Meeresrauschen, ein kaltes, mexikanisches Bier mit einer Zitronenscheibe darin und eine Hütte, in der einer das Kochen anfängt, das ist nicht besonders klischeeig, or?

Wunderschön heute T2-233, ein Seminarraum, in welchem laut elektronischem kommentierten Vorlesungsverzeichnis das allseits beliebte Seminar Diagnostische Verfahren II: Persönlichkeits- und Leistungstests stattfinden soll. Ich trete ein; keiner drin. Später kommen die beiden anstrengenden Lernschmarotzer. Dann die verrückte Frau, die freiwillig und ohne erkennbaren äußeren Zwang von Berlin (HU) nach Bielefeld (BI/NRW) gewechselt ist. Dann niemand mehr. Da es offensichtlich eine Raum-Zeit-Verschiebung gegeben hat (möglicherweise ohne Zeitwechsel), rufe ich spontan die Sekretärin an, die dank einer neben ihr befindlichen Kommilitonin zu berichten wußte, daß wir uns heute im Diagnostik-Labor einfinden. Hui. Das hätte der Herr Professor in den vorangegangenen Emails über die mögliche Teilnahme am Seminar auch mal sagen können. Aber vielleicht, Klischee, hat ers einfach vergessen, zerstreut wie er bestimmt war.

Sehr klischeebestimmt zeigte sich heute wieder der Sigi, der Platz, der Siegfriedplatz, auf welchem Horden von nichtsnutzigen Studenten auf Decken lagern und mitgebrachtes Bier trinken, flankiert von den zahlenden Gästen der Kaffeewirtschaft des Gemeinschaftshauses, zwischen denen kläffende Hunde Hof halten. So einen Platz gibt es in Berlin sicher nicht, zumal selbst wenn, wären es mehrere, und dann würde man sich wiederum nicht treffen. Hier trifft man sich aber. Wenn man das Gegenteil von sozialer Phobie, aber keine Feunde hat, die sich mit einem treffen wollen, muß man nur dahergehen und sich zu den immer vorhandenen Bekannten dazusetzen.

Egal: unterm Strich gehe ich in vier Lehrveranstaltungen in den zwei Fächern, wo die nächsten Prüfungen lauern, und werde dort Spaß haben. Und freue mich über den direkten Kontakt mit den lieben Mitstudierenden, der ein bißchen vernachlässigt war in letzter Zeit. Und mehr mache ich auch nicht, sondern genau diese beiden Prüfungen, das wird schwer genug.

Freitag, 17. April 2009

Der Unterschied zwischen einer E-Gitarre und einem BH

Einleitend das Geständnis: Ja, auch ich reihe mich seit einigen Wochen in eine proseccoselige Reihe von Damen unterschiedlichen Alters ein, um dem Treiben der Mädels von Heidi Klum auf ihrem steinigen Weg von der Vorstadtblume zum Topmodel zuzuschauen. Nicht daß es wirklich unterhaltsam wäre - es sind eher sozialer Druck und Spaß am gemeinsamen Spaß, die mich vor den Fernseher locken, als daß es eine fast routiniert wirkende Schar von Nachwuchsphotomodellen je vermöchte. Prinzipiell scheint die Sendung eher der späten Rache Heidi Klums gewidmet zu sein - dies mußte sie früher auch mal machen, dafür wurde sie auch mal gebucht. Ich möchte jetzt nicht wiederholen, was ein guter Schreiber auf jetzt.de bereits für mich gedacht hat, aber daß die Inhalte der Sendung mit der Lebens- und Arbeitsrealität echter sogenanter Topmodels so gut wie nichts zu tun haben, dürfte auf der Hand liegen. Eher dürfte der sogenannte Topmodel-Alltag langweilig sein mit einer unendlichen Reihe von übergewichtigen Regisseuren, die auf die gutaussehenden Models herabblicken, mit unzähligen schwuppigen Photographen und/oder Designern, die Sätze sagen wie Dein Hintern sieht schon ganz gut aus und Ich liebe es, wenn Mädchen machen, was ich ihnen sage. Nicht nur eines, das sich wünscht, endlich mal einen Alligator an der Leine zu führen oder vor einem mit kleinen Feiglingen abgefüllten Buchhalter-Publikum Stand-up-comedy machen zu dürfen, in einer Stadt, in die man nie zurückkehrt.

Aber darum sollte es gar nicht gehen, obwohl ich mich gerade warm schreibe und meiner Abneigung gegen die Sendung noch seitenlang begründet Ausdruck verleihen könnte. (Ja, ich sollte aufhören, die Sendung anzugucken, weil gerade dieses Event-Gucken, auchdas ironisierte, zum Gerede und leider auch Geschreibe über die Sendung beiträgt, und somit via Einschaltquoten und Werbeeinahmen zu Fortsetzungen und Schlimmeren führt.)

Gestern mußte in BH und Schlüpfer zu angeblich rockiger Musik (es war aber auch Jump! von KrisKros [geschätzt 1993] zu hören...) E-Gitarre geschwungen werden. Ziel des Spots war es, die Busenhaltfähigkeiten des BHs auch bei auslandende,m Körpereinsatz zu demonstrieren. Die Mädchen waren schlußendlich alle gleich schlecht, weil keine einzige auch nur in der Lage war, eine E-Gitarre angemessen in den Händen zu halten, und dann stirbt jede E-Gitarren-Performance am Luftmangel. Aber beim (unkonstruktiven, ohne jede Sandwich-Methode) Feedback-of-the-week wurde Svetlana (ist geistig nicht älter als 13, hat schlimme Lippen und sieht auch sonst höchstens pornös aus) aufgefordert mitzuteilen, was das wichtigste an jedem Casting ist: Wir sollen unsere Persönlichkeit einbringen. Jaja. Und was noch? *Schluchz* Das Produkt verinnerlichen. Wir haben das Gefühl, daß du manchmal nicht verstehst, worum es eigentlich geht. Was sollte in dem Spot verkauft werden? Eine E-Gitarre.

Naja, da war der Abend gerettet. Aber ich muß damit aufhören. Allein schon wenn man die spärliche Post vom Konfidenten aus México sichtet, der Migranten auf dem Weg in die USA betreut, wird einem das absolut absurde und unerträgliche an solchen Formaten speziell, aber auch am fiktiven Fernsehen sowie am internationalen Topmodelwesen an sich immer wieder gut bewußt. Leider treffen sich so viele nette und interessante Persönlichkeiten ohne einen solchen banalen Anlaß nicht annähernd so regelmäßig.

Montag, 13. April 2009

Hannover und Berlin: je 24 Stunden

Aber vor den Osterspaß hat der liebe Gott oder jemand anders den Donnerstagabend gesetzt, der im mittelgroßen Kreis den immerfort essenden Topmodels in spe sowie der Proseccoflasche gewidmet ist. Dann geht es auf die Autobahn und in Hannover in den feiertäglich angefüllten Zug, und am Hauptbahnhof Berlin kann ich mir schonmal den Button Auskünfte aller Art, auch in Fremdsprachen, ans Revers heften. Für Ortsfremde ist das schmucke Teil offensichtlich nicht selbsterklärend. Dabei gibt und gab es ja Bahnhöfe, die bezüglich ihrer verfügbaren Transportmöglichkeiten räumlich wesentlich instransparenter wirkten, wie zum Beispiel der Bahnhof Alexanderplatz in der Zeit zwischen dem Fall der Mauer und der darauffolgenden Zugänglichmachung zweier weiterer U-Bahnlinien (1989) und der Fertigstellung seiner Renovierung und Brauchbarmachung (ca. 2002). Damals wußte jedes Kind in Berlin, daß man niemals am Alex von der S-Bahn in die U2 umsteigt, weil das selbst Einheimische nicht auf Anhieb schaffen*. Am Hauptbahnhof jedenfalls sieht man das Elend ja jedenfalls, also das unten, wo man hinmuß, kann man auch von ganz oben sehen. Bloß eben nicht springen, sondern entsprechende Rolltreppen wählen!

Während der Zugfahrt blickte ich in die ausgezeichnete aktuelle Ausgabe der Vierteljahresschrift Dummy, deren Ausgaben sich jeweils hingebungsvoll einem einzigen Thema widmen; diesmal dreht es sich auf vielen Seiten einzig und allein sehr gelungen um Berlin (sic!). Falls also jemandem vor mittellanger Zugfahrt am Bahnhof im Kiosk diese Publikation auffallen sollte: nicht zögern, zugreifen! Einziger Wermutstropfen in der sonst gut abgeschmeckten Journaille-Suppe: Liebe Dummy-Leute, Friedrichshain und Prenzlauer Berg sind zwei ehemalige Berliner Stadtbezirke, die inzwischen in größeren Bezirken aufgegangen, als Stadtteile aber ungehindert und vor allem unverändert im Sprachgebrauch und auch sonst erhalten geblieben sind. Und schon immer sind die jeweiligen Bezirksbezeichnungen als Eigennamen zu verstehen und nicht als Ausdrücke etwaiger geographischer Besonderheiten. Zwar gibt es tatsächlich einen König Friedrich gewidmeten Park entsprechenden Namens, aber der Volkspark Friedrichshain befindet sich auf dem Gebiet von Prenzlauer Berg und hat mit dem angrenzenden Bezirk zwar den Namen, sonst aber wenig bis nichts gemein (vor allem befinden sich im Park viel mehr Bäume!). Genauso befinden sich zwar große Gebiete von Prenzlauer Berg auf der nordöstlichen Begrenzung des Berlin-Warschauer Urstromtals und mithin, für Berliner Verhältnisse, auf einem Berg, in dessen gedachter Verlängerung irgendwann auch die Stadt Prenzlau in der Uckermark liegt. Trotzdem handelt es sich nicht um einen Stadtbezirk, der aus Faulheit nach einem auf einem Hügel befindlichen Unterschichtsviertel benamst wurde. D.h. der Statbezirk Friedrichshain ist kein Hain und der Stadtbezirk Prenzlauer Berg ist kein Berg - also wohnt man in Friedrichshain, zieht nach Prenzlauer Berg, trifft sich in Friedrichshain in einer Kneipe und besucht eine Freundin in Prenzlauer Berg. Kein der, kein im, kein auf. Daran erkennt man den echten Westschreiber. Es sagt ja auch niemand, daß einer aufm Kreuzberg oder im Tempelhof wohnt. Quasi als Wiedergutmachung hingegen betrachte ich den Halbsatz in der alten und neuen Bundesrepublik und in der DDR, mit welchem klargemacht werden soll, daß sowohl früher, also in den beiden damals existierenden deutschen Staaten, als auch heute, in dem einen noch fortdauernden deutschen Staat, Berlin diese und jene Attraktion auf Zuwanderer hatte. Das ist viel löblicher, treffender und vor allem richtiger als die unsäglichen fünf neuen Länder bzw. alten Bundesländer, oder die ehemalige DDR, oder noch besser damalige DDR, oder das blöde Ostdeutschland und Westdeutschland, das nun wirklich Kalter-Krieg-Sprech ist und längst abgeschafft gehört. Ich schlage hiermit die oben angeführte, aus dem Dummy: Berlin entliehene Redeweise als alleinig zulässige vor, wann immer es um das Heimatland in seinen historischen und aktuellen Bewußtseinszuständen gehen möge.

In Oranienburg wie auch im Rest der Republik herrschte fast unverschämt gutes Wetter, und wenn es nicht wenigstens etwas windig gewesen wäre, hätten die typischen Wetterningeler aber alt ausgesehen! (Ein Wochenende - mäßig grau, aber niederschlagsfrei - zuvor beim duschen im Radio, nach einer langen Woche mit sehr schönem Wetter - in Bielefeld! - gehört: Ich wünsche mir und uns allen, daß die Sonne endlich wieder scheint und es nicht mehr so kalt ist.) Allerlei Miezekatzen stromern herum, es gibt Eis und Erdbeerkuchen und Gegrilltes, bloß der Teich ist nach Umbau und Erweiterung noch nicht wieder liquide.

Abends sitzt das junge Europa im 7 in Friedrichshain am Ostkreuz, der frühere Decision-making-Konfident erscheint als Überraschungsbesuch und vertellt Spökes über sein Promotionsvorhaben. Schön ist es in Friedrichshain. Am nächsten Tag wird mit der Lieblingsschwester der Kiez vermessen, zu Fuß natürlich. Ein seltenes Vergnügen. Die Sonne prasselt. Auf Friedrichshains Straßen hört man nurmehr Englisch, Spanisch und Französisch, die Passanten sehen so merkwürdig aus wie sie sprechen: urban mit dem Laptop unterm Arm, die Wollmütze dem unösterlich brennenden Zentralgestirn trotzig entgegengereckt, die Papierbeutelchen mit dem korrekten Käse vom Markt in den oversigned Kinderwagen gestapelt... wenige Leute, die einfach nur hier wohnen und unaufgeregt ihre Biographie bewältigen. Trotzdem zieht es jede meiner Fasern direkt hierher zurück, und das Wissen, daß Duisburg noch anderthalbt ICE-Stunden weiter entfernt ist, beginnt sich wahrnehmbar in den Vordergrund zu schieben.

Dann noch Hannover mit einer imposanten 12-Apostel-Location dort, wo meine geliebten Pelikan-Füller früher herkamen, einer beeindruckenden Menge Wasser, Stahl, Glas und Beton und einer Turminstallation namens Die drei warmen Brüder, wobei der Begriff, wie mir versichert wurde, von der einheimischen Bevölkerung tatsächlich auch verwendet würde - im Gegensatz zu entsprechenden Berliner Spitznamen, bei deren Übernahme man immer vorsichtig sein sollte, will man sich der Lächerlichkeit nicht preisgeben. Niemand sagt Telespargel oder Waschmaschine.

Jedenfalls gab es in Garbsen noch: Idylle; Teich; Bruder im Teich; Cousine; Eltern; Tante-Onkel-Doppelpack; Oma; Osterwetter; Kanal mit Sperrtor; Grill mit Ritualen; Entspannung und Aufnahme und Unkompliziertheit und Freude; Ostereiersuchen; was wird Ostern eigentlich wann und warum gefeiert, und woher weißt du das alles?; langen Spaziergang; Wasser; Altbierbowle... das alles sehr gut auszuhalten.

Und dann ging es heim in einen wundervollen Ostermontag hinein... und morgen beginnt die Vorlesungszeit.

* geklaut bei Max Goldt.

Sonntag, 5. April 2009

... und Duisburg:

Das ist im Ruhrpott. Bzw. der davon westlichste Teil. Bzw. die stadtgewordende Mündung von der Ruhr in der Rhein, bzw. Standort des größten europäischen Binnenhafens, bzw. der östliche Stadtteil von Moers, bzw. überhaupt.

So jedenfalls, wie vormals alle sagten Du Arme, ausgerechnet Bielefeld, das ist ja Ganz Schlimm, sagen jetzt alle Auweia, Duisburg, Ruhrgebiet, und überhaupt ganz häßlich, naja, und die Ruhrästhetik ist schon eine eigene - aber auf Ziegelsteine, verlassene Industriegebiete und gleichwohl malerische Flußauen fahre ich ja ab. Von Häfen ganz zu schweigen.

Ich fahre also an einem sonnigen, sogar recht warmen Frühlingstag im ICE die Ruhr entlang, nicht ohne zuvor die Vorzüge des neuen Nummer-zieh-Systems im Reisezentrum Bielefeld kennenzulernen: an sich begrüßenswert, aber nun stehen größere Menschenansammlungen mit teils Migrationshintergrund daher und schwadronieren 649? Nee, oder? Das ist jetzt nicht wahr, usw: mit anderen Worten: sie nerven auf akustisch wahrnehmbare Art und Weise. Aber gemach, nun der Zug, der nur zwischendrein von einer Regionalbahn ausgebremst wird, aber dennoch beachtlich pünktlich den Hauptbahnhof Duisburg erreicht. Dieser ist groß, alt und schön. Der Chef schaffts abholen nicht, also ins Taxi hinein, der Taxifahrer fährt an so einem Glashaus vorbei, an welchem äußerliche Bauarbeiten vorgenommen werden und merkt an, daß da früher schonmal Glasscheiben hinuntergefallen seien; gottseidank sei niemand verletzt worden. Ich denke im stillen ans LaFayette, wo ja auch dies und das runterfiel, damals, und dann sagt der absolut jedem Proll-08/15-Taxifahrer-Image entsprechende Taxifahrer Dis hat dieser Forster gebaut. Eigentlich sagt man, dis soll ein Schiff darstellen. (Ich drehe mich um und sehe durchs Rückfenster.) Das können Sie jetzt so nicht sehen.

In diesem Moment dachte ich schon, hier wirste dereinst richtig sein, im Ruhrgebiet. Wenn et schon nich Berlin is, da wenichstens hier.

Die Uni gefällt mir gar nicht, weil ich ein Gewöhnungstier bin und nicht in Keksdosen essen gehen mag. Auch muß man in der Mensa viel zu viele Entscheidungen treffen. Andererseits hängen in den Toiletten witzige Zettel. In der Herrentoilette, welche ich aufzusuchen berechtigt war, weil der einzige auf der Etage und überhaupt im Gebäude noch anwesende Herr mir dieses ausdrücklich gestattete, hing ein Pamphlet mit der Information: In der Vergangenheit ist es wiederholt vorgekommen, daß das Licht ausgeschaltet wurde, obwohl sich noch eine Person im Raum befand. Ohne Licht bietet der Raum o Meter Sichtweite. Es besteht also erhebliche Verletzungsgefahr. Daher bitte vor Löschen des Lichts Sorge tragen, ob der Raum wirklich leer ist. Bei den Frauen steht: Das Licht bitte, bitte, bitte, bitte nicht ausschalten.

Ansonsten fand ich die spontan zugänglichen Teile von Duisburg super: an dem einen Morgen war offensichtlich so was wie letzter Schultag (das wird auch immer früher, or?) und lauter verkleidete Gymnasiasten sprangen in der Innenstadt umher. Die Linien der öffentlichen Verkehrsmittel tragen absurd hohe Nummern, z.B. 901 für die lächerliche Straßenbahn zur Uni. Selbstredend sind die Haltestellen, die für die Uni verantwortlich sind, knapp unsinnig angeordnet, so daß man verhältnismäßig lange gehen muß - kein Problem im frühapriligen Sonnenschein, aber da es am Niederrhein auch nicht grad viel weniger regnen wird als in Biele, sollten Spesen für Regenschirme o.e.* jacken eingeplant werden.

Apropos Jacken: Endlich konnte ich mit einer passenden Ausrede das Jackenverbot aushebeln und verfüge nunmehr wieder über eine schicke und gleichzeitig funktionale Doppeljacke in knallrot - Herzstück eine sehr universell einsetzbare sog. Softshelljacke, die gegebenenfalls in eine regendichte und atmungsaktive richtige Jacke eingezippt werden kann. Daher güldet ab jetzt das absolute Jackenverbot: egal ob die avisierte Jacke blau oder grün ist, ob sie für arktische Temperaturen oder saharische Abenteuer ausgelegte Spezifitäten besitzt oder schlicht traumhaft günstig ist: ich besitze genügend, für jeden Anlaß ausreichend geeignete Jacken.

Jedenfalls Duisburg wird ja frühestens am Ende des nächstens Jahres wirklich ein Thema werden... es sieht aber nicht so aus, als würde ich Bielefeld nur schweren Herzens gegen eine Hafenstadt eintauschen können.

*oder entsprechende


Freitag, 3. April 2009

...fortsetzung...

Das ist am Königsstuhl:

... und das ist der alte Saßnitzer Fährhafen samt U-Boot:

... das der Strand von Prora im Nachmittagslicht zwischen zwei Schneestürmen...

... und hier sieht man einen winzigen Teil des großen KdF-Gebäudes mit einer witzigen Bemalung, deren Hintergrund nicht ergründet werden konnte:

... und finally das Binzer Schmuckstück, eine vermutliche Bushaltestelle, die so dermaßen dysfunktional ist, daß sie der einzige Ort weit und breit ist, wo der Boden nach dem heftigen Niederschlage noch naß ist...


Kurzum, Rügen gefällt, ist aber wahrscheinlich im Sommer, also in der Saison, also zwischen Mai und Oktober, nicht auszuhalten.

Kuriosa gab es auf der Reise reichlich. Zum Beispiel fährt vor uns ein dicker, nahezu panzöser Volvo X90 (Durchschnittsverbrauch 17 Liter auf 100 km) mit einem schönen Rettet die Erde-Aufkleber am Heck. Ich fahr dann schonmal vor, oder was? Dann wimmelte es auf der Insel nur so vor Ostwestfalen aller Coleur und Landkreise. Weiters gab es natürlich lustiges Kennzeichenraten - TDO?? Und wenn man dann so ein TDO-Auto von nahem besichtigt, steht auf der Plakette Landkreis Nordsachsen. Ja, ist klar, die Abkürzung. (Später ergeben Nachforschungen, daß es sich um die drei ehemaligen Landkreise Torgau, Delitzsch und Oschatz handelt.) Oder was zur Hölle ist HZ, und warum fährt HZ so unendlich langsam vor einer stetig wachsenden Kolonne her? Ist wahrscheinlich ein Fahranfänger in Papis Auto, und Papi sitzt aufm Beifahrersitz. Oder ein Fahranfänger in Papis Auto, und Papi weiß nix davon. Den hinterdreinjuckelnden Inselbewohnern juckt der Gasfuß.

In den schönen Binzer Bierstuben gab es auch allerlei. Das Essen ist vorzüglich und wird hier an dieser Stelle ausdrücklich gelobt. Vom Faß gab es Rostocker, an das sich die Prinzessin allerdings nicht so recht rantraute. Gezapft wurde es von einem, der das sichtlich gut konnte und Freude an seiner Tätigkeit hatte, wie überhaupt das gesamte Personal freundlich und professionell agierte, daß es eine reine Freude war, dort Gast zu sein. Schnöselige Vater-Mutter-(erwachsenes)Kind-Gespanne hatten daran keine Freude. Statt dessen angelten sie sich die Karte frech vom Kellnertischchen und rotzten den Kellner, als er erschien und begrüßen und Karten bringen wollte, mit einem "Karten haben wir uns schon genommen!" an. Die wurden dann auch professionell bedient, aber mehr auch nicht.

Das Frühstück wurde gleich vom ersten Morgen an ritualisiert in der Stadtbäckerei Junge eingenommen, wo es neben Sanddornsaft und vorzüglichen Kaffees auch Schlemmereien wie den scharfen Segler und sogenannte Bäckwiche gab. Auch hier konnte man das andere Volk beobachten, insbesondere die herrlich an alte Zeiten erinnernden Ostrentner, die man sofort an ihrer extrem geschmack- sowie zeitlosen Kleidung erkennen konnte. In der Mitte des Raumes saß stets dieselbe mittelalte Frau alleine, rührte in einer Tasse und schaute vor sich hin. Gelegentlich verirrte sich ein jüngeres Pärchen in die Bäckerei. Am letzten Morgen konnte das Frühstück draußen in der Sonne eingenommen werden.

Donnerstag, 2. April 2009

Biele - Binz - Berlin - Biele und dann noch Duisburg

Aber der Reihe nach:

Überraschenderweise hat das Kaninchen die Schlage ver...naja, vielleicht nicht -schlungen, aber bezwungen. Anschließendes ins-Auto-steigen und durch schlimm verregnetes norddeutsches Tiefland reisen steigert die Lebensqualität beträchtlich. Ganz ohne Navi schaffen wir es bis Binz.

In Binz gibts es eine schöne Ferienwohnung und schönes Wetter mit Schneestürmen und Sonnenschein und klaren Nachthimmeln. Es gibt lecker essen und Spazierfahrten durch jedes denkbare Wetter.

Folgende Gesetzmäßigkeiten wurden aufgedeckt:

Rügen - Insel der Museen
Binz - Urlaubsort ohne Briefkasten

In Prora allein, wo die Überreste des seinerzeitig als KdF-Bad geplanten Baukomplexes unsichtbar hinter Kiefern den Strand säumen, gibt es für NVA, KdF, Tiere, Technik und sonst alles andere denkbare eigens Museen nebst Wiener Kaffeehaus. Ferner gibt es noch diverse Eisenbahn- und Landwirtschaftsmuseen und in Saßnitz sogar ein britisches U-Boot, das sah aber von draußen schon eng aus.

In Binz, auf der Suche nach einem Briefkasten, stellt man die Abwesenheit eines solchen fest. Die angeblich vorhandene Post ist weit. Die Zustellerin sagt: Da hinten soll einer sein, aber so mehr im Gebüsch. Und so ist es. Urlaubspostkarten schreiben eventuell unerwünscht; Urlaubspostkarten abschicken auf jeden Fall.

Da gibt es einen Laden in Baabe oder sonst irgendwo auf Mönchsgut, wo der arme Azubi alles alleine gleichzeitig machen muß: Ware einräumen, kassieren, Wurst am Wurststand verkaufen, Brötchen am Brötchenstand verkaufen. Wenn der mal überfallen wird, würde er das vermutlich nicht mal merken, wenn er grade Wiener Würstchen an durchreisende Psychologinnen verkauft. Andererseits, wohin sollte der mutmaßliche Überfaller fliehen?

An der Boddenküste stehen schmucke Häuschen am schmucken Strand. Schön ist die Vorstellung, dort jeden Abend am Strand zu sitzen und sonst nichts zu tun. Vielleicht mal segeln gehen, auf dem Greifswalder Bodden. Oder surfen. Lagerfeuer, manchmal, und grillen sowieso.

Am Königsstuhl kann man sechs Öre Eintritt fürs Nationalparkzentrum bezahlen, und dann geht man eigentlich nur aufs Klo. So teuer war ich glaub ich noch nie auf dem Klo. Aber sonst wär man nicht zur Aussicht gekommen, und die war schon was. Das Meer praktisch türkis, also Lagune nichts dagegen, und der Felsen hoch, auf dem man steht. Hier hat Caspar David Friedrich sein berühmtes Bild gemalt, und ich habe es selbst überprüft: die Aussicht auf dem Bild gibt es gar nicht, jedenfalls nicht am Königsstuhl.

In Mukran habe ich die Umspurungsanlage von der Brücke aus vermuten können. Täglich legt die Scandlines-Fähre ab nach Schweden und fährt übers Meer. Das konnte man von Binz aus sehen.

Sonntag, 22. März 2009

Morgen: die Schlange. Und ich: voll das Kaninchen

So komme ich mir jedenfalls vor: die Schlange namens pädagogische Psychologie hat mich bis in die intellektuelle Katatonie hypnotisiert, und ich starre bloß die Schlange an und warte starr auf den Moment, wenn sie mich verschlingt.

Im Ernst kann ich wie stets weder Quanti- noch Qualität des Gelernten angemessen einschätzen, so daß ich überhaupt keine Ahnung habe, ob ich genug und/oder richtig gelernt habe. Trotzdem ist da ein neues, anderes Gefühl, das sich parallel zur katatonischen Intellektlähmung eingeschlichen hat, nämlich eine gewisse Gelassenheit gegenüber dem Konstrukt Prüfung, und das, obwohl es im Grundstudium während der präklausuralen Belastungsphase immer noch den einen, das Trauma aufweichenden Gedanken "... aber wenigstens nicht mündlich wie im Hauptstudium" gab. Die Gelassenheit ist nur allerdings nicht besonders sozialumfeldkompatibel zur Schau zu stellen, zumal man bei einem vermeintlichen oder tatsächlichen Scheitern ganz schön doof aus der Wäsche schauen würde. (Sowas mit Ansage wie bei Physio damals würde ich nie wieder machen!) Ich mag mich vorher nicht mal festlegen, ab wieviel ich wiederholen würde.

Hier wird dann erstmal nix mehr passieren, alldieweil ich die Ostküste Rügens inspizieren und anschließend der Hauptstadt einen verspäteten Neujahrsempfang bereiten werde.

Und das gibts hier auch:

Wenn man im Stechschritt die Oststraße heraufmarschiert wg. Straßenbahn (und dabei überlegt, wann man eigentlich zum letzten Mal in Bielefeld einer Straßenbahn hinterhergestapft ist, seit man zentral mit ebenfalls zentral befindlichen Sozialkontakten wohnt) und dann an der Ampel schon die Bahn queren sieht, während man selbst Rot hat und trotzdem schon fast den Fuß aufm Damm hat, aber da kommt noch ein Taxi und dahinter ein Auto - und findet sich fast schon mit der davonfahrenden Bahn und dem Taxi ab, und dann bemerkt man, daß das Taxi mitten auf der Kreuzung bremst und Lichthupe gibt, daß man schnell zur Bahn rüberrennen soll... dann rennt man keine vier Wochen später keine 500 Meter entfernt wieder über eine rote Ampel und freut sich noch über diese unglaublich netten und zuvorkommenden Ostwestfalen, die Dinge tun, die in Berlin schlicht undenkbar wären. Und daß man die Bahn noch gekriegt hat.

Mittwoch, 18. März 2009

Sehen mit der Kniekehle

Gestern, beim Geburtstag der Chef-Entscheiderin, erzählte der frühere Methodentutor was von lichtempfindlichen Zellen in den Kniekehlen. Die Festgemeinde reagierte zunächst überrascht, ging dann aber schnell zur Diskussion möglicher Anwendungsgebiete sehender Kniekehlen über. Zum Beispiel könnte man viel bequemer bzw. zwei Bücher auf einmal lesen, und wenn man mit kurzen Hosen radfährt, bräuchte man keinen Schulterblick oder Rückspiegel. Unterm Strich hielten die anwesenden Herren und Damen Studierte Leute das ganze für eine Ente.

Aber niente. Alles pure Wahrheit, sagt Science.

Tja, dann roll schon mal die Hosenbeine hoch, Darling...

Montag, 16. März 2009

Ich bin ja sonst nicht schadenfroh, aber eben dann doch

Vorweg sei eine kurze Bemerkung über Zeit-Habgier gestattet.

Die Zeithabgierigen sind die, die die lebensverlängernde und -verbessernde Wirkung von Innehalten und Müßiggang nicht begriffen haben und daher bei jedem Verweilen, jeder Warte- und folgerichtig auch Verspätungsminute Gramfalten der Ungeduld und Rastlosigkeit ins Gesicht getrieben bekommen. Sie stürmen bei Rot über Hauptverkehrsstraßen, nicht ohne die entspannt Wartenden mit verächtlich vernichtenden Blicken zu strafen. Sie regen sich im Zug lauthals über fünf Minuten Verspätung auf und sagen dabei Bemerkungen wie Typisch Bahn und Das wars ja mal wieder. Sie drängeln sich in Schlangen vor und antworten auf höfliche Hinweise mit Ich warte schon so lange und ich habs ja so eilig. Sie stürmen unverzüglich den noch nicht ganz zum Stillstand gekommenen Zug, ohne die Aussteigewilligen aussteigen zu lassen. Schlußendlich, um diese beliebig verlängerbare Liste abzuschließen, verlangen sie in der Kaufhalle nach einer weiteren Kasse. Kurzum sind es recht unfreundliche Zeitgenossen, die einen selbst oft warten lassen, weil sie aus Angst vor der unverplanten Viertelstunde ihre Termine so eng legen, daß sie sich häufig abhetzen und doch zu spät kommen. Sie sind eben nur mit ihrer eigenen Zeit habgierig.

Eben war ich im Aldi, und der frühen Abendstunde angemessen war es voll. Vor den zwei geöffneten Kassen staute sich ein ansehnliches Knäuel Zahlungswilliger. Vergnügt beobachtete ich, wie aus der von mir präferierten Schlange ein Subknäuel ausbrach und sich frech an der dritten, unbesetzten Kasse tummelte - bislang hatte niemand nach einer weiteren Kasse gefragt oder geklingelt. (Anstellen, ohne zu wissen, was es überhaupt gibt, kannte man in der DDR. Anstellen, ohne daß überhaupt jemand kassiert, das gibt es nur in Ostwestfalen.) Jedenfalls lächelte ich mir schon schön ins Fäustchen. Hinter mir - weit entfernt vom eigentlichen Ort des Geschehens - fragte jemand den Waren verladenden Filialleiter nach einer weiteren Kasse. Antwort: Es sind zwei Kassen geöffnet. Frage: Und eine dritte? Antwort: Dritte Kasse kann ich nicht aufmachen. (Die Sachlage war also klar.) Ich lachte schon fast. Zumal es in der Schlange trotz unerfahrener Aushilfe oder was sie war recht flott voran ging. Das Subknäuel drüben packte derweil fleißig aus und forderte den einen Kassierer zum Klingeln auf. Währenddessen war ihre Urschlange schon so weit vorangerückt, daß sie eigentlich schon fast selber drangewesen wären. Alle in der Schlange grinsten sich inzwischen halbtot über die WG vom Knäuel, zumal sich inzwischen weitere Personen, dem Herdentrieb folgend, an der unbesetzten Kasse angestellt haben. Eine Weinflasche poltert zu Boden, zerbricht und verströmt ätherischen Dunst. Der Filialleiter kommt herbei und platzt bald. Jetzt gibt es Kopfwäsche, für den klingelnden Kassierer genauso wie für die dreisten Drei aus der Zeithabgier-WG, die dachten, sie seien schlauer als alle anderen. Inzwischen habe ich längst bezahlt und freue mich mit den anderen in meiner Schlange, daß wir auch mal geduldig fünf Minuten warten können, um unsere Tiefkühlwaren und Wasserflaschen zu bezahlen, und lache die dümmlich dreingrinsenden Zeitgeizkragen für ihre monströs vorangetragene Selbstgerechtigkeit und ihr öffentliches Auflaufen mit derselben aus.

Das war mal richtig gut.

Max Goldt, wer sonst, hat dazu mal gemeint: Wenn die Ampel rot ist, bietet ihm der rote Mann einen Zeitsnack an, und er knabbere den Snack gerne.

Dazu habe ich gleich noch eine schöne Geschichte:

Neulich wollte ich im Späti Wein kaufen. Während ich auswähle, kommt eine Frau rein und fragt nach Briefmarken. Der Kioskmann hat natürlich keine, aber ich. 55 Cent wechseln in Bar- bzw. Papierform die Besitzerin, das wars eigentlich. Ein hilfsbereiter Akt. Nun aber, die Weinflasche. Eigentlich ja 4,75 oder so. Sagt der Kioskmann: Ach, sagen wir 4. Du warst ja eben auch nett.

Mittwoch, 11. März 2009

Prioritäten setzen

Wir suchen ja gerade eine neue Mitbewohnerin, und wir sind weder in unseren Vorstellungen noch in den Ansprüchen zimperlich. Hauptsache, sie wirkt grundsätzlich volljährig und hat schon außerhalb des elterlichen Eigenheims gewohnt. Nun hat die Frau vom Montag heute abgesagt, weil sie das andere Angebot angenommen habe, und zwar, O-Ton: Es ist zwar nur halb so groß, und kostet auch mehr, und liegt auch nicht so günstig, aber da ist dieser große Parkplatz vor dem Haus. Bei euch ist es ja etwas ungünstig mit dem Parken. Ich sage: Hä? Du kannst das Auto doch an der Uni abstellen (abgesehen von: für 30 Öre aufm Hof parken bzw. Anwohnerparkausweis besorgen etc.), das machen viele, die hier wohnen und ein Auto haben. Sie: Ja, naja, aber... Naja, aber steckste eben nich drin, gottseidank.

Der Beschreibung nach muß es das Babenhauser Wohnheim gewesen sein...na, dann mal viel Spaß mit den 10 Kilo und dem schönen Blick auf den Parkplatz...das ist Lebensqualität.

Dienstag, 10. März 2009

... Gesamtzustand: U-N-G-E-D-U-L-D-I-G

Und zwar eher mittel- bis lang- denn kurzfristig gesehen... Wünschte ich mir früher noch eher eine Woche mehr zum lernen - trotz des bekannten Effektes, daß man dann eben eine Woche langsamer lernt, möchte ich es jetzt gerne hinter mich bringen. Einmal habe ich nicht das Gefühl, dem gefühlten Wissen über pädagogische Psychologie noch irgendwas hinzufügen zu können/wollen, andererseits möchte ich am liebsten schon morgen die heute gebuchte Ferienwohnung in der Villa Laetitia in Binz/Rügen einvernehmen und dort fürstliche Nächte verbringen, während die Tage der Besichtigung der Seebrücke, der Kraft-durch-Freude-Einrichtung Prora und der Umspurungsanlage im Seehafen Mukran gewidmet sein sollen. Bis dahin ist ohnehin mehr Zeit fürs Arbeiten als zum Lernen fremdbestimmt... und beim Arbeiten ist man derzeit mehr damit beschäftigt, ostwestfälischen Hausfrauen das Aktionsprinzip "Kauf 2 Zahl 1" verständlich zu machen (O-Ton: Nehmen Sie doch zwei davon, das kostet doch dasselbe!" "Nein, das kostet doch...äh...das Doppelte," "nein, ..."usw.) In der Bib gibt es neue Steckdosen, die aber nicht funktionieren, weil der Strom keine weiteren Steckdosen mehr hergibt. In der Mensa finden derzeit auch zwölf Personen mühelos Platz an einem Tisch, aber in der Stehcafete oben (wo es auch Espresso und sogar aber trotzdem auch richtigen Kaffee gibt) ist es voll wie im Wintersemester am ersten Vorlesungstag. In der Physiotherapie entdecke ich meinen Rücken neu, und dankenswerterweise scheint er sich über mein Engagement zu freuen. Im Buchladen entdeckte ich das Quittenbuch von Max Goldt, das ich einmal selbst bereits besaß, aber offensichtlich an falsche Freunde verlieh und nun nicht mehr kaufen konnte, weil: vergriffen. Aber fabelhaftes Antiquariat Weststraße Ecke Arndtstraße. Wetter wird kein Wort drüber verloren, Prüfung kein weiteres, Musik gibts nichts neues hier, Film: gestern (endlich, nach damals zwei bis drei Originalaufführungen im Kino, teils ohne Untertitel) Billy Elliott gesehen *schluchz**verzaubertsei*, Mitbewohnerin wird vielleicht die Frau von gestern, wenn sie hoffentlich morgen zusagt, ich weiß ausnahmsweise jetzt schon, wo genau ich zumindest am Morgen meines diesjährigen Geburtstages frühstücken werde (also der Ortsname ist noch nicht bekannt, aber das Bundesland: Mecklenburg-Vorpommern, das einzige Bundesland außerhalb angestammter Wohnorte (Berlin bzw. NRW (und das auch nur einmal)), das mich je überhaupt schonmal zum Geburtsag begrüßen durfte), naja, mehr Neuigkeiten gibt es nicht.

Vielleicht sollte ich doch mal anfangen:


Theorieunterricht scheint ja nicht nötig zu sein, ein Sponsor umso mehr...


Mittwoch, 4. März 2009

Mitbewohnerin gesucht:

Der Pädagoge zieht aus!

Vielleicht wird es ja nun doch noch richtig nett in der WG.