Montag, 24. August 2009

Jetzt mit Bild, aber dafür rückwärts

Da ich überhaupt keine Lust habe, die Bilder, die eben in der falschen Reihenfolge hochgeladen sind, wieder umzudrehen, erfolgt die bildgebundene Berichterstattung nun zeitlich umgedreht. Wird ja keinen stören und bringt frischen Wind rein, ne?

Also. das ist der Flugplatz Baltrum. Anders als an Bahnübergängen, die ja inzwischen doch meistens eine Schranke aufweisen, gibt es hier ein fakultatives Blinklicht, das vorm Betreten der Einflugschneise während akuten Luftverkehrs warnt, aber wenn ein Einheimischer trotzig über die Tragfläche abkippt und mit quasi schleifendem Fahrwerk landet, scheint die Flugaufsichtsbaracke (Reinhard Mey hat nicht untertrieben!) nicht besetzt zu sein zu müssen (Bitte streichen Sie die überflüssigen zu's).

Das ist das Gebäude, in welchem wohl auch die Polizei vermutet werden darf. Im Vergleich zu der nahezu uferlosen Anzahl von Baltrum-Krimis erscheint das staatswächterliche Amt etwas unterbesetzt zu sein. Es gibt sogar den handschriftlichen Hinweis bei Abwesenheit im Verbund mit einer Telephonnummer, die nicht dreistellig ist. Überdies ist das Häuschen wirklich relativ versteckt inmitten vieler anderer gelegen, also die Polizei findet man im Ernstfall wahrscheinlich nicht spontan per Augenschein.

Das ist die absolute Oberkante vom Deich, während unten das Hochwasser tobt. Also: der Höhenunterschied zwischen hier und aktueller Meeresoberfläche beträgt gut und gerne zehn Meter. Trotzdem gibt es im Deich diese Stutzen, wo offensichtlich noch Nupsi zur weiteren Hochwasserabwehr eingefügt werden können. Das ist schon ziemlich abgefahren, weil man sich als Landratte nicht vorstellen kann, daß das Meer mal so hoch kommen könnte. Gefühlt müßte dann die ganze Insel quasi abgesoffen sein.

Hasen, ich sagte es ja schon. Bzw. handelt es sich um Kaninchen und häufig um Suchbilder, auf denen man die Kaninchen entdecken soll. Man sieht eines, freut sich, dann plötzlich noch eins, und dann ist der ganze Rasen voller Hasen. Schöne Sauerei! Aber süß. Und lecker, vermeldet der inselschützende Bestandteil in mir. Die vielen Kaninchen essen nämlich die wichtige Dünenbepflanzung auf und nisten, also bei Säugetieren heißt das wahrscheinlich anders, in selbstgebuddelten Deichlöchern, in welchen später irgendwelche Vögel ihr Unwesen treiben, was von den Nationalparkheinis auch keiner gut findet. Aber da man auf einer Ferieninsel, auf der ständig Kinder zu Gast sind, nicht gut Kaninchentreibjagden veranstalten kann, muß man die Viecher eben systematisch in Restaurants zum Verzehr anbieten.

Das sind gleich zwei Einsiedlerkrebse. Die sind wie Schnecken, also mit Schneckenhaus, aber eben als Krebs, also mit Beinchen, die während der Ebbeströmung fleißig rudern und laufen. Hebt man sie mutig aus dem Wasser, verkriechen sie sich ins Schneckenhaus, um dann vielleicht doch mit einem Füßchen rauszufühlen, ob die Luft rein ist. Das ist sehr süß.

Witzig an dem Bild ist eigentlich, daß es ein undigitales Gegenbild gibt, auf dem vor Bienenköniginnen auf Hochzeitsflug gewarnt wird, und das steht im Grunde genau gegenüber. Also zusammengenommen könnte es auch ein Schild geben, auf dem Vorsicht, hier pflanzen sich Bienen fort steht, aber das gibt es nun leider nicht.

Im Hinterland der Dünen stehen einige dieser Schutzhütten herum, und so eindeutig auch die Notwendigkeit des Vorhandenseins von Schutzhütten auf dieser kleinen Insel einem nach dem selbsterlebten, harmlosen Gewitterspektakel durchaus vorkommen mag, so sehr denkt man doch automatisch Bushaltestelle, und denkt dann, was für ein Bus eigentlich?

Müllabfuhr, in diesem Fall der Gelbe Sack. Für Restmüll gibt es eigene Müllwagen, in die der Inhalt der Mülltonnen geleert werden kann.

Schlechtes Handyphoto von den Seehundbänken auf Norderney. Vielleicht, wenn alles gutgeht, folgt noch das analoge Bild von der Rückfahrt. Auf jeden Fall auch sehr süß, die Robben.

So sieht der Schlickrutscher aus, wenn er in Neßmersiel (das ist der Festlandshafen für Baltrum) einläuft. Da sind aber nur nutzlose Touristen drauf.


Das sagt das Telephon also mit fast ohne Worte. Vielleicht kommt von der Nikon später mehr. Die hat ja die ganze Zeit mit dem wundersamerweise wieder einwandfrei funzenden Teleobjektiv photographiert. Ein Jahr liegenlassen und ignorieren - schon repariert. Merkwürdig, aber wahr.

Sonntag, 23. August 2009

Ohne Bild von Baltrum

Hier gibt es kein Kabel und kein blue tooth, tja, so ist das mit den modernen Gerätschaften, also auch keine Photos vom Telephon. Und richtige Photos gibts auch nicht, weil die ganz altmodisch zum Entwickeln gegeben werden müssen, wie früher. Früher hatten wir ja nix, nicht mal'n Bollerwagen, aber jetzt weiß ich auch, warum, weil die nämlich alle auf Baltrum herumstehen. Baltrum, die Insel der Bollerwagen. Lustigerweise werden auch Distanzen mithilfe von Bollerwagen zurückgelegt, die man anderswo trotz Autolosigkeit auch ganz gut zu Fuß und mit Rucksack/Kinderwagen bewältigen würde. Das scheint zu Baltrum dazuzugehören, genauso wie das Tuten der Fähre, die Kaninchen und die gelben Telephonzellen. Auf der Insel scheint jemand von der Post mal traumatisch mit Telephonmöglichkeiten unterversorgt gewesen zu sein und veranlaßte daher, halb am Rande der Legalität, die Errichtung und Anschließung von mindestens acht, wenn nicht sogar zehn Telephonzellen (schickes, zeitloses Gelb, mittleres Spätzwanzigstesjahrhundert), und man ist ihm erst auf die Schliche gekommen und hat weitere Häuschen verhindert, nachdem bereits noch zwei des damals neueren Grau-mit-pink-Stils aufgestellt wurden und gleichzeitig die Bevölkerung mit mobilen Telephonen überversorgt war. Böse Zungen behaupten übrigens, daß, wenn man jemals eine Person in einer der zahlreichen, in Rudeln auftretenden Zellen telephonieren sähe, daß die dann auch mindestens 55 Jahre alt sei, was ich aus eigener Anschauung durchaus bestätigen würde. Jedoch erblickten wir heute wirklich zwei Leute telephonierend in einem jener rührend anachronistischen Häuschen, die zusammen nicht 40 waren.

Weiterhin grotesk auf Baltrum die Bevölkerungsdichte der Hasen. Bzw. wahrscheinlich Kaninchen (Ohren eher klein). Niemand weiß mehr, ob die mal früher aus Ställen ausgebüxt sind oder sogar freigelassen, ausgesetzt wurden, aber jedenfalls waren sie seitdem nicht müde, dem Kaninchenklischee zu entsprechen, und vermehrten sich entsprechend. D.h. wenn man des Abends durch einen beliebigen Teil der Insel geht (und tagsüber durch einen eher abgelegenen), dann sieht man Kaninchen. Erst eins, das unauffällig vor sich hinmümmelt. Dann noch eins, und dann hat man meist fünf oder sogar mehr im Blick, die man vorher gar nicht gesehen hat! Es handelt sich hierbei um ein schönes Beispiel für Somatolyse, weil man die Kaninchen nämlich echt nicht sieht!

Hübsch an der Insel der vorbildliche Strand, verfassungsgemäß in Strandkörbe, Strandmuscheln, Hundestrand und Drachenstarts unterteilt - FKK sucht man an der Nordsee wohl vergebens. Der Strand ist breit genug, um auch bei Flut noch genügend Raum für alle zu bieten. Bei Ebbe muß man ganz schön lange den Friedhof der Muscheltiere überqueren, um überhaupt das Wasser zu erreichen - dann aber hat man vielleicht die Chance, einen Einsiedlerkrebs auf der Flucht oder sogar einen Seestern zu sehen. Wenn man einen Einsiedlerkrebs, das ist ein Krebs mit einem Schneckenhaus, aus dem Wasser nimmt, versteckt er sich in seinem Häuschen, aber nach kurzer Zeit streckt er kurz ein Beinchen raus, um die Lage zu peilen - das ist sehr süß! Die Quallen der Nordsee sind hingegen brechreizerregend häßlich. Muscheln gibt es reichlich.

An die Gezeiten gewöhnt man sich bei kurzem Aufenthalt in der Form, daß es sie gibt. Da die Tide der Schrulligkeit von mehr als 12 Stunden Rhythmus folgt, finden Niedrig- und Hochwasser jeden Tag zur anderen Zeit statt. Das ist ein bißchen, als müßte man jeden Tag aufs neue den Beginn der Tagesschau im Internet nachschlagen, bloß die Implikationen reichen weiter. Die Fähre fährt nur ums Hochwasser herum - also nicht wie eine S-Bahn in irgendeiner Art Takt, sondern je nach Gelüsten von Madame Meer. Die Fähre versorgt aber die Insel mit allem, was die Insel täglich für 500 Einwohner und bis zu 3000 Touristen braucht. Es gibt quasi eine Kaufhalle und einen Konsum, darüber hinaus diverse Gaststätten und Hotels, und der Müll muß auch irgendwohin. Und da die Insel auch noch autofrei ist, wird der ganze Kram mit Pferdefuhrwerken herumkutschiert. (Am Briefkasten ist über die üblichen Leerungszeitenangabe ein breiter Streifen geklebt, der auf die Tideabhängigkeit hinweist, und daß der Kasten zwei Stunden vor Abfahrt der Fähre (wann auch immer das sein mag!) geleert wird. An der Volksbank steht, daß die Extra-Berater einen gerne extra beraten, von dannunddann bis dannunddann, und darunter handschriftlich - wegen der Fährzeiten können sich die Beratungszeiten, ähm, ändern.)

Diese Gezeiten bestimmen also deinen Aufenthalt auf Baltrum merklich, genau wie die mangelnden Ausmaße der Insel. Man kann wunderbar spazierengehen und sich dabei zwischen Strand und Dünen entscheiden, wobei beides jeweils Vor-und Nachteile hat. Aber einen richtigen Ausflug kann man eben nur machen, wenn man aufs Festland fährt, und das wäre ja albern. Schönerweise drapiert man sich also lieber mit der Prinzessin windgeschützt im Strandkorb und verschlingt Kekse und Buchstaben. Zwischendrin macht man im Standcafé eine Sozialphobie-Expo und organisiert Currywürste herbei (wenn man es dann gelernt hat). Auch hier sitzt man idealerweise im Strandkorb.

Wenn der geneigte Leser jetzt schleunigst einen Baltrum-Urlaub einplant, sollte er allerdings, wenn er über eine Schwäbisch-Allergie verfügt, den baden-württembergischen Ferienkalender bei der Hand halten - so weit entfernt die Insel von Stuttgart&Co zu sein scheint, so erreichbar ist sie offenbar doch für die solventen Besitzer der schwäbischen Luxuslimousinen und deren quengeligen Nachwuchs mit Nachwuchssorgen. Also der Nachwuchs der Menschen jetzt, nicht der Autos. Das Anhören der schwäbischen, Sprache will ich jetzt nicht sagen, Laute also, das war schon fast traumare-induzierend. Bißchen anstrengend in einer Gegend, in der man einander Moin! sagt und sonst auch nett, aber direkt zueinander ist. Man kann ja nicht bis zur nächsten Flut mit den Floskeln zubringen, und dann muß man eigentlich schon wieder los!

1,3 - und ein ganzes Stück weiser

Der Clou an der Prüfung bestand zunächst darin, daß der Prüfer nicht auftauchte, wohl aber irgendwann die nach mir drankommende Kommilitonin. Es wurde hektisch telephoniert, es gab ein Listenverwechslungsproblem und einen wahrscheinlich hektisch unter die Dusche springenden Professor, aber dann konnte es echt losgehen, nachdem ich nochmal ausgiebig auf mein Einstiegsthema und eventuelle Fragen drumherum gepimpt wurde.

Und wenn ich den anderen Schmidt&Hunter wenigstens überhaupt mal angeschaut hätte (den hatte ich einfach gar nicht auf dem Schirm), wäre (sogar!) noch mehr drin gewesen... aber in Diagnostik beschwert man sich einfach nicht über eine Einsdrei und geht selbstredend auch nicht nochmal rein.

Daß ich über der Prüfung nicht verrückt wurde, verdanke ich einzig und allein der Prinzessin mit ihrer gewohnt-angemessen guttuenden Prüfungsvorbereitungsbetreuung und sämtlichem verfügbaren Verständnis für Diagnostikaspiranten. Und ja, man kann echt für Hauptdiplomsprüfungen lernen und trotz des meist gesperrten Sonnabends (arbeiten...) die Sonntage mit liebevoller Freizeit verbringen. Und man kann gegen zehn eintrudeln und trotzdem um sieben, mit gepflegter Mittagspause, wieder abhauen. Quality time rules!

Sonntag, 16. August 2009

Nachtrag und Ausblick

Gestern war ich beim Bielefelder Christopher Street Day, so wie in den beiden anderen Jahren auch. Das Wetter war denkbar schön, die Programmtunten nicht so dramatisch angeschickert wie in den Jahren zuvor, und stärker noch als im letzten Jahr hatte ich ein schönes, emotionales Gemeinschaftsgefühl beim Anblick all der bunten, normalen, inszenierten, gespielten, ernsthaften Paare und Grüppchen, die sich auf dem Siegfriedplatz versammelt hatten und sich traditionell mit den von den zahlreich (CDU fehlte allerdings) vertretenen Parteien und Vereinen verteilten Aufklebern vollgeklebt hatten.

Schön, daß es mehrere voneinander unabhängige Höhepunkte gab:

Die in pinke Pullunder gewandeten Kollegen - ein echter Hingucker - in einem letztendlich doch privaten Setting zu treffen tat gut.

Der Konfident gab sich die Ehre, beim CSD-Besuch zu assistieren, und wir lauschten der schaurig-schönen (um eine zu Unrecht beliebte Adjektiv-Kombination zu Unrecht zu bemühen) musikalischen Darbietung von Klee, wo ich einerseits dachte, hmpf-klampf-Frauengesang, andererseits die Frontdame aber in der durchaus - egal sexuelle Orientierung - ostwestfälisch temperierten Publikumsballung sowas wie Stimmung zu verbreiten wußte *respekt* was ich wiederum nett fand. Außerdem wurde Fan Ralf mit einem individuell bedruckten T-Shirt anläßlich des 250. Konzertes, das ausgerechnet an seinem eigenen Geburtstag in seiner Heimatstadt Bielefeld stattfand, beschenkt, das fand ich noch netter. Und die Frau konnte in Schuhen hüpfen, in welchen ich allenfalls stehen könnte, falls ausreichend Anlehnungsmöglichkeiten vorhanden wären.

Dann erschien spät, aber rechtzeitig und vor allem überraschend die Prinzessin und zauberte mir für den Rest des Abends ein kleines Grinsen ins Gesicht. In einer schönen Gemeinschaftsarbeit von Schnippeln, Befehlen und Nudeln kochen entstand ein durchaus eß- und genießbares Produkt namens Zucchini-Tomaten-Paprika-Lauch-Gewürzkrams-Weißweinpfanne mit Minipenne, das genüßlich auf dem Balkon unterm sternschnuppenlosen Sternenhimmel verspeist wurde.

Quality time mit quality persons, naja, vielleicht könnte man es auch ein klein wenig netter ausdrücken: Das war ganz und gar großartig.

Als Nachtrag, eigentlich: der Bielefelder Bürgermeister ist wohl nicht von selber drauf gekommen, sondern mußte nach Ratsdebatten und dergleichen quasi gezwungen werden, die Regenbogenflagge zum CSD am Rathaus aufzuziehen. Das ist natürlich absolut tadelnswert!

Donnerstag, 13. August 2009

ganz einfach:

ich mach bis Dienstag die Augen zu, dann kann mich ja keiner sehen, und wenn ich mich während der Prüfung nicht totschäme, wartet ja hinterher wenigstens psychologisch-liebevolle Betreuung auf mich, und der Konfident will auch im Morgengrauen aufschlagen!

Es ist ja so, daß, seit ich mich von der Zwangsvorstellung, ich müßte im September auch noch die Prüfung in klinischer Psychologie machen, befreit habe, alles irgendwie wieder gut ist und ich verhältnismäßig entspannt bin. Aber Diagnostik ist eben nicht Päda, sondern sowohl quantitativ als auch qualitativ viel mehr, mehr denken, mehr Anspruch und mehr trotzdem auch einfaches Wissen, das so langweilig-auswendig abgefragt werden kann. Das einzige clevere erscheint mir (im Hinblick auf die künftigen Prüfungen) darin zu bestehen, daß ich bei den einfacheren späteren Prüfungen dann immer sagen kann, Diagnostik hab ich überlebt, und das war viel schwerer. Leider werde ich immer rumjammern, weil ich über eine wahnsinnig schlechte Selbsteinschätzung verfüge, die mir letztendlich lediglich mitteilt: du weißt nix, und du wirst dich fürchterlich blamieren. Was Prüfungen angeht, bin ich sehr sozialphobisch mitsamt sämtlich dysfunktionalen Kognitionen und unrealistischer Fremdeinschätzungserwartungen. Das wird sich wahrscheinlich nicht mehr bessern.

Wie gut es in diesem Zusammenhang ist, über eine angemessene und liebevolle Prüfungsvorbereitungsbetreuung zu verfügen, die nun ja auch schon infolge ausgiebiger Gelegenheit zur Selbstevaluation und -optimierung das quasi Non-plus-ultra darstellen dürfte, wurde häufig bereits an anderer, hiesiger Stelle erwähnt. Trotzdem jetzt und hier noch einmal: Das ist gut, nicht bis zur Schließzeit in der Bib zu harren. Das tut gut, danach gute Nahrung zu bekommen. Am Tage mit dem launischen Angebot der Mensa und den arroganten Schließzeiten der Cafeteria angemessen zurechtzukommen, mit lieben Emails versorgt zu werden, Testrezensionen ausgedruckt zu bekommen und überhaupt - das tut gut. Und es hilft, sich nicht so sehr, zu sehr in die Prüfung hineinzuversenken, daß nichts anderes mehr existiert und niemand anderes mehr Zugang hat, was man zwar mal machen kann, was aber nicht die Regel sein kann, wenn man gleichzeitig schnell studiert, d.h. ständig Prüfungen hat. Und ich weiß (inzwischen! Die Lerntheoretiker haben vielleicht doch recht!), daß es dem Lernen auch guttut, nicht immer zu lernen, also Pausen zu machen, in denen man abschaltet und anderen Dingen nachgeht, andere Dinge erledigt.

Banal, nich?

Mittwoch, 12. August 2009

Wenn Biele baut

Also, sowas wie Umleitungen oder Baustellenhinweise oder vernünftige Verkehrsplanung auch in schwierigen Situationen, das gibt es in Ostwestfalen nicht. Wenn die halbe Straße nicht befahrbar ist wg. Asphaltentfernung/ spontane, dann sollen die halt die andere Hälfte nehmen, und die, für die die andere Hälfte eigentlich gedacht ist, können doch woanders langfahren. Wenn man dann, kraft der Gewohnheit, die Kreuzung auf der anderen Seite in die eigentlich richtige, dann aber unten sinnwidrig gesperrte Richtung überquert, kommen schon früh am Morgen einige Kraftfahrzeugführer in den Genuß der Übung "Wenden in drei Zügen" und "Uni-Umrundung komplett", weil man von oben keine Chance mehr hat, auf die Morgenbreede zu kommen.

Dann fährt man eben Schloßhofstraße, denkt der ortskundige Automobilist, und entdeckt, daß man in Biele auch an langen, unübersichtlichen Baustellenabschnitten auf eine teure Baustellenampelanlage verzichtet und das aneinandervorbeifahren den Aneinandervorbeifahrenden getrost selber überläßt, gewürzt vom gelegentlich auftauchenden Radlader.

Zur Krönung war die Arndtstraße dann zeitweilig auch noch verstopft, weil ein regelwidrig abbiegender Mercedes beim regelwidrigen Abbiegen auf einen Geländewagen aufstolperte.

Soviel Begeisterung kann man für marginale Vorfälle aller Art entwickeln, wenn man sich ganze Tage in der Bib mit Persönlichkeits- und Intelligenztests herumschlagen muß.

Montag, 10. August 2009

Mögliches Reklamationsschreiben:

Sehr geehrte Mobilfunktelephonfirma,

seit vielen Jahren bin ich eine treue Kundin, die schon einige Mobiltelephone bei Ihnen via Mobilfunkvertrag abgezahlt hat. Mit meinem neuesten (ca. ein Jahr) bin ich eigentlich weniger zufrieden, was vor allem der mangelhaften Akkuleistung geschuldet ist. Auch wenn ich nie damit ins Internet gehe, wenig photographiere und entsprechend selten Bluetooth nutze, weder MP3-Player noch Radio und schon gar nicht den sogenannten dynamischen Stand-by nutze, ist der Akku, wie ich mich aktuell überzeigen kann, genauso schnell, eher schneller runter wie beim alten, zweieinhalb Jahre lang betriebenem Telephon. Der Akku wurde ohne Verbesserung einmal getauscht, aber nun, ach! das Ladegerät. Wackelkontakt; nur bei kompliziert-verwickelten Arrangements vom Kabel im Bezug auf das Kästchen an der Steckdose ging überhaupt was; ausschalten des Telephons während des Ladevorgangs ging hingegen gar nicht.

Nach vielen Wochen finde ich endlich den Weg in den Mobilfunkunternehmensshop meines Vertrauens, und die Odyssee beginnt erst:

1. langes Warten, dann die Mitteilung, daß man am Freitagabend kaum mehr in der Zentrale an die relevanten Informationen käme (meine Schuld - die Rechnung liegt eher im Müggelsee versenkt, als daß ich sie in meinem Zimmer fände...)
2. langes Warten, dann Wiedererkennen und klar, los gehts - geben Sie das alte Ladegerät schon mal her - das geht schnell, und ohne geht es nicht.
3. langes Warten, dann Aushändigen eines Ladegeräts und diverser Zettelchen, und ich ahne schon, daß was faul ist, aber ich muß selbst zur Arbeit springen - keine Zeit für Diskussionen.
4. klar - das falsche Ladegerät. Vollpfosten!
5. Mittagspause - langes Warten, offensichtlich sind potentielle zukünftige Kunden sehr viel wichtiger als unpotentiell tatsächlich wütige bereits-schon-lange-Kunden - die gleiche Schnepfe findet kein Wort des Bedauerns, knallt umgekehrt stattdessen ein geschnürtes Paket auf den Tisch und teilt mir mit, daß ich dieses Paket jetzt zur Post tragen müsse - das richtige Ladegerät würde dann SOFORT zugeschickt.
5. ... und ich so: Hä?
6. ... das ist jetzt nicht Ihr Ernst?
7. ... *Mobilfunkunternehmen* macht einen Fehler, und ich soll den jetzt zur Post tragen?
8. Schnepfenantwort, einzig und allein: Verstehe Ihren Ärger, aber geht nicht anders, das ist nunmal so.
9. Keine Entschuldigung, keine brauchbare Erklärung. Ich habs bestellt, ich muß es zurückschicken.
10. GeistesUNgegenwärtig, wie ich bin, nehme ich das inkrementelle Paket an mich und schleppe mich zurück in die Arbeit, nicht ohne unbeteiligte Prinzessinnen am Telephon *sic!* für konstruktive Bewältigungsvorschläge zusammenzufalten. Aber, was entdeckt mein müdes, aber trotzdem Adlerauge auf dem Paket als Absenderangabe: *piep* Shop *piep*straße Bielefeld.
11. Also nicht mich.
12. Also trage ich, in meiner Eigenschaft als nicht zu knapp zahlende Kundin, meinem Mobilfunkanbieter die Reklamationen zur Post.
13. Das gibts doch gar nicht, oder?

Dienstag, 4. August 2009

Meine Herren

und Damen...

es dauert noch zwei Wochen.

Dann bin ich vielleicht wieder normal ansprechbar. Ich habe überhaupt nicht das Gefühl, jemals gut vorbereitet sein zu können - das ist auch der einzige Grund, warum ich mich nicht abmelde. Das Problem würde sich ja dann nur verlagern, nicht verschwinden.

Freitag, 31. Juli 2009

das weiß man auch nicht

warum dieser Laden ein Tal der Tränen nach dem anderen durchwaten muß.

Eine Kollegin, die kaum zwei Jahre älter ist als ich (also ÜBERHAUPT nicht alt), hat einen Tumor in der Brust und beginnt derzeit ihre Chemotherapie, woraufhin Operation und Bestrahlung folgen werden.

Verdammte Scheiße.

Sie spaziert gotteseidank cool im Laden herum und erzählt vom absehbaren Haarausfall, und daß sie dann eben auch ein Fall fürs Kopftuch wäre. Bitte hör nicht auf damit!

Donnerstag, 30. Juli 2009

Ich bin es langsam leid,

vor jeder Prüfung herumzujammern.

Aber Diagnostik, das ist schon eine Sache für sich.

Heute traf ich zufällig einen Professor am Fahrstuhl, mit dem ich gleich ein paar Dinge ganz informell regeln konnte, der aber auch im vergangenen Semester in der beratenden Kommission der Stiftung Studienfonds OWL saß und mich deshalb fragte, ob ich das Stipendium nun eigentlich bekommen hätte - er hätte meine Unterlagen sehr gut gefunden. Ich mußte erstmal nachdenken, woher er das überhaupt wissen konnte... sagte dann aber, daß ich mich jetzt nochmal bewerben würde, weil ich ja keine inhaltliche, sondern eine im Grunde finanziell begründete Absage bekommen hätte - und inzwischen sei ja noch eine Eins dazugekommen. Jedenfalls verstärkte er mich sehr stark in Sachen Wiederbewerbung, was ich dann doch ganz nett fand, und im Postfach fand ich anschließend auch gleich eine Mail vom Chef mit erneuertem Empfehlungsschreiben, woraufhin ich erstmal wieder mit rotem Kopf in der Bib saß. Also gut, ich bewerb mich nochmal drum. Lohnt sich jetzt auch mehr - das Land schießt ordentlich was zu, und so sinds 300 Öre im Monat, nicht 500 im Semester. Mal sehen.

Ich muß mich leider noch über den Studiengebührenboykott des AStA lustigmachen. Das ist ein bißchen blöd, weil ich ja eigentlich immernoch eine linke Bazille bin und daher Aktionen wie diese vermeintlich gutfinden muß. Aber wie ernst nehme ich einen Flyer, der folgendes erläutert: Überweise deine Studiengebühren auf ein dir unbekanntes, angebliches Rechtsanwaltskanzlei-Treuhandkonto (Namen wurden erstmal nicht genannt). Wenn wir viele sind (= mehr als 3500), muß die Uni mit uns verhandeln, weil sie es sich nicht leisten kann, uns alle zu exmatrikulieren. Wenn unsere diesbezüglichen Verhandlungen aber scheitern, werden deine Studiengebühren vom Treuhandkonto an die Uni überwiesen, so daß du rechtzeitig zurückgemeldet bist. Aha. Da Rektor Timmermann wahrscheinlich auch in der Mensa essen geht, konnte er sich in den genügend ausliegenden Flyern also darüber informieren, daß er bei etwaigen Verhandlungen einfach stur bleiben muß, weil wenn nix rauskommt, dann passiert auch nix. Aber selbst so weit wäre es nicht gekommen: wie viele Studenten brauchen ihren Leporello (so heißt bei uns der Ausdruck mit den ganzen schönen Immatrikulationsbescheinigungen und dem Semesterticket usw.) beizeiten - für Bafög, für Stipendien, für die Krankenkasse und, im Falle von ausländischen Studenten, für ihre Aufenthaltsgenehmigung usw? Wie viele haben (wie ich) einen NRW-Kredit, die gar nicht boykottieren können? Wie viele sind infolge Gremienarbeit befreit (gar nicht so wenige - und vor allem grad diejenigen, die für einen Boykott zu gewinnen wären, wahrscheinlich) - was für ein riesengroßer, unnützer Haufen Aktion, bei dem von vornherein klar war, daß das nichts bringen kann. Das ist für das Ansehen der studentischen Gremien eher schädlich (Poster und Flyer mit den zottelköpfigen Gestalten haben ja auch Studentengeld gekostet). Nun waren es keine 400, die mitgemacht haben...

Zwei Tage arbeiten, und dann muß ich wohl das Prokrastinieren aufhören.

Dienstag, 28. Juli 2009

Und jetzt gibts mal was unreflektiertes zum Thema "Homosexuelle Paare sollen im Adoptionsrecht gleichgestellt werden"

So, da gab es jetzt ein paar Studien, nach denen Kinder, die bei homosexuellen Paaren aufwachsen, nicht krimineller oder sogar häufiger homosexuell werden als andere. Daraufhin haben wir eine ziemlich mutige Ministerin, die nahezu mitten im Wahlkampf (und wenn Ulla nicht wär, hätten wir gleichzeitig Sommerloch) mitteilt, eine Diskriminierung homosexueller Paare ist seither nicht begründbar.

Will heißen: Anders als bisher und im Einklang mit dem neuen europäischen Adoptionsrecht sollen homosexuellen Paaren die gleichen Rechte beim Adoptieren eingeräumt werden. Nun ist wiedermal das Abendland in Gefahr, weil der einzige Ort, an dem Kinder glücklich aufwachsen können, die prototypische Mutter-Vater-Kind-Familie sei.

Momentan werden in Deutschland einige Tausend Kinder im Jahr adoptiert, ungefähr die Hälfte davon ist über 14 Jahre alt und/oder wird im Zuge einer sogenannten Stiefkindadoption rechtlich in eine bereits bestehende Konstellation eingefügt, wobei in diesen Fällen der jeweilige lebende biologische Elternbestandteil quasi Verzicht aussprechen muß.

Andererseits leben heute schon geschätzte 16.000 Kinder mit meist (ca. 95%) zwei Frauen als Eltern. Der Angriff aufs Abendland ist, wenn überhaupt, also bereits erfolgt, allerdings bislang ohne weitreichend bekannt gewordene Folgen. Der Anteil der Homosexuellen überhaupt an der Gesamtbevölkerung schwankt je nach Studie, Definition für Homosexualität und Auftraggeber zwischen 1 und 10%, was in Klarzahlen immerhin mindestens 80.000 Homosexuelle zum Vorschein bringen dürfte.

Die aufgeregte Debatte (106 Kommentare derzeit bei Zeit.de) dreht sich also einmal mehr um Nupsi. Daß nur so wenig Adoptionswünsche (auf ein zur Adoption freigegebenes Kind kommen 10mal soviele Paare) der unfruchtbaren heterosexuellen Paare erfüllt werden, liegt vor allem daran, daß sich die Kleinkindadoption ausschließlich am Kindeswohl orientiert, und da ist Fremdadoption eben nur eine hintergeordnete Lösung, und dem müssen sich adoptionswillige Paare unterordnen. Das wird auch bei einer Öffnung des Adoptionsrechtes bezüglich homosexueller Eltern nicht anders werden, d.h. sie werden es genau so schwer oder leicht haben, ein unbekanntes, kleines Kind zu adoptieren wie die sogenannten normalen Paare.

Daß es überhaupt bereits so viele Kinder gibt, die mit zwei Frauen als Bezugspersonen aufwachsen, zeigt ja, daß Menschen sich nicht immer von den bürokratischen Gegebenheiten davon abhalten lassen, ihr Leben nach ihren Vorstellungen zu gestalten. Die Antwort, warum die Kinder darunter leiden sollten, bleiben die konservativen Familienfreunde schuldig.

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Natürlich bin ich befangen. Mir geht es um die Denkweise. Papa Geldverdiener, Mama Hausverwalterin und Familienmanagerin, Kinder im Gymnasium = GUT, Papa weg, Mama Fließband und viele Liebhaber = schlecht und Kinder Hauptschule, Kriminalität usw. Das Dazwischen, das gibt es doch auch, und daß es per se schlecht ist, das darf mir die CDU/CSU erstmal beweisen. Wissenschaftlich.

Montag, 27. Juli 2009

The so-called Holidays

Okay, seit heute, Glaskasten, ist es amtlich, daß die Ferien begonnen haben - schlimmes Schnitzel, und am Salat weiße Sauce mit Tomaten, und die Caféteria schließt um 16 Uhr. Dafür gibts im Westend Spieße mit Pommes und Tomatensauce, man kann draußen sitzen, und wenn man am ersten Ferientag schon ins Westend gehen muß, weiß man, daß man den Wintersemesterbeginn beinahe herbeisehnt.

Pünktlich zum Semesterbeginn ist der Konfident grippelos wieder da, und ich bin stolze Besitzerin eines original-mexikanischen Dingsbums zum Anziehen in lila in Übergröße! Ich werde es testhalber mal waschen und prüfen, ob es sich dann meiner Körperfülle einigermaßen angenähert haben wird. Es scheint jedenfalls sehr warm zu sein, und lila schützt ja vor Schwangerschaft. Schlußendlich war es am Donnerstag wie die Fortsetzung eines kürzlich unterbrochenen Gesprächs, angereichert durch 10 Monate unterschiedlich prägenden Erlebens (Saltillo vs. Bielefeld) und das Gefühl, sich trotzdem eher mehr zu sagen zu haben. Und daß es ja mehr und mehr solche Abende geben wird, da der Konfident eben wieder hier ist.

Was ich noch absurd finde grad:

In Berlin fährt wirklich keine einzige S-Bahn auf der Stadtbahn. Man glaubt es erst, wenn man es sieht. Wenn die S-Bahn Berlin GmbH das vor 15 Jahren bei der Stadtbahnsanierung geahnt hätte, daß man den Berliner auch die Stadtbahn einfach wegnehmen kann! Oder jetzt beim Ostkreuz-Umbau. Natürlich bei laufendem Betrieb - würde ja sonst GAR NICHT gehen! Oder vielleicht doch? Bloß daß sie jetzt weniger Geld kriegen vom Senat, das ist blöd. Deshalb führen sie auch weiter Fahrscheinkontrollen durch und leiten gleich beim ersten Erwischen ein Strafverfahren ein - dürfte ja auch leichter sein, Schwarzfahrer zu erwischen, wenn 75% des Betriebes eingestellt sind - so viel wie zuletzt, als die Rote Armee die Schlacht um Berlin und den Führerbunker focht.

[Anmerkung: Die S-Bahn hat ihre Gewinne privatisiert und bürdet die Kosten für Instandhaltung, Wartung und Sicherheit jetzt der Allgemeinheit auf, nachdem rausgekommen ist, daß Wartungsintervalle freizügig überdehnt und Radwechseltermine großzügig ausgelassen worden sind. Willkommen in der freien Wirtschaft, wo alles der freie Markt über den Preis regelt. Bloß daß einige freier sind als andere.]

Freier in Bezug auf die Nutzung von S-Bahnen und dergleichen sind scheints Politiker, die den gepanzerten Dienstwagen mal eben nach Spanien kommen lassen, um mitten im Urlaub einen Vortrag vor Rentnern halten zu können und dabei nicht standesungemäß vorfahren zu müssen. Bei der ganzen Diskussion darum, ob das private Nutzen (und abrechnen) von Dienst-PKW rechtens sei, wird irgendwie ausgeblendet, daß es ja auch einen Haufen Geld (in Form von Sprit) kostet, das Ding da runterzufahren. Wird ja kein Dreiliterauto sein. Wer bezahlt das eigentlich? Muß die Ministerin sich an diesen Kosten beteiligen, wenn sie den Wagen dann auch privat nutzt? Ach, dumme Kuh. Warum lassen Sie sich nicht einfach von der Madrider Botschaft herumfahren, wenn es im Urlaub schon sein muß? Und dann lassen Sie sich das gute Stück auch noch klauen, also wirklich. Dämlicher geht es wirklich nicht. Schade, daß die Legislaturperiode zuende ist.

Mittwoch, 22. Juli 2009

Servus Baba nach Liechtenstein

Das ist nun zwar eher österreichisch, aber ich kann kein liechtensteinisch. Liechtenstein kennen wir alle als einen von diesen komischen Stadtstaaten - Luxemburg, Andorra, Monaco, Vatikan - die wir der Einfachheit halber aufgrund ihrer relativen Größe auch irgendwo nebeneinander verorten. Mich würde es zum Beispiel spontan im Leben nicht verwundern, wenn Andorra, Liechtenstein und Luxemburg irgendwo zwischen Belgien und den Niederlanden gemeinschaftlich ihr Stadtstaatendasein fristen würden, aber kognitiv weiß ich natürlich, daß das Quatsch ist.

Trotzdem überraschend, daß in Liechtenstein gerade einmal 35.000 Liechtensteiner wohnen, die auch noch auf ca. elf Dörfer verteilt sind, deren Hauptdorf Vaduz immerhin über eine handelsübliche Fußgängerzone verfügt. Deshalb gehen die studierfähigen Liechtensteinerinnen und Liechtensteiner ins nahe Ausland zum studieren, und weil es in Bern so uninteressant schweizerisch zugeht, wechselt man für ein wirklich spannendes Erasmusjahr nach, natürlich *fängt mit B an* Bielefeld.

Das beste, was einem in Bielefeld als Psychologiestudentin so passieren kann, ist natürlich, mit der Emobraut und mir in eine Referatsgruppe über bildgebende Verfahren bei Depression zu geraten. Das Referat war großartig, das Seminar sowieso, und wir drei wären in einem anderen Studierendenuniversum wahrscheinlich eine dicke Clique. Und heute war also Abschied, standesgemäß auf dem Siegfriedplatz, situationsgerecht vom Platzregen beendet. Alles Gute für später wünsche ich dir, and I keep fingers crossed for you!

Dienstag, 21. Juli 2009

So.

Nachdem ich in den vergangenen Tagen ein bißchen in alten Blogeinträgen stöberte, fiel mir auf, daß sich ja doch der ein oder andere Eintrag angesammelt hat. Und wie das mit Tagebucheinträgen sein soll, erinnerte ich mich an allerlei längst verschüttet geglaubte Geschehnisse. Daher sollte ich den Blog auch erinnerungssporttechnisch wieder ernster nehmen.

Wie ist das mit dem Lernen? Eigentlich einfacher als am Anfang. Aber der Anspruch steigt, und man beginnt, mehr zu verlieren zu haben - sich zum Obst machen beim Prüfer, oder es doch nicht in der avisierten Zeit mit dem Fertigwerden zu schaffen (was passiert dann eigentlich?), und ich fühle mich auch stärker beobachtet als der durchschnittliche Psycho - Prominenz ist immer zweischneidig.

Der Konfident ist wieder da und muß noch schnell von der Amerikagrippe, die doch keine war, genesen. Ach, ich seh den ja auch lieber gesund als grippig und dann eben erst übermorgen. Und dann muß die Diagnostik, wie leider so oft, liegenbleiben, und dem Kaffeetrinken, dem Einkaufen, dem Kochen und dem auf-dem-Balkon-sitzen Platz machen. Überhaupt Diagnostik: mal im Ernst: gestern habe ich mich bloß mit dem Nachtragen der Details vom HAWIK-IV, der nichtmal im Buch vorkommt, aus dem Manual aufgehalten. Wenn ich in dem Tempo weitermache, kann ich die Prüfung in zwei Jahren machen. Heute habe ich objektive und nichtsprachliche Persönlichkeitstests abgehakt; wieder ein Promille des Prüfungsstoffs. Ich sitze in der Bib und kenne mich inzwischen ganz gut: je mehr ich mich zu Leistung und sichtbaren Erfolgen anstachele, desto Quatsch. Besser dasitzen und ein Testchen verskripten und danach schnell auf sueddeutsche.de gucken, ob was in der Welt passiert ist (als wenn das auf sueddeutsche.de als erstes vermeldet würde, Schnarchnasen!), und eine schnelle Email schreiben, als verbissen ins verschwommene Buch zu starren. Die anderen lernen alle für die Evaluationsprüfung, das ist nächste Woche. Ich hab mir das fürs nächste Jahr, für den krönenden Abschluß aufgehoben.

Aber an sich ist das sehr schön in der Bibliothek, wie die Zeit vergeht, die sonst träg tropft. Wie sich alle ritualisiert bewegen. Wie der Rechner mit dem W-Lan ringt. Wie jede Prüfung gleich und gleichzeitig einzigartig verläuft. Wie der Tag auf einmal strukturiert ist. Wie man nacheinander schaut. Ich glaub, alle meine Kommilitonen beiderlei Geschlechts, die zumindest teils in der Bib lernen, habe ich am liebsten. Einfach weil ich sie dort sehe, beim Lernen. Die, die zuhause lernen, gehen dann auch nicht mehr zu den Vorlesungen, sieht man so auch nicht in der Uni. Die machen das mit sich aus. Das ist natürlich auch tapfer.

Sonntag, 19. Juli 2009

Nachtrag zum Kleinen Fest im großen Garten I

Photos werden nachgeliefert, weil ich keine Lust habe, den bluetoothfähigen Rechner hochzufahren, um die Photos aus dem Telephon zu extrahieren. Aber soviel sei schonmal gesagt: Das ist toll. Es findet jedes Jahr an ausgewählten Tagen in den Königlichen Gärten Herrenhausen in Hannover statt und ist eher so eine Art Kleinkunst-Theater-Festival.

Man kommt an und lagert sich auf der Wiese vor dem Eingang. Da noch nicht offen ist, verspeist man zunächst den Inhalt des hoffentlich reich bestückten Picknickkorbes. Dann kommt die Begrüßung in allen bei den Künstlern vertretenen Sprachen, diesmal 17. Eine Frau schwebt an einem Ballon heran und turnt in einer Art Trapez daran herum. Die Tore werden endlich geöffnet, und eine verhältnismäßig entspannte Masse entert den Garten, auf dessen Wegen überall kleine Bühnen mit Künstlern drauf zu finden sind. Aber auch zwischen den Bühnen passiert Beobachtenswertes. Zum einen gibt es eine Menge sog. Walking Acts, Menschen, die in phantasievollen Kostümen und dazugehörigen Rollen unterwegs sind. Zum anderen gibt es Jochen, den Elephanten, der misantropisch auf einem Dreirad unterwegs und mit einem Volksempfänger ausgestattet ist und die Besucher auf Veranstaltungen hinweist. Er bewegt sich dabei so natürlich, daß die Leute den Elephanten sofort anthropomorphisieren und mit ihm reden, als sei er ein kleiner Mensch. Die Vermutung, es handele sich um einen verkleideten, sehr kleinen Menschen, kann man im Umfeld von Jochen häufiger hören. Dabei läuft sein Herrchen quasi hinter ihm her, ausgestattet mit einer leistungsfähigen Fernbedienung und unauffälliger Mikro-Knopf-im-Ohr-Funkausstattung.

Abends gibt es ein nettes Feuerwerk zu Händels Wassermusik.

Nebenerkenntnis eines Nachmittags und Abends in Hannover: Das ist ganz schön groß. Auch in Hannover ist man geraume Zeit unterwegs, um von A nach C über B zu kommen. Das ist man in Bielefeld überhaupt nicht gewohnt und in Berlin so sehr, daß ich da nie drüber nachdenke.

Wieder eine tolle Wohnung:

Auf der einen Seite, unter Dachgebälk, blickt man über den Siegfriedplatz ins Bielefelder Umland. Auf der anderen Seite sieht man durch die exzessive Fensterfront über den ausladenden Balkon hinweg auf die Sparrenburg. Drinne stehen Leute und feiern 1 Geburtstag und eine längst fällige Verabschiedung. Der Verabschiedete residiert seit einiger Zeit als Professor in Duisburg, wo er bereits ein ansehnliches Team um sich herum versammelt hat. Wenn ich Anfang Oktober hinfahre, werden wohl beim Abendessen unproblematisch ein bis drei Diplomarbeitsthema für mich aufploppen, so die Prophezeiung.

Auf dem Buffet stand vor einer Schale mit weißlichem Inhalt der handgeschriebene Zettel Vorsicht - nicht sehr lecker! Bitte erst vorsichtig probieren! Der andere Professor mußte sich natürlich einem Selbstversuch unter- und sein Gesicht infolgedessen verziehen. Der Zettel war also einigermaßen berechtigt. Weitere Höhepunkte bestanden in einem umgekippten Rotweinglas und einem Stuhlzusammenbruch, die vom Publikum jeweils unterschiedlich bewertet wurden (Hast du den Stuhl kaputtgemacht?). Es zeigte sich auch wieder, daß man die beiden Professoren nicht mit Rotwein und Zigaretten auf einen Balkon stellen sollte. Natürlich hecken die sofort was aus. Als ich einmal dazukam, sagte der eine zum andern Na, das können wir doch dann einfach bei uns in Essen machen. Da haben wir doch den Scanner. Und schon ploppen die Veröffentlichungen auf.

Ansonsten alles natürlich voller teils promovierter, teils approbierter (und ja - sogar teils sowohl-als-auch!) Psychologinnen und Psychologen, und das laßt euch gesagt sein, daß die sich im Feierverhalten nicht von anderen vermeintlich Normalsterblichen unterscheiden. Die machen auch nur Quatsch und reden von der Arbeit.

Donnerstag, 16. Juli 2009

Das ist ja wohl ein Witz, Bahn!

Da liest man toll was über die neuen Fahrgastrechte, daß man ab Ende Juli bei Verspätungen in der gesamten Reisekette "Entschädigungen" bekommt.

Aber dann, das Kleingedruckte. In diesem Fall der Absatz Wann gibt es im Fernverkehr kein Geld zurück? Und erfährt:

... wenn die Verspätung aufgrund äußerer Einflüsse auftritt.

Also nie - Suizid, Böschungsbrände, ungünstige Witterung (Laub auf den Gleisen, im Januar unerwarteter Schneefall) und der neuerdings beliebte Notarzteinsatz am Gleis sind ja wohl die häufigsten Verspätungsgründe. Nur ganz selten hört man, daß der Lokführer vorsätzlich gebummelt hat... aber auch rechtzeitig angekündigte Baustellen entbinden die Bahn von ihrer Pflicht (sic!).

Abgesehen davon kann es sich bei einer Teilerstattung des Fahrpreises wohl kaum um eine Entschädigung handeln... allenfalls um Schmerzensgeld für entgangene Lebensfreude.

Sieht mir ganz nach einem Prachtexemplar von Bock aus, das da einer geschossen hat. Vielen Dank dafür. Falls es jemandem mal gelingen sollte, eine Ausgleichszahlung zu erhalten, bitte ich um persönliche Mitteilung.

Montag, 13. Juli 2009

Selten

bis nie habe ich einen so schlechten Artikel über ein so wichtiges Thema gelesen. Ich möchte behaupten, daß keine einzige der im Artikel aufgestellten Behauptungen wahr ist, nicht mal die über die Lebenszeitprävalenz. Bei einem Waschzwang leidet man jedenfalls nicht unter der Vorstellung, den Herd nicht richtig ausgestellt zu haben. Und die Erklärung der Exposition macht einen wirklich krank - in der Vorstellung, daß bei der Zeit zumindest noch Personen arbeiten, die ihr Studium abgeschlossen haben und daher einer vollständigen Recherche physisch und psychisch gewachsen sind. Andernfalls sollte man sich dieserlei Artikel echt sparen.

Lou Reed:

Just a perfect day
drink Sangria in the park
And then later
when it gets dark, we go home

Just a perfect day
feed animals in the zoo
Then later
a movie, too, and then home

Oh, it's such a perfect day
I'm glad I spend it with you
Oh, such a perfect day
You just keep me hanging on
You just keep me hanging on

Just a perfect day
problems all left alone
Weekenders on our own
it's such fun

Just a perfect day
you made me forget myself
I thought I was
someone else, someone good

Oh, it's such a perfect day
I'm glad I spent it with you
Oh, such a perfect day
You just keep me hanging on
You just keep me hanging on

You're going to reap just what you sow

Freitag, 10. Juli 2009

Screenshot während folgenden Satzes:

Ich lerne ja in der Bib, weil ich zuhause immer was anderes machen würde...



Im Gegensatz zur ablenkungsarmen Bibliothek natürlich :-D

Donnerstag, 9. Juli 2009

Keine Frage!

Der Bortz* ist...

die Bibel!
Prüfungsrelevant!

- wie gleichzeitig aus zwei Pistolen* geschossen die Antworten des Tages...

*Forschungsmethoden und Evaluation - Prüfungsliteratur für Multivariate Verfahren und Evaluation
*Münder, also quasi parallel-sho(o)uting, ha ha.

Dienstag, 7. Juli 2009

Und als Anmerkung zum ewig als gefährlich klassifizierten Osten:

Ludwigshafen, Solingen und Mölln waren und sind im Westen. Trotzdem wird in einschlägigen Reiseführern vor dem Besuch Ostdeutschlands pauschal gewarnt. Daß es da unter Umständen nicht lustig zugeht, weiß jede, die mal mit zottigen hennaroten Haaren durch die Provinz gezogen ist. Aber daß man in München seines Lebens und seiner Unversehrtheit jenseits von Ausländer- oder Zeckenhaß nicht sicher sein kann, haben die verschiedenen Ereignisse des letzten Jahres und grad ganz aktuell gezeigt. Ist München daran schuld, daß Jugendliche von der Zürcher Goldküste wahllos wehrlose Münchner fast totschlagen? Reisewarnungen werden sicher eher nicht ausgesprochen werden, weder für potentielle Täter noch Opfer.

Als ich neulich in der Zeitung las,

daß eine Zeugin während einer Gerichtsverhandlung in Dresden ermordet wurde, las ich folgendes (natürlich dachte ich mit keinem Gyrus daran, diese ersten Artikel zu verlinken. Wieso auch?):

Frau tot, Kind dabei, Beleidigungsverfahren, der Angeklagte der Täter, Verletzte infolge Tumult.

Später:

Ehemann der toten Frau infolge Tumults verletzt, Berufungsverhandlung.

Noch später:

Frau schwanger (dritter Monat - das ist nicht grade sichtbar), ... Apothekerin.

... und dann gings plötzlich los. Ich lese ja auch nicht jeden Furzartikel über sowas. Auf einmal dreht Ägypten frei. Nun erfahre ich (einige Tage später):

Frau ägyptische Apothekerin, Kopftuchträgerin, infolge des Kopftuchs beleidigt worden, Anzeige angestrengt (also selber Klägerin, nicht bloß Zeugin - auch wenn man immer als Zeuge gehört wird), Recht bekommen (zurecht natürlich), in Berufung gegangen (inzwischen wars der Staatsanwalt), Ehemann bei Hilfeversuch von Polizei angeschossen und schwer verletzt. Täter Spät(sehrspät)aussiedler aus Russland.

Auf einmal haben wir eine wunderschöne Debatte über Islamophobie, Gewalt gegen Ausländer in Ostdeutschland, das angebliche Wegschauen der Politik und/oder Öffentlichkeit, unser Verhältnis zu Ägypten und vieles mehr. Die Russen kriegen nebenbei auch ordentlich was ab. Dabei haben die Medien, zumindest die, die ich so lese, am Anfang in meinen Augen alles richtig gemacht: der Vorfall wurde berichtet, ohne die doch eigentlich so unwichtigen Parameter Staats-, Religions- (samt äußerer Erkennungszeichen) oder Nationalitätsangehörigkeit in den Vordergrund zu stellen. Das gereicht jetzt zum Nachteil, weil diversen Stellen vorgeworfen wurde, nicht adäquat auf, Vorfall will ich jetzt nicht schreiben, hmmm, reagiert zu haben.

Denn eigentlich besteht doch das Erschütternde an dem Fall in seiner banalen Grundlage. Ein Mann beschimpft eine Frau (wenn sie kein Kopftuch getragen hätte, wäre es sicherlich etwas anderes gewesen), die Frau setzt sich souverän und mit den gebotenen rechtsstaatlichen Mitteln zur Wehr, bekommt recht, und der Vollpfosten weiß sich von einer rechtskräftigen Verurteilung als Beleidiger nicht anders reinzuwaschen, als daß er sich eine Anklage wegen vorsätzlichen Mordes aus niedrigen Beweggründen mit besonderer Schwere der Tat einhandelt. Na, herzlichen Glückwunsch.

Das ist schlimm, hat aber nix mit DER (ost)deutschen Fremdenfeindlichkeit oder DEM (ost)deutschen Ausländerhaß zu tun. Das ist doch lächerlich.

Sonntag, 5. Juli 2009

Sommer hier

Ja, ein richtiger Sommertag mit blauem Himmel und trockener, heißer Luft und strahlender Sonne und so.

Gestern abend saß ich in einem schönen Garten. Heute saß ich den ganzen Tag hinter der Uni im Gras und übte diagnostizieren mit dem SKID, anschließend wechselte ich in den Oetker-Park über, später lag ich auf dem heißen Sigi und las Calvin-und-Hobbes-Comics.

Not so bad.

Außerdem: Es gibt ein neues Nouvelle-Vague-Album, welches mir gestern abend spontan zulief und viel mehr gefällt als das zweite, weil es in der Wahl seiner Mittel doch abwechslungsreicher ist als das zweite und sich in der Art der Interpretation trotzdem treubleibt.

Freitag, 3. Juli 2009

Tolle Wohnungen in Biele Teil X.

Das war ein Traum von Wohnung gestern, nichtmal in der allerattraktivsten Wohngegend, aber auch nicht unhübsch gelegen, in einem Altbau mit herrlichen Holzfußböden, uralten Kippfenstern und einem riesigen Balkon, auf dem dann auch alle standen, weils heiß war. Unten ein blühender und duftender sehr gepflegter Garten, und quasi über den Dächern Südnordbielefelds spielt man Therapieausbildungs-Abschlußprüfungs-Trivial-Pursuit und trinkt gekühlte Getränke. Geschichten aus der Notaufnahme in Bethel oder von früher gibt es natürlich auch, und das Sportfest wird ausführlich besprochen. Die Zusammenkunft huldigt einem stattfindenen Geburtstag, und die meisten Anwesenden wissen zwar 1) daß das einladende Geburtskind eine Zwillingsschwester hat und 2) diese ebenfalls anwesend ist, brauchen aber im Schnitt ein halbes Stündchen, um zu realisieren, daß die Zwillingsschwester ja auch Geburtstag hat.

Die Atmosphäre war dermaßen entspannt und angenehm, daß ich die von der Arbeit nicht ganz unberechtigt herbeigetragene schlechte Laune nach kurzer Zeit nicht mehr wahrnehmen konnte. (Vielleicht ist auch das Älterwerden: Nicht mehr die wilden Parties machens aus, sondern die chilligen Geburtstagsfeiern sonntags oder gar mitten in der Woche.)

Looking back: The Sportfest!

Am Mittwoch war Sportfest+Psychogrillen. Die erste Hälfte wurde von der Professorin für Kinder- und Jugendlichenpsychologie und -psychotherapie eingebracht, die zweite Hälfte existiert als von der Fachschaft organisierte Veranstaltung schon länger. Nun also die eventträchtige Kombination.

Sportfest hieß: Dozenten gegen Studenten.

Das Vorbereitungsteam entschied sich aus verschiedenen Gründen für Fußball. Weiters wurde der Besorg von Getränken und Grillgut organisiert. Bei den Dozenten fanden sich genügend willige (oder abhängige) Doktoranden sowie zwei Professoren (jeweils auch Frauen dabei) für eine Mannschaft zusammen, und nach einem Geheimtraining unter der Agide der Prinzessin, ihres Zeichens Team Coach, ging es auf dem Rasenplatz der Uni los. Unter glühender Sonne.

Das hätte bei der Terminbestimmung vor drei Monaten niemand erwartet, daß es nicht einfach nicht regnen, sondern brütend, sengend, atemberaubend heiß sein könnte. Für das Event war das gleichwohl ganz günstig, denn es wurden doch viele Zuschauer angelockt, um dem Spektakel beizuwohnen und sich sogar zu der ein oder anderen La-Ola-Welle hinreißen zu lassen. Die Cheftrainerinnen rannten am Spielfeldrand umher und riefen irgendwas. Der klinische Professor murmelte am Rand immer was von ihr kommt alle noch zu mir in die Prüfung und die Promotion kannst du dann ja vergessen *Namens eines Doktoranden undeutlich murmelnd* in seinen nicht vorhandenen Bart. Der Dekan äugte kritisch. Die Jungs und Mädels verausgabten sich tapfer. Die B-Note ging an die Verrückte, auf deren Identität ich später vielfach angesprochen wurde. Die Hitze war gigantisch. Das Ergebnis war vielleicht eindeutig, aber in der Diskussion könnte man ja nochmal weitersehen. Dann gab es Essen und Trinken und Siegerehrung. Es war warm, und Studenten und Dozenten plauderten miteinander und untereinander, wie es sein soll.

Grandios, jedenfalls, eben auch der Stimmung wegen, und daher dringend zu wiederholen. Ich kenne mich weder mit anderen Unis noch mit anderen Studiengängen genügend aus, um Vergleiche ziehen zu können, aber ich habe das Gefühl, daß eine derartige, entspannte Veranstaltung nicht überall in gleichem Maße möglich wäre. Hier schon. Davon lebt meine subjektive Zufriedenheit mit dem Studium.

Dienstag, 30. Juni 2009

Klares Statement:

von einer Frau, die es verdient hätte, Bundespräsidentin dieses zusammengeführten Landes zu sein... aber dafür haben wir ja den Köhler, der kann ja sicher auch wichtige Reden halten.

Ich freue mich über rege Kommentare von Westdeutschen.

Montag, 29. Juni 2009

Neun Monate

Vor neun Monaten bin ich mal mit der Lieblingsschwester von Berlin nach Bielefeld gefahren. Im Zug unterhielten wir den gesamten Waggon mit unserer eigenen Heiterkeit, aber eigentlich hatte ich ganz schönes Muffensausen.

Ich wurde nämlich in Bielefeld abgeholt, und niemand wußte, wie das ausgehen würde.

Nur ganz kurze Zeit später wurden wir ein Paar und sind es bis heute, und es sieht nicht so aus, als würde sich das demnächst dramatisch ändern. Dieses ganze wunderbare Dreivierteljahr lang bis heute kann ich das Glück und die Ruhe gar nicht richtig fassen, das ich seitdem erleben darf, und ich habe das deutliche Gefühl, angekommen und zu mir gekommen zu sein.

Dafür danke, und auf mehr als nochmal neun Monate.

Sie sind klein, aber es sind viele!

Diesmal sind nicht Kinder, sondern Flugzeuge gemeint.

Gestern, nein, ich muß vorgestern beginnen.

Am Sonnabend erfreute sich die Stadt Bielefeld eines sogenannten Mitternachtsshoppings, und ich bin dafür dankbar, denn seither weiß ich, warum Intelligenzdiagnostik in der psychotherapeutischen Hochschulambulanz für Kinder und Jugendliche nur im Morgengrauen vorgenommen wird. Abends sinkt der IQ rapide und umgekehrt exponentiell im Stundentakt. Und man fragt sich: wenn eine Frau nachts um halb zwölf einen Dreierpack weiße Schlüpfer kauft, ob das jetzt so dringend war?

Am Sonntag mußte also gedöst werden. Ausschlafen, und dann zum Frühstücken trotz mehrmalig schlechter Vorerfahrung ins Café Berlin, aber da kann man so schön draußen sitzen und Zeitung lesen. Und es war gut! Das Essen kam schnell, die Bedienung war prompt und fehlerlos, die Stimmung entsprechend entspannt.

Anschließend also Ausflug. Ab ans Wasser! Bei Porta Westfalica macht die Weser einen hübschen Bogen, in dessen Scheitel sich mehrere Seen tummeln. Nach einer gekonnten Weserbogen-Umrundung und einem Spaziergängchen mittenmang den Skatern und Radfahrern befanden wir uns plötzlich am Flugplatz von Porta Westfalica, den ich schon oft vom Zug aus gesehen habe. Meine Herren, da war vielleicht ein Betrieb! Wenn sich nicht grad klapprig erscheinende Mini-Kisten in die Luft erhoben, zog ein weiter entferntes Winden-Betriebs-Fahrzeug Segelflieger in magengrummelmachender Steilkurve in den wolkigen Himmel, oder es landete der ein oder andere historisch wirkende Doppeldecker, dessen Pilot aussah wie direkt aus Snoopys Geschichten als Fliegerass des ersten Weltkriegs importiert, so mit Fliegerhaube und Brille und so. Drumherum wirkte alles wie früher die Segelvereine oder Dauercamperplätze (O-Ton einer Dame am Flugfeldrand: Blöde Fliegerei, aber ich bin ja selber schuld - hab ich ihm damals den Flugschein auch noch geschenkt). Sorgen in Porta Westfalica.

Jedenfalls also Jet-Spotting.

Dann Stadtteilfest auf dem Sigi mit einer schnellen Bratwurst und Mädchenbier.

Dann süßsaures Schweinefleisch mit den beiden Hauptfrauen aufm Balkon.

Sonntag, 21. Juni 2009

Was ich nicht verstehe:

in diesen Bielefelder Juniabenden: den ganzen Tag lang droht's wie Wettersturz, und dann am Abend, wenn die Sonne hinterm Teutoburger Wald zur Nacht abwinkt, strahlt ein optimistischer, schönwetterverheißendes Blau, durchsetzt mit hohen, netten Wolken vom Himmel. Ich schwör: morgen früh siehts wieder aus wie War doch nix mit'm Azoren-Hoch. Vasteh' ick nich.

Freitag, 19. Juni 2009

Und noch wichtig:

Alles, was im 3er-Postleitzahlen-Bereich wohnt, muß und soll seinen Getränkebedarf nur noch und ausschließlich über den Getränkemarkt Kesten in Steinhagen/nahe Teutoburger Wald decken. Das ist der Fachhandel für Spezi, aber da gibt es auch Lübzer und sogar polnisches Bier und nicht nur Tyskie und Lech *langweilig* wie hier im Edeka, sondern auch Zywiech mit Punkt auf dem Z. Und kistenweise Fritz!Kola samt Limo. Und wie gesagt, der Service ist gleichermaßen unaufdringlich wie freundlich und gut. Klar kann ich den Wagen mit irgendwelchen Kisten auch selber zum Auto rollern, aber wenn ein netter junger Mann kommt und einem den Wagen ja quasi schon entwendet, während er fragt, wohin das gute Stück gehört, und einem das ganze ungefragt und ungejagt in den Kofferraum hievt, tja. Dann ist Emanzipation gerade anders gemeint. Verständlicherweise. Bloß hochtragen zuhause, das muß man noch selber. Aber dann hat man ja Spezi.

Bibliographie

Idee geklaut von jetzt.de, schon seit einiger Zeit bewundert und gleichzeitig als zu kleingeistig in der Umsetzung kritisiert - es gibt da diese nette Rubrik Produktbiographie, innerhalb derer auf maximal sechs Seiten inklusive entsprechender Illustration die Taschen, Schuhe und anderes Accesoires-Gedöns präsentiert wird, das einen Mittzwanziger mit Hochschulabschluß bislang so begleitet haben könnte oder hat.

Nun also Bücher. Im Prolog Lustige Taschenbücher, dann schnell Medicus&Co., Bukowski und Hesse in unüblicher Reihenfolge, aber am passenden Platze (Spätpubertät bis Frühadoleszenz); dann, immer noch unübliche Abfolge, aber nicht untypisch im Auftreten (ich kann das gar nicht beurteilen; ich mußte nie langweiligen Zivildienst ableisten), diverse Klassiker; dann Popliteratur; dann die Guten; dann wird man alt und hat evtl. wieder richtig Zeit zum Lesen.

Das als Überblick, was die Konkurrenz sagt und liest. Ich kann ja auch mal.

Natürlich kein Lustiges Taschenbuch, sondern Grimms gesammelte Volksmärchen. Und dann polnische, russische, ungarische und überhaupt alle Volksmärchen der Welt östlich des Eisernen Vorhangs. Dann die des Westens, z.B. Alice im Wunderland. Und die gemischten, Zauberer der Smaragdenstadt und so. Die Raumfahrt-Zukunft-Bücher. Die ernsthafteren davon, Stanislaw Lem beispielsweise. Dann auch bei mir Klassiker. Im Nachtbus nach Hause Heine und Hölderlin. In der S-Bahn Hesse und Mann. Alle Mann. Dazwischen Kafka. Die Verwandlung im Deutschunterricht ödete mich an, weil ich das ganze andere Zeug von Kafka viel spannender und besser fand. Nur was ich für die Schule lesen mußte, mied ich. Meist wurde es einem ja doch kaputtgeredet.

Seltsam, heute würde ich mich freuen, wenn sich eine fachliche Instanz mit mir über das Gelesene austauschen würde (was bedeuten würde, daß mindestens ein anderer mir bekannter Mensch das Buch auch gelesen hat).

Dann las ich, beinahe bulimisch, alles, was schwarz auf weiß und nach dem Klappentext noch erträglich schien. Vieles mußte ich gedanklich wieder loswerden, wie bei einer richtigen Bulimie, aber in dieser Phase entdeckte ich auch seltene Perlen wie den Kriminalromanzyklus von Sjöwall/Wahlöö, der zehn Jahre Schweden beschreibt, in einzigartiger Kombination von Verbrechen, Politik und einzelnen Menschen. In dieser Spätphase entdeckte ich Max Goldt. Seitdem rede, lebe und lese ich anders. Man könnte mich wahrscheinlich in eine Prä- und Postauriphase einteilen, wenn man mehr Geschriebenes von mir kennte, was ich jetzt aber niemandem zumuten möchte. Max Goldt sagte oder besser schrieb einstens, Dr. Erika Fuchs, die Übersetzerin der klassischen Donald-Duck-Geschichten von Carl Barks, habe mehr für sein Sprachgefühl getan als alles andere, und den Beispielen nach zu urteilen, die er selbst angibt, kann ich mir das plastisch vorstellen. In dieser ja eher späten Phase (ich war immerhin schon Mitte zwanzig) durchstöberte ich die Bücherkisten berliner Flohmärkte nach Carl-Barks-Donald-Duck-Geschichten, teils erfolgreich, und labte mich an Sätzen wie Wer keine weiche Birne hat, ißt harte Äpfel aus Halberstadt.

Durch manche Werke hindurchgefressen: Georges Simenon, John Irving, Robert Merle, Margaret Atwood, Doris Lessing (von der ich mehr als zwanzig Bücher besitze), Philip Roth, Janosch, Urs Widmer, Robert Gernhard und Martin Suter, Lothar Kusche (Ost) und Franz Joseph Degenhardt (West), und alles, was aus Ungarn kommt, allein der Namen wegen.

Jetzt bin ich über dreißig und versuche ein anständiger Mensch zu werden. Jedoch will mir das Fernsehen nicht gelingen. Ich bin da ganz schlecht drin, aber da ich meinen Papa kenne, weiß ich, wo ich das herhab, und mache mir deshalb doch keine Sorgen. Stattdessen sitze ich in Prüfungsphasen zuhause und lese den unterhaltsamen Teil der Fachliteratur. Bei Sozial habe ich im Siegler (Entwicklungspsychologie) herumgelesen. Bei Physio habe ich die Elaborate von Herrn Markowitsch verschlungen (zumindest mit dem Erfolg, daß ich fürs Gedächtnis praktisch nichts mehr lernen mußte. Bei Diff habe ich populärwissenschaftlich bzw. egomanisch begründeten Krams von Eysenck gelesen (obwohl ich hierbei nicht glaube, daß mir das irgendwas genützt hat), bei Physio II ganz viel von Onkel Antonio Damasio. Und nun eben daheim der Margraf/Schneider. Der liest sich aber auch! Wenn man von den eklatanten Fehlern absieht... Bloß für Diagnostik ist mir noch kein geeignetes Zuhause-Buch übern Weg gelaufen...

Tja, mit sechs Rubriken käme ich nicht weit. Comics habe ich außer Donald Duck noch gar nicht angesprochen, auch die kommunistische Science-Fiction kaum, außer Lem, und der war bestimmt nicht so richtig kommunistisch. Oliver Sachs unerwähnt, ach, schändlich! Uferlos, so eine Bibliographie zu verfassen. Daher Schluß damit...

Mittwoch, 17. Juni 2009

Referat rockte

Ich hatte gestern die außerordentliche Ehre, im Depressionsseminar (also da geht es nicht darum, wie man am besten und/oder schnell depressiv wird!) über bildgebende Studien zu referieren. Bildgebung, vulgo: die bunten Bildchen, also das womit uns immer gezeigt wird, wo die Angst sitzt oder warum Frauen Schuhe kaufen. Das macht also Spaß, und das war auch unser Erfolgsfaktor: Spaß an der Sache. Das schöne dabei: ich konnte mir endlich einen alten Wunsch erfüllen und mit dem Seminar heiteres Strukturen-Raten machen, also ich zeige mit dem Pointer auf ein Stück Gehirn, und die andern dürfen unverbindlich raten, ob das der Thalamus oder doch vielleicht der Gyrus cinguli ist. Und beim Versuch zu erklären, wie eigentlich ein Magnetresonanztomograph so funktioniert, auf eine wundervolle Präsentation zurückgreifen, die ursprünglich von einer Seite namens fMRI Physics with hardly any math stammte :-) also: Referate halten ist super, umso mehr, je mehr man Bescheid weiß, wie ich schon vor anderthalb Jahren halb erkannte.

Jetzt ist das Semester schon wieder so gut wie zuende, ich muß noch ein Referat über die Diagnostik von Zwangsstörungen bei einem Blockseminar Anfang Juli halten und endlich mal mit Diagnostik-Lernen anfangen... der Prüfungstermin hängt aus, und ich bin um 9 Uhr in der Früh natürlich die erste... das was sich alle immer wünschen, aber ich hätte gegen 10 Uhr auch nix einzuwenden. Nun muß ich wohl echt anfangen. Klinische scheint nicht das Problem zu sein, da lese ich alles, was nicht bei drei aufm Baum ist. Auch abends im Bett.

Hoffentlich war es das jetzt mit der Schafskälte; es war schön heute auf dem Sigi, und es kann ja nicht sein, daß ich im April zehnmal aufm Sigi saß und im Juni heut zum ersten Mal! Die Welt spinnt ohnehin, die Studenten bestreiken die Uni zugunsten besserer Bildung und stören dabei zuvörderst Vorlesungen, wenn sie nicht Abgeordnetenhäuser plündern. Zelten vor der Uni, die Armen. Komisch, aus einer bestimmten Art von Protestkultur wächst man wohl raus. Ich will lieber fertigwerden und die Welt auf meinem Platz, für den ich dann ausgebildet bin, besser machen.

Freitag, 12. Juni 2009

Alles neu macht der Mai, bzw. Juni, weil im Mai das Blogger kaputt war

Wie unschwer zu erkennen ist, habe ich das Bloglayout verändert - falls der Architekt am Design herumkritteln möchte, darf er das gerne tun.

Wichtigste Veränderung sicher der Blogtitel. Nicht mehr groß oben drüber, weil sich das mit dem schönen Panoramabild biß, und auch nicht mehr Zitat eines der schönsten und gleichzeitig kürzesten Beatles-Lieder. Nein, Geschichten aus anderen Galaxien sind hier ab nun eingestellt, denn so fühle ich mich seit einiger Zeit gelegentlich ein wenig: in ein anderes Sternensystem ausgewandert, wo ich mich gleichwohl sehr wohlfühle und welches ich auch nicht mehr verlassen möchte.

Gleichzeitig spielt das Thema Hafen eine kleine Rolle, auch nicht zu Unrecht, und ich habe die Seite gewechselt, was die kleinen Helferlein am Rande angeht. Auch dort eine Neuerung in Form einer Grad gut-Liste. Wenn ich die nicht einigermaßen aktuell halten kann, wird sie wieder abgeschafft.

Was war eigentlich kaputt? Aus irgendeinem Grunde hat mein Firefox-Werbeblocker sämtliche Seitenelemente vom Blog gesperrt, so daß dieser nicht mehr richtig angezeigt und bearbeitet werden konnte. Das war natürlich kein Zustand. Lustigerweise habe ich im Zuge der Fehlersuche und Behebungsversuche unter anderem den Firefox bei der Firewall gesperrt, was ihn allerdings nicht daran hindert, fröhlich weiter ins Internet zu marschieren. Ist das nun ein gutes Zeichen für die fuchsige Schläue des Firefox oder ein schlechtes Zeichen meiner Firewall?

Nun muß ich wohl weiterhin the whitest boy alive hören und Fehler im Margraf/Schneider suchen. Der bislang prominenteste erinnerte mich prompt ans Physio-Lernen mit dem Konfidenten, der auch immer Hypo und Hippo bei Hypothalamus und Hippocampus verwechstelte. Aber er mußte ja auch nur eine mittelmäßig öde Physio-Klausur und kein hoffentlich spannendes, vor allem teures Lehrbuchkapitel schreiben. Wie immer lese ich statt Prüfungsliteratur alles mögliche andere.

Dienstag, 9. Juni 2009

16 Stunden Frankfurt an dem West-Main (inklusive Reisezeit)

Erstmal: mit einem sogenannten Bahn-Fix-Code versehen am Automaten quasi bestellte Tickets auszudrucken ist dermaßen bequem, komfortabel und schnell, daß ich mich frage, warum ich das nicht immer so mache. Kann man nicht auch Tickets im Internet bestellen und dergestalt abholen? Jedenfalls habe ich schneller, als ich "Bäh, Fahrkartenautomat!" denken kann, ein schönes Uni-Bielefeld-Ticket und passende Platzreservierungen in der Hand. Bis nach Köln bin ich ramdösig, gestalte aber auch ein oder zwei Folien für das demnächstige Referat. Dann Rhein, Dom, schnelles umsteigen in den schnellen und vollen ICE International aus Bruxelles Midi, der durch den Westerwald pflügt wie ein Speedboot über die Regattastrecke. Augen zu, Augen wieder auf, Frankfurt Flughafen Fernbahnhof, Flugzeuge, angekommen.

Der Frankfurter Bahnhof ist ein altmodischer Kopfbahnhof, der inwendig mit neumodischen Freßbuden und gefühlten null Servicepointen zugestellt ist, aber dazu später vielleicht mehr. Draußen steht ein eigens vom Frankfurter Taxi-Verein angestellter (und hoffentlich bezahlter) Mensch, dessen einzige Aufgabe in der Zusammenbringung von Taxiwilligen und Taxis besteht. Aus nicht nachvollziehbarem Platzmangel heraus nämlich stehen die Frankfurter Taxis nicht schön in einer Reihe, sondern eher fünf- bis sechsreihig in einer Art Pulk, und die potentiellen Fahrgäste stehen erstmal kurz an, bis ihnen das nächste herbeigewunkene Taxi zugewiesen wird. Cool ist es dann, wenn man sich cool mit einem "GutenTag, einmal in die psychiatrische Klinik, Heinrich-Hoffmann-Straße 10, bitte" ins Polster gleiten läßt, ohne dabei den Eindruck zu erwecken, daß man selber dem nächsten Schub ein wenig zuvorkommen möchte.

Das Testen war lange und anstrengend, aber gottseidank nicht so aufregend wie befürchtet, und Komplikationen gab es auch keine, was einfach auf die goldenen Hände der Prinzessin zurückzuführen ist, die die Spielaufgaben vorher einfach nochmal durchgespielt hat. Bloß dann nochmal fast vier Stunden nach Hause fahren, wieder der Flug durch den Westerwald - es kommt einem gar nicht wie 300 Sachen vor, und es wird auch nicht mehr angezeigt, vielleicht weil es den Leuten dann doch schlecht wird, wenn sie es leuchtanzeigenrot auf schwarz lesen können. Aber da Teile der Trasse parallel zur Autbahn verlaufen, sieht man doch recht deutlich, daß man wesentlich schneller als 160, 180 Sachen unterwegs ist. Und ja, meine eustachische Röhre nimmt trotz abgedichteter Kabine die Druckveränderungen wahr, d.h. ich muß ständig schlucken, wie im Flugzeug. Trotzdem fühle ich mich viel sicherer und nehme das Schaukeln gar nicht als bedrohlich war - vielleicht hätte ich erst Hochgeschwindigkeits-ICE fahren und hernach fliegen sollen. Aber kurioserweise gabs damals noch gar keine ICEs, soweit ich weiß.

Frankfurt ansonsten, also gesehen habe ich ja nicht viel, aber vorbildlich mit Fluß und Wohnhäusern am Fluß mit wahrscheinlich unbezahlbaren Mieten, der Dialekt ist eher wischi-waschi-anstrengend - warum ausgerechnet Berlinern immer so einen schlechten-proletenhaften Ruf hat, ist mir etwas schleierhaft. Wetter auch verhältnismäßig vorbildlich, überall Flugzeuge, und ein Salat mit Lammstreifen kostet beim Pizzaservice schlappe 8,50 Öre. (Groß war er ja, der Salat, aber er bestand zu 99% aus Gegenständen, die auf dem Markt zusammen nicht mehr als 1,75 Öre gekostet haben dürften.) Also Frankfurt, das West-Frankfurt jetze, muß ich nicht unbedingt wohnen drinne.

Sonntag, 7. Juni 2009

Kurz:

The whitest boy alive - das ist die Musik des Monats Juni, ausgelöst durch Beschallung am angenehmen Orte und hurtig vom leider Online-Dienst herbeigeliefert, weil leider nicht auf dem gründlichst durchforsteten Trödel aufm Boxi auffindbar. Und ja, ich hatte recht: Nebenprojekt von Kings of Convenience, und aus Norwegen, nicht Finnland.

Schafskälte herrscht, die Schläppchen kommen nicht zum Einsatz, dafür die zusammengebaute Doppeljacke. Auf dem Fahrrad wird es schnell kalt, und seit lokalen-Einzelhandel-unterstützend Schaltung und Bremsen ein- und wiederhergestellt sind, fährt das Rad auch schnell.

Ich war heute wählen, natürlich (man muß wählen gehen, weil die Frauen früher viele Jahrzehnte fürs Wahlrecht gekämpft haben - das nenne ich mal eine wirklich überzeugende Begründung! Ist leider nicht von mir. ), und habe natürlich diese Wahlbenachrichtigung verbummelt, die man ja eigentlich nicht braucht, dann aber doch, weil man sonst nicht weiß, in welches Zimmer man gehen muß. Allerdings hatte ich so ein bißchen den Eindruck, daß ich auf ostwestfälisch-unbekümmerte Art auch in jedem Zimmer jeweils einmal hätte wählen können, was man abends natürlich gemerkt hätte, aber dann hätte man ja nicht mehr gewußt, welche Stimmzettel alle von mir waren. (Oder vielleicht doch? Ein böser Verdacht... hoffentlich haltlos.)

Gelesen wird: Lehrbuch der Verhaltenstherapie (das, wir erinnern uns, kein Lehrbuch ist...), aber auch das großartige Lexikon des Unwissens. Darüber später vielleicht mehr, oder der ein oder andere fleißige Blogleser kriegt's einfach zum Geburtstag geschenkt, basta. Dann kann er sich selber ein Bild machen.

Morgen, und deshalb ist hier endgültig Schluß mit dem Schnell-Rundumschlag, fahre ich im Morgengrauen nach Frankfurt am West-Main (es gibt eine sehr schöne Max-Goldt-Geschichte von vor wahrscheinlich mindestens zehn Jahren, die in einer österreichischen Tageszeitung spielt, die sich in der Not, ihren möglicherweise nicht zureichend vorgebildeten Lesern in gleichwohl knackigen Begriffen die ostelbische Herkunft des deutschen Grand-Prix-de-la-Chanson-Trios zu verdeutlichen, mit der Angabe ...aus Frankfurt an der Ost-Oder... ein leider unbeachtetes Denkmal setzte), um dort Kontrollprobanden neuropsychologisch zu untersuchen. Leider habe ich das noch nie gemacht, und daher weiß ich nicht, ob ich das überhaupt kann.

Sonntag, 24. Mai 2009

Tja...

Man gewöhnt sich an so einiges.

Z.B. so ein Himmelfahrtswochenende war doch früher heilig, für Kreativtage in Altlüdersdorf oder Kreisjugendkonventsrüsten in Heinersdorf z.B. Nach nunmehr 7 Jahren im Einzelhandel habe ich mich wohl daran gewöhnt, daß man an diesen Tagen besonders wahrscheinlich besonders viel besonders anstrengend arbeitet. Ohne zu murren. Im Gegenteil stelle ich fest: Die Kunden haben das Gehirn irgendwo ganz abgegeben? Ich habe noch genug vorrätig. Die Mitarbeiter zicken herum? Mir egal, ich stehe so oder so bis 20 Uhr hier herum. Ein Kind schreit, die Kasse geht kaputt, die Tür läßt sich nicht abschließen? Brrr... davon geht die Welt nicht unter.

Auf dem Sigi kann man mittags prima Studien lesen. In Bielefeld taumeln nur vereinzelt biertrinkwillige Vatertagsfeierer durch die Straßen. Um zehn ist es noch überhaupt nicht richtig dunkel. Mein Mitbewohner ist vielleicht als typischer Underachiever in seinem Pädagogik-Studium völlig falsch aufgehoben. Der Blogkumpel will Gerd Gigerenzer vom Wert bildgebender funktionaler Studien überzeugen. Ich will nicht immer über die drohende Diplomarbeit nachdenken. Und schon gar nicht über die Diagnostik-Prüfung. Ich will, daß das Fahrrad ganz bleibt, weil Radfahren super ist. Und außerdem soll die ambitionierte Jazzband da zwei Etagen unter mir immer weiter diese schönen Lieder proben, wenn draußen die Sonne scheint. Und vor allem soll das Flugzeug, in dem die Prinzssin jetzt drinnesitzt, so sacht und weich wie möglich in Hannover-Langenhagen aufsetzen.

Donnerstag, 21. Mai 2009

Was wirklich wichtig ist:

merkt man, wenn es nicht mehr da ist. Oder wenn man es wieder hat.

Ich habe heute (wir erinnern uns an die Dramen [1;2] mit den schönen französischen Ventilen) in einer größeren Fahrrad-Wiederherstellungszeremonie meinem Fahrrad den gefühlten 25. Schlauch hinten eingebaut und mit einer neuen Luftpumpe aufgepumpt, und ich hoffe, daß das länger hält als von 12 bis Mittag. Licht hinten geht nicht mehr, schalten vorne auch nicht. Naja, fahre ja eh immer im schwersten Gang. Bremse unkundig erfolgreich alleine nachgestellt.

Ergebnis der Aktion (kurzfristig): zum GNT-Finale-gucken in die August-Schroeder-Straße gefahren, statt zu laufen. Super. Hoffe, das Zauberbike trägt mich auch demnächst in die Uni, dann muß ich nimmer mit dem Pöbel Bahn fahren.

Die Prinzessin weilt in der Schweiz und lauscht hochkarätigen Professoren bei Eröffnungsvorträgen und läßt sich anschließend anständig bekochen... tja, dann halte ich wohl in der ostwestfälischen Kulturmetropole die Fahne alleine hoch. Aber das Gefühl, einmal richtig entschieden zu haben, einmal richtig zu vermissen, einmal auch zu wissen, was einem wirklich fehlt, das ist unbezahlbar. Und dafür gibt es einmal I Still sleep with the lights on zur Erinnerung an die Zeit davor, als wir es noch nicht wußten, aber ahnten.

Dienstag, 19. Mai 2009

Läuft.

Das war ein Begriff, den der Konfident gerne einsetzte, vor allem dann, wenn es eigentlich nicht lief. Meistens, wenn aus Prokrastinationsgründen ganz andere Projekte "liefen".

*jetztfolgtkeineliebeserklärung*

Daß dieser Konfident mir einst sehr fehlen könnte, hätte ich nicht gedacht. Klar, man hat Klausuren zusammen geschrieben und mithilfe von Papier und Bleistift die Rolle des Calciums bei der Transmitterfreisetzung dermaßen anschaulich illustriert, daß alle Beteiligten wahrscheinlich in der Not noch alles hersagen und ggf. pantomimisch herzeigen könnten - aber die Zwanzigjährigen und die Dreißigjährigen haben oft eben auch die banale Barriere namens "zehn Jahre" zwischen sich zu operieren. Jetzt sage ichs aber laut und öffentlich: Konfident, tu, was du für richtig hältst, aber komm auch mal wieder! Oder soll ich auf meine alten Tage nach México reisen??

Die ganze Spezi-MezzoMix-SchwippSchwapp-Disputation hat ein Ende, seit ich der Spezi-Seite eine Dealer-Information über den Getränkemarkt Kesten in Steinhagen entlocken konnte. Dort gibt es echtes Spezi in leider Plasteflaschen. Verkauft wird das Spezi von netten und sympathischen jungen Männern, die einem die Kisten mit der begehrten Zucker-Koffein-Geschmack-Mix auch direkt ins Auto tragen. Gegen jedes psychologisches Grundwissen muß ich allerdings anmerken, daß das Spezi aus der Plasteflasche anders/nicht-so-gut schmeckt wie aus der schönen Glasflaschen. Einen Doppelblindversuch habe ich allerdings noch nicht angestrengt.

Ich freue mich wie blöd über mein "Bildgebende Studien zu Depression"-Referat. Keine Ahnung, bei der Referatsvergabe versuche ich sogar, die mir naheliegenden Themen zu vermeiden - damit kenne ich mich ja eh aus. Trotzdem oder gerade deshalb scheinen die einen ja nahezu magisch anzuziehen - im letzten Semester über neurologische Erkrankungen, jetzt die Hirnbilder. Ich bin da nicht gerade eine Expertin, andererseits aber mehr im Thema drin als andere. Das behaupte ich einfach - in Wirklichkeit weiß ich das überhaupt nicht. In Wirklichkeit befinde ich mich fachlich hauptsächlich in einer Reihe teils promovierter, teils therapeutischer (und teils alles beides und mehr) Psychologinnen und Psychologen und weniger unter Studierenden in ähnlichen Abschnitten der Entscheidungsfindung.

Ich will, will, will wieder mehr schreiben, vor allem wegen des öffentlichen Dialogs mit mir, wegen der Niederschreibung vielleicht blödsinniger Gedanken und wegen der Möglichkeit der späteren Erinnerung. Ich werde aber von meinem hauseigenen Browser oder von wem auch immer daran gehindert - zuhause funzt der blogger nicht mehr so wie gewohnt. Im Bloggerforum wußte niemand Antwort. Ich kann keine Links einfügen und auch nicht die Buchstabengröße einstellen. Das nervt, und das kleine nicht-html-Fenster lähmt die Schreibwut.

Dienstag, 12. Mai 2009

Folgen therapeutischer Gesprächsführung

Am Wochenende habe ich mich ausscließlich mit therapeutischer Gesprächsführung befaßt. Bislang habe ich mich nicht so sehr für therapeutische Arbeit interessiert und konnte mir aus verschiedenen, teils auch zeitlich und finanziell motivierten Gründen, nicht so recht vorstellen, nach dem Studium noch eine teure therapeutische Ausbildung dranzuhängen. Aber andererseits ist es im klinischen Bereich schwer, ohne Ausbildung überhaupt unterzukommen.

In dem praxisorientierten Seminar übt man vor allem in Rollenspielen basale Gesprächstechniken wie zum Beispiel aktives Zuhören, paraphrasieren und offene Fragen zu stellen. Dabei nimmt man logischerweise sowohl die Patientenrolle mit einem selbstgewählten Störungsbild als auch die entsprechende Therapeutenrolle ein. Es klingt ein bißchen verrückt und könnnte mir als Esoterik-Entgleisung ausgelegt werden, daß ich durch so basale Übungen der therapeutischen Arbeit so sehr verfiel, daß ich bereits über die nächsten Schritte, wie es nun mit dieser Planänderung weitergehen soll, nachdenke.

Der eine Grund für den Gesinnungswandel kam aus der Patientenrolle. Ich steckte ja im Störungsbild quasi drinne und saß mit meinem Therapeuten auf einmal einem Menschen gegenüber, der mich verstand, ernstnahm, die Symptome wiedererkannte und sogar einzuordnen wußte und überhaupt keine Sekunde lang an mir und meinen Problemen zu zweifeln schien. Der konnte das, weil er viele Jahre seines Lebens dafür verwendet hat, sich die entsprechenden Kompetenzen anzueignen. Wohlgemerkt: wir reden von Rollenspielchen mit seit langem bekannten Kommilitoninnen.

Die andere Seite kam aus dem Gefühl in der Therapeutenrolle. Ein Mensch kommt, ist verzweifelt und/oder verstört, braucht Hilfe, und ich kann ihm helfen. Nicht weil ich gut zuhören kann oder besonders einfühlsam, sondern weil ich das gelernt habe. Weil ich dafür kompetent bin.

Weil ich mir aber immer noch nicht so richtig vorstellen kann, daß ich einem depressiven Erwachsenen nicht irgendwann raten würde, mal ein bißchen aus der Hüfte zu kommen, soll es also die Kinderausbildung sein. Insofern muß ich wiederum innerhalb meiner Möglichkeiten darauf einwirken, daß hier in Biele das Ausbildungsinstitut für die Kinder- und Jugendlichentherapie zeitnah öffnet, damit ich nicht zwischen Duisburg und hier und anderen Standorten diffundieren muß.

Langfristig möchte ich ja doch in bestdenkbarer Begleitung an der Ostsee in irgendeiner Art Reha-Einrichtung Kinder ganzmachen. Ganz ehrlich. Die Betonung liegt ja leider auf LANGfristig. Das kann nämlich noch ganz schön dauern...

Montag, 11. Mai 2009

Trottel des Tages...

ist sicherlich der wissenschaftliche, also der andere Springer-Verlag.

Freundlicherweise verspricht die Professorin für Kinder- und Jugendlichenpsychologie und -psychotherapie, den dritten Band des Lehrbuchs für Verhaltenstherapie, der sich mit psychischen Störungen des Kindes- und Jugendalters befaßt und bei ihr Prüfungsliteratur ist, für die studentische Studienberatung zu besorgen. Wissenschaftler habens normalerweise leicht: tonnenweise bestellen sie sich die guten Bücher für lau, weil sie sie ja in Lehrveranstaltungen einsetzen und als Prüfungsvorbereitung empfehlen - davon profitieren die Verlage natürlich. Nun sagt Springer zu der Professorin, die in dem fraglichen Buch selber ein Kapitelchen geschrieben hat, daß sie kein Dozentenexemplar bekäme; es handele sich ja nicht um ein Lehrbuch. Es steht doch aber sowohl Lehrbuch vorne drauf als auch verschriftlicht im Vorwort von Herausgeber und Herausgeberin, daß man sich bemüht habe, ein schönes Lehrbuch usw... nein, steht zwar vorne drauf, ist aber trotzdem kein Lehrbuch.

Puh.

Ein dreibändiges, insgesamt 210 Öre teures Vergnügen, das, nach dem, was man von Experten so hört, sowohl extrem gut als auch extrem aufwendig zu kopieren sei, das nach dem Anspruch seiner Herausgeber ein Lehrbuch ist, weswegen sie das auch vorne draufgeschrieben haben.

Was ist es eigentlich sonst?

Und wenn es keines ist, warum schreibsts Springer vorne drauf? Wenn man im Urin fühlt, daß sich die Wälzer als Lehrbücher besser verticken lassen, vor allem, wenn es eigentlich auch welche sind, dann sollte man auch dazu stehen. Wenn man keinen Bock mehr hat, Hinz und Kunz kostenlose Belegexemplare zu schicken, dann soll man es auch sagen. Hasenfüßige Ausreden machen die Sache unnötigerweise lächerlich.

Sonntag, 3. Mai 2009

Der Laie fragt, der Fachmann wundert sich:

Zum Beispiel, wer hat sich bei der mehr-schlecht-als-Rechtschreibreform u.a. die Neuwörter Des Weiteren und sodass ausgedacht? Schon verbessert sich der Schreibstil erheblich, da man um sowas lieber herumkurvt, als es öffentlich sichtbar zu machen.

Warum findet der Sommer in Bielefeld immer im April statt?

Wo sind die Leute, die an warmen Tagen den Siegfriedplatz so intensiv bevölkern, daß es gegen Abend schwierig werden kann, überhaupt Platz zu finden, eigentlich bei schlechtem Wetter? Und was tun sie dann?

Wieso um alles in der Welt findet hier am ersten Mai kein Straßenfest statt? In Berlin ist jeder verfügbare Quadratmeter mit Straßenfesten aufgeladen. Hier nicht. Nicht mal'ne Kundgebung auf dem Jahnplatz gabs. Auf dem Siegfriedplatz nur die übliche Wolldeckenromantik und geöffnete, überquellende Biergärten. Neben uns an der Bierbank anstrengende Alt-Eltern mit Kind sowie eine anstrengende Dame, die ihrer Trinkkumpanin verbal arg zusetzte (sie tat mir ein bißchen leid - Nordic-Walking-Kurs auf Sylt, und lauter anderes dummes und vor allem lautes Zeug). Die alte Mutter verbreitete sich über die Miniröcke junger Mädchen und darüber, daß sich die jungen Mädchen morgens um acht Uhr per Handschlag nach dem Diskobesuch voneinander verabschieden.

Hat dieser eine Kellner im Mellow Gold eigentlich ausgeprägte Befürchtungen, daß ihn jemand für NICHT homosexuell, also für heterosexuell halten könnte? Wenn ja: unbegründet. Wirklich.

Macht Einkaufen glücklich? Sollte nicht, oder jedenfalls nicht ausschließlich bzw. als Handlung an sich. Das Ergebnis des Einkaufens ist schließlich wichtiger. Ein ausgedehnter schwesterlicher Bummel durch ausgewählte Läden in der Innenstadt macht müde Beinchen, aber Spaß. Und die Beute erst! Der vorläufige Höhepunkt wird von einem sehr schönen Lädchen in der Goldstraße in der Altstadt gebildet: hier gibt es schöne Sachen zu erträglichen Preisen. Darüber hinaus freut sich das Herz des bewußten Konsumenten, denn das erstandene schöne Shirt ist Made in EU.

Macht das Einkaufen teurer Sachen glücklicher? Der Modellversuch läuft. Gestern sind zwei Shirts von rumpfkluft angekommen, die zusammen 60 Öre gekostet haben. Produziert in Downtown L.A. (American Apparel), teils aus Biobaumwolle, teils mit Kapuze, mit schönen katzundgoldt-Motiven in der Wunschfarbe und -größe bedruckt. Glücksfaktor bislang: sehr hoch. Und dabei hab ich eins erst angehabt, und heute habe ich sie erstmal gewaschen = sie hängen auf der Leine. Trotzdem aber.

Woher kommt die gefühlt plötzliche Schwäche aller möglichen Schreiberlinge in Zeitungen, Bedienungsanleitungen, Bestellbeschreibungen, Rechungen, Reklamen, Ratgebern und sonst überall auch, die Höflichkeitsform Sie und die dritte Person Einzahl/weiblich bzw. Plural auseinanderzuhalten und richtig zu schreiben? (Zur Erinnerung: das eine schreibt man groß, das andere klein.) Durch die Falschschreibung ergeben sich immer wieder bekloppte und bescheuerte Sätze und ganze Texte, die überhaupt keinen Sinn ergeben. Ich habe keine Lust, entsprechende Beispiele anzuführen, und außerdem soll man den Leuten das Falsche nicht auch noch zeigen. Dabei ist es so einfach: immer, wenn Sie jemanden direkt ansprechen, zum Beispiel bei Zahlungsmodalitäten den Kunden oder in Kolumnen das Publikum, dann groß; immer wenn Sie über andere sprechen bzw. schreiben, zum Beispiel in der Beschreibung der Eigenschaften einer externen Festplatte oder einer Fußballmannschaft, dann klein.

Warum verschlechtert sich das Mensaessen so sehr? Inzwischen muß sogar ich zugeben, daß die Menuzusammenstellungen mehr und mehr abenteuerlich sind. Lachten wir früher noch über Kartoffeltaschen mit Kartoffelbrei und Reisschnitte mit Reis, stehen wir nun stumm vor dem Glaskasten und wundern uns über die geballte Kombinationswut mit Nudeln. Besonders beliebt beim Küchenchef sind Kombinationen, die teils im Heimatland der Pasta, teils im Heimatland des Schnitzels zu den übleren Beleidigungen bei Tische gezählt werden: Schnitzel in Sauce mit Spaghetti. In der Cafeteria wurde der schmackhafte Fairtrade-Biokaffee gegen irgendein untrinkbares Gebräu ausgetauscht, so daß ich das vorgezogene Eintreffen des Sommers, während welchem ich ja kaum Heißgetränke zum Überleben benötige, ausdrücklich begrüße. Auf lange Sicht allerdings werde ich mich wohl konstruktiv unter Verweis auf meine Mitfinanzierung des derlei Übles anbietenden Studentenwerks beschweren müssen.

Gibt es eine Alternative zu MezzoMix? Eine andere Begleitfolge der Kaffeeverschlechterung ist nämlich mein zunehmender Verzehr von Koffein in Kaltform, d.h. von flüssigen Produkten des Coca-Cola-Konzerns, weil es von der leckeren Fritz-Kola leider kein Spezi gibt, und mein aus Berlin importiertes Spezi ist alle.

Gibt es ein besseres Buch über Prokrastination als das von Kathrin Passig und Sascha Lobo (Dinge geregelt kriegen, ohne einen Funken Selbstdisziplin)? Ich glaube nicht. Das Beste daran ist, daß die Autoren die Prokrastination nicht verdammen, abschaffen oder zum notwendigen Übel erklären wollen. Bloß leben können muß man mit ihr, wenn man ein LOBO (Lifestyle of bad organisation) oder Partner eines LOBOs ist, und darum geht es in dem Buch. Prima ergänzt durch anschauliche Geschichten aus dem Dunstkreis der Autoren, zum Beispiel darüber, wie Nichtstun am Ende doch Probleme lösen kann (Verfahren wird aus Mangel an Beweisen eingestellt, die Kosten des Verfahrens trägt der Staat) - und somit, das wissen die LOBOs aber nicht, infolge intermittierender Verstärkung das Verhalten, oder besser das Nicht-Verhalten noch verstärkt wird. Oder wie das mit den To-Do-Listen und den Deadlines in Wirklichkeit aussieht. Oder wie es, als hohe Kunst der Prokrastination, dazu kommen kann, daß man erfolgreich "im Kreis" prokrastiniert - also am Ende infolge einzigartiger Prokrastination sogar die am Anfang eigentlich vermiedene Aufgabe auch erledigt bekommt - bei Kathrin Passig immerhin das dann doch noch abgeschlossene Studium. Es gab beim Erscheinen des Buchs übrigens einen sehr schönen Aufsatz von Kathrin Passig in der Zeit, in welchem sie beschrieben hat, wie während des Schreibens (bzw. zunächst Nicht-Schreibens) des Buches zahlreiche andere Projekte und Arbeiten fertiggestellt bzw. überhaupt erst erfunden und ins Leben gerufen worden sind.

Kann man nach elfeinhalb Jahren ein Studium abschließen? Ja, man kann, solange es keine Prüfungsordnung gibt, die den Verfall von Scheinen vorsieht, wie es leider einem anderen Freund passiert ist, der nach dem zweiten mißglückten Diplomarbeitsversuch feststellen mußte, daß er nicht nur die Diplomarbeit, sondern auch noch alle Scheine vom Hauptstudium wiederholen müßte, woraufhin er das Handtuch schmiß und jetzt mühsam einen Abenduni-Abschluß ertrotzt. Also, die Universität Stuttgart ist da offensichtlich generöser als die Bauhaus-Uni Weimar, und daher: Herzlichen Glückwunsch, Herr Architekt (Dipl.-Ing.)!

Reichts jetzt erstmal wieder?