Donnerstag, 30. Juli 2009

Ich bin es langsam leid,

vor jeder Prüfung herumzujammern.

Aber Diagnostik, das ist schon eine Sache für sich.

Heute traf ich zufällig einen Professor am Fahrstuhl, mit dem ich gleich ein paar Dinge ganz informell regeln konnte, der aber auch im vergangenen Semester in der beratenden Kommission der Stiftung Studienfonds OWL saß und mich deshalb fragte, ob ich das Stipendium nun eigentlich bekommen hätte - er hätte meine Unterlagen sehr gut gefunden. Ich mußte erstmal nachdenken, woher er das überhaupt wissen konnte... sagte dann aber, daß ich mich jetzt nochmal bewerben würde, weil ich ja keine inhaltliche, sondern eine im Grunde finanziell begründete Absage bekommen hätte - und inzwischen sei ja noch eine Eins dazugekommen. Jedenfalls verstärkte er mich sehr stark in Sachen Wiederbewerbung, was ich dann doch ganz nett fand, und im Postfach fand ich anschließend auch gleich eine Mail vom Chef mit erneuertem Empfehlungsschreiben, woraufhin ich erstmal wieder mit rotem Kopf in der Bib saß. Also gut, ich bewerb mich nochmal drum. Lohnt sich jetzt auch mehr - das Land schießt ordentlich was zu, und so sinds 300 Öre im Monat, nicht 500 im Semester. Mal sehen.

Ich muß mich leider noch über den Studiengebührenboykott des AStA lustigmachen. Das ist ein bißchen blöd, weil ich ja eigentlich immernoch eine linke Bazille bin und daher Aktionen wie diese vermeintlich gutfinden muß. Aber wie ernst nehme ich einen Flyer, der folgendes erläutert: Überweise deine Studiengebühren auf ein dir unbekanntes, angebliches Rechtsanwaltskanzlei-Treuhandkonto (Namen wurden erstmal nicht genannt). Wenn wir viele sind (= mehr als 3500), muß die Uni mit uns verhandeln, weil sie es sich nicht leisten kann, uns alle zu exmatrikulieren. Wenn unsere diesbezüglichen Verhandlungen aber scheitern, werden deine Studiengebühren vom Treuhandkonto an die Uni überwiesen, so daß du rechtzeitig zurückgemeldet bist. Aha. Da Rektor Timmermann wahrscheinlich auch in der Mensa essen geht, konnte er sich in den genügend ausliegenden Flyern also darüber informieren, daß er bei etwaigen Verhandlungen einfach stur bleiben muß, weil wenn nix rauskommt, dann passiert auch nix. Aber selbst so weit wäre es nicht gekommen: wie viele Studenten brauchen ihren Leporello (so heißt bei uns der Ausdruck mit den ganzen schönen Immatrikulationsbescheinigungen und dem Semesterticket usw.) beizeiten - für Bafög, für Stipendien, für die Krankenkasse und, im Falle von ausländischen Studenten, für ihre Aufenthaltsgenehmigung usw? Wie viele haben (wie ich) einen NRW-Kredit, die gar nicht boykottieren können? Wie viele sind infolge Gremienarbeit befreit (gar nicht so wenige - und vor allem grad diejenigen, die für einen Boykott zu gewinnen wären, wahrscheinlich) - was für ein riesengroßer, unnützer Haufen Aktion, bei dem von vornherein klar war, daß das nichts bringen kann. Das ist für das Ansehen der studentischen Gremien eher schädlich (Poster und Flyer mit den zottelköpfigen Gestalten haben ja auch Studentengeld gekostet). Nun waren es keine 400, die mitgemacht haben...

Zwei Tage arbeiten, und dann muß ich wohl das Prokrastinieren aufhören.

Dienstag, 28. Juli 2009

Und jetzt gibts mal was unreflektiertes zum Thema "Homosexuelle Paare sollen im Adoptionsrecht gleichgestellt werden"

So, da gab es jetzt ein paar Studien, nach denen Kinder, die bei homosexuellen Paaren aufwachsen, nicht krimineller oder sogar häufiger homosexuell werden als andere. Daraufhin haben wir eine ziemlich mutige Ministerin, die nahezu mitten im Wahlkampf (und wenn Ulla nicht wär, hätten wir gleichzeitig Sommerloch) mitteilt, eine Diskriminierung homosexueller Paare ist seither nicht begründbar.

Will heißen: Anders als bisher und im Einklang mit dem neuen europäischen Adoptionsrecht sollen homosexuellen Paaren die gleichen Rechte beim Adoptieren eingeräumt werden. Nun ist wiedermal das Abendland in Gefahr, weil der einzige Ort, an dem Kinder glücklich aufwachsen können, die prototypische Mutter-Vater-Kind-Familie sei.

Momentan werden in Deutschland einige Tausend Kinder im Jahr adoptiert, ungefähr die Hälfte davon ist über 14 Jahre alt und/oder wird im Zuge einer sogenannten Stiefkindadoption rechtlich in eine bereits bestehende Konstellation eingefügt, wobei in diesen Fällen der jeweilige lebende biologische Elternbestandteil quasi Verzicht aussprechen muß.

Andererseits leben heute schon geschätzte 16.000 Kinder mit meist (ca. 95%) zwei Frauen als Eltern. Der Angriff aufs Abendland ist, wenn überhaupt, also bereits erfolgt, allerdings bislang ohne weitreichend bekannt gewordene Folgen. Der Anteil der Homosexuellen überhaupt an der Gesamtbevölkerung schwankt je nach Studie, Definition für Homosexualität und Auftraggeber zwischen 1 und 10%, was in Klarzahlen immerhin mindestens 80.000 Homosexuelle zum Vorschein bringen dürfte.

Die aufgeregte Debatte (106 Kommentare derzeit bei Zeit.de) dreht sich also einmal mehr um Nupsi. Daß nur so wenig Adoptionswünsche (auf ein zur Adoption freigegebenes Kind kommen 10mal soviele Paare) der unfruchtbaren heterosexuellen Paare erfüllt werden, liegt vor allem daran, daß sich die Kleinkindadoption ausschließlich am Kindeswohl orientiert, und da ist Fremdadoption eben nur eine hintergeordnete Lösung, und dem müssen sich adoptionswillige Paare unterordnen. Das wird auch bei einer Öffnung des Adoptionsrechtes bezüglich homosexueller Eltern nicht anders werden, d.h. sie werden es genau so schwer oder leicht haben, ein unbekanntes, kleines Kind zu adoptieren wie die sogenannten normalen Paare.

Daß es überhaupt bereits so viele Kinder gibt, die mit zwei Frauen als Bezugspersonen aufwachsen, zeigt ja, daß Menschen sich nicht immer von den bürokratischen Gegebenheiten davon abhalten lassen, ihr Leben nach ihren Vorstellungen zu gestalten. Die Antwort, warum die Kinder darunter leiden sollten, bleiben die konservativen Familienfreunde schuldig.

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Natürlich bin ich befangen. Mir geht es um die Denkweise. Papa Geldverdiener, Mama Hausverwalterin und Familienmanagerin, Kinder im Gymnasium = GUT, Papa weg, Mama Fließband und viele Liebhaber = schlecht und Kinder Hauptschule, Kriminalität usw. Das Dazwischen, das gibt es doch auch, und daß es per se schlecht ist, das darf mir die CDU/CSU erstmal beweisen. Wissenschaftlich.

Montag, 27. Juli 2009

The so-called Holidays

Okay, seit heute, Glaskasten, ist es amtlich, daß die Ferien begonnen haben - schlimmes Schnitzel, und am Salat weiße Sauce mit Tomaten, und die Caféteria schließt um 16 Uhr. Dafür gibts im Westend Spieße mit Pommes und Tomatensauce, man kann draußen sitzen, und wenn man am ersten Ferientag schon ins Westend gehen muß, weiß man, daß man den Wintersemesterbeginn beinahe herbeisehnt.

Pünktlich zum Semesterbeginn ist der Konfident grippelos wieder da, und ich bin stolze Besitzerin eines original-mexikanischen Dingsbums zum Anziehen in lila in Übergröße! Ich werde es testhalber mal waschen und prüfen, ob es sich dann meiner Körperfülle einigermaßen angenähert haben wird. Es scheint jedenfalls sehr warm zu sein, und lila schützt ja vor Schwangerschaft. Schlußendlich war es am Donnerstag wie die Fortsetzung eines kürzlich unterbrochenen Gesprächs, angereichert durch 10 Monate unterschiedlich prägenden Erlebens (Saltillo vs. Bielefeld) und das Gefühl, sich trotzdem eher mehr zu sagen zu haben. Und daß es ja mehr und mehr solche Abende geben wird, da der Konfident eben wieder hier ist.

Was ich noch absurd finde grad:

In Berlin fährt wirklich keine einzige S-Bahn auf der Stadtbahn. Man glaubt es erst, wenn man es sieht. Wenn die S-Bahn Berlin GmbH das vor 15 Jahren bei der Stadtbahnsanierung geahnt hätte, daß man den Berliner auch die Stadtbahn einfach wegnehmen kann! Oder jetzt beim Ostkreuz-Umbau. Natürlich bei laufendem Betrieb - würde ja sonst GAR NICHT gehen! Oder vielleicht doch? Bloß daß sie jetzt weniger Geld kriegen vom Senat, das ist blöd. Deshalb führen sie auch weiter Fahrscheinkontrollen durch und leiten gleich beim ersten Erwischen ein Strafverfahren ein - dürfte ja auch leichter sein, Schwarzfahrer zu erwischen, wenn 75% des Betriebes eingestellt sind - so viel wie zuletzt, als die Rote Armee die Schlacht um Berlin und den Führerbunker focht.

[Anmerkung: Die S-Bahn hat ihre Gewinne privatisiert und bürdet die Kosten für Instandhaltung, Wartung und Sicherheit jetzt der Allgemeinheit auf, nachdem rausgekommen ist, daß Wartungsintervalle freizügig überdehnt und Radwechseltermine großzügig ausgelassen worden sind. Willkommen in der freien Wirtschaft, wo alles der freie Markt über den Preis regelt. Bloß daß einige freier sind als andere.]

Freier in Bezug auf die Nutzung von S-Bahnen und dergleichen sind scheints Politiker, die den gepanzerten Dienstwagen mal eben nach Spanien kommen lassen, um mitten im Urlaub einen Vortrag vor Rentnern halten zu können und dabei nicht standesungemäß vorfahren zu müssen. Bei der ganzen Diskussion darum, ob das private Nutzen (und abrechnen) von Dienst-PKW rechtens sei, wird irgendwie ausgeblendet, daß es ja auch einen Haufen Geld (in Form von Sprit) kostet, das Ding da runterzufahren. Wird ja kein Dreiliterauto sein. Wer bezahlt das eigentlich? Muß die Ministerin sich an diesen Kosten beteiligen, wenn sie den Wagen dann auch privat nutzt? Ach, dumme Kuh. Warum lassen Sie sich nicht einfach von der Madrider Botschaft herumfahren, wenn es im Urlaub schon sein muß? Und dann lassen Sie sich das gute Stück auch noch klauen, also wirklich. Dämlicher geht es wirklich nicht. Schade, daß die Legislaturperiode zuende ist.

Mittwoch, 22. Juli 2009

Servus Baba nach Liechtenstein

Das ist nun zwar eher österreichisch, aber ich kann kein liechtensteinisch. Liechtenstein kennen wir alle als einen von diesen komischen Stadtstaaten - Luxemburg, Andorra, Monaco, Vatikan - die wir der Einfachheit halber aufgrund ihrer relativen Größe auch irgendwo nebeneinander verorten. Mich würde es zum Beispiel spontan im Leben nicht verwundern, wenn Andorra, Liechtenstein und Luxemburg irgendwo zwischen Belgien und den Niederlanden gemeinschaftlich ihr Stadtstaatendasein fristen würden, aber kognitiv weiß ich natürlich, daß das Quatsch ist.

Trotzdem überraschend, daß in Liechtenstein gerade einmal 35.000 Liechtensteiner wohnen, die auch noch auf ca. elf Dörfer verteilt sind, deren Hauptdorf Vaduz immerhin über eine handelsübliche Fußgängerzone verfügt. Deshalb gehen die studierfähigen Liechtensteinerinnen und Liechtensteiner ins nahe Ausland zum studieren, und weil es in Bern so uninteressant schweizerisch zugeht, wechselt man für ein wirklich spannendes Erasmusjahr nach, natürlich *fängt mit B an* Bielefeld.

Das beste, was einem in Bielefeld als Psychologiestudentin so passieren kann, ist natürlich, mit der Emobraut und mir in eine Referatsgruppe über bildgebende Verfahren bei Depression zu geraten. Das Referat war großartig, das Seminar sowieso, und wir drei wären in einem anderen Studierendenuniversum wahrscheinlich eine dicke Clique. Und heute war also Abschied, standesgemäß auf dem Siegfriedplatz, situationsgerecht vom Platzregen beendet. Alles Gute für später wünsche ich dir, and I keep fingers crossed for you!

Dienstag, 21. Juli 2009

So.

Nachdem ich in den vergangenen Tagen ein bißchen in alten Blogeinträgen stöberte, fiel mir auf, daß sich ja doch der ein oder andere Eintrag angesammelt hat. Und wie das mit Tagebucheinträgen sein soll, erinnerte ich mich an allerlei längst verschüttet geglaubte Geschehnisse. Daher sollte ich den Blog auch erinnerungssporttechnisch wieder ernster nehmen.

Wie ist das mit dem Lernen? Eigentlich einfacher als am Anfang. Aber der Anspruch steigt, und man beginnt, mehr zu verlieren zu haben - sich zum Obst machen beim Prüfer, oder es doch nicht in der avisierten Zeit mit dem Fertigwerden zu schaffen (was passiert dann eigentlich?), und ich fühle mich auch stärker beobachtet als der durchschnittliche Psycho - Prominenz ist immer zweischneidig.

Der Konfident ist wieder da und muß noch schnell von der Amerikagrippe, die doch keine war, genesen. Ach, ich seh den ja auch lieber gesund als grippig und dann eben erst übermorgen. Und dann muß die Diagnostik, wie leider so oft, liegenbleiben, und dem Kaffeetrinken, dem Einkaufen, dem Kochen und dem auf-dem-Balkon-sitzen Platz machen. Überhaupt Diagnostik: mal im Ernst: gestern habe ich mich bloß mit dem Nachtragen der Details vom HAWIK-IV, der nichtmal im Buch vorkommt, aus dem Manual aufgehalten. Wenn ich in dem Tempo weitermache, kann ich die Prüfung in zwei Jahren machen. Heute habe ich objektive und nichtsprachliche Persönlichkeitstests abgehakt; wieder ein Promille des Prüfungsstoffs. Ich sitze in der Bib und kenne mich inzwischen ganz gut: je mehr ich mich zu Leistung und sichtbaren Erfolgen anstachele, desto Quatsch. Besser dasitzen und ein Testchen verskripten und danach schnell auf sueddeutsche.de gucken, ob was in der Welt passiert ist (als wenn das auf sueddeutsche.de als erstes vermeldet würde, Schnarchnasen!), und eine schnelle Email schreiben, als verbissen ins verschwommene Buch zu starren. Die anderen lernen alle für die Evaluationsprüfung, das ist nächste Woche. Ich hab mir das fürs nächste Jahr, für den krönenden Abschluß aufgehoben.

Aber an sich ist das sehr schön in der Bibliothek, wie die Zeit vergeht, die sonst träg tropft. Wie sich alle ritualisiert bewegen. Wie der Rechner mit dem W-Lan ringt. Wie jede Prüfung gleich und gleichzeitig einzigartig verläuft. Wie der Tag auf einmal strukturiert ist. Wie man nacheinander schaut. Ich glaub, alle meine Kommilitonen beiderlei Geschlechts, die zumindest teils in der Bib lernen, habe ich am liebsten. Einfach weil ich sie dort sehe, beim Lernen. Die, die zuhause lernen, gehen dann auch nicht mehr zu den Vorlesungen, sieht man so auch nicht in der Uni. Die machen das mit sich aus. Das ist natürlich auch tapfer.

Sonntag, 19. Juli 2009

Nachtrag zum Kleinen Fest im großen Garten I

Photos werden nachgeliefert, weil ich keine Lust habe, den bluetoothfähigen Rechner hochzufahren, um die Photos aus dem Telephon zu extrahieren. Aber soviel sei schonmal gesagt: Das ist toll. Es findet jedes Jahr an ausgewählten Tagen in den Königlichen Gärten Herrenhausen in Hannover statt und ist eher so eine Art Kleinkunst-Theater-Festival.

Man kommt an und lagert sich auf der Wiese vor dem Eingang. Da noch nicht offen ist, verspeist man zunächst den Inhalt des hoffentlich reich bestückten Picknickkorbes. Dann kommt die Begrüßung in allen bei den Künstlern vertretenen Sprachen, diesmal 17. Eine Frau schwebt an einem Ballon heran und turnt in einer Art Trapez daran herum. Die Tore werden endlich geöffnet, und eine verhältnismäßig entspannte Masse entert den Garten, auf dessen Wegen überall kleine Bühnen mit Künstlern drauf zu finden sind. Aber auch zwischen den Bühnen passiert Beobachtenswertes. Zum einen gibt es eine Menge sog. Walking Acts, Menschen, die in phantasievollen Kostümen und dazugehörigen Rollen unterwegs sind. Zum anderen gibt es Jochen, den Elephanten, der misantropisch auf einem Dreirad unterwegs und mit einem Volksempfänger ausgestattet ist und die Besucher auf Veranstaltungen hinweist. Er bewegt sich dabei so natürlich, daß die Leute den Elephanten sofort anthropomorphisieren und mit ihm reden, als sei er ein kleiner Mensch. Die Vermutung, es handele sich um einen verkleideten, sehr kleinen Menschen, kann man im Umfeld von Jochen häufiger hören. Dabei läuft sein Herrchen quasi hinter ihm her, ausgestattet mit einer leistungsfähigen Fernbedienung und unauffälliger Mikro-Knopf-im-Ohr-Funkausstattung.

Abends gibt es ein nettes Feuerwerk zu Händels Wassermusik.

Nebenerkenntnis eines Nachmittags und Abends in Hannover: Das ist ganz schön groß. Auch in Hannover ist man geraume Zeit unterwegs, um von A nach C über B zu kommen. Das ist man in Bielefeld überhaupt nicht gewohnt und in Berlin so sehr, daß ich da nie drüber nachdenke.

Wieder eine tolle Wohnung:

Auf der einen Seite, unter Dachgebälk, blickt man über den Siegfriedplatz ins Bielefelder Umland. Auf der anderen Seite sieht man durch die exzessive Fensterfront über den ausladenden Balkon hinweg auf die Sparrenburg. Drinne stehen Leute und feiern 1 Geburtstag und eine längst fällige Verabschiedung. Der Verabschiedete residiert seit einiger Zeit als Professor in Duisburg, wo er bereits ein ansehnliches Team um sich herum versammelt hat. Wenn ich Anfang Oktober hinfahre, werden wohl beim Abendessen unproblematisch ein bis drei Diplomarbeitsthema für mich aufploppen, so die Prophezeiung.

Auf dem Buffet stand vor einer Schale mit weißlichem Inhalt der handgeschriebene Zettel Vorsicht - nicht sehr lecker! Bitte erst vorsichtig probieren! Der andere Professor mußte sich natürlich einem Selbstversuch unter- und sein Gesicht infolgedessen verziehen. Der Zettel war also einigermaßen berechtigt. Weitere Höhepunkte bestanden in einem umgekippten Rotweinglas und einem Stuhlzusammenbruch, die vom Publikum jeweils unterschiedlich bewertet wurden (Hast du den Stuhl kaputtgemacht?). Es zeigte sich auch wieder, daß man die beiden Professoren nicht mit Rotwein und Zigaretten auf einen Balkon stellen sollte. Natürlich hecken die sofort was aus. Als ich einmal dazukam, sagte der eine zum andern Na, das können wir doch dann einfach bei uns in Essen machen. Da haben wir doch den Scanner. Und schon ploppen die Veröffentlichungen auf.

Ansonsten alles natürlich voller teils promovierter, teils approbierter (und ja - sogar teils sowohl-als-auch!) Psychologinnen und Psychologen, und das laßt euch gesagt sein, daß die sich im Feierverhalten nicht von anderen vermeintlich Normalsterblichen unterscheiden. Die machen auch nur Quatsch und reden von der Arbeit.

Donnerstag, 16. Juli 2009

Das ist ja wohl ein Witz, Bahn!

Da liest man toll was über die neuen Fahrgastrechte, daß man ab Ende Juli bei Verspätungen in der gesamten Reisekette "Entschädigungen" bekommt.

Aber dann, das Kleingedruckte. In diesem Fall der Absatz Wann gibt es im Fernverkehr kein Geld zurück? Und erfährt:

... wenn die Verspätung aufgrund äußerer Einflüsse auftritt.

Also nie - Suizid, Böschungsbrände, ungünstige Witterung (Laub auf den Gleisen, im Januar unerwarteter Schneefall) und der neuerdings beliebte Notarzteinsatz am Gleis sind ja wohl die häufigsten Verspätungsgründe. Nur ganz selten hört man, daß der Lokführer vorsätzlich gebummelt hat... aber auch rechtzeitig angekündigte Baustellen entbinden die Bahn von ihrer Pflicht (sic!).

Abgesehen davon kann es sich bei einer Teilerstattung des Fahrpreises wohl kaum um eine Entschädigung handeln... allenfalls um Schmerzensgeld für entgangene Lebensfreude.

Sieht mir ganz nach einem Prachtexemplar von Bock aus, das da einer geschossen hat. Vielen Dank dafür. Falls es jemandem mal gelingen sollte, eine Ausgleichszahlung zu erhalten, bitte ich um persönliche Mitteilung.

Montag, 13. Juli 2009

Selten

bis nie habe ich einen so schlechten Artikel über ein so wichtiges Thema gelesen. Ich möchte behaupten, daß keine einzige der im Artikel aufgestellten Behauptungen wahr ist, nicht mal die über die Lebenszeitprävalenz. Bei einem Waschzwang leidet man jedenfalls nicht unter der Vorstellung, den Herd nicht richtig ausgestellt zu haben. Und die Erklärung der Exposition macht einen wirklich krank - in der Vorstellung, daß bei der Zeit zumindest noch Personen arbeiten, die ihr Studium abgeschlossen haben und daher einer vollständigen Recherche physisch und psychisch gewachsen sind. Andernfalls sollte man sich dieserlei Artikel echt sparen.

Lou Reed:

Just a perfect day
drink Sangria in the park
And then later
when it gets dark, we go home

Just a perfect day
feed animals in the zoo
Then later
a movie, too, and then home

Oh, it's such a perfect day
I'm glad I spend it with you
Oh, such a perfect day
You just keep me hanging on
You just keep me hanging on

Just a perfect day
problems all left alone
Weekenders on our own
it's such fun

Just a perfect day
you made me forget myself
I thought I was
someone else, someone good

Oh, it's such a perfect day
I'm glad I spent it with you
Oh, such a perfect day
You just keep me hanging on
You just keep me hanging on

You're going to reap just what you sow

Freitag, 10. Juli 2009

Screenshot während folgenden Satzes:

Ich lerne ja in der Bib, weil ich zuhause immer was anderes machen würde...



Im Gegensatz zur ablenkungsarmen Bibliothek natürlich :-D

Donnerstag, 9. Juli 2009

Keine Frage!

Der Bortz* ist...

die Bibel!
Prüfungsrelevant!

- wie gleichzeitig aus zwei Pistolen* geschossen die Antworten des Tages...

*Forschungsmethoden und Evaluation - Prüfungsliteratur für Multivariate Verfahren und Evaluation
*Münder, also quasi parallel-sho(o)uting, ha ha.

Dienstag, 7. Juli 2009

Und als Anmerkung zum ewig als gefährlich klassifizierten Osten:

Ludwigshafen, Solingen und Mölln waren und sind im Westen. Trotzdem wird in einschlägigen Reiseführern vor dem Besuch Ostdeutschlands pauschal gewarnt. Daß es da unter Umständen nicht lustig zugeht, weiß jede, die mal mit zottigen hennaroten Haaren durch die Provinz gezogen ist. Aber daß man in München seines Lebens und seiner Unversehrtheit jenseits von Ausländer- oder Zeckenhaß nicht sicher sein kann, haben die verschiedenen Ereignisse des letzten Jahres und grad ganz aktuell gezeigt. Ist München daran schuld, daß Jugendliche von der Zürcher Goldküste wahllos wehrlose Münchner fast totschlagen? Reisewarnungen werden sicher eher nicht ausgesprochen werden, weder für potentielle Täter noch Opfer.

Als ich neulich in der Zeitung las,

daß eine Zeugin während einer Gerichtsverhandlung in Dresden ermordet wurde, las ich folgendes (natürlich dachte ich mit keinem Gyrus daran, diese ersten Artikel zu verlinken. Wieso auch?):

Frau tot, Kind dabei, Beleidigungsverfahren, der Angeklagte der Täter, Verletzte infolge Tumult.

Später:

Ehemann der toten Frau infolge Tumults verletzt, Berufungsverhandlung.

Noch später:

Frau schwanger (dritter Monat - das ist nicht grade sichtbar), ... Apothekerin.

... und dann gings plötzlich los. Ich lese ja auch nicht jeden Furzartikel über sowas. Auf einmal dreht Ägypten frei. Nun erfahre ich (einige Tage später):

Frau ägyptische Apothekerin, Kopftuchträgerin, infolge des Kopftuchs beleidigt worden, Anzeige angestrengt (also selber Klägerin, nicht bloß Zeugin - auch wenn man immer als Zeuge gehört wird), Recht bekommen (zurecht natürlich), in Berufung gegangen (inzwischen wars der Staatsanwalt), Ehemann bei Hilfeversuch von Polizei angeschossen und schwer verletzt. Täter Spät(sehrspät)aussiedler aus Russland.

Auf einmal haben wir eine wunderschöne Debatte über Islamophobie, Gewalt gegen Ausländer in Ostdeutschland, das angebliche Wegschauen der Politik und/oder Öffentlichkeit, unser Verhältnis zu Ägypten und vieles mehr. Die Russen kriegen nebenbei auch ordentlich was ab. Dabei haben die Medien, zumindest die, die ich so lese, am Anfang in meinen Augen alles richtig gemacht: der Vorfall wurde berichtet, ohne die doch eigentlich so unwichtigen Parameter Staats-, Religions- (samt äußerer Erkennungszeichen) oder Nationalitätsangehörigkeit in den Vordergrund zu stellen. Das gereicht jetzt zum Nachteil, weil diversen Stellen vorgeworfen wurde, nicht adäquat auf, Vorfall will ich jetzt nicht schreiben, hmmm, reagiert zu haben.

Denn eigentlich besteht doch das Erschütternde an dem Fall in seiner banalen Grundlage. Ein Mann beschimpft eine Frau (wenn sie kein Kopftuch getragen hätte, wäre es sicherlich etwas anderes gewesen), die Frau setzt sich souverän und mit den gebotenen rechtsstaatlichen Mitteln zur Wehr, bekommt recht, und der Vollpfosten weiß sich von einer rechtskräftigen Verurteilung als Beleidiger nicht anders reinzuwaschen, als daß er sich eine Anklage wegen vorsätzlichen Mordes aus niedrigen Beweggründen mit besonderer Schwere der Tat einhandelt. Na, herzlichen Glückwunsch.

Das ist schlimm, hat aber nix mit DER (ost)deutschen Fremdenfeindlichkeit oder DEM (ost)deutschen Ausländerhaß zu tun. Das ist doch lächerlich.

Sonntag, 5. Juli 2009

Sommer hier

Ja, ein richtiger Sommertag mit blauem Himmel und trockener, heißer Luft und strahlender Sonne und so.

Gestern abend saß ich in einem schönen Garten. Heute saß ich den ganzen Tag hinter der Uni im Gras und übte diagnostizieren mit dem SKID, anschließend wechselte ich in den Oetker-Park über, später lag ich auf dem heißen Sigi und las Calvin-und-Hobbes-Comics.

Not so bad.

Außerdem: Es gibt ein neues Nouvelle-Vague-Album, welches mir gestern abend spontan zulief und viel mehr gefällt als das zweite, weil es in der Wahl seiner Mittel doch abwechslungsreicher ist als das zweite und sich in der Art der Interpretation trotzdem treubleibt.

Freitag, 3. Juli 2009

Tolle Wohnungen in Biele Teil X.

Das war ein Traum von Wohnung gestern, nichtmal in der allerattraktivsten Wohngegend, aber auch nicht unhübsch gelegen, in einem Altbau mit herrlichen Holzfußböden, uralten Kippfenstern und einem riesigen Balkon, auf dem dann auch alle standen, weils heiß war. Unten ein blühender und duftender sehr gepflegter Garten, und quasi über den Dächern Südnordbielefelds spielt man Therapieausbildungs-Abschlußprüfungs-Trivial-Pursuit und trinkt gekühlte Getränke. Geschichten aus der Notaufnahme in Bethel oder von früher gibt es natürlich auch, und das Sportfest wird ausführlich besprochen. Die Zusammenkunft huldigt einem stattfindenen Geburtstag, und die meisten Anwesenden wissen zwar 1) daß das einladende Geburtskind eine Zwillingsschwester hat und 2) diese ebenfalls anwesend ist, brauchen aber im Schnitt ein halbes Stündchen, um zu realisieren, daß die Zwillingsschwester ja auch Geburtstag hat.

Die Atmosphäre war dermaßen entspannt und angenehm, daß ich die von der Arbeit nicht ganz unberechtigt herbeigetragene schlechte Laune nach kurzer Zeit nicht mehr wahrnehmen konnte. (Vielleicht ist auch das Älterwerden: Nicht mehr die wilden Parties machens aus, sondern die chilligen Geburtstagsfeiern sonntags oder gar mitten in der Woche.)

Looking back: The Sportfest!

Am Mittwoch war Sportfest+Psychogrillen. Die erste Hälfte wurde von der Professorin für Kinder- und Jugendlichenpsychologie und -psychotherapie eingebracht, die zweite Hälfte existiert als von der Fachschaft organisierte Veranstaltung schon länger. Nun also die eventträchtige Kombination.

Sportfest hieß: Dozenten gegen Studenten.

Das Vorbereitungsteam entschied sich aus verschiedenen Gründen für Fußball. Weiters wurde der Besorg von Getränken und Grillgut organisiert. Bei den Dozenten fanden sich genügend willige (oder abhängige) Doktoranden sowie zwei Professoren (jeweils auch Frauen dabei) für eine Mannschaft zusammen, und nach einem Geheimtraining unter der Agide der Prinzessin, ihres Zeichens Team Coach, ging es auf dem Rasenplatz der Uni los. Unter glühender Sonne.

Das hätte bei der Terminbestimmung vor drei Monaten niemand erwartet, daß es nicht einfach nicht regnen, sondern brütend, sengend, atemberaubend heiß sein könnte. Für das Event war das gleichwohl ganz günstig, denn es wurden doch viele Zuschauer angelockt, um dem Spektakel beizuwohnen und sich sogar zu der ein oder anderen La-Ola-Welle hinreißen zu lassen. Die Cheftrainerinnen rannten am Spielfeldrand umher und riefen irgendwas. Der klinische Professor murmelte am Rand immer was von ihr kommt alle noch zu mir in die Prüfung und die Promotion kannst du dann ja vergessen *Namens eines Doktoranden undeutlich murmelnd* in seinen nicht vorhandenen Bart. Der Dekan äugte kritisch. Die Jungs und Mädels verausgabten sich tapfer. Die B-Note ging an die Verrückte, auf deren Identität ich später vielfach angesprochen wurde. Die Hitze war gigantisch. Das Ergebnis war vielleicht eindeutig, aber in der Diskussion könnte man ja nochmal weitersehen. Dann gab es Essen und Trinken und Siegerehrung. Es war warm, und Studenten und Dozenten plauderten miteinander und untereinander, wie es sein soll.

Grandios, jedenfalls, eben auch der Stimmung wegen, und daher dringend zu wiederholen. Ich kenne mich weder mit anderen Unis noch mit anderen Studiengängen genügend aus, um Vergleiche ziehen zu können, aber ich habe das Gefühl, daß eine derartige, entspannte Veranstaltung nicht überall in gleichem Maße möglich wäre. Hier schon. Davon lebt meine subjektive Zufriedenheit mit dem Studium.

Dienstag, 30. Juni 2009

Klares Statement:

von einer Frau, die es verdient hätte, Bundespräsidentin dieses zusammengeführten Landes zu sein... aber dafür haben wir ja den Köhler, der kann ja sicher auch wichtige Reden halten.

Ich freue mich über rege Kommentare von Westdeutschen.

Montag, 29. Juni 2009

Neun Monate

Vor neun Monaten bin ich mal mit der Lieblingsschwester von Berlin nach Bielefeld gefahren. Im Zug unterhielten wir den gesamten Waggon mit unserer eigenen Heiterkeit, aber eigentlich hatte ich ganz schönes Muffensausen.

Ich wurde nämlich in Bielefeld abgeholt, und niemand wußte, wie das ausgehen würde.

Nur ganz kurze Zeit später wurden wir ein Paar und sind es bis heute, und es sieht nicht so aus, als würde sich das demnächst dramatisch ändern. Dieses ganze wunderbare Dreivierteljahr lang bis heute kann ich das Glück und die Ruhe gar nicht richtig fassen, das ich seitdem erleben darf, und ich habe das deutliche Gefühl, angekommen und zu mir gekommen zu sein.

Dafür danke, und auf mehr als nochmal neun Monate.

Sie sind klein, aber es sind viele!

Diesmal sind nicht Kinder, sondern Flugzeuge gemeint.

Gestern, nein, ich muß vorgestern beginnen.

Am Sonnabend erfreute sich die Stadt Bielefeld eines sogenannten Mitternachtsshoppings, und ich bin dafür dankbar, denn seither weiß ich, warum Intelligenzdiagnostik in der psychotherapeutischen Hochschulambulanz für Kinder und Jugendliche nur im Morgengrauen vorgenommen wird. Abends sinkt der IQ rapide und umgekehrt exponentiell im Stundentakt. Und man fragt sich: wenn eine Frau nachts um halb zwölf einen Dreierpack weiße Schlüpfer kauft, ob das jetzt so dringend war?

Am Sonntag mußte also gedöst werden. Ausschlafen, und dann zum Frühstücken trotz mehrmalig schlechter Vorerfahrung ins Café Berlin, aber da kann man so schön draußen sitzen und Zeitung lesen. Und es war gut! Das Essen kam schnell, die Bedienung war prompt und fehlerlos, die Stimmung entsprechend entspannt.

Anschließend also Ausflug. Ab ans Wasser! Bei Porta Westfalica macht die Weser einen hübschen Bogen, in dessen Scheitel sich mehrere Seen tummeln. Nach einer gekonnten Weserbogen-Umrundung und einem Spaziergängchen mittenmang den Skatern und Radfahrern befanden wir uns plötzlich am Flugplatz von Porta Westfalica, den ich schon oft vom Zug aus gesehen habe. Meine Herren, da war vielleicht ein Betrieb! Wenn sich nicht grad klapprig erscheinende Mini-Kisten in die Luft erhoben, zog ein weiter entferntes Winden-Betriebs-Fahrzeug Segelflieger in magengrummelmachender Steilkurve in den wolkigen Himmel, oder es landete der ein oder andere historisch wirkende Doppeldecker, dessen Pilot aussah wie direkt aus Snoopys Geschichten als Fliegerass des ersten Weltkriegs importiert, so mit Fliegerhaube und Brille und so. Drumherum wirkte alles wie früher die Segelvereine oder Dauercamperplätze (O-Ton einer Dame am Flugfeldrand: Blöde Fliegerei, aber ich bin ja selber schuld - hab ich ihm damals den Flugschein auch noch geschenkt). Sorgen in Porta Westfalica.

Jedenfalls also Jet-Spotting.

Dann Stadtteilfest auf dem Sigi mit einer schnellen Bratwurst und Mädchenbier.

Dann süßsaures Schweinefleisch mit den beiden Hauptfrauen aufm Balkon.

Sonntag, 21. Juni 2009

Was ich nicht verstehe:

in diesen Bielefelder Juniabenden: den ganzen Tag lang droht's wie Wettersturz, und dann am Abend, wenn die Sonne hinterm Teutoburger Wald zur Nacht abwinkt, strahlt ein optimistischer, schönwetterverheißendes Blau, durchsetzt mit hohen, netten Wolken vom Himmel. Ich schwör: morgen früh siehts wieder aus wie War doch nix mit'm Azoren-Hoch. Vasteh' ick nich.

Freitag, 19. Juni 2009

Und noch wichtig:

Alles, was im 3er-Postleitzahlen-Bereich wohnt, muß und soll seinen Getränkebedarf nur noch und ausschließlich über den Getränkemarkt Kesten in Steinhagen/nahe Teutoburger Wald decken. Das ist der Fachhandel für Spezi, aber da gibt es auch Lübzer und sogar polnisches Bier und nicht nur Tyskie und Lech *langweilig* wie hier im Edeka, sondern auch Zywiech mit Punkt auf dem Z. Und kistenweise Fritz!Kola samt Limo. Und wie gesagt, der Service ist gleichermaßen unaufdringlich wie freundlich und gut. Klar kann ich den Wagen mit irgendwelchen Kisten auch selber zum Auto rollern, aber wenn ein netter junger Mann kommt und einem den Wagen ja quasi schon entwendet, während er fragt, wohin das gute Stück gehört, und einem das ganze ungefragt und ungejagt in den Kofferraum hievt, tja. Dann ist Emanzipation gerade anders gemeint. Verständlicherweise. Bloß hochtragen zuhause, das muß man noch selber. Aber dann hat man ja Spezi.

Bibliographie

Idee geklaut von jetzt.de, schon seit einiger Zeit bewundert und gleichzeitig als zu kleingeistig in der Umsetzung kritisiert - es gibt da diese nette Rubrik Produktbiographie, innerhalb derer auf maximal sechs Seiten inklusive entsprechender Illustration die Taschen, Schuhe und anderes Accesoires-Gedöns präsentiert wird, das einen Mittzwanziger mit Hochschulabschluß bislang so begleitet haben könnte oder hat.

Nun also Bücher. Im Prolog Lustige Taschenbücher, dann schnell Medicus&Co., Bukowski und Hesse in unüblicher Reihenfolge, aber am passenden Platze (Spätpubertät bis Frühadoleszenz); dann, immer noch unübliche Abfolge, aber nicht untypisch im Auftreten (ich kann das gar nicht beurteilen; ich mußte nie langweiligen Zivildienst ableisten), diverse Klassiker; dann Popliteratur; dann die Guten; dann wird man alt und hat evtl. wieder richtig Zeit zum Lesen.

Das als Überblick, was die Konkurrenz sagt und liest. Ich kann ja auch mal.

Natürlich kein Lustiges Taschenbuch, sondern Grimms gesammelte Volksmärchen. Und dann polnische, russische, ungarische und überhaupt alle Volksmärchen der Welt östlich des Eisernen Vorhangs. Dann die des Westens, z.B. Alice im Wunderland. Und die gemischten, Zauberer der Smaragdenstadt und so. Die Raumfahrt-Zukunft-Bücher. Die ernsthafteren davon, Stanislaw Lem beispielsweise. Dann auch bei mir Klassiker. Im Nachtbus nach Hause Heine und Hölderlin. In der S-Bahn Hesse und Mann. Alle Mann. Dazwischen Kafka. Die Verwandlung im Deutschunterricht ödete mich an, weil ich das ganze andere Zeug von Kafka viel spannender und besser fand. Nur was ich für die Schule lesen mußte, mied ich. Meist wurde es einem ja doch kaputtgeredet.

Seltsam, heute würde ich mich freuen, wenn sich eine fachliche Instanz mit mir über das Gelesene austauschen würde (was bedeuten würde, daß mindestens ein anderer mir bekannter Mensch das Buch auch gelesen hat).

Dann las ich, beinahe bulimisch, alles, was schwarz auf weiß und nach dem Klappentext noch erträglich schien. Vieles mußte ich gedanklich wieder loswerden, wie bei einer richtigen Bulimie, aber in dieser Phase entdeckte ich auch seltene Perlen wie den Kriminalromanzyklus von Sjöwall/Wahlöö, der zehn Jahre Schweden beschreibt, in einzigartiger Kombination von Verbrechen, Politik und einzelnen Menschen. In dieser Spätphase entdeckte ich Max Goldt. Seitdem rede, lebe und lese ich anders. Man könnte mich wahrscheinlich in eine Prä- und Postauriphase einteilen, wenn man mehr Geschriebenes von mir kennte, was ich jetzt aber niemandem zumuten möchte. Max Goldt sagte oder besser schrieb einstens, Dr. Erika Fuchs, die Übersetzerin der klassischen Donald-Duck-Geschichten von Carl Barks, habe mehr für sein Sprachgefühl getan als alles andere, und den Beispielen nach zu urteilen, die er selbst angibt, kann ich mir das plastisch vorstellen. In dieser ja eher späten Phase (ich war immerhin schon Mitte zwanzig) durchstöberte ich die Bücherkisten berliner Flohmärkte nach Carl-Barks-Donald-Duck-Geschichten, teils erfolgreich, und labte mich an Sätzen wie Wer keine weiche Birne hat, ißt harte Äpfel aus Halberstadt.

Durch manche Werke hindurchgefressen: Georges Simenon, John Irving, Robert Merle, Margaret Atwood, Doris Lessing (von der ich mehr als zwanzig Bücher besitze), Philip Roth, Janosch, Urs Widmer, Robert Gernhard und Martin Suter, Lothar Kusche (Ost) und Franz Joseph Degenhardt (West), und alles, was aus Ungarn kommt, allein der Namen wegen.

Jetzt bin ich über dreißig und versuche ein anständiger Mensch zu werden. Jedoch will mir das Fernsehen nicht gelingen. Ich bin da ganz schlecht drin, aber da ich meinen Papa kenne, weiß ich, wo ich das herhab, und mache mir deshalb doch keine Sorgen. Stattdessen sitze ich in Prüfungsphasen zuhause und lese den unterhaltsamen Teil der Fachliteratur. Bei Sozial habe ich im Siegler (Entwicklungspsychologie) herumgelesen. Bei Physio habe ich die Elaborate von Herrn Markowitsch verschlungen (zumindest mit dem Erfolg, daß ich fürs Gedächtnis praktisch nichts mehr lernen mußte. Bei Diff habe ich populärwissenschaftlich bzw. egomanisch begründeten Krams von Eysenck gelesen (obwohl ich hierbei nicht glaube, daß mir das irgendwas genützt hat), bei Physio II ganz viel von Onkel Antonio Damasio. Und nun eben daheim der Margraf/Schneider. Der liest sich aber auch! Wenn man von den eklatanten Fehlern absieht... Bloß für Diagnostik ist mir noch kein geeignetes Zuhause-Buch übern Weg gelaufen...

Tja, mit sechs Rubriken käme ich nicht weit. Comics habe ich außer Donald Duck noch gar nicht angesprochen, auch die kommunistische Science-Fiction kaum, außer Lem, und der war bestimmt nicht so richtig kommunistisch. Oliver Sachs unerwähnt, ach, schändlich! Uferlos, so eine Bibliographie zu verfassen. Daher Schluß damit...

Mittwoch, 17. Juni 2009

Referat rockte

Ich hatte gestern die außerordentliche Ehre, im Depressionsseminar (also da geht es nicht darum, wie man am besten und/oder schnell depressiv wird!) über bildgebende Studien zu referieren. Bildgebung, vulgo: die bunten Bildchen, also das womit uns immer gezeigt wird, wo die Angst sitzt oder warum Frauen Schuhe kaufen. Das macht also Spaß, und das war auch unser Erfolgsfaktor: Spaß an der Sache. Das schöne dabei: ich konnte mir endlich einen alten Wunsch erfüllen und mit dem Seminar heiteres Strukturen-Raten machen, also ich zeige mit dem Pointer auf ein Stück Gehirn, und die andern dürfen unverbindlich raten, ob das der Thalamus oder doch vielleicht der Gyrus cinguli ist. Und beim Versuch zu erklären, wie eigentlich ein Magnetresonanztomograph so funktioniert, auf eine wundervolle Präsentation zurückgreifen, die ursprünglich von einer Seite namens fMRI Physics with hardly any math stammte :-) also: Referate halten ist super, umso mehr, je mehr man Bescheid weiß, wie ich schon vor anderthalb Jahren halb erkannte.

Jetzt ist das Semester schon wieder so gut wie zuende, ich muß noch ein Referat über die Diagnostik von Zwangsstörungen bei einem Blockseminar Anfang Juli halten und endlich mal mit Diagnostik-Lernen anfangen... der Prüfungstermin hängt aus, und ich bin um 9 Uhr in der Früh natürlich die erste... das was sich alle immer wünschen, aber ich hätte gegen 10 Uhr auch nix einzuwenden. Nun muß ich wohl echt anfangen. Klinische scheint nicht das Problem zu sein, da lese ich alles, was nicht bei drei aufm Baum ist. Auch abends im Bett.

Hoffentlich war es das jetzt mit der Schafskälte; es war schön heute auf dem Sigi, und es kann ja nicht sein, daß ich im April zehnmal aufm Sigi saß und im Juni heut zum ersten Mal! Die Welt spinnt ohnehin, die Studenten bestreiken die Uni zugunsten besserer Bildung und stören dabei zuvörderst Vorlesungen, wenn sie nicht Abgeordnetenhäuser plündern. Zelten vor der Uni, die Armen. Komisch, aus einer bestimmten Art von Protestkultur wächst man wohl raus. Ich will lieber fertigwerden und die Welt auf meinem Platz, für den ich dann ausgebildet bin, besser machen.

Freitag, 12. Juni 2009

Alles neu macht der Mai, bzw. Juni, weil im Mai das Blogger kaputt war

Wie unschwer zu erkennen ist, habe ich das Bloglayout verändert - falls der Architekt am Design herumkritteln möchte, darf er das gerne tun.

Wichtigste Veränderung sicher der Blogtitel. Nicht mehr groß oben drüber, weil sich das mit dem schönen Panoramabild biß, und auch nicht mehr Zitat eines der schönsten und gleichzeitig kürzesten Beatles-Lieder. Nein, Geschichten aus anderen Galaxien sind hier ab nun eingestellt, denn so fühle ich mich seit einiger Zeit gelegentlich ein wenig: in ein anderes Sternensystem ausgewandert, wo ich mich gleichwohl sehr wohlfühle und welches ich auch nicht mehr verlassen möchte.

Gleichzeitig spielt das Thema Hafen eine kleine Rolle, auch nicht zu Unrecht, und ich habe die Seite gewechselt, was die kleinen Helferlein am Rande angeht. Auch dort eine Neuerung in Form einer Grad gut-Liste. Wenn ich die nicht einigermaßen aktuell halten kann, wird sie wieder abgeschafft.

Was war eigentlich kaputt? Aus irgendeinem Grunde hat mein Firefox-Werbeblocker sämtliche Seitenelemente vom Blog gesperrt, so daß dieser nicht mehr richtig angezeigt und bearbeitet werden konnte. Das war natürlich kein Zustand. Lustigerweise habe ich im Zuge der Fehlersuche und Behebungsversuche unter anderem den Firefox bei der Firewall gesperrt, was ihn allerdings nicht daran hindert, fröhlich weiter ins Internet zu marschieren. Ist das nun ein gutes Zeichen für die fuchsige Schläue des Firefox oder ein schlechtes Zeichen meiner Firewall?

Nun muß ich wohl weiterhin the whitest boy alive hören und Fehler im Margraf/Schneider suchen. Der bislang prominenteste erinnerte mich prompt ans Physio-Lernen mit dem Konfidenten, der auch immer Hypo und Hippo bei Hypothalamus und Hippocampus verwechstelte. Aber er mußte ja auch nur eine mittelmäßig öde Physio-Klausur und kein hoffentlich spannendes, vor allem teures Lehrbuchkapitel schreiben. Wie immer lese ich statt Prüfungsliteratur alles mögliche andere.

Dienstag, 9. Juni 2009

16 Stunden Frankfurt an dem West-Main (inklusive Reisezeit)

Erstmal: mit einem sogenannten Bahn-Fix-Code versehen am Automaten quasi bestellte Tickets auszudrucken ist dermaßen bequem, komfortabel und schnell, daß ich mich frage, warum ich das nicht immer so mache. Kann man nicht auch Tickets im Internet bestellen und dergestalt abholen? Jedenfalls habe ich schneller, als ich "Bäh, Fahrkartenautomat!" denken kann, ein schönes Uni-Bielefeld-Ticket und passende Platzreservierungen in der Hand. Bis nach Köln bin ich ramdösig, gestalte aber auch ein oder zwei Folien für das demnächstige Referat. Dann Rhein, Dom, schnelles umsteigen in den schnellen und vollen ICE International aus Bruxelles Midi, der durch den Westerwald pflügt wie ein Speedboot über die Regattastrecke. Augen zu, Augen wieder auf, Frankfurt Flughafen Fernbahnhof, Flugzeuge, angekommen.

Der Frankfurter Bahnhof ist ein altmodischer Kopfbahnhof, der inwendig mit neumodischen Freßbuden und gefühlten null Servicepointen zugestellt ist, aber dazu später vielleicht mehr. Draußen steht ein eigens vom Frankfurter Taxi-Verein angestellter (und hoffentlich bezahlter) Mensch, dessen einzige Aufgabe in der Zusammenbringung von Taxiwilligen und Taxis besteht. Aus nicht nachvollziehbarem Platzmangel heraus nämlich stehen die Frankfurter Taxis nicht schön in einer Reihe, sondern eher fünf- bis sechsreihig in einer Art Pulk, und die potentiellen Fahrgäste stehen erstmal kurz an, bis ihnen das nächste herbeigewunkene Taxi zugewiesen wird. Cool ist es dann, wenn man sich cool mit einem "GutenTag, einmal in die psychiatrische Klinik, Heinrich-Hoffmann-Straße 10, bitte" ins Polster gleiten läßt, ohne dabei den Eindruck zu erwecken, daß man selber dem nächsten Schub ein wenig zuvorkommen möchte.

Das Testen war lange und anstrengend, aber gottseidank nicht so aufregend wie befürchtet, und Komplikationen gab es auch keine, was einfach auf die goldenen Hände der Prinzessin zurückzuführen ist, die die Spielaufgaben vorher einfach nochmal durchgespielt hat. Bloß dann nochmal fast vier Stunden nach Hause fahren, wieder der Flug durch den Westerwald - es kommt einem gar nicht wie 300 Sachen vor, und es wird auch nicht mehr angezeigt, vielleicht weil es den Leuten dann doch schlecht wird, wenn sie es leuchtanzeigenrot auf schwarz lesen können. Aber da Teile der Trasse parallel zur Autbahn verlaufen, sieht man doch recht deutlich, daß man wesentlich schneller als 160, 180 Sachen unterwegs ist. Und ja, meine eustachische Röhre nimmt trotz abgedichteter Kabine die Druckveränderungen wahr, d.h. ich muß ständig schlucken, wie im Flugzeug. Trotzdem fühle ich mich viel sicherer und nehme das Schaukeln gar nicht als bedrohlich war - vielleicht hätte ich erst Hochgeschwindigkeits-ICE fahren und hernach fliegen sollen. Aber kurioserweise gabs damals noch gar keine ICEs, soweit ich weiß.

Frankfurt ansonsten, also gesehen habe ich ja nicht viel, aber vorbildlich mit Fluß und Wohnhäusern am Fluß mit wahrscheinlich unbezahlbaren Mieten, der Dialekt ist eher wischi-waschi-anstrengend - warum ausgerechnet Berlinern immer so einen schlechten-proletenhaften Ruf hat, ist mir etwas schleierhaft. Wetter auch verhältnismäßig vorbildlich, überall Flugzeuge, und ein Salat mit Lammstreifen kostet beim Pizzaservice schlappe 8,50 Öre. (Groß war er ja, der Salat, aber er bestand zu 99% aus Gegenständen, die auf dem Markt zusammen nicht mehr als 1,75 Öre gekostet haben dürften.) Also Frankfurt, das West-Frankfurt jetze, muß ich nicht unbedingt wohnen drinne.

Sonntag, 7. Juni 2009

Kurz:

The whitest boy alive - das ist die Musik des Monats Juni, ausgelöst durch Beschallung am angenehmen Orte und hurtig vom leider Online-Dienst herbeigeliefert, weil leider nicht auf dem gründlichst durchforsteten Trödel aufm Boxi auffindbar. Und ja, ich hatte recht: Nebenprojekt von Kings of Convenience, und aus Norwegen, nicht Finnland.

Schafskälte herrscht, die Schläppchen kommen nicht zum Einsatz, dafür die zusammengebaute Doppeljacke. Auf dem Fahrrad wird es schnell kalt, und seit lokalen-Einzelhandel-unterstützend Schaltung und Bremsen ein- und wiederhergestellt sind, fährt das Rad auch schnell.

Ich war heute wählen, natürlich (man muß wählen gehen, weil die Frauen früher viele Jahrzehnte fürs Wahlrecht gekämpft haben - das nenne ich mal eine wirklich überzeugende Begründung! Ist leider nicht von mir. ), und habe natürlich diese Wahlbenachrichtigung verbummelt, die man ja eigentlich nicht braucht, dann aber doch, weil man sonst nicht weiß, in welches Zimmer man gehen muß. Allerdings hatte ich so ein bißchen den Eindruck, daß ich auf ostwestfälisch-unbekümmerte Art auch in jedem Zimmer jeweils einmal hätte wählen können, was man abends natürlich gemerkt hätte, aber dann hätte man ja nicht mehr gewußt, welche Stimmzettel alle von mir waren. (Oder vielleicht doch? Ein böser Verdacht... hoffentlich haltlos.)

Gelesen wird: Lehrbuch der Verhaltenstherapie (das, wir erinnern uns, kein Lehrbuch ist...), aber auch das großartige Lexikon des Unwissens. Darüber später vielleicht mehr, oder der ein oder andere fleißige Blogleser kriegt's einfach zum Geburtstag geschenkt, basta. Dann kann er sich selber ein Bild machen.

Morgen, und deshalb ist hier endgültig Schluß mit dem Schnell-Rundumschlag, fahre ich im Morgengrauen nach Frankfurt am West-Main (es gibt eine sehr schöne Max-Goldt-Geschichte von vor wahrscheinlich mindestens zehn Jahren, die in einer österreichischen Tageszeitung spielt, die sich in der Not, ihren möglicherweise nicht zureichend vorgebildeten Lesern in gleichwohl knackigen Begriffen die ostelbische Herkunft des deutschen Grand-Prix-de-la-Chanson-Trios zu verdeutlichen, mit der Angabe ...aus Frankfurt an der Ost-Oder... ein leider unbeachtetes Denkmal setzte), um dort Kontrollprobanden neuropsychologisch zu untersuchen. Leider habe ich das noch nie gemacht, und daher weiß ich nicht, ob ich das überhaupt kann.

Sonntag, 24. Mai 2009

Tja...

Man gewöhnt sich an so einiges.

Z.B. so ein Himmelfahrtswochenende war doch früher heilig, für Kreativtage in Altlüdersdorf oder Kreisjugendkonventsrüsten in Heinersdorf z.B. Nach nunmehr 7 Jahren im Einzelhandel habe ich mich wohl daran gewöhnt, daß man an diesen Tagen besonders wahrscheinlich besonders viel besonders anstrengend arbeitet. Ohne zu murren. Im Gegenteil stelle ich fest: Die Kunden haben das Gehirn irgendwo ganz abgegeben? Ich habe noch genug vorrätig. Die Mitarbeiter zicken herum? Mir egal, ich stehe so oder so bis 20 Uhr hier herum. Ein Kind schreit, die Kasse geht kaputt, die Tür läßt sich nicht abschließen? Brrr... davon geht die Welt nicht unter.

Auf dem Sigi kann man mittags prima Studien lesen. In Bielefeld taumeln nur vereinzelt biertrinkwillige Vatertagsfeierer durch die Straßen. Um zehn ist es noch überhaupt nicht richtig dunkel. Mein Mitbewohner ist vielleicht als typischer Underachiever in seinem Pädagogik-Studium völlig falsch aufgehoben. Der Blogkumpel will Gerd Gigerenzer vom Wert bildgebender funktionaler Studien überzeugen. Ich will nicht immer über die drohende Diplomarbeit nachdenken. Und schon gar nicht über die Diagnostik-Prüfung. Ich will, daß das Fahrrad ganz bleibt, weil Radfahren super ist. Und außerdem soll die ambitionierte Jazzband da zwei Etagen unter mir immer weiter diese schönen Lieder proben, wenn draußen die Sonne scheint. Und vor allem soll das Flugzeug, in dem die Prinzssin jetzt drinnesitzt, so sacht und weich wie möglich in Hannover-Langenhagen aufsetzen.

Donnerstag, 21. Mai 2009

Was wirklich wichtig ist:

merkt man, wenn es nicht mehr da ist. Oder wenn man es wieder hat.

Ich habe heute (wir erinnern uns an die Dramen [1;2] mit den schönen französischen Ventilen) in einer größeren Fahrrad-Wiederherstellungszeremonie meinem Fahrrad den gefühlten 25. Schlauch hinten eingebaut und mit einer neuen Luftpumpe aufgepumpt, und ich hoffe, daß das länger hält als von 12 bis Mittag. Licht hinten geht nicht mehr, schalten vorne auch nicht. Naja, fahre ja eh immer im schwersten Gang. Bremse unkundig erfolgreich alleine nachgestellt.

Ergebnis der Aktion (kurzfristig): zum GNT-Finale-gucken in die August-Schroeder-Straße gefahren, statt zu laufen. Super. Hoffe, das Zauberbike trägt mich auch demnächst in die Uni, dann muß ich nimmer mit dem Pöbel Bahn fahren.

Die Prinzessin weilt in der Schweiz und lauscht hochkarätigen Professoren bei Eröffnungsvorträgen und läßt sich anschließend anständig bekochen... tja, dann halte ich wohl in der ostwestfälischen Kulturmetropole die Fahne alleine hoch. Aber das Gefühl, einmal richtig entschieden zu haben, einmal richtig zu vermissen, einmal auch zu wissen, was einem wirklich fehlt, das ist unbezahlbar. Und dafür gibt es einmal I Still sleep with the lights on zur Erinnerung an die Zeit davor, als wir es noch nicht wußten, aber ahnten.

Dienstag, 19. Mai 2009

Läuft.

Das war ein Begriff, den der Konfident gerne einsetzte, vor allem dann, wenn es eigentlich nicht lief. Meistens, wenn aus Prokrastinationsgründen ganz andere Projekte "liefen".

*jetztfolgtkeineliebeserklärung*

Daß dieser Konfident mir einst sehr fehlen könnte, hätte ich nicht gedacht. Klar, man hat Klausuren zusammen geschrieben und mithilfe von Papier und Bleistift die Rolle des Calciums bei der Transmitterfreisetzung dermaßen anschaulich illustriert, daß alle Beteiligten wahrscheinlich in der Not noch alles hersagen und ggf. pantomimisch herzeigen könnten - aber die Zwanzigjährigen und die Dreißigjährigen haben oft eben auch die banale Barriere namens "zehn Jahre" zwischen sich zu operieren. Jetzt sage ichs aber laut und öffentlich: Konfident, tu, was du für richtig hältst, aber komm auch mal wieder! Oder soll ich auf meine alten Tage nach México reisen??

Die ganze Spezi-MezzoMix-SchwippSchwapp-Disputation hat ein Ende, seit ich der Spezi-Seite eine Dealer-Information über den Getränkemarkt Kesten in Steinhagen entlocken konnte. Dort gibt es echtes Spezi in leider Plasteflaschen. Verkauft wird das Spezi von netten und sympathischen jungen Männern, die einem die Kisten mit der begehrten Zucker-Koffein-Geschmack-Mix auch direkt ins Auto tragen. Gegen jedes psychologisches Grundwissen muß ich allerdings anmerken, daß das Spezi aus der Plasteflasche anders/nicht-so-gut schmeckt wie aus der schönen Glasflaschen. Einen Doppelblindversuch habe ich allerdings noch nicht angestrengt.

Ich freue mich wie blöd über mein "Bildgebende Studien zu Depression"-Referat. Keine Ahnung, bei der Referatsvergabe versuche ich sogar, die mir naheliegenden Themen zu vermeiden - damit kenne ich mich ja eh aus. Trotzdem oder gerade deshalb scheinen die einen ja nahezu magisch anzuziehen - im letzten Semester über neurologische Erkrankungen, jetzt die Hirnbilder. Ich bin da nicht gerade eine Expertin, andererseits aber mehr im Thema drin als andere. Das behaupte ich einfach - in Wirklichkeit weiß ich das überhaupt nicht. In Wirklichkeit befinde ich mich fachlich hauptsächlich in einer Reihe teils promovierter, teils therapeutischer (und teils alles beides und mehr) Psychologinnen und Psychologen und weniger unter Studierenden in ähnlichen Abschnitten der Entscheidungsfindung.

Ich will, will, will wieder mehr schreiben, vor allem wegen des öffentlichen Dialogs mit mir, wegen der Niederschreibung vielleicht blödsinniger Gedanken und wegen der Möglichkeit der späteren Erinnerung. Ich werde aber von meinem hauseigenen Browser oder von wem auch immer daran gehindert - zuhause funzt der blogger nicht mehr so wie gewohnt. Im Bloggerforum wußte niemand Antwort. Ich kann keine Links einfügen und auch nicht die Buchstabengröße einstellen. Das nervt, und das kleine nicht-html-Fenster lähmt die Schreibwut.

Dienstag, 12. Mai 2009

Folgen therapeutischer Gesprächsführung

Am Wochenende habe ich mich ausscließlich mit therapeutischer Gesprächsführung befaßt. Bislang habe ich mich nicht so sehr für therapeutische Arbeit interessiert und konnte mir aus verschiedenen, teils auch zeitlich und finanziell motivierten Gründen, nicht so recht vorstellen, nach dem Studium noch eine teure therapeutische Ausbildung dranzuhängen. Aber andererseits ist es im klinischen Bereich schwer, ohne Ausbildung überhaupt unterzukommen.

In dem praxisorientierten Seminar übt man vor allem in Rollenspielen basale Gesprächstechniken wie zum Beispiel aktives Zuhören, paraphrasieren und offene Fragen zu stellen. Dabei nimmt man logischerweise sowohl die Patientenrolle mit einem selbstgewählten Störungsbild als auch die entsprechende Therapeutenrolle ein. Es klingt ein bißchen verrückt und könnnte mir als Esoterik-Entgleisung ausgelegt werden, daß ich durch so basale Übungen der therapeutischen Arbeit so sehr verfiel, daß ich bereits über die nächsten Schritte, wie es nun mit dieser Planänderung weitergehen soll, nachdenke.

Der eine Grund für den Gesinnungswandel kam aus der Patientenrolle. Ich steckte ja im Störungsbild quasi drinne und saß mit meinem Therapeuten auf einmal einem Menschen gegenüber, der mich verstand, ernstnahm, die Symptome wiedererkannte und sogar einzuordnen wußte und überhaupt keine Sekunde lang an mir und meinen Problemen zu zweifeln schien. Der konnte das, weil er viele Jahre seines Lebens dafür verwendet hat, sich die entsprechenden Kompetenzen anzueignen. Wohlgemerkt: wir reden von Rollenspielchen mit seit langem bekannten Kommilitoninnen.

Die andere Seite kam aus dem Gefühl in der Therapeutenrolle. Ein Mensch kommt, ist verzweifelt und/oder verstört, braucht Hilfe, und ich kann ihm helfen. Nicht weil ich gut zuhören kann oder besonders einfühlsam, sondern weil ich das gelernt habe. Weil ich dafür kompetent bin.

Weil ich mir aber immer noch nicht so richtig vorstellen kann, daß ich einem depressiven Erwachsenen nicht irgendwann raten würde, mal ein bißchen aus der Hüfte zu kommen, soll es also die Kinderausbildung sein. Insofern muß ich wiederum innerhalb meiner Möglichkeiten darauf einwirken, daß hier in Biele das Ausbildungsinstitut für die Kinder- und Jugendlichentherapie zeitnah öffnet, damit ich nicht zwischen Duisburg und hier und anderen Standorten diffundieren muß.

Langfristig möchte ich ja doch in bestdenkbarer Begleitung an der Ostsee in irgendeiner Art Reha-Einrichtung Kinder ganzmachen. Ganz ehrlich. Die Betonung liegt ja leider auf LANGfristig. Das kann nämlich noch ganz schön dauern...

Montag, 11. Mai 2009

Trottel des Tages...

ist sicherlich der wissenschaftliche, also der andere Springer-Verlag.

Freundlicherweise verspricht die Professorin für Kinder- und Jugendlichenpsychologie und -psychotherapie, den dritten Band des Lehrbuchs für Verhaltenstherapie, der sich mit psychischen Störungen des Kindes- und Jugendalters befaßt und bei ihr Prüfungsliteratur ist, für die studentische Studienberatung zu besorgen. Wissenschaftler habens normalerweise leicht: tonnenweise bestellen sie sich die guten Bücher für lau, weil sie sie ja in Lehrveranstaltungen einsetzen und als Prüfungsvorbereitung empfehlen - davon profitieren die Verlage natürlich. Nun sagt Springer zu der Professorin, die in dem fraglichen Buch selber ein Kapitelchen geschrieben hat, daß sie kein Dozentenexemplar bekäme; es handele sich ja nicht um ein Lehrbuch. Es steht doch aber sowohl Lehrbuch vorne drauf als auch verschriftlicht im Vorwort von Herausgeber und Herausgeberin, daß man sich bemüht habe, ein schönes Lehrbuch usw... nein, steht zwar vorne drauf, ist aber trotzdem kein Lehrbuch.

Puh.

Ein dreibändiges, insgesamt 210 Öre teures Vergnügen, das, nach dem, was man von Experten so hört, sowohl extrem gut als auch extrem aufwendig zu kopieren sei, das nach dem Anspruch seiner Herausgeber ein Lehrbuch ist, weswegen sie das auch vorne draufgeschrieben haben.

Was ist es eigentlich sonst?

Und wenn es keines ist, warum schreibsts Springer vorne drauf? Wenn man im Urin fühlt, daß sich die Wälzer als Lehrbücher besser verticken lassen, vor allem, wenn es eigentlich auch welche sind, dann sollte man auch dazu stehen. Wenn man keinen Bock mehr hat, Hinz und Kunz kostenlose Belegexemplare zu schicken, dann soll man es auch sagen. Hasenfüßige Ausreden machen die Sache unnötigerweise lächerlich.

Sonntag, 3. Mai 2009

Der Laie fragt, der Fachmann wundert sich:

Zum Beispiel, wer hat sich bei der mehr-schlecht-als-Rechtschreibreform u.a. die Neuwörter Des Weiteren und sodass ausgedacht? Schon verbessert sich der Schreibstil erheblich, da man um sowas lieber herumkurvt, als es öffentlich sichtbar zu machen.

Warum findet der Sommer in Bielefeld immer im April statt?

Wo sind die Leute, die an warmen Tagen den Siegfriedplatz so intensiv bevölkern, daß es gegen Abend schwierig werden kann, überhaupt Platz zu finden, eigentlich bei schlechtem Wetter? Und was tun sie dann?

Wieso um alles in der Welt findet hier am ersten Mai kein Straßenfest statt? In Berlin ist jeder verfügbare Quadratmeter mit Straßenfesten aufgeladen. Hier nicht. Nicht mal'ne Kundgebung auf dem Jahnplatz gabs. Auf dem Siegfriedplatz nur die übliche Wolldeckenromantik und geöffnete, überquellende Biergärten. Neben uns an der Bierbank anstrengende Alt-Eltern mit Kind sowie eine anstrengende Dame, die ihrer Trinkkumpanin verbal arg zusetzte (sie tat mir ein bißchen leid - Nordic-Walking-Kurs auf Sylt, und lauter anderes dummes und vor allem lautes Zeug). Die alte Mutter verbreitete sich über die Miniröcke junger Mädchen und darüber, daß sich die jungen Mädchen morgens um acht Uhr per Handschlag nach dem Diskobesuch voneinander verabschieden.

Hat dieser eine Kellner im Mellow Gold eigentlich ausgeprägte Befürchtungen, daß ihn jemand für NICHT homosexuell, also für heterosexuell halten könnte? Wenn ja: unbegründet. Wirklich.

Macht Einkaufen glücklich? Sollte nicht, oder jedenfalls nicht ausschließlich bzw. als Handlung an sich. Das Ergebnis des Einkaufens ist schließlich wichtiger. Ein ausgedehnter schwesterlicher Bummel durch ausgewählte Läden in der Innenstadt macht müde Beinchen, aber Spaß. Und die Beute erst! Der vorläufige Höhepunkt wird von einem sehr schönen Lädchen in der Goldstraße in der Altstadt gebildet: hier gibt es schöne Sachen zu erträglichen Preisen. Darüber hinaus freut sich das Herz des bewußten Konsumenten, denn das erstandene schöne Shirt ist Made in EU.

Macht das Einkaufen teurer Sachen glücklicher? Der Modellversuch läuft. Gestern sind zwei Shirts von rumpfkluft angekommen, die zusammen 60 Öre gekostet haben. Produziert in Downtown L.A. (American Apparel), teils aus Biobaumwolle, teils mit Kapuze, mit schönen katzundgoldt-Motiven in der Wunschfarbe und -größe bedruckt. Glücksfaktor bislang: sehr hoch. Und dabei hab ich eins erst angehabt, und heute habe ich sie erstmal gewaschen = sie hängen auf der Leine. Trotzdem aber.

Woher kommt die gefühlt plötzliche Schwäche aller möglichen Schreiberlinge in Zeitungen, Bedienungsanleitungen, Bestellbeschreibungen, Rechungen, Reklamen, Ratgebern und sonst überall auch, die Höflichkeitsform Sie und die dritte Person Einzahl/weiblich bzw. Plural auseinanderzuhalten und richtig zu schreiben? (Zur Erinnerung: das eine schreibt man groß, das andere klein.) Durch die Falschschreibung ergeben sich immer wieder bekloppte und bescheuerte Sätze und ganze Texte, die überhaupt keinen Sinn ergeben. Ich habe keine Lust, entsprechende Beispiele anzuführen, und außerdem soll man den Leuten das Falsche nicht auch noch zeigen. Dabei ist es so einfach: immer, wenn Sie jemanden direkt ansprechen, zum Beispiel bei Zahlungsmodalitäten den Kunden oder in Kolumnen das Publikum, dann groß; immer wenn Sie über andere sprechen bzw. schreiben, zum Beispiel in der Beschreibung der Eigenschaften einer externen Festplatte oder einer Fußballmannschaft, dann klein.

Warum verschlechtert sich das Mensaessen so sehr? Inzwischen muß sogar ich zugeben, daß die Menuzusammenstellungen mehr und mehr abenteuerlich sind. Lachten wir früher noch über Kartoffeltaschen mit Kartoffelbrei und Reisschnitte mit Reis, stehen wir nun stumm vor dem Glaskasten und wundern uns über die geballte Kombinationswut mit Nudeln. Besonders beliebt beim Küchenchef sind Kombinationen, die teils im Heimatland der Pasta, teils im Heimatland des Schnitzels zu den übleren Beleidigungen bei Tische gezählt werden: Schnitzel in Sauce mit Spaghetti. In der Cafeteria wurde der schmackhafte Fairtrade-Biokaffee gegen irgendein untrinkbares Gebräu ausgetauscht, so daß ich das vorgezogene Eintreffen des Sommers, während welchem ich ja kaum Heißgetränke zum Überleben benötige, ausdrücklich begrüße. Auf lange Sicht allerdings werde ich mich wohl konstruktiv unter Verweis auf meine Mitfinanzierung des derlei Übles anbietenden Studentenwerks beschweren müssen.

Gibt es eine Alternative zu MezzoMix? Eine andere Begleitfolge der Kaffeeverschlechterung ist nämlich mein zunehmender Verzehr von Koffein in Kaltform, d.h. von flüssigen Produkten des Coca-Cola-Konzerns, weil es von der leckeren Fritz-Kola leider kein Spezi gibt, und mein aus Berlin importiertes Spezi ist alle.

Gibt es ein besseres Buch über Prokrastination als das von Kathrin Passig und Sascha Lobo (Dinge geregelt kriegen, ohne einen Funken Selbstdisziplin)? Ich glaube nicht. Das Beste daran ist, daß die Autoren die Prokrastination nicht verdammen, abschaffen oder zum notwendigen Übel erklären wollen. Bloß leben können muß man mit ihr, wenn man ein LOBO (Lifestyle of bad organisation) oder Partner eines LOBOs ist, und darum geht es in dem Buch. Prima ergänzt durch anschauliche Geschichten aus dem Dunstkreis der Autoren, zum Beispiel darüber, wie Nichtstun am Ende doch Probleme lösen kann (Verfahren wird aus Mangel an Beweisen eingestellt, die Kosten des Verfahrens trägt der Staat) - und somit, das wissen die LOBOs aber nicht, infolge intermittierender Verstärkung das Verhalten, oder besser das Nicht-Verhalten noch verstärkt wird. Oder wie das mit den To-Do-Listen und den Deadlines in Wirklichkeit aussieht. Oder wie es, als hohe Kunst der Prokrastination, dazu kommen kann, daß man erfolgreich "im Kreis" prokrastiniert - also am Ende infolge einzigartiger Prokrastination sogar die am Anfang eigentlich vermiedene Aufgabe auch erledigt bekommt - bei Kathrin Passig immerhin das dann doch noch abgeschlossene Studium. Es gab beim Erscheinen des Buchs übrigens einen sehr schönen Aufsatz von Kathrin Passig in der Zeit, in welchem sie beschrieben hat, wie während des Schreibens (bzw. zunächst Nicht-Schreibens) des Buches zahlreiche andere Projekte und Arbeiten fertiggestellt bzw. überhaupt erst erfunden und ins Leben gerufen worden sind.

Kann man nach elfeinhalb Jahren ein Studium abschließen? Ja, man kann, solange es keine Prüfungsordnung gibt, die den Verfall von Scheinen vorsieht, wie es leider einem anderen Freund passiert ist, der nach dem zweiten mißglückten Diplomarbeitsversuch feststellen mußte, daß er nicht nur die Diplomarbeit, sondern auch noch alle Scheine vom Hauptstudium wiederholen müßte, woraufhin er das Handtuch schmiß und jetzt mühsam einen Abenduni-Abschluß ertrotzt. Also, die Universität Stuttgart ist da offensichtlich generöser als die Bauhaus-Uni Weimar, und daher: Herzlichen Glückwunsch, Herr Architekt (Dipl.-Ing.)!

Reichts jetzt erstmal wieder?

Dienstag, 21. April 2009

Klischees abbauen bzw. erweitern

Also mein neuer Mitbewohner ist all das, was er nicht sein sollte: jung, männlich und Pädagogik-Student. Wenigstens sieht er gut aus und widerspricht nicht nur damit gängigen Pädagogik-Studenten-Klischees. Weiters verfügt er über ein typisches Emo-Piercing und ein Macbook und hört gerne unhörbare Musik, weil über kabellose (vermutliche Funk-)Kopfhörer. Sein Nahrungsmittelgeschmack scheint in der Bandbreite ähnlich indifferent, in der Ausprägung allerdings unaufwendiger zu sein. Insgesamt ein Abendduscher und bislang-wenig-zuhause-Seiender, also ein Guter.

Professoren sind ja überbezahlt und faul und kümmern sich um nichts und schon gar nicht um Lehre, und daß das nicht immer stimmen kann, mag ich hier gar nicht darlegen. Aber daß Professorinnen noch sonntagabends nach einem Wochenendseminar Geburtstagskinder aufsuchen und das Buffet angemessen plündern, das finde ich nett. Andere Professoren haben einen Anzug an bzw. sind von einem solchen umgeben und befinden sich in einem Raum mit klassischen old-school-Tafeln, die mit Kreide beschrieben sind. Binnen weniger Minuten ist der Professorenanzug vollständig kreideverziert. Und das der gleiche Professor nach dem Seminar in der Sonne ein Zimtnupsi verspeist und Kaffee dazutrinkt und nahezu träumerisch vor sich hinsagt Hängematte, Strand, Meeresrauschen, ein kaltes, mexikanisches Bier mit einer Zitronenscheibe darin und eine Hütte, in der einer das Kochen anfängt, das ist nicht besonders klischeeig, or?

Wunderschön heute T2-233, ein Seminarraum, in welchem laut elektronischem kommentierten Vorlesungsverzeichnis das allseits beliebte Seminar Diagnostische Verfahren II: Persönlichkeits- und Leistungstests stattfinden soll. Ich trete ein; keiner drin. Später kommen die beiden anstrengenden Lernschmarotzer. Dann die verrückte Frau, die freiwillig und ohne erkennbaren äußeren Zwang von Berlin (HU) nach Bielefeld (BI/NRW) gewechselt ist. Dann niemand mehr. Da es offensichtlich eine Raum-Zeit-Verschiebung gegeben hat (möglicherweise ohne Zeitwechsel), rufe ich spontan die Sekretärin an, die dank einer neben ihr befindlichen Kommilitonin zu berichten wußte, daß wir uns heute im Diagnostik-Labor einfinden. Hui. Das hätte der Herr Professor in den vorangegangenen Emails über die mögliche Teilnahme am Seminar auch mal sagen können. Aber vielleicht, Klischee, hat ers einfach vergessen, zerstreut wie er bestimmt war.

Sehr klischeebestimmt zeigte sich heute wieder der Sigi, der Platz, der Siegfriedplatz, auf welchem Horden von nichtsnutzigen Studenten auf Decken lagern und mitgebrachtes Bier trinken, flankiert von den zahlenden Gästen der Kaffeewirtschaft des Gemeinschaftshauses, zwischen denen kläffende Hunde Hof halten. So einen Platz gibt es in Berlin sicher nicht, zumal selbst wenn, wären es mehrere, und dann würde man sich wiederum nicht treffen. Hier trifft man sich aber. Wenn man das Gegenteil von sozialer Phobie, aber keine Feunde hat, die sich mit einem treffen wollen, muß man nur dahergehen und sich zu den immer vorhandenen Bekannten dazusetzen.

Egal: unterm Strich gehe ich in vier Lehrveranstaltungen in den zwei Fächern, wo die nächsten Prüfungen lauern, und werde dort Spaß haben. Und freue mich über den direkten Kontakt mit den lieben Mitstudierenden, der ein bißchen vernachlässigt war in letzter Zeit. Und mehr mache ich auch nicht, sondern genau diese beiden Prüfungen, das wird schwer genug.

Freitag, 17. April 2009

Der Unterschied zwischen einer E-Gitarre und einem BH

Einleitend das Geständnis: Ja, auch ich reihe mich seit einigen Wochen in eine proseccoselige Reihe von Damen unterschiedlichen Alters ein, um dem Treiben der Mädels von Heidi Klum auf ihrem steinigen Weg von der Vorstadtblume zum Topmodel zuzuschauen. Nicht daß es wirklich unterhaltsam wäre - es sind eher sozialer Druck und Spaß am gemeinsamen Spaß, die mich vor den Fernseher locken, als daß es eine fast routiniert wirkende Schar von Nachwuchsphotomodellen je vermöchte. Prinzipiell scheint die Sendung eher der späten Rache Heidi Klums gewidmet zu sein - dies mußte sie früher auch mal machen, dafür wurde sie auch mal gebucht. Ich möchte jetzt nicht wiederholen, was ein guter Schreiber auf jetzt.de bereits für mich gedacht hat, aber daß die Inhalte der Sendung mit der Lebens- und Arbeitsrealität echter sogenanter Topmodels so gut wie nichts zu tun haben, dürfte auf der Hand liegen. Eher dürfte der sogenannte Topmodel-Alltag langweilig sein mit einer unendlichen Reihe von übergewichtigen Regisseuren, die auf die gutaussehenden Models herabblicken, mit unzähligen schwuppigen Photographen und/oder Designern, die Sätze sagen wie Dein Hintern sieht schon ganz gut aus und Ich liebe es, wenn Mädchen machen, was ich ihnen sage. Nicht nur eines, das sich wünscht, endlich mal einen Alligator an der Leine zu führen oder vor einem mit kleinen Feiglingen abgefüllten Buchhalter-Publikum Stand-up-comedy machen zu dürfen, in einer Stadt, in die man nie zurückkehrt.

Aber darum sollte es gar nicht gehen, obwohl ich mich gerade warm schreibe und meiner Abneigung gegen die Sendung noch seitenlang begründet Ausdruck verleihen könnte. (Ja, ich sollte aufhören, die Sendung anzugucken, weil gerade dieses Event-Gucken, auchdas ironisierte, zum Gerede und leider auch Geschreibe über die Sendung beiträgt, und somit via Einschaltquoten und Werbeeinahmen zu Fortsetzungen und Schlimmeren führt.)

Gestern mußte in BH und Schlüpfer zu angeblich rockiger Musik (es war aber auch Jump! von KrisKros [geschätzt 1993] zu hören...) E-Gitarre geschwungen werden. Ziel des Spots war es, die Busenhaltfähigkeiten des BHs auch bei auslandende,m Körpereinsatz zu demonstrieren. Die Mädchen waren schlußendlich alle gleich schlecht, weil keine einzige auch nur in der Lage war, eine E-Gitarre angemessen in den Händen zu halten, und dann stirbt jede E-Gitarren-Performance am Luftmangel. Aber beim (unkonstruktiven, ohne jede Sandwich-Methode) Feedback-of-the-week wurde Svetlana (ist geistig nicht älter als 13, hat schlimme Lippen und sieht auch sonst höchstens pornös aus) aufgefordert mitzuteilen, was das wichtigste an jedem Casting ist: Wir sollen unsere Persönlichkeit einbringen. Jaja. Und was noch? *Schluchz* Das Produkt verinnerlichen. Wir haben das Gefühl, daß du manchmal nicht verstehst, worum es eigentlich geht. Was sollte in dem Spot verkauft werden? Eine E-Gitarre.

Naja, da war der Abend gerettet. Aber ich muß damit aufhören. Allein schon wenn man die spärliche Post vom Konfidenten aus México sichtet, der Migranten auf dem Weg in die USA betreut, wird einem das absolut absurde und unerträgliche an solchen Formaten speziell, aber auch am fiktiven Fernsehen sowie am internationalen Topmodelwesen an sich immer wieder gut bewußt. Leider treffen sich so viele nette und interessante Persönlichkeiten ohne einen solchen banalen Anlaß nicht annähernd so regelmäßig.

Montag, 13. April 2009

Hannover und Berlin: je 24 Stunden

Aber vor den Osterspaß hat der liebe Gott oder jemand anders den Donnerstagabend gesetzt, der im mittelgroßen Kreis den immerfort essenden Topmodels in spe sowie der Proseccoflasche gewidmet ist. Dann geht es auf die Autobahn und in Hannover in den feiertäglich angefüllten Zug, und am Hauptbahnhof Berlin kann ich mir schonmal den Button Auskünfte aller Art, auch in Fremdsprachen, ans Revers heften. Für Ortsfremde ist das schmucke Teil offensichtlich nicht selbsterklärend. Dabei gibt und gab es ja Bahnhöfe, die bezüglich ihrer verfügbaren Transportmöglichkeiten räumlich wesentlich instransparenter wirkten, wie zum Beispiel der Bahnhof Alexanderplatz in der Zeit zwischen dem Fall der Mauer und der darauffolgenden Zugänglichmachung zweier weiterer U-Bahnlinien (1989) und der Fertigstellung seiner Renovierung und Brauchbarmachung (ca. 2002). Damals wußte jedes Kind in Berlin, daß man niemals am Alex von der S-Bahn in die U2 umsteigt, weil das selbst Einheimische nicht auf Anhieb schaffen*. Am Hauptbahnhof jedenfalls sieht man das Elend ja jedenfalls, also das unten, wo man hinmuß, kann man auch von ganz oben sehen. Bloß eben nicht springen, sondern entsprechende Rolltreppen wählen!

Während der Zugfahrt blickte ich in die ausgezeichnete aktuelle Ausgabe der Vierteljahresschrift Dummy, deren Ausgaben sich jeweils hingebungsvoll einem einzigen Thema widmen; diesmal dreht es sich auf vielen Seiten einzig und allein sehr gelungen um Berlin (sic!). Falls also jemandem vor mittellanger Zugfahrt am Bahnhof im Kiosk diese Publikation auffallen sollte: nicht zögern, zugreifen! Einziger Wermutstropfen in der sonst gut abgeschmeckten Journaille-Suppe: Liebe Dummy-Leute, Friedrichshain und Prenzlauer Berg sind zwei ehemalige Berliner Stadtbezirke, die inzwischen in größeren Bezirken aufgegangen, als Stadtteile aber ungehindert und vor allem unverändert im Sprachgebrauch und auch sonst erhalten geblieben sind. Und schon immer sind die jeweiligen Bezirksbezeichnungen als Eigennamen zu verstehen und nicht als Ausdrücke etwaiger geographischer Besonderheiten. Zwar gibt es tatsächlich einen König Friedrich gewidmeten Park entsprechenden Namens, aber der Volkspark Friedrichshain befindet sich auf dem Gebiet von Prenzlauer Berg und hat mit dem angrenzenden Bezirk zwar den Namen, sonst aber wenig bis nichts gemein (vor allem befinden sich im Park viel mehr Bäume!). Genauso befinden sich zwar große Gebiete von Prenzlauer Berg auf der nordöstlichen Begrenzung des Berlin-Warschauer Urstromtals und mithin, für Berliner Verhältnisse, auf einem Berg, in dessen gedachter Verlängerung irgendwann auch die Stadt Prenzlau in der Uckermark liegt. Trotzdem handelt es sich nicht um einen Stadtbezirk, der aus Faulheit nach einem auf einem Hügel befindlichen Unterschichtsviertel benamst wurde. D.h. der Statbezirk Friedrichshain ist kein Hain und der Stadtbezirk Prenzlauer Berg ist kein Berg - also wohnt man in Friedrichshain, zieht nach Prenzlauer Berg, trifft sich in Friedrichshain in einer Kneipe und besucht eine Freundin in Prenzlauer Berg. Kein der, kein im, kein auf. Daran erkennt man den echten Westschreiber. Es sagt ja auch niemand, daß einer aufm Kreuzberg oder im Tempelhof wohnt. Quasi als Wiedergutmachung hingegen betrachte ich den Halbsatz in der alten und neuen Bundesrepublik und in der DDR, mit welchem klargemacht werden soll, daß sowohl früher, also in den beiden damals existierenden deutschen Staaten, als auch heute, in dem einen noch fortdauernden deutschen Staat, Berlin diese und jene Attraktion auf Zuwanderer hatte. Das ist viel löblicher, treffender und vor allem richtiger als die unsäglichen fünf neuen Länder bzw. alten Bundesländer, oder die ehemalige DDR, oder noch besser damalige DDR, oder das blöde Ostdeutschland und Westdeutschland, das nun wirklich Kalter-Krieg-Sprech ist und längst abgeschafft gehört. Ich schlage hiermit die oben angeführte, aus dem Dummy: Berlin entliehene Redeweise als alleinig zulässige vor, wann immer es um das Heimatland in seinen historischen und aktuellen Bewußtseinszuständen gehen möge.

In Oranienburg wie auch im Rest der Republik herrschte fast unverschämt gutes Wetter, und wenn es nicht wenigstens etwas windig gewesen wäre, hätten die typischen Wetterningeler aber alt ausgesehen! (Ein Wochenende - mäßig grau, aber niederschlagsfrei - zuvor beim duschen im Radio, nach einer langen Woche mit sehr schönem Wetter - in Bielefeld! - gehört: Ich wünsche mir und uns allen, daß die Sonne endlich wieder scheint und es nicht mehr so kalt ist.) Allerlei Miezekatzen stromern herum, es gibt Eis und Erdbeerkuchen und Gegrilltes, bloß der Teich ist nach Umbau und Erweiterung noch nicht wieder liquide.

Abends sitzt das junge Europa im 7 in Friedrichshain am Ostkreuz, der frühere Decision-making-Konfident erscheint als Überraschungsbesuch und vertellt Spökes über sein Promotionsvorhaben. Schön ist es in Friedrichshain. Am nächsten Tag wird mit der Lieblingsschwester der Kiez vermessen, zu Fuß natürlich. Ein seltenes Vergnügen. Die Sonne prasselt. Auf Friedrichshains Straßen hört man nurmehr Englisch, Spanisch und Französisch, die Passanten sehen so merkwürdig aus wie sie sprechen: urban mit dem Laptop unterm Arm, die Wollmütze dem unösterlich brennenden Zentralgestirn trotzig entgegengereckt, die Papierbeutelchen mit dem korrekten Käse vom Markt in den oversigned Kinderwagen gestapelt... wenige Leute, die einfach nur hier wohnen und unaufgeregt ihre Biographie bewältigen. Trotzdem zieht es jede meiner Fasern direkt hierher zurück, und das Wissen, daß Duisburg noch anderthalbt ICE-Stunden weiter entfernt ist, beginnt sich wahrnehmbar in den Vordergrund zu schieben.

Dann noch Hannover mit einer imposanten 12-Apostel-Location dort, wo meine geliebten Pelikan-Füller früher herkamen, einer beeindruckenden Menge Wasser, Stahl, Glas und Beton und einer Turminstallation namens Die drei warmen Brüder, wobei der Begriff, wie mir versichert wurde, von der einheimischen Bevölkerung tatsächlich auch verwendet würde - im Gegensatz zu entsprechenden Berliner Spitznamen, bei deren Übernahme man immer vorsichtig sein sollte, will man sich der Lächerlichkeit nicht preisgeben. Niemand sagt Telespargel oder Waschmaschine.

Jedenfalls gab es in Garbsen noch: Idylle; Teich; Bruder im Teich; Cousine; Eltern; Tante-Onkel-Doppelpack; Oma; Osterwetter; Kanal mit Sperrtor; Grill mit Ritualen; Entspannung und Aufnahme und Unkompliziertheit und Freude; Ostereiersuchen; was wird Ostern eigentlich wann und warum gefeiert, und woher weißt du das alles?; langen Spaziergang; Wasser; Altbierbowle... das alles sehr gut auszuhalten.

Und dann ging es heim in einen wundervollen Ostermontag hinein... und morgen beginnt die Vorlesungszeit.

* geklaut bei Max Goldt.

Sonntag, 5. April 2009

... und Duisburg:

Das ist im Ruhrpott. Bzw. der davon westlichste Teil. Bzw. die stadtgewordende Mündung von der Ruhr in der Rhein, bzw. Standort des größten europäischen Binnenhafens, bzw. der östliche Stadtteil von Moers, bzw. überhaupt.

So jedenfalls, wie vormals alle sagten Du Arme, ausgerechnet Bielefeld, das ist ja Ganz Schlimm, sagen jetzt alle Auweia, Duisburg, Ruhrgebiet, und überhaupt ganz häßlich, naja, und die Ruhrästhetik ist schon eine eigene - aber auf Ziegelsteine, verlassene Industriegebiete und gleichwohl malerische Flußauen fahre ich ja ab. Von Häfen ganz zu schweigen.

Ich fahre also an einem sonnigen, sogar recht warmen Frühlingstag im ICE die Ruhr entlang, nicht ohne zuvor die Vorzüge des neuen Nummer-zieh-Systems im Reisezentrum Bielefeld kennenzulernen: an sich begrüßenswert, aber nun stehen größere Menschenansammlungen mit teils Migrationshintergrund daher und schwadronieren 649? Nee, oder? Das ist jetzt nicht wahr, usw: mit anderen Worten: sie nerven auf akustisch wahrnehmbare Art und Weise. Aber gemach, nun der Zug, der nur zwischendrein von einer Regionalbahn ausgebremst wird, aber dennoch beachtlich pünktlich den Hauptbahnhof Duisburg erreicht. Dieser ist groß, alt und schön. Der Chef schaffts abholen nicht, also ins Taxi hinein, der Taxifahrer fährt an so einem Glashaus vorbei, an welchem äußerliche Bauarbeiten vorgenommen werden und merkt an, daß da früher schonmal Glasscheiben hinuntergefallen seien; gottseidank sei niemand verletzt worden. Ich denke im stillen ans LaFayette, wo ja auch dies und das runterfiel, damals, und dann sagt der absolut jedem Proll-08/15-Taxifahrer-Image entsprechende Taxifahrer Dis hat dieser Forster gebaut. Eigentlich sagt man, dis soll ein Schiff darstellen. (Ich drehe mich um und sehe durchs Rückfenster.) Das können Sie jetzt so nicht sehen.

In diesem Moment dachte ich schon, hier wirste dereinst richtig sein, im Ruhrgebiet. Wenn et schon nich Berlin is, da wenichstens hier.

Die Uni gefällt mir gar nicht, weil ich ein Gewöhnungstier bin und nicht in Keksdosen essen gehen mag. Auch muß man in der Mensa viel zu viele Entscheidungen treffen. Andererseits hängen in den Toiletten witzige Zettel. In der Herrentoilette, welche ich aufzusuchen berechtigt war, weil der einzige auf der Etage und überhaupt im Gebäude noch anwesende Herr mir dieses ausdrücklich gestattete, hing ein Pamphlet mit der Information: In der Vergangenheit ist es wiederholt vorgekommen, daß das Licht ausgeschaltet wurde, obwohl sich noch eine Person im Raum befand. Ohne Licht bietet der Raum o Meter Sichtweite. Es besteht also erhebliche Verletzungsgefahr. Daher bitte vor Löschen des Lichts Sorge tragen, ob der Raum wirklich leer ist. Bei den Frauen steht: Das Licht bitte, bitte, bitte, bitte nicht ausschalten.

Ansonsten fand ich die spontan zugänglichen Teile von Duisburg super: an dem einen Morgen war offensichtlich so was wie letzter Schultag (das wird auch immer früher, or?) und lauter verkleidete Gymnasiasten sprangen in der Innenstadt umher. Die Linien der öffentlichen Verkehrsmittel tragen absurd hohe Nummern, z.B. 901 für die lächerliche Straßenbahn zur Uni. Selbstredend sind die Haltestellen, die für die Uni verantwortlich sind, knapp unsinnig angeordnet, so daß man verhältnismäßig lange gehen muß - kein Problem im frühapriligen Sonnenschein, aber da es am Niederrhein auch nicht grad viel weniger regnen wird als in Biele, sollten Spesen für Regenschirme o.e.* jacken eingeplant werden.

Apropos Jacken: Endlich konnte ich mit einer passenden Ausrede das Jackenverbot aushebeln und verfüge nunmehr wieder über eine schicke und gleichzeitig funktionale Doppeljacke in knallrot - Herzstück eine sehr universell einsetzbare sog. Softshelljacke, die gegebenenfalls in eine regendichte und atmungsaktive richtige Jacke eingezippt werden kann. Daher güldet ab jetzt das absolute Jackenverbot: egal ob die avisierte Jacke blau oder grün ist, ob sie für arktische Temperaturen oder saharische Abenteuer ausgelegte Spezifitäten besitzt oder schlicht traumhaft günstig ist: ich besitze genügend, für jeden Anlaß ausreichend geeignete Jacken.

Jedenfalls Duisburg wird ja frühestens am Ende des nächstens Jahres wirklich ein Thema werden... es sieht aber nicht so aus, als würde ich Bielefeld nur schweren Herzens gegen eine Hafenstadt eintauschen können.

*oder entsprechende


Freitag, 3. April 2009

...fortsetzung...

Das ist am Königsstuhl:

... und das ist der alte Saßnitzer Fährhafen samt U-Boot:

... das der Strand von Prora im Nachmittagslicht zwischen zwei Schneestürmen...

... und hier sieht man einen winzigen Teil des großen KdF-Gebäudes mit einer witzigen Bemalung, deren Hintergrund nicht ergründet werden konnte:

... und finally das Binzer Schmuckstück, eine vermutliche Bushaltestelle, die so dermaßen dysfunktional ist, daß sie der einzige Ort weit und breit ist, wo der Boden nach dem heftigen Niederschlage noch naß ist...


Kurzum, Rügen gefällt, ist aber wahrscheinlich im Sommer, also in der Saison, also zwischen Mai und Oktober, nicht auszuhalten.

Kuriosa gab es auf der Reise reichlich. Zum Beispiel fährt vor uns ein dicker, nahezu panzöser Volvo X90 (Durchschnittsverbrauch 17 Liter auf 100 km) mit einem schönen Rettet die Erde-Aufkleber am Heck. Ich fahr dann schonmal vor, oder was? Dann wimmelte es auf der Insel nur so vor Ostwestfalen aller Coleur und Landkreise. Weiters gab es natürlich lustiges Kennzeichenraten - TDO?? Und wenn man dann so ein TDO-Auto von nahem besichtigt, steht auf der Plakette Landkreis Nordsachsen. Ja, ist klar, die Abkürzung. (Später ergeben Nachforschungen, daß es sich um die drei ehemaligen Landkreise Torgau, Delitzsch und Oschatz handelt.) Oder was zur Hölle ist HZ, und warum fährt HZ so unendlich langsam vor einer stetig wachsenden Kolonne her? Ist wahrscheinlich ein Fahranfänger in Papis Auto, und Papi sitzt aufm Beifahrersitz. Oder ein Fahranfänger in Papis Auto, und Papi weiß nix davon. Den hinterdreinjuckelnden Inselbewohnern juckt der Gasfuß.

In den schönen Binzer Bierstuben gab es auch allerlei. Das Essen ist vorzüglich und wird hier an dieser Stelle ausdrücklich gelobt. Vom Faß gab es Rostocker, an das sich die Prinzessin allerdings nicht so recht rantraute. Gezapft wurde es von einem, der das sichtlich gut konnte und Freude an seiner Tätigkeit hatte, wie überhaupt das gesamte Personal freundlich und professionell agierte, daß es eine reine Freude war, dort Gast zu sein. Schnöselige Vater-Mutter-(erwachsenes)Kind-Gespanne hatten daran keine Freude. Statt dessen angelten sie sich die Karte frech vom Kellnertischchen und rotzten den Kellner, als er erschien und begrüßen und Karten bringen wollte, mit einem "Karten haben wir uns schon genommen!" an. Die wurden dann auch professionell bedient, aber mehr auch nicht.

Das Frühstück wurde gleich vom ersten Morgen an ritualisiert in der Stadtbäckerei Junge eingenommen, wo es neben Sanddornsaft und vorzüglichen Kaffees auch Schlemmereien wie den scharfen Segler und sogenannte Bäckwiche gab. Auch hier konnte man das andere Volk beobachten, insbesondere die herrlich an alte Zeiten erinnernden Ostrentner, die man sofort an ihrer extrem geschmack- sowie zeitlosen Kleidung erkennen konnte. In der Mitte des Raumes saß stets dieselbe mittelalte Frau alleine, rührte in einer Tasse und schaute vor sich hin. Gelegentlich verirrte sich ein jüngeres Pärchen in die Bäckerei. Am letzten Morgen konnte das Frühstück draußen in der Sonne eingenommen werden.

Donnerstag, 2. April 2009

Biele - Binz - Berlin - Biele und dann noch Duisburg

Aber der Reihe nach:

Überraschenderweise hat das Kaninchen die Schlage ver...naja, vielleicht nicht -schlungen, aber bezwungen. Anschließendes ins-Auto-steigen und durch schlimm verregnetes norddeutsches Tiefland reisen steigert die Lebensqualität beträchtlich. Ganz ohne Navi schaffen wir es bis Binz.

In Binz gibts es eine schöne Ferienwohnung und schönes Wetter mit Schneestürmen und Sonnenschein und klaren Nachthimmeln. Es gibt lecker essen und Spazierfahrten durch jedes denkbare Wetter.

Folgende Gesetzmäßigkeiten wurden aufgedeckt:

Rügen - Insel der Museen
Binz - Urlaubsort ohne Briefkasten

In Prora allein, wo die Überreste des seinerzeitig als KdF-Bad geplanten Baukomplexes unsichtbar hinter Kiefern den Strand säumen, gibt es für NVA, KdF, Tiere, Technik und sonst alles andere denkbare eigens Museen nebst Wiener Kaffeehaus. Ferner gibt es noch diverse Eisenbahn- und Landwirtschaftsmuseen und in Saßnitz sogar ein britisches U-Boot, das sah aber von draußen schon eng aus.

In Binz, auf der Suche nach einem Briefkasten, stellt man die Abwesenheit eines solchen fest. Die angeblich vorhandene Post ist weit. Die Zustellerin sagt: Da hinten soll einer sein, aber so mehr im Gebüsch. Und so ist es. Urlaubspostkarten schreiben eventuell unerwünscht; Urlaubspostkarten abschicken auf jeden Fall.

Da gibt es einen Laden in Baabe oder sonst irgendwo auf Mönchsgut, wo der arme Azubi alles alleine gleichzeitig machen muß: Ware einräumen, kassieren, Wurst am Wurststand verkaufen, Brötchen am Brötchenstand verkaufen. Wenn der mal überfallen wird, würde er das vermutlich nicht mal merken, wenn er grade Wiener Würstchen an durchreisende Psychologinnen verkauft. Andererseits, wohin sollte der mutmaßliche Überfaller fliehen?

An der Boddenküste stehen schmucke Häuschen am schmucken Strand. Schön ist die Vorstellung, dort jeden Abend am Strand zu sitzen und sonst nichts zu tun. Vielleicht mal segeln gehen, auf dem Greifswalder Bodden. Oder surfen. Lagerfeuer, manchmal, und grillen sowieso.

Am Königsstuhl kann man sechs Öre Eintritt fürs Nationalparkzentrum bezahlen, und dann geht man eigentlich nur aufs Klo. So teuer war ich glaub ich noch nie auf dem Klo. Aber sonst wär man nicht zur Aussicht gekommen, und die war schon was. Das Meer praktisch türkis, also Lagune nichts dagegen, und der Felsen hoch, auf dem man steht. Hier hat Caspar David Friedrich sein berühmtes Bild gemalt, und ich habe es selbst überprüft: die Aussicht auf dem Bild gibt es gar nicht, jedenfalls nicht am Königsstuhl.

In Mukran habe ich die Umspurungsanlage von der Brücke aus vermuten können. Täglich legt die Scandlines-Fähre ab nach Schweden und fährt übers Meer. Das konnte man von Binz aus sehen.