Donnerstag, 18. September 2008

this is just for you

I've found a way to make you
I've found a way
A way to make you smile

I read bad poetry
Into your machine
I save your messages
Just to hear your voice
You always listen carefully
To awkward rhymes
You always say your name,
Like I wouldn't know it's you,
At your most beautiful

(repeat chorus)

At my most beautiful
I count your eyelashes, secretly
With every one, whisper I love you
I let you sleep
I know you're closed eye watching me,
Listening
I thought I saw a smile

sleep well

Mittwoch, 17. September 2008

Dem Druck standgehalten

Natürlich war das nur gut gemeint, wenn mein soziales Umfeld vorher sehr deutlich gesagt hat, daß ich mich nicht sorgen müsse und daß ich das doch alles kann und so, aber das Gefühl, mit nichts anderem als einer einsnull rausgehen zu dürfen war doch ziemlich unangenehm.

Vielen Dank daher an alle, die mir Mut gemacht haben:

die beiden Empiriepraktikumskonfidentinnen
die Kolleginnen vom T3-Flur
die Blogbrüder
die Bibliothekskumpaninnen
die Lieblingsschwester
die Leute weit weg in Berlin und Wittenberg
die lieben Decision-maker
die tapfere Mitgeprüfte
und
die weltbeste Prüfungsvorbereitungsbetreuerin ever, die ihrem Ruf auch an verhagelten Tagen alle Ehre gemacht hat.

Dank auch an den nettesten Prüfer aller Zeiten, der mich nach fast nur Dingen gefragt hat, die ich wußte, und bei den Sachen, die ich offensichtlich nicht auf Anhieb wußte, die Fragen gleich selbst beantwortet hat.

Jetzt habe ich roundabout vier Wochen Ferien. Ganz ohne Psychologie wird es nicht gehen, denn ich habe den Precht ausgeliehen bekommen, aber ich werde mich bemühen, keine Fachbücher o.ä. anzufassen.

Dienstag, 16. September 2008

I still sleep with the lights on

I've been haunted by this old ghost before
I want to hear your voice you know it's been so long
Like a dancing wave you balance on the shore
It would feel so good to see your face again

I still sleep with the lights on
I still stay up late alone
I still love another one
I still sleep with the lights on

We both understand we've got no way back
Our love was strange in a strange land
We got broken wings we were bound to fall
Until the sun comes up you can hold my hand

I still sleep with the lights on
I still stay up late alone
I still love another one
I still sleep with the lights on

Take it easy, take it slow
Let's just watch the tides they grow
The wind is coming from the side
We are sleeping in the light

Feel like waking up in your house some day
Or eating of your hand like a bird astray
But nothing's gonna change, we'll still be the same
We've said what's to say, nothing's buried nowhere

I still sleep with the lights on
I still stay up late alone
I still love another one
I still sleep with the lights on

Montag, 15. September 2008

curse:

Ich hör dich jetzt noch wie gestern die Worte sprechen
Das du und ich was besonderes sein, viel zu schön zu vergessen
Gott sei Dank kann ich sehen, man kann dich nicht an Worten messen
Es reicht dir nicht zu verletzen, du musst Herzen zerfetzen
Du warst zart zu mir, hast gesagt wie sehr du mich liebst
Das es niemanden gibt der dein Herz so versteht wie ich
und das nie jemand anderes in Frage kommt egal ob der Tag mal kommt
an dem Zweifel erscheinen in dem wir zwei vereint sind, zu stark für Streit
Du hast Treue geschworen, noch mehr, du hast gesagt du vergibst mir
Du hast gesagt du wirst da sein, doch als du weg gingst, was blieb mir
Du hast gesagt du wirst mich retten und trösten, du wirst mir helfen
Du hast gesagt du wirst füllen und ersetzen was ich nicht selbst bin
Du hast geschworen das du da bist in Glück oder Panik
Du hast geschworen du gibst Halt, doch wenn ich fall spür ich garnix
Du hast geschworen du bist die Frau meines Lebens bis ich vereck
Bist die Mutter meiner Kinder und bei mir durch gut und schlecht

Und was ist jetzt?

Ich hab alles versucht. Von Telefon bis e-mail und Brief
Bis zum Punkt an dem ich verzweifelt begann und über dich schrieb
Du hast alles geblockt. Darum blieb alles Leid in meinem Kopf
Weil ichs niemand mitteilen konnt hab ichs aufgeschrieben und gedroppt
Meine Mum hat sogar geweint. Sie hats gehört und gepeilt
Das im Endeffekt jeden Rhyme den ich schreib deinen Namen schreit
Jeden Valentinstag, Geburtstag und Neujahr Blumen und Karten
Trotzdem blieb mir nicht mehr zu tun als unruhig zu warten
Ob du dich irgendwann erbarmst und mir Antwort gibst auf die Fragen
die den Kopf zersprengen, den ich dir einst versprach immer hoch zu tragen
Auch ich hab versprochen bei dir zu sein aber es nicht gebrochen
Auch wenns nicht so einfach war wie für dich, versteckt und verkrochen
Ich hab mich getäuscht in dir, du bist viel zu schwach und bequem
um zu dem was du sagst zu stehn oder einfach Rücksicht zu nehmen
Du hast mich verlassen. Du bist diejenige die Schulden hat
Also komm und kümmer dich um die Last die Selbstsucht erschafft

Und was ist jetzt?

Was ist jetzt mit großer Liebe. Mit großen Plänen, unserm Leben
zu zweit, der Gemeinsamkeit, unsern Träumen und der ganzen Zeit
Sie verblassen wie nichts. Ich bin Optimist, doch Hoffnungen verlassen mich
Lass mich nicht einfach hängen. Gibts bei dir nicht wenigstens Hass für mich?
Ich kann dich nicht mehr verstehen, so krass ichs probier
Du bist nicht mehr die, die bei mir war. Die Frau ist leider krepiert
Jetzt hast du den Nerv zu sagen du willst da einziehen wo ich wohn
Seh ich aus wie n Klon? Ich laß mir bestimmt nicht beim wohnen bedrohn
Du denkst alles ist superleicht. Zwischen uns ist es Super-Nice
Wenn du vorher nur kurz bescheid sagst ist alles cool und begleicht
Doch Baby, es tut mir leid, das hier ist nicht dein Bereich
Und es reicht nicht nach all der Zeit, 10 Minuten Smalltalk und Snipes
Und erzähl mir nichts von dem Neuen. Was geht ab? Ich soll mich freuen?
Applaudieren daß es dir jetzt besser geht? Mir gehts dreckig, ich heul
Jede Nacht wenn ich wieder aufwach getränkt in Schweiß, dann beweis
ob du mich jemals geliebt hast, denn ich bin nichts von dem Scheiß

Und was ist jetzt? Ich bin für dich nur irgendn Ex.
Und was ist Jetzt? Du scheisst drauf wenn ich über dich rap.
Und was ist jetzt? Du siehst mich und guckst einfach nur weg.
Und was ist jetzt? Bin ich leicht zu vergessen? Bin ich ersetzt?

Endlich: der langersehnte Bericht über die Klassenfahrt der Decision maker nach Nürnberg. Mit unglaublichem Bildmaterial!

Hinzu ja mit dem Auto. Gemächliches Fahren auf mittwochig leerer Autobahn. Reizvolle Landschaft fast die ganze Zeit über. Erst Sauerland, dann viel Hessen, dann die schöne Rhön, und ab Würzburg wirds richtig schön. Naja, wohnen will ich da nirgendwo, zuviele Berge, und in Hessen war es auch recht kalt. Anläßlich einer Rast dachte ich, kalt und dann noch dieser Einrichtungsgeschmack, da würde ich nicht lange überleben.

Völlig dysfunktional angeordnete Gegenstände (in einer Autobahnraststätte!), eingerahmt von einem funktional gekachelten Gastraum, der in eine Art geschmackloses Wohnzimmer mit häßlicher Deckengestaltung übergeht. Man beachte auf dem ersten Bild den Schaukelstuhl, auf dem zweiten Bild den einzigen Gegenstand, der zeigt, daß Form und Funktion keine voneinander sklavisch abhängige Beziehung haben müssen, sondern durchaus unabhängig voneinander zu einem funktionalen und ansehnlichen Miteinander finden können.

Am ersten Abend war Rehgoulasch mit passendem Rotwein geplant. Für zweiteres mußte das nahegelegene Jaques' Weindepot aufgesucht werden, das passenderweise über direkt vor der Ladentüre stehende Glascontainer verfügt, aber auch über einen charmanten Verkäufer, der überflüssigerweise ein Kübelchen bringt, in welchem die Probierreste entsorgt werden dürfen. Für ersteres wurde das Schnabulantienfachgeschäft ebenfalls direkt um die Ecke aufgesucht, wo es außer Wildspezialitäten auch alles andere gibt, was einem die Bucks aus dem oben erwähnten Gegenstand zieht, das aber darüber hinaus noch über eine Kinderspielecke sowie eine ganze Schar liebreizender urfränkischer Verkäuferinnen verfügt, die einem das Geschäft aufgrund ihrer stammkundenorientierten Umgänglichkeit sofort ans Herz wachsen lassen. Und es gab etwas, was max. 7 Blogleser an einen Skisprung-Weltcup in Zakopane erinnern dürfte: Szaszłyk barani.

Der Härtetest während der Ankunft bestand ja eigentlich darin, ohne jegliche Ortskenntnis und Stadtpläne von der Autobahn zum Zielort zu gelangen. Einzige Orientierungshilfe bot die morgens telephonisch erteilte und von der routinierten Pfadfinderin auf nichtklebende Klebezettel der Berliner Zeitung in unleserlichem Pseudosteno notierte Wegbeschreibung, deren Erfolg sich sicherlich dem Umstand verdankt, daß Routenbeschreibungen gut funktionieren, wenn sich räumlich ähnlich denkende Menschen einander Wege beschreiben. Ich könnte niemals mit Wegbeschreibungen zurechtkommen, in denen es Anweisungen gibt wie an der dritten Ampel rechts. Ich kann mich nicht orientieren und gleichzeitig Ampeln, Kreuzungen oder Einmündungen zählen. Aber rechts kommt ein Rewe und links ein, ääh, Blumengeschäft, das ist eindeutig. Auch wenn das Blumengeschäft sich als handfester Großmarkt für Gartenbedarf entpuppt. Ich bin da merkmalsorientiert. Klappte jedenfalls super, und schon bald konnten wir eine opulente Dachterasse, diverse gekühlte Getränke sowie eine botanische Besonderheit bewundern: den Freitagtaschenbaum:

Aber zurück zur Essensfrage. Vorspeise war, ja, Namen hatte es keinen, aber es bestand aus professionell zurechtgeschnitzten Äpfeln, Ziegenkäse, der da drauflag, Rohrzucker, der auf dem Käse drauflag, Calvados, der auf den Zucker geträufelt wurde, Thymian, der auf dem Rohrzucker drauflag, und einem heißen Ofen, in welchem die leckere Vorspeise für eine gewisse Zeit verschwand. Auf jeden Fall zur Nachahmung empfohlen. Es empfiehlt sich weiterhin die Anwesenheit einer möglichst weiblichen studentischen Hilfskraft, die den störrischen Thymian entbeint, und der entsprechenden Hilfskraft empfiehlt sich ein guter Draht zur Gleichstellungsbeauftragten, um die Ausbeutung der Arbeitskraft entsprechend anzuprangern.

Ganz in der Nähe der Behausung befindet sich der St.Johannis-Friedhof, und ich hielt es zunächst für einen Witz, daß ein Besuch des Friedhofs auf dem sorgfältig zusammengestellten Programm stand. Aber es handelt sich in der Tat um einen sehr sehenswerten Friedhof, und das nicht nur, weil ich unversehens erstmalig einer gerade stattfindenden katholischen Sargbestattung mit allem Drum und Dran samt kesselschwingen und Brimborium von weitem beiwohnen konnte - und wie Max Goldt bin ich mitnichten eine Brimboriumsverächterin. Das tolle am Friedhof is described in detail elsewhere. Es regnete, der Friedhofserklärer konnte mit seiner schönen neuen Regenjacke angeben, der Friedhof sah sehr schön aus mit den blumengeschmückten Hochgräbern. Ach ja, und Albrecht Dürer, das wußte ich gar nicht, war aus Nürnberg oder in Nürnberg oder beides, jetzt jedenfalls isser dort, denn begraben:

Auf einem der zahlreichen Plätze der Stadt befindet sich ein derart verfehlter Brunnen, daß er zum Eigenschutz eingezäunt werden mußte, und in dem Zaun ist eine Art Ring, die man irgendwie drehen muß, und dabei muß man sich was wünschen, und falls das einem nicht schon total interferiert, weil man so viele Dinge gleichzeitig machen muß, dann geht das wohl in Erfüllung... wie dem auch sei, entweder gehts nicht in Erfüllung, oder ich war nicht richtig konzentriert, weil ich daran denken mußte, an wievielen europäischen Brunnen ich schon irgendwelchen Unsinn gemacht habe, weil man das als doofi-Tourist eben machen muß, so wie man in Prag dem heiligen Nepomuk an den abgegriffenen Bauch grapscht, so wie alle anderen doofi-Touristen vor einem auch schon. Falls es in Berlin so einen Grapschort gibt, ist er mir völlig unbekannt und gleichzeitig schnurzpiepe.

Aber ansonsten vorbildlich, dieses Nürnberg. Liegt an einem Fluß, der es in Sachen Ausdehnung jederzeit mit der Spree aufnehmen kann und gleichzeitig, wenn man die Brückenhöhen anschaut, wesentlich gefährlicher als jene werden kann, scheints. Anders als im blöden Baden-Württemberg gibt es hier auch eine natürliche Begabung der Eingeborenen, an reizvollen Stellen Lokale zu errichten, in denen man prima Kaffeetrinken, auf den Fluß schauen und neue Studien planen kann.

Dann, fürs back-to-zero, ein keuscher Blick durch diese vermutlich eher unkeusche Fensterscheibe auf etwas, das unter Männern Kicker genannt werden würde, wenn es nicht mit Glitzer und Leopardenfell ausgestattet wäre. Nette Damen aus Hannover dürfen auch Krökelbetätigungseinheit dazu sagen und dergleichen für therapeutische Zwecke auf Steuerzahlerkosten anschaffen lassen. Auch in Rosa. Bloß die Bälle, die gehen so gar nicht.

Abschließend sei das Gasthaus Braun erwähnt. Ich kenne mindestens ein bis zwei Personen, die dort einmal essen gehen würden, dann das gesamte Lokal samt Köchin und Kellnerin einpacken und in der Boxhagener Straße 88 wieder auspacken würden. Das war so das Gegenteil von den länderverseuchenden sogenannten Italienern, wo es hundertfünfzig Gerichte, aber kein mediterranes Essen gibt. Es gab Antipasti, Primo, Segundo und Dolce, auf einer handgeschriebenen und unleserlichen Karte, auf der nur mit Originalbezeichnungen gearbeitet wurde und die gleichzeitig sehr übersichtlich war - pro Kategorie ca. 5 Gerichte, die einem die mehr als charmante Kellnerin nicht müde wurde zu erklären. Und lecker. Und so spartanisch und gleichzeitig gut eingerichtet, wie es im Süden in echt nunmal oft ist, im Gegensatz zu den hierzulande üblichen Gipstropfsteinhöhlen mit Schmalzmusik. Im Braun gabs natürlich gar keine Musik, wie sich das für einen Essenstempel auch gehört.


Also, war eine feine Sache. Das Arbeitstreffen, die Teambildung und Nürnberg an sich. Es ist immer wieder angenehm zu spüren, daß es auch andere Menschen auf der Welt gibt, die je nach Definition auch verrückt sind und trotzdem (oder vermutlich gerade deswegen) mit einem auf einer Wellenlänge sind, und das kann sich sogar auf Ge- oder Mißlingen solcher Klausurtagungen auswirken. Denn egal wie groß die Herberge, ein Lagerkoller kann sich bei fünf Tagen durchaus ausbilden, aber den hatte keiner von uns, es war alles sehr entspannt und ohne die schleppige Gruppendynamik, die (entgegen ihrem eigentlichen Potential) schnell entsteht, wenn sechs Personen duschen, frühstücken, losgehen, Dinge erledigen wollen.

Sonntag, 14. September 2008

sera italiana

Einer uralten Tradition folgend schreibt man in meinem aktuellen sozialen Umfeld im Urlaub keine Postkarten, sondern hält nach der Wiederankunft einen urlaubslandinhaltlichen Abend ab. Daher heute italienisch. Das Menu überraschte mich nicht, da ich vorgestern bei einem Teil des maßgeblichen Einkaufs (und gestern bei der grüne-Servietten-Jagd!) dabei war. Es gab extrem tolle Lasagne mit Gemüse und vorher Feldsalat mit Zauberdressing und hinterher Panacotta mit Himbeeren und zwischendrin Rotwein. Klingt toll? Wenn man nun auch noch von einem extrem anstrengenden Arbeitstag kommt, an welchem sich sämtliche Schwuppen der Stadt im Lädchen versammelt haben, um den Bestand an lilanen Polos aufzufrischen, dann freut man sich über nette und kulinarisch anspruchsvolle Betreuung natürlich besonders.

Im Laufe des Abends wurde über etwas hergefallen, das ich jetzt zu beschreiben keine Lust habe und daher namentlich hingenommen werden muß, nämlich eine Wii mit Balance board und allerlei Fernbedienungen, und damit konnte man Skispringen, Slalomlaufen, Bowlen und bewegliche Objekte abschießen. Krönung des Abends natürlich das Kuhrennen. Befremdlich bei der Wii erscheint die Fernbedienung, deren Gebrauch sich vom Joystick in Sachen Intuitivität weit entfernt hat; d.h. nach vorne kippen ist schneller werden usw., oder man zeigt quasi direkt auf dem Bildschirm auf das, was man jetzt gerne treffen möchte, beim Schießen, auch komisch. Zwischenzeitlich, vor allem beim sehr gut (nicht von mir) performierten Steptanz (oder was das war), hatte man den Eindruck, einer Art Körper-Karaoke beizuwohnen.

Wieder, und langsam macht es auch keinen Spaß mehr, wurden meine vermeintlichen sprachlichen Mängel thematisiert. Aber das mahlzeitenunabhängige Knabbern von Knabbereien mit zwischendrin statt zwischendurch zu benennen, das ist unzweifelhaft und gilt als üblich und richtig! Wenn ich derlei Ausrutscher ständig ankringeln würde, hätte ich ja gleich gar keine ruhige Minute mehr! Und regionale Sprachbesonderheiten sind ja wohl auch Zugewinn, Bereicherung, beachtenswerte Spielarten des als gewöhnlich empfundenen, die ja wohl keinem weh tun! So!

Niemand außer mir macht sich wegen der Prüfung Sorgen. Wenn ich einen Realitätscheck mache, glaube ich, daß die Mehrheit nicht immer Recht hat. Aber wozu sind Realitätschecks schon nutze?

Samstag, 13. September 2008

musique á la casa

Merkwürdig, was einem in sogenannten Eckkneipen an Musikauswahl zugemutet wird. Gleichzeitig gut, in sich inkonsistent und den roten Faden missen lassend, und dann wieder blöd, unterbrochen durch blöde Junggesellenverabschiedungen und durch blöde Kellner, die im falschen Moment um Aufmerksamkeit heischen. Aber der Reihe nach. No woman, no cry scheint sich ja aus einem mir völlig unbekannten Grund bei Junggesellengedönsen (die mir im übrigen auch völlig unbekannt sind, und das nicht nur aufgrund meines eigenen Junggesellenstatus') großer Beliebtheit zu erfreuen. Aber muß man dem Falco-Songs folgen lassen, mit Mehrzahl? Darunter Jeanny. Dann Junge von den Ärzten, verbunden mit der Feststellung, daß jüngere Personen unter Umständen den Ernst des Liedes nicht erkennen, weil ihnen ihre Eltern niemals Dinge wie Was sollen die Nachbarn denken und Ihr nehmt doch alle Drogen sagen würden. Ach, und Eltern! Die einen müssen immer umziehen, die anderen wohnen noch im selben Haus, wo sie teilweise geboren wurden, und beides ist irgendwie doof.

Aber dann Jein von Fettes Brot. Dann was nerviges, dann, ausgerechnet, Am Fenster von City und Als ich fortging von Karussell, auweia - mitten in Bielefeld!

Langes nachgrübeln, was Farbensehen eigentlich bedeutet und ob es jemals zwei Menschen auf der Welt gibt, die dieselben Farben sehn? Jaja, kann man eh nicht überprüfen, weiß schon. Also, ja, schön, der Abend. Lange nicht soo viel nachgedacht...

Freitag, 12. September 2008

Der Tag wird gestrichen. Ersatzlos.

Gelernt habe ich eh nichts. Nur Auftragsarbeiten! Druckfahnen, Ergebnisteil einer lesenswerten Diplomarbeit. Lesenswert schon allein der schönen Formulierungen willen. So wurden unter anderem Korrelationen beobachtet. Das bringt mir die Psychologie als Forschungsgebiet gleich wieder näher; eine Disziplin, der vor allem tropenbehelmte Forscher mit Fernglas und Aufzeichnungsgerätschaften nachgehen, die früh aufstehen, um im Dickicht einer Korrelation aufzulauern, ob sie wohl des Weges kommt.

Ich habe übrigens die ausdrückliche Erlaubnis, die Stilblüten aus der nämlichen Diplomarbeit hier an Ort und Stelle zu verwursten. Ganz im Gegensatz zur Gepflogenheit bestimmter Mittagessenkonfidentinnen, die sich schamlos über rückzu und dekadentes Auto vor der Tür zu stehen haben lustig machen und auch noch, ohne rot zu werden, zugeben, daß sie das semantisch und inhaltlich völlig unbrauchbare Auch schon wesentlich weniger schlimm finden!

Und all das habe ich heute nicht gesagt:
Da schnappen mir doch diese albernen Hühner nicht nur die letzten geilen Himbeerkuchen kichernd vor der Nase weg, nein, die eine zumindest war doch ohnehin schon dick!

Du bist ja verrückt! (Als Anmerkung zu dem angeberischen punktbiserialen Korrelationskoeffizienten in einer der gefühlten fünfzig Korrelationstabellen.)

Jahnplatzpassage kenne ich nicht.

Der Unterschied zwischen Iowa Gambling Task und Game of Dice Task besteht darin, daß die eine mit Karten und die andere mit Würfeln ist. Außerdem werden in der IGT 100 Runden gespielt, in der GDT bloß 18.

... Naja, und noch einen Haufen Schmonzetten mehr habe ich abgesondert, an die ich mich aus selbstwertdienlichen Gründen nicht mehr erinnern kann. Offensichtlich macht mich diese Prüfung nervös. Zum ersten Mal kann man sich live und in Echtzeit aufs Messer blamieren, und wenn ich mir meine konsequente Art der Prüfungsvorbereitung so angucke, nämlich konsequent vermeidend, dann bin ich auf einem guten Wege dahin.

Jetzt bin ich erstmal auf dem Weg ins Casa. Morgen gibt es Decision-making-Entzug und abends einen italienischen Abend. Übermorgen kann ich hoffentlich eine tolle Diskussion korrekturlesen und mit hilfreichen Anmerkungen versehen (heute habe ich gemerkt, daß ich darauf trainiert bin, für den sehr robusten Chef korrekturzulesen - da kann man von der Sandwichmethode ruhig das Brötchen weglassen. Bei Leuten, die grad ihre Diplomarbeit fertigschreiben müssen, könnte etwas mehr Zartgefühl durchaus angebracht sein), und abends bespreche ich die Studien. Den Rest der Zeit werde ich damit verbringen, allen, die es nicht hören wollen, was über den Patienten EVR und die Entwicklung der Iowa Gambling Task zu erzählen sowie mein frischerworbenes Wissen über Angststörungen im allgemeinen und die Attribution von Sorgen auf fluktuierende Hautleitfähigkeitsveränderungen bei generalisierter Angststörung im besonderen unters uninteressierte Volk zu bringen. Schade, daß der Konfident, der sich wahrscheinlich schon verzweifelt fragt, wo denn sein schöner Blog ist, nicht hier ist; der würde mich verstehen!

Immerhin konnte ich dazu beitragen, daß sowohl notwendiges Haarzeug als auch grüne Servietten erstanden werden konnten, also war der Tag nicht ganz unnütz.

Mittwoch, 10. September 2008

Seit wann haben Bankomaten Augen?

Ich merke schon, daß ich die Nürnberg-Berichte sukzessive einflechten muß, sonst gehen sie unter. Für einen alleinstehenden und umfassenden Bericht habe ich offenbar keine Zeit.

Jedenfalls, auf dem Weg ins Gasthaus Braun wollen alle Geld abheben, vorzugsweise bei der Sparkasse, die sich im Internet mit Informationen über Bankomaten-Standorte merkwürdigerweise bedeckt hält, aber wir kommen direkt an einer vorbei. Es wird gehalten und ausgestiegen und der sogenannte Service-Bereich, der sich vor allem durch self-service auszeichnet, gestürmt. Auch ich. Gute Freunde wissen, wie meine gleichwohl nicht mehr besonders lange gültige EC-Karte aussieht. Bislang kein Grund für Bankomaten, die Annahme der Karte zu verweigern. Bankomaten haben ja keine Augen, und der Magnetstreifen funktioniert tadellos. Aber in Nürnberg wurde die Karte nichtmal vom Gerät eingesogen. Ich meine, da kommt ja immer so ein schmatzend-schnalzendes Geräusch, und weg ist die Karte. Aber nichts. Ich hätte auch mit der Mensakarte oder Bahncard vor dem Gerät rumfuchteln können, nichts passierte. Ohne Geld verließ ich die Nürnberger Sparkasse und schämte mich vor den fremden Menschen, die unfreiwillig Zeugen des erfolglosen Einsteckversuchs werden mußten.

Wenn es nicht zufällig meine eigene EC-Karte wäre, würde ich das Ding auch nicht mit der Feuerzange anfassen...

Kolme:kolme

Yksi, kaksi, kolme, das kann angeblich jeder Interrailer oder gehörte zumindest zum Standardgesprächsrepertoire unter Interrailern der achtziger Jahre. Auf finnisch bis zehn zählen, das behauptet jedenfalls Max Goldt, und wer mich kennt, weiß, daß das eine 1A-Referenz für mich ist. Ich konnte jedenfalls auch mal auf finnisch bis zehn zählen, aber naja, jetzt noch bis drei. Deshalb sagte ich heute nach dem ersten Tor (für Finnland), null kenn ich nicht, müssen wir auch noch ein Tor schießen. Zwischendrin fiel der Satz des Tages, von mir gesprochen, von wem anders gekürt beim Versuch, mir während eines Fußballspiels das Fingeralphabet beizubringen: Ich glaub' ich habe andere Finger als du. Eines anderen Satzes wegen wurde ich häufig gescholten: Den würde ich sofort heiraten (gemeint waren zumeist Fußballspieler, aber auch beispielsweise Jogi Löw, allein schon seiner gepflegten Garderobe und wunderschönen schwarzen Haare wegen). Meine persönliche Fingeralphabet- und Fußballexpertin rief gefühlt hundertmal Und wer schießt den Ball daneben? Goméz! Keine Gefahr, es ist nur Goméz! Goméz, aaarghhh!! Und, fast am schönsten bei all dem nach-der-EM-ist-vor-der-WM-Spektakel: Am Nebentisch sitzen tatsächlich Finnen! Und die freuen sich ganz unfinnisch, d.h. für Außenstehende hör- und sehbar, über jedes Tor.

Schön, jedenfalls, wie Klose diese drei Tore geschossen hat. Immer, wenn sie grad alle über ihn herziehen, daß er gegen Liechtenstein nicht einmal das Tor trifft, aber ich bitte euch: Liechtenstein! Wo ist das überhaupt? Haben die überhaupt elf Männer, die einen Fußball von einer ruhigen Kugel infolge Geldimports unterscheiden können? Da können auch Experten wie Podolski mal ein Tor machen. Aber die wichtigen Tore waren ja wohl heute, alle Ausgleich, und wer ist der Held des Spiels? Wer drischt rein? Goméz ja nun nicht. Podolski auch nicht. Klose. Mit der Kapitänsbinde.

Kolme:kolme. Ich kann nicht weiter als bis drei zählen, auf finnisch, und deswegen war dann Schluß, falls es zulässig ist, den Abpfiff dermaßen auf sich selbst zu attribuieren.

Eine Frage ist allerdings noch völlig ungelöst: Da es ja nurmehr Rückennummern und die auch nur von 1-18 gibt, wissen wir nicht, wer für wen als Nr. 8 auf den Platz gegangen ist...

So wird das nix

Je mehr Psychos hier in der Bib sitzen, desto zu weniger kommt man. Bei mir gehts noch, ich muß ja schließlich nur Sachen lernen, die ich eigentlich eh schon weiß. Aber wie soll man 25 Temperamentstheorien auswendig lernen, wenn man sich nebenbei noch um liebe Kommilitoninnen kümmern muß? Die man mit Überraschungseiern überrascht und beglückt, damit die Motivationskurve wieder steil ansteigt? Die sich über banale Dinge freuen, wie zum Beispiel das Vorfinden eines Schafs im Inneren des Ü-Eis (und die halbe Bib freut sich mit...):

Meine Motivationskurve kriegt sich mittels unverhoffter Besuche in den Griff, wird aber leider durch eMails mit Betreffzeilen wie [Studierende] Systemausfall und Revision bitte checken arg gedämpft. Naja, gleich habe ich die aller-allerletzte Manes-und-Clark-Studie durch, und dann darf ich mich endlich auf die Brand-Studien stürzen :-D!!

Dienstag, 9. September 2008

Auch schon hinzu?

Erst durfte ich Spott und Häme über mich ergehen lassen, weil ich die Rückfahrt umschrieb mit Rückzu haben wir acht Stunden gebraucht, wobei ich die acht Stunden eigentlich bemerkenswerter finde als die harmlose und vollverständliche Vokabel rückzu. Da wo ich herkomme heißt das nunmal so! Da wo ich herkomme war übrigens eine vielbenützte Floskel in Nürnberg im Zusammenhang mit regional begrenzt üblichen Redewendungen, insofern ja Personen aus ca. drei Himmelsrichtungen in der vierten zusammenwaren (oder so ähnlich, ich denke jetzt nicht über Sinn oder Unsinn des gewollt-verkrampften Wortspiels oder gar dessen Optimierung nach).

Aber zurück zu Spott und Häme. Diese Niedersachsen bilden sich ja mächtig was auf ihre angeblich lupenrein hochdeutsche Sprache ein. Nun gut. Später, beim Essen, stellte sich heraus, daß die sympathische Schwäbin (ja, das gibts doch!) Sätze gerne mit Auch schon beendet, wo man eigentlich noch auf das Satzende wartet und wo sowas wie früher oder vorher gemeint ist. Klingt lustig: Deine Fische waren netter als auch schon. Spott und Häme ergossen sich also anderswo als auch schon.

Damit wurde unter kräftigem Gekicher das Post-Mittagessen-Kaffeetrinken beendet. Nun sitze ich wieder in der Bib, wo nahezu sämtliche Konfidenten um mich herum versammelt sind und lernen. Ich habe vorhin mein Vordiplom abgeholt, und es steht ein dickes fettes GUT drauf. Jippie!

Sonntag, 7. September 2008

die beiden mußte ich erstmal loswerden,

vorher kann ich nicht über das Decision-maker-Arbeitstreffen in Nürnberg berichten. Ohnehin werde ich hier nicht allzuviel darüber erzählen, weil zu schützende Privatsphären in das Treffen involviert waren.

Inhaltlich war es sehr toll, wir haben konstruktiv an der Verbesserung der neu zu programmierenden GDT gearbeitet, eine Reihe neuer Studien mit theoretischem Hintergrund und pipapo überlegt und ein neues Projekt für die Hiwis besprochen, vom Empiriepraktikum ganz zu schweigen. Ich persönlich war von mir selbst beeindruckt, insofern ich mehrere konstruktive Vorschläge zum explorativen Vorgehen bei bereits bestehenden Datensätzen hatte. Weiterhin beeindruckt war ich von unserer ruhigen und zielgerichteten Art, zusammen laut nachzudenken und Ideen zu sammeln und zu begründen. Kein blödes Brainstorming, sondern theoriegeleitetes Entwickeln.

Daher: Mein vorläufiger Plan steht erstmal. Der Prüfungsplan wird umgestoßen zugunsten des Praktikums, idealerweise im Sommer. Bis dahin müssen im hiesigen Laden Überstunden angehäuft werden. Damit habe ich gut Zeit, mir ein gutes Thema anzulesen und auszuarbeiten. Falls es dann immernoch eine Patientenstudie sein soll, geht es in einem Jahr, nach dem Praktikum, los. Der Betreuer steht fest und ist sehr einverstanden. Ich freue mich über die Anerkennung.

Mehr von Nürnberg vielleicht morgen. Ich habe auch Photos gemacht, aber für das neue Telephon habe ich kein Kabel und muß die Bilder via Bluetooth, welches mein Privatrechner nicht hat, auf das Hiwi-Notebook schleusen und von dort usw. Also das mache ich dann morgen vielleicht.

this is johnny cash:

If you could read my mind, love
What a tale my thoughts could tell
Just like an old time movie
'Bout a ghost from a wishing well
In a castle dark or a fortress strong
With chains upon my feet
You know that ghost is me
And I will never be set free
As long as I'm a ghost that you can't see

If I could read your mind, love
What a tale your thoughts could tell
Just like a paperback novel
The kind the drugstores sell
When you reached the part where the heartaches come
The hero would be me
But heroes often fail
And you won't read that book again
Because the ending's just too hard to take

I'd walk away like a movie star
Who gets burned in a three way script
Enter number two:
A movie queen to play the scene
Of bringing all the good things out in me
But for now, love, let's be real
I never thought I could act this way
And I've got to say that I just don't get it
I don't know where we went wrong
But the feeling's gone
And I just can't get it back

If you could read my mind, love
What a tale my thoughts could tell
Just like an old time movie
'Bout a ghost from a wishing well
In a castle dark or a fortress strong
With chains upon my feet
But stories always end
And if you read between the lines
You'll know that I'm just tryin' to understand
The feelin's that you lack
I never thought I could feel this way
And I've got to say that I just don't get it
I don't know where we went wrong
But the feelin's gone
And I just can't get it back

Das hätte auch anders ausgehen können

Kaum von der A3 auf die A7 bei Würzburg gefahren, bildet sich ein offensichtlich frischer Stau. Ein einzelner Feuerwehrwagen fährt mit Blaulicht durch die Rettungsgasse, er sollte nicht der einzige bleiben. Rettungswagen, wieder Feuerwehr, mit Technik, mit Notarzt, zwischendurch Zivilfahrzeuge. Anhalten, Verkehrsfunk spricht von schwerem Unfall und empfiehlt aufgrund der beidseitigen Vollsperrung Wegkundigen weiträumiges umfahren, aber diese Nachricht erreicht uns fünf Minuten zu spät, und wegkundig sind wir auch nicht. Die anderen in der erstarrten Kolonne haben auch Verkehrsfunk gehört, die ersten Türen öffnen sich, dann ist es wie ein Dammbruch. Erste ältere Damen erklimmen die Böschung zwecks Toilettengang. Die Sonne scheint, wir nutzen den Zwangshalt für einen Aufenthalt im Freien. Andere auch, sie kramen ihre Handys raus und photographieren die Autoschlange samt vorbeifahrenden Rettungswagen.

Nach einer halben Stunde kommen langsame, alte Wagen von freiwilligen Feuerwehren umliegender Ortschaften. Nach einer Dreiviertelstunde kommt ein brachialer Jeep der Johanniter, ausgewiesen als Notfallseelsorge. Nach einer Stunde kommt ein Leichenwagen, das geht durch Mark und Bein. Im Radio heißt es, ein Kleinlaster sei, nachdem ein Reifen geplatzt war, durch die Leitplanke gebrochen und mit vier Fahrzeugen zusammengestoßen. Eine Situation, der man auch durch vorbildliches und vorausschauendes Fahren nicht ausweichen kann.

Mindestens ein Fahrzeug ist durch die Seitenleitplanke hindurch die Böschung hinuntergestürzt. Von zwei Fahrzeugen liegen nurmehr Trümmerteile da, eins liegt plattgedrückt auf dem Abschlepper, ein weiterer Abschlepper mit Kran macht sich am Abhang zu schaffen, wir fahren schnell vorbei und bedanken uns, da wir alle nicht an einen Schöpfer oder die Vorsehung glauben, bei der Officemate und dem Chef für das Rauchen einer Abschiedszigarette.

Wie oft ist man eigentlich am Abgrund, ohne daß man es überhaupt bemerkt?

Dienstag, 2. September 2008

¡hasta la vista!

Also, das war jetzt der endgültige Abschiedsrotwein. Danke, Biele-Wetter, daß du so ein phantastisches Balkonabendfeeling erzeugt hast! Auch wenn der Wind immer die Kerzen ausgepustet hat.

Der Konfident geht aus Gründen nach México, und ich wünsche ihm, daß das eine verdammt gute Zeit wird. Sicher schwierig (Bohnen und Mais), sicher ganz anders als erwartet (Mais und Bohnen), sicher dann plötzlich viel zu schnell zuende, sicher auch anstrengend, langweilig, unverständlich. Er ist gut vorbereitet und geht nicht mit unerträglichem Optimismus in die Sache hinein. Er will auch nicht die Welt retten, und schon gar nicht sich selbst. (Wer will das schon?)

Also, Konfident: Alles Gute! Du wirst kein anderer Mensch sein, wenn du zurückkommst, aber auch nicht mehr dergleiche. Fetz dich mit katholischen, fleischessenden Machos. Fahre mit dem uralten Käfer umher, den man wenigstens nicht mehr kaputtmachen kann. Freu dich auf die kulinarischen Abwechslungen, die Ausflüge mit sich bringen können. Freu dich auf das Gefühl, in México statt Bielefeld zu sein - für die meisten Mexicaner wäre ein Aufenthalt in Bielefeld sicherlich auch aufregend!

Und komm gesund wieder.

¡hasta la vista!

Montag, 1. September 2008

Super Priming-Beispiel

Priming heißt ja, daß die vorherige, oft scheinbar unbeabsichtige Konfrontation mit einem Reiz dazu führt, daß spätere, reizbezogene Informationen stärker (oder sogar überhaupt) beachtet werden. Ein typisches Beispiel werden einige Blogleser kennen (wenngleich nicht alle, aus Gründen!): auch wenn sie früher schon Artikel und Interviews mit und von H.J. Markowitsch in verschiedenen Medien gesehen oder gelesen haben, stellen sie erst seither einen persönlichen Bezug dazu her (und haben einen Wiedererkennungseffekt), seit sie aus meinen Erzählungen wissen, daß das "mein" Professor bzw. "Chef" ist.

Jetzt ist mir etwas ganz ähnliches passiert. Vor kurzem las ich ja von T.C.Boyle Talk talk, wo es um eine junge Gehörlose, ihren hörenden Freund und Identitätsdiebstahl geht, also einen Haufen Zunder für ein schmales Buch. Und obwohl ich mich gut an eine Debatte erinnern kann, ob man es einem gehörlosen Paar zweier Frauen gestatten dürfe, bei der Auswahl des gleichwohl anonymen Samenspenders auf einem Gentest bestehen zu dürfen, der die Gehörlosigkeit des Kindes weitgehend garantieren sollte, habe ich mir über Gehörlose noch nicht viel Gedanken gemacht, außer natürlich, wenn sie mir in Gesellschaft begegnen. Ich verweise hierbei auf einen Notruf, den ich für einen gestürzten Gehörlosen tätigte, nachdem mir schlagartig bewußt wurde, daß auch seine Kumpanen die Feuerwehr nicht anrufen können (und plötzlich war es gar nicht so schwer, die Feuerwehr anzurufen, statt einfach weiterzugehen).


Was soll die Vorrede? Heute, erste Frühschicht seit gefühlten Ewigkeiten, steht ein Mädchen da, das ich nicht kenne, sag ich guten Tag mit Händeschütteln und meinen Namen, sie reagiert offen und erfreut, sagt aber nichts außer ihren Namen, und das auch wenig emotional. Im Laufe der Schicht registriere ich emsige und einfallsreiche Geschäftigkeit, aber an Lautäußerungen "Ja", gehauchtes "Dankeschön" (DoRo hat Bonbons verteilt) und "Hier". Wenn ich Talk talk nicht grad gelesen hätte, hätte ich noch hundert Jahre gebraucht, um draufzukommen, und hätte sie mindestens die Hälfte der Zeit lang für kommunikativ inkompatibel und vielleicht sogar arrogant gehalten. Insofern bin ich Talk talk trotz des unbefriedigenden Endes sehr dankbar, denn über die alltäglichen Diskriminierungen Gehörloser, über die eigene Welt, in der sie zwangsläufig leben und die vielen, alltäglichen Schwierigkeiten, in einer Welt der Hörenden zurechtzukommen, habe ich mir, wie wahrscheinlich fast jeder von uns, noch nicht viele Gedanken gemacht, und warum auch?

Jedenfalls habe ich spontan beschlossen, Gebärden zu lernen. Auch wenn es "nur" eine Praktikantin ist, habe ich trotzdem gerade eine nette Kollegin, die auch länger dasein und in den normalen Betrieb übernommen wird (was ich eh sehr toll finde!), und auf Dauer möchte ich micht doch zumindest reziprok verständigen können. Fingeralphabet habe ich schon bißchen geübt, komme ohne nachzuschauen bis D. Aber das Spannendste, und das fand ich aber schon beim Lernen für Entwicklung, ist doch, daß Gebärden alle Straftatbestände gesprochener Sprachen erfüllen, sowohl in linguistischer als auch in entwicklungspsychologischer Hinsicht. Gebärden sind also keine Krücke, um mittels Pantomime Anliegen zu verdeutlichen, sondern genauso zu behandeln wie die genauso unverständlichen Formen des Ungarischen. (Und die Braille ist ja auch nicht besser - neuerdings, aber unabhängig von dem Gehörlosenereignis, stehe ich gerne im Fahrstuhl und versuche mir auf den Tasten die Zahlenbraille einzuprägen... okay, das ist offenbar ein Zeichen für jetzt kommt gleich eine Zahl, und bei 1 ist auch ein Punkt, bei 2 zwei, bei 3 drei im Winkel, bei 4, und da hörts eben auf, weil man es sieht, aber mit geschlossenen Augen nicht ertastet, sinds immer noch drei, nur anders angeordnet, usw.)

Morgen will ich meine neue Kollegin mit dem ABC erfreuen, im Fingeralphabet, und mehr als ABC wird es auch nicht werden.

P.S. Man gucke sich nur die Gebärde für Faktorenanalyse an, und schon weiß man bescheid.

Sonntag, 31. August 2008

augustabend, plötzlich warm und hell

Wie schon andere Monate zuvor hat sich der August auf seine letzten Tage seiner Hauptaufgabe besonnen, nämlich als sogenannter Sommermonat zu fungieren. Es ist warm und sonnig, und der güldene Sonnenuntergang wird von federleichten Wölkchen ummantelt.

Gestern gab es ein sogenanntes Mitternachtsshopping, dem ich, auf der Gegenseite, bereits um acht Uhr entspringen konnte. Da ja alle immer zuwenig Zeit haben und sich in diversen Befragungen auch stets dafür aussprechen, statt Gehaltserhöhungen oder noch mehr verkauften Schallplatten lieber mehr Zeit für sich und die Lieben daheim haben zu wollen, war ich durchaus überrascht von der prallen Menschenmenge, die sich am Sonnabendabend bei bestem Balkon- und Grillwetter durch die Bielefelder Innenstadt und die angrenzenden Geschäfte schob. Jej!

Zwei Mädchen, eines etwas und gleichzeitig aufgeregter als das andere, drängen sich an die Kasse, wollen was zurücklegen. Einen Schlumpf und eine Hose. So aufgeregt, daß die eine kaum den - für die Rücklage unerläßlichen - Namen rausbrachte. Die andere war auch nervös; sie verzichtete auf einen eigenen Anteil bei den Verhandlungen. Später kamen die Mädchen, nicht minder aufgeregt, wieder und wollten die Sachen kaufen. Sie wüßten aber nicht genau, was die Dingelchen kosten und ob ihr Geld reiche. Ich - ein Blick auf die Preisschilder - ca. 44,80. Daraufhin Ausschüttung einiger kleiner Scheine und diverser Münzen auf den Kassentresen. Mein gleichzeitig - für Geldmengen - geschulter und intuitiver Blick weiß sofort, daß das Geld nicht reicht, es ist nur fraglich, wie knapp das Ergebnis sein wird. Mehrmaliges Zählen fördert zunächst ein Defizit von roundabout fünf Öre, dann noch weiteres Kleingeld aus einer Hosentasche, schlußendlich aber ein Fehlen von 1,20 zutage. Tja. Für die aufgeregte dominante Dame war klar, Schlumpf kaufen, Hose bis nächste Woche zurücklegen (vermutliches Taschengeldeintreffen). Jetzt meldete sich aber die andere und forderte, nicht minder aufgeregt, daß gleichermaßen ja die Hose gleich gekauft und der Schlumpf bis nächste Woche zurückgelegt werden könne. Offensichtlich ein in dieser Qualität eskalierender Geschwister- oder ungleiche-gleichwohl-beste-Freundinnen-Streit, denn die Stille merkte noch an, immer soll ich zurückstehen. Fand ich süß. Am Ende habe ich eingewilligt, ihnen das Begehrte trotz fehlender 1,20 zu verhökern mit der Maßgabe, daß sie die Differenz bis 20 Uhr begleichen kommen. Das hat im übrigen geklappt. Süß.

Überübermorgen geht es nach Nürnberg. Der Chef, der ja sonst offensichtlich nichts zu tun hat, verfaßte eine Art Zeitplan für das Arbeitstreffen Decision making, in welchem unter anderem die Tagungstermine Besuch des Friedhofs von St. Johannis (wetterabhängig) und Kleingruppenarbeit (Pflege von externen Kooperationspartnern = die Officemate besucht den George in Würzburg) - verbunden mit dem Zusatz Die Hände von S. und C. stehen bei Bedarf dem Filmprojekt von M&M zur Verfügung; wie ich dabei die state of the art-Tabelle übers Entscheidungsverhalten aus neuropsychologischer Sicht fertigstellen soll, bleibt nebulös. Also alle Beteiligten freuen sich auf den Arbeitsaufenthalt, und vielleicht springt für mich ja'ne Diplomarbeit bei raus.

Hab grad, weil ich ebenfalls sonst nichts zu tun habe, Gigerenzers Bauchentscheidungen angefangen und bereits über hundert Seiten weggeputzt - wenn sich, ach! die Studien auch so wegratzen würden! Ohne jetzt auf das sicherlich umfangreiche und lesenswerte Werk von Gigerenzer eingehen zu wollen, und ohne nochmal aus meiner Sicht die entsprechende Anekdote vom abtrünnigen Decision-making-Konfidenten nachzuerzählen, sei nur soviel verraten, daß er eine Reihe von Befunden zusammenfaßt (nicht nur seine eigenen... ), die zeigen, daß Intuitionen uns häufiger oder wahrscheinlicher zu richtigen Schlußfolgerungen, aber auch (motorischen) Handlungen führen. Ich hoffe, ich schaffe es eines Tages, hier darüber mehr zu schreiben und gleichzeitig zur Diskussion aufzurufen. Nur soviel aus eigener Erfahrung dazu: Zum Studium in Bielefeld JA zu sagen, kam nicht durch enervierendes Für und Wider-Abwägen, sondern infolge intuitiven Take the Best, und ich bin jetzt so sicher, die richtige Entscheidung getroffen zu haben, daß ich es nichtmal erwogen habe, mich für einen postvordiplomen Studienplatz in Berlin zu bewerben - im übrigen ganz im Gegensatz zur gefühlten Hälfte meines Semesters, von denen einige auch noch Erfolg hatten!

Außerdem isses auch mal angenehm zu lesen, daß die meisten Menschen selbst ihnen Unbekannten eine gewisse Summe, oft sogar die Hälfte, ihres Geldes abgeben würden. Angenehm, daß das Wissen von Laien auch nicht schlechter ist als das von Experten, bzw. urteilen Laien oft besser, weil sie nicht über zu viele Informationen verfügen.

Zum Beispiel (nicht googlen/wikipedia!): Welche Stadt hat mehr Einwohner, Detroit oder Milwaukee?

Donnerstag, 28. August 2008

ganz schnell

muß ich diesen Text verlinken, weil, ja!

So, und jetzt mal in Ruhe

Ich war auf der Meta-Ebene ein bißchen erstaunt, wie sehr mich diese Diff-Prüfung-Vordiplom-Geschichte mitgenommen hatte, und zwar so unmittelbar, daß ich vor der Abschiedsparty vom Konfidenten, obwohl die direkt an der Uni lokalisiert war, nochmal nach Hause gefahren bin, um zumindest ein anderes T-Shirt anzuziehen. Es ist schon ein sehr geiles Gefühl, nach nichtmal zwei Jahren und alles-Geld-selber-verdienen und engagiert sein und so ein feines Vordiplom mit gut hinzulegen und die erste Hauptprüfung schon in Form erfolgreicher Zulassung auf einem nicht sehr weit entfernten Schirm liegen zu haben. Die letztsatzige Umschreibung (...) zu liegen haben geschah ausschließlich in Reminiszienz an die einzige Person, die bislang überhaupt dies als typische und einzigartige Redewendung von Berlinern identifiziert hat. Man hat Bücher zu stehen, Bilder zu hängen, Sachen zu lesen. Ja!

Also ich bin jetzt cand.psych. und überlege halbernsthaft, ein entsprechendes T-Shirt bedrucken zu lassen. Ernsthaftere Gedanken befassen sich mit der Diplomarbeit, die ich zwar nicht sofort beginnen, aber zumindest konzeptuell irgendwann demnächst anfangen zu bedenken möchte (ja, das klingt absichtlich sehr vorsichtig!) und für die mir hoffentlich nächste Woche genug Gedanken und Ideen erscheinen werden, wenn ich in Nürnberg beim großen Brainstorming-Arbeitstreffen-Neues-überlegen sein werde, worauf ich mich übrigens sehr freue, und nicht nur wegen der kreativen Abendessen-Vorschläge, die gelegentlich in der Straßenbahn diskutiert worden sind.

In meiner vormals geliebten Psycho-Bibliothek, in der im letzten Sommer kaum wer anzutreffen war, tummelt sich inzwischen zahlreiches Konfidenten-Personal. D.h. wenn ich prokrastinieren möchte, gehe ich, paradoxerweise, einfach in die Bib. Da sitzen haufenweise nette Personen herum, zu meinem großen Entzücken auch der alte Decision-making-Konfident (an seiner Diplomarbeit-erfolgreich-bastelnderweise) und auch andere, die man früher immer nur bei den Lilis oder Juristen fremdgehen sah. Ach, da tut sich mein Herz auf! Da ja sowieso der T3-Zahn ab ganz demnächst zwei Wochen lang gesperrt ist, werde ich auch wieder in die Bib umziehen. Das soziale Umfeld... nicht unterschätzen.

Ich habe heute mit meiner Lieblingsfreundin sehr lange telephoniert. Das gelingt nicht oft, weil sie kleines Kind, ich Studium, und beide Gelderwerb. Aber trotzdem. Und dann eine gute Nachricht, Glückwunsch und Freude, und eine, die mitnimmt und nicht zu begreifen ist.

Es sind schon wieder zwei Jahre. Eigentlich, zu ca. 75%, will ich wieder zurück. Bloß ist das nicht nur unrealistisch, sondern auch ungerechtfertigt, denn so gut wie hier in Biele bringe ich das nirgendwo zuende. Aber Heimat ist Heimat. Heute las ich in einem stilistisch etwas überkandideltem Buch von Truman Capote, daß es so einen Platz in New Orleans gebe, wo er sich immer so daheim fühlen würde, weil er da eben immer war, früher. Ich weiß nicht. Ich war nicht da, immer, früher, und ich bin hier auch nicht furchtbar unglücklich.

Hier, das ist Biele, OWL, da werd ich eines Tages weggehen und nie mehr wiederkommen. Aber Berlin, da werde ich immer wieder luftholen und krafttanken und aussetzen.

Hier, das ist gelebte Realität.

Dienstag, 26. August 2008

Vordiplo-om, schalalalala

Nicht durchgefallen = Vordiplom!

Jetzt gehts richtig los... freu mich sehr aufs Hauptstudium und überhaupt. Wie sagte einer vorhin so schön? Vordiplom? Dann haste das Schlimmste hinter dir!

Und wie wunderbar, daß heute ohnehin Personen zusammentreffen, um den Konfidenten nach México zu verabschieden. Das paßt.

Ab morgen wird dann aber hallo und so gelernt... see you.

Montag, 25. August 2008

Another goes yet

Verbunden mit der hellen Freude darüber, daß ipse dixit noch am Leben ist und den Mühen eines Jenaer Lebens offensichtlich erfolgreich trotzt, hier noch ein besonderes Schmankerl, neulich entstanden am Telephon und warhscheinlich nur für ausgeprägte Berlin-Experten lösbar:

to-make-a-u-turn palace

Die bisher angebotenen Lösungen sind übrigens alle richtig! Herzlichen Glückwunsch!

Sonntag, 24. August 2008

Bericht von der/n Front(en)

1. Prüfungsvorbereitung wird derzeit kräftig prokrastiniert. Lieber helfe ich beim Büroräumen oder gehe mit HJM mittagessen oder lese freundschaftsdienlich Artikelchen Korrektur, als daß ich so was wie diese Geschlechtsunterschiede-Studie nochmal mit der Feuerzange anfasse! *grrr*

2. Naja, ich bin ja nicht die erste, die sich mit Decision making herumschlagen muß. Also habe ich heute die Zusammenfassungen der einstmaligen Empra-Konfidentinnen kopiert. (Handschriftliche Skripte! Ich würd sowas immer abtippen, aber egal.)

3. Auf youtube finden sich herrliche Dinge. Zum Beispiel die Rubrik NNN von Extra 3, Neueste nationale Nachrichten, mit Originalbildern von Hitler beim Redenhalten und Ton, der, ja, begabt und täuschend echt, sich über die Lächerlichkeiten diverser NPD-Aktionen ausläßt. Damit kann man schonmal einen Abend rumbringen. Schmankerl am Rande dabei der Fund von Sie sind einer von 60 Millionen. Monthy Pythons Ritter der Kokosnuß kann übrigens auch, aufgeteilt in Stück á ca. 10 Minuten, komplett angeschaut werden. (Die Kein'-Fernseher-hab-Attitüde kann ich mir nach diesem Post auch an den Hut stecken, vermutlich.)

4. Wenn man mich grad mit irgendwas reizen kann, dann ist das die Frage nach den Diff-Ergebnissen. Nein, die sind noch nicht da! Und noch hat der Gute Zeit, ca. zehn Tage.

5. Ach, der August. Das ist auf jeden Fall der most unattractive month in Biele. Keine Sau da, und die paar tapferen Ausharrenden verkrümeln sich auch in Richtung attraktivere Gegenden und lassen einen allein mit 31 Studien über Decision making und diversen Buchkapiteln zu Angststörungen. Das Wetter hat sich ebenfalls abgemeldet und geht jetzt wahrscheinlich in der Toskana seinem Dienst nach. Das ist doch kein Sommer da draußen! Immerhin gehts ja in vier Wochen nach Kreta. Kaum zu glauben, daß da auf einmal der heiße, trockene Sommer sein wird, den ich hier sehr entbehre.

The game goes further

It goes around the city-and-country names guessing, after being translated wordly into english.

Gloomy forest
Frank's passage, or?
Door struggle
Like the bathing

This time not linked, because you may guess till solution.

Mittwoch, 20. August 2008

Das hat sich nicht gelohnt, Mücke!

Einmal im Jahr scheint das Mückenvolk nach konspirativer Versammlung eine Abgesandte abzusenden, die mir eine schlaflose Nacht bereiten soll. Heute war es wieder soweit. Der Mücke vor allem unter akustischen Gesichtspunkten hilflos ausgeliefert, streckte ich immer wieder verschiedene Körperteile, außer Ohren, unter der Bettdecke hervor, in derHoffnung, die Mücke würde stechen und zufrieden ihrer Wege schwirren. Aber niente. Zwar stach sie, aber immer kurz vorm doch-noch-einnicken kam sie wieder. Also völlig entnervtes Aufstehen und Hantelschwingen, und was taumelt da direkt vor meiner Nase umher, aufgequollen vom reichhaltigen Trunk wie eine Fliege? Ein Griff mit der hantelfreien Hand reichte, und das Spiel der Mücke war aus. Sie hatte mich dermaßen ausgesaugt, da hätte ich glatt ne Eigenbluttherapie machen können. Ich wußte nur nicht wogegen.

Dienstag, 19. August 2008

hopsig für horny?

Ich weiß zwar nicht genau, ob horny ein Begriff ist, der sich eher auf Frauen bezieht, aber daß hopsig ein schönes deutsches Wort für dasselbe Phänomen bei Männern ist, kann niemand ernsthaft bestreiten. Ich fand es eben in Janosch' Cholonek oder der liebe Gott aus Lehm, ein aus mehreren Gründen lesenswertes Buch.

Insgesamt habe ich bislang Herrn Riemann so noch gar nicht gesehen. Er weiß aber wohl, daß er nur noch zwei Wochen Zeit hat, diese blöde Klausur durchzusehen?! Überhaupt habe ich niemanden aus der Diff gesehen. Haben die etwa einen blöden Kongreß oder sowas? Ich wüßte schon gerne, ob ich mich lieber nochmal mit Persönlichkeitstheorien befassen sollte, statt mir diese blöden Cavedini-Studien reinzuziehen! Im Ernst: die Einleitung ist ca. 1/4 Seite lang, und es steht drin 1) Zwangsstörungen haben was mit der Verbindung von orbitofrontalem Cortex und Basalganglien zu tun 2) Iowa Gambling Task hat ordentlich was mit orbitofrontalem Cortex zu tun 3) also gucken wir mal, ob Zwangspatienten schlecht in der IGT sind, denn dann haben die was am Frontalhirn. Geht ja noch. In der nächsten Studie geht das dann so: 1) Zwangsstörungen haben was mit der Verbindung zwischen orbitofrontalem Cortex und den Basalganglien zu tun 2) Spielsüchtige haben bestimmt auch was am orbitofrontalen Cortex, und außerdem zeigen sie genau wie Zwangspatienten im Alltag dysfunktionales Verhalten, also 3) wenn sie in der IGT beeinträchtigt sind, muß man Spielsucht auch zu den Zwangsstörungen zählen und, plausibel, 4) Serotonin spielt auch eine Rolle. Alles klar? Dann, dritte Studie: 1) Eßstörungen haben was mit der Verbindung zwischen orbitofrontalem Cortex und den Basalganglien zu tun 2) Magersüchtige haben bestimmt auch was am orbitofrontalen Cortex, und außerdem zeigen sie genau wie Zwangspatienten im Alltag dysfunktionales Verhalten, also 3) wenn sie in der IGT beeinträchtigt sind, muß man Magersucht auch zu den Zwangsstörungen zählen und, plausibel, 4) Serotonin hat die Finger im Spiel, aber man weiß nicht genau, wo, denn, aber das stand jetzt nicht in der Studie, das weiß ich nur zufällig genau, Serotonin kommt aus den Raphé-Kernen im Hirnstamm und landet unter anderem in weiten Teilen des Neocortex. Sprich: die Cavedini-Studien sind gute Beispiele für Paper, wie sie besser nicht sein sollten.

Ansonsten war heute endlich mal alles wieder gut. Die Büros waren mit netten Damen besetzt, im weltbesten Sekretariat gab es Kaffee, auch wenn ich den teils selber kochen mußte, und pünktlich um viertel eins ging es in die Mensa, wo ich einer gnädigen Salatbar eine Portion des heißgeliebten Senftöpfchens entlocken konnte. Obwohl ich gefühlt ca. 85% des Tages mit schwatzen, telephonieren und surfen verbrachte, habe ich nicht nur die drei (zwar kurzen, aber anstrengenden, s.o.) Cavedini-, sondern auch die erste von den Bildgebungsstudien aus der Bolla-Ernst-Ecke angefangen und meine Zusammenfassungstabelle aktualisiert. Beachtlich! Zum ersten Mal, seit ich ernsthaft für Prüfungen lerne, bin ich meinem Plan weit voraus. Vergleichsweise lesen sich die Dinger jetzt einfach so weg, wenn ich überleg, wie ich vor einem Jahr damit gerungen habe! Man sollte also auf jeden Fall immer Ja sagen, wenn einem eine interessante Hilfskraftstelle angetragen wird. Man kann davon nur profitieren und kriegt auch noch Geld dafür, daß man Sachen lernt, die man eh lernen muß oder sollte. Von dem Geld kann man dann prima in den entsprechend verdienten Urlaub fahren.

Morgen gibt es im Westend Riesencurrywürste, und das in der charmantesten Begleitung, die man sich für ein derartiges Unterfangen nur wünschen kann. Es kann im August auch verdammt schön sein in dieser verdammten Uni. Jetzt habe ich doch noch geflucht, verdammt, tut mir leid. Mit dem Vordiplom inner Hand wäre ich entspannter, glaub ich.

Montag, 18. August 2008

Paderborner am Morgen...

macht Kummer und Sorgen. Möchte man meinen. Aber selbst auf dem Gebiet des Pennertums gelten in Biele andere Gesetze. Es gibt hier ein Subjekt, das an sich so dermaßen unpennerig aussieht, daß man beim Erblicken der Flasche Paderborner Export den Kopf schüttelt und ein zweites Mal hinschaut, weil das Bild unstimmig erscheint. Rosa Polo mit hochgeschlagenem Kragen, halbwegs gepflegte oder zumindest bezopfte Langhaarfrisur, schönes Fahrrad und dergleichen mehr. Bloß eben diese Bierflasche und diese Schwerfälligkeit im körpersprachlichen und mimischen Ausdruck, die einen, unabhängig von der Uhrzeit, darauf hinweist, daß es sich nicht um die erste Bierflasche handelt. Das Subjekt bettelt auch nicht. Es steht vor dem Edeka und trinkt Paderborner Export, oder es sitzt mit Kumpanen, die freilich meist abgerissener aussehen, auf dem Sigi und trinkt Paderborner Export in der Sonnenglut, sofern vorhanden. Heute morgen konnte ich das Subjekt in kommunikativer Interaktion mit einem Weibe, das einen besetzten Kinderwagen dabeihatte, beobachten. Offenbar das eigene Weib, welches, wenn das überhaupt möglich ist, noch unpenneriger aussah.

Daß die Verbecher von der sogenannten Paderborner-Brauerei auch noch Export produzieren, als wenn sich irgendwo auf der großen weiten Welt jenseits des Hochstifts Paderborn irgendwer für ihr giftiges Abfallprodukt interessieren könnte, halte ich ohnehin für ein starkes Stück.

Heute morgen habe ich mein Zimmer aufgeräumt. Auch mal schön, selber morgens Krach zu machen und nicht immer die Leidtragende zu sein, wenn der Mitbewohner morgens das Geschirr einräumen zu müssen meint und dabei nachhaltig mit den Stühlen schurrt, ohne daß die hinterher ordentlicher dastehen als vorher. Schön auch, daß derselbige Mitbewohner hier im April sein Ränzlein schnüren muß, denn er hat nur ein Semester Aufschub nach dem Ablauf seiner Wohnheimzeit bekommen. (Es handelt sich um einen prototypischen Pädagogikstudenten, der es nach acht Semestern immerhin zu einer lockigen Langhaarfrisur und zum Vordiplom gebracht hat.) Der andere wohnt noch ein Jahr hier. D.h. hier werden und können andere Personen einziehen!

Heute tummelten sich ne Menge Psychos im Laden, na, da wars gleich etwas weniger langweilig! Der ExStudbär war ebenso vertreten wie die Lieblingsnachbarin, die leider nicht mehr meine Nachbarin ist, aber trotzdem immer die gefühlte Lieblingsnachbarin bleiben wird, und die außerdem so tolle Sachen sagte wie, daß ich nicht mehr abnehmen müsse, sondern genau so wie jetzt absolut zauberhaft aussehen würde usw. Es ist zwar nicht so, daß ich derzeit oder überhaupt jemals einen gezielten Plan zur Gewichtsreduktion verfolgt hätte, sondern eher ist das einfach verschwunden, aber trotzdem hört man ja ganz gerne, daß man gut aussieht. Zwar mußte heute, im Gegensatz zum letzten Montag, der Tag nicht gerettet werden, weil ich unerklärlicherweise gute Laune hatte, aber es schadet auch nicht. Genau wie die so unverhoffte wie leider unerfüllbare Einladung zum Kaffeetrinken, die in ein morgiges Mittagessen verwandelt wurde. Guter Montag, das. Und den Rest der Woche kann ich getrost mit Lernen verbringen und hoffentlich die Studien, die ich schon im Seminar seinerzeit nur lieblos und sporadisch gelesen hatte, endlich bezwingen. Dann bin ich nämlich wirklich gut in der Zeit.

Im nächsten Semester übrigens will ich zwei Vorlesungen in klinischer Psycholgie (einmal Kinder und Jugendliche, einmal Erwachsene) besuchen, obwohl ich die Prüfung bestimmt eh erst in zwei Jahren mache, und die auch noch jeweils morgens um acht sind. Außerdem, ebenfalls im Morgengrauen, bzw., da Wintersemester, davor, multivariate Verfahren. Außerdem gibt der Chef ein Lektüreseminar für neurowissenschaftliche Emotions- und Kognitionsforschung, auch vor dem ersten Kaffee (im nächsten Semester heißt es für mich: der frühe Vogel fängt den Wurm; obwohl, gibt ja nichtmal Scheine); Arbeits- und Organisationspsychologie wartet, und rein zum Spaß und aus Interesse möchte ich noch ein, studienplantechnisch völlig uninteressantes, Seminar zu chronischen Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter besuchen. Das Chaos hält an.

Sonntag, 17. August 2008

... und wieder isses Mitte August

Diversen unirdischen Institutionen sei Dank habe ich mich wieder für eine Prüfung entschieden. Was triebe ich sonst hier in Biele? Die Kumpanen sind fort oder auf Durchreise, der Laden will mich auch nicht so oft, und auf T3 ist es still geworden, seit die Cheffen im Urlaub sind und die Damen sich anderweitig auf halbe Stellen orientiert haben. Sogar das traditionelle Mittagessen (das in seiner konditionierten Abfolge immerhin den Weg in Vorlesung und Begleitseminar gefunden hatte) fällt mitunter aus, und wenn es dann doch stattfindet, straft es den fleischbrauchenden Organismus mit vegetarischen Tortellinis, Champignontaschen und ohne Thunfisch.

Wie im letzten Jahr fand der hiesige Christopher-street-day unter weitgehendem Ausschluß der sympathisierenden, gleichwohl heterosexuellen Öffentlichkeit statt. Das entwertet die Veranstaltung keineswegs, im Gegenteil zeigt mir das, daß es in einer Stadt wie Bielefeld, die ja immerhin über 300.000 Einwohner hat und von diversen Städten mit knapp 90.000 Einwohnern umzingelt ist (und trotzdem, man beachte als Brandenburger, in der eher dünn besiedelten Gegend NRWs liegt), im Alltag für Homo- und Transsexuelle nicht normal ist, in der Öffentlichkeit wahrnehmbar aufzutreten. Also ein kleines, feines Spektakel, bei dem man sich nur die ganze Zeit lang wünscht: warum können diese harmlosen und netten Menschen nicht einfach immer genauso entspannt ihrem Privatleben nachgehen, wie ich das tue (naja, oder genauso unentspannt...); sie tun doch keinem weh. Wichtige Beobachtung beim Straßenfest, 1.: Sunday Chocolate Club, die zwar ein bißchen mit diesem Amateurband-den-Baß-aufm-Monitor-lauter-bitte-Gehabe und dann noch einem wie-auch-immer-induzierten Techniktotalausfall nervten (statt souverän irgendwie weiterzuspielen), aber trotzdem coole Mucke ablieferten und dabei so gut wie gar nicht tuckig rumnervten. 2.: Es ist noch nicht zuende, aber in OWL wird der Platz frühzeitig gefegt. 3.: Schnorrer-Martin hat, wirbelsäulenschonend, eine Greife angeschafft, mithilfe derer er sich nicht mehr nach den Flaschen bücken muß, von deren Pfand er lebt. 4.: Es gibt Verbrecher, die ohnehin untrinkbares wie Porter mischen mit Substanzen wie Erdbeersirup, und man fragt sich, warum? 5.: Warum, warum ist hier dieses nette Straßenfest schon so dermaßen früh beendet? Aus Kompensationsgründen geht man ins natürlich Café Berlin und versucht, mit der offensichtlich ganz neuen Bedienung nicht zu hadern, obwohl das Radeberger aus ist. Später wird man an die unter freiem Himmel unbehindert stattfindende Mondfinsternis erinnert, immerhin 80%. Normalerweise verpasse ich derlei Termine immer, und als Kind haben mich die langen Intervalle, innerhalb derer derlei Veranstaltungen stattzufinden pflegen, immer genervt. Inzwischen habe ich ja das Gefühl, daß alle naselang sone Mondfinsternis ist, vielleicht meist nicht vollständig, aber gestern die mit den 80% war auch gut anzusehen und gab ein gutes Bild vom Kernschatten und dem Unterschied zur gewöhnlichen Halbsichel, den ich ja auch lange nicht verstand; man erinnert sich.

Mehr Bedarf an Wortschwall?

Es ist Sommer, es ist nicht besonders heiß, aber es hat seit zwei Tagen auch nicht besonders oft geregnet, und beim ausgehen habe ich nicht sehr viele Jacken an. Die gewaschenen Sachen trocknen relaitiv schnell vor sich hin, und heute lachte ich eine männliche Person aus, die mit der weiblichen Flamme im Arm unterwegs war und, bar jeglicher Taschen, einen knallroten Taschenregenschirm in der Gesäßtasche stecken hatte. Also, bei den nicht sooo umfangreichen Spaziergängen, die man hier in Biele so unternehmen kann, sollte man als Mann auch ohne Schirm auskommen (aber gut, das ist das harte Urteil einer Schirmabstinenten).

Ich bin back in the library, fuck the office! Trotz nachgewiesener Schlechtluft am Sonntag und Rechnerbedarfs. Ich habe nämlich sechs der 31 relevanten Studien begonnen, in einer Art Tabelle zusammenzufassen. Ich finde ja, ganz neutral, daß 31 zuviel sind. Aber gut, ich habe einmal (wiedermal) den Mund aufgerissen, also. Theoretisch habe ich ja alle schonmal gelesen, und an sich ist das alles natürlich nichts neues, aber ob ich in so einer mündlichen Prüfung auch gut die Transferleistungen hinkriege, tja, und wenn man so rumfragt, ist es schon sehr viel im Vegleich zu den anderen Prüfungen in forschungsorientierter Vertiefung. Und dann kommt ja das zweite Thema noch hinzu, das ich mir noch aussuchen darf. Im Moment will ich Angststörungen, da hab ich grad alles drüber gelesen, was ich später für die Klinische eh wissen muß. Wahrscheinlich nehme ich die; allein schon wegen der sympathisch anmutenden Diagnosekriterien, daß die Ängste für die Betroffenen selbst als irrational und befremdlich eingestuft werden.

Also alles im fast-forward-Betrieb, as usual.

Dienstag, 12. August 2008

Im Auge des Orkans

... oder wie auch immer der Vorname jenes Unwetters draußen* lauten mag, das sich schon während des Tages durch launig-heftige Kurzschauer ankündigte. Es blitzt heftig, es donnert fortlaufend, ohne daß ein Bezug zwischen einem einzelnen Blitz und einem zugehörigen Donnerschlag ausmachbar wäre. Dazu regnet es, daß man die Hälfte der Sahara schlagartig fruchtbar machen könnte, wenn sie sich zufällig am Fuße der einstigen Arndtstraße befände. Inzwischen plätschert unten ein fröhlicher Bach durchs Asphaltbett, und hier oben ist jemand erstens froh, hier oben zu sein, und zweitens, nicht dem Ruf der Methodenfröhlichen ins Milestones gefolgt zu sein, denn schwimmen am späten Abend ist mitnichten erquickend und labend. Ohne Nichten auch nicht.

* [man fragt sich lediglich, wo genau die Kölner Bucht zu verorten sei... ]

Montag, 11. August 2008

Der könnte auch von mir sein

außer daß es egal ist, ob Jungen oder Mädchen anwesend sind. Ja, ich habe auch ein Standardgesicht. Und obwohl ich die mit Abstand netteste Kassiererin weit und breit bin, hat bestimmt schon so manche Kundin den Laden mit dem Gedanken verlassen, von was für einer Bratze sie da schon wieder bedient wurde. Kann ich was für deren schlechte Laune? Nein, ich bin nicht schlecht gelaunt. Es ist nur, beim Selbstversuch vorm Spiegel habe ich festgestellt, wenn ich nach Selbstempfindung schon quasi den Clown im Gesicht hab, den es morgens zum Frühstück gab, guckt mich eine ernsthafte, fast mürrische junge Dame, die nichtsdestotrotz ständig für 22 gehalten wird, an. Deswegen habe ich es aufgegeben, ein Gesicht zu ziehen, und seh halt aus, wie ich ausseh, wenn ich keinen Gesichtsmuskelkater kriegen will.

Sonntag, 10. August 2008

Feels like Kangasniemi

Hier gibt es ja einige Städtchen, die miteinander um den tollsten Namen ringen, wobei sich das Spektakel für unostwestfälisch-Außenstehende teils grotesk aufführt. Neben Löhne, Bünde und Bad Salzuflen drängt sich dem unparteiischen Beobachter der sonst unauffällige Kurort Bad Oeynhausen ins Gemüt. Gleichermaßen grotesk die Bewohner der Stadt, deren Anblick es fertigbrachte, mich drei Tage lang nach Schwedt/Oder und am vierten Tage gar ins weiter entfernte Kangasniemi versetzt zu fühlen. Aber der Reihe nach.

Das Bad hat wohl heuristisch zusammengetragenen Informationen zufolge an die 60000 Einwohner, zu denen im Schnitt noch um die 35000 Kurgäste dazukommen. Es handelt sich also für mein brandenburgisch empfindendes Stadtgefühl um eine große Stadt mit einem großen Auftrag. Je zwei Einwohner pflegen, versorgen, fahren, unterhalten oder kurieren eine/n Kurgast/in. Wenn man vom Bahnhof mit dem Bus, falls der Busfahrer auch eintrifft bzw. die entsprechende Bushaltestelle findet, zwei Stationen weit fährt, kommt man an das Einkaufszentrum Werrepark, das mich, ich erwähnte es bereits, an den Oderpark in Schwedt/Oder erinnerte, whyalsoever. Lustigerweise vermittelte mir auch die faul und teils zeternd durch das Einkaufszentrum marodierende provinzielle Ureinwohnerschaft, möglicherweise durch dysfunktionale Umständlichkeit begünstigt, ein Feeling East, an dem nichts heimatliches, vertrautes, vielmehr viel schauriges und nicht-mehr-daran-erinnert-werden-wollen war.

Aber das idiosynkratische Erlebnis schlechthin hatte ich am Sonnabendmorgen im Bus. Are we crazy for taking the bus hat mal irgendjemand gesungen, das weiß ich aus einer Max-Goldt-Story mit von-Bus-zu-Bus-Umsteigen-Gehalt, aber wer das gesungen hat und warum, weiß ich nicht. Jedenfalls murmelte ich diese Zeile wie ein Mantra, aber unhörbar vor mich hin, während sich um mich herum das Gruselkabinett der vorgeblichen Erholungsstadt Bad O. versammelte. An den pflichtbewußten Alkoholiker mit seiner Gehbank und dem noch leeren, sorgfältig zusammengefalteten Einkaufsbeutel im Korb derselben, der offensichtlich jeden Morgen um elf mit dem Bus in den Werrepark fährt, hatte ich mich an den vorhergehenden drei Morgen gewöhnen können. Er stank auch nur mäßig. Sonnabendmorgen fährt schonmal ein anderer Bus mit mehr Platz für Kinderwägen und Gehbänke. Mehrere Personen versorgten die knappe Luft mit Gerüchen, die einem vormaligen Leichenschauhaus in der Präkühltechnikära sicherlich zur Ehre gereicht hätten. Ich vermied also das Atmen und verfluchte mich für meine Bequemlichkeit, nicht schon um zehn mit der Kollegin im Westfex* zu fahren und vom Bahnhof aus zu laufen, gleichzeitig dachte ich Are we crazy for taking the Bus, und Max Goldt beschwerte sich nur darüber, daß er von einem Bus in den anderen umsteigen mußte! Meine Lektion war gelernt: nicht am Sonnabend in einer Kurstadt in Richtung Einkaufszentrum fahren! Mann!

Und warum Kangasniemi? Das ist zwar meines Wissens nach kein Kurort gewesen, aber komische Ureinwohner schlurften dort auch zwischen den Supermarktregalen herum. Gebrechen aller Art wurden zur Schau gestellt, und so mancher Finne dünstete riechende Substanzen aus. Wie in einem Kuriositätenkabinett fühlten wir uns da. And so I did in Bad O.

* [Westfex = eigenkreationierte Abkürzung für Westfalenexpreß; einmal stündlich verkehrender Regionalexpreß zwischen Minden (Westfalen) und Düsseldorf bzw. Dortmund. Der andere RE, mit dem ich fuhr, ist ein niedersächsischer mit der Destination Braunschweig.]

Mittwoch, 6. August 2008

Berlin Survival

Widerspricht sich ja eigentlich schon. Wenn man da nicht immer jeden Tag lebt und zur Arbeit fährt und Freizeit bewältigt, frißt einen die Stadt entweder auf, oder man verbringt Tage á la Bielefeld, oder beides.

Immerhin war ich in Oranienburg, im Museum und am Faulen-, Oranke- und Obersee und befand bereits beim Strandbad Orankesee, daß das sicher das kleinste Strandbad Berlins, aber immernoch eine gefühlte Million mal größer als der blöde Obernsee sei, außerdem mit echten Strandkörben versehen. (Noch interessanter wird die Sachlage durch die Information, daß zwar der Orankesee glaub ich noch in Weißensee, was immerhin eine Art kulturell akzeptierter Stadtbezirk ist, liegt, aber spätestens ab Obersee, vom Naturschutzgebiet Fauler See ganz zu schweigen, strengstes Hohenschönhausen regiert.)

Perfekte Überleitung zum schönen Stadtbezirke-ins-englische-übersetzen-und-Konfidenten-dann-raten-laß-Spiel. Erstens schön, weil fremdsprachenkompetenzfördernd. Zweitens kann man gescheit kichern. Drittens kann man das Spiel ausdehnen auf Städte und Länder außerhalb Berlins. Hier mal ein paar Beispiele:

cow cash
true nice
shark-del mountain
spicy castle
there mouth
earls' wood
new burning castle

Aber auch Stadtbezirke- bzw. -teileraten kann becircen [soweit nicht bereits benannt]:

eagle's court

counting village
heads, nod! [schwer bis grenzwertig]

Auf jeden Fall ist es sehr gut, niemanden im Bekanntenkreis zu haben, der in einer Bar arbeitet, sonst würde man wahrscheinlich häufig dort am Tresen sitzen und die Umgebung mit lustigen Ratespielchen erfreuen.

Berlin, so las ich gerade in einem etwas veralteten, mich gleichwohl erfreuenden Magazin, sei die weltweite Hauptstadt der Spatzen. Und das, wo erst vor wenigen Tagen die Lieblingsfreundin äußerte, daß sie schon überall auf der Welt (und sie war schon ein bißchen mehr überall als ich) stets auch Spatzen traf. Spatzen sind jedenfalls, das ist jetzt ganz objektiv, süß und putzig, und ihre Art, piepsend um Portionen zu bitten, die möglicherweise größeninduziert (des Spatzen jeweilig) eh gering sind, ist außerordentlich erfolgreich. Oft sitzen sie anmutig auf der gegenüberliegenden Outdoorstuhllehne und piepsen. Da niemand in Berlin ernsthaft Tauben* Lebensmittel zukommen lassen möchte, ergeben sich häufig akrobatisch anmutende Kekskrümelwerfverrenkungen.

Wenn man mit dem Südring fährt, kommt man am Flughafen Tempelhof vorbei. Obwohl ich sicherlich die letzt- bis vorletzte Person bin, die einen Flughafen für Reiche favorisieren würde, bedauere ich die Schließung von Tempelhof, es sei denn, alles bleibt wie bisher. Ein Flugzeug starten oder landen sehe ich bei meinen gelegentlichen Südringfahrten ohnehin so gut wie nie. Aber der pure Anblick des Flughafens mit der geschwungenen Silhouette (übrigens nur eines von vielen mir persönlich bekannten Gebäuden, die den Anspruch haben, der jeweils größte Gebäudekomplex von Europa, der ganzen Welt oder sogar vons ganze Universum zu sein) macht berlingeil. Flach, und dann der ganze Schmonz: Potsdamer Platz, Fernsehturm, Forumhotel usw. Flankiert von diversen Rosinenbombern, die abseitig der Landebahnen vor sich hin rosten. Was aber richtig, richtig cool ist: Kein Flugzeug weit und breit, aber zwei Polizisten REITEN im Schrittempo (und dann meine ich auch Schrittempo = die hätten auch zu Fuß gehen können) einmal um den Flugplatz herum.

Immernoch Berlin: Habe unfunktional mein Hiwi-Gehalt im Globetrotter aufn Kopp gehauen für eine trotz Reduzierung immernoch sündhaft teure selbstaufblasende Isomatte und eine Jacke, die hoffentlich für den bielefeldtypischen Winter funktional sein wird. Es gibt also allseitiges demnächstiges Jackenverbot.

Heute (nicht mehr Berlin) war ich in Bad Oeynhausen als Unterstützung im dortigen Geschäft. Abgesehen davon, daß die mich nicht wirklich brauchten, gab es noch mehr Erinnerungen an damals Schwedt/Oder. Der komische Weg vom Bahnhof zum Einkaufszentrum; das für die Gegend sicherlich überdimensionierte Einkaufszentrum; die mangelhafte Auftragslage im Laufe der Schicht; noch schlimmere Provinz als Bielefeld. Das wird den Rest der Woche prägen, und dann fangen wir mal an für die nächste Prüfung.

* [Gemeint sind natürlich diese degenerierten, häßlichen und lästigen Vögel. Mit Gehörlosen teile ich gern mein Gebäck!]