Mittwoch, 27. Februar 2008

Everything but A1

Eben noch am Überlegen, ob ich diese, ja, verhaßte! Prüfung abblasen und mich dafür vermeintlich oder tatsächlich wichtigeren Dingen zuwenden soll, demonstriert mir der Konfident mithilfe seiner eigenen Prüfungsfragen, daß dieses Kind tatsächlich mal mit wenig Aufwand schaukelbar scheint. Fragen zum visuellen System, zu Gedächtnis und zu Einsichtsproblemen kann ich ohne weiteres erschöpfend beantworten.

Also sitze ich lieber, zunächst beschäftigungslos, im Büro. Ich sortiere mögliche Lernmaterialien. Ich schreibe die untenstehende Rezension von Persepolis. Mein lieber Kollege erzählt mir von den Kümmernissen Frischverliebter und ihren entsprechenden Hautproblemen im Lippenbereich. Die Kollegen schleppen uns zum Mittagessen ab, in dessen Verlauf hauptsächlich die den Prüfungen zugrundeliegende Menge an Prüfungsstoff in Landau vs. Bielefeld sowie das sich selbst ein Bein stellende Procedere auswendiggelernter Prüfungsfragen diskutiert wurde, ohne daß ich auch nur rot wurde. Mein geschätzter Aufwand für die Physio-Prüfung wurde als "offensichtlich exzessiv" eingeschätzt. Naja, dachte ich dann. Sonst säße ich wahrscheinlich nicht hier mit euch.

Plötzlich trudelte richtig Arbeit rein. Mein scheinheiliges Angebot, als Ausgleich für mein andersarbeitsinduziertes Nichterscheinen bei der TeaP-Generalprobe diverse Poster und dergleichen korrekturzulesen, wurde prompt mißbraucht in Form eines "Bitte schau Dir das mal kritisch an und korrigier was immer Dir auffällt. Bitte nicht von der Farbe erschrecken lassen [...]" Für meine Arbeit an diesem Poster habe ich ein fettes, positives Feedback bekommen samt Ausblick: 1. Du stellst bald auch mal eins vor, 2. ein richtig gutes, das nicht von einer drittsemestrigen Hilfskraft zurechtgefummelt wurde, 3. Danke!

Tja, der Plan, auf T3-2xx unentbehrlich zu werden, verwirklicht sich selbst, und das ganz ohne spürbaren Aufwand für mich. Ich finde es ja schon grenzwertig, dafür überhaupt Geld zu bekommen (obwohl es nun auch nicht unirdisch viel ist), denn der Nutzen ist jenseits von kurzfristigen finanziellen Zuwendungen immens.

Naja, und des tut gut, des ausgesprochene Lob.

Aha, ja, insgesamt: Marburg/ TeaP kommt - Ticket ist gekauft.

Persepolis

Oder:
Was Sie schon immer über den Iran wissen wollten.
Marjane Satrapi, im Iran geboren und aufgewachsen, erzählt die anrührende, mitreißende und oft traurige Geschichte ihrer Kindheit in einem von Krieg, Diktatur und religiösen Wahn gebeutelten Land. Persepolis ist die äußerst gelungene Verfilmung ihres ebenfalls aufsehenerregenden, gleichnamigen Comics. Sehr schön gezeichnet, in klaren Bildern, meist schwarz-weiß, was die düstere Atmosphäre noch unterstreicht; dabei sind die Figuren so lebendig, daß es mir jetzt, in der Erinnerung, vorkommt, als hätte ich einen Spielfilm gesehen. Die große Stärke des Films ist freilich der freundliche Humor, mit dem die Figuren jenseits ihrer häufig tragischen Schicksale begleitet werden. So gerät man immer wieder ins Lachen, während man sich noch verstohlen die Tränen aus den Augenwinkeln wischt.

Hinterher gemischte Gefühle: wie gut geht es uns eigentlich - kein Krieg, kein Hunger, keine religiös-fanatischen Sittenwächter; in einer Diktatur fehlt einem die Luft zum Atmen; auch unter einer wie auch immer gearteten Repression bricht sich das Bedürfnis nach einem "normalen" Leben Bahn.

Im übrigen ein toller, wahrer Satz der umwerfenden Großmutter (im französischen Original übrigens von Catherine Deneuve gesprochen): Die Angst macht uns zu Feiglingen.

Das ganze genossen mit bestdenkbarer Begleitung im Intimes, dem schönsten und besten Kino Friedrichshains, ach was, Berlins! - in einem Multiplex und mit ohne oder den falschen Begleitpersonen hätte ich den Film eher ungern gesehen. Im übrigen auch schlecht geeignet für Personen, die eh schon in mieser Stimmung sind. Da kommen die witzigen Stellen nicht gegen an.

Dienstag, 26. Februar 2008

Merkwürdige Entdeckung:

Die komplette Musik des aktuellen Radiohead-Albums (inkl. B-Seiten) paßt wunderbar zu dem uralten (50er-Jahre) Stanislaw-Lem-Roman "Gast im Weltraum". Sphärische Klänge und hehre Visionen; Menschen, die den Weltraum erkunden wollen, aber zumeist mit sich und ihresgleichen konfrontiert sind - dazu kann man keine Popmusik hören. Geplante Weltraumerkundung, zumindest in den früheren Visionen, in denen digitale Technik noch undenkbar schien und deshalb nicht gedacht wurde, war genau so wohlkomponiert wie diese anrührenden, zarten und gleichzeitig energisch auf ihrem Recht aufs Dasein beharrenden Regenbogenklänge.

Montag, 25. Februar 2008

Schafe, Fußball, Zeichentrick

Dergestalt kann der gestrige Sonntag zusammengefaßt werden.

Der Rockstar predigte über das verlorene Schaf. "Welcher Mensch ist unter euch, der hundert Schafe hat und, so er deren eines verliert, der nicht lasse die neunundneunzig in der Wüste und hingehe nach dem verlorenen, bis daß er's finde?" [Lukas 15, 4] Danach Ortsbegehung am Strandbad Rahnsdorf. Der Müggelsee lag da wie Quecksilber. Am Strande lagen Muscheln und die Steine, aus denen die Hühnergötter sind.

In der Wilden Dreizehn gab es Bayern München gegen den HSV, ein mittelmäßig interessantes Fußballspiel mit zwei Toren und vielen Gelben Karten. Bundesligafußball, naja. Zuviel Routine für die Spieler. Ich freue mich schon auf die EM. Satz des nervigen, Statistiken erbrechenden Kommentators: "Hier wurde Luca Toni hart genommen."

Danach Persepolis im Intimes. Toller Film, Rezension folgt.

Sonntag, 24. Februar 2008

you knew that this would happen

Night falls and towns become circuit boards
We can beat the sun as long as we keep moving
From the air, stadium lights stand out like flares
And all I know is that you're sat here right next to me

We rarely see warning signs in the air we breathe
Right now I feel each and every fragment

This paper trail leads right back to you
You say you need me to step outside
You spent the evening unpacking books from boxes
You passed me up so as not to break a promise
Scattered polaroids and sprinkled words around your collar in the long run
Said you knew that this would happen

Well this is something new but it turns out it was borrowed too
Why does every let down have to be so thin?
Rain explodes at the moment that the cab door closed
I feel the weight upon your kiss ambiguous

You have to leave, I appreciate that
But I hate when conversation slips out of our grasp

You spent the evening unpacking books from boxes
You passed me up so as not to break a promise
Scattered polaroids and sprinkled words around your collar in the long run
Said you knew that this would happen

Two bodies in motion
This is a matter of fact
It wasn't built to last

Two bodies in motion
This is a matter of fact
It wasn't built to last

You spent the evening unpacking books from boxes
You passed me up so as not to break a promise
Scattered polaroids and sprinkled words around your collar in the long run
Said you knew that this would happen

The pounding rain continued it's bleak fall
And we decided just to write after all, after all

The pounding rain continued it's bleak fall
And we decided just to write after all

[books from boxes - maximo park]

Donnerstag, 21. Februar 2008

Hauptsache nicht verrechnet

So, Statistik gerockt. Mal sehen ob es gereicht hat. Immerhin wußte ich meistens irgendwas zu rechnen, und im post-Prüfungsvergleich mit den anderen scheinen sich zumindest einige Werte zu ähneln, also. Der Methodenexperte ist jedenfalls ein unterhaltsamer Prüfungsdurchführer.

Wenn man im Limerick ein kleines Guiness bestellt, bekommt man eine Art Spucknapf gereicht, in den auch nicht viel mehr Flüssigkeit hineinpaßt als in einen solchen. (Bild folgt vielleicht mal.) Ich habe da Holsten getrunken, das ist ja eklig! In der Stadt des Herforder-Regimes ein Alternativbier auszuschenken, das noch schlimmer ist als der Diktator selbst, das ist bescheuert. Nie wieder Limerick!

Ab in die, was Bier betrifft, demokratische Hauptstadt!

Dienstag, 19. Februar 2008

Eine richtige Entscheidung am Tag

Meine Gemütszustände alternieren seit einer Woche von Tag zu Tag, d.h. einem guten Tag folgt ein schlechter, darauf folgt wieder ein guter usw. Schön, daß es mir heute mal gut geht; nur blöd, daß ausgerechnet morgen die Prüfung ist.

In einer Ablenkungsphase, die ich im Büro mit Protokollschreiben zubrachte, wurde ich von der Arbeitseinheit ins Westend geschleppt. Dort gab es Cordon Bleu und allerlei Berichte von der heute stattgefundenen Physioprüfung sowie diversen mündlichen Prüfungen der letzten Tage. Auch Anekdotisches. Es ging also nicht um Normalverteilungen, t-Tests, Signifikanzniveaus und Gütekriterien. Vom Betafehler ganz zu schweigen. Es war herrlich. Danach habe ich nur noch rechnen lassen und gelegentlich, zur Veranschaulichung, Kurven aufgemalt.

Herr Stemmler meinte jedenfalls zu mir, als ich ihn heute morgen auf dem Gang traf, daß ich ja sicher gut vorbereitet sei und mich nicht sorgen müsse. Nicht daß er das irgendwie einschätzen könnte (und nicht daß das irgendwie stimmen würde), aber es hat mich doch auch aufgebaut.

Jetzt gehe ich einfach nach Hause, lese den nächsten Maigret-Roman zuende und lege mir den Bortz unters Kopfkissen. Morgen von 12 bis vier dürfen die Daumen gedrückt werden. Diesmal, ja diesmal muß man mir auch Glück wünschen.

Sonntag, 17. Februar 2008

Wenn Berliner* feiern

Gestern weilte ich auf der Einweihungsparty der WG meiner Schwester, welche sich ja für das Studium der Klinischen Linguistik entschieden hat und infolgedessen ebenfalls ein Domizil in der schönen Stadt Bielefeld bezogen hat. Bezeichnenderweise ist sie mit einer netten Dame aus Neuruppin zusammengezogen, also, der Hase läuft. Auf dem Fest waren vor allem Damen und Herren aus Berlin zugange, darunter auch Ehrenköpenicker und mein aktueller Untermieter der Friedrichshainer Butze, der mir auch sofort einen Schlüssel aushändigte. Sieht also so aus, als besäße ich demnächst gleich zwei Schlüssel zu entsprechenden Destinationen in Berlin. Jedenfalls, als ich bierinduziert schon längst meinen Heimweg antreten wollte, traf der Decision-making-Konfident mitsamt dem Geschichtswissenschaftler und dem StudBär und seiner Freundin ein, das war noch recht lustig. Hoffentlich fanden die mich auch noch lustig.

Wie es sich gehört, schworen sich die beiden Mitbewohnerinnen ewige Treue bis ans Grab.

Heute war dann frühstücken im Café Berlin angesagt. Da ist der Name Programm, dachte ich ja schon beim letzten Mal, als ich mit dem Rockstar hier war und wir beinahe verdursteten, weil die keineswegs ob der unübersichtlichen Gästeschar überforderte Kellnerin es zuwegbrachte, unsere Bestellungsbemühungen vollständig zu übersehen. Also. Wenn sonntagmorgens ca. zehn Personen in mein Restaurant stolpern, dann ist das doch so, als sei der Geldautomat auf autorun gestellt. Da muß man nur nett und freundlich, aber unaufdringlich Wünsche erfüllen. Der Rubel rollt dann ganz von selbst. Aber nun. Nicht genug Brötchen gebracht? Daumen in den Milchkaffee getaucht? Zuviel berechnet? Schnippisch bis besserwisserisch reagiert? Sieht nicht gut aus für eine Weiterempfehlung... Und dann das Ding mit der Apfelschorle. Ich bestelle eine. Kurze Zeit danach meine charmante Nachbarin auch. Es ist auf dem Photo nur mittelmäßig zu erkennen, aber die Farbe des Getränks war eine ganz andere! Wie geht das denn?

Nun aber zum unstrittigen Highlight des Wochenendes: Nette Personen haben bei ihrer Anreise aus Berlin das Kraftfahrzeug benützt und in diesem Zusammenhang Transportkapazitäten genutzt, um mir die erste Stereoanlage meines Lebens nach Bielefeld zu bringen. Einige Umbauarbeiten in meiner bescheidenen Hütte waren vonnöten, um das schwere Gerät in Stellung zu bringen, aber meine Ohren freuen sich bereits den ganzen Abend lang. Über die Aktivboxen am Laptop ist mir doch allerlei Hörgenuß entgangen, bislang. Und der Rums hinter der Anlage beschallt auch die ganze Wohnung. Also: Kategorie gut&schön. Und vielen Dank an den Schenker!


Der Rest des Tages: Halbherzig doch noch in die Uni und Vorlesungsfolien und Skript vom ersten und zweiten Semester angeguckt (mehr nicht). Dann kam der eine Konfident und bastelte einen Flyer, naja, da wars dann auch schon wieder vorbei. Also mal sehen - besonders viel gemacht habe ich nun ja nicht. Aber abmelden kann ich mich auch nicht mehr, also kann ich auch einfach mitschreiben und sehen, was dabei rauskommt. Gut gewappnet fühle ich mich nicht gerade, aber was soll das Gehadere. Gegenüber denjenigen vielen, die viele, viele Stunden gelernt, gerechnet und gebangt haben, wäre es schon unfair, wenn ich bestehen würde. Aber nun, so ist das nunmal.

* Es sind nicht die gleichnamigen Pfannkuchen* gemeint!

* Es gab gestern auch eine hiesige nette klinische Linguistin, die glaubhaft versichern konnte, daß sie die Zeitangabe "Dreiviertel zwölf" für schlüssig und verständlich halte. Das ist leider die absolute Ausnahme hier. Die meisten können sich zwar drei Viertel einer Torte vorstellen, aber nicht drei Viertel einer Stunde.

Samstag, 16. Februar 2008

Unverändert

Die Sonne scheint, die Februarkälte hat den Weg gefunden und läßt mich die Mütze rauskramen. In der Uni sind die Ferien ausgebrochen, was man vor allem an den fehlenden zusätzlichen Straßenbahnen und am noch mangelhafteren Mensa-Angebot merkt. Inzwischen habe ich es mir abgewöhnt, im Glaskasten die jeweiligen Produkte der Panadetechnik und Soßenverklumpung zu bewundern, und ich marschiere schnurstracks in die Salatbar.

Ich möchte nicht viele Worte über psychologische Methodenlehre und Statistik verlieren - ich bin einfach nur froh, wenn die Prüfung vorbei ist. Ich bin grad nicht so in Prüfungslaune. Und daß mich auf meine alten Tage nochmal die Wahrscheinlichkeitsrechnung einholt - ehrlich, das war das einzige, von dem ich mir nachm Abi SICHER war, daß ich mich damit NIE WIEDER befassen muß. Gut, da muß ich jetzt durch, und nachdem mir gestern die Konfidentin die Übungsaufgaben erklät hat, ist es schon besser geworden. Alles wird gut, hoffentlich.

Mittwoch, 13. Februar 2008

Von Minden über Feinbäckerei nach Friedrichsfelde

Mit dieser Tafel ist über Minden (Westfalen) tatsächlich alles gesagt. Stolz prangt sie am Bahnhofsgemäuer.

Vor solchen Feinbäckereien bildeten sich einst lange Schlangen, da es dort richtig leckere, hundertprozentig selbstgebackene und frische Schrippen gab. Nun sehen die Feinbäckereien alle so aus wie dieses Lichtenberger Exemplar, und statt dessen kaufen die Menschen in franchisierten Spätverkaufsstellen mit Ofenanschluß trockene, aus Fertigsubstanz zusammengerührte und im Hightech-Ofen aufgeblasenes Krümelwerk. Vasteh ick nich.

Bei Westwind wohnt man in Reinickendorf direkt in der Anflugschneise von Tegel. Das wertet die Immobilien bestimmt gut auf. (Hinweis: Auf dem Bild ist ein landendes Flugzeug versteckt.)

Die Wendeschleife der früheren Linie 13 am Blockdammweg. Interessant, daß erstens eine banale Wendeschleife der BVG als Privatgrundstück ausgewiesen wird, daß zweitens ein farblich degeneriertes Parkverbotsschild den Hinweis unterstützen soll und daß es drittens weit und breit gar keine Möglichkeit gegeben hätte, die vollkommen von Unkraut überwucherte und mittels eines Zaunes geschützte Wendeschleife zu befahren oder gar zu beparken.

Es war in Berlin so warm, daß sogar die Bienen aus ihren Stöcken herausgelockt wurden. Abgesehen davon habe ich auch schon sehr lange nicht mehr eine dieser farbenfrohen Hobbyimker-Hüttchen gesehen. Süß.

Lichtenberg, die Hochburg der internationalen Völkerverständigung, verschreibt sich offenbar dem Projekt einer Weltsprache. Außerdem zu sehen (links oben an der Brandmauer): Eine ins gefährlich tiefe Nichts führende Tür. Davon hatten wir zwei Tage zuvor viele in Schulzendorf gesehen und hielten das für eine Nordoderbruch-Marotte. Naja, Lichtenberger und Nordoderbruchler sind ja vielleicht auch im Geiste irgendwo verwandt, nöch.

Zur Abrundung des wochenendlichen Kulturprogramms besuchten wir den Zentralfriedhof Friedrichsfelde, wo auch große Teile der sozialistischen Prominenz beerdigt sind und auch immer die Karl-Liebknecht-und-Rosa-Luxemburg- Gedenkfeiern stattfinden. Beim Lesen der Namen an den vielen Gedenktafeln kommt es einem vor, als blättere man sich durch ein (Ost-)Berliner Straßenverzeichnis. Alles alte Bekannte.


Dienstag, 12. Februar 2008

All about Schulzendorf

Einer der Nachteile der brandenburgischen Gemeindegebietsreform besteht vermutlich darin, daß nun jeweils eine Großgemeinde bzw. Stadt über mehrere Dorfstraßen (Ernst-Thälmann-Straßen, Hauptstraßen) in verschiedenen, früher unabhängigen Ortsteilen verfügt. Wenn man also die Dorfstraße 23C in Wriezen sucht, diese aus irgendeinem Grund in dem früher selbständigen, nun Wriezen zugeschlagenem Schulzendorf vermutet und sich zum Behufe des Aufsuchens der höchstselbigen Hausnummer nach Schulzendorf bei Wriezen (Nordwest-Oderbruch bzw. südliches Nordost-Brandenburg) begibt, wird man feststellen, daß es sehr wohl Nummer 21, 22, 24 und 25 gibt, aber keine 23. Von 23C ganz zu schweigen. Nur Schelme und Verschwörungstheorien-Anhänger vermuten hier eine Verschwörung. Glasklar war, daß doch die 23 irgendwo sein müsse. Dorfbewohner zu befragen gestaltete sich ziemlich schwierig, da es entweder keine gab oder aber ein unterirdisches Tunnelsystem existierte, durch das die Schulzendorfer zueinander gelangten, oder sie gingen einfach nicht aus dem Haus. "Irgendwo dahinten" war die einzige, lapidare Antwort, die wir einer knapp Zwanzigjährigen mit gut sichtbaren Fettreserven zwischen Jacke und Hose entlocken konnten. Ganz so unpräzise war die Antwort denn auch nicht. "Irgendwo dahinten" gab es nämlich auch ein Lüdersdorf, ebenfalls zu Wriezen eingemeindet, und auch Lüdersdorf verfügte über eine stattliche Dorfstraße, die allerdings gut versteckt war. Die Lüdersdorfer Dorfstraße verfügte nicht nur über eine 23C, sondern auch 23A, B, usw. bis F. Wir waren also am Ziele.

Wenn in Schulzendorf die 23 nicht gefehlt hätte, hätten wir nicht fünfmal wie Falschgeld auf der Dorfstraße auf- und abflanieren müssen, begleitet von asthmatischen Gebell brandenburgischer Hofhunde und den raschelnden Gardinen hinter den kleinen Fenstern, von wo aus das arg merkwürdige Treiben offensichtlicher Großstädter stark beargwöhnt wurde. Im Nachhinein waren wir noch ganz dankbar, daß unser Kraftfahrzeug mit BAR und nicht mit B gekennzeichnet war.

Mittwoch, 6. Februar 2008

... und abgehakt [hoffentlich]

Obwohl es in der ersten Aufgabe eine m.E. etwas spitzfindige Gemeinheit gab (die ich aber offensichtlich aufdecken konnte), fand ich die Klausur nicht besonders schwer (alle Aussagen unter dem deutlichen Vorbehalt des Irrtums, d.h. "trotzdem nicht bestanden"). Also, das Vordiplom in Methodenlehre kann kommen (auch wenn ich in den nächsten sechs Tagen vermutlich nichts bis gar nichts dafür tun werde); mein mathematischer Sachverstand scheint auszureichen, um Fragestellungen in Formeln transformieren zu können.

Interessanterweise hätte ich ja nun die Zeit, in der ich nicht für die lineare Regression gelernt habe, obwohl ich dafür Zeit gehabt hätte, bereits für A1 nutzen können; hab ich aber nicht. A1 wird also zum Abenteuer. Wenn ich beim Konfidenten so lese, was da alles auf mich zukommt, glaube ich nicht so recht an Erfolg. Egal, egal.

Das Schlimme am Tag war nicht die Klausur; anstrengend war das morgendliche Literaturzirkelchen TROTZ Kaffee und Kuchen, weil der Chefentscheider stundenlang über Impact von Journals und das Peer-review-Verfahren referierte, ohne damit irgendwelche Fragen zu beantworten (Können Sie denn Namen nennen von angesehenen Journals? Blabla, blabla... Namen! Ich will Namen! Ja... Science ist ne gute Zeitschrift, Nature... Usw. Obwohl: lustig war ja folgender Satz: Wir zititeren Nature und Science, Sozialpsychologen zitieren Nature und Science, und Pädagogen, wenn sie denn publizieren würden, würden auch Nature und Science zitieren.), und als wir dann endlich zur Evaluation schritten, mußten der Konfident und ich zur Klausur schreiten und konnten gar nicht mehr richtig teilhaben. Weiterhin anstrengend war der mit für mich unkonstruktiven Unterbrechungen dreistündige Abteilungsausschuß. Immerhin habe ich mit den letzten Kräften das Paper fertiggemacht, somit ich nunmehr in fröhliches post-Statistikklausur-Feiern sowohl als auch in ein schönes langes Berlin- und Rockstarwochenende gehen kann.

Aloha!

Sonntag, 3. Februar 2008

Endlich verstehen: Lineare Regression

Es ist wie bei der Varianzanalyse: Auf den letzten Metern schaffe ich es doch noch, in all dem einen Sinn und so etwas wie einen roten Faden zu entdecken. Ich würde mich jetzt zwar nicht gerade als Meisterin der Linearen Regression bzw. der Klassischen Testtheorie bezeichnen, aber immerhin fühle ich mich seelisch und moralisch in der Lage, ein paar Items zu analysieren, die interne Konsistenz anzugeben und eine Regressionsgleichung zusammenzubasteln. Letzteres wurde deutlich vereinfacht durch den gestrigen Hinweis meiner geschätzten Nachbarin, daß das eigentlich alles der Taschenrechner kann. Man muß nur die Wertepaare fehlerfrei eingeben. Das hat mir meinen Taschenrechner gleich nochmal näher- und meiner Nachbarin hochgradige und lebenslange Sympathie und Verehrung eingebracht.

Nachdem wir gestern eine Beispielaufgabe erfolgreich (Taschenrechner!) durchgerechnet haben, verbrachten wir den Rest des Abends mit Weißweinsahnesauce, Nudeln und dem Schwesterherz. So schön kann Klausurvorbereitung sein! Einzig getrübt durch das Eintrudeln einer Mail mit diversen Anhängen - eine weitere Revision darf bearbeitet werden. Ich fahre also doch erst am Donnerstag nach Berlin, nun gut. Reicht ja.

Donnerstag, 31. Januar 2008

In Regenbögen

Radiohead galt in den Kreisen, in denen ich Sozialisation erfuhr/suchte, lange Zeit als theoretisch toll, aber praktisch unhörbar. Hörproben bestätigten das oft. Daher befaßte ich mich lange Zeit gar nicht mit dem Werk von Radiohead, genauso wie ich mit dem Output von Sonic Youth oder Wolfgang Amadeus Mozart verfuhr. Erst kürzlich wurde mir im Gespräch mit dem Bruder eines Radiohead-Verehrers bestätigt, daß es ganze Platten gebe, die man eigentlich nicht anhören kann. Nun aber In Rainbows. Nachher ärgert man sich ja oft, und in diesem Falle muß ich mich selbst geißeln und für bescheuert erklären, daß ich das Album nicht auf dem völlig legalen Wege via Internet und Kasse des gegenseitigen Vertrauens erwarb. Aber nun, ich schwöre baldigen Kauf der CD zwecks nachträglicher Legalisierung des Besitzes dieser sphärischen, konzentrierten, unaufgeregten und sanften Musik. Nichts zum Tanzen, keine träumerischen Liebeslieder, und textmäßig geht es wahrscheinlich (ich habe das noch nicht überprüft, aber wer kann, der darf) um vergebene Gelegenheiten, um ungelebte Leben, um Unvollkommenheiten... und all das ist sehr anrührend, sachte und zurückhaltend intoniert. Kurzum - vielleicht paßt es auch gut zur momentanen Verfaßtheit und Stimmung, aber ich möchte dieses Album allen ans Herz legen, die unterwegs sind und mal eine Pause brauchen, die über mehr nachdenken als die aktuelle Superstars-Staffel, die mit Musik schweben können und wollen, für die Musik mehr ist als das Hintergrundgedudel beim Geschirrspüler-ausräumen. Trotz Zartheit steckt in In Rainbows mehr Kraft und Energie als in zwanzig Eurodance-Samplern. (Insofern erinnert es mich an die musikalische Gewalt von Portishead oder frühen Morcheeba-Sachen.)

Also: Kaufen, kaufen bzw: HÖREN HÖREN!!

Mittwoch, 30. Januar 2008

TeaP-Vortreffen [gestern]

Also, die TeaP wird ein Kracher. Topmotivierte, unausgesetzt albern kichernde und Rotwein in, wenn nötig, rauhen Mengen verdrückende Decision-maker in schwarzen T-Shirts mit dunkelgrauen Aufdrucken und entsprechenden Basecaps machen sich auf den Weg in die Jugendherberge von Marburg. Dort gibt es hoffentlich abschließbare Badezimmer und ein möglichst großzügiges Mehrbettzimmer für den Berlinabtrünnigen. Der Gesellschaftsabend wird genknickt ("Schön, dann spart man sich das Gelaber"), die Vorträge werden mittels Generalprobe geprobt ("Du wolltest ja nicht, dann bist du eben das kritische Ohr und hast jede Menge wertvoller Anregungen") und die Poster könnten eigentlich ein einheitliches Design haben ("Wir dachten da an Rosa"). Der etwas überaufmerksame Kellner scharwenzelte die ganze Zeit um uns herum, vergaß aber die Extraremoulade ("Wie, keine Mayonnaise? Dann hätte ich gerne noch so was Weißes wie das hier, nur ohne Grün") und den Ketchup, brachte Kölsch statt Cola und sparte nicht mit Bemerkungen wie "Ja, Sie sind ja öfter hier, das mach ich dann wieder gut." Zwischendurch gab es Exkurse, zum Beispiel zum Thema "Als ich damals im Fernsehen war." Wie sich herausstellte, waren fast alle schonmal im Fernsehen, und allermeistens im Zusammenhang mit HJMs Auftritten als Ritter des gläsernen Hirns bzw. als sein Stellvertreter, als er in Delmenhorst weilte. Laut wurde der Umstand beklagt, daß der Hauptkonfident für die Drehe am Magnetresonanztomographen Bielefeld zugunsten einer knapp attraktiveren Stadt den Rücken kehrte, woraufhin die anderen Hiwis notgedrungen den Kopf im Sinne einer Wissenschaft für den einfachen Menschen daheim am Schirm hinhalten müßten. Der Dreh, den ich übrigens absagte, wurde im übrigen komplett abgesagt, also, naja, dann hätte ich natürlich auch Ja sagen können... hab ich aber nicht, basta.

Der Rest ist unspektakulär. Nächste Woche schreibe ich meine Scheinklausur in Testtheorie, wenn ich die versemmel, schreib ich sie eben nochmal. Dann ist zwei Wochen Ruhe, bis zur Vordiplomsklausur. Dann ist gar keine Ruhe, denn in knapp vier Wochen möchte der Stoff für die Allgemeine I verinnerlicht werden, hehe. DANN ist Ruhe. Im Sommersemester kann ich machen, was ich will. Viel oder wenig, öd oder spannend, intensiv oder ausschweifend... mal sehen.

Montag, 28. Januar 2008

Mittagspause extended

Bei der Salatbar trotz Schnitzel locker unter zwei Öre geblieben und pappensatt. Illustrativ zum Essen gescheite Erläuterungen zu den technischen Nachteilen von Tiefkühlgemüsen. Ausgedehnte Berichte von glücklichen Kindheiten in ländlichen Gegenden mit Kühen und Schweinen und Pferden und dergleichen mehr. Beim Kaffee folgen ausgedehnte Betrachtungen der Vor- und Nachteile sowie Charmantitäten bestimmter Dialekte. Wörter, die es nur im Schwäbischen gibt, wie xelsse (marmelade). Sprachmelodien. Fragen wie "Differenzieren Sie zwischen 'b' und 'p'?" Antworten wie "'Überkompensation' heißt das wohl bei den Sprachpsychologen, wenn man dann wahllos an den unsinnigsten Stellen das stimmhafte 's' einsetzt."

Muß auch mal sein, so was, sagt gerade die Chefentscheiderin.

Sonntag, 27. Januar 2008

Schwimmende Streifenhörnchen

Im Café Berlin gibt es so ein längliches Aquarium, in welchem zwischen algigen Steinen Fische herumschwimmen. Die einen haben so eine Doppelschwanzflosse, die anderen sehen barschig aus. Die meisten von ihnen stehen quasi immer an der selben Stelle dumm herum und öden an. Einer aber war rechts oben an der Oberfläche unterwegs und schluckte Luft, die er später und tiefer quasi lautlos rülpsend wieder von sich gab. Es war zum Totlachen. Dann kam plötzlich von weiter hinten ein flosselndes Streifenhörnchen angeschossen und attackierte Rülpsi auf das heftigste. Später lag das Streifenhörnchen auf der Lauer wie eine zum finalen Sprung entschlossene Katze und wartete auf eine weitere günstige Gelegenheit, um Rülpsi wieder eins auszuwischen, da kam eine gelbe Erscheinung von links herbei wie die schnippische Ehefrau, gleichsam "na, liegste wieder bei Müllern auf de Lauer?" in den Raum werfend und wieder abzischend. Sofort hatte das Streifenhörnchen seine ursprünglichen Pläne vergessen und schwamm mit schuldbewußt gesenktem Kopf zurück nach links, während Rülpsi seinem zumindest fragwürdigen Tagwerk dicht an der Wasseroberfläche ungestört weiter nachging.

Der Tatort war bestimmt nicht annähernd so spannend.

Kurzüberblick

Tja, in der letzten Woche habe ich erstmalig einen Artikel zur endgültigen Druckreife gebracht. Letztes Korrekturlesen (erstaunlich, wieviele Setzfehler es gab!), zwanghaftes Zahlenüberprüfen, übergenaues Prüfen des Korrekturformulars (und ja, auch darin sind nochmal Fehler drin!). Vier Augen sehen mehr als zwei. Und dann endgültiges Absenden. Done.
Leider nicht mein eigener.
Dafür habe ich fürs Hiwitum endlich auch mal Geld bekommen. Komisch - ich freu mich natürlich über Extrageld, aber die Arbeit ist so interessant und bringt mir derart Erkenntniszugewinne, daß es mir gar nicht wie Arbeit vorkommt. Naja, um so schöner, wenn man mal Geld fürs Lernen bekommt. Kann man schöne Sachen mit machen, zum Beispiel zur Tagung experimentell arbeitender Psychologen fahren, für die ich mich gerade angemeldet habe. Jep. Es fährt also eine kleine Decision-maker-Delegation aus Bielefeld und der temporäre Berliner Ableger der Truppe dahin. Das verspricht interessant und lustig zu werden.

In zwei Wochen werde ich wahrscheinlich endlich mal wieder in der Hauptstadt sein; merkwürdig lang erscheint mir die unfreiwillige Abstinenz, wo ich im Dezember ja fast mehr dort als hier war. Also Februar, und dann auch gleich zweimal für jeweils länger. Und wehe, es ist im Februar nicht knackend kalt dort! Ich hatte erst einmal eine Mütze auf, so geht das nicht weiter mit dem Wetter!

Weitere Projekte: Ich bin gewillt, mich bei Villigst zu bewerben. Alte Pastorenbekanntschaften ausgraben, einen peppigen Bericht über das letzte Studienjahr schreiben, ein gutes Gutachten an der Uni bekommen, und es einfach versuchen. Mehr als ablehnen könnse ja nich. Wär nicht schlecht, so 525 Öre Stipendium plus Bücherchengeld... Dazu noch ein passender Hiwijob, und: läuft. Abwarten. Weiterhin wollte ich eigentlich Wohngeld beantragen, aber da muß ich erstmal beim Bafögamt rausfinden, ob die einem auch einen unbürokratischen Nullbescheid verpassen oder man tatsächlich selbst bei eklatantester Verletzung der Förderkriterien den ganzen Schmonz komplett durchziehen muß mit Elterneinkommen und dergleichen. Dann mach ichs nicht. Nicht für geschätzte 19 Öre. Tja, und dann will ich mir noch eine CD kaufen, weiß aber noch nicht, was für eine, und endlich die Uni-Bielefeld-Jacke, die ja eigentlich als Physio-Belohnung vorgesehen war, naja, das wird sie ja nun doch noch irgendwie. Denn der Note in der Klausur verdanke ich den Hiwijob, und diesem wiederum das erfreuliche Zusatzeinkommen, das sich (s.o.) neuerdings auf meinem Konto tummelt. Mehr Projekte? Ach ja, Statistik *gulp*. Läuft. Am Freitag habe ich alle Übungsaufgaben zur Regression gerechnet, also es wäre noch euphemistisch ausgedrückt, wenn man popeleinfach sagen würde. Es steht alles in der Formelsammlung! Unfallfreies in die Formeln einsetzen und korrektes Eingeben in den Taschenrechner, nun ja, das sollte man doch hinkriegen! Morgen rechne ich die Testtheorie durch. Bleibt A1*. Das ist wirklich blöd. Da bleibt nur, Prüfungsfragen zu lernen, und aus.

Jetzt ab ins Café Berlin, Schwesterherz.

* [A1: Allgemeine Psychologie I. Kognition (vulgo: denken) und Wahrnehmung]

Sonntag, 20. Januar 2008

Regen löst den Dauerregen ab

Ungelogen!
Am Freitagnachmittag irgendwann fing der Regen an. Ich saß im Diskussionsraum der Bibliothek und kann daher den Zeitraum nicht näher eingrenzen. Nach Lernende ging ich heim und zog für den ca. 50 Meter langen Weg zum Aldi die Allwetterjacke an. (Warum eigentlich nicht die Gummistiefel?) Auf dem Weg zur Party: Regen. Auf dem Heimweg: Regen. Morgens auf dem Weg zur Arbeit (inzwischen war ich froh, vorausschauend so viel abgenommen zu haben, daß mir auch die enge Jeans wieder paßt, die nicht immer so durch die Pfützen schleift wie die Schlaghosen): Regen, und danach Regen, Regen und Regen. Auf dem Fensterbrett Pfützen. Die leeren Bierflaschen auf dem Balkon bereits wieder halb gefüllt. Das Geräusch des an das Fenster klopfenden Regens weckt mich schon kaum mehr auf in der Nacht.

Apropos Geräusche: Im Moment höre ich abwechselnd die neue Radiohead und die neue Manu Chao. Beides gefällt. Manu Chao klingt ernsthafter und entschlossener als auf Clandestino (1998). Radiohead knüpfen einen unwirklichen, klanghaften Teppich aus Gitarren und Rasselinstrumenten. Zauberhaft und wunderbar.

An einem verregneten Sonntag kann man ja nichts weiter machen, außer die Vorbereitung für die kommende Klausur zu prokrastinieren. Darin bin ich ganz gut. Heute habe ich "Die Stadt der träumenden Bücher" von Walter Moers zuendegelesen. Das Buch hat mir gut gefallen. Eine Kultur, die sich nur mit Lesen und Literatur beschäftigt - das wäre natürlich was für mich. Sodann begann ich mit "Die Grasharfe" von Truman Capote - seit Jahren (oder zumindest mehr als einem Jahr) liegengebliebenes Geburtstagsgeschenk. Es sieht so aus, als hätte ich das auch demnächst verschlungen. Unter anderem findet sich darin eine erzählerische Perle: eine anrührende und doch mit großem Abstand erzählte Autobiographie (Kurzform; aber eigentlich ist alles gesagt).

Weiterhin habe ich (endlich!) meine Haare geschnitten und verfüge nunmehr zwar ungeplant, aber schmückend über eine voluminöse Locke, besonders auf der rechten Seite. Hab ein ganzes Stück abgeschnitten, damit es sich auch lohnt. Es ist leider so, daß ich ab einer gewissen Haarlänge immer nur mit zusammengespangten oder -gezopften Haaren herumlaufe, da ist so eine halbe Länge eigentlich netter, weil ich die Haare dann eher offen trage.

Bei Wikipedia gibt es diese Zufallsartikel-Funktion. Das ist was für mich. Auf diese Weise erfährt man ganz erstaunliche Dinge, vor allem über 528-Seelen-Käffer in Frankreich und Griechenland. Wirklich! Außerdem allerlei Vögel und Bakterien. Aber zwischendrin echte Kleinodien. Zum Beispiel gibt es eine Jahrhundert-Liste bei den Mathematikern. Eine Liste von sieben oder acht weltbewegenden ungelösten mathematischen Problemen. Eine Million Doller für den, der eines von ihnen löst. Klingt schonmal nach echtem Krimi, was? Aber es wird noch richtig interessant: ein verrückter russischer Mathematiker hat tatsächlich eines der Probleme gelöst ( = hat irgendeinen Beweis für irgendeine Vermutung führen können). Und was tut er? Er schreibt darüber im Internet, aber Fachzeitschrift - nö. Wissenschaftlich publizieren? No, Sir. Eine Million Dollar, einen angesehenen Preis (als Anerkennung seines Verdienstes) einstreichen? Njet, nietschewo. Im Gegenteil kündigt der junge Mann seine Stelle an irgendsoeinem Leningrader Institut für irgendwas und lebt von seinen Ersparnissen. Kein Gedanke daran, an renommiertesten Einrichtungen in den USA oder sonstwo schwere Dollars zu verdienen. Also, irgendwie gefällt mir der Typ. Offensichtlich nicht käuflich. Oder eben ein Mathematiker, wie er im (Vorurteils-)Buche steht. Danke, Wikipedia! Und danke auch für all die Artikel, bei denen man kein, aber auch gar kein Wort versteht!

Das wars vom Sonntag. Ich freue mich auf Mittwoch, jap.

Ach ja. Und falls der Regen mal aufhören sollte: Darüber würde ich mich auch freuen.

Samstag, 19. Januar 2008

kaioo und mehr:

Inzwischen tauchen auch in der Uni überall kaioo-Flyer auf. Die neuen StudiVZ-Besitzer wollen nun endgültig mit den Daten einiger Millionen User richtig Geld verdienen und haben daher die AGBs und die Datenschutzbestimmungen geändert. Diesen Änderungen (beinhaltend vor allem das Einverständnis, daß eigene Daten an mehr oder weniger unbekannte Dritte weitergegeben werden usw.) mußte man zustimmen, andernfalls das eigene Profil gesperrt und irgendwann auch gelöscht würde. Naja, für mich war das ein guter Anlaß, der Haßliebe StudiVZ (immer noch nicht endgültig) den Rücken zu kehren. Stattdessen bin ich jetzt bei kaioo.com zu finden, wo man ein fast bausteingleiches Profil erstellen kann, nur daß kaioo nichtkommerziell ist, was ich begrüßenswert finde.


Gestern weilte ich auf einer Mottoparty (das hätte ich früher auch nie gemacht!), leider frühschichtinduziert nur kurz. Das Motto war immerhin einigermaßen originell und lautete "Helden der Kindheit". In Ermangelung überhaupt irgendeinen Kostüms ging ich als McGyver - eine willkommene Gelegenheit, mit einer erstmalig seit 12 Monaten wieder passenden Jeans herumzulaufen. Das Taschenmesser kam eigentlich vor allem beim Bierflaschenöffnen zum Zug. Der ursprüngliche Plan, mithilfe des Taschenmessers und eines Kaugummis eine Atombombe zu basteln, mußte leider aufgegeben werden, weil die Rolle des Kaugummis nicht geklärt werden konnte. Aber das beste Kostüm hatte eh der hier:


Der Protagonist heißt Ralf. Als was geht er?


Nicht nur in Berlin gibt es scheints kilometerlange Flure. Nur, das kann man auf dem Photo nicht sehen, der hier in Bielefeld hat rechts drei Fenster. Das ist in Berlin eher unüblich.


Beim Kacheln eines Bades bereits an die Frage der Klopapierrollenaufbewahrung zu denken ist ebenfalls berlinuntypisch. Sieht allerdings beinahe annehmbar aus, diese Bielefelder Lösung, oder?

Das ist das, was Biene Maja auf dem Kopf trägt. Ich frage mich zwar, warum ausgerechnet die dicke, dumme Biene als Kindheitsheld herhalten soll, aber diese Bienenohren sind schon ganz lustig.

Trotz frühen Beginns verlief der Tag dann doch ganz annehmbar. Am Abend gab es eine dekadent-gelungene Pfifferling-Gorgonzola-Sauce nach K-M-2008 nebst Johnny Cash zum Trinken und jede Menge Jazz-Larik-Prosa und Radiohead (mir ist die aktuelle CD zugelaufen) UND, als wenn das nicht reichen würde, auch noch politisch verbrämte Diskussionen und Überlegungen, ob strategisch vorgehende Menschen weniger auf das Feedback in einer Entscheidungsaufgabe mit expliziten Regeln für Wahrscheinlichkeiten sowie Gewinne und Verluste angewiesen sein könnten und warum.