Montag, 7. Januar 2008

Visuelle Nachträge von Ereignissen

Man stelle sich einen Bang&Olufsen-Laden vor. Nein - zuerst stelle man sich vier beschwingt durch die Bielefelder Altstadt spazierende Berliner vor. Es ist nachmittags, aber bereits dunkel, denn wir haben Januar. Plötzlich gerät ein Fachgeschäft für Hifi-Bedarf in den Blickwinkel. Man betrachtet etwas, das man fälschlich für Design-Aschenbecher hält, und kichert ob der Vorstellung, daß Gästen bei einer Party die gleiche Verwechslung passiert. Plötzlich zeigt der zwischen den Aschenbechern plazierte Bildschirm Lebenszeichen. In Ice-Age-Manier erscheint ein Viech, dem allerlei passiert. Wollte man sich, des fehlenden Tons wegen, erst noch gelangweilt abwenden, kann man die Szenerie doch nicht verlassen, sondern lockt mit dem ostelbisch-ausufernden Gelächter noch zurückhaltendes ostwestfälisches Publikum an. Also dieses Vieh hat erfolgreich eine Eichel erbeutet, geschossen, sozusagen. Dann findet es im Schnee, auf der Suche nach einer weiteren Eichel, dieses Roboterchen (offensichtlich vorher im Besitz eines in eine Gletscherspalte gestürzten und längst skelettierten Forschers befindlich). Das Ding ist nichts weiter als eine Zeitreisemaschine, und ich möchte jetzt all jenen, die in die Bielefelder Altstadt zum Bang&Olufsen-Laden stürzen, nicht durch Vorwegnahme der Geschichte enttäuschen; es sei gesagt, daß es sich lohnt.

Tja, so siehtse von weitem bei guten Lichtverhältnissen aus, die Sparrenburg. Oder, wie es wohl korrekt heißt, die Burg Sparrenberg. Sagt hier aber keiner.
(Die Burg ist das schornsteinartige Gebilde in der Mitte.)
(Bei Schornstein fällt mir ein: Stimmt es eigentlich, daß man hierzulande, wie mir vor ca. 8 Jahren ein angeblich Einheimischer (naja, aus Lippe) weismachen wollte, Schorns-tein sagt und nicht Schornschtein wie bei uns dort?)

Ja, kühn weht die Fahne der Stadt vom Turm der Burg hinunter, aber besteigen kann man ihn nicht zwischen November und März, da isser zu, und dann bleibt einem nurmehr das gute 5-Öre-Mineralwasser vom freundlichen Burgrestaurant ihres Vertrauens. Seufz. Wenigstens gab es dort oben am Sonntag wieder Nordseeluft. Wirklich! Je weniger ihr mir das glaubt, desto mehr glaube ich daran, daß ich recht habe! Salz! Algen! Kühle! Frische! Luft!!


Sone Burg wär schon nicht schlecht, würde Berlin auch ganz gut stehen. Der Müggelturm ist ja wohl kaum eine Alternative.

Samstag, 5. Januar 2008

Es geht wieder los

Das Buch für die nächste Prüfung ist eingetroffen:


Jetzt gibt es keine Ausreden mehr. Adé, Sonntage. Auf Wiedersehen, lange schlafen. Das wars dann erstmal, Freizeit. Und dann auch noch Statistik! Sechs Wochen und vier Tage. Nun denn, sei's drum. Wir haben schon ganz andere Prüfungen geschaukelt. Aber da hatten wir auch noch kein Privatleben.

Freitag, 4. Januar 2008

Und die Bilder vom Jahreswechsel

Highlight in der gastgebenden Küche war sicherlich dieses Gerät:

Da fragt man sich, was das ist. Es ist ein REISKOCHER! Gosh! Ich weiß ja nicht, aber ich pflege mich bei der Reiszubereitung eines Kochtopfes und eines herkömmlichen Herdes zu bedienen, der in fast jeder Küche sofort zu finden ist... mit einigem Erfolg sogar, wie ich, ganz unbescheiden, anmerken möchte. Aber naja, der Stiefvater des Mitbewohners war eben lange Zeit Vietnamese gewesen, da kann man nix machen.

Mitternacht in Leipzig. Von den echten bürgerkriegsähnlichen Zuständen in Connewitz haben wir erst am nächsten Tag aus dem Radio erfahren. Da wo wir waren, fand lediglich der übliche Wahnsinn statt.

Zwischendrin bekamen wir vom Rockstarbruder, seines Zeichens freiwilliger Feuerwehrmann, eine Privatführung durch die Feuerwache. Leider war ich nicht so schnell mit dem Photographieren wie der Feuerwehrmann mit dem Zeigen.

Und das war die Rückfahrt. Schneetreiben. Sowas von! Dann auch noch am Funkturm versehentlich abgefahren und infolgedessen durch die ganze Stadt gegurkt. Der Rest des Neujahrstages war dann Currykochen, Filme gucken.

Jetzt hat mich der ostwestfälische Alltag wieder.

Spaziergang durch nicht so bekannte Ecken von Friedrichshain

Zwischen Revaler Straße und der Bahn liegen allerlei verkommene, mit verfallenen Baracken und Garagen versehene Grundstücke. Auf einem befindet sich die schmucke Ausgehstätte Rosi's, auf den anderen dubiose Autohändel und dergleichen. Exemplarisch hier nun einige Bilder eines solchen Grundstückes:

Da läßt sich der Friedrichshainer nicht lumpen: Dach gibt es keines, aber Kultur muß sein!

Als stünde das Klavier in einem mittelbürgerlichen Haushalt, ist es sogar von einem schmückenden Gegenstand gekrönt:

Weiter gehts zum RAW-Gelände. Das besteht aus vielen kunterbunt durcheinanderstehenden Backsteingebäuden unklarer Funktion, einem mit einem Weihnachtsbäumchen gekrönten kegeligen Dingelchen und einer Skatehalle. An dem Kegelchen wird geklettert. An den Mauern finden sich Graffiti ohne Ende. Zwischendrin Gebäude, in denen offensichtlich gewohnt wird. Es herrscht eine aufbruchstimmige, kreative Atmosphäre. Passanten haben kleine Kinder und/oder Hunde bei sich.

Gegenüber des neuen Eispalastes (übrigens ein Monstrum, das eher an eine riesenhafte Ostseefähre denn an ein Stadion erinnert) sitzt man an der Spree. Diese war gar nicht von Wind gekräuselt, sondern nahezu glatt:

Man starrt auf die Häuser auf der Kreuzberger Seite, man überlegt, in welchem man am liebsten wohnte, es fällt einem ein, daß der Blick auf die Spree dann nach Norden ginge, und resümiert: dann lieber hier in Friedrichshain! (Nach dem Motto: Der Uferstreifen soll natürlich frei bleiben und nicht kommerzialisiert werden, aber so ein klitzekleines, aufgeständertes Häuschen...)

Mittwoch, 2. Januar 2008

slumming

Super Dialog:

- Ich liebe dich!
- Spinnst du? Du kennst mich doch gar nicht!
- Das ist auch gar nicht notwendig. Ich weiß das eben.

Empfehlens- und sehenswerter Film, das.

Dienstag, 1. Januar 2008

Und nun retrospektiv zu den Feierlichkeiten.

Das nutzt sich irgendwann ab. Wenn man nicht die überspannten Erwartungen von Jugendlichen oder Provinzstädtlern an Silvester hat, weil man inzwischen von der Wiederholbarkeit des Ereignisses (alle 365 Tage, manchmal 366!) weiß, dann wird es ja immer irgendwie nett, insofern man mit lieben Personen zusammen ist. Diese Erfahrung mache ich schon seit einigen Jahren. Da kann man dann auch spontan nach Leipzig zu relativ unbekannten Personen fahren, die mit aktuellen Herzensangelegenheiten verwandt sind. Den Weg dorthin zu finden ist für eine alte, geübte Pfadfinderin, die sich obendrein im Besitz einer Überblickskarte befindet, absolut kein Hindernis, höchstens eine Herausforderung angesichts der in Leipzig sehr präsenten und vorfahrtsberechtigten Straßenbahnen. Aber nun. Es gibt Chili. Die Sachsen trinken das gute Berliner weg. "Rednitzer" ist keine ernstzunehmende Alternative, wird aber trotzdem getrunken. Zur Mitternacht soll man irgendwo sein, aber da Damen immer noch gerne vor dem Losgehen nochmal pullern gehen, findet der Jahreswechsel mitten auf einer von Chinarestaurantinsassen beherrschten Kreuzung statt, wo demnächst der Bürgerkriegszustand ausgerufen werden würde, falls irgendjemand dort das Böllerfeuerwerk lebendig überstehen wird. Aber weiter. "Augustusplatz" die nächste Destination. Dort stehen sich die Parteien bis an die Zähne bewaffnet gegenüber. Der Rockstar hat nur so knallende Wunderkerzen, gottlob, so können wir in das Scharmützel gar nicht eingreifen. Stattdessen zieht es uns an einem grimmig schauenden, gleichwohl unterschiedslos Personen allen Alters, Geschlechts und Trunkenheitszustands hineinlassenden Türsteher vorbei ins Flowerpower, das, naja, nicht gerade nach Flowerpower aussieht, aber gerammelt voll ist (siehe Türsteherpraxis). Die Musik ist naja, ich bin es auch, und dank eines ganz und gar unweiblichen Orientierungsvermögens sowie eines mittelortskundigen Kumpanen lotse ich uns erfolgreich und ohne Umschweife durch mir bis dato völlig unbekannte Leipziger Straßen. Was ich nicht ahnen konnte: Die beiden Kombattanden lieferten mir noch unbezahlt und überraschend eine interessante theologische Diskussion über... nee, das führt zu weit.

So, das wars. [Fazit und Ausblick]

Das hat 2007 ganz gut geklappt:

1. Keine einzige Zigarette!
2. Vier Prüfungen.
3. Eine Gehaltserhöhung.
4. Erweiterung des Musikgeschmacks um Radiohead, Tegan&Sara, FooFighters, Tocotronic, The Kooks, The Killers, The Cardigans, Auspicium.
5. Wiederentdeckung von Coldplay, Nouvelle vague, R.E.M.
6. Schöner Wohnen.
7. Freundin unter der Haube.
8. Neue Freunde.
9. Neuer Freund.
10. Das Bloggen hier. Macht mir Spaß und den Lesern hoffentlich auch!

Mittwoch, 26. Dezember 2007

Noi siamo com´le lucciole, brilliamo nello tenebre

Heute mal wieder mit Bildern vom Weihnachtsfest und anderen Aktivitäten:

Die Farben der Plätzchen kommen infolge von Dunkelheit nicht richtig zur Geltung, aber dem Betrachter sei versichert, daß sie ordentlich geleuchtet haben!


Das sich der ersten runden Geburtstagsfeier anschließende Gekicker wurde von folgendem Zigarettenautomaten stumm begleitet:


Richtig so, Lucky Luke! Nieder mit dem blöden Grashalm!

Die neue Amaryllis. Mein bis vor kurzem nicht nur relativ, sondern absolut amaryllisfreie Bewußtsein registrierte in den letzten Tagen grassierende Amaryllisverbreitungen. Das scheint eine tüchtige Modepflanze zu sein. Wie gesagt, bis vor kurzem ahnte ich nicht einmal ihre Existenz, und jetzt stehen sie in allen Wohnungen.


Bei dem anderen Geburtstagsspektakel stellte sich heraus, daß IKEA neuerdings Faltvasen aus Plastik, bedruckt mit psychedelischen Mustern, feilbietet. Der Alltagstauglichkeitstest wurde sofort durchgeführt und bestanden.



Wenn alles scheinbar zusammenbricht, wenn man ganz allein die Weitlingstraße runtergelaufen ist und ob der Lichtenberger Tristesse sich fragt, warum das eigentlich nicht auch so eine nette, belebte, alternativ-szenige und doch normal gebliebene Straße ist wie beispielsweise die Grünberger oder auch die Boxhagener Straße... wenn man bei "Lichtenberg" vor allem an all die Fernreisen denkt, die man am hiesigen Bahnhof begonnen hat... wenn man mit dem Prollzählen nicht hinterherkommt und das Ziel des Weges auch nicht gerade ein Freudenquell ist, und wenn man DANN visuell über folgende Inschrift stolpert:


dann bleibt einem die Spucke weg. Dann staunt man. Dann lacht man. Oh du mein Lichtenberg! Heut, gleich verlasse ich dich, aber ich komme wieder, keine Frage.

Also, Weihnachten: Wiedersehen mit Friedrichshagen. Erlöserkirche (Das Evangelium am 24. bitte NIE wieder aus der "Guten Nachricht" vorlesen! Luther rules!). Erstes Gulasch seit Ewigkeiten. Lübzer. Heiligabendliche Gitarrenmusik. Diverse Geburtstage. Wiedersehen mit dem Auslandskorrespondenten (Moskau). Oranienburg, Wildschwein. S3 fahren - Rummelsburg, Rummelsburg Betriebsbahnhof, Karlshorst, Wuhlheide, Köpenick (Hirschgarten, Friedrichshagen). Musik, Robert Gernhardt, Badewanne, weing Schlaf, kein Decision-making (aus neurowissenschaftlicher Perspektive betrachtet, jedenfalls).

Montag, 24. Dezember 2007

so here we are

Man gewöhnt sich an alles, auch an ein (temporäres) Leben in Lichtenberg. So viele Nazis gibt es hier gar nicht, und in die relevanten Friedrichshain-Regionen läuft man auch nicht länger als 20 Minuten. Theoretisch fährt ja auch dieser famose Bus, aber, hmm, als Originalberlinerin kann ich natürlich nicht einfach mit dem Bus fahren (bzw. fährt er mir ständig vor der Nase weg).

Entweder isses hier wärmer als in Biele (unglaubbar), oder man verzichtet hier mit oberberlinerischer Nonchalance auf die Handschuhe à la 'minus zehn Grad, pah!' oder der soziale Druck der anderen, die offensichtlich nicht bereits während der morgendlichen Verkündigung der zu erwartenden Temperaturen eingeknickt und im Bett geblieben sind, verzerrt die Wahrnehmung, jedenfalls isses sonnig (tagsüber), kalt, klar, schön.

Friedrichshagen: Kenn ich schon ewig. Fast länger als mich selbst, und dann hab ich da noch Abi gemacht, ganz zum Schluß. Tausendmal auf dem S-Bahnsteig. Auswendig die Fahrzeiten. Donnerstags das Rabu. Und dann durch die Wuhlheide - im Winter braun, grau, öd und weiß vom Rauhreif oder [Glück!] Schnee. Im Sommer hundert oder zweihundert Grüntöne; Spaziergänger.

An Tagen wie heute kann ich kaum glauben, daß ich hier weggegangen bin, wo ich an allen Winkeln Erinnerungen atme.

Dann der Architekt, der auch mal Geburtstag hat. Kinder-Wettkrabbeln, Dips-aufessen und die große Frage, ob man das Bier vom Balkon reinholen sollte wegen Gefriergefahr. Man kann es auch einfach austrinken und anschließend im Feuermelder kickern gehen, wo man von unwissenden Trottelinen, die immer mit den Spielfiguren durchdrehen, herausgefordert wird. Und trotzdem gewinnt.

Freitag, 21. Dezember 2007

Minifrühsilvester

Gestern lud der Konfident. Das in Studentenkreisen übliche zeitverschobene Erscheinen selbst bei privatesten, kleinstkreisigen Events nimmt allerdings leider ziemlich überhand. Wenn man zu 20 Uhr geladen ist, erscheine man nicht später als 21 Uhr. Alles andere ist unhöflich dem ungeduldig wartenden Gastgeber gegenüber. Wenn der Gastgeber das Glück hat, daß überhaupt jemand halbwegs pünktlich erscheint, kann das zu beglückenden Hörerlebnissen führen, denn Platten, die viel zu selten gespielt werden, können dann gespielt werden. Zum Beispiel die gute alte Keine Macht für niemand. Weiterhin erprobten sich alle Beteiligten an der Zubereitung einer Bowle. Herzstück eines solchen Getränks bilden Inhalte von Dosen, die Namen tragen wie Ananas im eigenen Saft oder 5-Früchte-Traum. Da der Konfident ein dosenöffnerloses Dasein führt, verwandelte sich letzterer in ein 5-Frucht-Problem. Kein Problem hingegen ergab sich infolge des Eiswürfelmangels, denn schon nach 15 Minuten auf dem Balkon war aus dem Weißwein-Sekt-5-Frucht-Problem eine kalt zu genießende Erfrischung geworden.

Es ist nämlich in Biele grad kälter als jemals zuvor, seit Temperaturen aufgezeichnet werden. Wie kalt genau weiß auch keiner, da es hierzulande keine Thermometer gibt, die derart kalte Temperaturen aushalten. Der Teutoburger Wald steht weiß und schweiget.

Das eigentliche Silvesterchen gestern verpaßte ich aufgrund drängender Telephonate. Die JahresendrückblickCD besteht aus 21 Liedern. In Ruhe anhören werde ich die wohl erst in der Hauptstadt, denn morgen stehe ich nochmal an der Front des Einzelhandels. Das aber wird ein anderer Bericht sein.

Mittwoch, 19. Dezember 2007

High fidelity in Biele


Der Konfident hat es schon recht erwischt mit seinem Weihnachtsjob. Und wie er souverän, ohne mit der Wimper zu zucken, im PC nach lange verschollen geglaubten Singles namens "Missing" [sic!] sucht! Das ist cool. Da weiß man, wo Nick Hornby abgeschrieben haben würde, wenn er jetzt erst die Idee zum Roman gesucht hätte.

Weiterhin erfreulich natürlich die lobende und visuell dokumentierte Erwähnung des Blogs beim Kollegen McNiesen im fernen Schottland.

Highlight des Tages war sicherlich die Mitteilung, daß ich im Gegenzug zu einem morgigen Frühdienst den Heiligabend freihab und infolgedessen von Sonnabend bis Mittwoch Berlinurlaub bei lieben Personen verbringen darf. Ticket gekauft, Nägel mit Köpfen gemacht, freufreu. Andere haben gute Vorsätze fürs neue Jahr; ich nehme mir was für die verbleibenden 2007er Tage vor: Nichts. Noch sechs Tage arbeiten; noch 1600 km Zugfahren; noch 12mal schlafen; noch ein klitzekleines Referat vorbereiten; noch eine Übung; noch ca. 3 Parties; tja.

In meiner WG-Küche sind alle männlichen Erstsemester-Master-Studenten* der Bio-Informatik (was es alles gibt! Züchten die Computer in Blumenkübeln?) schwer am Plätzchenbacken. Mir wird ja von der eingeatmeten Luft schon schlecht, und inwiefern sich der Genuß von Paderborner mit dem Dauerbeschuß des schweren Teigduftes verträgt, interessiert mich wirklich nur auf einer theoretischen Ebene!


* [alle fünf.]

Dienstag, 18. Dezember 2007

So war das diesmal

Das ist das Patentöchterchen während des Versuchs, leckere Rübchen-Polenta sowie Brote, die sich infolge des rätselhaften Verschwindens von Käse bzw. Wurst in pure Butterbrote verwandelt haben, nicht zu essen. Nicht ganz unbegabt.

Das Weite Theater verfügt über die einzigen mir bekannten sanitären Einrichtungen in der Hauptstadt, an deren Türen nicht "Damen" und "Herren" steht, sondern die infantile Geschlechtsbezeichnung. Super! Auf eine Mädchentoilette gehe ich doch viel lieber als auf ein Damenklo.

Privatkonzert.

Meine Amaryllis, die sich ja wacker und lange geschlagen hat, ist nun endgültig dahin, aber ich habe sofort eine neue bekommen. Beim Kochen pflegen wir die klassische Arbeitsteilung: einer kocht, einer liest was vor. Nachmittags schlendern wir mit der Freundin in die Kaufbar und erinnern uns an einen acht Wochen zurückliegenden Sonntag. Wir verspeisen opulente Pilz-Hähnchenbrustfilet-Sahnesoßen und hören dazu Mozarts Kleine Nachtmusik. Die philosophisch-theologische Diskussion gerät an Paulus, der von mir als selbstgerechtes Individuum (ich habe ein anderes, weniger druckreifes Wort verwendet) bezeichnet wird, woraufhin mir sofort 1. Korinther 13 vorgelesen wird, zugegebenermaßen ein wirklich sehr schöner Text, und ich leiste zähneknirschend Abbitte, erinnere aber gleichzeitig an das fragwürdige Frauenbild des Bekehrten. Daraufhin stellt sich heraus, daß es so ein Bibelprogramm gibt, in welchem die Bibel in allen möglichen Sprachen drinsteht, und daß der Rockstar den hebräischen Originaltext tatsächlich flüssig vorlesen kann. Ich habe mich revanchiert mit der Schöpfungsgeschichte auf Ungarisch. Verrückt. Unausweichlich dann das gemeinsam mit dem Mitbewohner veranstaltete Anschauen von Life of Brian, und obwohl wir den Film alle schon kannten, hatten wir das Gefühl, noch nie so sehr darüber gelacht zu haben. Keine Längen, keine Langeweile, nur absolut komisch.

Ja, Wochenenden mit dem Rockstar - purer Rock'n Roll. Nichts für Leute mit mangelhafter Kondition oder schwachen Nerven.

Biele hat mich wieder. Morgen Literaturzirkelchen, Testtheorie, Weihnachtscafé. Wann mache ich das Referat? Der Rest der Woche ist Arbeit.

Montag, 17. Dezember 2007

Rockstar: Live on stage

Das ist gewissermaßen die erste Band gewesen: Cousin und Cousine.

Aber deswegen haben wir nicht das WEITE THEATER im Theater an der Parkaue aufgesucht. Wir wollten den Rockstar sehen! Und das sahe dann so aus:

Leider blieb es größtenteils auch beim Sehen, denn dank eines mittelbegnadeten Tontechnikers war der Gesang kaum zu hören. Auch der sicherlich (soweit man das sehen konnte) phantastische Bass ging in dem allgemeinen Schlagzeug/Gitarrenklangteppich etwas unter.

Aber ansonsten eine feine Sache. Wir wackelten ein wenig mit den Hüften, und als sie dann noch Tocotronics Die Welt kann mich nicht mehr verstehen spielten, konnten wir endlich lauthals mitgrölen.

Das letzte Lied, Meine 10 Minuten, war richtig super!

So, nach dieser fundierten, objektiven und inhaltsschweren Konzertkritik nun mal noch ein paar Fakten. Der Raum, eine Nebenbühne des Theaters an der Parkaue, war soweit ganz nett, nur hinten die Stuhlreihen irritierten etwas. Vorne konnte man ganz nett sitzen und Berliner für zwei Öre trinken. Auch das junge Europa in Form vom Schwesterherz und dem Genossen Ziebinski ließ sich von der Aussicht auf Mucke anlocken. Und endlich mal wieder ein Abend mit der besten Freundin! Also schön. Musik, gute Musik, viel Bier, und dann der Rockstar, der irgendwie noch in der Lage war, sich mit dem Taxifahrer über das Taxi zu unterhalten. Zuhause wurde das Konzert noch mit der E-Gitarre, exklusiv nur für mich, fortgesetzt und beendet. Die armen Nachbarn, aber naja, was soll man machen, nicht wahr?

Mittwoch, 12. Dezember 2007

... dankeschön!

Fazit:
Vortrag inhaltlich genau wie erwartet, gut strukturiert mit einem, wie ich finde, gelungenen Einstieg ins Thema mittels des ersten Nürnberger Ärzteprozesses, aus dem heraus auch der Nürnberger Kodex entstanden ist, in dem (wußte ich bislang nicht) allgemeinverbindliche Richtlinien für medizinische und psychologische Forschung an Menschen geregelt und postuliert sind. Daß es nicht nur eine KSZE-Schlußakte von Helsinki, sondern auch eine Deklaration von Helsinki (in der aktuellen Fassung von 2002) gibt, die sich explizit und verbindlich mit ethischen Richtlinien in der medizinischen und psychologischen Humanforschung befaßt, wußte ich ebenfalls nicht und ist mir bislang im Studium auch nicht so untergekommen. Klarer Fall, daß ich meinen Beitrag leisten werde, das zu ändern. Also im Sinne von einer Unterbringung zumindest der dringendsten Eckdaten in den regulären Prüfungsstoff.

Außerdem gab es natürlich einiges zu lachen, zum Beispiel bei der Geschichte einer damaligen Kommilitonin, die als Diplomarbeit eine Versuchsreihe mit Zuständen extremer Reizarmut durchführen wollte, an ihrer Uni zur Erleichterung des heute Vortragenden allerdings keinen Betreuer dafür gefunden hat und dann "irgendwas im A&O*-Bereich gemacht hat". Womit ganz nebenbei und charmant die Wertschätzung für den A&O-Bereich rüberkam.

Im übrigen war ich sehr positiv überrascht von der verhältnismäßig großen Anzahl von Zuhörern. Heute mittag hatte ich ja ein bißchen Angst, daß überhaupt keiner kommt, aber der Hörsaal war doch ganz gut gefüllt. Nie verstehen werde ich allerdings das Gebaren von Personen, nicht nur so einen Vortrag, wo man ja eh freiwillig ist, vorzeitig zu verlassen, sondern dies auch noch unter größtmöglichem Geräuschaufwand zu tun. Naja, verschossenes Pulver.

Super Vortrag, super Abend.

* [A&O: Arbeits- und Organisationspsychologie. Kann man spannend finden.]

Nachträge

Gestern gab es mehrere Sätze des Tages. Der Lehrstuhlvertreter von der Klinischen sprach mich auf dem Weg zum Essen an, daß er mich nun zwar am Montag auf der Weihnachtsfeier gesehen habe, aber immer noch nicht wisse, was ich hier so mache. Ich stellte mich artig vor und sagte, daß ich in der Physio als studentische Hilfskraft arbeite. Er fragte, was ich da denn so machen würde [Wieo fragen Professoren ständig sowas? Wissen die wirklich nicht, was studentische Hilfskräfte so machen?]. Ich sagte, daß ich grad diverse Schriftstücke vom Chefentscheider korrekturgelesen hätte. Daraufhin er: "Aha, das bedeutet, daß Sie gut Englisch können!" Echt jetzt? Muß man das? Ich kann nämlich überhaupt kein gutes Englisch. Für die Rechtschreibung gibt es Wörterbücher, und Grammatik, naja, die kann man doch irgendwie noch aus der Schule, und Ausdruck - egal. Also eine Studie selber schreiben würde mir wahrscheinlich durchaus sehr schwer fallen, aber einen bereits vorhandenen Text korrekturlesen... "Ich find das gar nicht trivial", sagte er dann noch.

Am späten Nachmittag mit dem Konfidenten und dank meines unfehlbaren Orientierungssinnes auf dem kürzesten Weg ins Welthaus Bielefeld. Der Plan bestand darin, für den heute zum "Thema Ethik in der psychologischen Forschung" Vortragenden einen Flasche fair gehandelten Biorotwein zu kaufen. Leider ist solcher aus den präferierten Ländern Australien und Spanien äußerst rar, weshalb wir uns für einen sicherlich phantastischen südafrikanischen Pinotage entschieden haben. Für mich war so ein Laden ja keine neue Information. Sowas gab es vor über zehn Jahren schon in der Straße, wo Lunas Eltern wohnen. Aber der Konfident war ganz aus dem [achtung: Welt-]Häuschen [autsch], naja, schließlich ist er ja nicht in derart privilegierten Gegenden aufgewachsen wie unsereiner.

Noch später, während des Herumstromerns in der weihnachtlich verblendeten Innenstadt, kickte ich einen Karottenrest mit dem Schuh davon und kommentierte dieses Tun mit der Äußerung des Wortes "Karotte". Gleichzeitig gab es ein Geräusch zu hören, das der Konfident mit der Frage "Kind oder Hund" beschrieb, was ich aber, innerlich noch bei der Karotte verweilend, nicht bemerkte, woraufhin ich ihn mehrere Sekunden lang schweigend anstarrte. Ja, damit war dann Karotte unversehens zum Wort des Tages geworden. Ist doch klar.

Überhaupt grassieren gerade die richtig schlechten Wortwitze, Abfallprodukt der ebenso endemisch umgehenden Wintermüdigkeit. Die Motivation befindet sich an einem Tiefpunkt, der so tief ist, daß er durch seine absolute Nullpunkthaftigkeit die Motivationsskala rational skaliert. Zwischen vier Uhr nachmittags und acht Uhr morgens ist es erheblich zu dunkel, und zu den anderen Zeiten ist der Himmel auch nur grau. Ich muß hier raus, ich will die klare Winterluft des Kontinentalklimas 400 Kilometer weiter östlich atmen, ich will den Rockstar auf der Bühne sehen, ich will ausschlafen.

Heute im Päppelkurs hatten wir endlich Studien, die ich schon ganz gut kenne, und wie erwartet gibt sich der Chef, denn es waren seine eigenen Arbeiten, absolut kritikfähig. Beste Sätze heute: "Das bleibt unklar. Die Autoren äußern sich nicht dazu." Und: "Keine Ahnung, warum wir den LPS und nicht einen anderen, besseren IQ-Test genommen haben. Weiß ich nicht mehr." Mir hat gefallen, daß er mit größtmöglichem Abstand an die Studien herangegangen ist, also es zumindest anfangs geschafft hat, über die Arbeiten zu reden, als seien sie gar nicht von ihm. Und am Ende war es natürlich super, daß man mal mit dem Autoren selbst so ein Ding zerpflücken kann, dann wird nämlich viel klarer, warum manchmal so ein krudes Zeug in der Diskussion steht (weil irgendein Reviewer das wollte), warum dieser und jener Test nicht auch noch gemacht wurde (zu schmale Zeitfenster bei der Untersuchung von Patienten) und was aus der Patientin geworden ist. Und so ganz nebenbei kriegt man (wieder einmal) mit, dasser ja auch noch Psychologe ist, und das gar nicht so nebenbei, wie der Konfident sehr richtig bemerkte.

Bevor ich jetzt vor Lobhudelei überschäume (nein, DAFÜR werde ich nicht bezahlt!), weise ich noch darauf hin, falls das hier was nutzt, daß immernoch die gleiche Person heute einen Vortrag über Ethik in der psychologischen Forschung halten wird, und zwar in genau zwei Stunden im Hörsaal 3. Da geh ich gleich hin! Atschö!


Blöd nur, daß wir da Interessenten geschrieben haben. Wir wollen doch kein Auto verkaufen!

Dienstag, 11. Dezember 2007

Weihnachtsfeier reloaded

Gestern die Arbeitseinheit, zusammen mit der Klinischen, hier unten in dem etwas überstylten Schuppen mit den pseudo-Retrorundungen. Lauter Frauen in meinem Alter, die über die Strapazen der Therapieausbildung ächzen. Mehrere ProfessorInnen, die sich durch Sätze hervortun wie "Und Sie sind für die Klinische hier?" [Äh nein, ich arbeite in Ihrer Arbeitseinheit als Hilfskraft. - Und was machen Sie da so? - Das, was Hilfskräfte so tun.], "Schlange? Schmeckt ungefähr so wie Krokodil" und "In Bayern dürfen Sie im Bierzelt weiterhin rauchen." Hehe, war also ganz nett.

Sonntag, 9. Dezember 2007

Environmental influences on autobiographical memory: The mnestic block syndrome ODER: So kann man einen Sonntag auch rumkriegen

Gosh! dachte ich, als ich heute morgen (njam... eher mittag) ganz vorsichtig die Datei öffnete. 71 Seiten! Der ist doch verrückt, dachte ich. Na gut. Es folgte erstmaliges Korrekturlesen eines englischen Textes (hust). Und nicht einfach nur Tippfehler suchen. Verständlich? Gut formuliert? Literatur richtig formatiert? Autorenhinweise beachtet? Inhaltliche und formale Inkonsistenzen? Sätze zu kurz oder zu lang? Usw. Also, falls jemand was über dissoziative Amnesien wissen möchte... es gibt da eine neue Expertin auf dem Gebiet. Und das zweite Erschrecken: Deadline morgen um eins. Super. Hilfskraft sein ist wirklich total super!

Dann kam auch noch die Referatsgruppe vorbei, und der Konfident und ich waren (nicht zum ersten Mal) bemüht, die Hypothese der somatischen Marker populärverständlich zu erläutern, naja, mehr als "Bauchgefühl" kann man da ja eigentlich kaum sagen. Das wird vielleicht ein Referat! Im Prinzip das Gegenteil von "Sicheres Auftreten bei völliger Ahnungslosigkeit" - wir haben ja Ahnung, aber um das vermittelnderweise brauchbar rüberzubringen, müßten wir wahrscheinlich mehr tun als wir derzeit motiviert sind.

Samstag, 8. Dezember 2007

Psychoparty: A critical review

Ja, ein Jahr ist schnell vorbei, und schon kann man nervöse Erstis bestaunen, die eine Psychoparty organisieren. Da ich hier keine falsche Bescheidenheit aufkommen lassen will, sag ich gleich, daß die Latte vom letzten Jahr her wirklich hoch lag - und nicht gerissen wurde, doch, das kann man wohl sagen. Unser DJ im letzten Jahr war wirklich spitze, ein absoluter Partyprofi und hundertprozentig in der Lage, die momentane Stimmungslage auf der Tanzfläche zu erfühlen und entsprechende Lieder auszuwählen. Diesjährig war der Sound von übersteuerten Bässen geprägt, und ich vermißte einiges an klassischen Alternative-Partykrachern, naja, getanzt haben wir trotzdem, und auf der Tanzfläche war es auch ganz angenehm, daß es nicht so voll wie im letzten Jahr war.

Der Rockstar war ja mit und durfte erstmal die Uni bestaunen. Erste Assoziation: Flughafen. Zitat: "Jetzt kann ich das viel besser nachvollziehen, daß du hier jede freie Minute zubringst." Zweite Assoziation: Flughafen Tegel, wahrscheinlich due to den roten Säulen. Dritte Assoziation: "Verdammt, sind die alle jung!" Aber ansonsten hat es ihm gefallen bei den Psychos, glaube ich. Sind ja auch alles solche Herzchen!

Der Wahnsinn "Zweiter Advent/ Einzelhandel" fand kürzlich für dieses Jahr ein Ende. Nun wartet die Weihnachtsfeier auf mich, d.h. sie wird nicht gerade warten, sondern hat bereits begonnen, und ich werde gleich hin- und damit einer hiesigen Party entgehen, die der liebe Mitbewohner anläßlich seines Geburtstages veranstaltet. Ausgelassenes Feiern verbietet sich leider infolge einer netten und umfangreichen Datei in meinem Postfach, die aus einem korrekturzulesenden Buchkapitelchen besteht, und ich habe die Ehre, die erste Person zu sein, die das zu lesen bekommt. Super. Ich habs vorsichtshalber noch gar nicht angeguckt, wie viele Seiten das wohl sein mögen. Das wird ein wunderbarer Sonntag, zumal noch Referatsgruppe. Hoffentlich regnet es wenigstens.

Wenigstens ist das Ticket für das nächste Wochenende gekauft.

Donnerstag, 6. Dezember 2007

Gestern im Café Berlin

Na, daß die Arbeitsgruppe eine coole Truppe ist, war ja nun keine neue Information für mich. Gestern gab es eine Abschiedsrunde mit dem Forschungspraktikanten, der sich schon wie Bolle auf seine Rückkehr nach Landau freut. Leider schenkten ihm seine ehemaligen Kollegen und Kolleginnen ein schickes Uni-Bielefeld-Shirt, und ich erntete zustimmendes Nicken mit der Bemerkung, daß der Bielefelder Retro-Schriftzug ja wohl mal viel besser aussieht als die Cowboy-Blockbuchstaben der Uni Landau.
Später wurden Geschichten von vergangenen gemeinsamen Abenteuern der Arbeitsgruppe erzählt, die man so wahrscheinlich nicht erwartet hätte, aber das wäre wohl bei anderen Arbeitseinheiten auch nicht anders. Noch später wurde ein allgemeines Loblied auf Berlin angestimmt, und bei dem allgemeinen Zuprosten wurde auch auf meine zukünftige Diplomarbeit angestoßen. Na denn!

Dienstag, 4. Dezember 2007

Klarer Fall von Ausfall

Ja, auch wenn das gestern ein sehr, sehr anstrengender Tag gewesen ist, kann man es trotzdem nicht erklären, warum ich meinen Wecker nicht ordentlich gestellt habe. Immerhin habe ich es schon nach ganz anderen Vorkommnissen pünktlich auf die Arbeit geschafft. Aber nun! Mit völliger Sicherheit den Wecker eine Stunde zu spät stellen - das zeugt, möglicherweise, von einem starken Unbewußten, das hier und jetzt das Recht des Bewußtseins auf Nachtschlaf durchsetzt. Infolgedessen war ich heute zum allerersten Mal überhaupt (in fünfeinhalb Jahren) zu spät auf der Arbeit. Schlimmer noch: kein Kaffee (das wäre wohl etwas vermessen gewesen). Der Rest des Tages wurde dann auch nicht mehr besser.

Also, dieses Jahresende schleppt sich so ein wenig dahin, in Dunkelheit und Müdigkeit. Jegliche Prüfungsvorbereitungen werden prokrastiniert. Die Motivation zu Engagement aller Art sinkt täglich. Wenige erwartbare Lichtblicke reihen sich wie Perlen auf einer Schnur, aber da die Anzahl entsprechender Ereignisse bis zum Jahresende eher überschaubar ist, könnte man aus der Schnur wohl kaum eine Halskette knüpfen. Nichtsdestotrotz werden die entsprechenden Ereignisse mit positiven Gefühlen erwartet, keine Frage. Als da wären: Psychoparty mit persönlichem Special guest; derselbe in concert am nächsten Wochenende in Berlin; Zusammentreffen mit eigentlich hiesigen Konfidenten dortselbst; der Ethikvortrag vom Chefentscheider am nächsten Mittwoch; einige Weihnachtsfeiern; Minifrühsilvester beim Konfidenten; naja, und dann eben Weihnachten und Silvester sowieso. Interessant übrigens, was das durchs-Telephon-anhören des Weihnachtsoratoriums an Erinnerungen auslösen kann.

Montag, 3. Dezember 2007

Lichterketten

Diese nette Wanddeko findet sich im Stahlberg, wenn man ganz nach hinten durchgeht. Ja, genau dort, wo man immer denkt, daß es da nicht weitergeht!

Aber auch unsere Uni muß sich in Sachen Deko nicht verstecken. Sogar einen riesigen Weihnachtsbaum hat man irgendwohergezaubert. Er steht blöderweise direkt vor dem Glaskasten, wo man sich immer zum Essen trifft, und darüber hinaus trägt er auch noch bescheuerte blaue Lämpchen. Aber nun, man zahlt ja gerne 350 Öre Studiengebühren!


Satz des Tages war heute übrigens "Nee, dann reichen die drei Artikel!"
Hintergrund ist die gestern abend ergangene Aufforderung, 20 Artikelchen herbeizuzaubern, die angeblich alle oder zumindest fast alle auf dem W-Laufwerk liegen und nur in einen neuen Ordner kopiert werden sollen. Mitnichten lagen die auf dem Laufwerk! Und irgendwie konnte ich an meine glorreichen Artikelzauberkünste von vor zwei Wochen nicht wieder anschließen. Vielleicht war das auch Anfängerglück, man weiß es nicht. Magere Bilanz von 6 Stunden Arbeit: 3 Artikelchen. Und oben erwähnter Satz.
Ich wäre übrigens gerne dabeigewesen, als er heute die Vorlesung zum Thalamus (Thali!), Hypothalamus und zur Hypophyse ohne Beamer- und Rechnerunterstützung, also quasi ganz aus dem Kopf, gehalten hat. Augenzeugen berichteten von kreidigen Thali-Visualisierungen an der Tafel, die in der Beschreibung ganz arg an unsere eigenen Zeichnungen von unserem alten Kumpel erinnerten.

Jetzt sitze ich hier und bin mit der Spezialaufgabe "Rechtzeitiges Bereitstellen heißer alkoholhaltiger Getränke zum Ende und Ausklang des Films 'Die Feuerzangenbowle'" betraut. Nicht unlösbar, will mir scheinen.

Das Telephon will nicht klingeln.

Sonntag, 2. Dezember 2007

Endlich entdecken: Radiohead

Die Beschäftigung mit dem Werk von Radiohead habe ich ja lange prokrastiniert, wahrscheinlich um noch was auf Pfanne zu haben, falls die aktuelle Musik nichts tolles mehr abwirft. In meinem iTunes tummeln sich the bends und OK computer und laufen heute rauf und runter, falls ich nicht gerade the kon von Tegan & Sara höre, hehe, die gefällt mir nämlich auch ganz gut (falls ich das nicht schonmal erwähnt haben sollte). Wie so oft stellt sich beim hören der Scheiben heraus, daß der ein oder andere Titel bereits bekannt ist. Erstaunlich bei meiner relativ stringenten Radio-Abstinenz.

Gestern weilte ich bei einer praktischerweise im gleichen Wohnheim stattfindenden Einweihungsparty. Lustig, daß trotz des identischen Grundrisses die Wohnungen jeweils völlig anders wirken, je nachdem, wie sie von den WGs eingerichtet und genutzt werden. Es gab leckeres tschechisches Bier zu trinken. Auch schön: ein spontanes Pärchen-Entstehen konnte bewundert werden und wurde auch offen, teils unverhohlen bewundert. Eben noch im Gespräch befindlich, verschmolzen die beiden Personen plötzlich für ca. 30 Minuten zu einer untrennbaren Einheit. Tja, dachte ich da, wir sind für den schwierigen Anfang wenigstens auf die Dorfstraße gegangen, um allein und ohne Zeugen erstmal anzutesten, ob sich die Sache lohnt. Auf so einer Einweihungsparty geht das ja nun nicht (und das nicht nur in Ermangelung einer passenden Dorfstraße), da muß man sich dann behelfen oder sich um die anderen nicht scheren. Immerhin haben die beiden somit garantiert an die zwanzig Photos von ihrem ersten Kuß (Unsere Bilanz: null).

Infolge dieses Gesterns bin ich grad müde und trullerig. Den Tag mit Radiohead und einem alten MAGAZIN im Bett zu vertrödeln ist schon was feines. Außerdem habe ich das Bad geputzt. Der Toshi hatte vorhin eine extrem merkwürdige Variante des Absturzes: Musik hater gemacht, aber sonst ist er völlig stehengeblieben, kein Mauszeiger ließ sich bewegen, die Uhr stand, StrgAltEnt funktionierte auch nicht. Sowas. Mach mir nicht schlapp, Toshi!

Nachher geht es raus in das schlimme Wetter, mit dem Konfidenten Kaffee trinken im Stahlberg. Hehe.

Freitag, 30. November 2007

Noch was zum Tach

Das war auch mal gut: unaufgeregtes Lunchen mit dem Konfidenten (überraschenderweise mußte man das Essen heute gar nicht so nachsalzen, aber wer ahnt das denn? So ein Vorfall fällt doch normalerweise in den Ablehnungsbereich!) und dann beim Kaffee bißchen über Musikalisches und Lebendiges nachsinnen. Das erinnerte fast an die unbeschwerten Tage des ersten Semesters, als man sich noch unbefangen über vegetarische Ernährung unterhielt, statt immerfort das Für und Wider der einen oder anderen Operationalisierung in der einen oder anderen interessanten oder weniger interessanten Untersuchung und/ oder Arbeitseinheit zu diskutieren. Nicht falsch verstehen: ich bin gerne hier, wo ich gerade bin.

Als ich neulich die Lyrics meiner derzeitigen meistgeliebten Songs auf StudiVZ-Profiltauglichkeit prüfte, mußte ich feststellen, daß ziemlich viele Trennungslieder dabei waren. Also eher aus der Kategorie "Wie konnte das nur passieren, daß wir uns derart auseinanderentwickelt haben?" Komisch, das paßt ja grad nicht besonders. Wenn ich mein Leben streng an der Schrift, also am Liedtext ausrichten würde, müßte ich auf wichtige Teile meines momentanen Soundtracks verzichten, das wär doof, daher sei hier einmal und für alle Tage festgestellt: Text ist natürlich wichtig, aber nicht das Maß aller Dinge! Are you ten years ago [Tegan&Sara] ist einfach super.

Live aus T3-240

Da sitz ich grad. Draußen ist es dunkel; naja, so sieht man wenigstens den Regen nicht. Der StudBär hat auch grad die Segel gestrichen, hmm, nur ich und die Chefentscheiderin harren tapfer aus. So richtig viele Studien zu den Umwelteinflüssen auf das autobiographische Gedächtnis aus diesem Jahr habe ich nun nicht gefunden. Ist vielleicht nicht so ein Renner. Das mnestische Blockadesyndrom gibt es scheints auch nur bei HJM.

Spannender als PubMed und Abstracts studieren ist das allgemeine Arousal hier. Gestern haben wir Beispielsätze aus so einer Testbatterie angehört, die mit völlig unterschiedlichen emotionalen Konnotationen vorgelesen wurden. Mein Lieblingssatz war "Diese Schufte stahlen mein ganzes Geld!" Mein Lieblingsstudientitel ist übrigens derzeit "The brotherhood of motherhood", da will man mehr!

Weitere Entdeckung: Tegan&Sara läuft auch im Laden. Hmmpf. Also eigentlich eher freu. Ist doch nett, wenn man bei der Arbeit Musik hört, die man gutfindet. Immer noch viel besser als den ganzen Tag Rex Guildo.

Ich glaube, ich versuche jetzt noch, diese eine Bechara-Studie ins StudIP zu zaubern, und dann hau ich hier auch ab. Morgen wird wieder früh gefrühstückt.

Donnerstag, 29. November 2007

Tja, so isses:

Das wird hier großmäulig auf dem Weihnachtsmarkt verkündet. Als wenn man das nicht wüßte!

Offensichtlich habe ich gestern angeweihnachtsmarktet. Mit dem Schwesterherz, und dann trafen wir noch ein versprengtes Häufchen Erstis, die unter der fürsorglichen Obhut erfahrener Psycho-Studies langsam an das Abenteuer "Bielefelder Weihnachtsmarkt" herangeführt wurden. Man muß ja auch darauf achten, daß man von den vielfältigen Eindrücken nicht gleich überwältigt wird, wie ja sowieso oft hier in OWL. Jetzt zum Beispiel regnet es draußen, und ich muß stark an mich halten, nicht vor Freude über dieses wahnwitzig seltene Erlebnis zur Bahn zu hüpfen.

Montag, 26. November 2007

Blindflug & Gesang



Nachts mit dem ICE durch das Land zu fahren. Draußen ist es nicht einfach dunkel. Draußen ist nichts. Es gibt kein Draußen, nur Lichter, die hin und wieder über die schwarze Scheibe huschen, in der sich unscharf mein müdes Gesicht spiegelt. Warum eigentlich Flugangst? Wie irrational. Das hier ist doch das gleiche wie fliegen. Der Zug legt sich bisweilen in Kurven, rüttelt beim Überqueren von Weichen, schwankt, und mit ihm schaukelt meine Jacke hin und her. Im Flugzeug hätte ich bereits die Hand des eventuell Mitreisenden zerquetscht, im Zug arbeite ich mich durch eine dicht- und prallgefüllte GALORE (Ben Becker, Die Ärzte, Maria Schrader, der eine von den Foo Fighters usw.), gähne gelegentlich, höre Musik (noch zehn Lieder bis Spandau! Und sie kommen: ten years ago von Tegan & Sara, I miss you von blink-182, overload von den Cardigans, Julika von Pola, kreuzberg von Bloc party, writer's block von Just Jack, why does it always rain on me von Travis usw.) und denke, ausgerechnet, an Citys "Am Fenster" wegen der Zeile "Flieg ich durch die Welt" und weil die Emotionalität (man könnte auch Kitsch sagen) des Songs grad paßt. Mit erheblicher Verspätung schwebte ich dann ein. Wenn der Zug sich in diese letzte Kurve vor dem Hauptbahnhof legt, verliebe ich mich stets neu in meine Heimatstadt. Alles liegt vor einem: die Neubauten des Spreebogens, die Charité, das Forumhotel und der Fernsehturm, und der wunderbar angestrahlte, leuchtende Bahnhof, die Spree und alles.
Am Ostbahnhof dann Blumen, ins Auto, heim. Keine Müdigkeit der Welt kann durchgequatschte, verrauchte, endlose Nächte verhindern. Musik, natürlich, zuerst selbstgemacht, später Konserve. Das ist unsere Sprache, nicht die einzige, aber doch wichtig. Ich bin hier, es ist gut, hierzusein, es ist gut, und du weißt das. Eine neue d-Saite, und die E-Gitarre kann losgehen. Coole Sache, das. Und singen! Ich kanns ja nicht, aber dann doch. Oder es ist einfach egal, ob es gut klingt - es fühlt sich einfach gut an.


Zeit vertrödeln, hurtige Spaziergänge durch klirrende Berliner Luft, Kumpanen treffen. Sonnabendabend im Übereck am Ostkreuz: eine lustige Zusammenballung Bielefelder Studierender. "Ist ja lustig, drei Ostwestfalen und ein... ääh... Ost..." war ja mal der Satz des Abends. Dann wieder kalt, Kurzstrecke, Kaskelkiez und Küche.

Am Ewigkeitssonntag begleitete ich den Prediger zum Gottesdienst in der Einrichtung. Diese Magie der Liturgie! Inhaltlich ist da ja für mich nichts zu holen, aber dieser festgefügte und doch nie gleiche Ablauf, die Sicherheit des Rituals faszinierten mich wieder aufs Neue. Der Einrichtungsleiter hat eine unprätentiöse, ungeschwafelte Predigt gehalten. Bis auf ein schwieriges, dodekaphonisch anmutendes Liedchen konnte ich fein mitsingen, und überhaupt war mir alles so vertraut, von früher her, als wenn ich jede Woche in die Kirche ginge. Ich bin nicht gläubig, und doch erdet es mich.

Ab morgen hat mich der Alltag wieder. Und doch ist das hier auch Alltag, oder es wird welcher. Er entwickelt sich. Die Sprache, der Umgang, das Lesen von nonverbalen Signalen, die Vertrautheit, das Schweigen.

Ausschlafen müßte ich mal. Gründlich.

Freitag, 23. November 2007

Zwei Wochen geschafft, endlich!

Das war 'ne ganz schön lange Zeit, zumal sich auch allerlei Ereignisse währenddessen ereigneten, die man gerne nicht nur am Telephon geteilt hätte. Nun gut, jetzt wird noch schnell gearbeitet, und dann geht es endlich nach Berlin. Schön!

Dienstag, 20. November 2007

... und das der zweite:

Wo es mir gestern noch etwas befremdlich vorkam, im Büro vom Chef zu sitzen und Artikelchen zu sortieren, fläzte ich heute schon souverän am Hiwi-Schreibtisch und kontrollierte die Präsentation für den morgigen Kongreßvortrag nach Fehlern und Inkonsistenzen. Besondere Souveränität besitze ich bereits bei der Online-Artikelrecherche und -herbeizauberung, aber auch das Ordnerchaos im elektronischen Semesterapparat kann sich sehen lassen. Also, der Weg ist frei für eine grandiose Karriere als Hilfskraft!

Die Diff-Vorlesung erweist sich immer mehr als geeignet, wenigstens eine der ca. drei Studien fürs Literaturzirkelchen zu lesen, wobei es trotzdem keine besondere Herausforderung ist, den professoralen Ausführungen zu folgen. Das nenne ich mal einen Synergie-Effekt! Also, eine von dreien hab ich. Morgen früh aufstehen dürfte noch eine zweite einbringen, naja, was solls.

Im Kolloq gab es heute einen Vortrag von Eduardo Vianna, der in Iowa in der Damasio-Tranel-Gruppe mitgearbeitet hat und sich mit gastrointestinalen Fragen und Emotionen/ Gefühlen beschäftigt. Er trug natürlich auf englisch vor, aber ich war erstaunt, wie gut ich ihm folgen konnte. Ich will da jetzt nicht ins Detail gehen, aber es ging jedenfalls auch um Fragen der Körperwahrnehmung und -repräsentation und entsprechende Auswirkungen auf emotionale Prozesse. Um Bauchgefühl vs. Kognition, sozusagen. Super Thema, super Vortrag. Anschließend kurzer Disput über den Ursprung des Verlangens, eine Zigarette zu rauchen. Sinngemäß aus dem Englischen übertragen: Du willst rauchen, weil dein gastrointestinales System Zustände erzeugt, die dich rauchen wollend machen. Nein! Ich verlange nach einer Zigarette, weil mein Nucleus accumbens wegen der Projektionen in den präfrontalen Cortex Rabatz macht! Ich brauche diese dopaminergen Projektionen!

Anschließend ins dpa. Da wurden Fragen beantwortet, die sich mir noch gar nicht gestellt haben. Was sind eigentlich Sperma-Busse? Und wie kommt es, daß man am Super-Bahnstreik-Donnerstag eine halbe Stunde schneller in Nürnberg ist als sonst? Soll man auf Parties das Rauchen wieder erlauben, weil man dann die schlechte Luft einfach als Rauch wahrnimmt und nicht als das, was sie eigentlich ist, nämlich die Summe aller denkbaren Körperausdünstungen (inklusive dem sogenannten "anonymen Pupsen")? Was ist eigentlich das andere Auto für eines, wenn "der große" ein Mini ist? Auf welcher Karte haben wir nachgesehen, nachdem wir die Information "Bielefeld" bekommen haben? Und überhaupt, wie trifft man eigentlich eine vorteilhafte Entscheidung, wenn die möglichen Konsequenzen auf jeden Fall negativ und dazu relativ wahrscheinlich sind?

So, das war der erste Arbeitstag in der AE14

Artikelchen zusammensuchen, kopieren, online finden und herunterladen, seufzend den Förstl auf Erkrankungen des Frontalhirns durchstöbern, mit einer Uni-Kopierkarte herumwedeln, auf dem Zettelchen mit den Literaturangaben für die Referate ein mittelgroßes graphisches Chaos anrichten, kurz vor der Vorlesung mit dem Chef am Pult plaudern, kurzum: es war ein kurzweiliger Tag, vollgepackt mit kleinteiligen Lernschritten (ach, sooo funktioniert die Aufsatzdatenbank! Da findet man ja sogar mal was!) und großen Erfolgen (puuuh, den Artikel kann man bei Elsevier einfach runterladen, sowas!), weniger von Pausen und Nahrungsaufnahme geprägt. Aber wir sind ja, um es mal konstruktiv auszudrücken, ausreichend mit Reserven ausgestattet...

Heute wird ein Ordner mit der Literatur zusammengestellt, und dann kann ich mich endlich auch um das Stirnhirn-Referat kümmern, für das wir, wenig überraschend, die gleichen Studien lesen und vorbereiten werden wie neulich im Entscheidungsverhalten-Seminar. Netterweise hat er uns noch eine mir völlig unbekannte Studie dazugepackt.

Sonntag, 18. November 2007

Gabs schon lange nicht mehr:

Der Satz des Tages *dadam*:

Ich hab selten so einen Freigeist erlebt, wie ich einer bin.

Bei der Gelegenheit fällt mir gleich noch einer ein:

Am Anfang war die Snare.

Sonntags bleibt der Laden zu!

Wenn ich solche Kommentare lese, wünsche ich mir mein SZ-Abo zurück, nur um am Morgen Texte von Heribert Prantl lesen zu können, gedruckt auf dünnes Altpapier, das mühsam in Handlichkeit gefaltet werden muß.

Nicht nur weil ich selbst im Einzelhandel arbeite, stimme ich dem Prantl zu. Die Idee eines wiederkehrenden zentralen Feiertages als Angelpunkt für eine funktionierende Gemeinschaft mutet heute schon fast verrückt an, und doch muß man sich fragen, warum solche vermeintlich unnützen Ruhetage überhaupt entstanden sind, wenn sie nicht auch irgendeine Funktion haben.

Den heutigen Sonntag habe ich nach allen Regeln der Kunst vertrödelt. Wenn es ein zufällig freier Montag gewesen wäre, hätte ich das gewiß nicht, und schon gar nicht mit der gleichen Leichtigkeit getan. Die Welt vor meinem Fenster ist sonntags eine andere und sagt mir: bleib mal locker. Ist Sonntag. Nichtsdestotrotz habe ich hier an den Sonntagen auch unheimlich viel in der Bib gesessen und gelernt. Aber selbst das unterschied sich deutlich vom Lernen wochentags, einfach weil die Mensa und das andere Gedöns nicht aufhat, viel weniger Leute in der Uni und keine Veranstaltungen sind usw. Gesellschaftliches Luftholen. Erzwungen, vielleicht, für manche, die nicht innehalten möchten, vielleicht den Stillstand nicht aushalten, aber doch ein Gewinn für die meisten, die diesen einen, verläßlichen, planbaren freien Tag genießen und miteinander teilen können.

Ein wichtiger Gedanke aus Prantls Erwägungen scheinen mir noch die möglichen zukünftigen Implikationen einer totalen Freigabe des Sonntags für alle zu sein: Wer heute sonntags einkaufen kann, wird morgen sonntags selbst arbeiten müssen. Wenn der Einzelhandel nicht mehr geschont wird, fallen auch andere Schranken, und die Sonntagsruhe läßt sich nicht weiter argumentativ verteidigen. Das wird von den Leuten, die heutzutage sonntags freihaben und gerne einkaufen gehen würden, gerne vergessen.

I might be wrong

Aber was ist das denn für ein Gefühl, dieses Atmen hören zu können, trotz der vielen Kilometer? Es ist unirdisch. Bitte immer weiteratmen. Dieses Atmen könnte auch einfach auf meinem MP3-Hasen abgespielt werden, Tag und Nacht.

Freitag, 16. November 2007

Scheinfrei!

Wenn man jetzt mal von der Regression absieht, über die ich noch eine klitzekleine Scheinklausur schreiben werde, bin ich jetzt grundstudiumsscheinfrei, nachdem ich gestern ein launisches Referat hielt, bzw. besser ausgedrückt einen aufgeregt hineinredenden Herrn Ostendorf zu bremsen versuchte. Die Konfidentin, die sich so auf das Referat gefreut hatte, kam gar nicht mehr so richtig zum Zuge, naja, vorbei, gutes Feedback, und jetzt muß ich da noch gelegentlich mein Gesicht vorführen, um meinen Schein zu kriegen.

Das Grundstudium ist damit, bis auf die drei Prüfungen, gelaufen. Schön, denn so habe ich genügend Zeit für meine neuen Freizeitaktivitäten und für Veranstaltungen, die mich interessieren. Das Referat für das Stirnhirn werde ich mit dem bewährten Konfidenten halten, und ich glaube, "Entscheidungsverhalten und die Iowa Gambling Task" rocken wir im Schlaf.

Heute abend feiert eine Decision-Making-Kumpanin ihr erfolgreiches Diplom, hehe.

Mittwoch, 14. November 2007

Es schneit! Und mehr.

Falls hier irgendjemand mal gedacht hat, ich würde Enten undoof finden. Das hätten wir dann auch klargestellt. Außerdem schneit es hier gerade wie verrückt. Ich habe das photographiert, aber auf dem Bild kann man es nicht erkennen.


Der Tag war heute einigermaßen anstrengend und ist auch noch nicht vorbei. Im Entscheidungsverhalten-Seminar waren wir aufgrund des gestrigen Klausurnotenfeierns vornehm zurückhaltend, naja. Herr Stemmler meinte in der Testtheorie, für die interessierte Gemeinde von mathebegeisterten Psychologie-Studierenden die Formel für die lineare Regression mathematisch herleiten zu müssen, was den Konfidenten zu einem kleinen Nickerchen und mich zu einem alternativen Verfassen einer Postkarte animierte. Ein kräftigendes Schnitzelchen erschien da ganz angebracht, statt nach der Pause wieder in die Vorlesung zurückzukehren. Fachschaftssitzung, telephonieren in der Unihalle, und dann Vertrag und Abmachungen beim neuen Chef. Tja, jetzt habe ich noch zehn Stunden mehr an der Backe. Die erste Amtshandlung wird darin bestehen, die Studien für das Stirnhirnseminar zusammenzusammeln und an die Referenten verschicken, lustigerweise das Blockseminar, in dem ich selber drinne bin.

Heute morgen ist der Toshi schon wieder nicht hochgefahren. Laß mich nicht im Stich!

auspicium

Wer hat schon das Glück, die Stimme auch einfach anhören zu können?

Dienstag, 13. November 2007

129 von 130

Oh Mann. Jetzt ist die großmäulige Ankündigung tatsächlich in die Tat umgesetzt worden! Das fühlt sich gut an. Ziel setzen, kleinschrittig und konsequent umsetzen, Ziel erreichen. Jippie!

Fast hätte ich geheult - das kleine, erwartungsfrohe bzw. durchgefallenängstliche Grüppchen auf dem Flur auf T3; die Sekretärin und der Chef scherzend beim Aufhängen der Listen ("Ich habe damit nichts zu tun! Ich gehe jetzt hier in mein Zimmer und schließe die Tür hinter mir ab!"); der suchend über die Zahlen gleitende und die eigene Matrikelnummer nicht findende Zeigefinger; das gleichzeitig klingelnde Telephon ("Ich ruf gleich nochmal an, ich bin grad ganz durcheinander!"); plötzlich all diese fröhlichen Menschen, die sich über sich selbst und mit mir freuen; und diese kleine, unbedeutende, kommalose Zahl in dieser langen Reihe anderer Zahlen... dann nochmal Telephon, Glück, später Sekt.

Ehrlich, richtig glauben kann ichs noch nicht.

Montag, 12. November 2007

No impress/ procrastination

*fluch*
Dieses Referat, was ich mir da an die Backe genagelt habe, ist ja wohl das allerletzte. So furchtbar unmotiviert war ich das letzte Mal, als ich... ja, was eigentlich? Was tut man nicht alles für vorzeitige Scheinfreiheit. Zum Glück ist da noch die Konfidentin!

Die morgige Bekanntgabe der Physio-Ergebnisse macht mich jetzt doch nervös. Blöd eigentlich, daß die das schon vorher sagen. Sonst wußte man doch auch nicht vorher, wann es die Ergebnisse gibt. Heute nacht habe ich davon geträumt, eine 1,22 zu haben. Pures Wunschdenken, was sich mein Frontalhirn da so des Nachts zusammenspinnt. Morgen wissen wir mehr. Was wir jetzt schon wissen: eine 1,22 isses bestimmt nicht!

Das Bielewetter zeigte sich heute wieder von seiner Schokoladenseite. Schnee, Regen, Sturm.

Ich habe heute einen echten, papiernen, handgeschriebenen, analogen Brief zur Post getragen. Das gibt es noch! Mal sehen, ob es auch funktioniert. Man schreibt viel zu wenig Briefe! Telephonieren ist natürlich wunderbar, aber es führt ja keiner Protokoll darüber, nicht wahr?

So, jetzt gehe ich noch in das A1-Seminar, wo ich den Text nicht gelesen, aber immerhin vorhin die Skripte kopiert habe. Gelesen habe ich die zwar auch nicht, aber nun.

Samstag, 10. November 2007

Wir schaffen das

Wir stemmen uns gegen den unerbittlichen Minutenzeiger, gegen die 397 Kilometer, die wahrscheinlich gar nicht ausreichen, weil Lichtenberg noch weiter östlich ist als Friedrichshain, und gegen Sachzwänge aller Art. Auf unserer Seite haben wir die Musik, unsere Leidenschaften und die Vodafone-Flatrates. Wir schaffen das!

Freitag, 9. November 2007

Auch beim 100. Mal schön und wahr

Imitationen von dir
Befinden sich in mir
Imitationen von dir
Verbünden sich mit mir
Berühren und begleiten mich
Sagen: "Es gibt kein wahres Ich"
Verspüren und bereuen nichts
Spucken den Leugnern ins Gesicht

Dein gut ist mein gut
Dein schön ist mein schön
Dein wahr ist mein wahr

Imitationen von dir
Wiederholen sich in mir
Imitationen von dir
Klopfen an die Tür
Und leise reden sie mir ein:
"Du musst nicht du selber sein"
Und leise reden sie mir ein:
"Wir werden dich von dir befreien"

Dein schlecht ist mein schlecht
Dein schlimm ist mein schlimm
Dein schlimm ist mein
GANZ SCHLIMM

Du bist so viel gereist
Im Zickzack durch die Zeit
Nirgendwo, wo du bleibst
Manchmal nur durch Träume treibst
Fast durch die ganze Welt
Bist du zu mir bestellt
Fast durch die ganze Welt
Bist du zu mir bestellt

Dein gut ist mein gut
Dein schön ist mein schön
Dein wahr ist mein wahr
Dein schlecht ist mein schlecht
Dein schlimm ist mein schlimm
Dein schlimm ist mein
GANZ SCHLIMM

[Tocotronic]

Mittwoch, 7. November 2007

Endlich Du

Nachdem wir heute morgen die drei Studien in der perfekten Reihenfolge und mit den besten Gedanken und Anmerkungen versehen durchimpulsiert haben und die darauffolgende Diskussion offensichtlich auch ganz nett moderiert haben ("genau so hatte ich mir das vorgestellt"), habe ich offiziell die Stelle angenommen, jetzt muß nurmehr das Prozedere geklärt werden, naja, und was ich eigentlich machen soll. Im Moment wahrscheinlich korrekturlesen, das kann ich ja ganz gut. Bei der Gelegenheit erfuhr ich auch, daß die Physio-Klausurbesprechung am nächsten Mittwoch ist, folgerichtig die Ergebnisse spätestens Dienstag raus sind und ich auf jeden Fall bestanden habe (nicht daß mich das a) überhaupt und b) nach dem Angebot überrascht).

Der Titel bezieht sich auf das in der Arbeitseinheit übliche Duzen, das mir auch bereits angetragen wurde.

Das war gestern auch noch toll

"Free hospital" gab es gestern nochmal für mich, live übertragen aus der Columbiahalle auf mein Telephon. Super Lied, das, vor allem live. Vielen Dank an den Menschen mit diesem grandiosen Einfall!

Dienstag, 6. November 2007

Neuigkeiten vom Chefentscheider

Hört man immer gerne: "Ich würde Sie sehr gerne bei mir beschäftigen." Habe ich heute gehört. Es gibt zwar nicht die fette, lebensausfüllende 20-Stunden-Stelle, weil die Hiwi-Mittel im DFG-Projekt (erwartungsgemäß) zusammengestrichen wurden und der jetzige Stelleninhaber die übriggebliebenen zehn Stunden übernehmen wird. Aber es ist noch irgendwelches Geld über, und das ist für mich. Besonders erfreulich an dem Angebot ist aber, daß die Anstellung auch in Form eines Werkvertrags möglich ist (ich muß dann quasi gegen Festpreis ein "Werk" abliefern), d.h. ich kollidiere (wahrscheinlich und hoffentlich) nicht mit meinem normalen Job - sonst könnte ich das nämlich gar nicht annehmen. Dieses eindeutig auf mich und meine derzeitige Jobsituation perfekt zugeschnittene Angebot macht mich natürlich etwas stolz und froh.

Das erhöht ein wenig den Druck auf unsere Impulse statements morgen früh, mit denen wir wahrscheinlich ziemlich baden gehen werden, aber naja, egal, wir sind blutige Anfänger, Drittsemester, ewige Angeber, nich wahr?

Montag, 5. November 2007

Anschlagen und zurück

Es ergab sich gestern die Situation, daß ein Kumpan mitsamt seinem 3-Monate-Survival-Gepäck nach Halle gebracht werden sollte. Nichts leichter als das, wenn sowohl Auto, Fahrer und entsprechende Autobahn vorhanden sind. Meint man. Popeleinfach und extrem abkürzend der neue Weg zur stadtauswärtigen Autobahn, der ungeliebten Teltowkanal-Zubetonierung - da ist man ja flugs auf dem Ring, will man meinen, und dann ist Halle ja nur ein Katzensprung weit entfernt. Leider hat man die Rechnung ohne den Wirt bzw. ohne die Baustelle Dreieck Nuthetal gemacht. Obwohl schonmal gar kein Grund für eine Baustelle überhaupt zu erkennen ist (das Dreieck wurde, wie alle anderen Drei-, Vier- und Fünfecke auf der A10 schon einmal komplett neu gebaut) und es niemals zu einer Verengung von drei auf zwei Spuren kam und auch nirgendwo was von einem Unfall oder einer sonstigen zu sehen war, standen wir dort anderthalb Stunden im Stau. Das war kein Spaß! Lauter Raucher im Auto, und dann klingelt auch noch das Telephon. Naja, wenigstens lief gute Musik (Manic street preachers) und gute Unterhaltung ("Das ist ein richtig geiles Riff." [...] "Das Riff finde ich auch total super." [...] "Komisch, man kennt schon soviele tole Riffs und denkt ja irgendwie, das wars dann mit den geilen Riffs. Und dann kommt wieder eins!") und guter Gesang. Jedenfalls hat das ganz schön lange gedauert, bis Halle, aber die nette Mitbewohnerin vom Kumpan hat uns Kaffee gekocht, und dann sind wir wieder los und durch eine unglaubliche, sternenklare, dunkle Nacht nach Berlin zurückgeflogen. Treu auf der rechten Seite die Plejaden als Begleiter, und voraus der Große Wagen (die beiden einzigen mir bekannten Sternbilder). Aus den Boxen Queen, Depeche Mode und die bereits erwähnten Manic street preachers; dazu gelegentlich live der Fahrer. Als man das Star FM wieder empfangen konnte, sangen wir beide lauthals "The one I love" mit. Daheim gab es dann ein kleines Mini-Rockkonzert, bestehend aus Gesang und verzerrter elektrischer Akustikgitarre, nur für mich. Hat schon was für sich, mit einem zukünftigen Rockstar zusammenzusein, hehe.

Beyond Moskau in Glühlampe

Just ergab es sich während meines spontanen Berlinbesuches, mit dem Schwesterherz und dem Decision maker erst lecker zu kochen, dann lecker zu essen und anschließend lecker Astra in der Glühlampe - im Rahmen einer assoziierten Geburtstagsfestivität - zu trinken sowie zu mehr oder weniger zeitgemäßer Musik ordentlich abzutanzen.

Nett auch die beiden Kickertische! Kickern verlernt man ja nicht, insofern war ich recht erfolgreich (wahrscheinlich ein Alterseffekt), und Spaß gemacht hats auch.

Anschließend wurde getanzt. Der DJ machte ordentlich Betrieb. Bei den Klängen von "Moskau" gab es kein Halten mehr, und diverse Unterhak-Ketten bildeten sich, deren Bestandteile wüst die Füße in die Luft warfen. Blöd nur, daß man sich dabei ordentlich verausgabte, ohne jedoch zu wissen, daß der DJ so eine Art extended version aufgelegt hatte, und das Hüpfen nahm schier kein Ende. Der Rest war auch sehr nett, so daß man sich die Aufregungen und Anstrengungen der letzten Wochen und Monate mal so ordentlich vom Leibe tanzen konnte. Wenn man beachtet, daß ich erst vor zwei Wochen in Netzeband ebenfalls wüst beim Tanzen zu sehen war, ist das schon erstaunlich, und zukünftige Besucher der diesjährigen Psychoparty können sich schonmal warm anziehen!

Samstag, 3. November 2007

Statt eines langweiligen Wochenendes

Als der andere Mitbewohner dann auch noch "Schönes Wochenende!"-flötend die Wohnung verließ, erschienen die leere Wohnung, die ungelesenen Studien und das freie Wochenende irgendwie unverlockend. Die Studien wollen natürlich trotzdem gelesen werden, aber das ist schließlich nicht ortsgebunden. Also flugs eine Entscheidung unter Risiko getroffen (Entscheidungssituation mit bekannten Wahrscheinlichkeiten für das Eintreten von Konsequenzen und expliziten Regeln für Gewinne und Verluste) und, erstmalig nicht allein, abgedüst.

Wenn man die Freunde des neuen Freundes kennenlernt, ist das ja quasi eine Art Bewerbungssituation, nur daß man sich nicht darauf vorbereiten kann. Da es auch nichts nutzt, beim ersten Zusammentreffen irgendwie ultracool rüberzukommen, wenn man das in echt gar nicht ist, schnappt man sich am besten ein Bier und ein gebratenes Hähnchen und versucht sich in beschönigend-ironischen Beschreibungen der derzeitigen Zweitheimat. Alles natürlich nur halb so wild - die Musik ist gut, die Stimmung gelassen-fröhlich, die Küchenuhr ringt mit den nächtlichen Minuten - schon wieder eine sehr kurze Nacht, aber egal: den Unterschied zwischen Botschaft und Verheißung des Christentums muß man noch zuendediskutieren, sonst sinkt man unterinformiert ins Bett. Daß es derartig durchdiskutierte Küchenphilosophie-, -psychologie und -theologienächte noch gibt... allein dafür lohnte sich schon der Ausflug.

Heute habe ich mal frei vom Theologentum und kann mich wieder der Neuropsychologie widmen. Der Neurologie-Konfident wird nachher ausreichend Gelegenheit haben, seine skurillen Fallgeschichten direkt einem zwar übersichtlichen, aber hochinteressierten Publikum zu erzählen. Ich bin schon gespannt, ob er inzwischen das Problem, daß er immer viel zu nett ist zu den Patienten, irgendwie gelöst hat. Das ist ja überhaupt das brisanteste Problem ever: Zu empathisch für diese Welt.

Abends feiert irgendjemand Geburtstag. Njam. Und morgen gibt es einen Ausflug nach Halle, aus Gründen. UND! Ich lese jetzt, gleich, sofort die Bechara-Studien. Echt jetzt!