Sonntag, 22. April 2007

Hommage an Bielefeld und alle anderen Städte, die mit B anfangen

Mit Bierflaschen in der Hand bummelten wir durch Bielefeld und bemerkten, daß die besten Städte mit B beginnen. Aufgrund der Zusammensetzung des Bummeltrios seien Berlin und Bremen sowie Bayern als Oberbegriff für die Heimat seltener Schmetterlinge genannt. In Berlin macht ja das Bummeln mit Bierflaschen keinen Spaß mehr, seit das da zu einer pathologischen Pflicht geworden ist. Unterschiede gibt es bei den Biersorten: In Bielefeld und Bremen wird mit Beck's, in Berlin hingegen mit Sternburger gebummelt. Bielefeld ist sonntags so eine richtige Bummelcity. Zur Ergötzung des zahlreich vertretenen Publikums gingen wir mehrfach auf dem Alten Markt auf und ab. Dann einmal zum Bahnhof und wieder zurück, da entlang und dort hindurch. Dabei läßt sich vortrefflich über die Männer im allgemeinen seufzen, anschließend über die Männer im besonderen klagen und hernach über Theorien des Für und Wider von Wohlgerüchen in zwischenmenschlichen Interaktionen streiten. So vergeht der Sonntagabend im Scheine der fahlen Mondsichel und der leuchtenden Sterne in einer Stadt, die mit B beginnt. Sie steht in einer Reihe mit anderen schönen Städten: Die drei Donauschwestern Bécs, Bratislava, Budapest. Brighton und Bergen am Atlantik. Buxtehude in der Redewendung. Bademeusel. Buenos Aires der guten Luft wegen. Big apple. Barcelona und Bordeaux. Buckow, Bützow und Bötzow. Das ganze Land Brandenburg, der Bodensee und der Balaton. Zuguterletzt seien noch genannt: Brag, Boskau und Botsdam.
Erbsenzähler könnten mir Versäumnisse vorwerfen, oder daß ich die aufgeführten Städte gar nicht alle kenne, oder daß die in echt gar nicht mit B anfangen, aber das ist mir schnuppe. Solange ich mich in einer phantastischen Stadt aufhalte, durch deren nicht nur verkehrsberuhigte Innenstadt man auch bei geschlossenen Geschäften flanieren kann, ohne sich verloren zu fühlen, bin ich wohl glücklich. Man kann alle naselang Bekannte aller Art treffen. Es gibt Eis. In das Theater rauschen Menschen in umständlichen Kleidungsstücken. Auf dem Markt sitzen Menschen und beobachten andere Menschen. Kinder fuhrwerken mit Kinderfuhrwerken, ohne daß sich jemand gestört fühlt, bzw. sagt niemand was. Die Sonne scheint, und niemand kann sich an den letzten Regen erinnern. Sterne und Mondsichel zwinkern wie alte Bekannte. Es SIND alte Bekannte. Freunde, der kurze Bielefelder Sommer ist ausgebrochen.
Außerdem tragen wir morgen alles über Theorien der kognitiven Entwicklung vor. Und gehen Plasmaspenden. Und reden mit Max. Und gehen zum Sport. Und denken über unsere Hypothesen nach. Das ist schon die nächste Sorge, wenn wir das Referat geschafft haben. Da haben wir nochmal Glück, daß der Chef morgen irgendwo vorträgt, sonst müßten wir das gleichzeitig auch noch schon fertighaben. Falls wer eine Idee hat, was man genau mit dem GDT zusammen bezüglich der Entscheidungen unter Risiko unter besonderer Beachtung von Dingen wie Feedback oder Langzeitgedächtnis untersuchen könnte... Ich bin für Hinweise aller Art aus der Bevölkerung immens dankbar...

Vielleicht sollte ich doch A&O machen

und in meiner Diplomarbeit die Führungsstruktur und -arbeit in diesem Saftladen analysieren. Gestern war ich zum ersten Mal seit Ewigkeiten dermaßen sauer, daß es beinahe zu einer Blitzkündigung gekommen wäre. Wenn nicht ganz liebe Menschen tapfer eineinhalb (!) Stunden auf mich gewartet hätten, sondern statt dessen aggressive Hinweisreize herumgelegen hätten, wer weiß - vielleicht wäre ich dann auch plündernd und brandschatzend durch die menschenleere Fußgängerzone gezogen, statt friedlich zum Milestones zu spazieren und dort Oliven und Chianti zu verzehren. Die beiden Konfidenten durften sich jedenfalls ganz schön was anhören. Es ist aber auch unglaublich: Baustelle mit Dreck und Lärm; aufgrund des völlig unerwarteten Sonnabends ist es voll; die Klima ist noch nicht angeschlossen, was zu interessanten Schweißtropfenverläufen auf den Stirnen der stundenlang an der Anprobe wartenden Kundschaft führt; zwei Mitarbeiterinnen sind niegelnagelneu und kennen sich mal gar nicht aus usw. Also die Planung war, gelinde gesagt, blamabel. Verdammte Schweineaxt, was für ein Saftladen! Vielleicht sollte ich mal so ein Einführungsbuch, so eine Art "Basics für Führungskräfte auf unterer Ebene im Einzelhandel" unauffällig irgendwo plazieren... Dann doch lieber 100 Öre weniger und ein paar Jobs in der Uni.
Leckere Kekse, eine nette Pause und der geruhsame Abend glichen das Desaster weitgehend wieder aus.
Jetzt geht es ein bißchen aufs Rad und dann in die Uni, Referat zaubern.

Donnerstag, 19. April 2007

Und: Strukturierung! Muß sein.

So ein Semesterbeginn kann auch überfordern. So anstrengend auch der Winter war - schlußendlich habe ich mich lediglich mit Inhalten von zwei Fächern beschäftigt, die sich auch noch etwas überschneiden. Nun gibt es plötzlich und unerwartet in der Mensa und auf dem Klo rush-hours, und bei bestimmten Veranstaltungen sichert rechtzeitiges Erscheinen nicht einfach gute Plätze, sondern überhaupt welche. Man taumelt von Entwicklung über Motivation zu A1 - da geht man dann wieder raus, weil es zu voll ist. Man steht da und generiert Hypothesen und Versuchspläne. Man stellt fest, daß auch andere mißtrauisch geworden sind und ihre Telephonnummer im StudiVZ unsichtbar gemacht haben. Man weiß allerdings auch, wo Helfer in der Not zu finden sind. Es ist uns zwar nicht mehr zu helfen, aber immerhin haben wir ein paar Ideen, wohin der Versuchshase so laufen könnte. Ehrlich gesagt freuen wir uns schon sehr auf die wahrscheinlich anstrengende, aber irgendwie auch unterhaltende und auf jeden Fall sozialkontaktefördernde Datenerhebung, das ist wenigstens was konkretes "zum Anfassen".
Der ansonsten zu erledigende Rest ist schnell erzählt: Verzicht auf Demonstrationsprojekt zugunsten von Scheinklausur und Blumfeld-Konzert. Blitzreferat am Montag über Piaget und paar andere kognitive Entwicklungstheorien. Wir mögen Piaget, einfach weil er sich der Idee "Kind" liebe- und respektvoll nähert.
Ich war neulich mal irritiert, weil ich mich plötzlich im Anschluß an ein Fußballgucken mit einem Dozenten (GE) in der Straßenbahn wiederfand. Duzt man eigentlich zurück, war die unbeantwortete Frage des damaligen Abends. Nachdem ich dann in der Vorlesung war, beantwortete ich mir die Frage mit Ja. Ich bin ja gar nicht zimperlich, aber eine leichte Irritation bleibt doch, wenn man sich mit einer Person, die möglicherweise am Morgen noch schnell die Vordiplomklausuren durchgesehen hat ("Das muß noch weg, bevor ich nach NYC fliege"), am Abend über anstehende oder bereits vergangene Konzertbesuche unterhält. Außerdem irritierend: Der unausgesetzt in die fließende gesprochene Rede eingeflochtene Fachwortbestand. Obwohl es auch lustig ist, mit entsprechenden Experten über Second live zu diskutieren, um ohne weiteres auf die Dissonanztheorie zu sprechen zu kommen. Da haben psychologische Überlegungen gleich so eine praktische Entsprechng und Erklärung.
Schlußendlich haben wir hier noch nicht unseren Frieden gefunden. Das gefühlte statische Gleichgewicht der Uni hat sich deutlich verlagert, was ich sogar an der räumlichen Wahrnehmung der Halle bemerke. Manchmal machen wir Sport, und oft schauen wir tadelnd, weil wieder irgendwo jemand quatscht, oder quietscht, und wir grummeln herum, wenn wer anders sich blöd anstellt. Und es ist plötzlich wieder möglich, drei, fünf und zehn Schritte ohne Ohrwuschel zu tätigen. Ja! Auditive Umwelt! Her damit!
Und nächste Woche nach Berlin. Ich sags ja nur ungern, aber wären da nicht zwei Konzerte und ein paar ganz liebe und nette Leute, dann fehlte mir immer noch nix.
Ach ja, und Genosse Horstmann ("Stöckchen") heute mit einer neuen Figur: Die Flügelschraube.

Kesö felismerés

[Späte Erkenntnis]
Seit ungefähr zwanzig Jahren fällt mir das auf, aber erst heute schloß sich der Bogen, und ich verstand warum das so ist. Ich rede vom Mond. Wenn der Mond nur so ein Sichelchen ist, wie heute, und die Luft klar und schön ist, sieht man ja manchmal recht deutlich auch den dunklen Teil der Mondscheibe. Bis vor einer Stunde habe ich immer gedacht, daß das ja gar nicht geht, daß man das nicht sehen KANN, daß uns da das visuelle System, wieder einmal, möchte man fast sagen, einen Strich durch die Rechnung "Mond, ein viertel, zunehmend" macht. Also nicht daß mir vor einer Stunde jemand das visuelle System erklärt hätte, aber ich radelte so des Weges, der Himmel ist dunkelblau am leuchten und mit ihm ein paar Kondensstreifen, die Venus sticht mit ihrem Strahlen fast den schmalen Mond aus, der da GANZ und rund und fast nahezu schwarz, bis auf die normale Sichel eben, am westlichen Abendhimmel hängt wie eine bekiffte Zitronenscheibe an schwarzem Kaviar. Erst in diesem kostbaren Moment von astreiner Erkenntnis wurde mir klar, daß sich die normale Mondsichel von der Erscheinung einer Mondfinsternis erheblich unterscheidet, insofern es normalerweise keinen Schatten und damit auch nichts irgendwie davor- oder dazwischengeschobenes gibt, was zur Sichelbildung führt. Die Hälfte der sonnbeschienenen Mondkugeloberfläche ist eben nur zu einem großen Teil von dem irdischen Betrachter abgewandt, infolge der RELATIVEN Nähe von Mond und Sonne (immer noch vom irdischen Betrachter aus gesehen). Oh Mann. Bitte nicht weitersagen, wieviel Stanislaw Lem und dergleichen ich früher so las. Und vor allem, wo ich doch grad erst so stolz war, daß das Interesse für Science fiction ein Indiz für das Erreichen der - nicht jedem vergönnten - formal-operativen Stufe nach Piaget ist. Wer konkret-operational verharrt, kann mit alternativen Welten, Perspektivübernahmen und Konsequenzen-zuende-denken nämlich nicht viel anfangen. Aber so eine Mondsichel, wo man sich praktisch nur in seine eigene Perspektive im Kosmos hineindenken muß... ist schon 'ne Herausforderung.

Az új világ

[Die neue Welt]
Ort eines in interessanter Umgebung verbrachten Abends.

Heute nervte einiges: Die Baustellengeräusche auf der Arbeit. Daß ich umbaubedingt überhaupt nicht wußte, wo was hängt. Daß hundertfünfzig Leute, um ein wenig zu übertreiben, anfragen, weil ich in die erste Gruppe der Übung ausgelost wurde. Daß ein Haufen Leute fragte, ob ich heute zum Kolloquium komme, und ich aber arbeiten mußte und damit eine wahrscheinlich interessante Vortragung verpassen mußte. Daß ich von einem Beschluß, den ich selber nicht mittrage, profitiere. Daß ich in einer wahnwitzig überflüssigen Veranstaltung saß.
Und einiges gefiel: Die frische Luft. Die Schleifen der Kondensstreifen am Morgenhimmel, als wenn alle Flugzeuge plötzlich hätten wenden müssen. Das nette Mittagessen. Musik in der Halle, dafür keine Bild. Die Erkenntnis, daß nach Piaget nicht alle Erwachsenen auch das formal-operative Stadium erlangen, quasi die Entsprechung des Satzes: Dein Hirn ist wohl noch nicht fertig myelinisiert! Irisierende Begegnungen auf verschiedenen Ebenen. Und, gleich: Bett.

Mittwoch, 18. April 2007

Schneller als ich

Die Kollegen vom BILDBlog waren schneller als ich, wie man hier sehen kann. Dafür habe ich noch ein Photo von einem anderen Transparent. Im übrigen löste die BILDaktion die Debatte aus, ob man in einer "geschenkten" BILD herumlesen dürfe. Ich finde ja nicht, da man dann auch noch zur Werbefläche wird ("Sieh mal, all die Studierenden hier lesen das auch!"). Andere sahen das anders. Tja.


Im übrigen würde ich nicht auf die Idee kommen, die BILDpromoter zu verprügeln. Das ist wahrscheinlich der absolute Arsch-Job morgens im Arbeitsamt, vor dem sich jeder zu drücken versucht. Hmm, vielleicht aber auch nicht. Wie bescheuert muß man eigentlich sein, auf so eine Idee zu kommen? Wahrscheinlich ist negative Aufmerksamkeit auch Aufmerksamkeit.

Dienstag, 17. April 2007

Tenger levegö

[Meerluft]
Auf dem Weg in die Uni duftete es wieder salzig und frisch und dicht nach Meer. Der Himmel war nicht so blau wie an den anderen Tagen. Meeresluft ist irgendwie schwerer als Binnenluft. Auch sonst war das ein guter Tag. An sich wollten wir die Vorlesung von HJM besichtigen, nicht um uns zu foltern, sondern um fundierte Kritik zumindest sammeln zu können. HJM weilt aber auf einem Kongreß, was mir unerwartet eine ergiebige Vorlesung zum auditiven und vestibulären System bei Brand einbrachte, die ich inhaltlich wohl immer noch irgendwie wiedergeben könnte, vor allem die hauptsächlich, aber nicht ausschließlich überkreuzte Informationsverarbeitung. Über Hören und Nichttaumeln weiß ich jetzt nahezu alles. Aber ich fürchte, daß ich dem Lehrstuhlinhaber schlecht eine Mail mit dem Inhalt "Sie machen das komplett falsch, aber dafür scheint Ihr Assistent nicht ganz unbegabt zu sein." schicken kann. Das wäre auch kaum konstruktiv. Vielleicht sollte man Leute aus aller Welt animieren, Einladungen zu Kongressen aller Art hierherzuschicken.

Da wir noch nicht wissen, ob wir Sozial überhaupt bestanden haben, gehen wir besser in die Vorlesung. Interessant ist es ja eh, und wenn man das Gedöns schon gelesen hat, macht es auch mehr Spaß, da man die Studien kennt und überhaupt besser weiß, worum es so geht. An dem Dozenten gefiel mir eine gewisse straighte Linie, die auch das Sich-befassen mit den Türschließmechanismen ausschloß, sogar zuungunsten der hereindringenden Draußengeräusche. Auch das Mikrophon wurde nicht optimal eingesetzt, gelegentliches Gähnen im Publikum wurde gern kommentiert, und es gab viele Ähs. Trotzdem werde ich da weiter hingehen, denn besser kann man Inhalte kaum inhalieren. Spaß gemacht hat es ja.
Der Rest des Abends wurde mit zumeist netten Telephonaten aller Art verbracht und nun beendet.

Montag, 16. April 2007

Schönes vom Tag

Zur Verdeutlichung der Tatsche, daß auch hirngesunde Menschen häufig von Entscheidungsschwierigkeiten berichten, sagte MB heute, "Zum Beispiel sitzt man mit Freunden im Restaurant, und es geht ans Bestellen, und man bekommt den Eindruck, mit lauter Frontalhirngeschädigten am Tisch zu sitzen... nehm ich Pizza oder Pasta? Fleisch oder kein Fleisch? Groß, mittel, oder Salat dazu..." Außerdem zieht ein zu warmer Pullover zwangsläufig Ohnmachtsanfälle nach sich, eventuell infolge des Schwitzens. Wenn der Tutor seines übermäßig pinkfarbenen Hemdes wegen von uns Empiriepraktikantinnen möglicherweise strafend angeschaut würde, hätte dieses Feedback Einfluß auf die Hemdentscheidungsfindung am folgenden Montag; zumal der Tutor nicht so aussieht, als besäße er überhaupt irgendein Hemd, gleich welcher Farbe. Kurz, es geht um griffige Verdeutlichung. Jetzt muß man nur noch das heute gehörte sowie das Würfelspielchen und die Wahrscheinlichkeitsaufgabe und den Strategiefragebogen in griffige Fragestellungen und glasklare Hypothesen gießen, und schon ham wa's!
Nichts leichter als das, dachte ich und schlich in die Bib, um ein oder zwei keusche Blicke in die Versuchsplanung zu werfen, die ich allerdings nicht fand, dafür allerdings eine charmante Mittagessenbegleitung.
Übrigens, wo wir grad bei Feedback sind; es werden doch noch ein paar Sachen zu Max Goldt angemerkt. Erstens ist er absolut nett und unabgehoben dem Publikum gegenüber. Quasi die Verkörperung des Gegenteils von Starallüren und Divenhaftigkeit. Auf wiederholtes Husten im Publikum wird nicht ärgerlich, sondern besorgt, und als es später verstummte, humorvoll eingegangen ("Vielleicht führe ich diese Lesungen demnächst als Heillesungen durch"). Zweitens benützt er in sehr schöner und konsequenter Art wundervolle Konjunktive. Ich habe ihn sogar ein klein wenig im Verdacht, "söllte" und "sölche" zu sagen, was mich an meine eigene bisweilen kreativ wuchernde Grammatik erinnert. Drittens haben die vielen Vorlesungen meine Aufmerksamkeitsspanne, was das gesprochene Wort angeht, signifikant erhöht.
Falls das Blog demnächst hinterherhinkt, könnte es daran liegen, daß ich mich völlig freiwillig, soweit das bei einem fehlenden freien Willen möglich ist, für die Frühreferate gemeldet habe und daher in baldigster Kürze noch diverses lesen und ausdenken muß. Es könnte sein, daß die externe Kommunikation darunter leidet. Und ich hatte mich doch so aufs Semester gefreut... endlich wieder Zeit und so...

Schnelle Zusammenfassung

Ein putziges altes Theater, sieht innen ein bißchen aus wie die Probebühne eines richtigen Stadttheaters. Und ganz unprätentiöse Personen gehen hier zu Max Goldt, um seinem wunderbaren, unaufgeregten, bisweilen niedlich-putzigen Vortrag zu lauschen. Ich war ein bißchen irritiert davon, daß ich, bis auf den ganz frischen Text, die Geschichten schon kannte. War es wieder eine Zeitschleife? Aber nein. Er las sie im September im BE ebenfalls. In dem bislang unbekannten Text ging es ums Rauchen und ums Verbieten dieser Tätigkeit. Seine These ist, daß wenn man das Rauchen kategorisch verböte, es in einigen Jahren auch kaum mehr jemand betreiben würde, da es nurmehr in der fürchterlichen Umgebung des furchtbaren Bahnhofes Ostkreuz einen eventuellen Schwarzmarkt geben würde. Ich war zwar nicht ganz die einzige, die furchtbar lachen mußte, aber fast.
Also: ein netter und feiner Abend mit ebensolchen Personen, mit nicht ganz logistisch-hindernisfrei zubereiteten Nudeln und spätem Vanille-Pudding (natürlich Dr. Oetker); und Joe hat mehrmals gelächelt und sogar gelacht! Verhalten, wahrscheinlich. Inhaltlich folgt eventuell eine spätere Auswertung, aber morgen wartet das Empiriepraktikum und all das andere Gedöns.

Sonntag, 15. April 2007

Etwas verwunderlich

finde ich, daß hier nicht mit dem schmückenden Titel "Die Uni im Grünen" geworben wird. Wo sonst durchstreift man duftende Rapsfelder und surrende Wiesen auf dem Weg zur Mutter allen Wissens? Und nun schnell Tiefenwahrnehmung verstehen, und ab ins Freie! Nachher dann kochen, essen, Max Goldt, hehe.

Freitag, 13. April 2007

Von G.H. sicher durch die Vorlesung gerudert

Ich will noch aus der bereits mehrmals erwähnten Vorlesung erzählen, weil es mir selber ein bißchen seltsam vorkommt, daß einige Dozenten trotz zu bemängelnden Vortragsstils bei mir ganz gut abschneiden und andere mit wüsten Beschimpfungen belegt werden. Es scheinen liebenswerte Kleinigkeiten zu sein, die dann die eindeutig negativen Punkte abschwächen oder in den Hintergrund treten lassen, so daß das Gesamtbild positiv wird. In Versuchsplanung ist es die rührende positivistische Naivität des Dozenten bei gleichzeitig offensichtlichem und unerwartetem philosophischen Tiefgang, die das strenge und kalte Licht der nüchternen Beurteilung dimmt und wärmt und zu dem milden Urteil führt, daß zwar niemals ein Spiegel-Ranking-Rechercheur in diese Veranstaltung stolpern sollte, es aber auch keinen Grund gibt, dort nicht hinzugehen. Ganz im Gegensatz zu der Vorlesung unseres Hirnstars Markowitsch, der ich ja so gar nichts positives abgewinnen konnte, nicht einmal die Vorstellung, dann alles wenigstens einmal gehört zu haben. Da hätte ich eher noch Angst, daß die Ignoranz und das Desinteresse auf mich überspringen. Und bei Horstmann, der sich auch teilweise unbeirrt durch den Stoff stammelte, wurde das wieder durch Philosophierei sowie eine gewisse lässige Art, sich einfach mal hinzusetzen und unter der Überschrift "Nicht wirklich eine mögliche Klausurfrage" das Auditorium zum Nachdenken aufzufordern. Aber der Knüller war der Stock: G.H. hat keinen Laserpointer, sondern so einen altmodischen Stock, mit dem er gelegentlich auf Details auf der Folie zeigte. Hauptsächlich allerdings hielt er sich daran fest, schien damit eine nur ihm erlebbare Paddelpartie zu erleben, drückte ihn an sich, wirbelte ihn sachte herum und stakte gewissermaßen sich und uns durch die Untiefen der Vorlesung. Außerdem sagte er Satzteile wie: "... wie wenn man sich den ganzen Tag gegen eine störrische Tür wirft", "... bei biologischen Lebewesen..." und "Bevor ich Sie gleich frage, ob Sie noch Fragen haben...". Da muß man doch weiter hingehen!

Summertime, and livin' is easy

Hier ist förmlich der Sommer explodiert. Kaum vorstellbar, daß es mit weiterem Voranschreiten des Jahres noch wärmer werden wird. Es wird auch abends kaum kälter, was auf einen nahenden Jahrhundertsommer schließen läßt. Es ist toll, daß man auf den Wiesen um die Uni herum grillen kann. Falls es an Stöckern zur Bereitung von Knüppelbrot mangelt, kann man den Teig auch prima auf Alufolie grillen und anschließend gemeinsam mit gegrillten Zucchini und Quark und Kräuterbutter verzehren. Man kann auch gegen einen brüllenden Südwester mit der Frisbee ankämpfen und dabei feststellen, daß es noch andere Menschen gibt, die in ihrer Jugend oder wohl eher Kindheit auf dem C64 California Games gespielt haben.
Fazit der Woche wäre, daß ich nicht mal im Ansatz die Sachen gemacht habe, die ich mir vorgenommen habe, also am Montag mit absoluter Unwissenheit in meine Veranstaltungen stolpern werde, aber dafür etwas entspannter geworden bin, was vor allem am signifikant gesunkenen Kaffeekonsum zu beobachten ist. Aber ist schon anders als im ersten Semester: Den Aufwand für die Prüfungsvorbereitung kann man realistischer einschätzen, ebenso die Importanz von Vorlesungen; andererseits sind die Veranstaltungen zur wichtigen Nebensache geschrumpft: Man ist ohnehin in der Uni, und jetzt geht man mal eben zu Motivation.
Dinge, die uns im Moment erfreuen:
- Wir werden Sport treiben!
- Liebe Menschen sind zurückgekehrt bzw. haben dies ganz bald vor.
- Übermorgen gehen wir zu Max Goldt!
- Es gibt genug Dinge zum drüber Nachdenken.
Dinge, die uns im Moment schwierig erscheinen:
- Die Tage haben jeder immer nur 24 Stunden!
- Wir unterhalten uns lieber mit netten Menschen, statt zu lesen.
- Andere nette Menschen sehen und sprechen wir viel zu selten.
- Es gibt zuviele Dinge, über die nachgedacht werden muß.

Was nützt die Liebe in Gedanken?

Für meine vorvergangene Sonntagsfron erhielt ich einen 50-Öre-Gutschein, den ich heute umsetzte in eine Sporthose, zwei Nickis, eine Biene-Maja-Alarm-Sonnenbrille und frühlingsfarbene Flipflops mit Bastsohle. Erschreckend bei der Aktion: unglaublich schnell hat man den Gegenwert von 50 Öre inner Hand und will MEHR.
Wichtiger allerdings heute, und ich nummeriere es wieder durch, egal WIE uncool es eventuell rüberkommt:
1. Chaos bei der Entwicklungsvorlesung: ein Hörsaal für 68 Personen, und ca. fünfmal so viele wollen ÜBERRASCHEND (Eintrag im EKVV: 600) diese Veranstaltung besuchen.
2. Absolut souveräne Reaktion des Dozenten: andere Hörsäle abklappern, Zentrale aufn Nerv gehen, Vorlesung auf späteren Termin in geeigneterem Hörsaal abhalten.
3. Absolut blöde Reaktion: Nebenfächler, die befanden, daß doch für die, die einen Platz gefunden haben, die Veranstaltung hätte durchgeführt werden können.
4. Die Vorlesung in Motivationspsychologie ist für mich absolut irrelevant, da ja die Prüfung geschrieben und bestanden wurde. Ging heute trotzdem hin. Nachdem ich mich mehrmals gegenüber Kommilitoninnen dafür rechtfertigen konnte, der Veranstaltung beizuwohnen ("Du hast doch A2 schon geschrieben??"), durfte ich einem unprofessionellen, wenngleich inhaltlich engagiertem Vortrag folgen, der die ganzen, mir letztlich unerschlossen gebliebenen Motivationstheorien unter dem Gesichtspunkt des Menschenbildes strukturierte. Im Moment fühle ich mich ziemlich motiviert, da nochmal und erneut hinzugehen.
5. Es gab einen interessant-magischen Moment in der Unihalle, und dann noch einen.
6. MEHR, mehr Psychologie. Das mögen wir.
7. Titelbezogen: In meinem Kopf schwirren diverse Gedanken zum Thema herum, aber sie sind noch nicht artikulierbereit.

Sonntag, 8. April 2007

Mit dem Fahrrad über Berg und Tal und anschließend in die ausgestorbene Uni

Hmm, dem gibt es jetzt gar nichts mehr hinzuzufügen... Aber ich schmücke noch etwas aus:
1. Ausgeschlafen. Und zwar dem Begriff alle Ehre machend.
2. Die bösen Berge in Richtung Jöllenbeck inspiziert.
3. Dabei festgestellt: Man ist keine 28 mehr.
4. Nach Schröttinghausen abgebogen, da wollte ich schon immer mal hin.
5. Bei einer Pause auf einem Baumstamm in der Sonne gesessen, Kling Klang hörend. "Du und ich, die Straßen entlang... bloß von hier weg, so weeeeeit wie möglich, bis du sagst, es ist Zeit, wir müssen aus Feuerland zurück nach Hause, im Wiener-Walzer-Schritt... "
6. Unterwegs gab es einen Punkt, von dem aus ich das Wohnheim UND die Uni sehen konnte.
7. Durchquerte wieder das schöne Viertel mit den Berliner Straßennamen: Spandauer Allee, Glienicker Weg, Nikolasseeweg, Zehlendorfer Straße.
8. Habe es seit meiner persönlichen Fahrrad-Renaissance zum ersten Mal wieder die Rampe hinauf geschafft.
9. Konnte am "Heute NUR mit Büroschlüssel Zutritt"-Schild vorbeimarschieren. Auf dem Gang hier war sogar ein bißchen Betrieb: Entweder Jopt oder Schiefele sind Ostern offenbar auch nicht zuhause.
10. Das wichtigste für den heutigen Arbeitsabschnitt hatte ich natürlich daheim gelassen - das was ich mir schon auf deutsch rausgeschrieben hatte. Das ermöglichte mir allerdings eine ganz gute Wiederholung. Habe jetzt die einleitende Erläuterung der Studie (der ersten von ca. zehn!) auf deutsch zusammengefaßt. Vielleicht hat das ja eine von den anderen auch gemacht, dann könnte man sich austauschen.
11. Jetzt habe ich Hunger und keine Lust mehr.
12. Morgen werde ich mich auf dem Alten Markt in die Sonne setzen und die nächste Studie in Angriff nehmen. Irgendwann muß man das doch schaffen.
13. Fischte heute liebe Post aus dem Briefkasten. Das gibts ja auch noch - analoge Einladungen zu Hochzeiten und dergleichen; Postkarten mit roten Sternen; Spuckis auf Briefumschlägen; wirre Handschriften. Da wird es liebe Antworten geben.
14. Jetzt aber heim zu Tomatenbrot und Osterwasser.

Freitag, 6. April 2007

Mit dem Schlüssel voran

Es ist übrigens, auch wenn ich die Vorstellung vor kurzem noch bescheuert fand, ein cooles Gefühl, wenn man, statt demütig den Studentenausweis hervorzukramen, einfach lässig mit dem Schlüssel winkt und unangefochten in die Uni hineinspaziert. Rätselhaft bleibt, wie der nette Prodiac-Mann entschlüsselt, daß es sich NICHT um einen x-beliebigen Wohnungsschlüssel, sondern um einen Original-Fachschaftsraum- oder Studienberatungsschlüssel handelt. Aber das darf mir egal sein.
Zitate des Tages bzw. der Woche:
Fluchtbetontes Drohpendeln.
Es hat seit Stunden nicht geregnet!
Das ist Borderline für Anfänger.
Außerdem: Wo war ich eigentlich letztes Jahr zu Ostern?
Analog zu der Gruppe "Zuviele Bücher, die ich lesen möchte" schlage ich "Zuviele Dinge, über die ich nachdenken muß" vor. Warum ist es plötzlich so häufig hell draußen? Gab es eine historische Notwendigkeit, die zur Erfindung französischer Ventile führte? Ist Risiko-Entscheidungsverhalten vom Feedback abhängig? Führt es nicht zu größerer Zufriedenheit bei allen Beteiligten, wenn man Dinge, die man eh tun muß, dann auch gerne und gut erledigt? Schützende Verwirrung oder irritierende Klarheit? Sollen wir im Mai oder im September nach Moskau fahren? Glauben wir, daß wir JEMALS den Inhalt des Buches "Forschungsmethoden und Evaluation", in das wir heute im Rahmen unserer Beschäftigung mit der einen Studie einen Blick geworfen haben, verstehen werden? Und wenn ja, woher nehmen wir diese Sicherheit? Die Anwort ist aber eh "nein".

Butterfly effect

War der Film des gestrigen Filmabends.
Wieder einmal interessant und spannend, wie sich mit der Frage der Beeinflussung der Gegenwart durch Veränderungen in der Vergangenheit beschäftigt wird. In diesem Zusammenhang fällt mir natürlich sofort meine erfolgreiche Selbst-Sozialisation mittels diverser Ostblock-Science-Fiction-Schriften ein. In irgendeiner Geschichte eines mir nicht mehr erinnerbaren Autoren ging es um Teams, die mit speziellen Korrekturaufträgen in die Vergangenheit reisten. Einige zerbrachen daran. Woran, weiß ich nicht mehr. In einer Story von Lem durchquert Ijon Tichy extra irgendwelche Gravitationsstrudel, weil er eine Schraube an der Steuerung nachziehen muß, was alleine nicht geht. In den Strudeln hofft er, sich zu verdoppeln und somit die banale Reparatur durchführen zu können, aber weit gefehlt - zuviele Tichys aus verschiedenen Zeiten staken durch das Schiff.
However, wirft der Film die Frage von Determiniertheiten auf. Der Held versetzt sich immer wieder in die Situationen in der Vergangenheit hinein, um am entscheidenden Hebel was zu drehen und die Zukunft, also seine erlebte Gegenwart, abzuändern. Aber er bedenkt nicht, daß Menschen dynamische Wesen sind. Er stellt an einer Schraube, aber die gesamte Mechanik ändert sich. Und wieder reist er zurück, um das neue Übel abzustellen. Mit der Konsequenz, daß er schlußendlich zu seiner eigenen Geburt zurückkehrt, um sich selbst mit der Nabelschnur zu strangulieren. Konsequent fand ich, daß bei jeder gravierenden Vergangenheitskorrektur auch die Folgen der Veränderung, also körperliche Veränderungen und das Löschen und Hinzufügen entsprechender Erinnerungen, sichtbar gemacht wurden. So erscheinen Narben und verschwinden Hände. Der Selbst-Selbstmord, das Ausrupfen mit Stumpf und Stiel in der allerletzten pränatalen Phase fand ich dann doch, bei einiger Überlegung, sehr krass. Das ist doch eine depressive Überlegung: Es wäre für alle, mich eingeschlossen, besser, wenn ich nicht geboren worden wäre. Insofern hat mir der Film nicht gefallen. Aber er hat ein paar sehr wichtige Themen berührt: Man kann in der Kindheit für den Rest seines Lebens durch Mißbrauch und Mißhandlung traumatisiert werden. Und - möglicherweise befände man sich in ganz anderen Lebensumständen, wenn sich eine kleine, aber bedeutende, vergangene Begebenheit anders zugetragen hätte - man steigt eben nicht zweimal in denselben Fluß. Da sollte man sich vielleicht doch mit seiner Biographie einfach abfinden und anerkennen, daß man so ist, wie man ist, weil man es eben geworden ist. Man kann ja nicht vergleichen, denn es gibt uns nur einmal. Man wird NIE herausfinden , wie und wer man jetzt wäre, wenn man damals eine Banklehre gemacht hätte oder abgehauen wäre.

Die Gnade hat Gnade verdient

Der von mir seit langem hochgeschätzte Heribert Prantl hat zum Thema kommentiert, auf sueddeutsche.de, scharfsinnig und pointiert wie gewohnt. Dem habe ich nichts mehr hinzuzufügen.

Dienstag, 3. April 2007

Egymásba torlódnak az események

1. Lesestart: Gefühlte 50 Studien von M. Brand und wechselnden Konsorten zum Thema Decision-making und exekutive Funktionen im allgemeinen und zum fabelhaften Game of Dice Task im besonderen, wollen bis bald gelesen sein. Alles natürlich auf Englisch. Heute geschafft: knapp zwei Seiten.
2. Nicht zu vergessen: Für A1 muß ebenfalls einiges gelesen werden, auf Englisch natürlich, weil ich mich für eine Demonstrationspräsentation statt einer weit ins Nirvana verschobenen Scheinklausur entschieden habe. Wieso das denn?
3. Geschafft (Tapferkeitsmedaille mit Schwert und Wischmob): Butze geputzt. Puh. Nich dasses nötig war, aber is' schöner so, hehe. Jetzt liegt noch Bettwäsche im Trockner.
4. Fahrrad: Fortsetzung und (hoffentlich) Schluß: War heute NOCHMAL in dem Fahrradladen. Der Verkäufer ist ja ganz nett. Ich soll den Schlauch einfach zurückbringen. Das ist ja wie bei uns! Habe soeben das Kunststück vollbracht, den passenden Schlauch aufzuziehen UND den Reifen TROTZ dämlichen importierten Ventils prall aufzupumpen. Will noch keine großen Töne spucken, denn das Schmuckstück ist noch nicht wieder eingebaut. Mach' ich dann auch zum ersten Mal, so mit Gangschaltung und so.
5. Sport überhaupt: Werde mich morgen fürs Uni-Fitneß anmelden. Hoffentlich laufen da nicht nur Bratzen herum. Egal: Mehr Bizeps, weniger Speck sei die Devise. Und geschwommen wird morgen auch! Heute mußte das leider ausfallen, infolge des durch Nachttelephonierei mit der Zone erheblich verkürzten Nachtschlafes.
6. Furchtbar: HJMs Vorlesung. Geht ja gar nicht. Was war das denn? Das war ja furchtbar. So was gibt es doch gar nicht. *sichsammel* Das einer mehr Lust auf Forschung und weniger Lust auf Lehre hat, schön. Also schon mal NICHT schön. Aber man kann sich doch nicht hinstellen, keinen Satz zuende bringen, auch ÜBERHAUPT nicht an einem solchen Satz interessiert zu sein, in völliger Monotonie Dinge herunterleiern, die man selbst offensichtlich schon vor Jahren hinter sich gelassen hat und die einen in dieser "einfachen" Form auch nicht so recht interessieren, mit rotem Punkt auf die weißen Stellen, aus denen die informationsarmen Folien bestehen, weisen, und aus der Tatsache, daß man halbwegs in der Nähe des Mikros steht, schließen, daß man halbwegs im Raum verstanden wird.
7. Steht daher fest: Da gehe ich NIE wieder hin. Vielleicht versorgt mich mein netter Spitzel in der AE mit Informationen, wann HJM von M. Brand vertreten wird. Ansonsten: NEVER EVER! Lieber lese ich zur gleichen Zeit das Buch, trinke dabei Kaffee und berede das Gelesene mit anderen HJM-Verweigerern, gelegentlich unterbrochen von Dankesgebeten an den Diplom-Gott, der uns vor einer Veranstaltungsteilnahmepflicht bewahrt hat.
8. Und wie beurteile ich nun Menschen, die befanden, daß sie nunmehr wenigstens mal was mitgekriegt hätten?
9. In der Psycho-Lounge tobte heute eine Patriotismus-Debatte. Wer dazu Einzelheiten wissen will, hätte dabeigewesen sein sollen. Aber wie mans dreht und wendet: Mit einem deutschen Paß in der Tasche läßt sich leicht vom Verzicht auf Vaterlandsgefühle schwadronieren. Zurückgeben würde man ihn ja schließlich auch nicht. Andererseits schaffe ich es einfach nicht, mich diesem Land zugehörig zu fühlen. Außerhalb Berlins komme ich mir immer noch wie ein Fremdkörper vor.
10. Geriet heute in eine Fahrscheinkontrolle und vermißte meinen Studentenausweis infolge Nachlässigkeit bei der Klausureinsicht. Der eine wollte mir tatsächlich die ermäßigte Strafgebühr aufbrummen. Der andere, dem ich Ausweis und (glücklicherweise) Imma-Bescheinigung vorwies, ließ mich aber laufen. Schön, wie hier immer wieder alles mögliche einfach zu regeln ist, jenseits von "Das ist aber Vorschrift" und "Das war schon immer so".
11. Klausureinsicht: A2: War sehr erstaunt, was ich seinerzeit alles wußte. Einige Fragen habe ich aber nach dem "Sicheres Auftreten bei völliger Ahnungslosigkeit" - Prinzip beantwortet. Absolut selbstsicher aufs Papier geworfene Buchstaben verkünden, zumindest fragenbezogen, völligen Blödsinn. Durch mein Schmunzeln ergab sich noch ein nettes Gespräch mit der Psychologisch-technischen Assistentin, die sich von meinem Lerneifer, aber auch meinem Lanzenbruch für die Sozialpsychologie beeindruckt zeigte.

Montag, 2. April 2007

Telihold

Gerade wurde mir ein Text über ein Fahrradladen-Erlebnis zugespielt. Ich konnte allerdings noch nicht fragen, ob ich den hier einfach so drucken darf, daher steht er hier nicht.
Er bringt mich allerdings auf die Idee, meine eigenen letzttagigen Fahrrad(nicht)erlebnisse zu berichten. Mein Fahrrad verfügt über etwas, das ich immer als "diese französischen Ventile" zu bezeichnen pflege, warum, weiß ich nicht mehr. Immerhin werde ich stets damit verstanden, so falsch scheint der Begriff also nicht zu sein. Die lassen sich jedenfalls nicht so ohne weiteres einfach aufpumpen. Mehrjährige Ausbildung und entsprechendes Spezialwerkzeug scheint vonnöten zu sein. Ich fahre ja schon sehr lange Fahrrad, und in dem umfangreicheren Abschnitt dieser unglaublichen Karriere habe ich die Fahrräder entweder selbst repariert, oder wohnte der Reparierung persönlich und beobachtend bei. Bei einem längeren Ausflug, der unter anderem die Umrundung des niederländischen Ijsselmeeres einschloß, geriet ich schon einmal mit den erwähnten französischen Ventilen aneinander in Form irreparabler Luftfehle auf dem Heckreifen. Ich habe ja sonst nichts gegen Frankreich. Aber das mit den Ventilen sollten sie doch Leuten überlassen, die Ahnung von sowas haben. Jedenfalls begab es sich, daß mich das Radfieber befiel. Aber ach, keine Luft druff. Wochen später erstand ich eine Spezialluftpumpe für französische und auch alle anderen Ventile. Leider pumpte ich vergebens. Offensichtlich lag ein Bedienfehler oder aber ein Fabrikationsfehler vor. Späteres Nachfragen ergab, daß das Ventil erst zum Ventil wird, wenn man es so ziemlich aufgeschraubt hat, d.h. wenn auch die verbliebene Restluft den Reifen auf Nimmerwiedersehen verlassen hat. Um das jetzt nicht unnötig auszudehnen: Inzwischen ist gar keine Luft mehr im Reifen, das französisch-empfindliche Hi-tech-Ventil verbogen, unökologischen Prinzipien folgend nicht austauschbar und damit auch den vollkommen intakten Schlauch unbrauchbar stempelnd. Der freundliche Fachverkäufer versicherte mir indes, daß der famose Schwalbe-Schlauch mit der bewährten Allroundventilation ÜBERALL passen würde, auch durch das Felgenloch eines mit dämlicher Westtechnik ausgestatteten Trekkingrades. Ich grolle seiner Lüge nicht, da es trotz erfolglosen Unterfangens sehr nett war, mit einem Beck's und einem Haufen unnötigen (Schnellspannverschlüsse) Werkzeugs in der Hand hinunterzufahren und das Fahrrad in das goldene Abendlicht zu stellen und unter großem Getöse das Rad auszubauen und sich dabei ordentlich einzusauen (Gangschaltung!), um dann schließlich und ziemlich schnell festzustellen, daß das gute Ventil nicht durch das Felgenloch paßt.
Dann fahren wir morgen eben mit dem Bus zum Schwimmen, pah!
Ansonsten, übrigens:
In meinem Rucksack befinden sich zig Seiten an zu lesendem Material fürs Empiriepraktikum und für den A1-Kurs. Zeitspanne: zwei Wochen. Decision-making, übrigens. Entscheidungsverhalten in Risiko-Situationen. Tolle Testbatterie. Ein sehr entspannter Dozent, der schon wieder die üblichen Witze in die gesprochene Sprache einband. A1 - eine Ansammlung von zunächst alle und jegliche Vorurteile bestätigenden Nebenfächlern. Wenigstens war man als Hauptfachstudierende bevorzugt. (Nur ein "Dialog", eigentlich war es mehr ein "Reinreden", als Beispiel und Illustration: Scheinkriterien. Für Hauptfach: Anwesenheit (wie die anderen auch) + Demonstration ODER Scheinklausur. Das gleiche gilt für alle Nebenfachstudierenden mit Ausnahme der benoteten Einzelleistungen. Diese Scheine gibts nur bei der Klausur, weil sie keinen Bock auf eine Benotung der Demo-Stunden hat. Frage, instant: Und wie ist das bei den benoteten Einzelleistungen bei den BAs? Können die auch ein Demo machen?)
*GRRRR*
Oder, in anderer Situation, aber ähnlichem Kontext in der Studienberatung heute: Wer lesen kann, ist klar im Vorteil.
Und Überschrift-Erklärung: Ist grad Vollmond draußen.

Sonntag, 1. April 2007

Móziban voltam

Habe ein Online-Wörterbuch entdeckt, hehe.
Nach der Arbeit gab es das große Wundenlecken mit Pizza und Schmetterling und noch einer von den Psycho-Bazillen, und es wurde die gestrige Party ausgewertet bzw. rekonstruiert - Spontangeburtstagnachfeiern bei teilweiser Abwesenheit der Mitgeprüften. Unsereins hatte einen zehnstündigen Arbeitstag hinter sich und war entsprechend angeschlagen. Im Moment schaut es so aus, als entwickelten sich die kleinen informellen Zusammenkünfte zu hochkomplexen gruppendynamischen Geschehnissen, die in einer Mixtur aus genossenen und verweigerten Substanzen, gelebten und noch nicht entwickelten Beziehungen, verschwiegenen und doch gemachten Vorwürfen, Erwartungen, Enttäuschungen verschmelzen zu einer wohlbekannten, vielleicht nicht ganz bekömmlichen, aber vielleicht trotzdem benötigten Melange - na, ich hör mal besser auf mit der Analysiererei. Fakt ist, daß ich es weiterhin so halten und beizeiten das Weite suchen werde - es ist verständlich, daß es geschieht, aber auch anstrengend, wenn es einen selbst nur begrenzt angeht.
Jetzt aber zum Kino: Von niesen bereits völlig zu Recht gewürdigt: Neues vom Wixxer - mit einem wunderbaren Bastian Pastewka, der allerdings, genau wie einige seiner Schauspielkollegen einiges zugelegt zu haben scheint, aber immer noch genauso liebenswürdig-tolpatschig bravourös seine Aufgaben erledigt. Wie bereits im ersten Teil absolut toll: Christoph Maria Herbst als Hatler. Ich finde, wenn man sich dieser Figur überhaupt von einer satirischen Seite nähern kann, dann so. Unschlagbar: Herbst als Hatler im Nachtclub "Zum flotten Flötenschlumpf", karaokisierenderweise "My Way" singend. Außerdem noch Blackie Fuchsberger und eine bißchen hölzern spielende, aber dennoch charmant und entwaffnend lächelnde Christiane Paul. Und natürlich der Clou mit Roger Willemsen, zu dem ich mich dem Kollegen niesen anschließe und nichts verrate, falls noch wer den Film sehen will.
Insgesamt - ich kann mich nur undeutlich an den ersten Teil erinnern - wars ganz lustig, aber mehr auch nicht. Die Handlung ist sehr nebensächlich, aber es macht großen Spaß, all die Filmzitate zu entdecken. Unsereiner kennt ja nichtmal die Filme, zu denen die Zitate gehören, erkennt sie aber trotzdem - Matrix; Drei Engel für Charlie usw. MEINE persönlichen Lieblingszitate:
"Diagnose: Arschloch."
"Mir ging es richtig dreckig. Und dann habe ich auch noch mit dem Trinken aufgehört."
"Krankhafte Allmachtsphantasien sind nicht gerade mein Spezialgebiet, aber..."
Was ich absolut sympathisch fand: Man macht ja bei kleineren, anspruchsvolleren Produktionen immer Witze draüber, daß im Abspann dann 3., 4. und 10. Subassistenten und -assistentinnen aufgeführt werden, und in echt haben die immer Kaffee gekocht oder sowas (obwohl ich inzwischen auch sagen muß, daß der Wert von Leuten, die immer und stets frischen und heißen Kaffee bereithalten, nicht und gar nicht unterschätzt werden darf). Aber daß im Abspann von ca. eintausendfünfhundert namentlich erwähnten Personen ungefähr siebzig Prozent tschechische Namen tragen, da der Film größtenteils in Prag unter direkter Einbeziehung ungefähr eines Drittels der Bevölkerung der Malá Strana gedreht wurde, fand ich bemerkens- und liebenswert. Da waren wirklich auch alle, die mal einen Kaffeebecher gehalten haben, aufgeführt. Ein wesentlich größerer Beitrag zur Völkerverständigung als alles, was man sich gegenseitig als Entschuldigungen so anbieten kann.

Vasárnaponként

Seit fünf Jahren im Job, und heute hats mich zum ersten Mal erwischt, sonntags zu arbeiten. Unglaublich, wie voll der Laden war. Draußen tobt der Frühling, und man möchte ja meinen, daß die Bewohnerinnen und Bewohner eines derartig vom Wetter nicht gerade verwöhnten Landstriches jede der raren Sonnenstunden im Teutoburger Wald, auf der Kirmes in Heepen oder meinetwegen auf der Autobahn Richtung Nordsee zubringen, aber offensichtlich verfügt die außerordentlich geöffnete Innenstadt über eine beachtliche Sogwirkung. Spruch des Tages, geäußert in der beeindruckenden Schlange vor der Herrenanprobe (in einer unübersehbar vom Umbau befallenen Filiale): Ich verstehe nicht, warum die, wenn die schon so einen Riesen-Umbau veranstalten, nicht auch hier bei den Männern mehr Kabinen hinbauen.
Wir können NICHT zaubern. Aber keine Angst, das wird noch.

Freitag, 30. März 2007

Die Sonne scheint jetzt halt auf der anderen Planetenseite

Um es mal so zu sagen.
Dringende Nachträge:
1. Ich war noch nie in einer Filiale, die IRGENDWAS gewonnen hat. Es waren zwar immer Top-Irgendwas-Häuser, aber Verkaufswettbewerbe - nö. Und nun haben wir, von mir völlig unbemerkt, was gewonnen. Jeanswettbewerb, irgendwas, egal. Gibt ein Essen für alle.
2. Inkriminierend und nahezu anstrengend, wie sich mein persönlicher derzeitiger Musikgeschmack und das Gedöns auf der Arbeit annähern. Soll ich mich darüber freuen, daß Waiting for the 7.18 läuft? Das einzige, was mir wirklich gefällt, ist jene Whatever Lola wants - Version von wem auch immer.
3. Es ist gar nicht so einfach, einen Reifen mit französischen Ventilen vermittels einer entsprechenden Luftpumpe aufzupumpen. Es tat aber dringend not.
4. Infolgedessen konnte, zugegebenerweise nicht besonders überraschend, festgestellt werden, daß sich der Heimweg von der Uni bei Benützung eines Velozipedes zeitlich erheblich verkürzt.
5. Ob es JEMALS eine Kassiererin interessiert hat, daß die Kundin gerade im Begriff ist, mit ihrer Familie eine Reise nach Spanien anzutreten?
6. G8 ist wohl das beste Beispiel für gut funktionierende, paritätisch besetzte, nach dem Konsens-Prinzip entscheidende Gremienarbeit. Dinge, die in größeren Einheiten vielleicht eine größere Rolle spielen, wie persönliche Eitelkeiten, Muskelspielereien und Geplänkel aller Art, treten in den Hintergrund. Man diskutiert einen Antrag des Prüfungsausschußvorsitzenden, der eigentlich von der Fachschaft hätte kommen sollen/können. Wie aufmerksam!
7. Beim letzten Mal war nach der Prüfung vor der Prüfung. Diesmal bin ich einfach platt.
8. Dafür gibts nächste Woche Entspannung: Physio fängt natürlich pünktlich an, aber der Rest gönnt sich noch Freizeit, und ich damit auch... Aber Vorlesungszeit = Vorlesungszeit, daher: Nicht mehr als 20 Stunden Arbeiten, hehe.
9. und 10.: Liebe weiter entfernten Sozialkontakte: Es wird wieder besser! Ich muß mich derzeit nur daran gewöhnen, nach dem Aufstehen und vor dem Schlafengehen auch noch Zeit daheim zu haben, in der man prima elektronische Briefe und dergleichen verfassen und verschicken kann.

Donnerstag, 29. März 2007

Postsozial

Da es meinem lieben Arbeitgebenden in den Sinn kam, mich ausgerechnet gestern zur Frühschicht antanzen zu lassen, konnte am Dienstag das Hinterunshaben einer weiteren Vordiplomsprüfung nicht ausreichend gewürdigt werden. Es war natürlich sehr toll, ausm Audimax rauszukommen und erstmal ausgiebig mit Sekt quasi übergossen zu werden. Über die Klausur selber gibt es nicht viel zu sagen - Herr Bohner hat sich zwar durchaus an seinen Prüfungsfragen orientiert, aber bei den Studien mal ganz tief in den Überraschungssack gegriffen. Das war kein dünnes Eis mehr bei mir, das war offenes Wasser - und das habe ich ihm auch in die Arbeit hineingeschrieben. Pech gehabt. Also Bestehen ist etwas fragwürdig, lassen wir uns überraschen. Abgesehen von der direkten Unterstützung vor Ort freute ich mich sehr über allerlei liebe und herzliche Erfolgswünsche per SMS und auf meiner Pinwand.
Gestern gab es dann nach dem Arbeiten einen ausgiebigen Bummel durch die sonnverwöhnte Stadt. Eine These des Lübeckers bestätigend, derzufolge man sich bei Kontaktarmut nur fünf Minuten auf den Jahnplatz stellen müsse, um Psychos zu treffen, gab es einige nette Begegnungen. Entspannt in der Sonne stehen, nicht an irgendwelche Prüfungen denken, und in der Tasche die fette Belohnung für die vergangenen drei Monate: The chemical brothers, Push the Button; Air, Pocket symphony. Die erstere läuft gerade - oh, toll! Hochkomplex, offensichtlich ein durchkomponiertes Album. Damit dürfte schon klar sein, wie die Ohrwuschel postsozial bestückt werden: diese beiden und dann das unlängst von mir verschenkte Keimzeit-Livealbum vom vergangenen Jahr mit Mensch Meyer; die Teutotrax bleibt; es wird vorerst nicht mehr geshuffelt.
Die andere Belohnung besteht darin, daß ich am 15. April zusammen mit fünf anderen lieben Leuten in Reihe 4 des Theaters am Markt Max Goldts Vortragungen lauschen werde, worauf ich mich schon sehr freue. Erfreulich erstaunlich finde ich, daß die ohnehin normalpreisigen Eintrittsgelder sich für Studierende tatsächlich nochmal halbieren, und zwar unkontingentiert. Falls jetzt wer denkt, das sei nichts besonderes: Als ich Max Goldt im September im BE lauschte, gab es nur eine begrenzte Anzahl von ermäßigten Tickets, und die haben auch mehr als die Hälfte vom Normalpreis gekostet. Aber wir sind ja hier in Bielefeld, und da ist alles anders, und das freut uns oft.
Am einzigen freien Tag heute verschlägt es mich noch zum G8 in die Uni. Es gibt eine Milliarde Anträge, die ich noch nicht gelesen habe, was ich gleich nachholen werde. Das wars dann mit postsozialer Freiheit: Bis einschließlich Sonntag wird gearbeitet, und am Montag gehts wieder los - zumindest das Empiriepraktikum startet pünktlich. Eigentlich wollte ich präpraktikal noch ein paar Sachen lesen, die ich aus bester Quelle erhalten habe, da ich ja ein bißchen früh dran bin und vielleicht ein paar Vorwissenlücken habe, aber das schaffe ich wohl nicht mehr.
Also die Scheibe ist wirklich gut.
[ergänzung: BE = Berliner Ensemble]

Dienstag, 27. März 2007

Don't give up, these storms are passing

Protokoll:
Zum ersten Mal im Leben habe ich nicht nur die Uhr nicht umgestellt (das habe ich noch nie gemacht), sondern auch vergessen, beim Weckerstellen die Stunde mit einzuberechnen. War ja nicht so schlimm, aber kurios. Anschließend Plasmaspenden mit vorangehender "großer Untersuchung", in deren Rahmen ich vor allem feststellte, daß ich in sechs Monaten zehn Kilo zugenommen habe. Stelle eine unwissenschaftliche, quais heuristische Korrelation zwischen a) kein Sport, b) sich ungünstig auswirkender Cortisolspiegel und c) Fleischverzicht (ist mein Stoffwechsel zu andersbegabt für) her. Noch unzulässiger: Aus der Korrelation Kausalität schließen, hähä.
Während des Plasmaspendens lief Viva Karaoke und im Rahmen dessen lauter "Klassiker". Can't live, if living is without you. Like a virgin, touched for the very first time. It's in your eyes. She's a maneater, make you buy cars. Ein Schmalzduett von Eros Ramazotti und Anastacia. Und unglaublicheres. Immer wieder gut, daß ich mich derlei TV-Ereignissen stets und ausschließlich mit einer fetten Kanüle in der Vene aussetze, so daß ich mich nur begrenzt aufregen kann.
Anschließend trieb ich mich in der Uni herum, nickte meinen Lieblingsprofs zu, glich das Kaffeedefizit vom Morgen aus, aß eine Art Schnitzel mit was drin, entdeckte, daß es zur Not auch in der Mensa Salzstreuer gibt (bzw. wurde mir ein solcher gebracht), hatte ein schon nahezu fachsimpelndes Gespräch bezüglich meines Empiriepraktikums, das nächste Woche (ausgerechnet) in Physio startet, hatte ein irritierendes Erlebnis aufgrund des einmaligen Zusammentreffens von "Oh, dat Handiakku is' fast alle, da nehm' ick mal dat Ladenupsi mit" und "Gut, daß ich euch antreffe - hat jemand ZUFÄLLIG ein Nokia-Ladegerät dabei?", trank einen weiteren Kaffee, begab mich in die Geldverdieneinheit, erlebte dort die üblichen Kuriosa, begab mich zurück in die Uni (Gehen Sie direkt über Universität. Gehen Sie nicht über Zuhause und ziehen Sie nicht Wohlfühl- und Entspannungspunkte ein.), wo mir meine Lieblingsprüfungskodelinquentin Fragen stellte, die ich auch nicht beantworten konnte. Ich habe leider das Gefühl, als sei ich mit dem, was ich weiß (und das ist nicht mal besonders viel), RANDVOLL gefüllt, und als würde, wie in der Al Bundy-Folge, wo seine Tochter für ihn zu diesem Sport-Quiz muß, und ihr sämtliche gesellschaftsrelevanten Informationen zugunsten der Sportinfos abhanden kommen ("First dinner, then sex!"), also als würde mir jetzt auch immer was verschwinden, wenn sowas wie "Korrelation zwischen Einstellungen und Verhalten" reinkommt. Jedenfalls rettete ich besagte Leidensgenossin noch vor unnachgefragter Konversation und begab mich heimwärts, begleitet von *Fuck forever (schön, aber unpassend)*Someone's*Numbered days (siehe gestern)*Positive tension (Play it cool, boy!)*love&hate (die heutige Titelzeile ist aus diesem Nr.2 der Teutos)*One time too many (Wie war nochmal mein Leben OHNE Phoenix??)
Zum Abschluß des Abends darf ich feststellen, daß es am Rhein Menschen gibt, die "Schwarze Katze, weißer Kater" kennen. Wie geil ist das denn? Das bringt mich glatt drauf, den Film mal in den Filmabend zu schleppen. Mit so einer Art Gegenteil von Prüfungsveto.
Morgen wird "ausgeschlafen" und der weibliche Teil der Studienberatung mit Sozialpsychologie gequält. Und hinterher gibt es wohl genug Leute, die irgendwie mit Sektflaschen herumstehen und nicht wissen, wohin mit dem Zeug, hehe.

Sonntag, 25. März 2007

Gedächtnisübung IV

Nach acht Stunden übers mondbeschienene und nahezu trockene Feld, beschallt und untermalt von: Unintended. Numbered days. Song for Clay (Disappear here). Hands + arrows. Napoleon says. Inkin ark. Long distance call. SXRT. The clown. Don't let him waste your time.
Anmerkungen:
1. Insgesamt ziemlich passender Song, aber irgendwie stellt sich langsam ein Wiederholungsgefühl ein. Hatten wir das alles nicht schonmal? Nur eben mit anderen Liedern, früher. Zum Beispiel Lassie singers mit "Ich hab' ein Faible für Idioten."
2. Hmm, gutes Schlußmachlied.
3. Gefällt mir wegen der anders formulierten Version von "Loch!" Klappt ja in echt meist nicht, was zu interessanterweisen netten Arrangements führen kann. Und zum Nicht-Weglaufen.
4. Kissing you from somewhere... Schwebemucke.
5. Ein Lied über Kleidungsstücke, insbesondere Mäntel und das Comeback der langen Unterhose. Wenn ich den Text richtig verstehe.
6. Brüllt.
7. Ferngespräche, jaja. Seit das kein Geld mehr kostet, macht man das viel zu wenig. Lieber telephoniert man teuer mobil mit 800 Meter Luftlinie entfernten Schmetterlingen.
8. Walking in the countryside... Kommt meiner leidenschaftlichen Verehrung von leise und unaufgeregt beginnenden und sich dann plötzlich emotional und auch musikalisch entladenden Songs voll entgegen.
9. Kam neulich des Lernens häufiger des Weges und wird daher momentan etwas idiosynkratischer eingestuft und manchmal sogar weggedrückt.
10. Paßt ja mal voll, zumal wenn man es als Aufforderung an sich selbst versteht. Der andere macht ja meistens gar nichts.
So, derart mit Speichermöglichkeiten ausgestattet, dürfte ja eigentlich nichts schiefgehen übermorgen. Stand vom Lernen: Was auf meinen Karteikarten draufsteht, kann ich halbwegs. Was da nicht draufsteht, eher nicht. Schlüsselstudien gibts ein paar, von denen ich glaub ich noch nie gehört habe, die kann ich dann auch nicht. Von vieren muß man ja drei machen, wenn ich Glück genug habe, sind zwei mir bekannte dabei. Gefalle mir selbst dabei, wie ich alles zu verstehen suche, oft sogar erfolgreich. Ich blicke also nahezu stolz auf zwar nicht ausreichend umfangreiches, dafür aber wirklich durchdrungenes und abrufbares, integriertes Wissen (statt auf Schubladen voller auswendig gelernter Definitionen ohne Zusammenhang). Gut vorbereitet fühle ich mich zwar nicht gerade, aber das ist auch die letzte Prüfung, für die ich ein Semester vorgelernt habe.
Was gibts noch? Es gibt doch tatsächlich eine Person, die Elefant nicht nur kennt, sondern sogar schonmal LIVE gesehen hat! Das ist ja absolut erstaunlich. Die Band gibt es also wirklich.

Nachtbuskuriosa

An den Wochenenden fahren hier ja sogar Nachtbusse, und am Rande bemerkenswert finde ich, daß diese tatsächlich stündlich fahren - in Stuttgart, was ja immerhin nicht nur eine quirlige Regionalmetropole, sondern sogar Landeshauptstadt und Wirtschaftsmagnet ist, sind die Dinger zweieinhalbmal in der Nacht gefahren. Interessanterweise fährt der mir zuständige Nachtbus nicht auf der großen Straße den kürzesten Weg nach Jöllenbeck, sondern durch das Nachtjackenviertel in Gebiete hinein, die am Tage nicht mal von ferne den öffentlichen Personennahverkehr zu sehen bekommen. Naja, ich will mich ja nicht beklagen. Ein dreifaches Hurra für die Nachtbuslinie 2!
Schön, so ein Reinfeiern. Alle sind ein wenig am Feiern, erste Experten machen sich über die Playlist her, und dann beginnt heimlich das hektische Uhrenvergleichen. Die WG-Küchenuhr geht natürlich vor, damit man die Bahn trotzdem noch bekommt. Irgendwo taucht dann ein Funkwecker auf, und das große Rückwärtszählen fängt an. Es wird geklatscht und gerufen und Happy Birthday gesungen. Anschließend werden von kleineren Gruppen noch weitere Geburtstagslieder, zumeist aus früheren Tagen ihrer Sozialisation, zum Besten gegeben. Da keiner sonst aus meiner geographischen Sozialisationsecke dabei war, mußte auf "Weil heute dein Geburtstag ist" verzichtet werden, worüber allerdings niemand, ich eingeschlossen, traurig war. Dann wurden Kuchen und Geschenke überreicht, Sektkorken knallten, und das Geburtstagskind freute sich sichtlich und völlig berechtigt über die ihm zukommende Anteilnahme, von den Geschenken natürlich ganz zu schweigen. Dem sich anschließenden Gehüpfe entsage ich derzeit zugunsten morgiger Beschäftigung mit Sozialpsychologie.
Allerdings starrte ich eben gerade ca. zwei Minuten lang die Zeitanzeige unten rechts an. Verdammt, wie kann es plötzlich 3:17 geworden sein, wenn du doch um zehn nach eins mit dem Nachtbus gefahren bist, dachte ich so bei mir. Aber das Rätsel wurde, im Gegensatz zum Stadträtsel drüben, schnell gelöst. SUMMERTIME, and the livin' is easy...
Ach, und drüben: Vorhin wurde mir endlich mein bielefeld-rockcity.de - Shirt überreicht.

Antwort auf Kommentar

Ja, aber der Unterschied zwischen deiner und meiner Geschichte besteht ja wohl erstens in der Größe des urbanen Raumes, in dem wir uns jeweils bewegen, und zweitens in der Anzahl der reiherrelevanten Gewässer, die es hier bzw. dort so gibt. Hier gibt es, außer den genannten Teichen, überhaupt keine nennenswerten Gewässer.

Samstag, 24. März 2007

Optische Täuschung

Wenn ich zum Extra mit dem wählerischen Pfandflaschenautomaten spaziere, passiere ich einen Garten, der mit einem Teich und einer Reiher-Skulptur ausgestattet ist. Das ist ja nun nichts besonderes. Da muß man nicht gleich nervös werden wegen. Dann biege ich um eine Ecke, fröhlich und falsch "From A to I" vor mich hinpfeifend, und entdecke einen weiteren Garten mit Teich und Reiher. Vielleicht gabs mal im Baumarkt Reiher-Skulpturen zum Sonderpreis, und jetzt steht in allen Babenhausener Gärten so ein Kunstreiher herum. Dieser Gedanke machte es sich gerade in meinem Bewußtsein gemütlich, als der vermeintliche Gipsvogel seinen Schnabel bewegte, seine Flügel bewegte, seine Beine bewegte und sich schließlich zu einem Rundflug in die Lüfte erhob.
Verrückt.
Ab in die Uni - da werden meine Sinne nicht derart verwirrt.

Freitag, 23. März 2007

Und außerdem

verbeugen wir uns voller Respekt vor zwei weiteren Einsen in Päda und Evaluation, und mal ganz ehrlich, liebe Psychos, das ist doch nicht euer Ernst, daß man im Hauptstudium nur noch auf Einsen lernt, oder? Mir ist das ja jetzt schon zuviel.
Schön, wie einer der A2-Ritter heute rauskam mit dem (noch den gesamten Rest-Tag in der Cafete erschallenden) Schlachtruf "Wir haben Klausur geschrieben!" Manch einer ärgerte sich ja darüber, daß die Klausur wirklich nicht so schwer war, wie von mir beinahe gebetsmühlenartig wiederkäuend angekündigt. Schließlich habe man ja sooooviel gelernt...
Heute abend gab es einen Film, bei dem ich eigentlich Protokoll hätte führen müssen, soviele schöne Sätze kamen drin vor. Elling heißt er. Sofort wurde in mir Sehnsucht nach Oslo, wo ich vor elf Jahren mal war, geweckt.

Mittwoch, 21. März 2007

3.0

Das heißt: Bestanden!
Die erste von sieben Vordiplomprüfungen haben wir gerockt. Da fällt doch ein Stein vom Herzen. Das wirft einen langen, aber angenehmen Schatten voraus auf die Sozialprüfung am Dienstag. Ich habe zwar nicht unbedingt den Eindruck, darauf optimal vorbereitet zu sein, aber wenn sich Herr Bohner halbwegs an seinen eigenen Prüfungsfragen orientiert, sollte das eigentlich auch zu schaffen sein.
Bei der bestandenen A2-Prüfung handelt es sich um meine erste erbrachte Prüfungsleistung an einer Universität überhaupt! Es besteht also Anstoßbedarf, dem, und jetzt geht das allgemeine Daumendrücken weiter, morgen hoffentlich Rechnung getragen werden wird.
Also, liebe A2er und Evaluationisten morgen: Ihr schafft das! Ich glaube an euch!
Und außerdem gibt es Glückwünsche für die drei Diplomeinsen von heute und Montag. Respekt!

Montag, 19. März 2007

Status Geschenke

Eines abgeschickt, eins bestellt. Das Patentöchterchen muß noch ein wenig warten, aber dafür soll es auch was besonders schönes sein, und nicht einfach hingehunzt - Taufe ist ja schließlich nur einmal. Dann müßte ich in puncto Geschenke wieder im grünen Bereich sein - aber im Mai geht es gleich weiter.
Habe gerade mit einer Konfidentin, was die Prüfung betrifft, gesprochen. Ohne die Prüfung wäre alles nichts gewesen - abmelden gilt nicht, allenfalls durchfallen wie ein Mann wird akzeptiert.
Der Satz des Tages war heute der Name meiner Lieblingsgruppe im StudiVZ - Sicheres Auftreten bei völliger Ahnungslosigkeit. Das scheint hier mein Motto zu sein, wenn ich mir so angucke, was mich die lieben Kommilitonen so fragen, und vor allem, was ich dann darauf so antworte. Hehe.
Durfte mich heute wieder über die typisch unkomplizierte Klärung von Sachverhalten an dieser Uni freuen. Ich dachte beim Vorbeispazieren am Studierendensekretatriat, na, kannste ja mal fragen, wies mit dem Leporello und dem NRW-Kredit aussieht, ob da Klärungsbedarf ist - vor der Tür steht trotz Sprechstunde zwei Wochen vor Semesterbeginn niemand. Zaghaft betrete ich das Zimmer der freundlichen Sachbearbeiterin, die selbstverständlich sofort den Rechner mit meiner Matrikelnummer füttert und mir allerfreundlichst mitteilt, daß alles in bester Ordnung sei, daß ich mit der eigenmächtigen Abänderung der Einzahlsumme völlig richtig gehandelt habe, daß der Studienkredit seinen Gang gehe und ich mir ü-ber-haupt keine Sorgen machen müsse - wenn der Leporello noch nicht eingetroffen sei, dann sei zumindest stündlich mit ihm zu rechnen, usw. Vor lauter Glück habe ich auch gleich meine Anschrift geändert. Also mal ehrlich. Ich glaube, in bestimmten Dingen werde ich hier ganz schön verwöhnt.
Aus gegebenem Anlaß: Rechtschreib- und andere Fehler dürfen gerne öffentlich als Kommentar oder privat per e-Mail gerügt und angekreidet werden - pflege diesbezüglich einen hohen Anspruch, bin aber zu fortgeschrittener Stunde vor solchen Schludereien nicht gefeit. Ganz zu schweigen von Wörtern, die man auch nachschlagen könnte...

Das Daumendrücken geht los

Heute weit nach Osten rüber. Du steckst sie alle in die Tasche!

Mal was ernstes

Zu später Stunde verdanke ich Johannes das bei ihm ebenfalls verlinkte Interview von spiegelonline mit Claus Peymann zum Thema RAF und Christian Klar und Rechtsstaat und Utopien. Zunächst habe ich so eine Déjà-vu-Erinnerung, als ob schon mal wer jemandem einen Praktikumsplatz angeboten habe, der eigentlich, nach Lynchjustiz usw., eher auf Knien hätte irgendwohin rutschen sollen, um dann doch nichts zu kriegen, aber daran kann ich mich grad nicht erinnern. Wer das wissen will, soll es halt googeln. Früher sagte man immer, guck ins Lexikon! Heute googelt man. Leider mit ähnlichem Erfolg. Aber ich schweife ab.
Claus Peymanns Aussagen erfrischen mich schon allein dadurch, daß sie nicht an einer wo-auch-immer-verlaufenden p.c.-Linie orientiert sind. Aber nicht der schöne Satz, daß das folgerichtige Scheitern der kommunistischen Diktaturen keine Legitimation der Diktatur des Kapitals bedeuten würde, hat mich so beeindruckt. Sondern daß man mal was originelles hört zum Thema Klar. Daß man nach jahrelanger Isolation möglicherweise verquere Worte findet und merkwürdig formuliert. Daß es eine Zeit gab, in der man sich entscheiden mußte - und sehr wenige Menschen haben sich für den gewalttätigen, terroristischen Weg entschieden und dabei allerlei Schaden angerichtet, worauf sie höchstwahrscheinlich selbst nicht besonders stolz drauf sind - allein schon, weil es so offenkundig ganz erfolglos war. Das nimmt man ihnen vielleicht so besonders übel - daß sie nicht mal was erreicht haben. Und daher freue ich mich über diese Sätze von Claus Peymann: "War die französische Revolution eine Anmaßung? Ist politische Utopie Anmaßung? Ist der Kampf für eine bessere Welt Anmaßung? Für ihren Lebensirrtum haben diese Menschen jedenfalls entweder mit ihrem Tod - oder mit einer sehr, sehr langen Gefängnisstrafe bezahlt."
1995 bin ich mal im Rahmen einer längeren Zugreise in Bad Kleinen vorbeigekommen. Die groteske Selbstmordung von Wolfgang Grams lag gerade zwei Jahre zurück. Dieser popelige Mecklenburger Bahnhof lag einsam und verlassen da, unschuldig, alt, wie vergessen - und doch hatte sich hier eine der entscheidenden Szenen der neunziger Jahre abgespielt. Absolut unvorstellbar, daß sich so etwas wie eine GSG9 - Einheit überhaupt hierher hatte verirren können.
Die Französische Revolution - heute gilt sie als Mutter der europäischen Demokratie. War sie damals vielleicht anmaßend? Haben die RAF-Terroristen Fehler gemacht, und haben sie nach geltendem Recht im Gefängnis für die Folgen gebüßt?
Ich will jetzt nicht den Eindruck erwecken, als würde ich das alles auf die leichte Schulter nehmen. Eher würde ich sagen, grad wenn Christian Klar öffentlich verkündet, den Kampf fortzusetzen, dann sollte man ihn endlich begnadigen. Für die Entwicklung gewisser Demokratiestrukturen waren die RAF-Aktivitäten ja ohnehin eher hilfreich.

Sonntag, 18. März 2007

Dialog beim Bäcker

Vorhin beim Brötchenkauf:
Ich: Ich hätte gern zwei Brötchen.
Sie: Zwölf Brötchen! *Nach einer großen Tüte greifend*
Ich: Nein, zwei! *Mit zwei Fingern der rechten Hand die Zahl zwei visualisierend*
Sie: Ach so, drei!

Samstag, 17. März 2007

Zu früh gelobt

Die Bildschirmtinte war noch nicht trocken, da bewölkte sich der ostwestfälische Himmel, kreißte und gebar den schönsten Landregen der letzten zwei Wochen. So ist das hier.
Folgende Ergänzungen gilt es zu tätigen:
Ich finde ja nicht, daß Sozialpsychologie eine Art besseres Taxifahrerwissen repräsentiert. Aber ich habe mich in den vergangenen vier Wochen auch mit nichts anderem beschäftigt. Die inkrimente Äußerung kam denn auch nicht von einem Sozial-Delinquenten. Der wird sich noch schön umgucken, wenn er mit A2 fertig ist! Überhaupt werden Berliner Taxifahrer wahrscheinlich überschätzt - wenn sie merken, daß man den Weg selber weiß, fahren sie schweigend die kürzeste Route. Und wenn sie nicht gerade selber Psychologie studier(t)en, haben sie von Gruppenprozessen höchstwahrscheinlich gar keine Ahnung - woher auch, wenn sie den halben Tag am Frankfurter Tor am Taxistand auf Kundschaft warten.
Heute versammelten sich alle Frauen mit PMS im Laden, um mich zu ärgern. Die tönenden Bohrmaschinen und Kreissägen verbesserten die aggressive Grundstimmung keineswegs. Heute war ich an allem schuld: daß es die meisten Jeans nicht in Größe 28 bzw. Länge 30 gibt; daß andere Kunden den Laden verwüsten; daß es nicht auf ALLE Pullover 10 Öre Rabatt gibt; daß es keine Westen gibt. Außerdem begegneten mir wieder schöne und schönste Begriffe. Wie reagiert man eigentlich professionell, wenn einen ein Kunde, definitiv bar jeglichen Homosexualitätsverdachts, nach "Bodies" fragt? Er meint enganliegende Longsleeves, aber woher soll ich das wissen, wenn in meinem semantischen Gedächtnis "Body" unter "wie Badeanzug, nur mit Knöpfen als Pinkelhilfe, auch langärmelig" gespeichert ist? Wenn jemand "Weste" sagt, frage ich immer schonmal nach, weil das schon in Stuttgart unter Umständen Jacken waren, was hier auch so eine Unsitte zu sein scheint. Schlumpf hatten wir schon, das sage ich inzwischen aber selbst, weil ich es niedlich finde, wenn sich erwachsene Männer gegenseitig beim Schlumpfkauf helfen.

Freitag, 16. März 2007

Schon wieder gute Musik

Mir wurde gerade auf einem der verschlungenen modernen Kommunikationspfade ein Link zu Maximo Park zugespielt, die ebenfalls ein neues Album herausbringen. Haben die sich alle abgesprochen? Mit welcher Neuerscheinung belohnt man sich denn nun für die Prüfung? Das wird bei den Labels offenbar nicht in ausreichendem Maße bedacht. Jedenfalls scheint Maximo Park auch zu den Bands zu gehören, die mir theoretisch gefallen - also immer her damit.
Wort vom Donnerstag: Beaufwahrung.
Es gibt ja eine Tendenz zur Aufgabenwiederaufnahme nach Unterbrechung. Ich bin mal gespannt, wann der Effekt bei mir eintritt. Immerhin ist ein Geschenk am Entstehen. Aber sonst: Nada. Aber die Tage bestehen ja auch aus Ohrwuschelalarm, Kaffee, Karteikarten und Kundenertragung. Bei Musik fällt mir noch das Zitat der Woche ein: "You are a natural disaster - I want you so much, and now I'm gonna loose..." Also jemanden als Naturkatastrophe zu bezeichnen, die man begehrte und nun verliert - tja, derlei Poesie ist nicht jedermann gegeben, oder?

Nachtrag zu Punkt 8:

Die Quintessenz aus Herrn Krauss' Ausführungen *gähn* wäre ja wohl: "Stellenanpassungen sind Stellenkürzungen von Stellen, die es gar nicht gibt." - Und das in Bielefeld...

Notizen über Vergangenes

Eine systematische Aufarbeitung ist im Moment aus technischen Gründen leider nicht möglich. Wir greifen daher auf die altbewährte unregelmäßige wie-es-uns-einfällt-Stichpunktmethode zurück.
1. Zu Chromatey Dreamcoat, Boards of Canada - kann man ewig hören. Mit der Zeit erschließen sich elementare Unterschiede zwischen Ohrwuschel (baßlastig) und unter der Dusche (höhenbetont). Und dann kommt immer diese Stelle, wo der Beat aus- und dann wieder einsetzt - bumbumbum bumbumbum bum-bum-da-bumbum bumbumbum bumbumbum usw. Unglaublich.
2. Phoenix gefällt mir auch gut.
3. Möglicherweise überwinde ich demnächst den toten Punkt. Wird auch Zeit - ich habe noch mehr als zehn Tage "Zeit" bis zur Prüfung.
4. Der Frühling ist ausgebrochen und konnte bislang nicht wieder eingefangen werden. Bielefeld überrascht immer wieder - im Moment mit dem völligen Weglassen jeglichen Regens seit bereits einer Woche. Es ist warm; Vögel veranstalten den üblichen Lärm; morgens steht die Sonne schon sehr hoch am Himmel, und ich stehe wirklich sehr früh auf; von jenseits der nahen Stadtgrenze weht frische Landluft herüber, so daß mein Apartment bei offenem Fenster wie ein Kuhstall daherduftet; überhaupt ist hier eine frische und feuchte, fast fruchtbare, frühlingsheischende Luft, die einen nicht an die quirlige Metropole Ostwestfalens, sondern eher an Brodowin im Biosphärenreservat Schorfheide denken läßt.
5. Dabei fällt mir ein, daß ich im Vergleich zu Berlin nunmehr spätere Sonnenauf- und demzufolge ebensolche -untergänge haben dürfte. Ungeprüften Schätzungen zufolge dürfte diese Verschiebungen eine Viertelstunde ausmachen.
6. *Zitat*Sozialpsychologie muß man nicht lernen; das ist Taxifahrerwissen. *Zitatende*
7. Berliner Taxifahrer vielleicht.
8. Habe heute an einem Gespräch mit dem Rektor als Vertreterin der Fachschaft teilgenommen. Es ging um die bereits erwähnten Stellenkürzungen, die immer Stellenanpassungen heißen, weil sie für die Qualität insgesamt eine Verbesserung darstellen können, auf dem Rücken des Aktenordners aber trotzdem Stellenkürzungen heißen. Aber nun gut - wir wollten ein klares Bekenntnis zur Psychologie in Bielefeld und Planungssicherheit, und im Prinzip haben wir das bekommen, soweit das Rektorat derartiges zusichern kann. Das Land NRW scheint sich ja alle Jahre neue Zukunftssicherungspakte auszudenken, die merkwürdige Aktionen der Unis nach sich ziehen. Also, das war schon sehr interessant - der Rektor hat ein unprätentiöses Büro im dritten Stock mit dem üblichen Ausblick, einem Luftbild der Universität und mindestens einem polnischen Buch im Regal. Es gab nicht mal Kekse - da sind die bei A&O aber schon weiter!
9. Bekam heute freundlicherweise zur Unterstützung einen ordentlich geführten Sozial-Ordner überreicht, mit Empirie-Praktikumsbericht und ergänzender Literatur und Prüfungsvorbereitungen. Sowas habe ich bislang nicht. Auch nicht von A2, womit ich inhaltlich abgeschlossen habe und wovon es lediglich wirre Haufen beschriebenen Papiers in verschiedenen Formaten gibt, die sicher nie mehr jemandem helfen können. Da gibt es noch Entwicklungsspielraum. Überhaupt freue ich mich schon auf die erste Prüfung, für die ich nicht komplette Semester werde vorlernen müssen, da ich beide Vorlesungen besucht haben werde.
10. Futur II ist eine feine Sache.
11. Obwohl sich bei A1 auch schon ein unvollständiger Vorlesungsbesuch abzeichnet, da das Entwicklungsseminar parallel zu der einen Vorlesung liegt.
12. April, April - da mache ich ein bißchen, was ich will.
13. Der elektronische Briefkasten quoll über. Mit etwas Geschick und einem geübten Auge entdeckt man aber sofort die beiden wirklich lieben Nachrichten.

Montag, 12. März 2007

Someone's

ist heute most shuffled song. Und paßt irgendwie, mit den verhaltenen Akkorden, der unprätentiösen Stimme, die mir was erzählt, aber was? Von jemandem. Someone's taken me up. Oder so - ich bin nicht gut im Songtexteverstehen. Paßt jedenfalls prinzipiell.
Zudem bemerke ich gerade eben erst, daß das Thema von "All I need" bereits auf der Premiers Symptomes vorweggenommen wird. Überhaupt bringen Air gerade ein neues Album heraus. Wenn das mal nicht die perfekte Prüfungsbelohnung wäre. Für den unwahrscheinlichen Fall, daß wir die Prüfung halbwegs mit Anstand hinter uns bringen, was ich inzwischen nicht mehr so recht glaube. Warum ich mich dann nicht abmelde? Einfach schon aus dem Grund, daß ich mich die ganze Zeit über die verschenkten Ferien ärgern würde. Wenn ich schon die ganze Zeit lerne und dann trotzdem durchfalle, habe ich vielleicht wenigstens für meine Prüfungsvorbereitungstaktik was gelernt, nämlich daß sie nicht optimal gewesen ist. Hmm, sieht ganz so aus, als läge dieser Lernschritt direkt vor uns.
Noch zwei Wochen.
Und ich hinke schon erheblich mit diversen Geschenken hinterher. Auch noch. Wer hat eigentlich Geburtstage, Taufen u.ä. in Prüfungszeiträume verlegt??

Sonntag, 11. März 2007

Gedächtnisübung III

Clara, natürlich, 7 Monate; Simon, 23 1/2 Monate; Arvid, 6 Wochen; Phillip, 10 Wochen; Jonathan, unbekannt, aber auch winzig; Johanna, 4 Jahre; Pepe, 22 Monate; Georg-Otto, vielleicht 20 Monate; Karlchen, unbekannt, vielleicht 4 Jahre; Miriam, 10 Monate; eine Frau schwanger. Tja, ohne eigene Kinder denkt man dann: Ja - ihr zahlt mal meine Rente! Bzw. dadurch, daß ich keine Fehlzeiten und Gehaltsausfälle durchs Kinderkriegen und -haben habe, zahle ich MEHR in die Rentenkasse ein, also habt euch nicht so! Aber witzig: früher hat man in Friedrichshain ja immer wegen der Hundefäkalien auf den Boden geschaut. Jetzt guckt man immer, ob man gerade im Begriff ist, einen Zwerg umzunieten.
Anschließend ließ ich mich von meiner Stamm-S-Bahn nach Köpenick transportieren und wohnte einem Steinbeißerfilet-Vertilgungs-Event samt Fenchel-Kartoffel-Gratin als aktive Teilnehmerin bei. Vielleicht sollte ich das mal als Rezeptvorschlag in den Meckerkasten vom Studentenwerk werfen.
Schauriges brachte der Vergleich Fußballtip - Realität zum Vorschein. Ich sollte es vielleicht doch bleibenlassen - wobei Realität auch gerne und viel überbewertet wird.

Samstag, 10. März 2007

397 km mit Stopover

250 Kilometer davon mit Intercity, 120 mit Regionalexpreß und den Rest mit der S-Bahn - viel abwechslungsreicher kann man wohl nur unterwegs sein, wenn man eine Passage auf dem Mittellandkanal dazubucht.
Aber wie immer geht das Abenteuer Bahn am heimischen Bahnhof los. In Bielefeld gibt es bauartbedingt mehrere Warteschlangen. Eine davon ist für Sofortreisende gedacht, was leider nicht bedeutet, daß es dort schneller geht. Verhältnisse unterhalb des Suboptimallevels. Schlimm, wenn man dann bei einem Spaßkeks das Ticket für die im Vorfeld selbständig erarbeitete Zugverbindung kaufen muß. Ich: Mit dem Leipziger IC bis Magdeburg und dann mit Regionalexpreß nach Potsdam-Charlottenhof, bitte. Bahncard 25. Er: Erste Klasse? Ich: Nein, Zweite. Er: Wie, wollen Sie nicht bequem reisen? Ich: Erstmal will ich überhaupt reisen. Das ist schon teuer genug.
Es gibt eine Menge wunderliche Dinge außerhalb meines Universitäts-Mikrokosmos: Im Bord-Bistro, welches immerhin nicht mehr beraucht wird, bekomme ich für den Preis von exakt fünf Cafeten-Kaffees eine im Vergleich zu früher geschrumpfte Tasse mit einer undefinierbaren und ungenießbaren, ölig-dunklen Flüssigkeit ausgehändigt. Trübsinnig starre ich aus dem Fenster. Draußen schiebt jemand eilig die Altmark vorbei. Man sieht sofort, daß man im Osten angekommen ist. Sogar an Wald und Feldern kann man es erkennen. Der Westen ist wie eine mit Möbeln vollgestellte, gleichwohl aufgeräumte Wohnung. Im Osten steht zwar wesentlich weniger herum, aber nicht rechtwinklig ausgerichtet, nicht ordentlich gesaugt, keine Spitzendeckchen usw. Desweiteren ist wiedermal dieses Reservierungssystem ausgefallen, so daß man sich auf einen vermeintlich freien Sitz setzen kann, bis ein tatsächlicher Sitzinhaber daherkommt und den Sitz begehrt. Das sorgt für Bewegung im Waggon und für unfreiwillige Zusatzkommunikation unter den Reisenden. Vorne sitzt eine Bande Herren, die sich die Fahrtzeit mit kleinen mitgebrachten Bierfäßchen verkürzen. Eine ähnliche Situation werde ich in einigen Stunden in der S-Bahn verfolgen dürfen, aber wer kann das jetzt schon ahnen?
Die Heimat versüßt mir die Ankunft mit einem ostwestfälischen Regenguß, der noch andauert. Bin das Schauspiel durch nahezu ganztägige Überdachung kaum mehr gewohnt - ein Tropfen, noch ein Tropfen usw. In Potsdam gab es anständiges, selbstgekochtes Abendessen und einen langen Blick in ein interessantes Buch namens "Verrückte Genies" oder "Genie und Wahnsinn" oder irgendwie so. Hitler hatte die meisten Seiten. Einstein stand gar nicht drin - wohl ein Genie, das nicht unter "Wahnsinn" fällt. Bei ca. 2/3 der Personen stand "Syphilis", "Selbstmord" oder "Manie und Größenwahn". Beim restlichen Drittel standen rein analytische Einschätzungen wie "nie überwundene Ödipussituation" und dergleichen.
In der S-Bahn dachte ich folgendes: 1. Sind hier die Türen schon immer so zugeknallt, oder bin ich vom Bielefelder Wir-machen-die-Tür-sanft-zu-Service einfach zu verwöhnt? 2. Oh, Freitagabend. Der/die Großstädter/in geht aus. 3. Der und die gehen nur im Rudel aus, und dessen männliche Mitglieder benetzen sich gern mit der männlichen Variante von 4711 und tragen eine Sonnenbrille. 4. Und setzen sich in das Abteil harmloser, wenngleich matter Mitreisender. 5. Was gibt es am Alex eigentlich für eine Disko, daß die da wieder aussteigen? 6. Wie oft kann man eigentlich Chromatey Dreamcoat hören, bis es einem zu den Ohren rauskommt?
Schlußendlich: Wie durch Zauberhand liegt der vor knapp einem Jahr erstandene Teppichboden im Flur dort, wo er hingehört: aufm Fußboden. Toll.

Mittwoch, 7. März 2007

Meisterliga

Fußball: Plötzlich fiel mir auf, daß ich wohl seit der WM überhaupt gar kein Fußballspiel mehr angeguckt habe - außer das eine direkt vor Ort. Vielleicht sollte ich eine entsprechende Kultivierung anregen. Einen Filmabend zu installieren hat ja schließlich auch geklappt. War mal wieder nett: all die kleinen und großen Aufregungen; der Platz ist grün und der Ball ist rund; wenn Bayern München gegen Real Madrid spielt, ist man ja für keinen von beiden, aber standen da nicht nur Holländer auf dem Platz?? Und warum gucke ich mir ein Fußballspiel an, bei dem weder Luis Figo noch Michael Ballack mitspielen? Egal - ich habe vielleicht eine Stunde lang nicht an Sozialpsychologie gedacht. Dann doch nochmal, aber nur kurz. Und daß unser Asta-Tausendsassa ein alter Fußballer ist, der scheints mit allen Wassern gewaschen ist, das wußte ich vorher auch nicht und hätte es auch nicht vermutet.

Kapitel 10 und Musik

Mein Lieblingszitat aus dem heutigen Kapitel:
Im Gegensatz zu nicht aggressiven Personen neigen stark aggressive Menschen dazu, aggressiver zu reagieren..."; wer hätte das gedacht. Im übrigen habe ich das Kapitel geschafft und kann mich daher morgen auf Nr. 11 stürzen. Das wäre dann Kooperation und Wettbewerb.
Ohrwuschel sind auch nachbesetzt worden: Phoenix und B-Seiten von Muse im Tausch gegen Nick Cave und ein paar einzeln rausgelöschte Songs. Lied des Tages, zumindest nach Häufigkeit, ist You only live twice in einer Live-Version von Coldplay.

Dienstag, 6. März 2007

Außerdem...

zur Prüfung: Beim letzten Mal kamen mir drei Wochen Zeit noch irgendwie komfortabel vor. Diesmal ist das anders. Ich habe heute Kapitel Nr. 9 geschafft, aber zum einen sind da schon zwei übersprungene und ein prüfungsunrelevantes Kapitel bei, und außerdem kommen noch sechs plus zwei englische ausm anderen Buch plus die Studien dazu, macht: Nicht zu schaffen. Spaß macht: Der Aussichtspunkt, den ich bei der A2-Prüfung mangels Konkurrenz noch ziemlich alleine belegte, wird jetzt von früh bis spat von einer wilden und wechselhaften Horde Psychos bevölkert, die inzwischen auch ein schönes Schild ("Psycho-Lounge - Bitte nur mit Bananen und Kaffee füttern") aufgehängt haben, über das sich die anderen Cafete-Nutzer ordentlich beömmeln können - dafür ist es auch gedacht. Es ist natürlich nicht so einfach, in so einem Rudel irgendwie zu lernen, aber es geht und macht auch noch Spaß - naja, dann wird es wahrscheinlich bald verboten...
Außerdem habe ich mir heute abend erstmalig ein WG-Zimmer angeschaut: in der Stadt; groß; Altbau; nette Mitbewohner (2/3 jedenfalls; das dritte Drittel war abwesend); will sagen: wenn sich was nettes ergibt, sollte ich diesen Freiwilligen-Knast verlassen und mein Damen-Gerümpel aus Berlin holen und hier seßhaft und heimisch werden. Vielleicht wachsen mir dann auch die notwendigen Schwimmhäute.

Zeit für den Wechsel

Bevor mir diese neuentdeckten Bloc Party und die anderen Nettigkeiten wieder zu den Ohren herauskommen, sollte ich mal die Ohrwuschel neu bestücken. Oder zumindest die Tracks teilaustauschen. Der Shuffle-Modus bleibt undurchdringlich in seinen Randomisierungen. Numbered Days von Eels habe ich heute bestimmt viermal gehört. Jedesmal gerne, aber es sind ja noch drei Wochen bis zur Prüfung... Klar, die Tage sind gezählt!
Bei Bloc Party fällt mir ein, daß ich mich noch über die "Plattenkritik" in der letzten oder vorletzten NEON geärgert habe. Eine ganze Seite Platz, und dann wird in einem Nebensatz erwähnt, daß "A Weekend in the City" nicht so toll sei. Sonst gab es keinen Kommentar dazu, sondern einen Haufen Gedöns über die Hautfarbe des Sängers und dergleichen. Schwache Leistung. Die Einschätzung der NEON ist meines Erachtens auch nur den sogenannten Musikspezialisten nachgeplappert, die unisono befinden, daß das neue Album nicht so tanzbar sei wie das frühere und daher eben uninteressant. Mir gefällt es aber, und vor allem die Lieder Waiting for the 7.18, On, Kreuzberg und SXRT. Die anderen aber auch.
Das NEON-Abo muß ich wohl langsam kündigen - so geht das ja nicht weiter. Vielleicht wachse ich grad aus der Zielgruppe heraus.

Neuer Begriff

Prosoziales Verhalten: formerly known as Hilfsbereitschaft.
Hmm, und jetzt, wo ich weiß, warum in Notfallsituationen immer keiner eingreift oder hilft, ist das wohl mein Job, die Hilfeaktion anrollen zu lassen. Das hat man nun davon.
Ich freue mich schon auf Kapitel 10 = Aggressives Verhalten. Das ist mal was Handfestes! Und jetzt zurück in die Psycho-Lounge.

Sonntag, 4. März 2007

Im März wars

Wie ich beim Spazieren übers vollmondlich beschienene Feld feststellte, hat meine Kindheit im März 1990 ein jähes Ende genommen. Erst ist mein Opa gestorben, und dann wurde zum ersten und letzten Mal die Volkskammer in sogenannten freien und geheimen usw. Wahlen gewählt. Tatsächlich wurden schlecht getarnte Ableger der entsprechenden Westparteien gewählt, und zwar interessanterweise diejenigen, die die abwegigsten Wahlversprechen abgegeben hatten. Ich sach nur: Hier werden blühende Landschaften entstehen! Und damit waren nicht die Biotope gemeint, die sich jetzt auf so manchem ehemaligen VEB-Gelände tummeln. Oder vielleicht doch? Jedenfalls gab es dieses berühmte Bild von de Maziére und Kohl, und bitter stößt daran auf, daß alles, aber auch wirklich alles so gekommen ist, wie man mit einem halbwegs gesunden Menschenverstand damals einfach vorhersehen mußte. Die dicke, gutgenährte, mächtige BRD, und diese kleine, verzweifelt um Souveränität ringende, aber leider von Wohlwollen abhängige DDR. Mit den Wahlen ging es sehr plötzlich nicht mehr um Bürgerrechte, Reise- und Meinungsfreiheit, Demokratie, sondern um D-Mark, Wirtschaftsunion, wir-wollen-auch-wer-sein.
Über Nacht gilt nichts mehr - was immer einem von Lehrern und Eltern erzählt wurde, geriet ins Wanken, wurde offensichtlich ungültig, hatte möglicherweise noch nie gestimmt. Und es hatte niemand einen Ersatz parat. Es gab diese allgemein gültige Wahrheit nicht mehr. Es gab auch nicht mehr das ideale, korrekte erwünschte Verhalten. Als Kind ist man da ganz schön auf sich gestellt. Ich vermute, daß man sich damals, in meinem Fall mit zwölf Jahren, für eine Art von Wahrheit entschieden hat, und die bleibt einem dann. Die meisten meiner grundlegenden gesellschaftlichen und politischen Überzeugungen sind in jener Zeit entstanden und haben sich seither inhaltlich entwickelt, aber grundsätzlich kaum verändert. Die wichtigste Erkenntnis von 1989/1990 wäre vielleicht: Traue niemals deinem Land! Morgen hat es sich möglicherweise schon verpißt. Das könnte eine Erklärung für meine anhaltende Fahnenschwenk-Abstinenz sein. Nicht einmal der WM-Taumel konnte mir die Fahne oder die Hymne näherbringen, obgleich ich immerhin für die deutsche Mannschaft gewesen bin. Und (obwohl ich tatsächlich froh bin, daß ich mein persönliches Widerstandspotential nicht mehr in der DDR austesten mußte) - haben sich die DDR-Bürger bei der Wahl 1990 nicht ordentlich vom Goldenen Westen blenden lassen? Und was haben sie nun davon? Erst seit kurzer Zeit haben es sich die sogenannten Leitmedien abgewöhnt, von den Neuen Bundesländern zu sprechen. Sämtliche aufschlußreichen Statistiken werden nicht nur nach Männlein und Weibchen, sondern auch nach alten und neuen Bundesländern getrennt aufgeführt. Man dreht idiosynkratische Filme über den Osten. Wenn man den Leuten vor 17 Jahren (sic!) gesagt hätte, daß "Aufbau OST" 2007 nicht nur nach wie vor Thema sein wird, sondern vor allem auch offensichtlich absolut unnütz - hätten sie dann auch die schnelle D-Mark, die Währungs- und Sozialunion, den Instant-Anschluß gewählt? Hätten wir nicht Armut, Perspektivlosigkeit, Deindustrialisierung alleine geschafft, ohne die Demütigung?
"Hätte..." sind nutzlose Fragen. Aber ich denk eben dran, weil es in bestimmten Gruppenstrukturen die Tendenz gibt, trotz vorhandener Informationen über die entsprechenden Folgen die schlechteren der möglichen Entscheidungen zu treffen. Das ist im März 1990 offensichtlich geschehen.

Samstag, 3. März 2007

Abwegig

Wo ich grad versuche, bei mobiel die nächste Straßenbahn abzufragen, fällt mir der schöne Slogan der Bielefelder Verkehrsbetriebe auf: "Wo wir sind, lebt die Stadt". Sollte man sich wirklich so dicke damit tun, daß sich jenseits der paar Linien Fuchs und Hase "Gute Nacht" sagen? Und was heißt hier "jenseits"? Gestern abend - vor zwanzig Uhr - haben sich direkt an der Station Babenhausen-Süd zwei Karnickel gejagt und von mir aber auch gar nicht stören lassen. Ganz so wie die wilden Tiere auf unbewohnten Inseln, die noch nie Menschen gesehen haben und daher, wenn dann doch mal welche kommen, keine Furcht zeigen. Ich kenne ja jemanden, der sich über ein frischen Kaninchen sehr freuen würde, aber es ist mir leider nicht gelungen, eins zu fangen, und ich wäre ehrlich gesagt mit den Fragen von Transport und Unterbringung möglicherweise überfordert gewesen.
Also, mobiel: Weitet mal das Netz aus, dann ist hier auch mehr los, ja?

Freitag, 2. März 2007

Korrektur

Hmm, auch wenn es langweilig erscheinen mag, daß ich nur übers Wetter und CDs berichte, ist es doch so, daß ich hier kaum was anderes erlebe. Wenn man von dem phantastischen Sozialpsychologie-Lehrbuch und dem Mensaplan mal absieht. Jedenfalls wurde ich heute, wenn auch mit umgekehrtem Vorzeichen, in meinem Wetterdonnerwetter bestätigt. Gestern abend begann es unvermittelt wie immer zu regnen. Heute morgen regnete es noch immer. Auf Arbeit höhnte noch jemand darüber, daß die Meteorologen heute den gleichnamigen Winter für beendet erklärten. Meine Hauptassoziation zu dem Thema war natürlich: Welcher Winter? Habe ich was verpaßt? Naja, um es kurz zu machen: Die Sonne schien und schien, der Himmel war strahlend blau bis auf ein paar weiße Tupfen, und NICHTS wies auf ein nahendes Unwetter hin. Die Luft war von einer klaren Beschaffenheit, die ich mit den mir zur Verfügung stehenden bescheidenen Mitteln einzufangen versuchte.

Man sieht sogar in aller Deutlichkeit den Teutoburger Wald, und daß zwischen ihm und meinem Wohnheim sich noch mindestens ein Gebäude befindet. Der Wetterclou bestand jedoch in dem unglaublichen Unwetter, das hier gerade herniederging. Wind bis Sturm, naß bis schwimmen, dunkel und Blitz - außer ausgerechnet in den dreißig Minuten, die ich übers offene Feld spazieren muß, um zur späten Stunde heimzukommen. Das war mal ein Fall von Glück gehabt.