Ja, sicher ist der neue Rektor nicht aus dem Nichts gekommen. Trotzdem scheint er ein paar Sachen radikal anders zu machen als sein Vorgänger. Übrigens war er schon als Prorektor verhältnismäßig beliebt und zählte im Rektorat zu den wenigen nicht vollständig verrückt gewordenen, und da ich das Glück habe, ihn persönlich kennenlernen zu können, kann ich das hiermit bestätigen: Ja, den Eindruck machte er durchaus!
Ja, es ist wahnsinnig dämlich, sowohl eine 40-Jahr-Feier der Universität als auch eine entsprechende Uni-Gala ohne Studierende durchzuführen und zu planen. Auch hier ist fraglich, inwieweit die aktuelle Unileitung darauf überhaupt Einfluß hatte; solche Events werden erfahrungsgemäß mit erheblichem zeitlichen Vorlauf vorbereitet. Gerhard Schröder wurde ja auch unendlich für die architektonische Pompösität und Überheblichkeit des Bundeskanzleramts in Berlin gescholten, obwohl dessen monströse Auswüchse, sofern nicht ohnehin vom Architekten verbrochen, verbindlichen Vorschlägen seines Amtsvorgängers Helmut Kohl zu verdanken sind. Natürlich sind fünf Minuten Redezeit für den Asta peinlich, andererseits wollte der Asta in der Ansprache laut NW zur allgemeinen Lage an den deutschen Universitäten, in den neuen Studiengängen, zu Studiengebühren und weiß der Henker was sagen - das hätte vielleicht auch nicht so recht zum Anlaß gepaßt. Und, wohlgemerkt, die Proteste letzte Woche waren ja eben nicht eine vom Asta konzertierte Aktion, die gegen den Ausschluß der durchaus wichtigsten Statusgruppe der Uni protestiert hätte - mit aufsehenerregenden und vielleicht sogar witzigen Aktionen (wo waren die denn eigentlich?), sondern es handelte sich um ein paar Hitzköpfe, die sich bei der Demo noch nicht genug ausgetobt haben und dann mal eben Ballett in der Halle veranstalteten (ich habs gesehen und gehört). Das man bei so einem angehitzten Haufen nicht das Risiko eingehen möchte, daß dann doch ein paar austicken und ordentlich Rambazamba machen, kann ich eigentlich gut verstehen. Schließlich waren ja weder die Audimax-Besetzer noch die Demo-Aufrufer Leute, die ihr Gesicht zeigen oder eben mal für ihren ach so friedlichen Protest mit ihrem Namen und ihrer Person stehen.
Im übrigen: Der Asta braucht keine Daten der Studierenden und somit nicht einmal den Datenschutz zu verletzen. Es gibt komfortable Möglichkeiten, über das eKVV beliebige Statusgruppen anschreiben zu können. Ich habe das selbst bereits erfolgreich gemacht. Wenn die Uni diese Emails nicht durchläßt (was ich einerseits zwar, wenn es um den Studiengebührenboykott geht, verstehen kann, andererseits natürlich trotzdem Zensur ist), dann gibt es immer noch die Möglichkeit, die Studierenden über die Fachschaften zu erreichen. Schlußendlich scheint mich ja die Asta-Verkehrsgruppe ganz altmodisch per Snailmail zu erreichen, wenn sie mir das ungeliebte Semesterticket zukommen läßt.
Da ich mich gerade eine Stunde lang mit einem der Krawallbrüder konstruktiv unterhalten habe, ist mir meine eigene Quintessenz des Themas bewußter geworden: es ist einfach nicht mein Thema. In Sachen Durchlässigkeit akademischer Bildung für alle sozialen Schichten, vor allem unabhängig von den Eltern, rennt man bei mir offene Türen ein. Auch das selbständige Denken möchte ich immer und überall, sogar außerhalb der Uni, gefördert und gefordert sehen, und ich meine, daß eine Abkehr von allzu unstrukturierten Studiengängen nicht automatisch bedeuten muß, daß man Studenten wieder zu Grundschülern macht. Im neuerdings eingeführten Hochschulrat (was macht der eigentlich?), der sich offensichtlich einfach selber gegenseitig wählt und der bei uns pikanterweise von Annette Fugmann-Heesing angeführt wird, die wiederum auf eine mittelstolze Karriere (Verkauf der relevanten stadteigenen Betriebe BEWAG, GASAG, GEHAG und Wasserbetriebe) als Berliner Finanzsenatorin zurückblicken darf, aber das nur nebenbei, jedenfalls ist da kein einziger Student drin! Natürlich ist das skandalös. Kurzum: Viele Forderungen sind nachvollziehbar, aber finden nicht immer den richtigen Weg oder Adressaten, und irgendwie räume ich mir das Recht auf bildungsrelevante Selbstbestimmung ein. In einem Diplomstudiengang mit zurückhaltender Studienstruktur ist natürlich auch viel einfacher.
Dienstag, 24. November 2009
Montag, 23. November 2009
Update
Der Sonntagsausflug führte auf die zauberhafte Burgruine Ravensberg, die hier einem ganzen Landstrich und einer Straße den Namen gibt und seinerzeit vom Herrn Schinkel auf Vordermann gebracht wurde. Ob man es glaubt oder nicht, aber gestern konnte man tatsächlich draußen, im Freien auf einem Berg, Tomatenbrote essen und Spezi trinken! Vor einem Jahr hatte es schon heftig geschneit! Offensichtlich hat sich der Klimawandel an Bielefeld erinnert (Oh, gibts ja doch!), jedenfalls ist es sehr warm, und heute gab es auch das ein oder andere, eher an April oder August erinnernde Unwetter.
Ich merke ganz deutlich, daß mir die behäbig-umständliche ostwestfälische Art um so mehr auf den Keks geht, wie der Berlin-Aufenthalt näher rückt. "Endlich mal normale Leute", werde ich laut ausrufen, wenn ich zum ersten Mal von Weißensee nach Wedding fahre. Insofern ist das Praktikum in Berlin auch als therapeutischer Aufenthalt zu werten, als Idee, wie es auch sein könnte, wenn man nur nicht arbeiten müßte. (Und inbegriffen sämtliche Erkenntnis darüber, daß es auch nicht besser wäre, weil man einfach umso langsamer studiert, je weniger man zu tun hat. Das merke ich grad schmerzlich. Veranstaltungen habe ich praktisch keine, und bloß so einen klitzekleinen Ethikantrag muß ich schreiben... okay, Ethikantrag für die eigene Diplomarbeit unterscheidet sich nachhaltig von schnell noch zurechtzukloppenden Seminararbeiten "für den Schein", aber ich hatte auch schon Semester, wo ich von Seminar zu Seminar getaumelt bin, für die man ja auch immer Referate halten muß.)
An der Uni hat ja der Rektor gewechselt, und obwohl die parallel stattfindenden Randaleveranstaltungen den Eindruck erweckten, als sei das bei den Studierenden nicht angekommen, hat sich der Ingenieur nicht gleich beleidigt in die Ecke verzogen, sondern in einer geradezu dramatischen Anhörungs- und Diskussionsbereitschaft Veranstaltungen und Strukturen ermöglicht, die der Altrektor nicht mal nach schlimmer Folter (bei Pädagogen: Folter = echte empirische Arbeiten lesen & verstehen) ermöglicht hätte. Obwohl die Audimax-Besetzung in meinen Augen Blödsinn war (und sicherlich die "dramatische Räumung" von den Möchtegernkrawallis eher erträumt wurde, als daß sie so durchgeführt wurde), genießt der Forderungskatalog eine gewisse Aufmerksamkeit und Brisanz seitens des Rektors, und neuerdings erhält man als Student alle naselang Emails vom Rektorat, in welchen der Stand der Dinge haarklein aufgeschlüsselt ist - wohlgemerkt, vom Rektorat! Vom Asta hab ich noch nix bekommen!
Bielefeld gönnt sich nasse und laute und warme Unwetter.
Die Tasche steht ihren Mann. Die $15 teuren compression straps, die das Ding optisch verschlanken, wenn nicht viel Inhalt zu transportieren ist, machen sie zu einer echten Allround-Tasche. Sie fährt mit Laptop ohne zu murren Fahrrad und war heute auf dem Weg nach Hause der wasserdichteste Teil von mir. Die klugen Unterteilungen machen sie zu einem Gegenteil von Damenhandtasche, insofern nicht ständig der gesamte Kleininhalt herumfliegt, andererseits aber auch nicht aufwendig in diversen Untertaschen gesucht werden muß. Sie scheint auch mit schweren Gewichten zu funktionieren und sieht einfach phantastisch aus! Also, egal war sie echt mal teuer, aber sie ist super und gleichzeitig ein echter Hingucker. Das einzige, was ich noch nicht rausgefunden habe: der mittlere Streifen ist ja so ein Reflexions-Orange-Material. Aber wenn ich die Tasche selber aufhabe, kann ich das gar nicht sehen, ob das wirklich reflektiert, so wie ich mir das vorstelle!
Bald in Berlin, vielleicht dann auch wieder mehr interessante Beiträge!
Ich merke ganz deutlich, daß mir die behäbig-umständliche ostwestfälische Art um so mehr auf den Keks geht, wie der Berlin-Aufenthalt näher rückt. "Endlich mal normale Leute", werde ich laut ausrufen, wenn ich zum ersten Mal von Weißensee nach Wedding fahre. Insofern ist das Praktikum in Berlin auch als therapeutischer Aufenthalt zu werten, als Idee, wie es auch sein könnte, wenn man nur nicht arbeiten müßte. (Und inbegriffen sämtliche Erkenntnis darüber, daß es auch nicht besser wäre, weil man einfach umso langsamer studiert, je weniger man zu tun hat. Das merke ich grad schmerzlich. Veranstaltungen habe ich praktisch keine, und bloß so einen klitzekleinen Ethikantrag muß ich schreiben... okay, Ethikantrag für die eigene Diplomarbeit unterscheidet sich nachhaltig von schnell noch zurechtzukloppenden Seminararbeiten "für den Schein", aber ich hatte auch schon Semester, wo ich von Seminar zu Seminar getaumelt bin, für die man ja auch immer Referate halten muß.)
An der Uni hat ja der Rektor gewechselt, und obwohl die parallel stattfindenden Randaleveranstaltungen den Eindruck erweckten, als sei das bei den Studierenden nicht angekommen, hat sich der Ingenieur nicht gleich beleidigt in die Ecke verzogen, sondern in einer geradezu dramatischen Anhörungs- und Diskussionsbereitschaft Veranstaltungen und Strukturen ermöglicht, die der Altrektor nicht mal nach schlimmer Folter (bei Pädagogen: Folter = echte empirische Arbeiten lesen & verstehen) ermöglicht hätte. Obwohl die Audimax-Besetzung in meinen Augen Blödsinn war (und sicherlich die "dramatische Räumung" von den Möchtegernkrawallis eher erträumt wurde, als daß sie so durchgeführt wurde), genießt der Forderungskatalog eine gewisse Aufmerksamkeit und Brisanz seitens des Rektors, und neuerdings erhält man als Student alle naselang Emails vom Rektorat, in welchen der Stand der Dinge haarklein aufgeschlüsselt ist - wohlgemerkt, vom Rektorat! Vom Asta hab ich noch nix bekommen!
Bielefeld gönnt sich nasse und laute und warme Unwetter.
Die Tasche steht ihren Mann. Die $15 teuren compression straps, die das Ding optisch verschlanken, wenn nicht viel Inhalt zu transportieren ist, machen sie zu einer echten Allround-Tasche. Sie fährt mit Laptop ohne zu murren Fahrrad und war heute auf dem Weg nach Hause der wasserdichteste Teil von mir. Die klugen Unterteilungen machen sie zu einem Gegenteil von Damenhandtasche, insofern nicht ständig der gesamte Kleininhalt herumfliegt, andererseits aber auch nicht aufwendig in diversen Untertaschen gesucht werden muß. Sie scheint auch mit schweren Gewichten zu funktionieren und sieht einfach phantastisch aus! Also, egal war sie echt mal teuer, aber sie ist super und gleichzeitig ein echter Hingucker. Das einzige, was ich noch nicht rausgefunden habe: der mittlere Streifen ist ja so ein Reflexions-Orange-Material. Aber wenn ich die Tasche selber aufhabe, kann ich das gar nicht sehen, ob das wirklich reflektiert, so wie ich mir das vorstelle!
Bald in Berlin, vielleicht dann auch wieder mehr interessante Beiträge!
Mittwoch, 18. November 2009
Studierendenproteste
... sollte ich vielleicht was zu sagen. Bloß, für vieles bin ich ganz und gar inkompetent; ich bin einfach nicht die typische Studentin, weder von der wirtschaftlichen als auch von der motivationalen Ebene her.
Aber Heinis, die mit Masken versehen in die A&O-Vorlesung stürzen, um für eine legale und angemeldete Demo zu werben, stoßen bestenfalls auf Unverständnis, bei mir jedenfalls.
Die möglicherweise gleichen Heinis haben ja zunächst unser Audimax besetzt, sind dann aber weggegangen, als angeblich die Räumung durch die Polizei drohte (das ist alles so ungeklärt, daß mit zumindest nicht klar ist, ob es wirklich eine von der Unileitung veranlaßte Räumung gab oder die Besetzer in einer schwachen Minute Schiß gekriegt haben, auf der Polizeiwache ihre Personalien angeben zu müssen). Wo ich ja schon denke, wenn ich hinter der Besetzung stehe, kann ich mich doch auch verhaften lassen!? Bei einer Verhaftung passiert einem doch gar nichts, und in so einem Rahmen kann das sogar die Aktion deutlich in der Außendarstellung aufwerten.
Als gefühlt Außenstehende hat man zumindest das Gefühl, daß bei den Protestleuten eine Mischung aus das Bachelorstudium ist blöd, Kapitalismus gehört abgeschafft, egal wie und ich bin jung und kann mir mit Papis Scheck protestieren leisten vorherrscht. Sorry, aber is so.
Vielleicht macht es das eigene Alter, aber die feierliche, mit dem 40. Uni-Geburtstag gekoppelte Altrektor-Verabschiedung und Neurektor-Einführung oder wie das heißt dermaßen zu sprengen, daß der Empfang, von Polizei flankiert, abgesagt werden muß, finde ich dämlich.
Aber Heinis, die mit Masken versehen in die A&O-Vorlesung stürzen, um für eine legale und angemeldete Demo zu werben, stoßen bestenfalls auf Unverständnis, bei mir jedenfalls.
Die möglicherweise gleichen Heinis haben ja zunächst unser Audimax besetzt, sind dann aber weggegangen, als angeblich die Räumung durch die Polizei drohte (das ist alles so ungeklärt, daß mit zumindest nicht klar ist, ob es wirklich eine von der Unileitung veranlaßte Räumung gab oder die Besetzer in einer schwachen Minute Schiß gekriegt haben, auf der Polizeiwache ihre Personalien angeben zu müssen). Wo ich ja schon denke, wenn ich hinter der Besetzung stehe, kann ich mich doch auch verhaften lassen!? Bei einer Verhaftung passiert einem doch gar nichts, und in so einem Rahmen kann das sogar die Aktion deutlich in der Außendarstellung aufwerten.
Als gefühlt Außenstehende hat man zumindest das Gefühl, daß bei den Protestleuten eine Mischung aus das Bachelorstudium ist blöd, Kapitalismus gehört abgeschafft, egal wie und ich bin jung und kann mir mit Papis Scheck protestieren leisten vorherrscht. Sorry, aber is so.
Vielleicht macht es das eigene Alter, aber die feierliche, mit dem 40. Uni-Geburtstag gekoppelte Altrektor-Verabschiedung und Neurektor-Einführung oder wie das heißt dermaßen zu sprengen, daß der Empfang, von Polizei flankiert, abgesagt werden muß, finde ich dämlich.
Ich bin noch nicht so richtig
im Prüfungsmodus.
Da die Vorlesung letztendlich der totale Witz ist, weil für 20 Leute, die sich mit Mühe am Kaffeebecher festhalten, vorgeturnt wird, was man SO hoffentlich nie verstehen muß, während die Essenz des Prüfungsstoffes sich merkwürdig-nebulös immer verbirgt, sobald man nach ihr sucht (ein typisches Beispiel für angewandte Heisenbergsche Unschärferelation), befinde ich mich jedenfalls überhaupt nicht im Prüfungsmodus. Ich muß ja schließlich auch drei Referate vorbereiten und einen Ethikantrag schreiben, wobei das Nichtvorbereiten der Referate mit ebendiesem Ethikantrag begründet wird, der allerdings auch nicht von selbst an Umfang zunimmt. Ich habe inzwischen sogar eine Deadline eingefordert, das habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gemacht. Dafür habe ich den Kliniker-Star als Zweitbetreuer gewinnen können, das ist zwar nicht besonders wichtig, klingt aber auch nach Dinge erledigen. Und viele Artikelchen habe ich schon, ääh, ausgedruckt.
Heute abend war Ringvorlesung Psychotherapie, ein ehrgeiziges Unterfangen, das vor ca. einem Jahr vom o.a. Star initiiert wurde und nun also endlich gestartet ist. Die Ehrgeizigkeit besteht in dem ganzen Ideenpaket, das dahinter steht. Zum einen sollen, ganz banal, Studierende über Entwicklungen in der Psychotherapie informiert werden, für die in den regulären Vorlesungen keine Zeit ist bzw. von denen unsere Leute aus pragmatischen Gründen auch einfach keine Ahnung haben. Zweitens sollen aber nicht irgendwelche Heinis kommen, die auch eine Zertifizierung in einer beliebigen anerkannten Therapieform haben, sondern gestandene Professorleute, die eben auch Geld nehmen für so einen Vortrag, und die dann ein Hotelzimmer, und Essen, und eben bezahlt kriegen. Die aber auch die wissenschaftliche Ahnung mitbringen. Daher, drittens, die Zielgruppe der niedergelassenen Psychotherapeuten, die gegen Kohle den Besuch der Veranstaltung als Fortbildung angerechnet bekommen. D.h. hier finanzieren in einem einzigartigen Pilotprojekt Studierende via Studiengebühren und Psychotherapeuten über Fortbildungspunkte eine gemeinsame Veranstaltung! Das ist schon cool, und heute war es auf jeden Fall hörenswert.
Der Vortragende ist Psychiater und Psychotherapeut, mithin Arzt, Chefarzt natürlich (in Kiel) und als solcher schonmal in der Zielgruppe möglicher Feindbilder von zukünftigen oder bereits aktiven Psychologen. Aber darauf geht er gar nicht ein, nicht mal scherzhaft, wie ich das auf Kongressen erlebt habe. Es gibt Psychotherapeuten, und fertig. Das fand ich sofort sympathisch. Und er hat es mit Sicherheit geschafft, die nicht unproblematische Brücke zwischen Neuro und Psychotherapie zu schlagen und sogar sichtbar zu machen! Er redet einfach davon, was sie in Kiel gemacht haben, und wo Grenzen sind, gibt er sie zu. Stereotypendenkengefolgt benimmt er sich also untypisch, und dabei ist er hinreißend sympathisch.
Also, Star, mehr Ringvorlesungen!
Da die Vorlesung letztendlich der totale Witz ist, weil für 20 Leute, die sich mit Mühe am Kaffeebecher festhalten, vorgeturnt wird, was man SO hoffentlich nie verstehen muß, während die Essenz des Prüfungsstoffes sich merkwürdig-nebulös immer verbirgt, sobald man nach ihr sucht (ein typisches Beispiel für angewandte Heisenbergsche Unschärferelation), befinde ich mich jedenfalls überhaupt nicht im Prüfungsmodus. Ich muß ja schließlich auch drei Referate vorbereiten und einen Ethikantrag schreiben, wobei das Nichtvorbereiten der Referate mit ebendiesem Ethikantrag begründet wird, der allerdings auch nicht von selbst an Umfang zunimmt. Ich habe inzwischen sogar eine Deadline eingefordert, das habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gemacht. Dafür habe ich den Kliniker-Star als Zweitbetreuer gewinnen können, das ist zwar nicht besonders wichtig, klingt aber auch nach Dinge erledigen. Und viele Artikelchen habe ich schon, ääh, ausgedruckt.
Heute abend war Ringvorlesung Psychotherapie, ein ehrgeiziges Unterfangen, das vor ca. einem Jahr vom o.a. Star initiiert wurde und nun also endlich gestartet ist. Die Ehrgeizigkeit besteht in dem ganzen Ideenpaket, das dahinter steht. Zum einen sollen, ganz banal, Studierende über Entwicklungen in der Psychotherapie informiert werden, für die in den regulären Vorlesungen keine Zeit ist bzw. von denen unsere Leute aus pragmatischen Gründen auch einfach keine Ahnung haben. Zweitens sollen aber nicht irgendwelche Heinis kommen, die auch eine Zertifizierung in einer beliebigen anerkannten Therapieform haben, sondern gestandene Professorleute, die eben auch Geld nehmen für so einen Vortrag, und die dann ein Hotelzimmer, und Essen, und eben bezahlt kriegen. Die aber auch die wissenschaftliche Ahnung mitbringen. Daher, drittens, die Zielgruppe der niedergelassenen Psychotherapeuten, die gegen Kohle den Besuch der Veranstaltung als Fortbildung angerechnet bekommen. D.h. hier finanzieren in einem einzigartigen Pilotprojekt Studierende via Studiengebühren und Psychotherapeuten über Fortbildungspunkte eine gemeinsame Veranstaltung! Das ist schon cool, und heute war es auf jeden Fall hörenswert.
Der Vortragende ist Psychiater und Psychotherapeut, mithin Arzt, Chefarzt natürlich (in Kiel) und als solcher schonmal in der Zielgruppe möglicher Feindbilder von zukünftigen oder bereits aktiven Psychologen. Aber darauf geht er gar nicht ein, nicht mal scherzhaft, wie ich das auf Kongressen erlebt habe. Es gibt Psychotherapeuten, und fertig. Das fand ich sofort sympathisch. Und er hat es mit Sicherheit geschafft, die nicht unproblematische Brücke zwischen Neuro und Psychotherapie zu schlagen und sogar sichtbar zu machen! Er redet einfach davon, was sie in Kiel gemacht haben, und wo Grenzen sind, gibt er sie zu. Stereotypendenkengefolgt benimmt er sich also untypisch, und dabei ist er hinreißend sympathisch.
Also, Star, mehr Ringvorlesungen!
Donnerstag, 12. November 2009
So sieht das aus:
Wenn man in Kalifornien eine Kuriertasche bauen läßt.
Abgesehen von den kryptischen Zeitangaben scheint das Täschlein ja schon in Köln zu sein - das ist durchaus beeindruckend für ein Kundenwunschding, das ja erstmal auch zusammengebaut sein will. Naja, ist ja auch nicht grad inklusive, der Transportpreis.
Bloß amazon war seinerzeit noch schneller, als wir mit dem Internettelephon am Sonntagnachmittag ein Buch bestellten, das ohne Witz am Montag bereits geliefert war (wie auch immer amazon am Sonntag die Pakete packt und von DHL abholen läßt!).
Ich bin gar nicht wegen der Tasche an sich aufgeregt, sondern eher, weil diese modernen Techniken einem erlauben, dabei zuzusehen, wie etwas persönlich bestelltes den halben Erdball umrundet, um zu einem zu gelangen. Da draußen rennt ein Haufen UPS-Mitarbeiter herum, um mir meine Tasche zu bringen (und zwar hurtig).
Oder: Egal wie schnell es geht, eine Tasche zusammenzunähen, aber selbst wenn sie SOFORT nach Bestelleingang quasi fertig ist, finde ich das Sicheinfinden am nächsten Tag in Köln sehr beeindruckend! Jetzt kann ich morgen natürlich überhaupt nicht aus dem Haus gehen und muß daher meinen Ethikantrag brav zuhause zuendeschreiben.
Abgesehen von den kryptischen Zeitangaben scheint das Täschlein ja schon in Köln zu sein - das ist durchaus beeindruckend für ein Kundenwunschding, das ja erstmal auch zusammengebaut sein will. Naja, ist ja auch nicht grad inklusive, der Transportpreis.
Bloß amazon war seinerzeit noch schneller, als wir mit dem Internettelephon am Sonntagnachmittag ein Buch bestellten, das ohne Witz am Montag bereits geliefert war (wie auch immer amazon am Sonntag die Pakete packt und von DHL abholen läßt!).
Ich bin gar nicht wegen der Tasche an sich aufgeregt, sondern eher, weil diese modernen Techniken einem erlauben, dabei zuzusehen, wie etwas persönlich bestelltes den halben Erdball umrundet, um zu einem zu gelangen. Da draußen rennt ein Haufen UPS-Mitarbeiter herum, um mir meine Tasche zu bringen (und zwar hurtig).
Oder: Egal wie schnell es geht, eine Tasche zusammenzunähen, aber selbst wenn sie SOFORT nach Bestelleingang quasi fertig ist, finde ich das Sicheinfinden am nächsten Tag in Köln sehr beeindruckend! Jetzt kann ich morgen natürlich überhaupt nicht aus dem Haus gehen und muß daher meinen Ethikantrag brav zuhause zuendeschreiben.
Location | Date | Local Time | Description |
|---|---|---|---|
| PHILADELPHIA, PA, US | 11/12/2009 | 11:19 A.M. | DEPARTURE SCAN |
| | 11/12/2009 | 8:43 A.M. | ARRIVAL SCAN |
| LOUISVILLE, KY, US | 11/12/2009 | 6:46 A.M. | DEPARTURE SCAN |
| | 11/12/2009 | 3:34 A.M. | EXPORT SCAN |
| | 11/12/2009 | 3:03 A.M. | EXPORT SCAN |
| KOELN (COLOGNE), DE | 11/12/2009 | 9:01 A.M. | PACKAGE DATA PROCESSED BY BROKERAGE. WAITING FOR CLEARANCE / RELEASED BY CLEARING AGENCY. NOW IN-TRANSIT FOR DELIVERY |
| | 11/12/2009 | 8:16 A.M. | PACKAGE DATA PROCESSED BY BROKERAGE. WAITING FOR CLEARANCE |
| LOUISVILLE, KY, US | 11/12/2009 | 1:58 A.M. | ARRIVAL SCAN |
| OAKLAND, CA, US | 11/11/2009 | 7:13 P.M. | DEPARTURE SCAN |
| | 11/11/2009 | 6:23 P.M. | ARRIVAL SCAN |
| SAN FRANCISCO, CA, US | 11/11/2009 | 5:52 P.M. | DEPARTURE SCAN |
| | 11/11/2009 | 5:32 P.M. | ORIGIN SCAN |
| | 11/11/2009 | 4:11 P.M. | PICKUP SCAN |
| US | 11/11/2009 | 7:03 P.M. | BILLING INFORMATION RECEIVED |
Mittwoch, 11. November 2009
Kummer auf hohem Niveau?
Das Land weint um einen toten Nationaltorhüter, ich auch.
Im Hörsaal 14 hörte man heute abend über posttraumatische Belastungsstörung in Bürgerkriegsgebieten, bei Kindersoldaten und bei Tsunamiopfern. Und lernte, daß bei 28 und mehr unterschiedlichen traumatischen Erlebnissen die Wahrscheinlichkeit, eine PTSD zu entwickeln, den Wahrscheinlichkeitsbereich verlassen und sich in eine sichere Annahme verwandelt hat. Daß sogar pragmatische Kürzesttherapien Verbesserung bringen, aber weder kulturelle noch politische noch soziale Ursachen für Traumatisierungen verschwinden lassen. Daß die Kontrollbedingung in einer randomisierten kontrollierten Therapiestudie auch mal "Macht, was ihr wollt" heißen kann. Daß einen ausgerechnet wissenschaftlicher Pragmatismus mehr zum engagierten Entwicklungshelfer machen kann als alle Menschenliebe der Welt.
Wunderbar, wenn Professoren sich nicht lange bitten lassen, von ihrer Arbeit zu berichten, vor allem, wenn sie so spannend ist und gleichzeitig zeigt, wie verantwortungsbewußte Forschung außerhalb der Blase funktionieren kann. Wunderbar, wenn sich der 200-Personen-Hörsaal als etwas zu klein entpuppt, am Mittwochabend.
Da erscheint der Tod von Robert Enke und die dazugehörige Aufmerksamkeit fast ungehörig, und doch sind sie es eben nicht. Psychische Erkrankungen sucht sich niemand aus, genausowenig wie man sich für Krebs oder eine gepflegte Grippe entscheidet, sie sind genauso schwer zu heilen, und in allerlei Berufsgruppen hat man sie besser nicht. Es bewegt mich sehr, wie nun eine ganze Stadt und ein Testosteronhaufen namens DFB Abschied nimmt von einem, der sich das Leben genommen hat - mit Ernst und Würde und wahrnehmbarer Fassungslosigkeit. Mein Beileid gilt seinen Hinterbliebenen.
Im Hörsaal 14 hörte man heute abend über posttraumatische Belastungsstörung in Bürgerkriegsgebieten, bei Kindersoldaten und bei Tsunamiopfern. Und lernte, daß bei 28 und mehr unterschiedlichen traumatischen Erlebnissen die Wahrscheinlichkeit, eine PTSD zu entwickeln, den Wahrscheinlichkeitsbereich verlassen und sich in eine sichere Annahme verwandelt hat. Daß sogar pragmatische Kürzesttherapien Verbesserung bringen, aber weder kulturelle noch politische noch soziale Ursachen für Traumatisierungen verschwinden lassen. Daß die Kontrollbedingung in einer randomisierten kontrollierten Therapiestudie auch mal "Macht, was ihr wollt" heißen kann. Daß einen ausgerechnet wissenschaftlicher Pragmatismus mehr zum engagierten Entwicklungshelfer machen kann als alle Menschenliebe der Welt.
Wunderbar, wenn Professoren sich nicht lange bitten lassen, von ihrer Arbeit zu berichten, vor allem, wenn sie so spannend ist und gleichzeitig zeigt, wie verantwortungsbewußte Forschung außerhalb der Blase funktionieren kann. Wunderbar, wenn sich der 200-Personen-Hörsaal als etwas zu klein entpuppt, am Mittwochabend.
Da erscheint der Tod von Robert Enke und die dazugehörige Aufmerksamkeit fast ungehörig, und doch sind sie es eben nicht. Psychische Erkrankungen sucht sich niemand aus, genausowenig wie man sich für Krebs oder eine gepflegte Grippe entscheidet, sie sind genauso schwer zu heilen, und in allerlei Berufsgruppen hat man sie besser nicht. Es bewegt mich sehr, wie nun eine ganze Stadt und ein Testosteronhaufen namens DFB Abschied nimmt von einem, der sich das Leben genommen hat - mit Ernst und Würde und wahrnehmbarer Fassungslosigkeit. Mein Beileid gilt seinen Hinterbliebenen.
Montag, 9. November 2009
20 Jahre
Ich verzichte auf das Vergnügen, im berliner Nieselregen den Mauerfallfeierlichkeiten beizuwohnen.
"Wir wolln doch bloß drühm zwee Stunden spazieren und ma kieken. Wir komm'doch wieda, soll'n wir da uff der Straße pennen oder wie? Wollt ihr uns vaarschen?" - Wenn der Berliner erstma vaärgert is, dann läßta nich mehr mit sich spaßen. Und steht dann ehmt ooch stundenlang am trostlosen Grenzübergang Bornholmer Straße und wartet, daß die Grenzbeamten auch endlich erfahren, daß sich Herr Schabowski ein wenig versprochen hat.
In den unbewegten Gesichtern der Grenzer ahnt man das grenzenlose Staunen über das unversehens wahrgewordene Undenkbare. Die Massen, die immer, wenn auch unsichtbar, auf der einen Seite zu ahnen waren, überqueren die Grenze, gehen durch das Tor, der Schlagbaum wird weggemacht, damit mehr durchpassen, denn alle, alle wollen durch. Die meisten kommen wieder. Wollten ja nur ma kieken.
Auch wenns komisch klingt, aber für mich ist das immer die Nacht geblieben, in der ich erwachsen wurde. Alle, alle Erwachsenen, die mir bis zu diesem Tage was über richtig und falsch, über gut und böse und über den Zweck des antifaschistischen Schutzwalls erzählen wollten, hatten offensichtlich geflunkert. Schließlich haben ja nicht die faschistischen Bürger Westberlins an die Mauer getrommelt. Ab da hatten es die Lehrer schwer mit der Glaubwürdigkeit und mit der Autorität, aber da die Veränderungen rapide auf allen Ebenen wirkten - ganze Familien reisten aus und verschwanden gen Westen, darunter auch Funktionäre und ehemalige Speichellecker - gab es keinen Halt mehr. Wenn man in der eigenen Familie nicht gerade geborgen war, stand man blöd da mit seinem zwölf Jahre alten Wissen von der Welt.
Ein sehr schönes Video zeigt in überraschend guter Qualität die Ereignisse an der Bornholmer Straße. Für den Fall, daß es verboten ist, das Video zu verlinken, erkläre ich meine völlige Ahnungslosigkeit über die Rechte an dem Video und behaupte, daß es sich um ein wertvolles Dokument der Zeitgeschichte handelt, daß der staunenden Öffentlichkeit nicht vorenthalten werden darf.
"Wir wolln doch bloß drühm zwee Stunden spazieren und ma kieken. Wir komm'doch wieda, soll'n wir da uff der Straße pennen oder wie? Wollt ihr uns vaarschen?" - Wenn der Berliner erstma vaärgert is, dann läßta nich mehr mit sich spaßen. Und steht dann ehmt ooch stundenlang am trostlosen Grenzübergang Bornholmer Straße und wartet, daß die Grenzbeamten auch endlich erfahren, daß sich Herr Schabowski ein wenig versprochen hat.
In den unbewegten Gesichtern der Grenzer ahnt man das grenzenlose Staunen über das unversehens wahrgewordene Undenkbare. Die Massen, die immer, wenn auch unsichtbar, auf der einen Seite zu ahnen waren, überqueren die Grenze, gehen durch das Tor, der Schlagbaum wird weggemacht, damit mehr durchpassen, denn alle, alle wollen durch. Die meisten kommen wieder. Wollten ja nur ma kieken.
Auch wenns komisch klingt, aber für mich ist das immer die Nacht geblieben, in der ich erwachsen wurde. Alle, alle Erwachsenen, die mir bis zu diesem Tage was über richtig und falsch, über gut und böse und über den Zweck des antifaschistischen Schutzwalls erzählen wollten, hatten offensichtlich geflunkert. Schließlich haben ja nicht die faschistischen Bürger Westberlins an die Mauer getrommelt. Ab da hatten es die Lehrer schwer mit der Glaubwürdigkeit und mit der Autorität, aber da die Veränderungen rapide auf allen Ebenen wirkten - ganze Familien reisten aus und verschwanden gen Westen, darunter auch Funktionäre und ehemalige Speichellecker - gab es keinen Halt mehr. Wenn man in der eigenen Familie nicht gerade geborgen war, stand man blöd da mit seinem zwölf Jahre alten Wissen von der Welt.
Ein sehr schönes Video zeigt in überraschend guter Qualität die Ereignisse an der Bornholmer Straße. Für den Fall, daß es verboten ist, das Video zu verlinken, erkläre ich meine völlige Ahnungslosigkeit über die Rechte an dem Video und behaupte, daß es sich um ein wertvolles Dokument der Zeitgeschichte handelt, daß der staunenden Öffentlichkeit nicht vorenthalten werden darf.
Dienstag, 3. November 2009
Topf, die Watte quillt:
Wie viele Salzstangen schafft man in einer Minute?
a) 20
b) 15
c) 10
Ohne trinken, mit runterschlucken.
Na?
a) 20
b) 15
c) 10
Ohne trinken, mit runterschlucken.
Na?
Montag, 2. November 2009
Wieviel sind $50 wert?
Also, weil ich ja bald viel mit dem Computer unterwegs sein werde, wollte ich mich mit einer handelsüblichen Kuriertasche ausstatten. Aber was heißt schon handelsüblich! Das hat ja jeder, zum Beispiel die sehr schönen, aber völlig überteuerten und dann nicht besonders praktikablen freitag-Taschen. Oder die wesentlich preiswerteren aber auch unschön gefärbten Vaude-Taschen. Die ebenfalls teuren, aber schönen Segeltuch-360°-Taschen haben keinerlei Laptop-Einsatz. Kurzum, man landet leider bei timbuk2.com und stellt fest, daß man sich für $160 eine wunderschöne Tasche mit blauen und orange Reflexstreifen außen und blau innen und für Linkshänder und Reflektorgenupse am Verschluß einen individuelle Tasche schneidern kann, die sehr cool aussieht und gleichzeitig eine Laptoptasche par excellence, da von Fahrradkurieren in S.F. hergestellt, darstellt. Leider werden die handgestylten Taschen auch in S.F., CF gefertigt, was die unschöne Information shipping $50 zur Folge hat. Und Shipping ist dabei kein Programmname - das ist der UPS-Expreß per Flugzeug. Allerlei Recherchen beim U.S. Postal Service brachten allerdings zutage, daß "normales", nomen est omen-shipping auch 40 Dollar kostet. Und das kann man bei Timbuk2 eh nicht ordern.
Nun frage ich mich die ganze Zeit: Ist es die Coolness und die Verwendbarkeitness der Tasche wert, nahezu ein Drittel ihres Verkaufswertes auch noch für den Transport aufzuwenden?
Nun frage ich mich die ganze Zeit: Ist es die Coolness und die Verwendbarkeitness der Tasche wert, nahezu ein Drittel ihres Verkaufswertes auch noch für den Transport aufzuwenden?
Es geht los: die Diplomarbeit
Der Chefarzt findet es super, daher habe ich jetzt ein Diplomarbeitsthema.
Es wird um Entscheidungsverhalten in unsicheren Situationen gehen, und die Opfer werden aus Opiatabhängigen, Alkoholabhängigen und meinen lieben Freunden bestehen, denn eine gesunde Kontrollgruppe braucht man ja auch! Daher kann ich gar nicht so viel darüber erzählen, denn vielleicht sitzt du, der geneigte Leser, die geneigte Leserin, demnächst bei mir auf dem Versuchsstuhl!?
Immerhin gibt es plötzlich Aufgaben und Telephontermine.
Wir sägen an dem Stuhl, in den die Worte "ohne Abschluß" eingefräst sind. Ernsthaft.
Es wird um Entscheidungsverhalten in unsicheren Situationen gehen, und die Opfer werden aus Opiatabhängigen, Alkoholabhängigen und meinen lieben Freunden bestehen, denn eine gesunde Kontrollgruppe braucht man ja auch! Daher kann ich gar nicht so viel darüber erzählen, denn vielleicht sitzt du, der geneigte Leser, die geneigte Leserin, demnächst bei mir auf dem Versuchsstuhl!?
Immerhin gibt es plötzlich Aufgaben und Telephontermine.
Wir sägen an dem Stuhl, in den die Worte "ohne Abschluß" eingefräst sind. Ernsthaft.
Mittwoch, 28. Oktober 2009
Danke für die Blumen
... und schon gibt es einen weiteren erfolgreichen Link, wenn man auf Google nach mir sucht ;-) und wenn schonmal ein Photo von mir im Netz ist, dann doch bitte eins, wo ich einen Rock anhab!
Wahrscheinlich habe ich irgendwo im Zuge der geldgierigen Bewerbungsprozedur meine Zustimmung zu all dem gegeben, in Form eines Häkchens im Onlineformular vielleicht oder als "vorgedrucktes" Unabänderliches. Gut, soll meine Hochschule auf mich stolz sein. Der Papa und die Hauptfrauen sind es ja auch.
Die Feier in Paderborn entsprach in etwa dem, was man Paderborn vorher so dem Hörensagen nach so zugetraut hat: Wer von den geneigten Lesern allerlei Geschlechts kann sich etwa einen Umtrunk und Stehempfang, bei dem wir uns alle mal so richtig kennenlernen und begrüßen wollen, vorstellen, wo es nur Apfelsaft und Wasser zu trinken gibt? Und wie locker ist man da? Immerhin ließ ich mich erfolgreich vom Präsidenten der Universität Paderborn und gleichzeitigem Stiftungsvorstand Prof. Risch ausfragen, während er unbewußt ein größeres Salzkrümel auf seiner Unterlippe balancierte, und ich zuckte nicht mit der Wimper! Das finde ich schon großartig, aber "ich habe mit Prof. Risch persönlich auf mein Stipendium angestoßen" finde ich irgendwie großartiger.
Immerhin hatte ich selbst ein inneres Kichererlebnis beim Urkundenüberreichen, weil ich sowohl unseren ehemaligen Rektor Timmermann als auch den mir persönlich die Hand schüttelnden, den aktuellen Rektor vertretenden Prof. König vor einigen Jahren bei einem Fachschafts-Rektoratstermin traf, naja, das ist nicht so schlimm, daß die sich daran nicht mehr erinnert haben. Noch schöner allerdings war der Gedanke einer ebenfalls bedachten Erziehungswissenschaftenstudentin beim Händeschütteln mit Rektor a.D. Timmermann: Ich habe schon unter deinem Schreibtisch geschlafen!, weil sie nämlich seinerzeit in die Besetzung des Rektorats aktiv verwickelt war (damals war ich noch nicht in Bielefeld).
'Unsere' Carina-Stiftung glänzte vermutlich mit Abwesenheit, oder sie hatte ihre sozialextremphobischen Betreuer geschickt, jedenfalls hielt niemand nach uns Ausschau, und wir entdeckten auch niemanden, der so aussah, als würde er bzw. sie nach uns oder überhaupt jemandem Ausschau halten.
Insgesamt: Verleihung selber nett und gut gelungen, Empfang naja, und wenn jetzt das Geld noch kommt, glaub ichs wirklich ;-) so'ne Urkunde sieht aber auch schon nett aus!
Wahrscheinlich habe ich irgendwo im Zuge der geldgierigen Bewerbungsprozedur meine Zustimmung zu all dem gegeben, in Form eines Häkchens im Onlineformular vielleicht oder als "vorgedrucktes" Unabänderliches. Gut, soll meine Hochschule auf mich stolz sein. Der Papa und die Hauptfrauen sind es ja auch.
Die Feier in Paderborn entsprach in etwa dem, was man Paderborn vorher so dem Hörensagen nach so zugetraut hat: Wer von den geneigten Lesern allerlei Geschlechts kann sich etwa einen Umtrunk und Stehempfang, bei dem wir uns alle mal so richtig kennenlernen und begrüßen wollen, vorstellen, wo es nur Apfelsaft und Wasser zu trinken gibt? Und wie locker ist man da? Immerhin ließ ich mich erfolgreich vom Präsidenten der Universität Paderborn und gleichzeitigem Stiftungsvorstand Prof. Risch ausfragen, während er unbewußt ein größeres Salzkrümel auf seiner Unterlippe balancierte, und ich zuckte nicht mit der Wimper! Das finde ich schon großartig, aber "ich habe mit Prof. Risch persönlich auf mein Stipendium angestoßen" finde ich irgendwie großartiger.
Immerhin hatte ich selbst ein inneres Kichererlebnis beim Urkundenüberreichen, weil ich sowohl unseren ehemaligen Rektor Timmermann als auch den mir persönlich die Hand schüttelnden, den aktuellen Rektor vertretenden Prof. König vor einigen Jahren bei einem Fachschafts-Rektoratstermin traf, naja, das ist nicht so schlimm, daß die sich daran nicht mehr erinnert haben. Noch schöner allerdings war der Gedanke einer ebenfalls bedachten Erziehungswissenschaftenstudentin beim Händeschütteln mit Rektor a.D. Timmermann: Ich habe schon unter deinem Schreibtisch geschlafen!, weil sie nämlich seinerzeit in die Besetzung des Rektorats aktiv verwickelt war (damals war ich noch nicht in Bielefeld).
'Unsere' Carina-Stiftung glänzte vermutlich mit Abwesenheit, oder sie hatte ihre sozialextremphobischen Betreuer geschickt, jedenfalls hielt niemand nach uns Ausschau, und wir entdeckten auch niemanden, der so aussah, als würde er bzw. sie nach uns oder überhaupt jemandem Ausschau halten.
Insgesamt: Verleihung selber nett und gut gelungen, Empfang naja, und wenn jetzt das Geld noch kommt, glaub ichs wirklich ;-) so'ne Urkunde sieht aber auch schon nett aus!
Montag, 26. Oktober 2009
Fehler geschehn, ich habs gesehn
WARUM, frage ich mich Tag für Tag, warum bloß habe ich die Päda-Prüfung als Basis* gemacht? Ich hätte mit dem alten Mann fünf Minuten länger über ein Spezialthema und fünf Minuten kürzer über den Rest gesprochen und eher noch eine 1.0 rausgeholt.
So habe ich jetzt den Dreck "Arbeits- und Organisationspsychologie" auch noch als Schwerpunktprüfung am Stecken. Obwohl das wahrscheinlich das kleinere Übel ist, denn vielleicht nimmt man das Übel dann wenigstens angemessen ernst, wenn es das "S"-Label trägt. Aber nun! Eine eigentlich zugegebenermaßen vermutlich gut strukturierte Vorlesung von einem, der das Charisma nicht erfunden hat, aber wenigstens sehr verständlich ohne jedes Äh in ganzen Sätzen sehr frei sprechen kann, das bekommt man hier nicht alle Tage geboten. Trotzdem werde ich auch für diese Prüfung aus Literatur lernen müssen, weil.
Satz des Tages: Selbstverwirklichung ist mehr als Gleitzeit.
*Drei Anwendungsfächer: pädagogische, klinische und Arbeits- und Organisationspsychologie - eins davon als Basis-, zwei als Schwerpunktprüfung abzulegen.
P.S. Wollte *Kruzifix!* als neues Label etablieren, aber katholisch-frömmige Programmierer verhindern das Ausrufezeichen im Label! Dann eben doch bloß als Notiz.
So habe ich jetzt den Dreck "Arbeits- und Organisationspsychologie" auch noch als Schwerpunktprüfung am Stecken. Obwohl das wahrscheinlich das kleinere Übel ist, denn vielleicht nimmt man das Übel dann wenigstens angemessen ernst, wenn es das "S"-Label trägt. Aber nun! Eine eigentlich zugegebenermaßen vermutlich gut strukturierte Vorlesung von einem, der das Charisma nicht erfunden hat, aber wenigstens sehr verständlich ohne jedes Äh in ganzen Sätzen sehr frei sprechen kann, das bekommt man hier nicht alle Tage geboten. Trotzdem werde ich auch für diese Prüfung aus Literatur lernen müssen, weil.
Satz des Tages: Selbstverwirklichung ist mehr als Gleitzeit.
*Drei Anwendungsfächer: pädagogische, klinische und Arbeits- und Organisationspsychologie - eins davon als Basis-, zwei als Schwerpunktprüfung abzulegen.
P.S. Wollte *Kruzifix!* als neues Label etablieren, aber katholisch-frömmige Programmierer verhindern das Ausrufezeichen im Label! Dann eben doch bloß als Notiz.
Freitag, 23. Oktober 2009
333,33
Öre gibts ab sofort. Monatlich als Stipendium. Zur größeren Hälfte von der Carina-Stiftung Herford und zur Hälfte von NRW, also wahrscheinlich von Pinky persönlich. Man fragt sich, wo der Rest herkommt ;-).
Ach, das ist cool! Das Geld ist natürlich super, vor allem, wenn ich einige Monate lang teures Hauptstadtleben gegenfinanzieren muß! Aber, wie so oft im Leben zählt der innere Wert, nämlich in Form offizieller und externer Wertschätzung des bisher geleisteten, und, ja, das macht mich stolz. Das ist schon nicht ohne.
Ach, das ist cool! Das Geld ist natürlich super, vor allem, wenn ich einige Monate lang teures Hauptstadtleben gegenfinanzieren muß! Aber, wie so oft im Leben zählt der innere Wert, nämlich in Form offizieller und externer Wertschätzung des bisher geleisteten, und, ja, das macht mich stolz. Das ist schon nicht ohne.
Donnerstag, 22. Oktober 2009
Und wieder: Das Bundesverfassungsgericht
[Ich kürze es so ungern ab, weil das dieselbe Abkürzung ergibt, die für die ungeliebten Berliner Verkehrsbetriebe steht.]
Schon reden alle vom Ehegattensplitting, aber eigentlich ging es ja nur um eine zusätzliche Hinterbliebenenversorgung im öffentlichen Dienst. Trotzdem handelt es sich natürlich um ein sehr wichtiges und wegweisendes Urteil. Daß nämlich beim Stichwort "Ehe" seinerzeit die Ecke gemeint war, in der Kinder großgezogen wurden, und daß der Staat diese Ecke unter seine besonderen Fittiche nehmen sollte. Da nie jemand ernsthaft erwogen hat*, von kinderlosen Ehepaaren den Steuervorteil wieder zurückzuverlangen, hat es sich so eingewachsen, daß Ehepaare immer ein bißchen besser gestellt waren als Paare ohne Trauschein - ganz unabhängig von a) sexueller Orientierung und b) vorhandenen Kindern. Das Lebenspartnerschaftsgesetz hat es ja auch nur deshalb gegeben, weil man die heilige Ehe nicht von Homosexuellenpartnerschaften besudelt sehen wollte - gegenseitige Verantwortung, gut und schön, aber Rentenansprüche? Steuerliche gemeinsame Veranlagung? Erbschaftsrecht? Adoptionsrecht? Ts ts ts, es gibt auf sueddeutsche.de Kommentatoren, die der Meinung sind, daß doch nicht die Gesellschaft dafür aufkommen müsse, wenn sich jemand das Lebensmodell homosexuelle Partnerschaft ausgesucht habe, das sei schließlich Privatsache. Das ist natürlich sehr witzig, weil man sich den Lebenspartner natürlich vor allem danach aussucht, ob er bzw. sie und vor allem, additiv, die daraus resultierende Partnerschaft in gesellschaftliche Vorstellungen von lebenslanger Partnerschaft hineinpassen. Oder?
Schön also, daß dieses wunderbare Bundesverfassungsgericht wieder einmal mehr Zeitgemäßheit beweist als alle regierenden Parteien zusammen. Zeitgemäß auch eben in der Interpretation des Grundgesetzes. Das ist nun in die Jahre gekommen, und heutzutage kommen Menschen zusammen und leben miteinander und sind einander verantwortlich, und wenn sie dann Kinder bekommen, dann sollten sie vom Grundgesetz besonders geschützt werden. Wenn sie's nicht tun, nun, dann sind sie immer noch einander verantwortlich. Das reicht ja normalerweise auch aus, wenn zwei aufeinander achten, oder?
Viele verstehen vielleicht nicht, daß es möglicherweise keinen großen Unterschied zwischen einer spießigen, kinderlosen Ehe und einer spießigen, homosexuellen, Partnerschaft gibt. Das kann man sogar sehr gut am allseits verbreiteten Wunsch homosexueller Paare auf Gleichstellung im Adoptionsrecht sehen - ein Kind würde die ganze Sache vermutlich abrunden. Aber wenn die Verantwortung füreinander ebenso da ist und mit ebensolchen Folgen im Falle des Scheiterns verbunden sind wie bei der herkömmlichen Ehe, dann ist es doch gar nicht einzusehen, warum homosexuelle Paare schlechtergestellt sein sollten, oder?
Danke, also, nach Karlsruhe. Was wäre dieses Land ohne euch?
*zum Glück natürlich!
Schon reden alle vom Ehegattensplitting, aber eigentlich ging es ja nur um eine zusätzliche Hinterbliebenenversorgung im öffentlichen Dienst. Trotzdem handelt es sich natürlich um ein sehr wichtiges und wegweisendes Urteil. Daß nämlich beim Stichwort "Ehe" seinerzeit die Ecke gemeint war, in der Kinder großgezogen wurden, und daß der Staat diese Ecke unter seine besonderen Fittiche nehmen sollte. Da nie jemand ernsthaft erwogen hat*, von kinderlosen Ehepaaren den Steuervorteil wieder zurückzuverlangen, hat es sich so eingewachsen, daß Ehepaare immer ein bißchen besser gestellt waren als Paare ohne Trauschein - ganz unabhängig von a) sexueller Orientierung und b) vorhandenen Kindern. Das Lebenspartnerschaftsgesetz hat es ja auch nur deshalb gegeben, weil man die heilige Ehe nicht von Homosexuellenpartnerschaften besudelt sehen wollte - gegenseitige Verantwortung, gut und schön, aber Rentenansprüche? Steuerliche gemeinsame Veranlagung? Erbschaftsrecht? Adoptionsrecht? Ts ts ts, es gibt auf sueddeutsche.de Kommentatoren, die der Meinung sind, daß doch nicht die Gesellschaft dafür aufkommen müsse, wenn sich jemand das Lebensmodell homosexuelle Partnerschaft ausgesucht habe, das sei schließlich Privatsache. Das ist natürlich sehr witzig, weil man sich den Lebenspartner natürlich vor allem danach aussucht, ob er bzw. sie und vor allem, additiv, die daraus resultierende Partnerschaft in gesellschaftliche Vorstellungen von lebenslanger Partnerschaft hineinpassen. Oder?
Schön also, daß dieses wunderbare Bundesverfassungsgericht wieder einmal mehr Zeitgemäßheit beweist als alle regierenden Parteien zusammen. Zeitgemäß auch eben in der Interpretation des Grundgesetzes. Das ist nun in die Jahre gekommen, und heutzutage kommen Menschen zusammen und leben miteinander und sind einander verantwortlich, und wenn sie dann Kinder bekommen, dann sollten sie vom Grundgesetz besonders geschützt werden. Wenn sie's nicht tun, nun, dann sind sie immer noch einander verantwortlich. Das reicht ja normalerweise auch aus, wenn zwei aufeinander achten, oder?
Viele verstehen vielleicht nicht, daß es möglicherweise keinen großen Unterschied zwischen einer spießigen, kinderlosen Ehe und einer spießigen, homosexuellen, Partnerschaft gibt. Das kann man sogar sehr gut am allseits verbreiteten Wunsch homosexueller Paare auf Gleichstellung im Adoptionsrecht sehen - ein Kind würde die ganze Sache vermutlich abrunden. Aber wenn die Verantwortung füreinander ebenso da ist und mit ebensolchen Folgen im Falle des Scheiterns verbunden sind wie bei der herkömmlichen Ehe, dann ist es doch gar nicht einzusehen, warum homosexuelle Paare schlechtergestellt sein sollten, oder?
Danke, also, nach Karlsruhe. Was wäre dieses Land ohne euch?
*zum Glück natürlich!
Mittwoch, 21. Oktober 2009
Aber das gibt es auch:
und es ist zwar kaum zu glauben, aber mehr als wahrscheinlich, daß mit dieser schwarzgelben Zukunft sowas genau nicht kommt, obwohl es wahrscheinlich wirklich niemandem wehtäte und irrsinnig viel Geld brächte. Man fragt sich schon ein wenig, warum.
Früher rief man "In der Rüstung sind sie fix, für die Bildung tun sie nix!" Heute sind es die Banken (offen) und immer noch die Rüstung (spricht man nicht drüber, aber in Afghanistan wird sicher nicht mit Palmzweigen gewedelt) und inzwischen auch die Pharmaindustrie (siehe Märchen über gestiegene Gesundheitskosten, Geschwister Schmidt&Lauterbach, und Impfung gegen Sauseuche, umstrittene).
Hier kommt grad viel Saures, aber, hej, guckt mal in die Zeitungen. Da steht auch nurmehr Saures drin. Ich hoffe wenigstens, daß all jene, die mit der FDP wenigstens ein Herbeieilen verfassungsmäßiger Rechte erhofft haben, sich inzwischen selber in rückwärtige Körperteile verbeißen. Schade, daß fahrlässiges Wählen nicht strafbar ist.
Früher rief man "In der Rüstung sind sie fix, für die Bildung tun sie nix!" Heute sind es die Banken (offen) und immer noch die Rüstung (spricht man nicht drüber, aber in Afghanistan wird sicher nicht mit Palmzweigen gewedelt) und inzwischen auch die Pharmaindustrie (siehe Märchen über gestiegene Gesundheitskosten, Geschwister Schmidt&Lauterbach, und Impfung gegen Sauseuche, umstrittene).
Hier kommt grad viel Saures, aber, hej, guckt mal in die Zeitungen. Da steht auch nurmehr Saures drin. Ich hoffe wenigstens, daß all jene, die mit der FDP wenigstens ein Herbeieilen verfassungsmäßiger Rechte erhofft haben, sich inzwischen selber in rückwärtige Körperteile verbeißen. Schade, daß fahrlässiges Wählen nicht strafbar ist.
Dienstag, 20. Oktober 2009
Keine Lust:
auf alles, allein schon, wenn man die elektronische Zeitung aufschlägt.
Der immer noch nicht beeindruckend lebensgefährlichen Spezialgrippe soll mit einem mehr als schlecht erprobten Impfstoff beigekommen werden, der Dinger enthält, die noch gar nicht recht getestet sind. Selbst wenn man einmal davon absieht, daß der Bundesspezialimpfstoff die fragwürdigen Bestandteile nicht enthält, ist die Parallelbestellung natürlich trotzdem empörend, selbst wenn die nunmehr verbreitete Behauptung, er sei dafür schlechter getestet, stimmen sollte.
(Welchen Argumentationssträngen folgt man denn? Einer: Vertrag ist Vertrag und muß eingehalten werden. Aha. Wer schließt denn solche Verträge ab? Das weiß keiner, denn die Verträge sind geheim. Nicht geheim genug freilich, um in aller Öffentlichkeit diskutiert zu werden. Ein anderer, der beeinhaltet, daß Schwangere einerseits dringend geimpft werden müßten, andererseits nicht mit Wirkverstärkern, dann aber auch wieder nicht mit dem wirkverstärkerfreien Impfstoff der Bundeswehr, denn der sei nicht an Schwangeren getestet - als wenn der andere das sei...)
Durch das ganze Drumherum kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, daß freundlicherweise im richtigen Moment ein passendes Virus einer möglicherweise kränkelnden Pharmaindustrie unter die Arme greift, infolge erfolgreicher Lobbyarbeit, vielleicht aber sogar infolge vorher bereits erfolgreich verlaufender strategischer Eroberungen (oder wie erklärt man sich den Umstand, daß erheblich wichtige Gremien, wenn es um Impfstofffreigabe und -empfehlungen geht, von der Pharmaindustrie bezahlt und/oder besetzt werden?) oder sogar, aber das wollen wir alle gar nicht annehmen, weil es ohne die Pharmafirmen vielleicht gar nicht existierte?
(Jedem, der sich für Epidemien interessiert, sei die Lektüre von Albert Camus' Die Pest empfohlen. In einer unbeschreiblich guten und spannungsgeladenen Lesbarkeit erzählt es von den Opfern, die eine leicht ansteckende und oft tödlich verlaufende Seuche fordert. Die Opfer sind dabei nicht nur in den Reihen der Kranken, sondern auch bei den Helfern, Ärzten, Chronisten, Verwaltungsbeamten und überhaupt überall zu finden.)
Wenn es um Lebensgefahr und um Eindämmung einer Pandemie geht, sollten und müssen wahrscheinlich schlecht getestete, potentiell ihrerseits gefährliche Impfstoffe eingesetzt werden. Wie stets würden dann bei einer Kosten-Nutzen-Rechnung die Vorteile die Nachteile überwiegen, auch wenn das dem einzelnen Schicksal zynisch vorkommt. Aber die Testung eines Impfstoffes im großen Stil auf eine irritierte, aber möglicherweise nicht dramatisch gefährdete Bevölkerung zu übertragen, kommt mir mindestens grob fahrlässig vor - falls es nicht ohnehin so gewollt ist. Dann wäre freilich jeder einzelne Fall, wo jemand durch die Impfung zu Schaden kommt, vorsätzliche Körperverletzung.
Bei Autos und Betriebssystemen macht man das ja schon länger, daß man die Betaphase gegen Bezahlung von den Neugierigen, alles-neue-immer-sofort-haben-Wollende durchführen läßt. Da hat es sich ja bewährt.
Nächster Ärgernispunkt:
Hartz-IV-Regelsätze.
Die werden gerade, schlappe 4 Jahre nach ihrer Einführung, vom Bundesverfassungsgericht streng, und nach allem, was ich heute so darüber lesen durfte, SEHR streng geprüft. Und zwar nicht mit einer Augenmaßorientierung am gerade so ausreichenden, sondern am soziokulturellen Existenzminimum, und mit dem deutlichen Verlangen nach einem nachvollziehbaren Zustandekommen des Regelsatzes, wenn er denn in seiner pauschalierten Erscheinungsform überhaupt zulässig ist.
Ich bin immer wieder überrascht, daß leider erst das Bundesverfassungsgericht als wirksame Instanz in der Lage ist, verfassungswidrige Gesetze zu stoppen oder deren Änderung zu erzwingen. Das Unglaubliche daran besteht ja darin, daß in den letzten fünf Jahren sich unzählige Menschen von Hartz-IV-zuständigen Behörden haben demütigen lassen, mit diesem unglaublich wenigen Geld haben zurechtkommen müssen, ihren Wohnsitz wechseln mußten, weil die Wohnung angeblich zu teuer war, usw. Egal wie der Tanz in Karlsruhe ausgeht, von den bis jetzt Betroffenen wird wohl kaum einer was nachgezahlt bekommen, denn anders als bei Zahlungen unter Vorbehalt kann man beim Empfang von Leistungen nicht sagen, ich nehms, aber nur unter Vorbehalt, vielleicht klagt ja jemand, der sich das aus irgendeinem Grund leisten kann.
Es ist bewundernswert, wie es die jeweiligen Regierungen immer wieder hinbekommen, Gesetze vorzuschlagen, die schon oberflächlichen juristischen Prüfungen bezüglich ihrer Grundgesetzlichkeit nicht standhalten. Und das, obwohl das Gesetzeswerk inzwischen sogar extern von eigens beauftragten Kanzleien ausformuliert wird. Man stelle sich vor, man gibt seinem Steuerberater den Auftrag ...und mache es steuerprüferwasserdicht!, und der spielt nur auf Zeit und macht die Steuererklärung wasserdicht, solange kein Steuerprüfer kommt! Dem würde man aber was erzählen! Und daher darf man ja auch ganz ohne Verschwörungstheoriehintergrund mal laut darüber nachsinnen, ob das nicht immer eben Absicht ist - wir machen das jetzt solange, wie es geht. Zumal ja BVG-Entscheidungen ja häufig noch lange nicht dazu führen, daß die Gesetzeslage geändert wird. Und das ist schon dreist zu nennen, vor allem wenn es, wie bei Hartz-IV, um buchstäblich existentielle Fragen geht.
Es gibt noch mehr zum drüber-ärgern, aber das reicht jetzt vielleicht auch einfach schon. Es sind dies die großen Ärgernisse, aber die kleinen, zum Beispiel daß sich die sogenannten Wahlversprechen der FDP so gar nicht im avisierten Koalitionsvertrag wiederfinden, Hauptsache, man darf endlich wieder mitspielen und Klientelgeschenke herumreichen, das ist schon nur mehr widerlich und wandert direkt ins Klo. Mögen zukünftige Wählerscharen klüger sein. (Obwohl man nach den Jahren der rot-grünen Regierung auch fragen muß, worin diese Klügersein eigentlich bestehen soll.)
Der immer noch nicht beeindruckend lebensgefährlichen Spezialgrippe soll mit einem mehr als schlecht erprobten Impfstoff beigekommen werden, der Dinger enthält, die noch gar nicht recht getestet sind. Selbst wenn man einmal davon absieht, daß der Bundesspezialimpfstoff die fragwürdigen Bestandteile nicht enthält, ist die Parallelbestellung natürlich trotzdem empörend, selbst wenn die nunmehr verbreitete Behauptung, er sei dafür schlechter getestet, stimmen sollte.
(Welchen Argumentationssträngen folgt man denn? Einer: Vertrag ist Vertrag und muß eingehalten werden. Aha. Wer schließt denn solche Verträge ab? Das weiß keiner, denn die Verträge sind geheim. Nicht geheim genug freilich, um in aller Öffentlichkeit diskutiert zu werden. Ein anderer, der beeinhaltet, daß Schwangere einerseits dringend geimpft werden müßten, andererseits nicht mit Wirkverstärkern, dann aber auch wieder nicht mit dem wirkverstärkerfreien Impfstoff der Bundeswehr, denn der sei nicht an Schwangeren getestet - als wenn der andere das sei...)
Durch das ganze Drumherum kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, daß freundlicherweise im richtigen Moment ein passendes Virus einer möglicherweise kränkelnden Pharmaindustrie unter die Arme greift, infolge erfolgreicher Lobbyarbeit, vielleicht aber sogar infolge vorher bereits erfolgreich verlaufender strategischer Eroberungen (oder wie erklärt man sich den Umstand, daß erheblich wichtige Gremien, wenn es um Impfstofffreigabe und -empfehlungen geht, von der Pharmaindustrie bezahlt und/oder besetzt werden?) oder sogar, aber das wollen wir alle gar nicht annehmen, weil es ohne die Pharmafirmen vielleicht gar nicht existierte?
(Jedem, der sich für Epidemien interessiert, sei die Lektüre von Albert Camus' Die Pest empfohlen. In einer unbeschreiblich guten und spannungsgeladenen Lesbarkeit erzählt es von den Opfern, die eine leicht ansteckende und oft tödlich verlaufende Seuche fordert. Die Opfer sind dabei nicht nur in den Reihen der Kranken, sondern auch bei den Helfern, Ärzten, Chronisten, Verwaltungsbeamten und überhaupt überall zu finden.)
Wenn es um Lebensgefahr und um Eindämmung einer Pandemie geht, sollten und müssen wahrscheinlich schlecht getestete, potentiell ihrerseits gefährliche Impfstoffe eingesetzt werden. Wie stets würden dann bei einer Kosten-Nutzen-Rechnung die Vorteile die Nachteile überwiegen, auch wenn das dem einzelnen Schicksal zynisch vorkommt. Aber die Testung eines Impfstoffes im großen Stil auf eine irritierte, aber möglicherweise nicht dramatisch gefährdete Bevölkerung zu übertragen, kommt mir mindestens grob fahrlässig vor - falls es nicht ohnehin so gewollt ist. Dann wäre freilich jeder einzelne Fall, wo jemand durch die Impfung zu Schaden kommt, vorsätzliche Körperverletzung.
Bei Autos und Betriebssystemen macht man das ja schon länger, daß man die Betaphase gegen Bezahlung von den Neugierigen, alles-neue-immer-sofort-haben-Wollende durchführen läßt. Da hat es sich ja bewährt.
Nächster Ärgernispunkt:
Hartz-IV-Regelsätze.
Die werden gerade, schlappe 4 Jahre nach ihrer Einführung, vom Bundesverfassungsgericht streng, und nach allem, was ich heute so darüber lesen durfte, SEHR streng geprüft. Und zwar nicht mit einer Augenmaßorientierung am gerade so ausreichenden, sondern am soziokulturellen Existenzminimum, und mit dem deutlichen Verlangen nach einem nachvollziehbaren Zustandekommen des Regelsatzes, wenn er denn in seiner pauschalierten Erscheinungsform überhaupt zulässig ist.
Ich bin immer wieder überrascht, daß leider erst das Bundesverfassungsgericht als wirksame Instanz in der Lage ist, verfassungswidrige Gesetze zu stoppen oder deren Änderung zu erzwingen. Das Unglaubliche daran besteht ja darin, daß in den letzten fünf Jahren sich unzählige Menschen von Hartz-IV-zuständigen Behörden haben demütigen lassen, mit diesem unglaublich wenigen Geld haben zurechtkommen müssen, ihren Wohnsitz wechseln mußten, weil die Wohnung angeblich zu teuer war, usw. Egal wie der Tanz in Karlsruhe ausgeht, von den bis jetzt Betroffenen wird wohl kaum einer was nachgezahlt bekommen, denn anders als bei Zahlungen unter Vorbehalt kann man beim Empfang von Leistungen nicht sagen, ich nehms, aber nur unter Vorbehalt, vielleicht klagt ja jemand, der sich das aus irgendeinem Grund leisten kann.
Es ist bewundernswert, wie es die jeweiligen Regierungen immer wieder hinbekommen, Gesetze vorzuschlagen, die schon oberflächlichen juristischen Prüfungen bezüglich ihrer Grundgesetzlichkeit nicht standhalten. Und das, obwohl das Gesetzeswerk inzwischen sogar extern von eigens beauftragten Kanzleien ausformuliert wird. Man stelle sich vor, man gibt seinem Steuerberater den Auftrag ...und mache es steuerprüferwasserdicht!, und der spielt nur auf Zeit und macht die Steuererklärung wasserdicht, solange kein Steuerprüfer kommt! Dem würde man aber was erzählen! Und daher darf man ja auch ganz ohne Verschwörungstheoriehintergrund mal laut darüber nachsinnen, ob das nicht immer eben Absicht ist - wir machen das jetzt solange, wie es geht. Zumal ja BVG-Entscheidungen ja häufig noch lange nicht dazu führen, daß die Gesetzeslage geändert wird. Und das ist schon dreist zu nennen, vor allem wenn es, wie bei Hartz-IV, um buchstäblich existentielle Fragen geht.
Es gibt noch mehr zum drüber-ärgern, aber das reicht jetzt vielleicht auch einfach schon. Es sind dies die großen Ärgernisse, aber die kleinen, zum Beispiel daß sich die sogenannten Wahlversprechen der FDP so gar nicht im avisierten Koalitionsvertrag wiederfinden, Hauptsache, man darf endlich wieder mitspielen und Klientelgeschenke herumreichen, das ist schon nur mehr widerlich und wandert direkt ins Klo. Mögen zukünftige Wählerscharen klüger sein. (Obwohl man nach den Jahren der rot-grünen Regierung auch fragen muß, worin diese Klügersein eigentlich bestehen soll.)
Dienstag, 13. Oktober 2009
Das zentrale Wort ist Konstanze
Die sogenannten Feigenbaum-Konstanten treten bei nichtlinearen Systemen, die in Abhängigkeit eines Parameters reguläres oder chaotisches Verhalten zeigen, in Erscheinung. Insofern sind sie selbstredend meine ständigen Begleiter, denn wenn jemand ein nichtlineares System ist, dann ja wohl ich, und wenn es singulärparametrisch regulär oder aber eben chaotisch aussieht, dann ja wohl bei mir!
Schön sichtbar gemacht hat das Wikipedia in einer ansprechenden Graphik:
wobei links die Ordnung und rechts das Chaos zu sehen sind. Genau wie bei mir, wobei nach rechts jeweils der näher rückende Prüfungstermin abgetragen ist. Gut, daß ich da meine beiden Feigenbaum-Konstanten habe, die mir Weg und Straße weisen, je nachdem, ob ich grad auf Regeln oder auf Chaos gebürstet bin.
Interessant, eigentlich, daß sich ausgerechnet die ordnungsliebenden Mathematiker mit dem Chaos beschäftigen, aber dann fiel mir ein, daß sie es wahrscheinlich gerade deshalb tun - weil Chaos nicht in mathematische Gedankengänge paßt. Und weil aber Mathematiker an ihre Idee von Mathematik als alles umspannende Universalsprache glauben, so daß uns die Außerirdischen auf jeden Fall verstehen würden, wenn wir ihnen, statt eines Hollywood-Blockbusters, eine schöne Logarithmuskurve oder aber ein Gleichungssystem mit drei Unbekannten vorsetzen würden. Deshalb darf auch das Chaos trotz seiner vermeintlichen Unbeherrschbarkeit nicht wirklich unstrukturiert sein, sondern muß mithilfe mathematischer Operationen beschreibbar gemacht werden. (Eigentlich, denkt der denkende Mensch, widerspricht das den elementaren Gedanken über Chaos, oder?)
Ziemlich nett also von Herrn Feigenbaum, die nach ihm benannten Konstanten ins Leben zu rufen. Ohne sie würde es ja wohl kaum gehen.
Schön sichtbar gemacht hat das Wikipedia in einer ansprechenden Graphik:
Interessant, eigentlich, daß sich ausgerechnet die ordnungsliebenden Mathematiker mit dem Chaos beschäftigen, aber dann fiel mir ein, daß sie es wahrscheinlich gerade deshalb tun - weil Chaos nicht in mathematische Gedankengänge paßt. Und weil aber Mathematiker an ihre Idee von Mathematik als alles umspannende Universalsprache glauben, so daß uns die Außerirdischen auf jeden Fall verstehen würden, wenn wir ihnen, statt eines Hollywood-Blockbusters, eine schöne Logarithmuskurve oder aber ein Gleichungssystem mit drei Unbekannten vorsetzen würden. Deshalb darf auch das Chaos trotz seiner vermeintlichen Unbeherrschbarkeit nicht wirklich unstrukturiert sein, sondern muß mithilfe mathematischer Operationen beschreibbar gemacht werden. (Eigentlich, denkt der denkende Mensch, widerspricht das den elementaren Gedanken über Chaos, oder?)
Ziemlich nett also von Herrn Feigenbaum, die nach ihm benannten Konstanten ins Leben zu rufen. Ohne sie würde es ja wohl kaum gehen.
Mittwoch, 7. Oktober 2009
Etwas über Zeit und vielleicht Raum
Als ich vor drei Jahren in dieses ostwestfälische Kleinod zog, um endlich mal was vernünftiges mit mir und meinen spezifischen Begabungen und Interessen anzufangen, kamen mir die mindestens zu erwartenden vierkommafünf Jahre utopisch lang vor. Schließlich wohnte ich damals gerade mal wieder seit zwei Jahren in Friedrichshain und hatte mich dort gut eingerichtet.
Jetzt also, drei Jahre später, also länger abwesend als zuvor anwesend gewesen, tja - was soll ich sagen? Beschränkt auf die Entfernungen in einer Kleinstadt, abgespeist mit dem konsumentären Angebot einer besseren Kreisstadt und mit dem Studium zufrieden wie Bolle läßt es sich schwer über wirkliche Lebensunzufriedenheiten beklagen. (Neuerdings habe ich mir mit einer kofinanzierten Bahncard 50 auch das Planungsgebot bei Heimreisen abgeschafft. Es wird gefahren, wenn ich das will, und nicht, wenn die Bahn einen Zug feilbietet, der bezahlbar ist.) Man sagt ja immer so schön, die Zeit sei "wie im Flug vergangen", aber für mich stimmt der Spruch aus zwei voneinander unabhängigen Gründen nicht: erstens fliege ich nicht besonders gern, und da die von mir benutzten Flugzeuge in aller Regel komische Geräusche absondern, vor dem Landen noch einmal durchstarten oder sich gleich während des gesamten Fluges von allerlei Turbulenzen durchschütteln lassen, ist mir noch kein Flug kurz vorgekommen. Und zweitens WAREN die drei Jahre nicht kurz. Es waren verdammte zehn Prüfungen bislang (mit Scheinen fange ich gleich gar nicht an!), die einem das Leben kurz machen können und mit denen man jeweils so sehr lebt, daß es nichts anderes mehr gibt, und man denkt immer nur an das Hinterher. Das ist wahrscheinlich das Gefühl, das einem im Erinnern die Zeit verkürzt. (Oder, wie es die Architekturstudenten in meiner Bekanntschaft ausdrückten: Nach der Abgabe ist vor der Abgabe.) D.h. wenn du ernsthaft Psychologie studierst, bist du immer im Dienst. Nicht, weil du, wie gerne immer unterstellt, in deiner Freizeit Menschen analysierst. Abgesehen davon, daß wir DAS im Studium leider bzw. ZUM GLÜCK nicht lernen, hat man dafür auf jeden Fall überhaupt keine Zeit, weil das Studium eine anspruchsvolle Dame ist: Sie will immer beachtet sein, und dabeisein sowieso, und duldet keine Analysanden als Göttinnen neben sich.
Komisch, man könnte meinen, ich habe mich an Bielefeld gewöhnt und hier mein Glück gefunden. Einerseits: ja, und zwar erheblich, und mehreren Ausprägungen. Andererseits: ja, aber das muß woandershin getragen werden. In eine schöne Wohnung in Berlin. In ein Backsteinhäuschen an der Ostsee (Mecklenburger Seen zählen notfalls auch, bzw. Ostseenähe). In eine vernünftige Tätigkeit hinein vor allem. Dann können auch noch mehr als drei Jahre kommen und wieder gehen, wenn man dafür mehr Raum hat für das, was man dann kann!
Jetzt also, drei Jahre später, also länger abwesend als zuvor anwesend gewesen, tja - was soll ich sagen? Beschränkt auf die Entfernungen in einer Kleinstadt, abgespeist mit dem konsumentären Angebot einer besseren Kreisstadt und mit dem Studium zufrieden wie Bolle läßt es sich schwer über wirkliche Lebensunzufriedenheiten beklagen. (Neuerdings habe ich mir mit einer kofinanzierten Bahncard 50 auch das Planungsgebot bei Heimreisen abgeschafft. Es wird gefahren, wenn ich das will, und nicht, wenn die Bahn einen Zug feilbietet, der bezahlbar ist.) Man sagt ja immer so schön, die Zeit sei "wie im Flug vergangen", aber für mich stimmt der Spruch aus zwei voneinander unabhängigen Gründen nicht: erstens fliege ich nicht besonders gern, und da die von mir benutzten Flugzeuge in aller Regel komische Geräusche absondern, vor dem Landen noch einmal durchstarten oder sich gleich während des gesamten Fluges von allerlei Turbulenzen durchschütteln lassen, ist mir noch kein Flug kurz vorgekommen. Und zweitens WAREN die drei Jahre nicht kurz. Es waren verdammte zehn Prüfungen bislang (mit Scheinen fange ich gleich gar nicht an!), die einem das Leben kurz machen können und mit denen man jeweils so sehr lebt, daß es nichts anderes mehr gibt, und man denkt immer nur an das Hinterher. Das ist wahrscheinlich das Gefühl, das einem im Erinnern die Zeit verkürzt. (Oder, wie es die Architekturstudenten in meiner Bekanntschaft ausdrückten: Nach der Abgabe ist vor der Abgabe.) D.h. wenn du ernsthaft Psychologie studierst, bist du immer im Dienst. Nicht, weil du, wie gerne immer unterstellt, in deiner Freizeit Menschen analysierst. Abgesehen davon, daß wir DAS im Studium leider bzw. ZUM GLÜCK nicht lernen, hat man dafür auf jeden Fall überhaupt keine Zeit, weil das Studium eine anspruchsvolle Dame ist: Sie will immer beachtet sein, und dabeisein sowieso, und duldet keine Analysanden als Göttinnen neben sich.
Komisch, man könnte meinen, ich habe mich an Bielefeld gewöhnt und hier mein Glück gefunden. Einerseits: ja, und zwar erheblich, und mehreren Ausprägungen. Andererseits: ja, aber das muß woandershin getragen werden. In eine schöne Wohnung in Berlin. In ein Backsteinhäuschen an der Ostsee (Mecklenburger Seen zählen notfalls auch, bzw. Ostseenähe). In eine vernünftige Tätigkeit hinein vor allem. Dann können auch noch mehr als drei Jahre kommen und wieder gehen, wenn man dafür mehr Raum hat für das, was man dann kann!
Sonntag, 4. Oktober 2009
Liebes Vaterland!
Als ich noch klein war, gab es dich noch. In der Schule sagten wir am 7. Oktober ein Gedicht von Heinz Kahlau auf, das hieß "Geburtstag hat die Republik", und anschließend besangen wir in dem Lied "Unsere Heimat" den Umstand, daß nicht nur Bäume und Flüsse, sondern auch die Tiere im Wald und die Vögel der Luft unsere Heimat seien, und daß wir sie schützen würden, unsere Heimat, weil sie dem Volke, weil sie unserem Volke gehört. Soweit warst du also immer präsent, in Form von Hammer, Sichel, Ährenkranz oder auch als das gewohnte Tryptochon aus Willi Stoph, Erich Honecker und Horst Sindermann, das sich in jedem Direktorenzimmer, in jedem Konferenzraum fand. Früh umgarntest du uns schon mit gesellschaftskritischen Geschichten in Bummi und Frösi, wobei sich die Gesellschaftskritik vor allem auf das westliche und insbesondere transatlantische Gesellschaftsfeld bezog. Aber das wurde mir erst später klar; im übrigen waren die Geschichten des Westens über die "Zone" auch nicht besser und vor allem nicht edler motiviert. In der Schule wurde viel Wert auf rasches Erlernen von Lese-, Schreib- und Rechenkompetenzen, wie es heute so schön heißt, gelegt, aber es blieb Zeit für die Geschichten von Timur und sein Trupp, die in schwerer Bürgerkriegszeit die Frauen der kämpfenden Revolutionäre mit Lebensmitteln versorgten, oder über die krebskranken Kinder von Hiroshima und Nagasaki, die tagein, tagaus Kraniche in Origamitechnik falteten, um damit auf ihr atombombenverursachtes Leid hinzuweisen und für den atomwaffenfreien Frieden auf der ganzen Erde aufzurufen. Zwischendrin sammelten wir Schulhefte und Bleistifte für die Kinder in Nicaragua, die gerne lernen wollten, aber aufgrund der revolutionären/konterrevolutionären Schwulitäten keine Schulen, keine Lehrer und keine Schulhefte hatten. Für pfandfreies Altglas gab es beim sogenannten Lumpenhändler (Sekundärrohstoffverwertung; ich mußte ca. 24 Jahre alt werden, um die Abkürzung SERO 1. zu verstehen und 2. mit Sinn und Inhalt zu füllen - da gab es SERO bereits 10 Jahre oder wieviel nicht mehr) Geld; wohl dem, dessen Eltern Schnaps tranken, denn für Schnapsflaschen gab es 20, für Weinflaschen bloß 5 Pfennig. Blöd, wenn in der Klasse ein Sammelwettbewerb ausgerufen war: dann mußte man das Zeug, um einigermaßen soziabel zu sein, gegen nix in der Schule abliefern - um einigermaßen soziabel zu sein, erschiene man also mit möglichst vielen leeren Schnapsflaschen in der Schule, naja.
Als Kind wundert man sich über sowas natürlich nicht, denn man hat ja keine Referenz- oder Vergleichsgruppe, die in der Schule drei Jahre Zeit hat, um Lesen, Schreiben und Rechnen zu lernen, die nach der Schule daheim die Mami nebst selbstgekochtem Mittagessen vorfindet, und die keine Lieder lernt, die mit Wenn Mutti früh zur Arbeit geht anfangen.
Bloß an den rätselhaften Gesprächen, die Erwachsene bisweilen in Hörweite miteinander führen, und an den Divergenzen zwischen der Aktuellen Kamera und der Tagesschau erkennt man auch als Zehnjährige, daß nicht alles im Land und um das Land herum so ist, wie die Lehrer einem versuchen plausibel zu machen. In Polen herrscht der Kriegszustand, obwohl das doch ein sogenanntes Bruderland war, und aus der Sowjetunion drangen die seltsamen, auch mit den ersten Russischkenntnisssen nicht erklärbaren Wörter Glasnost und Perestroika herüber, das konnte niemand verhindern. Staunend verfolgte ich die Abrüstungsverhandlungen zwischen Reagan und später dem alten Bush und Gorbatschow, die sich auf verschiedenen Gipfelkonferenzen in meist abgelegenen Erdgegenden wie Island in die protokollarische Länge zogen, und interessiert erlernte ich die Unterschiede zwischen Staats- und Arbeitsbesuch, zwischen Präsident und Parlament, zwischen Vertrag und dessen Ratifizierung, und dachte allen Ernstes, daß mit Gorbatschows Angebot der bedingungslosen, einseitigen Abrüstung, daß der Weltfrieden doch keine Fiktion, kein Wunschtraum sei, sondern bald schon Wirklichkeit würde, daß die Atomraketen ins Meer geworfen (Umweltschutzgedanken waren nicht so stark ausgeprägt) und Stacheldrahtverhaue abgebaut würden.
Und dann kam 1989. Anfang des Jahres kam es bei den Bürgerrechtlern zu einigen Verhaftungen, gleichzeitig kam es zu einer ganzen Reihe von entsprochenen Ausreiseanträgen in den gleichen Reihen, also vor allem bei Aktivisten der Friedens- und Bürgerrechtsbewegung. Das war der Anfang vom Ende, aber was für ein Ende, und wie schnell es dann ging, und das die gleichen Bürgerrechtler schon zwei Jahre später schon nurmehr eine Fußnote der friedlichen Revolution und einen Überrest im Namen der Grünen darstellen sollten, damit war nicht zu rechnen. Jedenfalls, das Land zerfiel sehr plötzlich. Die Flüchtlinge in Prag, die Verhandlungen, der Besuch eines altersmilden und heimatsehnsüchtigen Honeckers im Saarland, das Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens, die offene Grenze bei Sopron in Ungarn, über die zu gehen schon beinahe zum guten Ton gehörte - Gehirn und Welt einer Elfjährigen geraten durcheinander, nichts stimmt mehr, wer heute noch "rot" war, ist morgen "abgehauen", rübergegangen. In die vermeintliche Freiheit.
Am 7. Oktober wurdest du dann 40 Jahre alt, es gab allerlei Feierlichkeiten, aber eigentlich interessierte das schon keinen mehr. Der Zusammenbruch war keine Frage des ob mehr, sondern höchstens des wann und wieviel Tote. In Leipzig war der Teufel los, Verhaftungen und alles, in Berlin standen nervöse und bewaffnete Soldaten des Regiments Feliks Dzierzynski unbewaffneten, zahlreichen und laut entschlossenen Demonstranten gegenüber. Es wurde nicht geschossen. Am 4. November war der Alexanderplatz so schwarz vor Menschen, sie waren überall, die Straßenverläufe nicht auszumachen, Kinder saßen auf den Schultern ihrer Eltern, sicherlich waren überall Provokateure in Zivil unterwegs, aber nichts und niemand kann 1 Million Menschen auf dem Alexanderplatz in ihrem Tun aufhalten. Der Versprecher von Günter (Schabowski oder Mittag?) ein paar Tage später war nur noch Seidenband, Makulatur, Sahnehäubchen, und daß der Mensch träge ist, studiert man anhand der Tatsache, daß in der Nacht vom 9. zum 10. November nicht einfach ALLE Ostberliner nach Westberlin rübergemacht sind, obwohl viele befürchtet haben, daß das Loch wieder zugemacht wird - weil man es ja auch einfach nicht glauben konnte, daß es auf ist.
Das war der unblutige Garaus fürs Vaterland, alles andere waren nur noch Zuckungen im Todeskampf.
Jetzt habe ich ein neues Vaterland, na, so neu ist es natürlich auch wieder nicht, eigentlich habe ich das neue schon viel länger als früher das alte. Aber so ein altes Vaterland bleibt einem erhalten, vielleicht sogar, wenn mans gern loswerden wollte, oder dann erst recht. Ich habe große Teile meines Erwachsenenlebens mit unterschiedlichen Zufriedenheiten in Westdeutschland verbracht, aber in Berlin könnte ich nicht in den Westen ziehen. Ich würde nicht sagen, daß in der DDR alles gut war, aber das Märchen, daß es im Westen so viel besser, weil ehrlicher und demokratischer zugegangen sei, glaube ich auch nicht, weil es auch nicht glaubwürdiger wird, nur weil der Westen "gewonnen" hat. Ich will auch nicht, daß bei 24jährigen Sportlern oder Popstars der Umstand hervorgehoben wird, daß sie aus Ostdeutschland kämen (immerhin sind diese unleidigen Fünf neuen Länder endlich von der publizistischen Bildfläche verschwunden!), denn es ist kein größeres oder kleineres Verdienst, aus Anklam oder aus Tuttlingen zu stammen (letztere sind eher benachteiligt, weil sie kein hochdeutsch können).
Jetzt erleben ja deine Entwicklungen, liebes altes Vaterland, ungeahnte Renaissancen! Zehnjährige Gemeinschaftsschulen, Ganztagsschulen, Kinderkrippen und -gärten und administrative Vergabe der begehrten Studienplätze, das gabs doch alles schonmal schon, wurde aber beim Einigungsvertrag als untauglich abgelehnt. Das zu erwähnen soll keine späte Genugtuung ausdrücken, sondern lediglich zum sogenannten Nachdenken anregen.
Als Kind wundert man sich über sowas natürlich nicht, denn man hat ja keine Referenz- oder Vergleichsgruppe, die in der Schule drei Jahre Zeit hat, um Lesen, Schreiben und Rechnen zu lernen, die nach der Schule daheim die Mami nebst selbstgekochtem Mittagessen vorfindet, und die keine Lieder lernt, die mit Wenn Mutti früh zur Arbeit geht anfangen.
Bloß an den rätselhaften Gesprächen, die Erwachsene bisweilen in Hörweite miteinander führen, und an den Divergenzen zwischen der Aktuellen Kamera und der Tagesschau erkennt man auch als Zehnjährige, daß nicht alles im Land und um das Land herum so ist, wie die Lehrer einem versuchen plausibel zu machen. In Polen herrscht der Kriegszustand, obwohl das doch ein sogenanntes Bruderland war, und aus der Sowjetunion drangen die seltsamen, auch mit den ersten Russischkenntnisssen nicht erklärbaren Wörter Glasnost und Perestroika herüber, das konnte niemand verhindern. Staunend verfolgte ich die Abrüstungsverhandlungen zwischen Reagan und später dem alten Bush und Gorbatschow, die sich auf verschiedenen Gipfelkonferenzen in meist abgelegenen Erdgegenden wie Island in die protokollarische Länge zogen, und interessiert erlernte ich die Unterschiede zwischen Staats- und Arbeitsbesuch, zwischen Präsident und Parlament, zwischen Vertrag und dessen Ratifizierung, und dachte allen Ernstes, daß mit Gorbatschows Angebot der bedingungslosen, einseitigen Abrüstung, daß der Weltfrieden doch keine Fiktion, kein Wunschtraum sei, sondern bald schon Wirklichkeit würde, daß die Atomraketen ins Meer geworfen (Umweltschutzgedanken waren nicht so stark ausgeprägt) und Stacheldrahtverhaue abgebaut würden.
Und dann kam 1989. Anfang des Jahres kam es bei den Bürgerrechtlern zu einigen Verhaftungen, gleichzeitig kam es zu einer ganzen Reihe von entsprochenen Ausreiseanträgen in den gleichen Reihen, also vor allem bei Aktivisten der Friedens- und Bürgerrechtsbewegung. Das war der Anfang vom Ende, aber was für ein Ende, und wie schnell es dann ging, und das die gleichen Bürgerrechtler schon zwei Jahre später schon nurmehr eine Fußnote der friedlichen Revolution und einen Überrest im Namen der Grünen darstellen sollten, damit war nicht zu rechnen. Jedenfalls, das Land zerfiel sehr plötzlich. Die Flüchtlinge in Prag, die Verhandlungen, der Besuch eines altersmilden und heimatsehnsüchtigen Honeckers im Saarland, das Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens, die offene Grenze bei Sopron in Ungarn, über die zu gehen schon beinahe zum guten Ton gehörte - Gehirn und Welt einer Elfjährigen geraten durcheinander, nichts stimmt mehr, wer heute noch "rot" war, ist morgen "abgehauen", rübergegangen. In die vermeintliche Freiheit.
Am 7. Oktober wurdest du dann 40 Jahre alt, es gab allerlei Feierlichkeiten, aber eigentlich interessierte das schon keinen mehr. Der Zusammenbruch war keine Frage des ob mehr, sondern höchstens des wann und wieviel Tote. In Leipzig war der Teufel los, Verhaftungen und alles, in Berlin standen nervöse und bewaffnete Soldaten des Regiments Feliks Dzierzynski unbewaffneten, zahlreichen und laut entschlossenen Demonstranten gegenüber. Es wurde nicht geschossen. Am 4. November war der Alexanderplatz so schwarz vor Menschen, sie waren überall, die Straßenverläufe nicht auszumachen, Kinder saßen auf den Schultern ihrer Eltern, sicherlich waren überall Provokateure in Zivil unterwegs, aber nichts und niemand kann 1 Million Menschen auf dem Alexanderplatz in ihrem Tun aufhalten. Der Versprecher von Günter (Schabowski oder Mittag?) ein paar Tage später war nur noch Seidenband, Makulatur, Sahnehäubchen, und daß der Mensch träge ist, studiert man anhand der Tatsache, daß in der Nacht vom 9. zum 10. November nicht einfach ALLE Ostberliner nach Westberlin rübergemacht sind, obwohl viele befürchtet haben, daß das Loch wieder zugemacht wird - weil man es ja auch einfach nicht glauben konnte, daß es auf ist.
Das war der unblutige Garaus fürs Vaterland, alles andere waren nur noch Zuckungen im Todeskampf.
Jetzt habe ich ein neues Vaterland, na, so neu ist es natürlich auch wieder nicht, eigentlich habe ich das neue schon viel länger als früher das alte. Aber so ein altes Vaterland bleibt einem erhalten, vielleicht sogar, wenn mans gern loswerden wollte, oder dann erst recht. Ich habe große Teile meines Erwachsenenlebens mit unterschiedlichen Zufriedenheiten in Westdeutschland verbracht, aber in Berlin könnte ich nicht in den Westen ziehen. Ich würde nicht sagen, daß in der DDR alles gut war, aber das Märchen, daß es im Westen so viel besser, weil ehrlicher und demokratischer zugegangen sei, glaube ich auch nicht, weil es auch nicht glaubwürdiger wird, nur weil der Westen "gewonnen" hat. Ich will auch nicht, daß bei 24jährigen Sportlern oder Popstars der Umstand hervorgehoben wird, daß sie aus Ostdeutschland kämen (immerhin sind diese unleidigen Fünf neuen Länder endlich von der publizistischen Bildfläche verschwunden!), denn es ist kein größeres oder kleineres Verdienst, aus Anklam oder aus Tuttlingen zu stammen (letztere sind eher benachteiligt, weil sie kein hochdeutsch können).
Jetzt erleben ja deine Entwicklungen, liebes altes Vaterland, ungeahnte Renaissancen! Zehnjährige Gemeinschaftsschulen, Ganztagsschulen, Kinderkrippen und -gärten und administrative Vergabe der begehrten Studienplätze, das gabs doch alles schonmal schon, wurde aber beim Einigungsvertrag als untauglich abgelehnt. Das zu erwähnen soll keine späte Genugtuung ausdrücken, sondern lediglich zum sogenannten Nachdenken anregen.
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