Sonntag, 29. Juni 2008

Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren.

Mehr kann ich derzeit zu diesem Finale nicht sagen.

Höchstens noch, aber das wäre schon Dissonanzreduktion: Dritter, Zweiter, Erster!

Samstag, 28. Juni 2008

Zu rezenzierendes

Erstens: Viva la vida. Recorded in a bakery, a nunnery, a magiop, a church.

Coldplay haben ein neues Album veröffentlicht. Nach Parachutes, A rush of blood of the head und X&Y nun also Viva la vida, und ich kann kaum meiner Entzückung Ausdruck verleihen, daß man immer noch ganz gut hören kann, von welchem Album ein Song nun ist. Viva la vida bringt wieder einen ganz anderen Sound, genau wie seinerzeit X&Y mit den exaltierten Gitarren oder Parachutes mit seiner naiven Einfachheit. Schön, daß eine Band Mut hat, den eigenen Sound und sich selbst zu entwickeln, ohne sich in Experimenten zu verlieren. Chris Martin hat wohl mal gesagt, einer der Gründe, warum sie so zögerlich neue Platten produzieren, läge darin, daß es ihnen leichter fällt, gute Musik zu machen, wenn sie nicht so gut drauf sind, aber da sie, unter anderem infolge ihres (musikalischen, aber auch ja persönlichen) Erfolges ziemlich gut drauf seien, würden ihnen keine guten Lieder einfallen. Da kann man also nur froh sein, daß Martin und Kumpanen sich trotzdem aufgerafft haben, ein paar zauberhafte Liederchen aufzunehmen. LOST: Just because I'm loosing doesn't mean I'm lost. Oder YES: I'm just so tired of this loneliness. Oder überhaupt. Anhören! Und, wichtig: Nicht im neueröffneten Müller kaufen, wo es das frisch erschienene Album für 10 Öre gibt, worüber ich mich heute morgen empörte (weil den Preis jemand guthieß, der selber auf die Entindividualisierung durch das Kaufen von H&M-Klamotten schimpft) und wo es mir egal ist, ob der geringere Preis geringeren Profit für Müller bedeutet. Schade, daß es ween nicht mehr gibt, aber zumindest JPC ist ja auch ein ortsansässiges Unternehmen (glaube ich).

Zweitens: John Irving, Until I find you.
Ich habs ja kürzlich schonmal angerissen. Zwischenzeitlich mußte ich Lesepause machen, weil ich es in Berlin vergessen hatte. Insgesamt hatte es sehr lange gedauert, das Opus zu verschlingen, was teils auf die Sprache (Originalausgabe = englisch), teils auf die Länge (rund 800 Seiten), teils auch auf die wenige Zeit, die unserereiner überhaupt für privatvergnügliche Belletristikannexion zur Vefügung hat, zurückzuführen ist. Also eher ein Interaktionseffekt. Gestern abend habe ich es jedoch zuende gelesen, und in mir ist so ein plötzliches Gefühl von Leere. War ja ganz nett mit dem großen Hollywoodstar, der in früher Kindheit von seiner Mutter ob seines Vaters belogen wurde, später Schauspieler und therapiebedürftig wurde, um schlußendlich seinen Vater in einem Zürchen Privatsanatorium aufzufinden, aber nicht, weil er ihn nun gesucht hätte, sondern weil seine Halbschwester ihn aus Kostengründen kontaktierte. Also, stellenweise war die Geschichte wirklich gut, aber für das magere Ende hätte man nun auch nicht 794 Seiten Vorgeschichte aufschreiben müssen. Dazu kam enervierend hinzu, daß sich der Autor zwischendurch selber nicht mehr erinnern konnte, wie es vor 360 Seiten zugange gegangen ist, so daß er es vorsichtshalber nochmal aufgeschrieben hat. Und, vor allem, der Titel stimmt einfach nicht ganz. Der Romanheld ist eben nicht losgezogen und hat seinen Vater gesucht. Er ist zwischendurch ein bißchen herumgefahren und ist den Lügereien seiner Mutter versuchsweise auf den Grund gegangen. Aber gesucht, wo sein Vater ist, hat er nicht. Und auch sein Vater ist ihm zwar das ganze Leben hinterhergestalkt, aber bei dem derartigen Interesse, daß er an seinem Sohn entwickelt hat, hätte man da ja auch mal eine Art Kontaktaufnahme erwarten können. Daß so was nicht so einfach ist und mit Ängsten und dergleichen behaftet ist, weiß ich selber. Aber dann soll der Autor auch darüber schreiben, bloß von Angst ist nie die Rede, nur von mangelhaftem Vergebungsvermögen, und wer kann schon vergeben, wenn er gar nicht weiß, was?

Mittwoch, 25. Juni 2008

Wie es geschah

[Versuch objektiver Berichterstattung aus einer objektiven Stadt]

Der bislang jeglicher Volkstümelei unverdächtig gebliebene und vor allem allen Nationalfarben abhold gebliebene Berichterstatter berichterstattet sein quasi objektives Erleben des ersten Finaleinzugs der Nationalmannschaft seit, seit, naja, seit er sich überhaupt für Fußballturniere interessiert, bzw. sie.

Eine unverdächtige Runde trifft sich in einer konspirativen Wohnung in einer vor allem durch Unauffälligkeit glänzenden Stadt. Auf dem Tisch stehen Knabbereien. Eine XXL-Pizza rettet vor dem Hungertod. Bier umspült die Synapsen und dockt heimlich an diversen Rezeptoren an. Béla Réthy knackt mit den Fingergelenken und gurgelt noch einmal mit Statistikwässerchen und Wortwitzspülung. Es kann losgehen, und soviel ist sicher: es dauert mindestens 90 Minuten, gezählt wird aufm Platz, und einer fährt hier nach Hause. Hoffentlich nicht "Unsere". Schon hängt mir plastenes schwarz-rot-goldenes oder vielleicht doch -gelbes am Handgelenk, das juckt, macht aber keine roten Stellen, also bleibts dran.

Der Gegner hat sich auf unsere Spielweise gut eingestellt, und eine andere haben wir gerade nicht dabei. Das quält und dehnt die Sekunden. Auf dem Sofa sitzen zwei Experten, zweifellos die nächsten Bundestrainer. Sie wissen, was zu tun ist. Über die Außen, im Mittelfeld frühzeitig stören und genauer spielen, natürlich. Dann fällt Philip Lahm am Sechzehner. Philipp Lahm kann nur durch ein Foul gefallen sein, das weiß jeder auf der nördlichen Halbkugel, und es ist auch sehr gut zu sehen, daß das ein Foul, ein Foul war. Aber das ist die EM der nichtgegebenen Freistöße und vor allem Elfmeter, und dann ist das eben so, dann muß man anders gewinnen.

Es ist nicht zum Ansehen. Man versucht, den Gegner auf herkömmliche Weise zu beschimpfen, ohne den anwesenden Minderjährigen Gelegenheit zum Lernen von rassistischen Äußerungen am Modell zu geben. Über das erste Tor gehen wir hinweg. Das Gegentor kommt schnell, Rolfes platzt die Augenbraue, Frings läuft, alle nehmen sich zusammen, Halbzeit, durchatmen, aber richtige Ruhe will sich nicht einstellen.

Es ist genau wie gegen Portugal, nur umgekehrt: gegen einen vermeintlich stärkeren Gegner hat man nicht viel zu verlieren, da kann man auch aufdrehen. Unsere machen einen Fehler nach dem anderen. Vor allem machen sie zuviel Platz.

Der Angstgegner, der, diese Information verdanke ich Statistik-Béla, bis zum heutigen Spiel lediglich neun Minuten in Führung lag (insgesamt), läßt dem Trainergespann auf dem Sofa keine Ruhe. Die Kommentare werden immer unzitierbarer, aber zutreffender. Dann fallen Bild und Ton aus. "Wir bitten um ein wenig Geduld." Gottlob ist man nicht auf der Alm beim Public viewing, sondern in der geschützten Privatsphäre der geschätzten Privatsphärenteilerin, auf dem Sofa. Das Radio wird eingeschaltet, aber da ist schon ein sichtlich mit Ohnesichtreportage überforderter Béla Réthy zu hören, der zunächst vom 35jährigen Torwart faselt, um dann nahtlos zu den schwarzen Wolken über Basel überzugehen, die man vorher trotz Bild auch nicht sehen konnte, da sie im Bildausschnitt praktisch nicht vorkamen. Aber egal. Der Ton kommt zeitverzögert. Als der Reporter "Klose" ruft, hat der den Ball noch gar nicht angenommen.

Und Lahm. Wenn er mal leider doch einen Fehler macht, dann schießt er wenigstens gleich wieder ein Tor. Das Siegtor. Nachdem Bild und Ton wieder wegwaren und der leidige Réthy via Telephon und Schweizer Fernsehen nicht mehr ganz live berichtete. Nachdem das Trainerduo diverse Infarkte und Neuronenverluste erlitt. Gefühlt mehrmals starb. Sich dankbar zeigte, daß es nicht noch Verlängerung und Elfmeterschießen gab; so jung und strapazierfähig ist man dann eben auch nicht mehr.

Und die Voraussagen Minderjähriger wurden zuverlässig Wahrheit.

...

Die Geräusche, die von draußen durchs noch geöffnete Fenster dringen, lassen eine unruhige Nacht vorausahnen. Thank you for the Schallschutzfenster. Und die gesungenen Weisen erscheinen inhaltlich ganz schön öd. Fi-na-le, Deutschland, *gröl*, *hup*, *nochmalhup* usw.

Montag, 23. Juni 2008

First day without any soccer

Das mag ick an Europameisterschaften nich: kaum hat man sich organisiert, an die Mannschaften gewöhnt und die Aufstellungen auswendiggelernt, ist schon wieder Halbfinale und das Ende in Sicht. Ich fordere hiermit eine vollgültige Europameisterschaft mit 32 Mannschaften inklusive den Färöer-Inseln, die dann für torreiche Begegnungen sorgen könnten und außerdem für abendfüllende Achtelfinalbegegnungen.

Das fulminante Portugal-Hinauswerfen am vergangenen Donnerstag sah ich wieder mit der erlesenen Schar teils therapeutisch ausgebildeter, teils promovierter Psychologinnen in einer Hochwohnung mit dem weltbesten Balkon (direkter Ausblick aufs Dach der Stadthalle) an. Diejenige, die drei Tage zuvor noch nichtmal Ecken als solche identifizieren konnte, hatte sich inzwischen Abseits-Wissen zugelegt, wirkte aber dennoch leicht irritiert angesichts des Fakts, daß Abseits sich nochmal in aktives und passives solches teilt. Zur Erklärung bot ich ihr an, in meinem Büro vorbeizukommen, dann würde ich ihr eine Zeichnung machen. Jedenfalls war das Spiel furchtbar aufregend. Erst wünschte man sich überhaupt ein Tor, dann noch ein zweites, um sich sicherer und entspannter fühlen zu können, dann schießen die Portugiesen eins, woraufhin man sich wieder unentspannt fühlt usw. Am Ende noch die nackte Befürchtung, daß die noch ein Tor reinkriegen, aber dann der Schlußpfiff, durchatmen, Ruhepuls suchen und lange nicht finden. Aufm Heimweg fanden sich diverse PKW mit Fähnchen unterm Ostwestfalendamm, hupend ineinander verkeilt.

Die Viertelfinalspiele waren ja mal, vom ersten natürlich abgesehen, ein Trauerspiel sondergleichen. Da können auch nicht bereits zwei Elfmeterschießen drüber hinwegtrösten. Ich erwarte Steigerungen fürs Halbfinale! Und bitte auch Béla Réthy nachschulen, der war gestern schier unerträglich. Weniger Statistik, weniger schlechte Wortwitze, weniger hinkende Vergleiche, bitte.

Außerdem war es heiß. Der Wind schien direkt aus der Sahara zu kommen, ohne sich überm Mittelmeer abzukühlen. Abends grollte sich ein hübsches Unwetter zusammen, infolgedessen wir durch pladdernden Regen durch blütenstaubbedeckte Pfützen rasten und von oben bis unten bzw. von oben und vorne total naß wurden, was aber aufgrund der warmen Luft einfach nur Spaß gemacht hat.

Ab morgen regiert wieder König Ernst. Und T3-Grillen is. Und übermorgen Halbfinale, und danach auch. Und Diff will gelesen werden, obwohl, die deutschen Anteile vom Wintersemester hab ich fast fertig. Fehlt "nur noch" das bißchen Stoff, von dem ich keine Ahnung habe, einfach weil ich nicht mal in die Vorlesung gehe, aber was solls, Prioritäten und so. Intelligenz und Anlage/Umwelt kann ich hoffentlich im Schlaf.

Donnerstag, 19. Juni 2008

Spruch der Woche, Satz des Tages

Neulich während Frankreich-Italien das Schwesterherz: "Komisch, ich gucke ja nun schon fast alle Spiele an, aber irgendwie kommt es mir so vor, als hätte ich bei der WM doppelt so viele Vorrundenspiele angeschaut."

Gestern an der Kasse teilte ich dem Lieblingskassenkollegen den vermuteten Grund für meine konstatierte Albernheit mit: "Ich glaube ich habe heute morgen einen Clown gefrühstückt." Darauf er: "Jaja, oder mit Peter Lustig geduscht."

Die Tippmeisterin teilte mir den Verletzungsgrund von Ribéry in folgenden Worten mit: "Der hat sich beim Foulen ganz böse im Knie verletzt... das Dummerchen."

Eine Kundin knurrte gestern, nachdem ich versehentlich übersehen hatte, daß die Zopfgummis (Preis: 1,90 Öre) auf einen Öre reduziert sind und die darob erboste Dame sachte darauf hinwies, daß ich unmöglich sämtliche Preise im Kopf haben könne, jedenfalls knurrte sie "Ich wäärrrdä misch bäschwärrrän!"

...
Morgen geht es in die Hauptstadt zu einem gefühlten Klassentreffen. In der Köpenicker Familie wird Geburtstag gefeiert, und der Moskauer Chefredakteur, der am Dienstag Geburtstag hatte, wird auch dasein, und jeden Abend gibts ein Viertelfinale, und vielleicht ist das Wetter schön, und wir gehen baden. Seit der Rockstar sein Fahrrad wiedergefunden hat, kann man auch wieder über kleinere Touren nachdenken bzw. nicht nur nachdenken, sondern auch durchführen.

Montag, 16. Juni 2008

Fußballgucken mit Frauen, die auch alle Psychologen sind (außer ich) + ein Mann und noch einer (aber noch sehr klein)

Das hatte ich noch nie, jedenfalls nicht, seit ich fußballmäßig auf der Seite des relativen Wissens stehe. Es gibt immernoch Mädchen (im Sommermärchenland!), die fragen "Was ist Ecke, und warum?" und die nach der Halbzeitpause noch 20 Minuten lang vom Seitenwechsel irritiert sind. Die in die Beurteilung spielerischen Könnens locker und quasi en passant das Aussehen des Spielers als wichtiges Kriterium einfließen lassen. Die fragen "Sonne, gibt es hier irgendeinen Gegenstand auf dem Tisch, mit dem du ein Bier aufmachen könntest?"

Der einzige Mann schlägt sich tapfer.

Eine anwesende Professorin geht nach der Halbzeit mit den Worten "So eine zweite Halbzeit muß man konzentriert angucken, aber das scheint hier schwierig zu werden." Vorher hat sie schon putzigerweise gefragt "Ach so, sind die Ostwestfalen langsam?" Woher denn? Langsam erfaßt das Konstrukt nicht vollständig, will ich meinen.

Na gut, gewonnen. 100mal danebengeschossen, gefühlte 10 Gegentreffer nicht kassiert, die Trainer offensichtlich glücklich auf der Tribüne, ein Hammertor von Ballack, eine erstaunlich präsente und gleichzeitig gutgelaunte Kanzlerin, ein Viertelfinale gegen Portugal, was ich nicht wollte.

Außerdem eMails. Eine mit dem Betreff: Дружба heisst Freundschaft! Eine heißt schlicht: mal wieder, eine: Re: Fwd: Re: Grillen/24.06.08, gleich mehrere heißen Online-Bedarfserhebung = die Veranstaltungen fürs Wintersemester sind online = 1 bis 2 klinische Vorlesungen, eine Päda, eine Multivariate Verfahren, ein Seminar beim Scheffe zur neurowissenschaftlichen Emotions- und Kognitionsforschung, eines zur Diagnostik, naja, reicht ja auch.

Katzundgoldt kommentieren den ihnen uninteressant erscheinenden Fußball übrigens zeichnerisch und inhaltlich hervorragend umgesetzt. Schön auch das derzeitige Intro der Seite - da wird man selbst zum Miró.

Samstag, 14. Juni 2008

CO²-neutral an den Strand

Ein Sandwich für Easyjet: Toll, daß ihr von Berlin, und zwar Schönefeld, nach Íraklion fliegt. Erstaunlich, daß die Rückflüge wesentlich teurer als die Hinflüge sind. Noch erstaunlicher, daß man bei euch inzwischen für das aufgegebene Gepäck 18 Öre extra bezahlt. Bei Inlandsflügen ist das vielleicht noch Bestandteil des Service, weil da viele Leute nur mit Handgepäck fliegen, aber auf einer Urlaubsroute kann man ja schon aufgrund der strengen Sicherheitsvorschriften nicht ausschließlich mit Handgepäck fliegen, aber gut. Was beim Buchen absolut nervt: Bei sensiblen Vorgängen wie Internetbuchungen, bei denen man beispielsweise 500 Öre mal eben über den virtuellen Tresen wandern läßt, möchte man nicht ständig mit und von irgendwelchen Werbe-Pop-ups genervt werden. Dafür bezahlt man ja schließlich Geld. Außerdem möchte man nicht hundertmal das immergleiche Eingabeformular immer wieder betrachten dürfen. Man weiß ja schließlich selbst ganz genau, wie man heißt und wo man wohnt. Was aber, hej, toll ist: man kann inzwischen ein CO²-Neutralisierungs-Zertifikat dazukaufen, und es ist erstaunlicherweise nicht mal teuer (12 Öre für unsere Buchung). Kurzer Protest des Rockstars wurde sofort mit "egal, ich zahl das auch für beide" erstickt. Kann man wirklich für 3 Öre je Person und Strecke CO²-neutral fliegen, ist zwar die Frage, denn wenn das wirklich so wäre, würde ich die CO²-Neutralität verbindlich ins Ticket schreiben, das ist bei roundabout 30 Öre Kerosinzuschlag (eh witzig: ich zahle einen Zuschlag für den Treibstoff, ohne den das Flugzeug nicht fliegen kann, und der überdies steuerbefreit ist) nicht mehr wirklich als zusätzliche Belastung spürbar. Also, sandwichcompleting, NICE, easyjet!

Mein nicht nur letzter esayjet- sondern überhaupt-Flug war ja nicht so toll, allerdings im Januar bei minus 20 Grad und durch Schneestürme hindurch*. Das bleibt uns hoffentlich erspart, und auf dem Balkan ist auch kein Krieg mehr, der den Flug unnötig in die Länge zieht.

Und ich freue mich schon auf: die zweite Nacht am Busbahnhof von Íraklion, zelten am Strand, "waschen" nur im Meer, Kretas todesmutige Busfahrer, Bauernsalat und eiskalten Rotwein am Abend und zum zweiten Mal dort Geburtstag haben.


*Im Januar 2005 nach Kraków, zwecks Besuchs des Skisprung-Weltcups in Zakopane. Während des gesamten Fluges mit Ausnahme der kurzzeitigen Reiseflughöhe zappelte und zitterte das verdammte Flugzeug, kurz vor der Landebahn, man hatte quasi beinahe aufgesetzt, wurde nochmal durchgestartet, und der Rückflug fand praktisch zeit- und ortsgleich mit einem sich tummelnden Schneesturm statt, und die Landung in Schönefeld war auch eine echte Zitterpartie.

Freitag, 13. Juni 2008

Wie, verfl..., schreibe ich diese Diff-Klausur?

Erstmal stand ich gestern vorm Aushang vom Prüfungsamt und guckte, ob ich ordnungsgemäß angemeldet bin. Und fand erst im vierten Anlauf meine Matrikelnummer. Das war schonmal nicht so ganz super. Aber immerhin, das Anmelden hat geklappt. Heute begann ich (endlich!), die Folien vom Tutorium zu betrachten. Und ausgerechnet diese Prüfung soll und will und muß ich im Juli bestehen, denn ich will im September die FoV-Prüfung machen, und dafür ist das Vordiplom nunmal Voraussetzung. Ich hab den Chef auch schon gefragt, ob er mich überhaupt prüfen würde - eigentlich ist das Wissen, das ich in der Prüfung darlegen soll, Voraussetzung dafür, daß ich meinen Job überhaupt ordentlich machen kann, aber naja. Er sehe da kein Problem, ich habe ja auch das Seminar besucht usw. also!

Diese Europameisterschaft macht mir bislang großen Spaß; ich mußte ja auch noch kein wirklich schlechtes Spiel anschauen. Und die Entwicklung der sogenannten Todesgruppe (wo wir auf T3 noch Witze á la "die Rumänen können eigentlich gleich nach Hause fahren" gemacht haben) zeigt wiedermal, daß Fußball nicht berechenbar und vorhersagbar ist und daß grad all das Tippen genau diesen Umstand zu fassen versucht. Wer hätte denn damals auf Griechenland als Europameister getippt, und wie waren die denn in der Vorrunde? Effizient vielleicht, aber nicht gut. Und wer hätte gedacht, daß es zumindest für diesen Moment heute abend lang möglich ist, über die Niederlande und Rumänien im Viertelfinale nachzudenken - und Italien und Frankreich, die unrühmlichen und damals bereits slightly unverdienten Finalisten der WM, befinden sich auf dem Heimweg. (Das kleine Finale damals war mein Finale der Herzen, und wenn es durch den Spielmodus nicht ohnehin ausgeschlossen wäre, würde ich es mir diesmal auch als Finale wünschen.)

Übrigens: In allen Spielen, die ich seit dem letzten Blogeintrag sah, wurden zu der Melodie des Pet shop boys-Krachers "Go West" Gesänge gesungen. Es scheint sich also um eine, durch die eingängige und stakkatierende Melodie unterstützte, internationale Fanweise zu handeln.

Dienstag, 10. Juni 2008

Hymnen international und mehr

So, heute habe ich im Kolloquium Physiologische Psychologie meinen bahnbrechenden Vortrag mit dem neugiererregenden Titel "Priming und Entscheidungsverhalten bei hirngesunden Probanden" gehalten. Kurz vorher war ich natürlich doch was nervös gewesen, zumal ich die letzten substantiellen Änderungen quasi erst kurz zuvor eingefügt und das ganze Ding nicht ein einziges Mal probevorgetragen habe (von Notizen ganz zu schweigen). Ging aber ganz gut; der Herr Professor war da, hat aber nur beiläufige Fragen gestellt (und mich ungerechtfertigterweise eines fehlenden Minuszeichens bei der Erwartungswertberechnung verdächtigt); paar liebe Kolleginnen waren nicht da und übten stattdessen das unfallfreie Aufbauen eines Warndreiecks. Das liebe Schwesterherz zeigte sich hinterher nachhaltig beeindruckt, naja, und ich war es schließlich auch, irgendwie. Das unvermeidbare Sandwich beim frugalen Mittagessen (meins war wie immer, aber der Sandwichausteiler verzichtete auf Cocktailsauce und Käse und nahm stattdessen Tomaten, die ihm nicht schmecken) bestand zu meiner schönen Überraschung eigentlich nur aus der Klappstulle.

Beim Empiriepraktikum wird es ernst = das heißt für mich vor allem, daß jetzt der Part, für den das Tutorium überhaupt eingerichtet wurde, beginnt = Arbeiten mit SPSS. Immerhin weiß ich darüber inzwischen schon mehr als im letzten Jahr (und da ich für den Vortrag die meisten Sachen auch nochmal neu gerechnet hatte, ist das Wissen verhältnismäßig frisch), aber wie weit dieses oblatendünne Halbwissen reichen wird, wird sich zeigen.

Was ich heute gelernt habe: Folien auf Folien kopieren.

So, und nun endlich zum Fußball! Die EM läuft grade ein paar Tage, und schon ist mir aufgefallen, was ich eigentlich schon länger wissen müßte, vielleicht auch schon weiß, nur unbewußt, daß es nämlich EIN Lied gibt, das von allen Fans, egal welcher Mannschaft und welcher Nation, gerne im Stadion, gerne vielstimmig gesungen, gerne auch gegrölt wird. Es handelt sich um eine Weise, die Personen mit einem Geburtsjahr kleiner als 1990 zweifelsfrei als "Go West" von den Pet Shop Boys identifizieren würden. Auf Deutsch geht das Lied so: "Steh auf, wenn Du Deutscher/Schalker/Ossi bist". Auf Polnisch geht es "
Polska biało czerwone*", und ebenso wurde es auch von mir bereits anno dazumal im Skisprungstadion von Zakopane lauthals gesungen; denn diese körperliche Ertüchtigung rettete vor dem Kältetod. Obgleich dieser heute nicht gedroht haben dürfte, konnte man während des Schwedenspiels, das im übrigen meine "der amtierende Europameister fliegt in der Vorrunde raus"-Prophezeiung in die Nähe der Verwirklichung rückte, was ich jetzt aber nicht erzählen wollte, sondern mehr daß man die Weise auch von den Rängen im Stadion erschallen hören konnte, aber ob nun auf Griechisch oder auf Schwedisch, konnte ich auf die Entfernung nicht hören. Ich bin für diesbezügliche Anmerkungen und Ergänzungen, zum Beispiel, ob niederländische Fans gestern ähnliche Gesänge absonderten, extrem dankbar.

Auf der Rockstarseite geht Kreta terminlich klar. Dann werde ich mich morgen mal in die "Ich brauche sowas von dringend in genau dieser und keiner anderen Woche Urlaub"-Schleife reinhängen, damit der Flug gebucht werden kann.

*Polen weiß-rot

Sonntag, 8. Juni 2008

Jetzt gehts lo-os!

Bzw. gestern ja schon. Schade, daß die Schweiz den eigentlich verdienten Sieg nicht erringen konnte. Und wieder im ersten Spiel so ein Verletzungsdrama! Hoffentlich wird Alex Frei noch schnell wieder genesen. Und dann das zweite Spiel, dessen (vorausschaubares ;-)) Ende mich in beiden Tippgemeinschaften stande pede an die Spitze beförderte. Ich bin ja für die Portugiesen, und die haben mir gestern ausnehmend gut gefallen. Fußball!

Jetzt gleich warmgucken für abends. Wer spielt noch gleich? Österreich gegen Kroatien. Begleitet von einem kleinen improvisierten Tapas-teller, denn im Aldi sind grad, scheints, Spanien-Wochen. Auch gutes Öl und Mojo-Sauce wurden gekauft.

Während eines langen Spazierganges reiften spontane Urlaubspläne. Im September eine Woche nach Kreta, jippie! Schon wird der alte Reiseführer hervorgekramt und nach Orten ausgespäht, wo ich noch nicht war (fast alle). (Terminlich bedeutet das übrigens, zwei Tage vor der angestrebten Prüfung zurückzukommen, aber so what?)

Freitag, 6. Juni 2008

Last evening without soccer

Morgen 18:00 Uhr: Schweiz-Tschechien. Der Tanz beginnt. Ich sage: Europameister wird Portugal oder Deutschland, zumindest in meinem Herzen und auch wenn Figo nicht mehr dabei ist. Ich glaube, daß Griechenland nach alter Tradition als amtierender Europameister die Vorrunde nicht übersteht, und daß im Viertelfinale Tschechien, Portugal, die Niederlande, Italien, Deutschland, Kroatien, Spanien und Schweden spielen. Zudem scheinen die Server fürs Radio Eins-Tippspiel leicht überlastet zu sein. Inzwischen zocken schon sieben T3-Damen um den berühmten Blumentopf.

Auf T3 macht langsam das Konzept "Satz des Tages" Schule. Gestern, im Fahrstuhl, "Ich wollte doch eigentlich was zu trinken kaufen, und jetzt sitz ich schon wieder im Kühlschrank!" Heute, im Gespräch über verschiedene Bein- und Oberkörperlängen: "... und der XY hat ja auch einen längeren... äh... Oberkörper." Eigentlich ist man teils so schwer am Lachen, daß man kaum mehr zum Arbeiten kommt, in meinem Falle die Überarbeitung der Präsentation für Dienstag. Der Druck hat sich ja leicht erhöht, seit der ganze T-Zahn mit der Vortragsankündigung vollgeklebt worden ist.

Gestern gab es ja nun das Topmodel-Finale, und abegesehen davon, daß ich während der wichtigen Verkündigung von einem wichtigen Telephonat abgelenkt war, habe ich mich bei den zusammengeschnittenen Archivsammelstückchen mäßig amüsiert. Aus Gründen war ich für die spätere Siegerin, denn die wirkte trotz ihrer zarten Jugend wesentlich robuster und klüger als alle anderen, mit denen man im Laufe der Sendung so konfrontiert wurde. Daher ärgerte es mich sehr, heute morgen einen der schlechtesten und verleumderischsten Artikel aller Zeiten lesen zu müssen, der in seiner beleidigten Rundumschlagdiktion jedem Bildartikel zur fragwürdigen Ehre gereicht hätte. Im besten Falle war die Autorin einfach in Janina verliebt, und daß die jüngere Konkurrentin gewonnen hat, löste eine Gefühlskaskade von Neid und Verdrossenheit sowie einstellungskonsistenter Informationssuche aus.

Neuerdings mag ich eine Band namens Bratze, und wenn ich sie nur einen Tag länger schon mögen würde, hätte ich sie in der vergangenen Woche live sehen können, aber so ist das manchmal. Bratze machen etwas, das man Elektropop nennen könnte. Im Gegensatz zu Pola, die ja ihre Musik auch Elektropop nennen, ist die Mucke energiereicher und tanzbarer. Ich werde jetzt mal eine Sicherheitskopie anfertigen, aber langfristig die Scheibe wohl kaufen müssen.

Sonntag, 1. Juni 2008

Endlich wieder Bilder

Nachreichungen.

So sieht das aus, wenn ich mich mit der Lieblingsnachbarin für Germany's next Topmodel präpariere. Im übrigen konnte ich mich bei der Saucenwahl zuungunsten der fettreduzierten Variante durchsetzen. Die Lieblingsnachbarin übrigens neulich zum Thema Sandwichregeln beim Feedback (Erst was nettes, dann die möglichst konstruktiv formulierte Kritik, dann nochmal was nettes): Dein Chef, bei dem habe ich mal Sandwich bekommen. Ich würd mal so sagen: das war mal 'ne ganz schön fette Portion Fleisch für mich, ne. Eingepackt zwischen zwei Scheiben Knäckebrot. Aber war berechtigt, ne.

So sehen also die neuen Turnschuhe in einer Art Kontext aus.

Die Highlight-Folie vom Drogenseminar. Minutenlang mußte ich mir das Kichern verkneifen. Anschaulicher geht es ja kaum.

Und so sieht das aus, wenn der Chef Gummibärchentüten zwecks Bestechung der Seminarteilnehmer herumwirft. Glücklicherweise wurde niemand ernsthaft verletzt.

Und das machen die Mädels von T3 am Feiertag: Pokern und mit den Chips Kunststückchen anstellen. Und noch stolz drauf sein.

Tja, der Dealer hatte dann, trotz aufsehenerregender Chipsanhäufungen, das Turnier knapp nicht gewonnen. Naja, ist ja vielleicht auch nicht schlecht, der möglichen Zweitbegutachterin der Diplomarbeit höflich den Vortritt zu lassen. Ob die auch mit Schnitzel bestechlich wäre?

Kleiner Zeit- und Raumsprung: Le Labe, vulgo Elbe, nahe Stendal. Kein Hochwasser mehr, aber immer noch sehr imposant. Kann man nicht Teile davon umleiten, nach hier beispielsweise?


Und noch mehr unvisuelles:

Ich habe paar Geburtstage vergessen, vor allem die Blogbrüder. Also kompensatorisch auf diesem Wege nachträglich alles Gute zum 29. bzw. zum Kindertag! Ende Mai haben immer so furchtbar viele Personen Geburtstag, unter anderem fast meine komplette Familie, naja, soll jetzt keine Ausrede sein.

Heute habe ich unter Substanzeneinfluß 80 Seiten, vor allem über Freuds Persönlichkeitstheorie und über den grundlegenden Unterschied zwischen Differentieller Psychologie und Persönlichkeitsforschung gelesen. Wenn ich so weitermache, habe ich in zehn Tagen 80% des Papierberges fürs Wintersemester geschafft (ich rede nur von Lesen!). Und am Donnerstag treffe ich erstmalig mit meiner innovativen Lerngruppe zusammen (innovativ = an DEM Wochenende bin ICH nicht da, an DEM Wochenende bist DU nicht da). Aber ich glaube trotzdem, daß ich erstmal einen guten Vortrag machen möchte, auch wenn ich davon eigentlich gar nichts habe.

Freitag, 30. Mai 2008

Ich konsumiere - was kompensiere ich?

Ich hatte heute Frühschicht und war sehr müde, weil ich nach gestrigem kontemplativen Topmodel-gucken in Verbindung mit lecker Spargel und Prosecco auf Erdbeeren bei der Lieblingsnachbarin noch eine wichtige und knifflige Email schrieb, und sowas dauert ja bekanntlich. Ich war jedenfalls müde und ernährte mich während der Pausen vorwiegend von Joghurt und Erdbeeren. Zwischen den Pausen zog ich den Kunden das Geld aus der Tasche. Nach der Schicht gab ich eigenes Geld aus. Zunächst mußte der Schwur "Vom Urlaubsgeld kaufe ich mir neue Turnschuhe" eingelöst werden. Eigentlich sollten es entweder neue schwarze Samba, moosgrüne Special oder eventuell, falls es die noch gibt, diese México-WM-Schuhe in schwarz-weiß-grün sein. Aber nun gab es reduzierte Universal, und zwar weiß mit sehr leuchtenden, hellroten Streifen, zum gleichen Preis wie schwarze Samba, und in einer Größe, die morgen hoffentlich auch noch paßt. Her damit. Supercool. Dann wollte der Verkäufer mir so ein Deckweiß für weiße Turnschuhe andrehen. Aber hej, sagte ich. Weiße Turnschuhe müssen schmutzig werden, sagte ich. Jedenfalls schritt ich weiter in den Plattenladen. Nach der einen ätzenden Plattenkritik, deren Herkunft ich schon wieder vergessen habe, las ich heute eine in der Neuen Westfälischen. Ich rede nicht vom neuen Madonna-Album, sondern von der kürzlich bereits erwähnten "Third" von Portishead. Die Kritik in der NW war fast wohlwollend. Einerseits kann natürlich eine Band, deren lang erwartetes drittes Album in der NW besprochen wird, nicht mehr wirklich cool sein. Andererseits, naja, ist das schon die Band, deren frühere Lieder mitverantwortlich dafür waren, daß sich bei mir eine Art anspruchsvollerer Musikgeschmack herausgebildet hat. Also in Kürze: Ich kaufte die Scheibe. Gehört habe ich sie freilich noch nicht; es ist ja noch heller Tag.

Donnerstag, 29. Mai 2008

Isch werd bekloppt hier!

... aber immerhin schon 23 Folien, und auf den meisten steht sogar was drauf. Freue mich schon aufs Animieren, das wird sicherlich herrlich! Auf dem Gang geistern hier heute besonders viele merkwürdige Gestalten umher, die Sachen sagen wie: "Haben Sie was mit der Blackbox zu tun? Ich hatte da nämlich um 12 einen Termin, und nun wußte ich nicht, ob um 12 oder viertel nach 12, deswegen bin ich jetzt erst gekommen." (Es ist viertel nach 12.) Ja nee, is klar. Wenn ich nicht weiß, ob früher oder später, dann geh ich natürlich später. Absolut klar.

An der warmen Theke der Salatbar gabs Garnelenspieße, nicht daß ich sowas essen würde, aber immerhin. Die waren sicherlich von dem Empfang gestern übrig, der da war.

Meine tapfere Bürogenossin kämpft den Windmühlenkampf gegen allerlei Viehzeug, das infolge des plötzlich ausgebrochenen Sommers sich in unser vorvorgestern noch eiskaltes, inzwischen saharastickiges Büro verirrt. Außerdem räumt sie fluchend ihr Postfach auf.

Dank an vert für die hilfreichen Ergänzungen, und ja, ich war verdammt froh, daß die rotweißen Horden in Bielefeld den Zug verlassen haben. Das war großes Glück, daß die nicht nach Minden wollten.

Habe ich schon erwähnt, daß das Ärzte-Konzert mit Deutschland-Polen interferiert?

Mittwoch, 28. Mai 2008

Zuviel versprochen

Den Beitrag mit Photos gibts erstmal nicht, einfach schon allein, weil es kaum aufsehenerregende Photos gibt. Außer wie das aussieht, wenn Psychologinnen und Fastpsychologen auf dem Siegfriedplatz Poker spielen und daß die Elbe kein Hochwasser mehr hat, ist nämlich nix zu sehen, und das interessiert vermutlich nur eine interessierte Minderheit.

Heute ist es heiß und schwül geworden. Ich mußte die Jacke im Büro zurücklassen, denn die Transportkapazität des Rucksackes wurde für den Abtransport von ca. einer Milliarde Mineralwasserflaschen benötigt. Überhaupt: warum eigentlich war ich gestern betrübt ob meines gefühlten zu-wenig-geschafft-Feelings? Heute habe ich sage und schreibe EINE Folie geschafft. Die erste Ergebnis-Folie. Mit den Ergebnisdaten. Mußte ich eigentlich nur unfallfrei aus der SPSS-Ausgabe abschreiben. Aber wie? Tabelle, Tabelle mit Farbe, doch lieber Diagramm, aber wenn ja, wie und welches? Erst das allgemeine Ergebnis für alle Versuchspersonen, oder gleich in Subgruppen getrennt, und dann was, nur GDT, oder auch WCST, usw.

"Nebenbei" dann: habe endlich von dem alten Rechner auf das Notebook samt Docking-Station und dergleichen umgestellt. Aber bis das dann fehlerfrei läuft, müssen unsere IT-Experten noch einige Male ran, fürchte ich. Ständig geht irgendwas nicht. Seit gestern habe ich immerhin Administrator-Rechte. Heute morgen war ich den halben Tag mit der Verwaltung des T-3-Tippteams auf radioeins.de beschäftigt.

Altmodisches Artikel-aus-Zeitschriften-kopieren, wenn auch fürs Kopieren die Mensakarten plötzlich PIN-Eingaben erfordern, die dann nicht funzen: *grrr*! Wenn der Artikel dann eigentlich nach Kanada soll (schnell): *doppelgrrr* wg. einscannen. Scanner vom Chef geholt ("plug-in, läuft quasi von selbst"), Treiber installieren geht nicht, Scanner geht nicht, ich gehe auch nicht, obwohl meine vier Stunden längst rumsind. Die nette Schlafkognitionsexpertin tauscht mit mir Bewerbungsschreiben gegenlesen gegen langweilige Studie einscannen.

Zwischendurch Aufbauarbeit an einem besonders hartnäckigen Fall von Physio-Angst. Dabei ist es doch so einfach! Man muß nur den Thalamus auf seine Seite ziehen, dann wird alles gut. (Ich hoffe, ich habe die liebe Kopfhaarexpertin nicht mit meinem offensichtlich nicht nurmehr rudimentär vorhandenen Wissen vollständig entmutigt.)

Und jetzt riecht es hier nach Gewitter, ich muß REM hören und lese alte Magazine, nachdem ich Hähnchenflügel verspeiste. Morgen will ich den Vortrag fertighaben. Irgendwann sollte ich ja auch mit dem Lernen für die Prüfung, für die ich mich heute anmeldete, beginnen.

Billige Aufzählung, sorry

Und auch noch ohne Bilder, obwohl es welche gibt, aber ich habe keine Lust, auch noch Bilder einzubauen. Also.

1. Ick will nach Berlin und muß nach Minden, und der 8:00-Westfalenexpreß entledigt sich einer unendlichen Menge betrunkener Rot-Weiß-Essen-Fans. Infolge einer dringenden Rauchbombenzündung im letzten Waggon ist das Erreichen des Amsterdamer ICs in Minden gefährdet.

2. Oranienburg glänzt mal wieder mit hohem Himmel, drohenden und nicht eintreffenden Gewittern sowie gefühlten fünf Kilo Gewichtszunahme. Schön, vor allem das Erdbeereis mit Erdbeeren und das Rätselraten im Beet. "Sind das Erdbeeren?" "Nee, das sind Kartoffeln, Mädel." "Aha. Und das da, das sind aber Erdbeeren, nich?" "Ja." "Und das da, sind das Radieschen?" "Nee, das is' Salat, aber egal."

3. Balkonbier, Grandprixreste, Fahrradfahren.

4. Familienfrühstücke mit kleinen Kindern.

5. Spargel. Der erste richtig tolle, frische, brandenburger Spargel. Dazu Debatten, ob man an das jemalsige [Wortschöpfung von mir] Erreichen lichtnaher Geschwindigkeiten glauben dürfe oder als halbwegs normal denkender und annehmender Mensch dieses verneinen muß. Ich finde ja, daß man das nicht kategorisch ausschließen darf.

6. Ich finde auch, daß möglicherweise der verzerrte Wahrnehmungsraum von Parkinson-Patienten uns viel über die gefühlten Grundlagen der Einsteinschen Relativitätstheorie erzählen kann, auch wenn an Bord eines lichtnah schnellen Raumschiffes die Uhren quasi objektiv langsamer gehen würden, während die objektive Uhr eines Parkinson-Patienten nicht mit anderer Geschwindigkeit liefe.

7. Rückzu fuhr der IC schonmal 20 Minuten später los, wegen betrieblicher Störungen.

8. Schwesterherz hat das Vierteljahrhundert geknackt!

9. Präsentation für den 10. Juni ist in preparation. Auweia. Zum ersten Mal bereite ich ein Referat vor, wo ich zwar genau weiß, was ich warum erzählen will, aber die Folien sich irgendwie trotzdem nicht von selbst machen. War ich heute in echt von 10 bis 19 Uhr im Büro, mit nur marginalen Unterbrechungen, und habe an der Präse gesessen, und sie ist noch lange nicht fertig?

10. Bald mal ein Beitrg mit aktuellen Bildern. Echt!

Donnerstag, 22. Mai 2008

Tschernobyl images

Ich habe gerade das gelesen und dann das entdeckt und möchte das mitteilen. Vor Tschernobyl, als ich noch klein war, wurde mir viel über die verbrecherischen Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki erzählt. Diese Erzählungen über strahlenkranke japanische Kinder, die tagein, tagaus Kraniche falten, waren derart nachhaltig, daß ich diese Atomwaffeneinsätze bis heute für verbrecherisch halte. Dann aber, und ich war immer noch ein Kind, kam Tschernobyl, und zwar zunächst im Westfernsehen. Die zurückhaltende Informationspolitik damals halte ich für verhältnismäßig, denn in der DDR gab es auch Atom-, oder wie es bei uns hieß, Kernkraftwerke, und wenn jenes in Rheinsberg mal explodiert wäre, hätte man, den Maßstäben nach, die halbe DDR samt Ost+Westberlin evakuieren müssen, aber wohin bloß?

Kernkraft in diesen großzügigen und gleichzeitig wenig mißtrauischen Ausmaßen - das paßt zu einigen anderen typischen kommunistischen Hoffnungen - daß alle Menschen eigentlich das gleiche wollen und sich in ihrem Sinnen und Streben nicht voneinander unterschieden, daß man allen nur ihre tägliche Schrippe und eine sinnvolle Tätigkeit geben müsse, begleitet von Arbeiterdichterzirkeln und Elektrizität. Und gerade der Strom, so wie in Lenins Ausspruch, Kommunismus, das sei die Herrschaft der Sowjeträte plus Elektrifizierung des gesamten Landes, elektrisierte (sorry!) das herrschende Proletariat dermaßen, daß es riesige Staudämme und anfällige Kernkraftwerke errichtete, wo immer sich die Gelegenheit bot.

Was immer ich über die inzwischen seit mehr als 20 Jahren evakuierten Gebiete lese, jagt mir Schauer den Rücken hinunter. Die entleerte Stadt Pripyat - ohnehin nicht organisch gewachsen, sondern ebenso künstlich aus dem Boden gestampft, wie sie dann plötzlich für immer geräumt wurde. Zwei Reaktorblöcke, darunter der Schornstein des Unglücksreaktors, dominieren den Horizont auf den Bildern. Allgegenwärtig die weite Ebene, der weite Horizont der Unendlichkeit, die Unermeßlichkeit der Folgen der Katastrophe.

Ich habe schon einiges an Geisterorten gesehen - aber niemals waren sie auch nach Jahrzehnten unsichtbar kontaminiert, niemals waren es ganze Leben und Generationen, die ausgelöscht waren, niemals waren sie so groß, niemals war oder ist die Verlassenheit derart endgültig und besiegelt.

Dienstag, 20. Mai 2008

Randbemerkungen

Im Gegensatz zu neulich konnte heute ein äußerlich eher ausrastender ("Ich verlasse jetzt mal die klassischen Sandwich-Regeln, naja, schön, daß Sie alle da sind") und dafür innerlich kichernder Praktikumsbetreuer beobachtet werden.

Heute hat mindestens eine türkische Mannschaft auf der Alm Fußball gespielt, und die Fans werden nicht müde, den Erfolg/das Ende des Spiels/ den Sonnenuntergang mithilfe ihrer Autohupen zu preisen.

Da keine Personen zu Schaden gekommen sind, kann ich eigentlich nur bedauern, daß die Philharmonie nicht ganz abgebrannt ist - sorry, aber ein hübsches Gebäude is' das ja wohl nicht.

Wenn Klinische Linguisten nach ihrer Spätvorstellung bei Trutti in der Kneipe der Wahl auf Psychologie-Dozenten treffen, erörtern sie höflicherweise fünf Minuten lang, ob sie woanders hingehen sollen, und wenn sie sich (in meinen Augen richtigerweise) dagegen entscheiden, sind sie gerne beim rechnungserheischenden Herbeizaubern der Kellnerin behilflich.

Montag, 19. Mai 2008

Was auf die Ohren

Leider etwas verspätet, aber immer noch aktuell folgt hier endlich der Hinweis auf gute Musik. Nette Menschen aus Friedrichshain und Lichtenberg singen Lieder und zupfen Gitarren, und freundlicherweise haben sie das vor kurzem in eine Dose getan, infolgedessen die vier Schmuckstücke jetzt auf myspace hörbar sind. Also hören! Und zwar nicht nach dem ersten Lied aufhören, sondern brav alle vier anhören. Die Künstler freuen sich übrigens auch über konstruktive Kritik nach der Sandwichmethode.

Und wann hatten Sie das letzte Mal gute Musik?

Sonntag, 18. Mai 2008

Hej, ich habe GABA dabei!

Alles über die Nervenzelle, und wo diverse Substanzen aller Art an ihr ihr Unwesen treiben. Damit habe ich mich am Wochenende beschäftigt, teils als Teilnehmerin, teils als Tutorin des Seminars "Wie Drogen und Psychopharmaka auf Hirnebene wirken." Immerhin habe ich am Freitag eine spontane Heiserkeit ausgebildet, die mich davor bewahrte, den Vortrag über die Nervenzelle selbst zu halten.

Geil, so ein Seminar für fast 60 Leute, im Hörsaal, der Chef referiert größtenteils, und alle, alle, sitzen mit gespitzten Ohren da und lassen sich kein Wort entgehen. Und dann diese Gruppenarbeiten! Gruppe 10 am ersten Tag bekommt die Aufgabe "Dichten Sie ein achtzeiliges Gedicht auf die Nervenzelle!" Gruppe 10 am zweiten Tag: "Stellen Sie die Wirkung von Alkohol auf das mesolimbische Belohnungssystem in einem kurzen Theaterstück dar!" Was sie taten: Der Mensch trinkt, der Alkohol denkt "cool hier, aber ein bißchen langweilig. Ich weck mal das GABA. Hej, GABA, runter vom Sofa, du mußt doch das Interneuron hemmen!" Das Interneuron, das bis dato das Dopamin fest im Griff hatte, läßt dieses frei, woraufhin das Dopamin zum Nucleus accumbens stürmt und diesen fest umarmt, der sich freut. Super!

Es gab ein paar schöne Worte, zum Beispiel Quisqualat. Habe leider vergessen, was das war. Außerdem: polytoxikoman. Das kann man sich denken. Dann all about Hustensaft - nur weil 1898 mal ein heroinhaltiger Hustensaft auf den Markt kam und es noch heute Hustenmittel mit Codein gibt. Verschmächtigung stellt m.E. ein wunderschönes Synonym für Atrophie dar. Wertvolle Hinweise gab eine Kleingruppe: Heroin kann auch in Kombination mit Crack eingenommen werden. LAAM, irgendwelche Medikamente, haben eine langsamere Wirkungsdauer... naja, LAAM eben. Zwischendurch bewies der Chef mangelhaftes Geschick beim unfallfreien Werfen mit Gummibärchentüten. Später, am Ende, dann die legendären Drogen & Psychopharmaka - Championships in den Disziplinen Neuro-Tabu, Pantomime und Wissenstest. Und das pantomimische Erklären von Synaptotagmin oder Axonhügel treibt einen schnell an die Grenzen. Was vom Publikum wirklich schnell identifiziert wurde, war GABA. GABA, eine quasi gamma-irgendwas-Buttersäure und sehr, sehr wichtiger Botenstoff, der allerdings meist oder sogar immer hemmend wirkt (d.h. eine aktivierte Nervenzelle, die GABA ausschüttet, hemmt ihre postsynaptischen Neurone), wird vom Chef als Pellkartoffel klassifiziert, und entsprechend bestand die Publikumsreaktion auf traurige, inaktive und sich-hängenlassende Gesichter immer in spontanen "GABA"-Rufen.

Ich war erstaunt, wieviel davon für mich in der Tat eher Wiederholung als Neustoff war. Das vormals heiß herbeigesehnte implizite Lernen direkt ins Langzeitgedächtnis scheint bei mir zu funktionieren, nur folgerichtig nicht auf Bestellung oder Wunsch, sondern nebenbei.

Und was noch war: Definitiv nicht GABA-induziert 1. dekadentes Fahrzeug 2. dekadent kurze Strecke 3. metadekadentöse Einigkeit mit dem Fahrzeugeigner und -führer über die Dekadenz des Tuns (und dazu Rainald Grebes 'Meine kleine Stadt'). Anschließendes sehr nettes, sehr kontemplatives Beisammensein im Café Berlin bei leckeren Speisen und Getränken. Es ist immer wieder interessant, Personen, von denen man schon viel hat reden hören, irgendwann persönlich kennenzulernen, und meistens wird man ja feststellen, daß die entsprechende Person total nett ist, wenn die andere Person, die dann quasi der gemeinsame Bekannte ist, ebenfalls total nett ist (HALO-Effekt). Aber durchaus nicht immer verlaufen solche Begegnungen so locker, ungezwungen und reibungslos wie gestern, und ich habe hier in Bielefeld schon lange nicht mehr einen so gelungenen, gesprächsinhaltsreichen, langen, fröhlichen und einvernehmlichen Abend erlebt. Da konnte selbst der Umstand, daß ich zum zweiten Mal ein Superstars-Finale mit sich an den Händen haltenden Protagonisten und zugekoksten Ex-Protagonisten und Frauke Ludowig ansah, den Abend nicht verderben. Im Gegenteil haben wir dieses Finalegucken ordentlich aufgemischt.

(Zehn Minuten vor Schluß führte Bielefeld noch auswärts gegen den amtierenden Meister Stuttgart einszunull. Aber ich sag noch, naja. Ein Spiel dauert 90 Minuten. Abwarten. Und dann fallen noch drei Tore. Immerhin, wenn auch, für die Saison betrachtet, ungerechtfertigt, schafft die Arminia trotzdem den Nichtabstieg.)

Ich habe eine Menge Lob gehört an diesem Wochenende, das war mal super und erfreut mein mesolimbisches Belohnungssystem. Ich habe eine Menge gelernt, das ist auch super. Ich hatte eine Menge Spaß.