Sonntag, 30. September 2007

... und noch das Wort zum Sonntag -

1. Bin leidlich stolz darauf, in weniger als 24 Stunden in meinem neuen Zimmer bereits ein ansehnliches Chaos angerichtet zu haben - von dem schönen blauen Fußboden ist bereits kaum mehr was zu sehen. Und wo bitteschön ist eigentlich der neue Mietvertrag mit den Zugangsdaten fürs Wohnheimnetzwerk?
2. Nie wieder Bibliothek am Sonntag - schon beim letzten Male bemerkte ich eine kaum latente Luftunverträglichkeit. Heute sollte eigentlich nur ein bißchen im Kandel und anderen Entdeckungen* geschmökert werden, aber das Immunsystem teilt in Form unerträglichen und heftigen Allergieschnupfens Mißbehagen mit.
3. Sehe ich eigentlich so furchtbar Tryptophan-bedürftig aus, daß man meint, mir Schokolade mit 70% Kakaoanteil schenken zu müssen? Sowas hätte ich früher ja nicht mal angefaßt, aber ich gebe zu, daß die Komposition bitter-Zitrone-Basilikum extrem lecker ist.
4. Soll nicht vergessen sein: Glückwunsch an die jahrgangsbeste Gemeindepädagogin!
5. Wenn man versucht, diese Streifen auf dem PVC wegzuschrubben, die es immer gibt, auch wenn man ausschließlich Schuhe mit nichtfärbenden Sohlen besitzt - dann kommt es meist zu einer ungünstigen Kombination aus a) der/die Streifen sind immer noch da, b) der geschrubbte Bereich wird wesentlich heller als die Umgebung und c) das/die Handgelenk(e) schmerzen. Das weiß man ja eigentlich vorher, naja, mal sehen, was der Hausmeister morgen früh dazu sagt.
6. Wer bestimmt eigentlich, was Hochdeutsch ist und wie es klingt?
7. Dem aktuellsten Informationsstand zufolge bin ich in allen drei Physio-Seminaren drinne, für die ich mich angemeldet habe. Mal sehen, ob das eine überhaupt stattfindet.

*[z.B.: Förstl - Das Frontalhirn. Klingt ganz nach demnächstigen Semesterapparat, wird aber vorher von mir ausgeborgt, hihi.]

Wieder sehen

In der einen Fallgeschichte las ich von einem früh erblindeten Mann, dem durch eine Operation nach vierzig Jahren das Augenlicht wiedergegeben werden konnte. Wir Sehenden denken natürlich, daß man nach einer solchen Operation die Augen aufschlägt, die geliebte Gattin vor sich sieht und auf die Knie fällt und mit Lobpreisungen beginnt. Personen, die sich gerade mit den physiologischen und neuroanatomischen Grundlagen des Sehens beschäftigen, können sich vielleicht vorstellen, in welche Schwierigkeiten solche Patienten (von denen es naturgemäß nicht besonders viele gibt) mit dem vermeintlichen Geschenk des Augenlichts geraten. Das, was wir sehen, ist ja nicht das gleiche wie das, was "da draußen" als reale Welt herumsteht bzw. -schwirrt, auch wenn uns das ganz selbstverständlich vorkommt. Verschiedene Cortexareale basteln aus den Lichtinformationen von der Retina und den Informationen der anderen Sinnesempfindungen unsere schöne, bunte, bewegliche Welt zusammen. Zur corticalen Integrationsleistung kommt noch die fein abgestimmte motorische Reaktion hinzu, der paßgenaue Augen- und Körperbewegungen zu verdanken sind. Bei dem blinden Mann passierte nun folgendes: er sah Licht und Farben, hatte aber Schwierigkeiten mit Konturen, Bewegungen und Entfernungen. Seine Wahrnehmung der äußeren Welt beruhte vor der Operation vor allem auf den auditiven und taktilen Informationen - die Verarbeitung visueller Reize hatte sein Hirn praktisch "verlernt". In der vierten Schicht des Cortex im Areal 17 treffen Signale vom Nucleus geniculatis lateralis* ein - und da ist dann niemand, der sich für die Signale interessiert.
Und unsere Annahme, daß Blinden oder Gehörlosen etwas immanentes fehle? Wo ich grad Physio lerne, sind mir ein paar Grundlagen der Wahrnehmungsmechanismen vertraut, und ich weiß, daß der Cortex sich aus den differenzierten Wahrnehmungen seine (meine) Welt zusammenbastelt. Das macht er auch, wenn ihm aus einem der Kanäle der Input fehlt, wenngleich er es nach einer Krankheit oder Läsion erst lernen muß, den Verlust zu kompensieren. Aber aus corticaler Sicht ist es daher auch wie eine Verletzung zu betrachten, wenn eine Funktion nach langer Zeit wieder hergestellt wird - die normalerweise dafür spezialisierten Areale könnten inzwischen ausgleichsweise andere Funktionen übernommen haben und entsprechend überfordert sein.
Sehr interessant.
Es ist eben nicht so, daß man eines Morgens die Augen aufschlägt und wieder sehen kann.

Samstag, 29. September 2007

Geschafft (II)

Allein schon der erstmalige Heimweg von der Arbeit durch den strömenden Regen - 5 Minuten. Zu Fuß! So nahe war Wohnen noch nie für mich, egal von welchem Bezugspunkt aus gesehen. Die Jungs sind nicht da, und ich habe die ganze Wohnung für mich. Das Tippen ist ohne Schreibtisch zwar etwas unbequem, aber immerhin funzt das Internet* (bislang) noch ohne Herumzickereien seitens des AEGIS-Client (Rezipienten vorjähriger Rundmails erinnern sich vielleicht). Gegenüber lockt im Bad die Badewanne, sich ihren schäumenden Untiefen hinzugeben. Hach! Schon poetisiert sich die Sprache, obgleich es der mehr oder weniger gleiche Regen wie in BabSüd ist, der da unermüdlich an das Fenster trommelt.
[Fortsetzung und Bilder folgen!]
[...]
[Fortsetzung:]
Durch die geöffnete Balkontüre höre ich eine Geräuschkulisse*. Oha! Das ist auch schonmal mehr als vorher am Stadtrand. Die Badewanne ist geräumig und daher auch für vollschlanke Damen geeignet. Als Lektüre hält schon wieder ein Buch von Oliver Sacks* her, die einzig denkbare Alternative zu einem neuerlichen HJM-Schinken. Übrigens habe ich einen solchen von der Lerngruppe* zum Geburtstag geschenkt bekommen (MB hat ja leider noch kein Standardwerk über Decision making geschrieben), nicht nur handsigniert, sondern auch -kommentiert in Form launischer Bemerkungen zu den Überschriften ("Wer im Horrorfilm völlig kalt bleibt" - Oh nö... nicht schon wieder Zombies!), sinnreich beschrifteter Hirnschnitte (mit Zitaten von mir - so soll ich mal anläßlich einer allgemeinen Thalamus-Anzweiflung geäußert haben: "Der Thalamus - das 'Tor zum Cortex'. Da gibt es doch schon mindestens 1 Punkt drauf!") und eines nachempfundenen, stark vereinfacht dargestellten Mediosagittalschnitts meines eigenen Hirns (im Kleinhirn die Reaktanz, im Thali* das Herz beheimatet). Woher kennen die mich so genau? Naja, wenigstens wird der Schmetterling in der Klausur ganz genau wissen, was die oberen und die unteren Colliculi so treiben.
In der Gefahr, mich zu wiederholen, lege ich allen, die ein weites Herz haben und sich gleichzeitig für Neuropsychologie interessieren, die gleichermaßen neurologischen wie poetischen Fallgeschichten von Oliver Sacks ans Herz. Die Patienten sind liebevoll, aus der Nähe, mit Respekt in all ihren Eigenarten beschrieben (und häufig mit Betonung der Dinge, die sie KÖNNEN und die sie TUN - im Gegensatz zur üblichen Praxis,
neurologische Patienten vor allem über die Art und Ausmaße ihrer Ausfälle vorzustellen).

* [a.k.a. Wohnheimnetzwerk]*
* [Einmal Ostwestfalendamm, einmal bummbummparty]
* [Eine Anthropologin auf dem Mars - sieben paradoxe Geschichten: Rowohlt, 1997]
* [Lerngruppe Projekt 1.0 = die zugleich coolste und bescheuertste Lerngruppe ever (O-Ton)]
* [Thalamus - im Mediosagittalschnitt nicht sichtbar *sniff*]
* [habe heute durch bloßes Nachdenken das Kürzel a.k.a. entschlüsselt]

Freitag, 28. September 2007

Geschafft (Part I)

Tja, in Abwesenheit jeglicher Tränen und Wehmut habe ich die Einzelzelle geräumt und das Damengerümpel in die Orangenkiste verfrachtet, wohin ich dem Kram dann morgen folgen werde. Die Jungs sind auch nicht da, ich kann mich also morgen abend richtig ausbreiten und eingewöhnen.
Soviel Zeug war es dann gar nicht, es paßte ganz komfortabel in das Fahrzeug Opel Combo*. Der StudBär navigierte den Schlitten gewandt durch die Tücken des Bielefelder Verkehrs samt überraschend auftauchender Umleitungen und dergleichen und schleppte trotz schwerer Erkältung allerlei Kisten und Kistchen nach oben (meine Berliner Freunde wird es nicht verwundern, daß ich ganz oben residieren werde). Der Hausmeister war mit dem Endzustand des Zimmerchens nicht ganz zufrieden, sah aber kein Problem darin, das Zimmer erst am Montagmorgen abzunehmen. Wenn ich das früher gewußt hätte, wäre uns ein bißchen Streß erspart geblieben, aber nun ists egal.
Jetzt gehe ich einfach mal arbeiten, und heute abend werde ich in meiner offensichtlich komfortabel-gastfreundlichen Notunterkunft mit Kuchen und Gemüsesuppe verwöhnt.

* [geliehen beim hiesigen Car-Sharing Cambio, wo im Prinzip jeder Student über den Asta Autos leihen kann. Für die kurzen Wege hier in der Stadt ist das sehr empfehlenswert, zumal alles ziemlich unkompliziert abgewickelt wird.]

Donnerstag, 27. September 2007

Das war so schön, das will ich nochmal!

Deshalb 29A.
Der Tag war zwar etwas von den Umzugsvorbereitungen überschattet, aber am Abend saßen nette und liebe Menschen mit mir im Stahlberg und halfen mir sachte beim Überqueren der Dekadenschwelle. Jetzt regnet es auch noch infernalisch, als wenn Bielefeld mir auch, wenngleich weniger zärtlich, seine Glückwünsche überbringen möchte. Auf seine Art eben. Wenn dann just beim Aussteigen aus der Bahn auch noch Travis "Why does it always rain on me?", einer launigen Eingebung des MP3-Hasen folgend, in meine Ohren trällern... naja, das ist schon wieder so bizarr, daß es nicht Zufall sein kann.
Das mit dem nicht mehr ganz geheimen Decision-Maker Erkennungszeichen ist auch eine schöne Geschichte, die allerdings mit Unterstützung noch zu erstellenden Bildmaterials viel kürzer und flotter zu erzählen ist, weswegen auf eine sofortige Erzählung hiermit verzichtet wird.
Ab morgen bin ich nicht mehr hier und noch nicht dort, sondern zwischengelagert bei einer lieben Kommiltonin. Ab Sonnabend geht es in die Orangenkiste. Ich verspreche enthüllendes Bildmaterial!
Und nun vielen Dank für die Glückwünsche und Geschenke, ich bin sehr glücklich und freue mich auf eine fette, nachzuholende Party nach all den Prüfungen!

Mittwoch, 26. September 2007

Nachtrag: Die Visualisierung

Beim strangewalker kann man die gelungene Visualisierung des gestern beschriebenen Problems finden. Calcium kann aber noch mehr: in der Muskelfaser sorgt es dafür, daß die Myosin- an die Aktinfilamente binden können... verrückt. Und beim Schmecken gibt es auch viel Transmitterfreisetzung mit und dank Calcium.
Die neuerliche Durchsicht der Folien zu den Emotionen versetzte mich in leichte Schockzustände. Wenn ich, damit gewappnet, irgendeine Art von Vortrag IRGENDWO halten müßte, würde ich wahrscheinlich in Schwierigkeiten geraten. Schlechtes Design, inhaltlich nahe dem Nullpunkt (dem absoluten!) und bar jeder Struktur - und Fehler!
*Grrr*

Das ist übrigens eine gelungene, plastische Darstellung meines Kumpans, des Thalamus:

In dieser Darstellung einem Insekt nicht unähnlich...

Bin ein bißchen erleichtert darüber, daß dieses Jahrzehnt nicht in einem absoluten, sondern lediglich relativen Chaos zuendegeht, alldieweil immerhin meine eigenen Umzugspläne und der vorläufige Verbleib der Friedrichshainer Wohnung irgendwie gesichert scheinen... und daß meine Tage in BabSüd gezählt sind, ist mein diesjähriges bestes Geburtstagsgeschenk, trotz aller Anstrengungen, die damit verbunden sind.

Dienstag, 25. September 2007

Das vergess' ich nicht mehr, mit dem Calcium

Wie erklärt man eigentlich jemandem, den das überhaupt nicht interessiert, der aber demnächst eine Prüfung drüber schreiben wird, die Rolle des Calciums bei der Transmitterfreisetzung? Also:
Die Transmitter kleben (in Vesikel verpackt) an den Aktinfilamenten. Plötzlich kommt das Aktionspotential, und spannungsgesteuerte Calciumkanäle öffnen sich. Draußen in rauher Menge vorhandenes Calcium strömt in die Zelle ein wie Ostberliner nach Westberlin durch die wenigen Grenzübergänge am 9. November 1989. Da is' nun das Calcium. Als erstes ballert es den Klebstoff Synapsin I von den Vesikeln weg, welche sich daraufhin von den Aktinfilamenten lösen. Danach stellt es fest, daß an der Membran, an welcher die Vesikelchen gerne eine Fusionspore bilden würden, die "netten Mädels von nebenan", gerne auch Synaptotagmin genannt, stehen und niemanden vorbeilassen. Das Calcium kommt daher und legt das Synaptotagmin flach. Auch die Rab-Proteine auf der Oberfläche der Vesikel können sich warm anziehen und finden keine Gnade! Schlußendlich, alles arbeitet auf ein Happy ending hin, bildet sich die Fusionspore, Calcium macht noch einmal ein breites Kreuz, woraufhin die Fusionspore noch breiter wird - Transmitter wandern in den synaptischen Spalt und verrichten dort ihr zumindest bisweilen fragwürdiges Tagewerk. Danke, Calcium!
Das ist nur ein exemplarischer Auszug der heutigen erfolgreichen Geschehnisse in der Lerngruppe. Der Rest war: vier Stunden vor den Folien hocken und feststellen, daß die Folien keine Skripte sind. Sich gegenseitig zum 100. Mal auf diversen Mediosagittalschnitten das Corpus callosum zeigen. Großsprecherisch in Wikipedia herumwühlen. Na, des Neurokrams ist schon interessant. 'S wär schon wünschenswert, wenn mein sehr nah bevorstehender Umzug mich auch nur halbsoviel interessieren würde...

Neues vom Tage: Du bist doch verrückt!

Das kann mal wohl sagen. Jetzt umgeben wir uns auch noch mit nicht mehr ganz prüfungsrelevanter Literatur zum Hirn. Der Kandel ist eingetroffen und steht niegelnagelneu blitzend und nach schwerem Papier duftend im Regal. Die Neuroanatomie wird langsam zum Kumpel, und auch der Hypothalamus wird uns trotz seiner mangelhaften Form immer sympathischer, seit wir seine Projektionen kennenlernen konnten.
Dialog vom Mittagessen:
Willst du heute abend zu mir zum Essen kommen? Sonne kocht.
Was gibt es denn?
Rotwein.

Wird Zeit, daß es vorbei ist.

Es gibt ihn doch, den Heimvorteil!

Heute gab es endlich wieder ein wildes und fieses Gemetzel. Diesmal in anderen Gemäuern, da der Hattrick des bislang amtierenden Super-Munchkins möglicherweise einfach dem Heimvorteil zugeschrieben werden könnte. Wissenschaftlich wie wir sind, sollte heute die Gegenprobe stattfinden. Der erste Auswärtssieg wurde angestrebt. Aber, ach, vom ganzen WG-casting ist der Titelverteidiger schwach geworden und hat sich krankgemeldet. Wir hoffen 1. daß es ihm bald wieder gut geht, und 2. daß er eine Entschuldigung von seiner Mutti herzeigen kann.
Zusätzlich zu den alten Bekannten Netz-Monster und Krakzilla gab es heute als Bestandteil einer Erweiterung noch solch harmlos erscheinende Mönsterchen wie den Teddy und die Katzenbabies. Auch an Beiwerk und Flüchen kam einiges dazu. Wie immer warfen die Mitspieler alles an Waffen, Ausrüstung und Emotionen in die Waagschale, um dem Sieg Stufe für Stufe näherzukommen. Und am Ende gewann der gastgebende Decision-Maker, wohl auch wie sonst der titelverteidigende StudBär mehr infolge grassierender Müdigkeit und näherrückender letzter Bahnen und weniger als Ergebnis strategisch günstiger Spielzüge. Andererseits: Obwohl selbst *angeblich* nicht an Kontrollüberzeugungsillusionen leidend, würfelt und zieht der neue Munchking tatsächlich alles zusammen, was er gerade so braucht.
Zwischenzeitlich betätigte ich mich als ehrenamtliche Musikkommentatorin, denn in der Playlist trieb sich allerlei kommentierenswertes herum (falls jemand ein besseres Wort weiß - immer her damit!). Achtziger Jahre, aber teils nicht im Original, sondern mehr auf Speed; The look! von Roxette, der Song, der m.E. schlagartig die neunziger Jahre einläutete; eine rockige Coverversion von Boys don't cry; 1979; irgendwas, das nach "südamerikanischer Freiheitskampfliedersinger" klang, aber wohl dem Soundtrack von Kill Bill entstammte; das schöne Warum?-Lied von den Ärzten, usw. usf.

Freitag, 21. September 2007

Zwei unglaubliche Begebenheiten

Am Dienstagabend hatte ich noch zufällig ein nettes Geplauder mit der Chefin. Heute wurde mir unter großem Tamtam mitgeteilt, daß die bisherige Filialleiterin nicht den gestrengen Anforderungen an Fililalleiter im allgemeinen genüge und daher mit sofortiger Wirkung nicht mehr Filialleiterin sei. Gosh! Ich bin ja nun auch schon ein Jahr hier und mit ihr gut ausgekommen und fand jetzt vielleicht an ihrem Führungsstil allerlei verbesserungswürdig, aber hmm... das schien bislang noch nicht so ein wichtiges Kriterium für den Verbleib von Führungskräften gewesen zu sein. Tja, ich mochte sie eben, und grad noch am Dienstag abend hatte ich das Gefühl, daß sie mich auch mag und vor allem Respekt vor meinem Spätstudium hat und vor der konsequenten Art, wie ich dieses in die Tat umsetze. Komisches Gefühl, daß sie jetzt auf einmal weg ist.
Weitere, fast noch unglaublichere Begebenheit begab sich heute morgen beim Mail-Abrufen: Die Entwicklungspsychologie bietet mir eine Hiwi-Stelle an. Über den wöchentlichen Stundenumfang wurde sich ausgeschwiegen, aber ansonsten klang es genau wie die Beschreibung der Nr. 2 auf meiner Wunsch-Hiwi-Stellen-Liste: Interessante Arbeitseinheit mit netten Leuten und interessantes Projekt (DFG-Projekt: Lern- und Gedächtnisleistungen bei Säuglingen und Kleinkindern...), tja, was soll ich sagen. Das Entscheidungsverhalten in Situationen mit expliziten Regeln für Gewinne und Verluste sowie die Wahrscheinlichkeiten für das Eintreffen von Konsequenzen (das immer noch nicht endgültig und offiziell bewilligte DFG-Projekt in der Physio) ist natürlich hochspannend und vor allem schon länger auf meinem Schirm. Jetzt bin ich diesbezüglich etwas frontalhirngeschädigt.

Knapp und strukturiert vom Tage

1. Genosse niesen hat endgültig einen coolen Kapuzenpulli angezogen und seine Diplomarbeit abgegeben. Dazu mal herzlichen Glückwunsch!
2. Der Wahrnehmungsbeauftragte der Abteilung Psychologie hält es nur für minder wichtig, daß Studierende seine Vorlesung besuchen; es gibt zu wenig Hörsäle; was soll er machen?!
3. Ich kann es nicht glauben, daß bereits 20 Tage des geliebten Septembermonats vorüber sind, und ich konnte noch so gar nichts davon irgendwie genießen - nicht mal das ziemlich erträgliche Wetter.
4. Unter größtmöglicher Vermeidung jeglicher Kichererbseneintöpfe wurde heute ein seriöses Decision maker-Mittagessen vertilgt. Die Fast-Altersgenossin arbeitet auch gerade an einer Diplomarbeit, die besprochen wurde. Dabei kam es zu einer wunderbaren Äußerung: "Nein, die beste Strategie ist doch, daß man einfach die ganze Zeit über Glück hat!" Das gilt ja beinahe immer.
5. Es ließ sich heute leider nicht vermeiden, immer noch Feedback-induziert mit stolzgeschwellter Brust herumzulaufen und allen Personen vom Triumph mit dem gelungenen Bericht zu erzählen, auch wenn sie es gar nicht hören wollten.
6. Habe auch gleichzeitig den entsprechenden Schein abgegeben - hehehe. Brauche fürs Vordiplom (abgesehen von den eher einnehmenden Prüfungen) noch einen Statistik- und einen "normalen" Schein - verrückt. Also ich.

Mittwoch, 19. September 2007

Exemplarisch einer der Dialoge des Tages*

Und, wie geht's Ihnen heute so?
Danke, ganz gut... noch!
Schön. Reicht das als Warm up-Phase? Bevor wir anfangen, mal noch eine Frage. Haben Sie den Bericht, bevor Sie ihn abgegeben haben, irgendjemandem gezeigt, etwa dem Tutor oder dem Hiwi?
Nein.
Wirklich nicht?
Äääh... nein!
Sie haben das nicht vom Tutor vorher durchsehen lassen? Ich meine, das ist ja eine Ressource, die Sie hätten nutzen können*, und Sie haben es dennoch nicht getan?
Nee, haben wir nicht.
*energisches Kopfschütteln*
Und wieso nicht?
Äääh, keine Ahnung. Nicht dran gedacht.
Das finde ich ja mutig.
Naja, wir haben keine Angst vor Ihnen.
...
Er konnte es einfach nicht glauben. Da spazieren diese drei Damen daher und geben einfach mal einen Weltklasse-Praktikumsbericht ab. Unfaßbar! Und das haben sie ohne fremde Hilfe geschafft? Nur kraft ihrer Wassersuppe, der Beachtung der gestrengen Richtlinien der DGPs für die Manuskripterstellung und emsigen Teamworkens? Kaum zu glauben, aber wohl wahr. Gut, daß sie wenigstens T-Tests statt Varianzanalysen geschrieben haben und unbemerkt eine kleine narzißtische Kränkung eingebaut hatten, so hatte man für die Sandwich-Feedbackmethode noch was für die Mitte...
Daß dann zwei übers ganze Gesicht breit grinsende Damen in der Mensa ihr Putenformfleischschnitzel verzehrten, ist wohl kaum extra erwähnenswert.

*[Das ganze Gefühl heute, daß man sich wirklich ernsthaft richtig entschieden hat, indem man mit Mut und stur-breiter Stirn in Herausforderungen hineinmarschiert und sie mit allerlei Kniezittern und Unsicherheiten, aber eben großem Interesse und Engagement meistert, statt sich mit den geschenkten, aber nutzlosen Scheinen abzugeben... das paßt eh nicht in einen Blogeintrag.]
*[Tutor - natürlich wäre es kein Problem gewesen, wenn wir den Bericht vorher jemandem, der möglicherweise noch kompetenter ist als wir, gezeigt hätten. Aber hatten wir nunmal nicht.]

Dienstag, 18. September 2007

Vor allem Berliner sollten sich während des Lesens festhalten oder besser hinsetzen

Gestern oder vorgestern beobachtete ich folgendes:
Ich traf abends mit der 3 (hiesige Straßenbahnlinie) an der Endhaltestelle Babenhausen-Süd (die für mich zuständige Straßenbahnhaltestelle) ein. Das für mich noch zuständige Wohnheim befindet sich ca. 7 Gehminuten entfernt, aber demnächst sollte auch ein Bus fahren; ich war müde, also wartete ich. Derweil erschien einer der "BVO"-Busse (keine Ahnung, was die Abkürzung bedeutet, aber die bedienen hier die Orte, die nach Bielefeld eingemeindet sind, aber eigentlich einen gescheit breiten Acker zwischen sich und die Stadt gelegt haben) und stand eine Weile mit offener Tür herum. Später entschloß er sich zur Weiterfahrt. (Dazu muß man sagen, daß die Haltestelle Babenhausen-Süd hauptsächlich aus Wendeschleifen besteht: eine für die Straßenbahn und eine für Busse, Autos und dergleichen.) D.h. er wollte die Wendeschleife verlassen und auf die Splittenbrede einbiegen. Vor dem Verlassen überlegte er sich das allerdings offenbar anders und kurvte wieder in die Wendeschleife. Was hat der denn?, dachte ich so. Da stand er wieder, mit laufendem Motor und offener Tür, als sei nichts gewesen. Als ich hinter mir die Bahn einfahren hörte, hatte ich ihn durchschaut und konnte es gleichzeitig nicht glauben: der Busfahrer hatte die herannahende Bahn bemerkt (in einer für ihn hoffnungslos irrelevanten Richtung!) und daher gewartet, ob es Bahninsassen geben wird, die auch dringend nach "Theesen, Spenge, Exter" verschlagen werden wollen.
Da hab ich ein bißchen Angst bekommen.
Der Bus, mit dem ich dann zum Wohnheim fahren konnte, wartete übrigens auch die nächste Bahn ab, obwohl er sowieso schon Verspätung hatte und nun auch nicht grad aufs schwer erreichbare Land fährt. Also ehrlich mal! Was soll das denn?

Montag, 17. September 2007

Knapp am Abgrund

Ein Blick aufs lautlose Telephon. Halb sieben. Na gut, Zeit zu gehen. Völlig legitim, wenn man schon lange wach ist. Auch wenn die Kaffeepause mehr als ausgedehnt war. Ich packe den Kram zusammen und spaziere zu meinem Schließfach. Auf dem Weg überschlage ich die Busfahrzeiten. Hmm, könnte klappen. Ich schließe das Schließfach auf und greife hinein nach Tasche und Jacke, ziehe die Jacke in einem enervierenden Gefummel wegen der dranhängenden Ohrwuschel an, verstaue dann im Gegenzug den Ordner mit der irreführenden Aufschrift "Methodenlehre Skript 2. Semester Fachschaft" und will das Schloß wieder verschließen. Meine Hand fühlt sich allerdings irgendwie leer an. Da ist gar kein Schloß. An dem Dings, wo das Schloß rankommt, hängt auch kein Schloß. An dem Schlüssel hängt das Schloß auch nicht dran. Das Schloß ist weg. Der Bus auch. Der Bus danach ebenfalls, denn ich räume das Fach aus und wieder ein, die Tasche aus und wieder ein, suche den Fußboden nach glänzenden Gegenständen ab, durchwühle meine Hosen- und Jackentaschen: nichts. Ich habe gleichzeitig zwei Gedanken: Erstens bin ich heute dermaßen müde, daß ich mir sogar zutraue, das Fach beim Kaffeetasseholen gar nicht abgeschlossen zu haben und dann später das Schloß verloren zu haben. Zweitens kann das Schloß aus physikalischen Gründen nicht WEG sein, denn wenn es sich in sein Energieäquivalent überführt hätte, wären wir Zeugen einer gewaltigen Explosion... naja, vielleicht auch nicht mehr geworden... ääh, man hätte es wahrscheinlich bemerkt. Es mußte also irgendwo sein. Aber wo? Erneut durchsuchte ich alles mit der mir eigenen kriminologischen Systematik. Nichts. Ich rekonstruierte die vergangenen Stunden. EINE Verpeilung hätte ich mir dabei durchaus zugetraut. Vergessen abzuschließen angesichts des kurz bevorstehenden Kaffees - plausibel, selbst wenn ich da noch gar nicht wissen konnte, wem ich dabei alles so begegnen würde. Aber daß mir beim Aufschließen nicht auffällt, daß da gar kein Schloß ist? Also mußte es hier irgendwo sein. Penibelst rekonstruierte ich das Aufschließen und Jacke und Tasche rausholen. Dabei muß es mir aus der Hand gefallen sein. Wenn es jetzt nicht im Schrank und nicht in der Tasche ist, was es nicht ist (es sei denn, ich habe plötzlich einen SEHR selektiven Gesichtsfeldausfall), dann muß es sich irgendwo "an Jacke" befinden. Ein Griff in die Kapuze - und das Rätsel des sich quasi in Luft aufgelösten Schlosses war gelöst. Ich bin sehr dankbar, daß ich während dieser halben Stunde nicht beobachtet wurde.

Samstag, 15. September 2007

Achte auf die Augen!

Das ist ein Papiermodell meines derzeitigen besten Freundes. Darf ich vorstellen: Das Gehirn.

Es ist ca. vier Wochen her, daß meine nette Lerngruppe und ich das Ding liebevoll zusammengefaltet haben, und seither habe ich soviel gelernt, daß mir einiges mehr plausibel vorkam als noch während des Bastelns. Vorne rechts gut zu sehen: die Augen und der Sehnerv sowie im Frontalschnitt links unten der Temporallappen. Das Ding, was da überm linken Auge nach hinten links so wegzieht, ist der Nucleus caudatus der Basalganglien. Schlecht bis eigentlich gar nicht zu sehen liegt dahinter der Thalamus. Usw. Wenn man einmal damit angefangen hat, hört es so schnell nicht wieder auf.
Ich muß nur noch Gedächtnis lesen und ein paar Skripte abtippen, und dann? Soll ich tatsächlich Verschaltungen auf Karteikarten malen und auswendig bimsen? Dafür bin ich doch zu andersbegabt.

Plejaden

*
Neulich lag ich nachts im Bett und schaute aus dem Fenster. Etwas überrascht darüber, überhaupt etwas zu sehen, bemerkte ich, daß ich mein altes Lieblingsgestirn, die Plejaden, sehen konnte. Die Plejaden sind das wahrscheinlich unbekannteste, sichtbare Sternbild. Unzärtlich kann man sie auch Siebengestirn nennen, denn ca. sieben Sterne in eigenwilliger, gedrängter Formation kann man sehen, wenngleich das ganze Ding überraschenderweise ein Kugelsternhaufen ist. Lieblingssternbild wurden die Plejaden infolge eines interessanten Zusammenfallens von Weltrauminteresse meinerseits und guter Sicht- und Erkennbarkeit ihrerseits. Wenn man einmal ihr Äußeres verinnerlicht hatte, konnte man sie eigentlich nicht mehr übersehen. Das ist ein ganz besonderes Sternzeichen, dachte ich immer, da es aus eigentlich viel mehr Sternen bestand, als man sehen konnte. Komisch, in den Utopien aus den 60er Jahren hätten wir jetzt die saubere Kernfusion und würden Populationen ins All schicken, irgendwohin, eingefroren oder Zeitdilatation ausnützend: irgendwie hat man das Gefühl, daß sich die Menschheit bisweilen an Gedöns zu sehr aufhält.
In meinem neuen Zimmer werde ich die Plejaden wohl nicht sehen können, aber das ist nicht schlimm, denn hier gibt es meist gleich gar keinen Sternenhimmel, da kommt es auf das Siebengestirn auch nicht mehr an.
*[Photo: hab ich hier geklaut: es ist 1. in Kärnten aufgenommen, wo ich schon mal war, und 2. auch noch an meinem Geburtstag vor zwei Jahren!]

Freitag, 14. September 2007

Etwas verspätet, aber trotzdem:

Erster April is nich, für die Sommerlochente isses etwas spät... was les' ich da in der SZ? Herr Stoiber als oberster Bürokratieabbauer? Na, da kann er erstmal ein paar Verwaltungsvorschriften erlassen, denk ich. Oder er verbietet die Bürokratie einfach. Per Dekret.

Donnerstag, 13. September 2007

Fast vergessen:

Auch heute gab es einen Satz bzw. Kurzdialog, der einem möglicherweise kichernden Publikum nicht vorenthalten werden soll: *Zusammenhang: die berühmten 3-4 Rollen des Calciums bei der Transmitterfreisetzung* Das Synaptotagmin wird flachgelegt. Das ist das einzige, das ich präzise kann! - Was, flachlegen?

Neuer Titel: Mensa-Photographin

Jaja, man darf sich auch mit solch einfachen Zuschreibungen zufrieden geben. Immer noch besser als "Master of the Halo-effect" oder gar "Erfolgreiche Prokrastinatorin". Beweise?
SO sah des gestern aus:

Man beachte im Vordergrund die nicht aufgegessenen Kartoffelkringel sowie eine Banane, deren Besitzer dem Bananen-René den Titel entrissen hätte, wenn er sie an den Schmetterling weitergeschenkt hätte. Im Hintergrund eine dienstalte Lift-Flasche.
Und so sah's vorgestern aus, als wir von sämtlichen denkbaren Psychos umzingelt waren - am Nebentisch die Fußballexperten, dahinter AE 11+14*, backbord davon das farbenfrohe Streifenhörnchen aus und mit der AE 10*, die sich wohl mit der AE 3* gestritten hat, denn die saß separat hinter uns.

Man beachte das Telephon in der Telephonablagemulde.

Was geschah außerdem:
Wir erklären das Interneuron mit anschaulichen Materialien:

Das Interneuron, im folgenden Bild mithilfe eines grünen Fineliners dargestellt, ist quasi der Langweiler unter den Neuronen: immer zwischen den Stühlen.


Wenn man drei Stunden lang über Motorik gesprochen hat, fragt man sich nicht mehr, woher der Autor dieses Werkes seine Daten bekommen haben mag:


Tja, heiter ist das Studentenleben.

*[AE11: Klinische Psychologie und Psychotherapie]
*[AE 14: Physiologische Psychologie]
*[AE 10: Arbeits- und Organisationspsychologie]
*[AE 3: Entwicklungspsycho(patho)logie]

Mittwoch, 12. September 2007

Julika en allemand

ich möchte gern eine der himbeeren
in meinem marmeladenglas kennenlernen
ich möchte ihr einen namen geben
um sie aus der anonymität zu holen
zum beispiel julika

guck mich nicht so an, das mag ich gar nicht an dir
manchmal denke ich, es gibt bestimmt bessere als dich
manchmal denke ich, es gibt keine bessere

je m’arirais ces framboise
mit all meinen kumpels ausm dorf
und die party wird schlimmer

boom!
99 sektkorken, dass der beste dafür all das gewinnt

wenn du die früchte magst, wirst du auch das leben lieben
wenn du das leben magst, wirst du auch die früchte lieben

[Dank an die begabte Übersetzerin!]
[Die Vorstellung, daß ein Mann beim Frühstück den Himbeeren Namen gibt, finde ich schon sehr süß.]