Mittwoch, 23. Dezember 2009

My Review of Custom Messenger


My beloved Timbuk2 handmade

By sunshine from Bielefeld, Germany on 12/23/2009

 

5out of 5

Pros: One-of-a-kind, Adjustable, Comfortable, Lots of Storage, Rugged

Best Uses: City Bikes, Not Just Biking, Commuting

Describe Yourself: Student

Primary use: Personal

Besides the horrible shipping and custom costs to europe, it is all the perfect bag, good-looking, and bearing everything. I use it every day for taking my notebook and everything else to university, by bike or train. I love its colors, which I chose for myself, and so did I for the left-handed strap and the compression straps at the bottom. Inside, it has quite a lot of small pockets for the little bric-a-brac you carry with you the whole day. The notebook case is very thickly cushioned and safe. Last but not least it took only 36 hours to made the bag and bring it directly into my loving waiting arms, from San Francisco right to the german back province. So I did not regret my order to date, and I won't tomorrow.

(legalese)

Freitag, 4. Dezember 2009

Sonntagsruhe

Ich hab ja schonmal was zum Sonntag geschrieben, aber ich habe so gar keine Ahnung, wann das gewesen sein könnte, deshalb versuche ich es gar nicht erst, den Link zu finden.

Nun hat also mein geliebtes Verfassungsgericht (mit dem seinerzeit sehr ungeliebten W.Hassemer) entschieden, daß die grundgesetzliche Sonntagsruhe auch wirklich RUHE bedeutet, und zwar für alle, und auch gegen den Willen vieler. Ich wußte gar nicht, daß es eine so strenge Sonntagsruhe im Grundgesetz gibt, aber ich bin dankbar für den schweren Riegel, den die Herren in Karlsruhe (inzwischen sind hoffentlich auch einige Damen dabei) der wochentäglichen Beliebigkeit vorgeschoben haben. Dabei geht es mir nicht um Religion. Daß die Läden an verkaufsoffenen Sonntagen erst um 12 oder 13 Uhr öffnen durften wegen Gottesdienst, fand ich nämlich schon immer albern. Niemand, dem die sonntägliche Kirche so wichtig ist, daß er nicht auf sie verzichten möchte, geht anschließend zum Shoppen ins nächstegelegene Shoppingcenter und ärgert sich, daß das in drei Stunden schon wieder zu macht. Ich hoffe jedenfalls schwer, daß diese Aussage zutrifft. Es gilt die alte Regel: Niemand muß tun, was er nicht will, also beispielsweise sonntags einkaufen. Aber - die formale Abschaffung eines allgemein gültigen Feiertages pro Woche würde das soziale Leben sehr nachhaltig verändern. Der Sonnabend, der ja schon beide Entwicklungen erleben durfte, konnte das nachhaltig lehren. "Samstag gehört Vati mir", steht auf einer typischen Gewerkschaftsanzeige der, na, da muß ich raten, wahrscheinlich 60er Jahre. Da wurde für Vatis arbeitsfreien Sonnabend gekämpft. Heute geht das Wochenende mit einiger Selbstverständlichkeit für Entscheidungsträger aller Art von Freitagmittag (Freitag nach Eins macht jeder seins) bis Montag früh (Wer später kommt, kann früher gehn);  Studenten nicht ausgeschlossen.

Daß es oft und viel Studenten sind, die dem Einzelhandel reibungsarm die Umstellungen auf veränderte Öffnungszeiten ermöglichen; daß es die sonst arbeitslosen, voll flexiblen Stundenlöhner sind, die mit einer garantierten Mindestarbeitszeit von acht Stunden in der Woche zurechtkommen müssen und damit, daß sie eigentlich nie Nein sagen können, wenn sie wegen eines Engpasses angerufen werden, immer in der Hoffnung, in eine Festanstellung übernommen zu werden, das wird meist nicht besprochen. Den Studenten ist es ja egal oder sogar recht, wenn die Arbeitszeiten ungewöhnlich sind, denn sie machen den Job nicht für immer und müssen sich schon gar nicht im Rahmen einer Familie damit arrangieren. So gibt es häufig ein kurioses Gerangel um die begehrten Arbeitsplätze bei Sonntags- und Mitternachtsshopping-Öffnungen, weil die Bezahlung überdurchschnittlich ist und es zusätzlich einen Gutschein gibt.

Da ich ja nicht bestechlich bin, habe ich bislang nur unter Protest in die harte Birne eines Sonntags- bzw. eines Sonnabendabendeinsatzes gebissen und muß für beide Erlebnisse deutlich sagen, daß sie nicht wiederholt werden müssen. Weder möchte ich, am Rande meiner Konzentrationsfähigkeit und darüber hinaus, bis 24 Uhr an irgendeiner Kasse stehen müssen, noch möchte ich eine ganz normale Arbeitswoche am Sonnabend um 20:30 beschließen, um am Sonntag von 12 bis 17:30 ebenfalls im Laden Landeier bedienen zu müssen, um dann am Montag wieder voll in der Uni zu sein. Da brauch ich auch keinen Gutschein für.  

Sonntag... alleine das Geräusch am offenen Fenster... selbst in Berlin ist das anders, weil andere Leute mit anderen Zielen unterwegs sind. In de Zeit hat das ein Kommentator sehr nett zusammengefaßt mit "ein Tag, an dem keine Rechnungen kommen, an dem nur Freunde anrufen und sonst niemand an der Tür klingelt... und wenn man sich für ausgiebige Aktivitäten verabreden will, ist es auch blöd, wenn einer sonntags frei hat, der andere aber donnerstags, das aber nur alle zwei Wochen, weil in den anderen hat er ja "lange Woche", was auch immer das bedeuten mag... Sonntag schafft gewisse Verbindlichkeit, und da ich glaube, daß in diesem Lande tatsächlich niemand sterben wird, weil er nicht am Sonntag einkaufen gehen konnte, begrüße ich das BVG-Urteil (wie die vergangenen fünf anderen auch) aufs allerherzlichste!

P.S. Und ich bin so unreligiös (und fast angenervt von dieser gebetsmühlenartigen Leier "von wegen säkularisiert, die Kirchen zwingen uns ihren Mist auf, Christenterror usw.) und sage bloß: Das Grundgesetz hat gesprochen! Ohne Jesus!

Mittwoch, 2. Dezember 2009

Es hat nix mit Verschwörungstheorien zu tun! Oder vielleicht doch!?

Früher hing ich gerne Verschwörungstheorien an. Es war einfach, selbsterklärend, duldete keinen Widerspruch, und man hatte immer recht. Optimale Zustände, meine ich. Aber ach, das Alter. Plötzlich beginnt Kamerad "Gesunder Menschenverstand" sich in das Selbst zu nagen, manchmal begleitet von seiner Freundin "Nachvollziehbare Argumentation". Gemeinsam führen sie die Gang "Nur weil es einfach ist, muß es nicht richtig sein" an. Fad ist es, wenn man erwachsen wird! Wenn man erwachsen wird, denkt man Sachen wie "es ist Quatsch, Hörsäle zu besetzen" und schämt sich nicht einmal dafür. Und ich, das kann ich ganz sicher sagen, bin sicherlich nicht vor den Verlockungen der Reaktion eingeknickt und schwöre früheren Überzeugungen ab, weil ich bestechlich geworden bin! Die Reaktion hat es bislang gar nicht versucht, mich mit Verlockungen aller Art zu umgarnen!

Andererseits scheint mich Post nicht mehr zu erreichen. Das Adventspaket ist noch immer nicht hier; das Dezember-Magazin ist auch noch nicht eingetroffen. Nicht einmal Rechnungen erreichen den schützenden Hafen meines Altpapierstapels. Schneidet mich jemand bewußt von den Errungenschaften moderner Kommunikationsmittel ab? Ist es derselbe, der an meinem Laptop erst das drahtlose Internet und nun auch den CD-Brenner zum Erliegen brachte? Und warum, zum Henker, tut er das?

Immerhin haben wir alle hier in Ostwestfalen den aufsehenerregenden Gefängnisausbruch unverletzt, sogar meistenteils unbeteiligt überstanden. Nächtlicher Hubschraubereinsatz gepaart mit tagsüber Autodurchsuchungen, da kann man hierzulande schon aus dem Häuschen geraten. Und dann flieht der Bewußte auf einem silbernen Damenrad gen holländische Grenze, hat sich vermutlich gar nicht "hier bei uns" aufgehalten... die Enttäuschung unter den Einheimischen wird verborgen, ist aber zu spüren. Wieder nix mit Hotspot EastWestFalia.

Vor einer Woche haben wir Wiglaf Droste gelauscht und bewundert. Es ist retrospektiv wirklich überhaupt nicht mehr zu verstehen, wie es kommen konnte, daß Wiglaf Droste und Max Goldt seinerzeit in Berlin gleichzeitg, höchstens 500 Meter voneinander entfernt, zur Lesung eingeteilt  gewesen sein konnten! Eigentlich hätte man sogar erwarten können, daß die beiden Künstler protestiert hätten, sie würden gerne jeweils zur Parallelveranstaltung gehen wollen, aber nichts dergleichen; Max Goldt im Berliner Ensemble und Wiglaf Droste nebst Herr Nilsson im Friedrichstadtpalast, was am späten Abend noch zu einer kombinierten Darstellung von Johnny Cashs Ring of Fire führte. Und es ist ein schönes, seltsames Vergnügen, Wiglaf Droste zuzuhören. Er ist extrovertierter als Max Goldt, verfügt aber dennoch über dieselbe bescheidene Zurückhaltung, was die eigene Person betrifft.

Ich stelle gerade schmerzhaft auf einen ursprünglichen Uni-Modus um. Kein Büro, kein Uni-Rechner. Das klingt banal, aber Morgenroutinen zeichnen sich durch eine unhinterfragbare Zuverlässigkeit aus. Sofort ist es verlockender, einfach im Bett zu bleiben, weil ja in der Uni ohnehin nichts lockt außer die Bibliothek mit ihrer Prüfungsmentalität, ihren Zombies, ihren ungenutzten Semesterapparaten und ihrer Erklärungsbedürftigkeit - im Büro ist die Frage "Und du arbeitest fleißig?", obwohl es nicht stimmt, aber in der Bib ist die erste Frage stets "Und was machst du?", und gemeint ist die avisierte nächste Prüfung. So läuft das, und selber macht mans auch so.

Bißchen Studiermüdigkeit isses, und bißchen bin ich ja bald eh weh hier, und danach, wenn ich wieder hier bin, hab ich Prüfungen und schreibe Diplomarbeit. Also spannend wird es in diesem Studium nicht mehr, dafür geht es seinem Ende zu. Das begrüße ich sehr.

Dienstag, 24. November 2009

Antwort auf vert, aber kurz und intuitiv

Ja, sicher ist der neue Rektor nicht aus dem Nichts gekommen. Trotzdem scheint er ein paar Sachen radikal anders zu machen als sein Vorgänger. Übrigens war er schon als Prorektor verhältnismäßig beliebt und zählte im Rektorat zu den wenigen nicht vollständig verrückt gewordenen, und da ich das Glück habe, ihn persönlich kennenlernen zu können, kann ich das hiermit bestätigen: Ja, den Eindruck machte er durchaus!

Ja, es ist wahnsinnig dämlich, sowohl eine 40-Jahr-Feier der Universität als auch eine entsprechende Uni-Gala ohne Studierende durchzuführen und zu planen. Auch hier ist fraglich, inwieweit die aktuelle Unileitung darauf überhaupt Einfluß hatte; solche Events werden erfahrungsgemäß mit erheblichem zeitlichen Vorlauf vorbereitet. Gerhard Schröder wurde ja auch unendlich für die architektonische Pompösität und Überheblichkeit des Bundeskanzleramts in Berlin gescholten, obwohl dessen monströse Auswüchse, sofern nicht ohnehin vom Architekten verbrochen, verbindlichen Vorschlägen seines Amtsvorgängers Helmut Kohl zu verdanken sind. Natürlich sind fünf Minuten Redezeit für den Asta peinlich, andererseits wollte der Asta in der Ansprache laut NW zur allgemeinen Lage an den deutschen Universitäten, in den neuen Studiengängen, zu Studiengebühren und weiß der Henker was sagen - das hätte vielleicht auch nicht so recht zum Anlaß gepaßt. Und, wohlgemerkt, die Proteste letzte Woche waren ja eben nicht eine vom Asta konzertierte Aktion, die gegen den Ausschluß der durchaus wichtigsten Statusgruppe der Uni protestiert hätte - mit aufsehenerregenden und vielleicht sogar witzigen Aktionen (wo waren die denn eigentlich?), sondern es handelte sich um ein paar Hitzköpfe, die sich bei der Demo noch nicht genug ausgetobt haben und dann mal eben Ballett in der Halle veranstalteten (ich habs gesehen und gehört). Das man bei so einem angehitzten Haufen nicht das Risiko eingehen möchte, daß dann doch ein paar austicken und ordentlich Rambazamba machen, kann ich eigentlich gut verstehen. Schließlich waren ja weder die Audimax-Besetzer noch die Demo-Aufrufer Leute, die ihr Gesicht zeigen oder eben mal für ihren ach so friedlichen Protest mit ihrem Namen und ihrer Person stehen.

Im übrigen: Der Asta braucht keine Daten der Studierenden und somit nicht einmal den Datenschutz zu verletzen. Es gibt komfortable Möglichkeiten, über das eKVV beliebige Statusgruppen anschreiben zu können. Ich habe das selbst bereits erfolgreich gemacht. Wenn die Uni diese Emails nicht durchläßt (was ich einerseits zwar, wenn es um den Studiengebührenboykott geht, verstehen kann, andererseits natürlich trotzdem Zensur ist), dann gibt es immer noch die Möglichkeit, die Studierenden über die Fachschaften zu erreichen. Schlußendlich scheint mich ja die Asta-Verkehrsgruppe ganz altmodisch per Snailmail zu erreichen, wenn sie mir das ungeliebte Semesterticket zukommen läßt.

Da ich mich gerade eine Stunde lang mit einem der Krawallbrüder konstruktiv unterhalten habe, ist mir meine eigene Quintessenz des Themas bewußter geworden: es ist einfach nicht mein Thema. In Sachen Durchlässigkeit akademischer Bildung für alle sozialen Schichten, vor allem unabhängig von den Eltern, rennt man bei mir offene Türen ein. Auch das selbständige Denken möchte ich immer und überall, sogar außerhalb der Uni, gefördert und gefordert sehen, und ich meine, daß eine Abkehr von allzu unstrukturierten Studiengängen nicht automatisch bedeuten muß, daß man Studenten wieder zu Grundschülern macht. Im neuerdings eingeführten Hochschulrat (was macht der eigentlich?), der sich offensichtlich einfach selber gegenseitig wählt und der bei uns pikanterweise von Annette Fugmann-Heesing angeführt wird, die wiederum auf eine mittelstolze Karriere (Verkauf der relevanten stadteigenen Betriebe BEWAG, GASAG, GEHAG und Wasserbetriebe) als Berliner Finanzsenatorin zurückblicken darf, aber das nur nebenbei, jedenfalls ist da kein einziger Student drin! Natürlich ist das skandalös. Kurzum: Viele Forderungen sind nachvollziehbar, aber finden nicht immer den richtigen Weg oder Adressaten, und irgendwie räume ich mir das Recht auf bildungsrelevante Selbstbestimmung ein. In einem Diplomstudiengang mit zurückhaltender Studienstruktur ist natürlich auch viel einfacher.

Montag, 23. November 2009

Update

Der Sonntagsausflug führte auf die zauberhafte Burgruine Ravensberg, die hier einem ganzen Landstrich und einer Straße den Namen gibt und seinerzeit vom Herrn Schinkel auf Vordermann gebracht wurde. Ob man es glaubt oder nicht, aber gestern konnte man tatsächlich draußen, im Freien auf einem Berg, Tomatenbrote essen und Spezi trinken! Vor einem Jahr hatte es schon heftig geschneit! Offensichtlich hat sich der Klimawandel an Bielefeld erinnert (Oh, gibts ja doch!), jedenfalls ist es sehr warm, und heute gab es auch das ein oder andere, eher an April oder August erinnernde Unwetter.

Ich merke ganz deutlich, daß mir die behäbig-umständliche ostwestfälische Art um so mehr auf den Keks geht, wie der Berlin-Aufenthalt näher rückt. "Endlich mal normale Leute", werde ich laut ausrufen, wenn ich zum ersten Mal von Weißensee nach Wedding fahre. Insofern ist das Praktikum in Berlin auch als therapeutischer Aufenthalt zu werten, als Idee, wie es auch sein könnte, wenn man nur nicht arbeiten müßte. (Und inbegriffen sämtliche Erkenntnis darüber, daß es auch nicht besser wäre, weil man einfach umso langsamer studiert, je weniger man zu tun hat. Das merke ich grad schmerzlich. Veranstaltungen habe ich praktisch keine, und bloß so einen klitzekleinen Ethikantrag muß ich schreiben... okay, Ethikantrag für die eigene Diplomarbeit unterscheidet sich nachhaltig von schnell noch zurechtzukloppenden Seminararbeiten "für den Schein", aber ich hatte auch schon Semester, wo ich von Seminar zu Seminar getaumelt bin, für die man ja auch immer Referate halten muß.)

An der Uni hat ja der Rektor gewechselt, und obwohl die parallel stattfindenden Randaleveranstaltungen den Eindruck erweckten, als sei das bei den Studierenden nicht angekommen, hat sich der Ingenieur nicht gleich beleidigt in die Ecke verzogen, sondern in einer geradezu dramatischen Anhörungs- und Diskussionsbereitschaft Veranstaltungen und Strukturen ermöglicht, die der Altrektor nicht mal nach schlimmer Folter (bei Pädagogen: Folter = echte empirische Arbeiten lesen & verstehen) ermöglicht hätte. Obwohl die Audimax-Besetzung in meinen Augen Blödsinn war (und sicherlich die "dramatische Räumung" von den Möchtegernkrawallis eher erträumt wurde, als daß sie so durchgeführt wurde), genießt der Forderungskatalog eine gewisse Aufmerksamkeit und Brisanz seitens des Rektors, und neuerdings erhält man als Student alle naselang Emails vom Rektorat, in welchen der Stand der Dinge haarklein aufgeschlüsselt ist - wohlgemerkt, vom Rektorat! Vom Asta hab ich noch nix bekommen!

Bielefeld gönnt sich nasse und laute und warme Unwetter.

Die Tasche steht ihren Mann. Die $15 teuren compression straps, die das Ding optisch verschlanken, wenn nicht viel Inhalt zu transportieren ist, machen sie zu einer echten Allround-Tasche. Sie fährt mit Laptop ohne zu murren Fahrrad und war heute auf dem Weg nach Hause der wasserdichteste Teil von mir. Die klugen Unterteilungen machen sie zu einem Gegenteil von Damenhandtasche, insofern nicht ständig der gesamte Kleininhalt herumfliegt, andererseits aber auch nicht aufwendig in diversen Untertaschen gesucht werden muß. Sie scheint auch mit schweren Gewichten zu funktionieren und sieht einfach phantastisch aus! Also, egal war sie echt mal teuer, aber sie ist super und gleichzeitig ein echter Hingucker. Das einzige, was ich noch nicht rausgefunden habe: der mittlere Streifen ist ja so ein Reflexions-Orange-Material. Aber wenn ich die Tasche selber aufhabe, kann ich das gar nicht sehen, ob das wirklich reflektiert, so wie ich mir das vorstelle!

Bald in Berlin, vielleicht dann auch wieder mehr interessante Beiträge!

Mittwoch, 18. November 2009

Studierendenproteste

... sollte ich vielleicht was zu sagen. Bloß, für vieles bin ich ganz und gar inkompetent; ich bin einfach nicht die typische Studentin, weder von der wirtschaftlichen als auch von der motivationalen Ebene her.

Aber Heinis, die mit Masken versehen in die A&O-Vorlesung stürzen, um für eine legale und angemeldete Demo zu werben, stoßen bestenfalls auf Unverständnis, bei mir jedenfalls.

Die möglicherweise gleichen Heinis haben ja zunächst unser Audimax besetzt, sind dann aber weggegangen, als angeblich die Räumung durch die Polizei drohte (das ist alles so ungeklärt, daß mit zumindest nicht klar ist, ob es wirklich eine von der Unileitung veranlaßte Räumung gab oder die Besetzer in einer schwachen Minute Schiß gekriegt haben, auf der Polizeiwache ihre Personalien angeben zu müssen). Wo ich ja schon denke, wenn ich hinter der Besetzung stehe, kann ich mich doch auch verhaften lassen!? Bei einer Verhaftung passiert einem doch gar nichts, und in so einem Rahmen kann das sogar die Aktion deutlich in der Außendarstellung aufwerten.

Als gefühlt Außenstehende hat man zumindest das Gefühl, daß bei den Protestleuten eine Mischung aus das Bachelorstudium ist blöd, Kapitalismus gehört abgeschafft, egal wie und ich bin jung und kann mir mit Papis Scheck protestieren leisten vorherrscht. Sorry, aber is so.

Vielleicht macht es das eigene Alter, aber die feierliche, mit dem 40. Uni-Geburtstag gekoppelte Altrektor-Verabschiedung und Neurektor-Einführung oder wie das heißt dermaßen zu sprengen, daß der Empfang, von Polizei flankiert, abgesagt werden muß, finde ich dämlich.

Ich bin noch nicht so richtig

im Prüfungsmodus.

Da die Vorlesung letztendlich der totale Witz ist, weil für 20 Leute, die sich mit Mühe am Kaffeebecher festhalten, vorgeturnt wird, was man SO hoffentlich nie verstehen muß, während die Essenz des Prüfungsstoffes sich merkwürdig-nebulös immer verbirgt, sobald man nach ihr sucht (ein typisches Beispiel für angewandte Heisenbergsche Unschärferelation), befinde ich mich jedenfalls überhaupt nicht im Prüfungsmodus. Ich muß ja schließlich auch drei Referate vorbereiten und einen Ethikantrag schreiben, wobei das Nichtvorbereiten der Referate mit ebendiesem Ethikantrag begründet wird, der allerdings auch nicht von selbst an Umfang zunimmt. Ich habe inzwischen sogar eine Deadline eingefordert, das habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gemacht. Dafür habe ich den Kliniker-Star als Zweitbetreuer gewinnen können, das ist zwar nicht besonders wichtig, klingt aber auch nach Dinge erledigen. Und viele Artikelchen habe ich schon, ääh, ausgedruckt.

Heute abend war Ringvorlesung Psychotherapie, ein ehrgeiziges Unterfangen, das vor ca. einem Jahr vom o.a. Star initiiert wurde und nun also endlich gestartet ist. Die Ehrgeizigkeit besteht in dem ganzen Ideenpaket, das dahinter steht. Zum einen sollen, ganz banal, Studierende über Entwicklungen in der Psychotherapie informiert werden, für die in den regulären Vorlesungen keine Zeit ist bzw. von denen unsere Leute aus pragmatischen Gründen auch einfach keine Ahnung haben. Zweitens sollen aber nicht irgendwelche Heinis kommen, die auch eine Zertifizierung in einer beliebigen anerkannten Therapieform haben, sondern gestandene Professorleute, die eben auch Geld nehmen für so einen Vortrag, und die dann ein Hotelzimmer, und Essen, und eben bezahlt kriegen. Die aber auch die wissenschaftliche Ahnung mitbringen. Daher, drittens, die Zielgruppe der niedergelassenen Psychotherapeuten, die gegen Kohle den Besuch der Veranstaltung als Fortbildung angerechnet bekommen. D.h. hier finanzieren in einem einzigartigen Pilotprojekt Studierende via Studiengebühren und Psychotherapeuten über Fortbildungspunkte eine gemeinsame Veranstaltung! Das ist schon cool, und heute war es auf jeden Fall hörenswert.

Der Vortragende ist Psychiater und Psychotherapeut, mithin Arzt, Chefarzt natürlich (in Kiel) und als solcher schonmal in der Zielgruppe möglicher Feindbilder von zukünftigen oder bereits aktiven Psychologen. Aber darauf geht er gar nicht ein, nicht mal scherzhaft, wie ich das auf Kongressen erlebt habe. Es gibt Psychotherapeuten, und fertig. Das fand ich sofort sympathisch. Und er hat es mit Sicherheit geschafft, die nicht unproblematische Brücke zwischen Neuro und Psychotherapie zu schlagen und sogar sichtbar zu machen! Er redet einfach davon, was sie in Kiel gemacht haben, und wo Grenzen sind, gibt er sie zu. Stereotypendenkengefolgt benimmt er sich also untypisch, und dabei ist er hinreißend sympathisch.

Also, Star, mehr Ringvorlesungen!

Donnerstag, 12. November 2009

So sieht das aus:

Wenn man in Kalifornien eine Kuriertasche bauen läßt.

Abgesehen von den kryptischen Zeitangaben scheint das Täschlein ja schon in Köln zu sein - das ist durchaus beeindruckend für ein Kundenwunschding, das ja erstmal auch zusammengebaut sein will. Naja, ist ja auch nicht grad inklusive, der Transportpreis.

Bloß amazon war seinerzeit noch schneller, als wir mit dem Internettelephon am Sonntagnachmittag ein Buch bestellten, das ohne Witz am Montag bereits geliefert war (wie auch immer amazon am Sonntag die Pakete packt und von DHL abholen läßt!).

Ich bin gar nicht wegen der Tasche an sich aufgeregt, sondern eher, weil diese modernen Techniken einem erlauben, dabei zuzusehen, wie etwas persönlich bestelltes den halben Erdball umrundet, um zu einem zu gelangen. Da draußen rennt ein Haufen UPS-Mitarbeiter herum, um mir meine Tasche zu bringen (und zwar hurtig).

Oder: Egal wie schnell es geht, eine Tasche zusammenzunähen, aber selbst wenn sie SOFORT nach Bestelleingang quasi fertig ist, finde ich das Sicheinfinden am nächsten Tag in Köln sehr beeindruckend! Jetzt kann ich morgen natürlich überhaupt nicht aus dem Haus gehen und muß daher meinen Ethikantrag brav zuhause zuendeschreiben.

Location
Date Local Time Description
PHILADELPHIA, PA, US 11/12/2009 11:19 A.M. DEPARTURE SCAN

11/12/2009 8:43 A.M. ARRIVAL SCAN
LOUISVILLE, KY, US 11/12/2009 6:46 A.M. DEPARTURE SCAN

11/12/2009 3:34 A.M. EXPORT SCAN

11/12/2009 3:03 A.M. EXPORT SCAN
KOELN (COLOGNE), DE 11/12/2009 9:01 A.M. PACKAGE DATA PROCESSED BY BROKERAGE. WAITING FOR CLEARANCE / RELEASED BY CLEARING AGENCY. NOW IN-TRANSIT FOR DELIVERY

11/12/2009 8:16 A.M. PACKAGE DATA PROCESSED BY BROKERAGE. WAITING FOR CLEARANCE
LOUISVILLE, KY, US 11/12/2009 1:58 A.M. ARRIVAL SCAN
OAKLAND, CA, US 11/11/2009 7:13 P.M. DEPARTURE SCAN

11/11/2009 6:23 P.M. ARRIVAL SCAN
SAN FRANCISCO, CA, US 11/11/2009 5:52 P.M. DEPARTURE SCAN

11/11/2009 5:32 P.M. ORIGIN SCAN

11/11/2009 4:11 P.M. PICKUP SCAN
US 11/11/2009 7:03 P.M. BILLING INFORMATION RECEIVED



Mittwoch, 11. November 2009

Kummer auf hohem Niveau?

Das Land weint um einen toten Nationaltorhüter, ich auch.

Im Hörsaal 14 hörte man heute abend über posttraumatische Belastungsstörung in Bürgerkriegsgebieten, bei Kindersoldaten und bei Tsunamiopfern. Und lernte, daß bei 28 und mehr unterschiedlichen traumatischen Erlebnissen die Wahrscheinlichkeit, eine PTSD zu entwickeln, den Wahrscheinlichkeitsbereich verlassen und sich in eine sichere Annahme verwandelt hat. Daß sogar pragmatische Kürzesttherapien Verbesserung bringen, aber weder kulturelle noch politische noch soziale Ursachen für Traumatisierungen verschwinden lassen. Daß die Kontrollbedingung in einer randomisierten kontrollierten Therapiestudie auch mal "Macht, was ihr wollt" heißen kann. Daß einen ausgerechnet wissenschaftlicher Pragmatismus mehr zum engagierten Entwicklungshelfer machen kann als alle Menschenliebe der Welt.

Wunderbar, wenn Professoren sich nicht lange bitten lassen, von ihrer Arbeit zu berichten, vor allem, wenn sie so spannend ist und gleichzeitig zeigt, wie verantwortungsbewußte Forschung außerhalb der Blase funktionieren kann. Wunderbar, wenn sich der 200-Personen-Hörsaal als etwas zu klein entpuppt, am Mittwochabend.

Da erscheint der Tod von Robert Enke und die dazugehörige Aufmerksamkeit fast ungehörig, und doch sind sie es eben nicht. Psychische Erkrankungen sucht sich niemand aus, genausowenig wie man sich für Krebs oder eine gepflegte Grippe entscheidet, sie sind genauso schwer zu heilen, und in allerlei Berufsgruppen hat man sie besser nicht. Es bewegt mich sehr, wie nun eine ganze Stadt und ein Testosteronhaufen namens DFB Abschied nimmt von einem, der sich das Leben genommen hat - mit Ernst und Würde und wahrnehmbarer Fassungslosigkeit. Mein Beileid gilt seinen Hinterbliebenen.

Montag, 9. November 2009

20 Jahre

Ich verzichte auf das Vergnügen, im berliner Nieselregen den Mauerfallfeierlichkeiten beizuwohnen.

"Wir wolln doch bloß drühm zwee Stunden spazieren und ma kieken. Wir komm'doch wieda, soll'n wir da uff der Straße pennen oder wie? Wollt ihr uns vaarschen?" - Wenn der Berliner erstma vaärgert is, dann läßta nich mehr mit sich spaßen. Und steht dann ehmt ooch stundenlang am trostlosen Grenzübergang Bornholmer Straße und wartet, daß die Grenzbeamten auch endlich erfahren, daß sich Herr Schabowski ein wenig versprochen hat.

In den unbewegten Gesichtern der Grenzer ahnt man das grenzenlose Staunen über das unversehens wahrgewordene Undenkbare. Die Massen, die immer, wenn auch unsichtbar, auf der einen Seite zu ahnen waren, überqueren die Grenze, gehen durch das Tor, der Schlagbaum wird weggemacht, damit mehr durchpassen, denn alle, alle wollen durch. Die meisten kommen wieder. Wollten ja nur ma kieken.

Auch wenns komisch klingt, aber für mich ist das immer die Nacht geblieben, in der ich erwachsen wurde. Alle, alle Erwachsenen, die mir bis zu diesem Tage was über richtig und falsch, über gut und böse und über den Zweck des antifaschistischen Schutzwalls erzählen wollten, hatten offensichtlich geflunkert. Schließlich haben ja nicht die faschistischen Bürger Westberlins an die Mauer getrommelt. Ab da hatten es die Lehrer schwer mit der Glaubwürdigkeit und mit der Autorität, aber da die Veränderungen rapide auf allen Ebenen wirkten - ganze Familien reisten aus und verschwanden gen Westen, darunter auch Funktionäre und ehemalige Speichellecker - gab es keinen Halt mehr. Wenn man in der eigenen Familie nicht gerade geborgen war, stand man blöd da mit seinem zwölf Jahre alten Wissen von der Welt.

Ein sehr schönes Video zeigt in überraschend guter Qualität die Ereignisse an der Bornholmer Straße. Für den Fall, daß es verboten ist, das Video zu verlinken, erkläre ich meine völlige Ahnungslosigkeit über die Rechte an dem Video und behaupte, daß es sich um ein wertvolles Dokument der Zeitgeschichte handelt, daß der staunenden Öffentlichkeit nicht vorenthalten werden darf.

Dienstag, 3. November 2009

Topf, die Watte quillt:

Wie viele Salzstangen schafft man in einer Minute?

a) 20
b) 15
c) 10

Ohne trinken, mit runterschlucken.

Na?

Montag, 2. November 2009

Wieviel sind $50 wert?

Also, weil ich ja bald viel mit dem Computer unterwegs sein werde, wollte ich mich mit einer handelsüblichen Kuriertasche ausstatten. Aber was heißt schon handelsüblich! Das hat ja jeder, zum Beispiel die sehr schönen, aber völlig überteuerten und dann nicht besonders praktikablen freitag-Taschen. Oder die wesentlich preiswerteren aber auch unschön gefärbten Vaude-Taschen. Die ebenfalls teuren, aber schönen Segeltuch-360°-Taschen haben keinerlei Laptop-Einsatz. Kurzum, man landet leider bei timbuk2.com und stellt fest, daß man sich für $160 eine wunderschöne Tasche mit blauen und orange Reflexstreifen außen und blau innen und für Linkshänder und Reflektorgenupse am Verschluß einen individuelle Tasche schneidern kann, die sehr cool aussieht und gleichzeitig eine Laptoptasche par excellence, da von Fahrradkurieren in S.F. hergestellt, darstellt. Leider werden die handgestylten Taschen auch in S.F., CF gefertigt, was die unschöne Information shipping $50 zur Folge hat. Und Shipping ist dabei kein Programmname - das ist der UPS-Expreß per Flugzeug. Allerlei Recherchen beim U.S. Postal Service brachten allerdings zutage, daß "normales", nomen est omen-shipping auch 40 Dollar kostet. Und das kann man bei Timbuk2 eh nicht ordern.

Nun frage ich mich die ganze Zeit: Ist es die Coolness und die Verwendbarkeitness der Tasche wert, nahezu ein Drittel ihres Verkaufswertes auch noch für den Transport aufzuwenden?

Es geht los: die Diplomarbeit

Der Chefarzt findet es super, daher habe ich jetzt ein Diplomarbeitsthema.

Es wird um Entscheidungsverhalten in unsicheren Situationen gehen, und die Opfer werden aus Opiatabhängigen, Alkoholabhängigen und meinen lieben Freunden bestehen, denn eine gesunde Kontrollgruppe braucht man ja auch! Daher kann ich gar nicht so viel darüber erzählen, denn vielleicht sitzt du, der geneigte Leser, die geneigte Leserin, demnächst bei mir auf dem Versuchsstuhl!?

Immerhin gibt es plötzlich Aufgaben und Telephontermine.

Wir sägen an dem Stuhl, in den die Worte "ohne Abschluß" eingefräst sind. Ernsthaft.

Mittwoch, 28. Oktober 2009

Danke für die Blumen

... und schon gibt es einen weiteren erfolgreichen Link, wenn man auf Google nach mir sucht ;-) und wenn schonmal ein Photo von mir im Netz ist, dann doch bitte eins, wo ich einen Rock anhab!

Wahrscheinlich habe ich irgendwo im Zuge der geldgierigen Bewerbungsprozedur meine Zustimmung zu all dem gegeben, in Form eines Häkchens im Onlineformular vielleicht oder als "vorgedrucktes" Unabänderliches. Gut, soll meine Hochschule auf mich stolz sein. Der Papa und die Hauptfrauen sind es ja auch.

Die Feier in Paderborn entsprach in etwa dem, was man Paderborn vorher so dem Hörensagen nach so zugetraut hat: Wer von den geneigten Lesern allerlei Geschlechts kann sich etwa einen Umtrunk und Stehempfang, bei dem wir uns alle mal so richtig kennenlernen und begrüßen wollen, vorstellen, wo es nur Apfelsaft und Wasser zu trinken gibt? Und wie locker ist man da? Immerhin ließ ich mich erfolgreich vom Präsidenten der Universität Paderborn und gleichzeitigem Stiftungsvorstand Prof. Risch ausfragen, während er unbewußt ein größeres Salzkrümel auf seiner Unterlippe balancierte, und ich zuckte nicht mit der Wimper! Das finde ich schon großartig, aber "ich habe mit Prof. Risch persönlich auf mein Stipendium angestoßen" finde ich irgendwie großartiger.

Immerhin hatte ich selbst ein inneres Kichererlebnis beim Urkundenüberreichen, weil ich sowohl unseren ehemaligen Rektor Timmermann als auch den mir persönlich die Hand schüttelnden, den aktuellen Rektor vertretenden Prof. König vor einigen Jahren bei einem Fachschafts-Rektoratstermin traf, naja, das ist nicht so schlimm, daß die sich daran nicht mehr erinnert haben. Noch schöner allerdings war der Gedanke einer ebenfalls bedachten Erziehungswissenschaftenstudentin beim Händeschütteln mit Rektor a.D. Timmermann: Ich habe schon unter deinem Schreibtisch geschlafen!, weil sie nämlich seinerzeit in die Besetzung des Rektorats aktiv verwickelt war (damals war ich noch nicht in Bielefeld).

'Unsere' Carina-Stiftung glänzte vermutlich mit Abwesenheit, oder sie hatte ihre sozialextremphobischen Betreuer geschickt, jedenfalls hielt niemand nach uns Ausschau, und wir entdeckten auch niemanden, der so aussah, als würde er bzw. sie nach uns oder überhaupt jemandem Ausschau halten.

Insgesamt: Verleihung selber nett und gut gelungen, Empfang naja, und wenn jetzt das Geld noch kommt, glaub ichs wirklich ;-) so'ne Urkunde sieht aber auch schon nett aus!

Montag, 26. Oktober 2009

Fehler geschehn, ich habs gesehn

WARUM, frage ich mich Tag für Tag, warum bloß habe ich die Päda-Prüfung als Basis* gemacht? Ich hätte mit dem alten Mann fünf Minuten länger über ein Spezialthema und fünf Minuten kürzer über den Rest gesprochen und eher noch eine 1.0 rausgeholt.

So habe ich jetzt den Dreck "Arbeits- und Organisationspsychologie" auch noch als Schwerpunktprüfung am Stecken. Obwohl das wahrscheinlich das kleinere Übel ist, denn vielleicht nimmt man das Übel dann wenigstens angemessen ernst, wenn es das "S"-Label trägt. Aber nun! Eine eigentlich zugegebenermaßen vermutlich gut strukturierte Vorlesung von einem, der das Charisma nicht erfunden hat, aber wenigstens sehr verständlich ohne jedes Äh in ganzen Sätzen sehr frei sprechen kann, das bekommt man hier nicht alle Tage geboten. Trotzdem werde ich auch für diese Prüfung aus Literatur lernen müssen, weil.

Satz des Tages: Selbstverwirklichung ist mehr als Gleitzeit.

*Drei Anwendungsfächer: pädagogische, klinische und Arbeits- und Organisationspsychologie - eins davon als Basis-, zwei als Schwerpunktprüfung abzulegen.

P.S. Wollte *Kruzifix!* als neues Label etablieren, aber katholisch-frömmige Programmierer verhindern das Ausrufezeichen im Label! Dann eben doch bloß als Notiz.

Freitag, 23. Oktober 2009

333,33

Öre gibts ab sofort. Monatlich als Stipendium. Zur größeren Hälfte von der Carina-Stiftung Herford und zur Hälfte von NRW, also wahrscheinlich von Pinky persönlich. Man fragt sich, wo der Rest herkommt ;-).

Ach, das ist cool! Das Geld ist natürlich super, vor allem, wenn ich einige Monate lang teures Hauptstadtleben gegenfinanzieren muß! Aber, wie so oft im Leben zählt der innere Wert, nämlich in Form offizieller und externer Wertschätzung des bisher geleisteten, und, ja, das macht mich stolz. Das ist schon nicht ohne.

Donnerstag, 22. Oktober 2009

Und wieder: Das Bundesverfassungsgericht

[Ich kürze es so ungern ab, weil das dieselbe Abkürzung ergibt, die für die ungeliebten Berliner Verkehrsbetriebe steht.]

Schon reden alle vom Ehegattensplitting, aber eigentlich ging es ja nur um eine zusätzliche Hinterbliebenenversorgung im öffentlichen Dienst. Trotzdem handelt es sich natürlich um ein sehr wichtiges und wegweisendes Urteil. Daß nämlich beim Stichwort "Ehe" seinerzeit die Ecke gemeint war, in der Kinder großgezogen wurden, und daß der Staat diese Ecke unter seine besonderen Fittiche nehmen sollte. Da nie jemand ernsthaft erwogen hat*, von kinderlosen Ehepaaren den Steuervorteil wieder zurückzuverlangen, hat es sich so eingewachsen, daß Ehepaare immer ein bißchen besser gestellt waren als Paare ohne Trauschein - ganz unabhängig von a) sexueller Orientierung und b) vorhandenen Kindern. Das Lebenspartnerschaftsgesetz hat es ja auch nur deshalb gegeben, weil man die heilige Ehe nicht von Homosexuellenpartnerschaften besudelt sehen wollte - gegenseitige Verantwortung, gut und schön, aber Rentenansprüche? Steuerliche gemeinsame Veranlagung? Erbschaftsrecht? Adoptionsrecht? Ts ts ts, es gibt auf sueddeutsche.de Kommentatoren, die der Meinung sind, daß doch nicht die Gesellschaft dafür aufkommen müsse, wenn sich jemand das Lebensmodell homosexuelle Partnerschaft ausgesucht habe, das sei schließlich Privatsache. Das ist natürlich sehr witzig, weil man sich den Lebenspartner natürlich vor allem danach aussucht, ob er bzw. sie und vor allem, additiv, die daraus resultierende Partnerschaft in gesellschaftliche Vorstellungen von lebenslanger Partnerschaft hineinpassen. Oder?

Schön also, daß dieses wunderbare Bundesverfassungsgericht wieder einmal mehr Zeitgemäßheit beweist als alle regierenden Parteien zusammen. Zeitgemäß auch eben in der Interpretation des Grundgesetzes. Das ist nun in die Jahre gekommen, und heutzutage kommen Menschen zusammen und leben miteinander und sind einander verantwortlich, und wenn sie dann Kinder bekommen, dann sollten sie vom Grundgesetz besonders geschützt werden. Wenn sie's nicht tun, nun, dann sind sie immer noch einander verantwortlich. Das reicht ja normalerweise auch aus, wenn zwei aufeinander achten, oder?

Viele verstehen vielleicht nicht, daß es möglicherweise keinen großen Unterschied zwischen einer spießigen, kinderlosen Ehe und einer spießigen, homosexuellen, Partnerschaft gibt. Das kann man sogar sehr gut am allseits verbreiteten Wunsch homosexueller Paare auf Gleichstellung im Adoptionsrecht sehen - ein Kind würde die ganze Sache vermutlich abrunden. Aber wenn die Verantwortung füreinander ebenso da ist und mit ebensolchen Folgen im Falle des Scheiterns verbunden sind wie bei der herkömmlichen Ehe, dann ist es doch gar nicht einzusehen, warum homosexuelle Paare schlechtergestellt sein sollten, oder?

Danke, also, nach Karlsruhe. Was wäre dieses Land ohne euch?

*zum Glück natürlich!

Mittwoch, 21. Oktober 2009

Aber das gibt es auch:

und es ist zwar kaum zu glauben, aber mehr als wahrscheinlich, daß mit dieser schwarzgelben Zukunft sowas genau nicht kommt, obwohl es wahrscheinlich wirklich niemandem wehtäte und irrsinnig viel Geld brächte. Man fragt sich schon ein wenig, warum.

Früher rief man "In der Rüstung sind sie fix, für die Bildung tun sie nix!" Heute sind es die Banken (offen) und immer noch die Rüstung (spricht man nicht drüber, aber in Afghanistan wird sicher nicht mit Palmzweigen gewedelt) und inzwischen auch die Pharmaindustrie (siehe Märchen über gestiegene Gesundheitskosten, Geschwister Schmidt&Lauterbach, und Impfung gegen Sauseuche, umstrittene).

Hier kommt grad viel Saures, aber, hej, guckt mal in die Zeitungen. Da steht auch nurmehr Saures drin. Ich hoffe wenigstens, daß all jene, die mit der FDP wenigstens ein Herbeieilen verfassungsmäßiger Rechte erhofft haben, sich inzwischen selber in rückwärtige Körperteile verbeißen. Schade, daß fahrlässiges Wählen nicht strafbar ist.

Dienstag, 20. Oktober 2009

Keine Lust:

auf alles, allein schon, wenn man die elektronische Zeitung aufschlägt.

Der immer noch nicht beeindruckend lebensgefährlichen Spezialgrippe soll mit einem mehr als schlecht erprobten Impfstoff beigekommen werden, der Dinger enthält, die noch gar nicht recht getestet sind. Selbst wenn man einmal davon absieht, daß der Bundesspezialimpfstoff die fragwürdigen Bestandteile nicht enthält, ist die Parallelbestellung natürlich trotzdem empörend, selbst wenn die nunmehr verbreitete Behauptung, er sei dafür schlechter getestet, stimmen sollte.

(Welchen Argumentationssträngen folgt man denn? Einer: Vertrag ist Vertrag und muß eingehalten werden. Aha. Wer schließt denn solche Verträge ab? Das weiß keiner, denn die Verträge sind geheim. Nicht geheim genug freilich, um in aller Öffentlichkeit diskutiert zu werden. Ein anderer, der beeinhaltet, daß Schwangere einerseits dringend geimpft werden müßten, andererseits nicht mit Wirkverstärkern, dann aber auch wieder nicht mit dem wirkverstärkerfreien Impfstoff der Bundeswehr, denn der sei nicht an Schwangeren getestet - als wenn der andere das sei...)

Durch das ganze Drumherum kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, daß freundlicherweise im richtigen Moment ein passendes Virus einer möglicherweise kränkelnden Pharmaindustrie unter die Arme greift, infolge erfolgreicher Lobbyarbeit, vielleicht aber sogar infolge vorher bereits erfolgreich verlaufender strategischer Eroberungen (oder wie erklärt man sich den Umstand, daß erheblich wichtige Gremien, wenn es um Impfstofffreigabe und -empfehlungen geht, von der Pharmaindustrie bezahlt und/oder besetzt werden?) oder sogar, aber das wollen wir alle gar nicht annehmen, weil es ohne die Pharmafirmen vielleicht gar nicht existierte?

(Jedem, der sich für Epidemien interessiert, sei die Lektüre von Albert Camus' Die Pest empfohlen. In einer unbeschreiblich guten und spannungsgeladenen Lesbarkeit erzählt es von den Opfern, die eine leicht ansteckende und oft tödlich verlaufende Seuche fordert. Die Opfer sind dabei nicht nur in den Reihen der Kranken, sondern auch bei den Helfern, Ärzten, Chronisten, Verwaltungsbeamten und überhaupt überall zu finden.)

Wenn es um Lebensgefahr und um Eindämmung einer Pandemie geht, sollten und müssen wahrscheinlich schlecht getestete, potentiell ihrerseits gefährliche Impfstoffe eingesetzt werden. Wie stets würden dann bei einer Kosten-Nutzen-Rechnung die Vorteile die Nachteile überwiegen, auch wenn das dem einzelnen Schicksal zynisch vorkommt. Aber die Testung eines Impfstoffes im großen Stil auf eine irritierte, aber möglicherweise nicht dramatisch gefährdete Bevölkerung zu übertragen, kommt mir mindestens grob fahrlässig vor - falls es nicht ohnehin so gewollt ist. Dann wäre freilich jeder einzelne Fall, wo jemand durch die Impfung zu Schaden kommt, vorsätzliche Körperverletzung.

Bei Autos und Betriebssystemen macht man das ja schon länger, daß man die Betaphase gegen Bezahlung von den Neugierigen, alles-neue-immer-sofort-haben-Wollende durchführen läßt. Da hat es sich ja bewährt.

Nächster Ärgernispunkt:

Hartz-IV-Regelsätze.
Die werden gerade, schlappe 4 Jahre nach ihrer Einführung, vom Bundesverfassungsgericht streng, und nach allem, was ich heute so darüber lesen durfte, SEHR streng geprüft. Und zwar nicht mit einer Augenmaßorientierung am gerade so ausreichenden, sondern am soziokulturellen Existenzminimum, und mit dem deutlichen Verlangen nach einem nachvollziehbaren Zustandekommen des Regelsatzes, wenn er denn in seiner pauschalierten Erscheinungsform überhaupt zulässig ist.

Ich bin immer wieder überrascht, daß leider erst das Bundesverfassungsgericht als wirksame Instanz in der Lage ist, verfassungswidrige Gesetze zu stoppen oder deren Änderung zu erzwingen. Das Unglaubliche daran besteht ja darin, daß in den letzten fünf Jahren sich unzählige Menschen von Hartz-IV-zuständigen Behörden haben demütigen lassen, mit diesem unglaublich wenigen Geld haben zurechtkommen müssen, ihren Wohnsitz wechseln mußten, weil die Wohnung angeblich zu teuer war, usw. Egal wie der Tanz in Karlsruhe ausgeht, von den bis jetzt Betroffenen wird wohl kaum einer was nachgezahlt bekommen, denn anders als bei Zahlungen unter Vorbehalt kann man beim Empfang von Leistungen nicht sagen, ich nehms, aber nur unter Vorbehalt, vielleicht klagt ja jemand, der sich das aus irgendeinem Grund leisten kann.

Es ist bewundernswert, wie es die jeweiligen Regierungen immer wieder hinbekommen, Gesetze vorzuschlagen, die schon oberflächlichen juristischen Prüfungen bezüglich ihrer Grundgesetzlichkeit nicht standhalten. Und das, obwohl das Gesetzeswerk inzwischen sogar extern von eigens beauftragten Kanzleien ausformuliert wird. Man stelle sich vor, man gibt seinem Steuerberater den Auftrag ...und mache es steuerprüferwasserdicht!, und der spielt nur auf Zeit und macht die Steuererklärung wasserdicht, solange kein Steuerprüfer kommt! Dem würde man aber was erzählen! Und daher darf man ja auch ganz ohne Verschwörungstheoriehintergrund mal laut darüber nachsinnen, ob das nicht immer eben Absicht ist - wir machen das jetzt solange, wie es geht. Zumal ja BVG-Entscheidungen ja häufig noch lange nicht dazu führen, daß die Gesetzeslage geändert wird. Und das ist schon dreist zu nennen, vor allem wenn es, wie bei Hartz-IV, um buchstäblich existentielle Fragen geht.

Es gibt noch mehr zum drüber-ärgern, aber das reicht jetzt vielleicht auch einfach schon. Es sind dies die großen Ärgernisse, aber die kleinen, zum Beispiel daß sich die sogenannten Wahlversprechen der FDP so gar nicht im avisierten Koalitionsvertrag wiederfinden, Hauptsache, man darf endlich wieder mitspielen und Klientelgeschenke herumreichen, das ist schon nur mehr widerlich und wandert direkt ins Klo. Mögen zukünftige Wählerscharen klüger sein. (Obwohl man nach den Jahren der rot-grünen Regierung auch fragen muß, worin diese Klügersein eigentlich bestehen soll.)

Dienstag, 13. Oktober 2009

Das zentrale Wort ist Konstanze

Die sogenannten Feigenbaum-Konstanten treten bei nichtlinearen Systemen, die in Abhängigkeit eines Parameters reguläres oder chaotisches Verhalten zeigen, in Erscheinung. Insofern sind sie selbstredend meine ständigen Begleiter, denn wenn jemand ein nichtlineares System ist, dann ja wohl ich, und wenn es singulärparametrisch regulär oder aber eben chaotisch aussieht, dann ja wohl bei mir!

Schön sichtbar gemacht hat das Wikipedia in einer ansprechenden Graphik:

wobei links die Ordnung und rechts das Chaos zu sehen sind. Genau wie bei mir, wobei nach rechts jeweils der näher rückende Prüfungstermin abgetragen ist. Gut, daß ich da meine beiden Feigenbaum-Konstanten habe, die mir Weg und Straße weisen, je nachdem, ob ich grad auf Regeln oder auf Chaos gebürstet bin.

Interessant, eigentlich, daß sich ausgerechnet die ordnungsliebenden Mathematiker mit dem Chaos beschäftigen, aber dann fiel mir ein, daß sie es wahrscheinlich gerade deshalb tun - weil Chaos nicht in mathematische Gedankengänge paßt. Und weil aber Mathematiker an ihre Idee von Mathematik als alles umspannende Universalsprache glauben, so daß uns die Außerirdischen auf jeden Fall verstehen würden, wenn wir ihnen, statt eines Hollywood-Blockbusters, eine schöne Logarithmuskurve oder aber ein Gleichungssystem mit drei Unbekannten vorsetzen würden. Deshalb darf auch das Chaos trotz seiner vermeintlichen Unbeherrschbarkeit nicht wirklich unstrukturiert sein, sondern muß mithilfe mathematischer Operationen beschreibbar gemacht werden. (Eigentlich, denkt der denkende Mensch, widerspricht das den elementaren Gedanken über Chaos, oder?)

Ziemlich nett also von Herrn Feigenbaum, die nach ihm benannten Konstanten ins Leben zu rufen. Ohne sie würde es ja wohl kaum gehen.

Mittwoch, 7. Oktober 2009

Etwas über Zeit und vielleicht Raum

Als ich vor drei Jahren in dieses ostwestfälische Kleinod zog, um endlich mal was vernünftiges mit mir und meinen spezifischen Begabungen und Interessen anzufangen, kamen mir die mindestens zu erwartenden vierkommafünf Jahre utopisch lang vor. Schließlich wohnte ich damals gerade mal wieder seit zwei Jahren in Friedrichshain und hatte mich dort gut eingerichtet.

Jetzt also, drei Jahre später, also länger abwesend als zuvor anwesend gewesen, tja - was soll ich sagen? Beschränkt auf die Entfernungen in einer Kleinstadt, abgespeist mit dem konsumentären Angebot einer besseren Kreisstadt und mit dem Studium zufrieden wie Bolle läßt es sich schwer über wirkliche Lebensunzufriedenheiten beklagen. (Neuerdings habe ich mir mit einer kofinanzierten Bahncard 50 auch das Planungsgebot bei Heimreisen abgeschafft. Es wird gefahren, wenn ich das will, und nicht, wenn die Bahn einen Zug feilbietet, der bezahlbar ist.) Man sagt ja immer so schön, die Zeit sei "wie im Flug vergangen", aber für mich stimmt der Spruch aus zwei voneinander unabhängigen Gründen nicht: erstens fliege ich nicht besonders gern, und da die von mir benutzten Flugzeuge in aller Regel komische Geräusche absondern, vor dem Landen noch einmal durchstarten oder sich gleich während des gesamten Fluges von allerlei Turbulenzen durchschütteln lassen, ist mir noch kein Flug kurz vorgekommen. Und zweitens WAREN die drei Jahre nicht kurz. Es waren verdammte zehn Prüfungen bislang (mit Scheinen fange ich gleich gar nicht an!), die einem das Leben kurz machen können und mit denen man jeweils so sehr lebt, daß es nichts anderes mehr gibt, und man denkt immer nur an das Hinterher. Das ist wahrscheinlich das Gefühl, das einem im Erinnern die Zeit verkürzt. (Oder, wie es die Architekturstudenten in meiner Bekanntschaft ausdrückten: Nach der Abgabe ist vor der Abgabe.) D.h. wenn du ernsthaft Psychologie studierst, bist du immer im Dienst. Nicht, weil du, wie gerne immer unterstellt, in deiner Freizeit Menschen analysierst. Abgesehen davon, daß wir DAS im Studium leider bzw. ZUM GLÜCK nicht lernen, hat man dafür auf jeden Fall überhaupt keine Zeit, weil das Studium eine anspruchsvolle Dame ist: Sie will immer beachtet sein, und dabeisein sowieso, und duldet keine Analysanden als Göttinnen neben sich.

Komisch, man könnte meinen, ich habe mich an Bielefeld gewöhnt und hier mein Glück gefunden. Einerseits: ja, und zwar erheblich, und mehreren Ausprägungen. Andererseits: ja, aber das muß woandershin getragen werden. In eine schöne Wohnung in Berlin. In ein Backsteinhäuschen an der Ostsee (Mecklenburger Seen zählen notfalls auch, bzw. Ostseenähe). In eine vernünftige Tätigkeit hinein vor allem. Dann können auch noch mehr als drei Jahre kommen und wieder gehen, wenn man dafür mehr Raum hat für das, was man dann kann!

Sonntag, 4. Oktober 2009

Liebes Vaterland!

Als ich noch klein war, gab es dich noch. In der Schule sagten wir am 7. Oktober ein Gedicht von Heinz Kahlau auf, das hieß "Geburtstag hat die Republik", und anschließend besangen wir in dem Lied "Unsere Heimat" den Umstand, daß nicht nur Bäume und Flüsse, sondern auch die Tiere im Wald und die Vögel der Luft unsere Heimat seien, und daß wir sie schützen würden, unsere Heimat, weil sie dem Volke, weil sie unserem Volke gehört. Soweit warst du also immer präsent, in Form von Hammer, Sichel, Ährenkranz oder auch als das gewohnte Tryptochon aus Willi Stoph, Erich Honecker und Horst Sindermann, das sich in jedem Direktorenzimmer, in jedem Konferenzraum fand. Früh umgarntest du uns schon mit gesellschaftskritischen Geschichten in Bummi und Frösi, wobei sich die Gesellschaftskritik vor allem auf das westliche und insbesondere transatlantische Gesellschaftsfeld bezog. Aber das wurde mir erst später klar; im übrigen waren die Geschichten des Westens über die "Zone" auch nicht besser und vor allem nicht edler motiviert. In der Schule wurde viel Wert auf rasches Erlernen von Lese-, Schreib- und Rechenkompetenzen, wie es heute so schön heißt, gelegt, aber es blieb Zeit für die Geschichten von Timur und sein Trupp, die in schwerer Bürgerkriegszeit die Frauen der kämpfenden Revolutionäre mit Lebensmitteln versorgten, oder über die krebskranken Kinder von Hiroshima und Nagasaki, die tagein, tagaus Kraniche in Origamitechnik falteten, um damit auf ihr atombombenverursachtes Leid hinzuweisen und für den atomwaffenfreien Frieden auf der ganzen Erde aufzurufen. Zwischendrin sammelten wir Schulhefte und Bleistifte für die Kinder in Nicaragua, die gerne lernen wollten, aber aufgrund der revolutionären/konterrevolutionären Schwulitäten keine Schulen, keine Lehrer und keine Schulhefte hatten. Für pfandfreies Altglas gab es beim sogenannten Lumpenhändler (Sekundärrohstoffverwertung; ich mußte ca. 24 Jahre alt werden, um die Abkürzung SERO 1. zu verstehen und 2. mit Sinn und Inhalt zu füllen - da gab es SERO bereits 10 Jahre oder wieviel nicht mehr) Geld; wohl dem, dessen Eltern Schnaps tranken, denn für Schnapsflaschen gab es 20, für Weinflaschen bloß 5 Pfennig. Blöd, wenn in der Klasse ein Sammelwettbewerb ausgerufen war: dann mußte man das Zeug, um einigermaßen soziabel zu sein, gegen nix in der Schule abliefern - um einigermaßen soziabel zu sein, erschiene man also mit möglichst vielen leeren Schnapsflaschen in der Schule, naja.

Als Kind wundert man sich über sowas natürlich nicht, denn man hat ja keine Referenz- oder Vergleichsgruppe, die in der Schule drei Jahre Zeit hat, um Lesen, Schreiben und Rechnen zu lernen, die nach der Schule daheim die Mami nebst selbstgekochtem Mittagessen vorfindet, und die keine Lieder lernt, die mit Wenn Mutti früh zur Arbeit geht anfangen.

Bloß an den rätselhaften Gesprächen, die Erwachsene bisweilen in Hörweite miteinander führen, und an den Divergenzen zwischen der Aktuellen Kamera und der Tagesschau erkennt man auch als Zehnjährige, daß nicht alles im Land und um das Land herum so ist, wie die Lehrer einem versuchen plausibel zu machen. In Polen herrscht der Kriegszustand, obwohl das doch ein sogenanntes Bruderland war, und aus der Sowjetunion drangen die seltsamen, auch mit den ersten Russischkenntnisssen nicht erklärbaren Wörter Glasnost und Perestroika herüber, das konnte niemand verhindern. Staunend verfolgte ich die Abrüstungsverhandlungen zwischen Reagan und später dem alten Bush und Gorbatschow, die sich auf verschiedenen Gipfelkonferenzen in meist abgelegenen Erdgegenden wie Island in die protokollarische Länge zogen, und interessiert erlernte ich die Unterschiede zwischen Staats- und Arbeitsbesuch, zwischen Präsident und Parlament, zwischen Vertrag und dessen Ratifizierung, und dachte allen Ernstes, daß mit Gorbatschows Angebot der bedingungslosen, einseitigen Abrüstung, daß der Weltfrieden doch keine Fiktion, kein Wunschtraum sei, sondern bald schon Wirklichkeit würde, daß die Atomraketen ins Meer geworfen (Umweltschutzgedanken waren nicht so stark ausgeprägt) und Stacheldrahtverhaue abgebaut würden.

Und dann kam 1989. Anfang des Jahres kam es bei den Bürgerrechtlern zu einigen Verhaftungen, gleichzeitig kam es zu einer ganzen Reihe von entsprochenen Ausreiseanträgen in den gleichen Reihen, also vor allem bei Aktivisten der Friedens- und Bürgerrechtsbewegung. Das war der Anfang vom Ende, aber was für ein Ende, und wie schnell es dann ging, und das die gleichen Bürgerrechtler schon zwei Jahre später schon nurmehr eine Fußnote der friedlichen Revolution und einen Überrest im Namen der Grünen darstellen sollten, damit war nicht zu rechnen. Jedenfalls, das Land zerfiel sehr plötzlich. Die Flüchtlinge in Prag, die Verhandlungen, der Besuch eines altersmilden und heimatsehnsüchtigen Honeckers im Saarland, das Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens, die offene Grenze bei Sopron in Ungarn, über die zu gehen schon beinahe zum guten Ton gehörte - Gehirn und Welt einer Elfjährigen geraten durcheinander, nichts stimmt mehr, wer heute noch "rot" war, ist morgen "abgehauen", rübergegangen. In die vermeintliche Freiheit.

Am 7. Oktober wurdest du dann 40 Jahre alt, es gab allerlei Feierlichkeiten, aber eigentlich interessierte das schon keinen mehr. Der Zusammenbruch war keine Frage des ob mehr, sondern höchstens des wann und wieviel Tote. In Leipzig war der Teufel los, Verhaftungen und alles, in Berlin standen nervöse und bewaffnete Soldaten des Regiments Feliks Dzierzynski unbewaffneten, zahlreichen und laut entschlossenen Demonstranten gegenüber. Es wurde nicht geschossen. Am 4. November war der Alexanderplatz so schwarz vor Menschen, sie waren überall, die Straßenverläufe nicht auszumachen, Kinder saßen auf den Schultern ihrer Eltern, sicherlich waren überall Provokateure in Zivil unterwegs, aber nichts und niemand kann 1 Million Menschen auf dem Alexanderplatz in ihrem Tun aufhalten. Der Versprecher von Günter (Schabowski oder Mittag?) ein paar Tage später war nur noch Seidenband, Makulatur, Sahnehäubchen, und daß der Mensch träge ist, studiert man anhand der Tatsache, daß in der Nacht vom 9. zum 10. November nicht einfach ALLE Ostberliner nach Westberlin rübergemacht sind, obwohl viele befürchtet haben, daß das Loch wieder zugemacht wird - weil man es ja auch einfach nicht glauben konnte, daß es auf ist.

Das war der unblutige Garaus fürs Vaterland, alles andere waren nur noch Zuckungen im Todeskampf.

Jetzt habe ich ein neues Vaterland, na, so neu ist es natürlich auch wieder nicht, eigentlich habe ich das neue schon viel länger als früher das alte. Aber so ein altes Vaterland bleibt einem erhalten, vielleicht sogar, wenn mans gern loswerden wollte, oder dann erst recht. Ich habe große Teile meines Erwachsenenlebens mit unterschiedlichen Zufriedenheiten in Westdeutschland verbracht, aber in Berlin könnte ich nicht in den Westen ziehen. Ich würde nicht sagen, daß in der DDR alles gut war, aber das Märchen, daß es im Westen so viel besser, weil ehrlicher und demokratischer zugegangen sei, glaube ich auch nicht, weil es auch nicht glaubwürdiger wird, nur weil der Westen "gewonnen" hat. Ich will auch nicht, daß bei 24jährigen Sportlern oder Popstars der Umstand hervorgehoben wird, daß sie aus Ostdeutschland kämen (immerhin sind diese unleidigen Fünf neuen Länder endlich von der publizistischen Bildfläche verschwunden!), denn es ist kein größeres oder kleineres Verdienst, aus Anklam oder aus Tuttlingen zu stammen (letztere sind eher benachteiligt, weil sie kein hochdeutsch können).

Jetzt erleben ja deine Entwicklungen, liebes altes Vaterland, ungeahnte Renaissancen! Zehnjährige Gemeinschaftsschulen, Ganztagsschulen, Kinderkrippen und -gärten und administrative Vergabe der begehrten Studienplätze, das gabs doch alles schonmal schon, wurde aber beim Einigungsvertrag als untauglich abgelehnt. Das zu erwähnen soll keine späte Genugtuung ausdrücken, sondern lediglich zum sogenannten Nachdenken anregen.

Donnerstag, 1. Oktober 2009

Wo waren Sie im Urlaub? Nie gehört!

Güstrow. Das ist ein Stückchen südlich von Rostock, nicht weit von der A19, inmitten malerischster Hügel, Felder und Seen gelegen. Ein Landstrich, der schon immer zu den ärmsten gehörte, weil es außer der Saat und den Kartoffeln auf dem Feld und dem Kanonenfutter in der Kate daheim einfach nichts zu holen gab. Dicke Kirchen haben die Mecklenburger gebaut, die an der Küste als Seezeichen dienten; die Funktion der dicken Türme in Güstrow bleibt unbekannt, aber um den Dom kümmern sich rührende alte Damen mit Lageplan und allem, und der Schwebende von Ernst Barlach hängt immerhin drinnen an der Decke. Auf dem Marktplatz ist direkt neben die dicke Marienkirche das Rathaus gebaut, das sich erst beim zweiten oder dritten Blick als mit rosa Fassade ausgestattet entpuppt. Nachts steht auf dem Marktplatz ein hessischer Tourist und erklärt seinem schweigsamen Begleiter, daß die renovierten alten Häuser das Kapital von Städten wie Güstrow sei; im Westen hätte der Aufschwung seinerzeit notwendigerweise zu Abriß und Neubau geführt, und jetzt hat man den touristischen Salat. Überhaupt ist die Stadt bevölkert von Einheimischen und Busreisenden und Jugendlichen mit Kindern. Die Busreisenden sitzen schon mal im Restaurant und werden nicht müde beim Berichten über die Zuckerzusatzgepflogenheiten einzelner Völker sowie das eigene Befinden vor, während und nach dem Genuß von Zucker (Traubenzucker ist kein Problem).

Zeit, ein paar Worte zu verlieren über die Ernährung in Mecklenburg. Liebe Mecklenburger! Früher hattet ihr nichts zu essen, und das wenige, was da war, nahm euch ein zu Recht übel beleumundeter Gutsherr ab. Doch heute ist das anders! Was der Gast nicht aufißt, wird weggeschmissen, ist aber zuvor von euch bezahlt worden! Daher, lerne!, machet ihr einfach kleinere Portionen. Zum gleichen Preis, keiner würde es merken, denn das Essen bei euch ist lächerlich billig. Ihr werdet merken, daß alle Seiten glücklicher sind.

Güstrow kann man nach zwei Tagen auswendig. Es verfügt über einen Dom (Barlach) und ein seltenes Renaissance-Schloß nebst Garten, der einen natürlich gewachsenen Wandelgang aus Buchsbaumhecke als Hauptattraktion aufweisen kann. Ferner gibt es einen vorbildlich restaurierten Marktplatz und drumherum einen Haufen in sich zusammenfallender Gebäude, für deren Erhalt sich offensichtlich keine Subvention gefunden hat. Es gibt ein paar einheimische Lokale, die lecker Essen, aber keinerlei Gemütlichkeit feilbieten, und eine Kneipe in einer alten Scheune, in der Radio Sputnik gesendet wird und das ortsansässige Jugendtum Geburtstage feiert. Allenthalben bekommt man zumindest eins der beiden Lokalmatadorenbiere Lübzer oder Rostocker ausgeschenkt und osttypisches Würzfleisch ausgehändigt. Es gibt sehr viele Apotheken, Bäckereien (alles Ketten), Schulen (teils im Renovierungsprozeß begriffen) und Schuhläden. Es gibt sehr wenige offene Nazis, wie man am NPD-Stand auf dem Pferdemarkt sehen konnte. Im Prinzip standen am Stand ein paar Prügelbrüder aus dem Nazi-Bilderbuch und ein paar Volksgenossinnen-Bratzen, und man wünschte den Ärmsten, daß sie zumindest zusammen auf einen zweistelligen, positiven, IQ kommen. Sonst war da niemand, außer das unauffällige Polizeiauto im Hintergrund.

Wir ließen uns von einem herbeigerufenen Taxi zu der Ferienwohnung von Kumpanen kutschieren, und es war wahrscheinlich kein großer Zufall, daß uns derselbe Taxifahrer Stunden später zurückbeförderte. Wir brauchten die Schlampe* nicht mehr, weil wir Güstrow mitsamt seinen durchquerenden und umschließenden Bundesstraßen auswendig wußten. Es kam vor, daß wir die Schlampe korrigierten. Wir kannten uns aus.

Highlight war der Tag in Warnemünde. Bewaffnet mit zwei kleinwüchsigen Kindern (2,5 bzw. 4,5 Jahre) samt dazugehöriger Eltern und einem südafrikanischen Paar enterten wir die Rentnerhochburg "Alter Strom" mithilfe eines Leihbollerwagens. Der, eigentlich dazu gedacht, die Kinder drin herumzutransportieren, mutierte schnell zum Brüder-eifern-einander-nach-und-stacheln-sich-an - ICH WILL ZIEHEN, ICH BIN JETZT DRAN!! Aber es gab auch andere Sehenswürdigkeiten. So stapften wir mit besagten Kleinkindern auf den Leuchtturm. Windig war es, und die Eltern saßen unten. Trotzdem waren alle tapfer und genossen die Aussicht auf die von unten noch gar nicht sichtbare Schwedenfähre. Überhaupt Schiffe gab es wirklich viele, obwohl wir ja nicht mal richtig im Hafen waren. Am Ende konnte der Große seiner Mutter noch stolz ein Piratenboot präsentieren (Sind das auch echte Piraten? - Naja, die haben alle Schwimmwesten an, also ich glaube nicht.). Kann man sich besseres vorstellen?

Die Hochzeit hat ein eigenes Post verdient; hoffentlich schreibt das auch mal einer. Und Photos fehlen bislang auch, skandalös.

Fahrt alle nach Mecklenburg und entdeckt die unaufregenden Reize dieses schönen Landstrichs. Es ist weder lieblich noch anbiedernd dort, aber als eigen denkender Mensch findet man dort eine Ästhetik und Freundlichkeit, wie sie möglicherweise selten geworden ist. Nur als Randbeispiel: Ein Hochzeitsgast von eher sehr viel weiter weg angereist beklagte sich über mangelndes Essen in Güstrow. Man habe noch schnell was essen wollen, aber es gab ja nichts. Wir, daraufhin etwas erstaunt, wieso? Güstrow ist doch voll mit Essenkrams? So abfällig könnte ich nicht mal die Prüfungsliteratur in A&O studieren, so kam die Antwort, jaja, Bäckereien habe man auch gesehen, aber man hätte ja so richtig... und dann wars von vorgestern... und, nicht verbal, aber zweifellos vorhanden: Osten eben. Was tun wir hier überhaupt? Hier gibts nicht mal ne anständige Weißwurst zum Frühstück, und ein Weizen einschenken können die schon gar nicht.

Dann geht doch heim und laßt uns in Ruhe. Wir mögen es, ein Würzfleisch für 3,50 vorgesetzt zu bekommen. Wir würden es nicht mögen, in landesüblicher Tracht auf ein nur mühsam als traditionelles Volksfest getarntes Spektakel zu gehen. Aber wir klagen auch nicht drüber.

Photos und Hochzeit folgen.

Mittwoch, 30. September 2009

Nach der Wahl ist vor der Wahl

Das ist eine Auftragsarbeit, und ich versuche, sie so schön wie möglich zu erledigen!

Es ist 17:30, und wir verlassen das oranienburger Anwesen. Somit ist uns eine halbe Stunde Show Royale vergönnt, inklusive einer neuen Folge Zwiegespräche mit Gott und dem beliebten Abschlußlied Der Zug fährt in den Bahnhof ein oder so ähnlich. Dann kommt Volker Wieprecht höchstpersönlich als Kontakt zum Hofberichterstatter Andreas Ulrich ins Wahlspiel, und die ersten Prognosen fliegen uns mathematisch genau um die Ohren, besonders beeindruckt war ich davon, daß A.U. nur ein einziges Mal bei Verlusten oder Gewinnen von Prozenten statt Prozentpunkten sprach. Das kann ja mal passieren.

Nach dieser ersten Prognose sage ich: Und nun mache ich die CD wieder an, das Restgesülze kann ich nicht hören.

Was ist eigentlich passiert? Die Kanzlerinnenpartei nutzt den Kanzlerinnenbonus gerade mal zum Klassenerhalt. Die mittelkleine Schwester in der Regierungskoalition steckt übel ein. Der gelbblaue Beliebigkeitsparolenspender ("Bildung ist ein Bürgerrecht" - peinlich genug, wenn jemand der Meinung ist, das extra auf Plakate drucken zu müssen, aber ist das ein Grund, die FDP zu wählen?) legt um knapp die Hälfte zu. Vereinigungen und Umbenennungen machen Parteien wählbar. Und ein ernsthaft mit Argumenten geführter Wahlkampf kann sich ebenfalls in Stimmenzuwachs auszahlen, wenn auch nicht so erfolgreich wie die Forderung "Arbeitsplätze statt Hartz IV". Was sich (mit Implikationen für meine Gedanken über dieses Land, das nun seit 20 Jahren mein Heimatland ist, die man sich gar nicht ausmalen kann - dazu vielleicht später unten mehr) nicht ausgezahlt hat, waren Parolen wie "Heimreise statt Einreise" und "Besser leben ohne Multikulti", geschmückt mit entsprechenden Bildern - trotz der vielbeschworenen Krise und offensichtlich ganz anders als in den 20er Jahren konnten die rechten Parteien bloß Ohrfeigen abholen, und zwar mit der flachen Hand direkt ins Gesicht. Und, last, but overhead not least, sackte eine sehr junge, sehr innovative und in Brisanz hoffentlich wichtiger werdende Partei aus dem Stand die Hälfte der für die 5-Prozent-Hürde erforderlichen Stimmen ein, das ist ebenfalls sehr beachtenswert und geht derzeit etwas unter.

Nun aber schön der Reihe nach. Was heißt das alles?

Als erstes war ich natürlich schockiert. Die zentrale Frage des 27. Septembers lautete ja: Warum um alles in der Welt wählen Personen, die mit der derzeitigen Regierungspolitik unzufrieden sind, die verdammte FDP? Das bleibt völlig unklar. In der derzeitigen Krise sind doch viele Menschen mit all den Bankern unzufrieden, die einen überhaupt in den Mist geritten haben, ferne mit den Ärzten, die sich von Pharmaindustrie und Krankenkassen das Hinterteil vergolden lassen, ferner mit Gutverdienern, die über ihre hohe Steuerlast ächzen, wenn sie nicht gerade in Zürich das "andere" Konto versorgen müssen. 14 Prozent, soviele Gut- und Besserverdienende gibt es doch in diesem Land gar nicht! Und einige von denen wählen auch noch grün! And how have we the salad: ein Außenminister, der - bis aufs Geschlecht - ist wie ich: mit seinesgleichen zusammen, und das Englisch holperig.

Über die CDU breiten wir den Mantel des Schweigens. Es gibt nur zwei wichtige Verlierer bei dieser Wahl, und sie ist einer davon (und die CSU vernachlässige ich als alte geübte Preußin vollständig, die hat aber auch verloren!). Nicht mehr Stimmen zu haben ist ja, für die Partei mit dem grundgesetzlich nicht ganz korrekten "Wir wählen die Kanzlerin"-Plakat, auch ein deutlicher Verlust; eine Bestätigung ist es jedenfalls nicht gerade. Seid froh, daß alle die neuen Vorsitzenden der SPD handeln und Videos mit G.W., englischsprechenderweise, verlinken. Das lenkt von euch ab.

SPD, ach, was soll ich sagen? Der kleine Bruder in einer großen Koalition... da würd ich auch nicht mit tauschen wollen. Vielleicht hat der Wähler am Ende den Überblick verloren, was an der Regierungspolitik eigentlich christ- und was sozialdemokratisch war, vielleicht hatten auch manche an der Urne Kurt Tucholsky im Sinn: "Sach ma, sare ick zu den eenen, der neben mir saß, warum wählst du eigentlich SPD? Ick dachte der Mann kippt mir vom Stuhl. Komisch, nu wähl ick schon 22 Jahre diese Partei, aber warum ick det mache, habick mir noch nicht übalegt. [...] det hat sich allet so scheen einjeschaukelt... wat brauchste Jrundsätze, wennde een Apparat hast... Det is so een beruhijendes Jefühl: Man tut wat for de Revolution, und weeß janz jenau, mit diese Partei kommtse janz bestimmt nich!" Im Ergebnis nicht mehr als sozialdemokratisch ablexbar, was auch immer das jemals bedeutet haben mag, und mit der Verantwortung für inzwischen mehr als zehn Jahre kleineleutefeindliche Politik, ohne nennenswerte Vorteile oder Entwicklungen hervorgebracht zu haben - da muß man sich eigentlich nicht wundern.

Die LINKE, die sich mithilfe Lafontaines und eines unzufriedenen linken (Gewerkschafts-)flügels in der SPD endlich aus ihrer 20jährigen Ostverhaftung lösen konnte, ist für mich der wahre Wahlsieger. In den Reihen der anderen Parteien tummeln sich doch auch ausreichend Vollpfosten, die für die ein oder andere Fehlentscheidung niemals geradestehen mußten. Daß man ausgerechnet der SED-Nachfolgepartei dafür immer wieder rügt, ohne den eigenen Keller zu kehren, sieht eben nach Siegerjustiz aus - und aus genau diesem Grund wurde die PDS Wahl für Wahl im Osten mit reichlich Stimmen bedacht. Daß Verteufelung und Verfolgung zumindest nicht dazu beigetragen haben, daß die Partei an Bedeutung verlor, liegt heute auf der Hand, vor allem in Mecklenburg-Vorpommern, das Vorreiterland in Sachen PDS-Mitregierung, und in Berlin, wo man leicht ablesen kann, wie sehr Regierungsverantwortung ein Parteiprogramm in den Schatten stellen kann. Von "Kommunismus", von Verstaatlichungen der Schlüsselindustrien und Banken ist man dort weit entfernt, aber die Regierungsbeteiligung der PDS hat dort echte Demokratie möglich gemacht, indem sich nämlich ein großer, maßgeblich im Osten de rStadt wohnender Teil der Bevölkerung auch in der Landesregierung wiederfinden konnte. Was daran falsch sein sollte, habe ich ohnehin nie verstanden. Umso besser, daß diese Partei mit diesem Wahlergebnis wieder mehr Erwachsenheit wird beweisen müssen.

Ich habe auch schon mal grün gewählt, aber meine Partei ist es nie geworden. Ausgerechnet in diesem Jahr fand ich sie dann erst doof (Europawahl), dann cool (Kommunalwahlkampf) und jetzt immer noch sympathisch, und ich freue mich ehrlich für ihr schönes Wahlergebnis. Sie schien mir die einzige Partei zu sein, die Wert auf ein seriöses Wahlprogramm legte, und daß sie damit offensichtlich erfolgreich war, verringert meine gewöhnliche Skepsis gegenüber der angenommenen Cleverness des Wählers schlechthin.

Die Nazis sind sowas von nicht drin, und das trotz verhältnismäßig aggressiver Plakatierung mit schlimmen Parolen und Bildern. Ich bin so, so, so froh, daß eine Krise nicht mehr automatisch zu einem Rechtsruck führt, sondern die Leute sinnvolleres mit ihrer Stimme anfingen, als blöde Protestwählerstimmen abzugeben. Vielleicht nehmen die Wähler die Krise auch ernst und machen das Kreuzchen nicht aus Frust beim Provokateur, also, mich hat das sehr erleichtert.

Piraten - super! Herzlichen Glückwunsch! Wenn euch mangelnde Performance vorgeworfen wird, dann entgegnet, daß die Grünen früher auch nur gegen Atomkraftwerke und Waldsterben waren und komische Pullover trugen. Daß ihr kein tragfähiges Regierungsprogramm habt, sei euch nicht nur deswegen verziehen, weil die anderen alle auch keines haben, sondern weil das auch gar nicht euer Anliegen ist. Im Moment jedenfalls. Es ist gut, daß es euch gibt, und ich persönlich finde es sehr gut, daß ihr so heißt, wie ihr heißt, auch wenn ihr euch vor Somalia langsam mal etwas zurücknehmen könntet ;-).

Habe ich jemanden vergessen? Jedenfalls hier die Zusammenfassung:

Ich finde es gut, in einem Land zu leben, das von einer Kanzlerin und einem schlecht englischsprechenden homosexuellen Außenminister regiert werden wird. So habe ich auch noch Hoffnung.

Ich habe Angst, daß nun der ganze Atomausstieg zunichte gemacht wird, weiter blöde Autos gebaut und deren Gebrauch subventioniert und die Zersiedlung der Landschaft steuerlich weiter gefördert wird. Daß Subventionen reichlich fließen, wo sie keiner braucht, und andere Stellen keinen Pfennig sehen, nur weil sie zufällig nicht im Gunstbereich der Regierungsparteien stehen.

Daß das Gesundheitswesen nun endgültig und lobbyhörig privatisiert und somit für den "kleinen Mann" unbezahlbar werden wird.

Daß das Schulsystem weiterhin uneinheitlich (weil Ländersache) und unbrauchbar sein wird, weil sich diese Regierung einfach nicht zu einer Abschaffung des Alleinstellungsmerkmals Gymnasium durchringen wird - entgegen aller Notwendigkeiten und wissenschaftlichen Erkenntnisse.

Daß Hartz-IV-Bezieher sich noch mehr als bisher für ihre paar Kröten rechtfertigen müssen, während Banker Boni einstreichen und, wenn es nicht klappt, der Staat, also wir alle, den Verlust sozialisieren, nach den guten alten Regeln der sozialen Privatwirtschaft (Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren).

...

Am Ende frage ich mich natürlich: Wie wollen CDU und FDP in zentralen Fragen zueinanderfinden: Datenschutz und Bürgerrechte, Gleichstellung von Lebenspartnerschaften (eventuell unter Verlust der Bevorzugung kinderloser Ehepaare), Steuerrecht, Verteidigungspolitik? Da bin ich gespannt, wer welchen Pantoffel wird schlucken müssen. Aber das ist schon alles, was Demokratie einem an Unterhaltung bieten kann. Alles andere ist auf Planet B angesiedelt.

Kurt Tucholsky: Nehm' wa noch 'ne kleene Molle, wa? Naja, Se müssen ja ooch zehause. Ick wünsche Sie eine vajnüchte Wahl. Denn seh'n Se mal: die Wahl ist der Rummelplatz des kleinen Mannes. Einmal, alle vier Jahre, da tun wa so, als ob wa täten. Aba uffjelöst, und rejiert, wern wa doch. Gut' Nacht.

Sonntag, 20. September 2009

Ab morgen: Mecklenburg

Tja, die Prüfung habe ich nicht gemacht, dafür hatte ich mal so was wie einen Sommer ganz für mich und mußte ihn nicht mit der Bibliothek teilen. Nun fahre ich morgen schon wieder in den Luxusurlaub; Luxus, weil ich gar kein Erholungsbedürfnis verspüre, bloß mich auf eine feine mecklenburgische Metropole an Seen freue, mit der Prinzessin natürlich! Und auf die anfolgende klassentreffenartige Hochzeit im Vier-Sterne-Plus-Hotel. Und natürlich meinen Geburtstag. Im Gegensatz zu anderen Leuten habe ich ja gerne Geburtstag.

Ach, der September-Sommer. An sich uncool, weil es abends so früh dunkel wird, aber dann erwischt man mit etwas Glück Tage, an denen man bis in die Puppen draußen sitzen kann, und dann macht man das auch noch in bestdenkbarer Begleitung, ohne das vorher zu wissen! Am Freitag nach Feierabend erwartet einen die Prinzessin vor dem Laden zwecks abholen und schleppt einen zu Tisch mit der Perle der Arbeitseinheit, welche in netter männlicher Begleitung die Bielefelder Nacht unsicher machen möchte. Na, zunächst machten wir die Nerven der umliegenden Gäste mit unseren dreckigen Lachen unsicher! Man koppele Erzählungen von Bielefeldern in Halle (Saale), Berlinern (Ost) in Bielefeld und Hannoveranerinnen (überall) und füge eine Prise Humor und Blödsinnbereitwilligkeit hinzu, and soon have you the salad. Weiters kann man mit Hauptfrauen und hochgeschätzten Waschmaschinenverschenkerinnen und nach-Kreuzberg-Flüchtigen auf dem Sigi sitzen, bis zur letzten Runde der Supertram, was ich glaub ich noch nie erlebt habe. Man kann auch heutens prima auf der Terasse vom Noodles sitzen und sich von diesem wunderbaren, professionellen, engagierten Kellnerteam verwöhnen lassen.

Außerdem kann man mit der Lieblingsschwester einen Ausflug zum Oberen See unternehmen. Immerhin hat es die Schwester auch zwei Jahre lang in Bielefeld geschafft, dieses hydrologische Wunder zu bestaunen. Und so wurde es auch: "Dit is allet?" war die erste Frage. Und dann umrundeten wir den Spucknapf. Es ist schon so: ein Gewässer macht eine Großstadt attraktiver. Aber irgendein Gewässer eben doch nicht. Ein Rhein, eine Elbe machten eine Stadt schon viele Jahrhunderte zuvor attraktiv, wegen der Anbindung eben, und heute, weil all das Zeug noch rumsteht von der Anbindung. Im berliner Osthafen stehen Kräne und Speicher, darüber freut sich heute MTV. In Hamburg haben sie aus der Speicherstadt einen neuen Stadtteil gemacht. Die Städte sind um die Gewässer drumherum gewachsen, nicht die neumodisch angelegten Gewässer in die Stadt hinein. Ach! Es ist Wasser, und dann doch wieder nicht.

Ab morgen hab ich erstmal wieder Wasser, so viel ich will. Richtiges Wasser, wenngleich auch vergleichsweise jung (letzte Eiszeit). Bericht folgt.

How to detect a depression screening:

Erstens, sozial unverträglich für Diagnostik lernen.
Zweitens, dabei die Item-Response-Theorie im allgemeinen und die Rasch-Modelle im besonderen nicht verstehen.
Drittens, die fast völlige Abwesenheit rasch*-skalierter Untersuchungsinstrumente lautreich beklagen.
Viertens, im Depressionsseminar mehrmals Klagen darüber hören, daß es kein brauchbares und zweckgeeignetes Depressionsdiagnostikum gebe.
Fünftens, aufmerksame Prinzessinnen, bzw. eine reicht eigentlich, sind geprimt (unbewußt voraufmerksam) auf rasch-basierte Verfahren im allgemeinen und stoßen daher mit Interesse, aber eher zufällig auf das DESC* eines unbekannten Konfidenten an der Uniklinik Aachen.
Sechstens spitzen plötzlich Professoren die Ohren, weil sie (s.o.) auch gerne ein schönes Depressionsscreening hätten.
Siebentens (oder wie WIR sagen: siehmtens) recherchiert die eigentlich gar nicht zuständige Hilfskraft dem DESC hinterher, infolgedessen sich eine nette elektronische E-mail-Korrespondenz mit dem DESC-Erfinder entwickelt.
Achtens entpuppt sich das Ding als aufwendig entwickelt und konstruiert und scheint ersten Zahlen zufolge brauchbar zu sein. Und rasch-skaliert ist es auch noch!

*rasch bezieht sich überhaupt nicht auf Geschwindigkeit, sondern auf den Namen eines Testkonstruktionsprinzipserfinder, der verschiedene mathematische Modelle über Fragebogenskalen und dergleichen entwickelte. Ich kann das hier unmöglich laienverständlich erklären. Auf Nachfrage versende ich gerne das beliebte Schrifttum Studtmann (1999), in welchem alle relevanten Fragen um die IRT erschöpfend behandelt sind.
*bürgerlicher Name des relevanten Depressionsscreenings

Montag, 14. September 2009

exemplarisch

einer von einer gefühlten Million von Online-Kommentaren, die in der Mehrheit basale, grundrechtliche Annahmen negieren, übergehen, ja nicht einmal zu kennen oder verinnerlicht zu haben scheinen und, aber fast überflüssig zu erwähnen, ohnehin das gute Auge-um-Auge-Prinzip für brauchbarer halten.

Da diese Mörder aufgrund ihres jugendlichen Alters ohnehin irgendwann wieder freikommen werden, sollte ihnen die Haftzeit ordentlich vergällt werden und zwar durch erzwungene Beschäftigungen, die an ihrem Ehrbegriff kratzen. An Sportbetätigung sollte denen nur erlaubt werden, am Schwebebalken zu turnen. Paartanz (Walzer, Polka und andere Standards) wäre die Alternative. Selbstverständlich keine betont maskulinen Sportarten, Fussball wäre ausgeschlossen und Kampfsportarten erst recht. Handarbeitskurse müssten das Ganze ergänzen: Jeden Tag einen Mädchenstrumpf gehäkelt, dann gibt's zur Belohnung eine Stunde Malefiz-Spielen. Zu Weihnachten dürfen sich die Jungs dann mal hübsch schminken. Zum Anbringen von Nagellack (Fuß- und Fingernägel) gibt es dann Vorrichtungen, die den Jungs erlauben mal den einen Fuß, mal den andern, mal die eine Hand, dann die andere durchchzureichen, damit die Dame vom Nagelstudio ungefährdet zur Verschönerungsaktion schreiten kann. Kurse zum Malen mit Wachsmalkreide sollten auch zum Angebot gehören. Die Motive wären vorgegeben: Blumenbilder, für die Fortgeschrittenen dann Heiligenbilder. Zum Lesen gäbe es nur: Hanni und Nanni-Bücher, oder Heidi. TV und Radio wäre natürlich ebenfalls gesperrt. Zu Sonn- und Feierttagen dürfte allenfalls eine Stunde Klassik gehört werden.

An diesem Text ist so viel anzumerken.

Als erstes scheint dem Autoren aufzustoßen, daß nach Jugendstrafrecht Verurteilte "recht bald" wieder freikommen. Das klingt so, als würden die sich das vorher ausrechnen. "Komm, wir killen den jetzt mal. Gibt ja nur zehn Jahre, und dann können die uns mal resozialisieren! Mit 27 haben wir das Leben doch noch vor uns!"

Die Vorstellungen des Autoren über Haftzeitvergällung fußen ausschließlich auf fast peinlichen Pauschalisierungen über das Selbstverständnis gewalttätiger Jugendlicher. (Und wir schweigen bei dieser Betrachtung über die Annahmen über die Würde des Menschen, auf die auch der Täter während der Bestrafung ein Anrecht hat.) Auch Schwebebalkenturnen dürfte Muskeln zu Tage führen, und hat man jemals Liegestützen zu verbieten versucht?

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Über diese Taten zu lesen macht mich rat- und hilflos: couragierter Mann wird totgeschlagen; Rentner wird halbtot geprügelt; Berufsschüler nutzen ihren Klassenfahrtaufenthalt in München, um Obdachlose und andere wehrlose Personen zu verprügeln; Busfahrer in Berlin sind nicht mehr sicher, weil sie häufig von Jugendlichen drangsaliert werden; Jugendliche verprügeln und töten einen geistig zurückgebliebenen Jugendlichen in Brandenburg (und versenken ihn in irgendeiner Grube); aber was würde helfen?

Wie schwer es einem fällt, bei den Grundrechten zu bleiben! Immer! Und doch nutzen sie nichts, wenn sie nicht immer gelten. Und es nutzt nichts, Verbrecher einfach wegzusperren, auch nicht zum Schutz der Gesellschaft, denn das Wegsperren kostet viel Geld, und es hilft, neue Verbrecher zu produzieren. Und es hilft nichts, jetzt eine sogenannte Kuschelpädagogik anzuprangern, die zu viel Verständnis für die Täter und deren vermutlich schwere Kindheit zeige und zuwenig Erfolge beim Opferschutz zeige.

Man zeige mir einen einzigen Täter, der eine psychologisch zufriedenstellende Kindheit mit Möglichkeiten zur Bildung stabiler Bindungen und Entfaltung evtl. vorhandener Begabungen vorweisen kann, und ich revidiere Teile meines Menschenbildes.

Das Geld, was hintendrein alle ausgeben wollen für 15 statt 10 Jahren Höchststrafe, das kann man auch vornerum ausgeben für vernünftige Prävention. Blöd ist, daß erfolgreiche Prävention und erfolgreiche Resozialisation nach Haftstrafen monetär schlecht meßbar sind. Wie will man eine nicht erfolgte Vergewaltigung, das nicht verkaufte Päckchen Koks, den unausgeräumten Laden denn messen?

Und der Mann in München ist einfach tot, egal was jetzt diskutiert wird. Man hat den Eindruck, daß er alles richtig gemacht hat, daß es ihm aber nichts genützt hat. Wie viele unmeßbare Situationen gibt es eigentlich pro Woche in München, in denen kein couragierter Endvierzier aufsteht und eingreift, sondern die Angegriffenen klaglos das Geld hergeben, was sie so dabeihaben? Auch das eine statistisch unbekannte Größe.

Sonntag, 13. September 2009

.. in vollem Staatswichs

... gebürstet und gestriegelt stiefeln die drei Damen zunächst ins Stahlberg, um sich angemessen zu stärken, und anschließend ins Stadttheater, um andächtig und kichernd, bisweilen sogar laut herauslachend den Worten von Max Goldt zu lauschen. Das gut gefüllte, aber nicht ausverkaufte Stadttheater sieht von außen zwar pompöser und repräsentativer aus als das gute alte Theater am Alten Markt, wo Max Goldt sonst seine bielefelder Lesungen abhält, aber innen hat es Ränge, aber im Parkett ist es nicht größer. In Reihe 4 sitzt man dem Autoren beinahe auf dem Schoß. Und schön wie immer ist es, den gleichzeitig unprätentiös und gut vorgetragenen Texten zuzuhören, und Vergnügen wird einem in einer durch gleichzeitige Schüchternheit und Professionalität geprägte Veranstaltung geboten. Mögen doch mehr bescheidene, fein beobachtende und formulierende Menschen durch die Lande ziehen und Stadttheater, nicht -hallen, mit interessiert lauschendem Publikum füllen, das auch mal zwei Stunden die Klappe halten und das iPhone wegstecken kann!

Diesmal habe ich mich getraut und ein Buch, das neue, das erst am 18. September erscheinen wird, gekauft und signieren lassen. Das war ein sehr feines Erlebnis mit dem feinen Herrn Max Goldt.

Am meisten, glaube ich, mochte die Prinzessin die launischen Bemerkungen über das Berliner Plusquamperfekt. Das ist jetzt sowas von Vergangenheit, also sowas von! Die Anekdote zum Thema betraf einen Restaurantbesuch der feineren Art, an dessen Ende der Kellner höflich fragte, Waren Sie zufrieden gewesen? Was soll man denn, nähme man die Grammatik ernst, darauf antworten?

Was den heutigen Abend betrifft: Ja, ich bin es gewesen und bin es noch immer. Bis zum nächsten Mal.

Donnerstag, 10. September 2009

aus naheliegenden Gründen

mag ich google.books nicht: Gabs früher auch nicht, soll man die Bücher nicht lieber kaufen, und überhaupt.

Aber bei ganz bestimmten Fünden denkt man vielleicht doch anders, daß das das elektronische Zeitalter nämlich Funde ermöglicht, die man vorher nicht angestrengt hätte.

Bißchen wehmütig, bißchen stolz... bißchen lang her

Schön war's hier schon 1997:

sagen die Buben.

Magnus, Inferno 2 und selbst die Restetruhe gibt es allerdings nicht mehr. Ob Max Goldt das bei seinem Bielefeld-Besuch am Sonntag bemerken wird?

Montag, 7. September 2009

Wow!

Auf dem Heimweg Ohrwurm von einer Arie gehabt, die ich vor mindestens 12 Jahren mal in Musik durchgenommen habe. Arie vor mich hinpfeifend nach Hause geradelt. Zuhause dringendes Bedürfnis verspürt, Arie anzuhören. Nicht mehr an Namen der Arie oder wenigstens Oper oder überhaupt Komponisten erinnert. Vage was mit Papageno im Sinn gehabt, den hatten wir nämlich auch mal in Musik. Glaub ich. Papageno wars aber nicht. Text war italienisch oder so. Umfangreiche Arienauflistung entdeckt, hilft aber nicht. Youtube hat noch keine Pfeiftonerkennung. Dann bei Amazon Opern gesucht, wo man dann die Titel anspielen kann. Arie gefunden. Bei youtube angehört und dahingeschmolzen.

Dienstag, 1. September 2009

adé

Nun habe ich es verpaßt, mir noch schnell ein paar 100-Watt-Glühlampen zu kaufen, oder ein paar mattierte 60er: hell, aber nicht grell. Wieder einmal wird mir im privatesten Raum auf unsinnigste Weise die Verantwortung für Klimawandel und Polkappenabschmelzen übergeben, während draußen auf dem Ostwestfalendamm alle paar Minuten einer dieser riesenhaften, für Ein-Kind-Familien offenbar unumgänglichen Geländewagen (wie haben die DDR-Eltern eigentlich ihre zwei bis drei Kinder in den Trabi bekommen, falls sie einen hatten?) über die Brückennaht springt.

Was passiert eigentlich?

Natürlich erstmal was Gutes. Die böse, durstige und kurzlebige Glühbirne muß weg. Aufatmen können Eisbär und Feldhamster. Der böswillige, träge und unumgewöhnbare Mensch will aber nicht verzichten und mit der Energiesparlampe fremdgehen. Er ist treu, zumindest seiner geliebten Glühlampe. Sie ist warm, hat eine gute Figur und ist immer sehr schnell bereit. Die Energiesparlampe ist fast direkt meist häßlich anzusehen; darüber hinaus zickt sie lange rum und verbreitet dann ein kühles Licht, das sie wenig anziehend macht. Freilich, im Verbrauch ist sie genügsam, doch wohl nur dort, wo man sie lange (r)anläßt. Häufiges Aus- und Anmachen entschuldigt sie ebensowenig wie die gewohnte Entsorgung im Hausmüll. Auch nach dem Leben noch besteht die Diva auf einer Sonderver/entsorgung, und wie der Mensch so ist, kann man sich ja vorstellen, wie genau er sich dran halten wird.

Sieht also doch nicht nur gut aus, wie? Vielleicht haben sich die Energiesparlampen zusammengerottet und ein Komplott gebildet, um die beliebte Glühbirne dem Menschen endlich abspenstig zu machen und endlich ihre Schrullen ungestört und ohne die unliebsame, anschmiegsame Konkurrenz ausleben zu können.

Was sind nochmal die Argumente? (Ich bin prinzipiell zu faul, irgendwelche Zahlen anzuführen. Interessierte können z.B. auf wikipedia nachlesen.)

Verbrauch: Ja, die Glühbirne verbraucht mehr. Wenn sie hängt und leuchtet. In der Entwicklung (quasi nicht mehr nötig) und in der Herstellung ist sie wesentlich unaufwendiger und ungiftiger.
Lebensdauer: Ja, die Energiesparlampen leben länger, allerdings längst nicht soviel länger, wie es immer behauptet wird. Im normalen Privathaushaltverbrauch lebt sie grad zwei- bis dreimal solang; das ist, bemessen am Preis, nicht besonders berühmt.

Das wars mit den Pro-Energiesparlampen.

Was spricht - für Privatleute - eigentlich dagegen?

Lichtfarbe: Das häufigste Argument seit vielen Jahren ist die ungetreue Lichtfarbe und daraus resultierend Farbwiedergabe. Begeisterte Befürworter gehen da immer mit so einem patzigen Bah! drüber, als würde die Lichtfarbe, wenn man sich erstmal dran gewöhnt hat, überhaupt eine Rolle spielen! (Als Beispiel auf geo.de wird Spinat, der nicht mehr richtig grün sei, angeführt, und was daran denn nun mal so schlimm sei.) Falls ich mit unkorrekt wiedergegebenen Gemüsefarben evtl. die Welt vor dem Klimakollaps, dem Ansteigen der Meere und dem Versinken Hollands und Dänemarks retten könnte, würde ich wirklich sofort und militant alle mir täglich begegnenden Glühbirnen gegen blaublütige Energielampen tauschen.

Schwermetall: Die Energiesparlampe gehört nicht in den Hausmüll. Aber Hand aufs Herz, liebe Leser: Wie oft seid ihr schon zum nächstgelegenen Müllhof gefahren und habt eure Sparlampe fachgerecht entsorgt? Natürlich nicht mit dem Auto - das würde wahrscheinlich mehr Dreck machen, als mit den Lampen eingespart wurde. Außerdem wird Quecksilber wohl gerade für alle möglichen Benutzungen aus dem Verkehr gezogen und verboten. Bloß die kleine liebe Sparlampe, da sind ja auch nur paar Milligramm drin, im Thermometer wars ein ganzes Gramm (bloß glaub ich, daß man ein ganzes Stück mehr Lampen als Thermometer im Haus hat), und weil die eben fachgerecht sonderentsorgt wird, passiert da ja nix.

Umwelt: Da ja der böse, faule Mensch (siehe oben) nicht von alleine auf sein Glück mit der Energiesparlampe kommt und lieber fortfährt, die Polkappen mithilfe der Glühbirne abzuschmelzen, muß man ihm das Spielzeug eben wegnehmen. So! Im Kommunismus mußte man die Leute auch erst zu ihrem Glück zwingen, und im Antikommunismus erst recht. Daß man in der Umweltpolitik da noch nicht früher drauf gekommen ist, wundert mich eigentlich. Ich hätte da noch ein paar mehr Vorschläge:

Verbot von Fahrzeugen mit einem Verbrauch von mehr als 10 Litern je 100 Kilometern
Flächendeckendes Tempolimit auf den Autobahnen
Abschaffung von Pendlerpauschalen
Strafgebühren für von weit herbeigeschafften Produkten (Grundnahrungsmittel), die auch in der jeweiligen Region produziert werden (z.B. Milch, Butter, Mineralwasser); gilt auch für den Biomarkt (warum gibt es in den berliner Bioläden Andechser Bioprodukte zu kaufen? Werden die mit dem Fahrrad dahingefahren?)
Abschaffung der Steuerfreiheit von Kerosin und Verbot von Flügen unter 1000 Kilometern (oder jede andere Zahl - diese ist beliebig gewählt) - warum muß man von Berlin nach Hamburg fliegen können? Selbst Frankfurt und sogar München sind albern - außer man hat die Termine jeweils direkt am Flughafen. Jeder gesparte Flug zwischen Hamburg und Berlin hat wahrscheinlich ein Umweltschutzpotential von 1 Million normal genutzen Glühbirnen.

Ich will gar nicht mir Lobbys anfangen. Aber warum ich mich ausgerechnet wegen meiner altmodischen Glühbirnen schlecht fühlen soll, verstehe ich nicht. Hat noch jemand ein paar 100er ergattert?