Mittwoch, 18. Februar 2009

Wahrheiten über Nebenfachstudierende insbesondere aus dem Diplomstudiengang Erziehungswissenschaften

Aufhänger für diesen Eintrag war folgendes heutiges Erlebnis, dem allerdings bereits unzählige vergleich- und in ihrer Erscheinung austauschbare vorangingen:

In der studentischen Studienberatung Psychologie sitzen eine Studienberaterin und eine studentische Hilfskraft und albern herum. Gegenstand der aktuellen Herumalberei ist ein offensichtlich einschlägig bekannter Nebenfachstudent, zu dessen Verteidigung immerhin angemerkt werden muß, daß er im Hauptfach Soziologie studiert - im Vergleich zum Diplom in Pädagogik zumindest in meinen Augen ein hoch angesehenes und ehrenwertes Studienfach. Der hier nicht näher Beschriebene macht allerdings in einigen Psychologie-Veranstaltungen von sich reden, und zwar nicht gerade seiner brillianten Rhetorik oder ausgezeichneten Gedankengänge wegen. Aber, wie es so schön geschrieben steht, wenn man vom Teufel tratscht, kommter gelatscht: Es klopft an die Tür. Da die Tür klemmt, rufe ich laut "Herein!" und dann dem mit der Tür hereinpolternden Gesicht "Komm rein, du störst nicht" zu. Die beiden folgenden Sätze sagte dann, natürlich, die vorsichtig hereintretende Nebenfachstudentin:

Kann ich reinkommen?

Stör ich*?

Und daraus folgend der dritte:

Ich studiere ääh Erziehungswissenschaften, und wollte mal wissen, ob man Psychologie auch irgendwie anders studieren kann...

Anders?

Ja, ich habs als Nebenfach und Zusatzfach und finde das irgendwie ja ganz schön interessant, irgendwie, und da würde ich das gerne irgendwie auch studieren.

Okay, Mädchen, du kannst einen Quereinstieg probieren, du kannst auch, falls dich der Tätigkeitsbereich interessierst, als Diplom-Pädagogin eine therapeutische Ausbildung zur Kinder- und Jugendlichentherapeutin machen.

Ja, da habe ich mich irgendwie schon erkundigt, aber das kostet ja 20.000 Öre!

Ja. Und wenn du Psychologin wirst und eine Erwachsenenausbildung machst, die kostet auch, ungefähr, 20.000 Öre.

Aber dann kann ich irgendwie ja gleich die therapeutische Ausbildung machen, ohne Studium.

Nein.

Ich dachte, man kann das irgendwie außerhalb von Uni machen, studieren.

Nein.

Ooohh,irgendwie ist das alles kompliziert!

Tschühüß!

...

Und das war ein absolut typisches Gespräch mit einer Pädagogik-Studentin. Manchmal fragt man sich: auf welchem Mond leben die eigentlich? Eine Studienordnung, die den Nachweis von Leistungen lediglich durch das fehlerfreie Eintragen entsprechender Veranstaltungen in ein sogenanntes Studienbuch vorsieht - ohne so lästige Dinge wie Referate, Anwesenheitslisten oder Hausarbeiten absolvieren zu müssen - scheint dem Denken nicht gerade förderlich zu sein.

Und so gemein manchem Leser diese Zeilen erscheinen mögen: alle Pädagogik-Studierenden über einen Kamm zu scheren hieße Vorurteile schüren, die meisten sind doch ganz nett und werden später nützliche Mitglieder der Leistungsgesellschaft, indem sie in Jugendlichentagesstätten Nützliches tun und überhaupt fallen einem ja immer nur die Negativ-Exemplare auf, die, die sich eben auffällig benehmen...trotzdem wird dieses mein Vorurteil über die Blödheit so vieler Päda-Nebenfächler immer wieder genährt durch:

Aktionen wie heute
Erlebnisse in Seminaren mit Nebenfächlern aus unterschiedlichen Hauptfächern - Klinische Linguisten sind zum Beispiel oft auch zu brav, aber jedenfalls nicht dämlich und in aller Regel in der Lage, aus vorgegebenem Material eine ordentliche Präsentation zusammenzuhauen und ein entsprechendes Referat zu halten, in denen das Wort irgendwie überhaupt nicht vorkommt
Berichte von Lehrenden über die internalisierte Wut darüber, daß sich Studierende des Diplomstudienganges Erziehungswissenschaften häufig auf eine Art und Weise geben und benehmen, als sei es ihr oberstes Ziel, jedes Vorurteil und jedes Klischee über ihresgleichen bis auf den letzten I-Punkt zu bestätigen

Symptomatisch herbeigezogen werden von mir angefertigte Mitschriften während eines Referates über Scheitern von Adoptionen, ungekürzt und ungeschönt:

(nicht die Referentinnen, sondern meine Lieblings-Teilnehmerin, die stets mit vergleichbaren Kommentaren glänzte, verwechselte zunächst die Begriffe ethnisch und ethisch, was ich persönlich ganz schön gravierend finde.)

Identitätsmerkmal wird ausgesprochen wie man einen stinkenden Fisch anfäßt.
Wer lesen kann, ist klar im Vorteil, oder: PPT-Karaoke**.
Scheitern als anschauliche Vorführung.
Auweia ist die DOOF! Dümmer als 5 Meter Feldweg.
Die ist aber auch ziemlich doof!
Diese Päda-Referate rauben mir sekündlich zweieinhalb IQ-Punkte***!
Manuela ist auch so ein Doof-Tussi-Name!
Die Ursachen einer Adoptionsauflösung sind immer MULTIVARIAT.

Zuletzt sei erwähnt, daß ich noch mit einem so symptomatischen Pädagogik-Studenten zusammenwohne, der so derart am gemeinschaftlichen Bemühen seiner Kommilitonen beteiligt ist, den Ruf der Pädas zu zementieren, in Bronze zu gießen, ans Brett zu dübeln - durch seine Mischung aus ungepflegter Erscheinung, unregelmäßigem Uni-Besuch und unstrukturierter, quantitativ aufgeblasener ("irgendwie") Sprechweise - daß ich ernsthaft zur Charakterisierung eines Pädagogikstudenten einfach ein Tonband mitlaufen lassen würde, wenn wir uns beim Pizza-Aufwärmen in der Küche treffen.

*Ein psychotherapeutischer Mittagessenkonfident, seinerseits auch mit traumatisierenden Nebenfachstudierenden-Erfahrungen ausgestattet, kommentierte: Wenn du so einen Dialog im Fernsehen zeigst oder sonst öffentlich machst, heißts sofort von wegen überzogen und konstruiert und ausgedacht und was immer - niemals würde sich sowas in echt begeben. Es begibt sich aber in echt. Echt.

**Beliebte Sportart im Mittelbau: Bescheuerte Präsentationen ausm Internet besorgen. Dann steht man vor der Leinwand und hält einen Vortrag über etwas, wovon man ja keine Ahnung hat, aber die Folien. Vermutlich sehr witzig, wenn die Leute gut sind, und sehr fremdschämig, wennses nicht sind.

***Das erinnert mich an eine kürzliche Begebenheit im Rahmen meiner Tätigkeit als studentische Vertreterin im paritätischen Studiengebührenverteilungsgremium auf Abteilungsebene, als nämlich neulich Vertreter der zentralen Kommission dawaren und wissen wollten, warum wir uns um die Hinterfragung der Internationalisierung der Hochschule verdient machen wollen. Jedenfalls sagte unser Dekan bei der Erörterung der Frage, ob und wieviel und welche Veranstaltungen man fürderhin auf Englisch anbieten könnte oder söllte: Alois Angleitner, ein Persönlichkeitspsychologe, sagte, egal wie gut man die Fremdsprache beherrsche - im Diskurs verliere man 10-15 IQ-Punkte. Daraufhin der studentische Vertreter: Tja, und wenn man dann auf jeden einzelnen angewiesen ist...

Every breath you take

Every breath you take
Every move you make
Every bond you break
Every step you take

I'll be watching you


Every single day
Every word you say
Every game you play
Every night you stay

I'll be watching you

Oh can't you see
You belong to me
How my poor heart aches
With every step you take

Every move you make
Every vow you break
Every smile you fake
Every claim you stake

I'll be watching you

Since you've gone I've been lost without a trace
I dream at night I can only see your face
I look around but it's you I can't replace
I feel so cold and I long for your embrace
I keep on crying baby, baby please

O can't you see
You belong to me
How my poor heart aches
With every step you take

Every move you make
Every vow you break
Every smile you fake
Every claim you stake

I'll be watching you

Every move you make
Every step you take

I'll be watching you

I'll be watching you

Dienstag, 17. Februar 2009

aufgewacht mit radiohead

weird fishes_arpeggi

in the deepest ocean
the bottom of the sea
your eyes
they turn me
why should I stay here?
why should I stay?

I'd be crazy not to follow
follow where you lead
your eyes
they turn me

turn me on to phantoms
I follow to the edge of the earth
and fall off
everybody leaves
if they get the chance
and this is my chance

I get eaten by the worms
weird fishes
get towed by the worms
weird fishes
weird fishes
weird fishes

I'll hit the bottom
hit the bottom and escape
escape

I'll hit the bottom
hit the bottom and escape
escape

Montag, 16. Februar 2009

Das geht einmal an die Nordsee:

Meine einzige richtige Erfahrung mit der Nordsee war: sie war nicht da. Zuvor hatte ich sie, oder vielmehr ihr ubiquitäres Ansinnen, die Niederlande zu überfluten, oder noch viel besser beschrieben: das entschlossene Statement, sich von einem Randmeer, das nicht mal da ist, wenn man es braucht, nicht überfluten zu lassen - überquert, und dann: wieder laufen lernen nach 70 oder wievielen Kilometern auf dem Rad, Zelt aufbauen, zum Deich gehen und Meer sehen...denkste. Das wars dann mit mir und der Nordsee.

Jezte grade is da eine, die mir hier sehr fehlt... eijentlich solltese hier 'n Jedicht bekommen, aber ick hab keens jefunden, denn müssen ehmt die Ärzte herhalten; auch passend:

Jeden Tag sitz ich am Wannsee
und ich hör den Wellen zu
ich lieg hier auf meinem Handtuch
doch ich finde keine Ruh

Diese eine Liebe wird nie zuende gehn
wann werd ich sie wiedersehen?
Manchmal schließe ich die Augen
stell' mir vor ich sitz am Meer
dann denk' ich an diese Insel
und mein Herz das wird so schwer
diese eine Liebe wird nie zuende gehn
wann werd ich sie wiedersehen?

Oh ich hab' solche Sehnsucht
ich verliere den Verstand
ich will wieder an die Nordsee
ich will zurück nach Westerland

Wie oft stand ich schon am Ufer
wie oft sprang ich in die Spree?
Wie oft mußten sie mich retten
damit ich nicht untergeh?

Diese eine Liebe wird nie zuende gehn
Wann werd ich dich wiedersehen?

Ohhh ich hab' solche Sehnsucht
ich verliere den Verstand
ich will wieder an die Nordsee
ich will zurück nach Westerland

Es ist zwar etwas teurer
dafür ist man unter sich
Und ich weiß, jeder Zweite hier
ist genauso blöd wie ich

Oh ich hab' solche Sehnsucht
ich verliere den Verstand
ich will wieder an die Nordsee
ich will zurück, ich will zurück
ich will zurück, ich will zurück
nach Westerland

Sonntag, 15. Februar 2009

Ein ganz und gar nicht westfälischer Lokführer, zwei Wohnungen in Minden/Weser und eine Spezialcurrywurst - ein Sonntag ganz offensichtlich ohne Päpsy

Und dabei habe ich noch kein Wort übers Skifliegen verloren.

Skifliegen - nicht zu verwechseln mit schiefliegen (und schon gar nicht mit schief liegen - davon bekommt man höchstens Nackenschmerzen) - ist, zumal auf der Heini-soundso-Schanze in Oberstdorf, das beeindruckendste, was ich mir auf zwei Brettern vorstellen kann. Höre ich Einwand von alpinen Skifreunden? Bitte, aber ein Abfahrtsläufer schaut erstens nicht dermaßen voll ins Tal, das ihn gleich - so oder so - aufnehmen wird, und zweitens kann er ja, zumindest theoretisch, jederzeit bremsen und aufhören, auch wenn das Schimpf und Schande über ihn ausschütten wird (zu Unrecht übrigens - dazu gehört wahrscheinlich mehr Mut als zum lebensbedrohenden Abwärtssturz). Immanente Begleittatsache des in aller Regel fulminanten Ausblicks von einer Sprungschanze ist allerdings die Unumkehrbarkeit des Vorganges, sobald der Springer den Balken losgelassen und sich abgestoßen hat - er muß mit der entsprechenden Technik abspringen und zumindest irgendwie so weit kommen, daß er auch vernünftig landen kann - das Loslassen gleichsam als temporärer point of no return, ab dem man auch bei Angst und Blackout handeln muß wie ein richtiger Skispringer. Deshalb auch keine Normalschanze ohne mindestens sechsmonatigen Trainings auf kleineren Bakken. Deshalb geht auch das Ende der Karriere mit einem endgültigen Abschied von den Schanzen einher. Zusammenfassend: Höhe der Schanze mal Anlaufgeschwindigkeit mal Aufsprunghöhe mal Auslauf macht soundsoviel Mutpunkte, und von einer Flugschanze zu gehen ist dann entsprechend exponentiell mehr. Wer heute oder gestern mal in die Übertragung reingezappt hat, konnte feststellen, daß die Oberstdorfer Schanze dermaßen steil und frei in die Alpengipfel ragt, als würden von dort Fernsehsatelliten ins All geschossen. Statt dessen lassen sich die Skispringer von wechselnden Aufwinden ins Tal tragen oder plumpsen bei 120 m auf den Aufsprunghügel. Die Varianz in den Weiten ist enorm. Bei schönstem Wetter und klarem Blick auf diverse Schneegipfel segeln die Kontrahenten über 300 m Höhenunterschied hinunter, wahrscheinlich ohne auch nur einmal auf das Panorama zu linsen.

Zuungunsten des zweiten Durchganges ging es nach Minden zur Wohnungsbeschau fürs Nesthäkchen, das demnächst in der hannoverschen Uniklinik eine Ausbildung beginnen wird. Langsam, aber sich versammelt sich scheints die Familie in Westfalen (das hätte einem früher auch keine Sinti-und-Roma-Oma aus den Handlinien gelesen). Der Makler war so nett, die Damen Ältere Schwestern vom Bahnhof abzuholen und wieder hinzubringen. Die Wohnungen waren auch nett, vor allem die eine, deren unverbauter Blick auf die gleichwohl winterlich-trübe Weser den im trockenen Biele-Asyl wasserlechzenden Schwestern tropfende Zähne verabreichte. Man frug sich unversehends, warum es eigentlich Minden in Westfalen heißt, wo doch Minden/Weser viel schöner und vor allem treffender wäre.

Auf dem Weg nach Minden verkündete der ganz und gar nicht westfälisch anmutende Lokführer: *knacks im Lautsprecher* Meine lieben Damen und Herren, hier spricht der Lokführer mit einer wichtigen Informationsdurchsage *Telephonklingeln im Hintergrund* Huch! *knacks* *knacks* Also, hier spricht der Lokführer, und zwar haben wir ja sechs Minuten Verspätung wegen Ähh wegen Schaden am Zug. Ich habe gerade mit der Fahrdienstleitung gesprochen und erwirkt, daß, wenn wir die Verspätung auf fünf Minuten eindampfen, die S-Bahn nach Hannover in Minden auf uns warten wird. Das klappt aber nur, wenn wir den Halt in Porta Westfalica auf einen Minimalhalt beschränken würden - das heißt, Sie müßten sich beim Aussteigen unheimlich beeilen. Bitte unterstützen Sie mich beim schnellen Aus- und Einsteigen. *knacks* Abgesehen davon, daß schon inhaltlich klar ist, daß der Lokführer kein Westfale ist, seine Pappenheimer aber kennt (aber nicht gut genug, daß ihm nicht klar wird, wie unsinnig sein Ansinnen den Ostwestfalen anmuten möchte - sich BEEILEN? Beim Einsteigen in einen Zug, in dem man schon sitzt? Dem Lokführer beim Aussteigen assistieren? Heute noch?), ist auch quantitiv an der Länge der Rede ablesbar, daß nur ein Nichteinheimischer dermaßen viel Information auf einem verhältnismäßig kurzen Streckenabschnitt zwischen Bad Oeynhausen und Porta Westfalica sprechen kann.

Hier schneits immer noch. Wenn schon kein berühmter Sommer, dann wenigstens ein westfälischer Jahrhundertwinter.

Ich hatte neulich zum ersten Mal Physiotherapie, und ich war doch sehr überrascht, daß ein Fachmann dem Gewebe am Rücken ansieht, ob man mal was an der Lunge hatte und ob man regelmäßig Menstruationsbeschwerden hat, und was für welche. Nächste Woche geht es weiter, und ehrlich bin ich ganz froh, daß endlich mal Fachleute mit meiner Wirbelsäule befaßt sind. Interessanterweise ist man zunächst darum bemüht, die Beschwerden zu zentralisieren, d.h. vor allem tut der Rücken jetzt wieder mehr weh, als fast gewollte Begleiterscheinung. Na, das soll mir mal keine Schule machen! Wer geht schon zum Arzt, und als erstes erwartbares Behandlungsergebnis verschlechtern sich die Symptome...

So gehts:

Mondnacht

Es ist, als hätt' der Himmel
Die Erde still geküßt,
Dass sie im Blütenschimmer
Von ihm nun träumen müßt'.

Die Luft ging durch die Felder,
Die Ähren wogten sacht,
Es rauschten leis' die Wälder,
So sternklar war die Nacht.

Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus,
flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.

Joseph von Eichendorff


Das kann einem schonmal in den Sinn kommen, wenn ein überdrehter Halbmond völlig klar und fast taghell ins Zimmer scheint und einem das Herz fast zu eng vorkommt für das, was drinne ist.

Mittwoch, 11. Februar 2009

Erkenntnisse der vergangenen 10 Tage:

1. Man kann nicht anders, als die Witterungslage der letzten drei Monate zusammenfassend als "Winter" zu beschreiben, ganz im Gegensatz zu den Vergleichsmonaten der anderen beiden hier erlebten sog. Wintersemester.

2. Also, das 5. Semester war schneller zuende, als es angefangen hat. Und nicht, weil nix passiert ist! Hauptstudium ist toll, alleine schon weil die ganzen als blöd und öd erschienenen Konstrukte aus dem Grundstudium endlich einen Sinn ergeben, weil sie mit Leben gefüllt werden, weil sie eine basale Daseinsberechtigung haben!

3. Anders ausgedrückt: das alte (veraltete, altmodische) Diplomsystem birgt eine Reihe Vorteile. Die Nachteile (Selbstorganisation, fehlende äußere Struktur) sind m.E. vorhanden; allerdings sollte von jemandem, der erfolgreich als Psychologe arbeiten möchte, mit Recht erwartet werden können, daß er die als nachteilig empfundenen Hürden bezwingt und dabei selbst wächst.

4. Es ist nicht alles schlecht am Bachelor-/Mastersystem, es scheint nur gewisse Tendenzen eher zu verstärken: durchmogeln geht wohl kaum mehr, also brechen frühere Durchwurstelexperten eher ab. Die, die nicht selbständig denken können und/oder wollen, gabs vorher auch schon, aber die kommen jetzt leichter durch. Und die Klugen, die Guten, die, die nicht nur Scheine zählen, die werden jetzt auch zurechtkommen. Sich dabei an anderen Problemchen reiben als die Diplomstudierenden, dafür Verbesserungen entdecken. Und Karriere machen.

5. Jetzt ringe ich mich endlich durch, mich für ein Stipendium zu bewerben (klein, aber tausend Öre haben oder nich haben), und da fällt es allen anderen auch ein, sich zu bewerben...und in der neuen Studiengebührensatzung ist es jemandem mal aufgefallen, die studentischen VertreterInnen in den Studiengebührenverausgabungsgremien von den Gebühren freizustellen (wie es Fakultätskonferenzmitgliedern und dergleichen für einmal im Monat Ärmchen heben schon seit jeher zusteht)...und eigentlich sind die, die gebührenbefreit sind, wiederum nicht beim Studienfonds OWL stipendiumsberechtigt...aber ich machs trotzdem. Und wenn ich dann so eine blöde Absage bekomme, dann schicke ich die ganze Bewerbung, so wie sie ist, an die Studienstiftung des deutschen Volkes und schreibe dazu, daß ich mich frage, was man als engagierter und überdurchschnittlicher Student eigentlich noch alles tun muß, um endlich die Förderung zu kriegen, die man, zumindest der eigenen unmaßgeblichen Meinung nach, tatsächlich verdient hat.

6. Spaß machen wortwörtlich ins Englische übersetzte Redewendungen:
I think I spider.
Go where the pepper grows.
This is now not true!
Look to that you country win!

7. Neuer Rekord: drei Jeans in einer Dreiviertelstunde. Und dabei: neues Störungsbild samt dazugehöriger Intervention lokalisiert - die PRÄtraumatische Belastungsstörung, auch andernorts als Vor-leiden oder prophylaktisches Ningeln bezeichnet. Tritt bei antizipierten, möglicherweise traumatisierend verlaufenden Negativereignissen auf und führt bei den Betroffenen fast immer zu Gereiztheit, unkontrollierbaren Weinanfällen und schlimmsten Befürchtungen. Wenn man das antizipierte Negativerlebnis vermeidet, indem man beispielsweise den Jeanskauf so schnell so erfolgreich wie möglich sich entwickeln läßt, kann eine Chronifizierung meist vermieden werden. Ob die positive Verstärkung in Form der erfolgreichen Einkäufe zu einer Abmilderung der Symptome bei späteren vergleichbaren, antizipierbaren Ereignissen führt, muß in anderen, größeren Stichproben unter Kontrolle möglicher Kovariablen wie Intelligenz, Alter und Geschlecht noch abgewartet werden. Trotzdem können diese preliminary results erstmal freudig begrüßt werden.

8. Das Paper vom Cheffe über die 100 Gesunden und viele Interaktionen, das ich gefühlte 20mal konstruktiv mit hilfreichen Anmerkungen versehen und korrekturgelesen habe, wurde angenommen, und womit? Mit Recht!

9. Ja, ja, die pädagogische Psychologie hat mich. Ist das ein Verein! Und im Vergleich krieg ich mit, daß ich mich wohl echt für den richtigen Prüfer mit noch halbwegs gescheiter Prüfungsliteratur entschieden habe (eigentlich ist es ja nur der Prüfer, bei dem sonst keiner Prüfung macht, und bei meinem Jahrgang ist der Professor weitgehend unbekannt), denn bei den anderen muß man lauter Gedöns machen, während mein Büchelchen verhältnismäßig dünn ist. Aber eben wieder in der Bib - und anders als vor anderthalb Jahren fühle ich mich jetzt eher einer der Dinosaurier, obwohl kaum bis keine Jüngeren (spätere Semester) drinsitzen - die haben gar keine Prüfung grad. Aber trotzdem...

10. Für mich ist übrigens auch eine sehr coole Jeans abgefallen, die mir bislang vor allem Komplimente eingebracht hat.

11. Fortsetzung folgt...wahrscheinlich.

Montag, 2. Februar 2009

Ui, schon wieder ein neuer Monat :-)

Der Februar soll und wird voll und ganz unter dem Stern der pädagogischen Psychologie stehen, und der Teufel soll mich holen, wenn ich auch nur eine Minute nicht in der geliebten Bibliothek sitze!

Am letzten Freitag war nun also der langerwartete Posterkongreß, und ich muß sagen, wir Tutoren können uns ordentlich auf die Schultern klopfen, denn das positive Echo war umwerfend, während sich die Kritik sehr konstruktiv an unvorsehbaren Details festmachten. Und es war wirklich toll: Poster an Poster standen die aufgeregten Studierenden und erklärten, was das Zeug hielt, während die anderen herumgingen und sich erklären ließen, was das Zeug hielt. Auch allerlei Dozenten tummelten sich im Bad der Menge und stellten Fragen. [Erklärung für Outsider: Im dritten Semester führen die Bsc-Studenten unter engmaschiger Anleitung eine eigene Studie durch. Darüber machen sie dann ein Poster, das nunmehr auf einem "Kongreß" nicht nur den anderen Gruppen der jeweiligen Arbeitseinheit, sondern auch allen anderen präsentiert wird - wie auf einem richtigen Kongreß. Das heißt über den Tellerrand gucken, ich interessiere mich dafür, was meine Kommilitonen im letzten Semester getrieben haben und Dozenten gucken, was die Grundlagenfächer so mit ihren Studenten treiben.] Vor allem aber war es gedacht als eine Art Semesterabschlußveranstaltung, an der man mal so richtig sehen kann, was man so geschafft hat. Und das ist richtig gut gelungen, und das fand ich gut.

Dann Feedback fürs Empra, das natürlich wie immer war, außer daß da ein paar sehr kluge, sehr nachdenkende Menschen dabei waren, diesmal - meines Erachtens eine Folge der Bachelorisierung des Studienganges; denn egal wie schlecht man den Bsc mit Recht finde, aber wer sich spezialisieren will, kann das viel besser tun als im Diplom, ohne zusätzliche Veranstaltungen besuchen zu müssen, und in aller Regel verbessert das entsprechend bereits frühzeitig erworbene Vorwissen die Neuaufnahme von Wissen (das muß ich für Päpsy wissen). Mein persönliches Empra besteht übrigens zentral aus den Worten Sag rechtzeitig bescheid, bevor du fertig wirst, damit ich ein DFG-Projekt für dich aus dem Boden stampfen kann. Damit du endlich nach Duisburg kommst. Duisburg, immerhin, eine Stadt am großen Fluß mit sehr großem Hafen, und zur Uni gehört ein 7-Tesla-Magnet.

Am Wochendende war lunatischer Besuch hier, und das war natürlich schon sehr aufregend, daß es die beste Freundin endlich mal ins Herz Ostwestfalens geschafft hat! Da die Stadt sehr dankbar gegenüber knapp bemessener Zeit ist und wir uns im Zweifel lieber nicht hetzend durch vermeintliche oder tatsächliche Sehenswürdigkeiten gejagt haben, dürfte Luna nicht so viel von Bielefeld gesehen haben. Aber ist das schlimm, wo es die Stadt ja sowieso nicht gibt? Am Freitag waren wir im Jivino, wo ich seit einem denkwürdigen Abend nie wieder war, was ich sofort als unerläßliche Sünde einstufen mußte, so nett und anheimelnd und lecker und freundlich ist es da. Am Sonnabend mußte die Berlinerin erstmal ausgiebig shoppen gehen. Für mich fiel auch links und rechts was ab: CD-Radio (fürs Bad; kann sogar MP3-CDs und direkt vom MP3-Player spielen); zwei Oberteile in knallpetrolblau. Fürs Patenkind wurde ein sehr cooles Kinderbuch von Nadia Budde gekauft, mit sehr schönen Reimen drin und etwas ungewöhnlichen Gesichtern. Jetzt muß ich das Geldausgeben wieder ein bißchen einschränken, zumal ich mich nach der Päpsy-Prüfung auch ein wenig mit Urlaub belohnen möchte. Jedenfalls setzte sich der Sonnabend mit einem leckeren Sherryhuhn nebst langwierigem Mariokart-Spielen bei der Prinzessin fort, was ja auch nicht die schlechteste aller Sonnabendabendbeschäftigungen darstellt. Auf dem Heimweg ein kleines meteorologisches Wunder: bei der Prinzessin ausm Haus raus schneits, aufm Parkplatz vorm Wohnheim knallekalter klarer Himmel über uns. Am nächsten Morgen Schneefall (bißchen), aber für Bielefelder Verhältnisse würde ich auf jeden Fall vom dritten echten, maßgeblichen Schneefall der Saison sprechen. Und in die Uni natürlich, da war auch noch Originale [pdf], also auf, und an unserer Lieblingsstehcafete gabs nicht nur Kaffee (sonntags!), sondern auch Tischtücher und Blumengebinde und überhaupt... so war der Plan, gleichzeitig die Uni zu zeigen und dabei nicht ZU mitleidsvolle Blicke ernten, weil es so hoffnungslos verloren und einsam und überhaupt aussieht... und schon ist so ein Wochenende wieder vorbei.

Habe heute schnell das Babyklappenreferat schriftlich zusammengekloppt, interessantes Thema, das hier auch mal besprochen werden könnte, aber nicht jetzt vielleicht. Will den Schein für das Seminar und die Prüfung halbwegs gut machen und dann von pädagogischer Psychologie nichts mehr hören und sehen, zumindest solange sie sich mit der Motivation von Studierenden befaßt.

Ich schreibe hier nicht mehr viel, stimmt, liegt daran, daß ich weniger zurück und immer mehr nach vorne blicke... und leider für die kleinen Beobachtungen weniger Zeit finde, sie dauerhaft zu registrieren und niederzuschreiben. Was diesen Part betrifft, gelobe ich Besserung.

Dienstag, 27. Januar 2009

Typisch:

Das passiert einem normalen Berliner einmal in zehn Jahren. Wirklich. Hunde, deren Haufen und die Besitzer findet er häufig durchaus lästig, aber selten läuft er Slalom, noch seltener läuft er gegen Laternen infolge in-Haufen-treten-Vermeidung und noch viel seltener tritt er trotzdem hinein.

heute hoher besuch:

- der Chefneurologe von Mara/Epilepsiezentrum Bethel schenkte uns seine vermutlich kostbare Zeit, um "unter Kollegen" was über Magnetresonanztomographie zu erzählen. Was ihn mir sofort sympathisch machte, war seine ungespielte, vielleicht sogar ungewollte Juvenilität sowie die ungezwungene Art, sehr adressatenorientiert, sehr unarrogant fachwissentlich über MRT-Bildgebung und Neuroanatomie zu erzählen. Als Einstieg wählte er sehr gelungen eine Art heiteres Strukturenraten (da steh ich ja voll drauf!), und das ist auf MRT-Bildern mal eine andere Hausnummer als auf den hervorragenden Abbildungen in Gehirn und Verhalten. Da in Mara naturgemäß Epilepsiepatienten operiert werden, die eher Temporallappenepilepsie haben (weil das gleichzeitig die lokal eingrenzbare Epilepsie ist, die medikamentenresistent ist) und dann allermeistens der Hippocamous und/oder die Amygdala dran glauben müssen (Gedächtnis, Emotionen), kennt sich der Experte natürlich vor allem und ganz ausgiebig mit dem Hippocampus aus - das ist so ein kleines, geringeltes Dingelchen am Rande des Temporallappens, gar kein richtiger Cortex, weil nur 3-5schichtig, besteht aber aus dicht oder locker gepackten Neuronen und allerlei Untereinheiten, und, Freunde, ich habe da nur eine winzige graue eingerollte Wurst gesehen. Der Neurologe sieht da aber allerhand und erzählt vor gebildeten Laien darüber, als hätte er gestern ein schönes Auto gesehen. Nein, als würde er sich an die Formel herantasten, mit der man das geheime Wissen der Frauen wird entschlüsseln können. Und gleichzeitig, obwohl wir teils irrtümlich als Experten betitelten Zuhörer nicht mal das frontale Operculum zweifelsfrei identifizieren konnten, schafft er es so dermaßen unarrogant, seine neuroanatomischen Perle vor unsere psychologischen Säue zu werfen, daß man an die alten Gräben zwischen Ärzten und Psychologen wiedermal so recht nicht glauben kann. Inzwischen gibt es wahrscheinlich weniger Standesdünkel und mehr Pragmatismus bei den Ärzten, die in entsprechenden Bereichen das Wissen und Können von Psychologen durchaus zu wissen schätzen. Jedenfalls endlich wieder eine sehr schöne, wissenserweiternde und über pures Fachwissen hinausgehende Erfahrung darüber, daß Denken mit Vorwissen echt Spaß macht.

Sonntag, 25. Januar 2009

... und weiter gehts -

Schön, was man alles so für Leute kennt - approbierte und/oder promovierte Psychologen beiderlei Geschlechts zum Beispiel, mit denen man möglicherweise Mahlzeiten einnimmt und ständig denken muß/kann Auweia, jetzt sitze ich mit approbierten und/oder promovierten Tanten und/oder Onkels beim Essen, und alle, die uns sehen, wissen das gar nicht. Die denken, wir sind alberne und/oder angekicherte Studentinnen oder H&M-Verkäuferinnen. Einer von diesen Verrückten hat sich ja unlängst berufen lassen, was vor allem eine kilometerlange Email-Signatur zur Folge hat, in der die Begriffe Professor und Direktor eine große Rolle spielen. Demnächst werde ich wohl für ein paar Tage nach Duisburg reisen, um Hilfskräfte einzuarbeiten. Das finde ich sehr schön, denn erstens weiß ich gerne, wie es bei Leuten, die ich mag, aussieht, zweitens kann ich endlich der viel zu kleinen Sammlung Städte in Deutschland, die ich persönlich kenne, eine weitere hinzufügen, und drittens wird es wohl nicht schaden, sich vor Ort mal ein wenig umzutun.

So, die Charité will mich. Oder, anders ausgedrückt, dank der offenbar großartigen und verdienten Reputation des Blogbruders wird mir der Praktikumsplatz bei der einzigen echten klinischen Neuropsychologin der Neurologischen Klinik quasi hinterhergeworfen. Bloß der Wunschtermin geht nimmer, also wird das Praktikum doch eher den Ausklang des Studiums begleiten. Die Schlinge wird enger. Anders als im Vordiplom, wo es ja letztendlich immer schnuppe war, was rauskommt, will jetzt schon genau überlegt sein, was man wann macht, vor allem, wo das meiste ungeliebter Tinnef ist, wie sich heute beim ersten (noch!) keuschen Blick ins Päpsy-Buch zeigte - blabla, Unterrichtsformen, Forschungsmethoden, Intelligenz usw. Bäh! Das Buch richtet sich DIREKT an werdende Lehrer *schüttel* also, Zeit läuft. Morgen geh ich zum Prüfer, Spezialthema besprechen, und ich hoffe, mein Plan geht auf: cooles Spezialthema = Glaubhaftigkeitsgutachten/Familienrecht = Vernachlässigung des langweiligen blablas.

Mehr Informationen gibts erstmal nicht. Es gibt so unglaublich viel zu tun - Poster... Referat kommt noch eines... arbeiten... PRIVATLEBEN... ooh, der gameboy ;-) das Buch die Musik die Freundin und die Schwester... Leute, hier ist was los. Gottlob ist das keine auch noch aufregende Stadt, da kriegte ich Herzkreislauf. Aber Hallo.

spät, aber ich wurde angehalten

endlich wieder was zu schreiben, also los.

Heute also ein epileptischer Anfall direkt an der Kasse, in seiner Bedeutungslosigkeit sicherlich sehr typisch. Jemand wird sehr sicher sehr bald umkippen, und niemand ist ohne direkte Ansprache in der Lage, denjenigen aufzufangen. Dann wird aber sehr schnell Aktionismus in Form stabiler Seitenlage, Cola und Beine-hoch entwickelt, selbst nachdem relativ kompetente Personen, darunter der Betroffene selbst, die Unnotwendigkeit solcherartiger Schritte verkündet haben. Die Erwähnung des Wortes "Epilepsie" löst gleichsam eine Sekundärstarre aus, innerhalb derer nicht mehr vernünftig reagiert werden kann: Epilepsie=ganz schlimm=Notarzt=egal was andere sagen.

Schnell den Rest erzählen, bevor Müdigkeit einen zwingt, das Schreiben abzubrechen:

Für Päpsy angemeldet.
Haufenweise, gutscheineinlösend Zeug bei amazon&thalia bestellt.
Poster unterstützt.
Die Prinzessin verfügt nicht nur a) über einen Oldtimer-Gameboy, auf dem ich immer beeindruckendere Ergebnisse im Supermarioland absolviere,
nein, auch b) über eine Wii, wo man hervorragend mit entsprechenden Fernbedienungen MarioKart spielen kann, und da bin ich AUCH schon ziemlich gut drin, und Spaß macht es auch noch.
Neulich habe ich erstmals in meinem Leben nach zehn Minuten einen Film abbrechen lassen, weil ich es überhaupt nicht aushaltbar fand. Ich bin wohl kaum ein Filmtyp, was auch immer einen dafür qualifizieren mag.

Muß Musik hören.

Donnerstag, 15. Januar 2009

Kurze Zusammenfassung:

1. Allgemeine Info: Nach zwei Jahren hat das via-Blog-Informationsbedürfnis evtl. nachgelassen, zusätzlich ist der informationenfreisetzende Freizeitanteil inzwischen stark gesunken.

2. Obwohl der eher größere Teil des Hauptstudiums und vor allem die damit assoziierten Prüfungen noch vor mir liegen, fühle ich mich wie "fast fertig" und plane entsprechend.

3. Ich will mich ja in meinem Praktikum der klinischen Neuropsychologie widmen. Da ich mich gleichzeitig gerne meiner Heimatstadt widmen möchte, zumal es so gar nicht ausgemacht ist, daß ich nach dem Studium dorthin zurückgehen kann, habe ich mich, auf entsprechende Empfehlungen hin, in der Charité beworben, wo ich mit offenen Armen empfangen werde, bloß der Wunschtermin geht nicht. So kommt es, daß ich mein Reststudium nochmal neu umstrukturiert habe und im Herbst geh, nicht ohne vorher die Prüfung in klinischer Psychologie zu machen.

4. D.h. am Ende des Jahres bin ich WIRKLICH fast fertig.

5. Unfaßbar.

6. Was wurde alles nicht berichtet: Das Empiriepraktikum hat jetzt Daten eingegeben und rechnet fleißig. Wie immer gibt es mannigfaltige Enttäuschungen infolge Unsignifikanzen. Meine private Erkenntnis aus diesem Empiriepraktikum (zitiere sehr wörtlich den Chef): Studierende sind manchmal seltsam. Alles, was einem an Bedenken kommt, egal WIE unsinnig sie einem erscheinen mögen, solle man sofort als Bedenken äußern. Lieber einmal zuviel, als daß man sich hinterher ärgert.

7. Meine inzwischen nicht mehr arbeitgebende Arbeitseinheit hat vorgestern endlich die längst fällige Weihnachtsfeier veranstaltet. Das war komisch: Im letzten Jahr (also streng: vorletztes Jahr) war ich noch so neu, so aufgeregt, so gehemmt, daß ich von dem großen Privileg ungezwungenes Zusammensein buchstäblich nichts hatte. Nun wars so, daß es so, wie es war, sicherlich nicht mehr sein wird. Bei der nächsten Weihnachtsfeier könnt' es gut sein, daß die meisten Leute nicht mehr dabeisind. Aber egal: Nichtschwimmer, leckeres Essen und Rotwein, und HJM erzählt ungezwungen Anekdoten aus aller Welt. (Ich übertreibe nicht. Wirklich aus aller Welt.) Später kramt der Neuprofessor ganz zufällig das Weihnachtsgeschenk iPhone heraus, das dann natürlich für eine Reihe Demonstrationen neuer technischer Errungenschaften herhalten muß. Zentral dabei der permanent mögliche eMail-Abruf. (Man kann es sich schönreden, vermutlich. Bei meinem eigenen Telephon nervt mich schon die Akkuleistung, wenn man es dafür benutzt, wofür man es eigentlich hat: zum telephonieren.)

8. Ich habe IMMER NOCH NICHT mit der Päpsy-Prüfung angefangen, und das nicht nur due to Ohrenentzündung (weiter unten). Der Plan 2010 sieht ja super aus, aber es braucht nicht energischer, entschlossener und williger Personen, die Ziele formulieren, umsetzen und suaber erreichen, sondern das bin ich ganz alleine, ja.

9. Infolge einer, aber das konnte ich am Anfang nicht wissen, Ohrenentzündung, habe ich endlich den Hausarzt meines Vertrauens, wie ich ihn mir seit vielen Jahren wünsche, ausgemacht und gleich festgezurrt. Man ist ja, was Ärzte angeht, einiges an Kummer gewöhnt: schnepfige Sprechstundengehilfinnen, lange Warte- und diametral entgegengesetzt kurze Abfertigungszeiten, blöde Rezepte bei schlechter gefühlter Anamnese. Nun alles anders: Entschuldigung für lange Wartezeiten (weil ohne Termin). Entschuldigung für die erforderliche HON-Überweisung (mit dem Hörrohr kann ich die sensiblen Trommelfellbereiche nicht sehen), die allerdings telephonisch-persönlich-ans-Herz-legend erfolgt. Entschuldigung, quasi, für: ich möchte ein guter HAUSarzt sein. Und beim HNO setzt sich das Drama fort: Kommen Sie lieber einmal zuviel, wenn irgendwas ist... Ui, da hat der Zimmermann gut geschaut... Das müssen wir ernstnehmen (was nicht heißt, daß jetzt irgendwelche Antibiotika wahllos verschrieben werden, nur weil was entzündet ist)... d.h. ärztemäßig schwebe ich grad im siebenten Himmel, und das soll fortgesetzt werden durch baldige Beendigung der Halswirbelsäulenblockade, die ich seit mindestens fünf Jahren mit mir spazieren trage und für die ich endlich eine Überweisung und den festen Willen habe, beim Orthopäden einen Termin auszumachen.

10. Mein sehr umgeräumtes Zimmer gefällt und bekommt mir sehr gut.

11. Es ist leider schon wieder vorbei, aber hier war es sehr Winter. Für OWL gefühlt: ausreichend für drei weitere Jahre. Alle verfügbaren Wasserflächen waren zugefroren, und es hat mich bei einem Ausflug nach Brönninghausen, wo es eine kreative Mühle gibt, durchaus überrascht, wie viele Ostwestfalen über ein benutzbares Paar Schlittschuhe verfügt und - vor allem! - in der Lage sind, dicht an dicht in relativ hoher Geschwindigkeit um einen fiktiven Mittelpunkt herum unfallfrei Schlittschuh zu laufen. Mich hätts ausgehebelt. Dafür saß ich mit der besten - EVER! - denkbaren Begleitung an dem alten Mühlrad, wo die Kälte lange attraktive Eiszapfen an den Wasserfall gezaubert hatte, und trank draußen in Kälte und Sonne Milchkaffee.

12. In einem gewissen Sinne war dieser für OWL-Verhältnisse SEHR erwähnenswerte Kälteeinbruch memory-triggering für damals-Zakopane (2005), für die kalten Winter Ende der neunziger, das schweinekalte Silvester-Prag 1995, das ebensokalte Silvester in Wien 2001, wo wir vorher noch in Mörbisch/See nach tollem, aber verfrorenen Spaziergang durch spiegelglatte Sumpflandschaft auf der Festivalsinsel im Fernsehen - als Deutsche knurrig geduldet - einen der vier legendären Hannavald-Siege sahen, für WANN IMMER es ganz klar ist, daß man Mütze-Schal-Handschuhe anhat, weil das Zeichen vor der Temperatur ein - ist.

13. Das einzige, was noch schwieriger sein dürfte, als eine Beziehung zu führen, in der beide völlig gleichberechtigt ihren jeweiligen beruflichen, privaten und eigenen Interessen nachgehen und trotzdem immer, für beide adäquat, füreinander im richtigen Ausmaße da sind, ist wahrscheinlich, ohne all das trotzdem umfassend und ohne Einschränkung alleine glücklich sein. Das muß man sich immer wieder sagen, wenn man mal wieder den Kreis quadratieren möchte. Und gleichzeitig scheint es gar nicht so schwer zu sein, eine adäquate Beziehung zu führen, wenn man nur dem anderen einfach mal zuhört und nicht immer nur das eigene Wohl in den Vordergrund stellt.

14. Langsam wird mir bewußt, daß das erste Ziel für nachm Studium wahrscheinlich nicht Berlin sein wird. Das streßt mich wesentlich weniger als die Vorstellung, nachm Studium den gleichen Job zu machen wie vorher, was in Berlin auch ginge. D.h. langsam, aber sicher manövriert es mich in eine "Oho, ich werde einen ernstzunehmenden Beruf ausüben" Richtung. Beachtlich, or?

Donnerstag, 8. Januar 2009

Zweimal Musik

Input:

James Blunt - you're beautiful
Dido - all you want
R.E.M. - you're in the air
James - out to get you
The Beatles - do you want to know a secret
Aretha Franklin - a natural woman
Eric Clapton - wonderful tonight
Herbert Grönemeyer - halt mich
Placebo - my sweet prince
Rio Reiser - für immer und dich
The Cranberries - dreams
U2 - everlasting love
The Cure - just like heaven
Elvis Presley - fever
Tracey Chapman - for my lover
Alanis Morissette - head over feet
Madonna - crazy for you
The Verve - lucky man

Output:

Coldplay - strawberry swing
Lou Reed - I love you
Eartha Kitt - just an old fashioned girl
Norah Jones - my dear country
Robbie Williams & Nicole Kidman - somethin' stupid
Feist - my moon my man
Jason Mraz - I'm yours
Radiohead - jigsaw falling into place
Herr Nilsson - sex im forumhotel
Thomas D. - rückenwind
Element of Crime - mehr als sie erlaubt
MIA. - tanz der moleküle
Pola -breathe
R.E.M. - try not to breathe
radiohead - last flowers to the hospital
Portishead - all mine
The Cardigans - and then you kissed me 2
Moloko - the time is now

Montag, 5. Januar 2009

Eine Lanze für Martin Schmitt

Höchste Zeit wird das, und daß das jetzt grad, einen Tag vor dem Dreikönigsspringen in Bischofshofen, eher so aussieht, als spränge ich noch eben auf den Ich hab ja immer an den Martin geglaubt-Zug auf, ist mir klar. Ich hab auch nicht all die vielen Jahre, sechs oder wieviel, an ihn geglaubt, ich habs ihm und mir bloß immer gewünscht, daß er den Code nochmal knackt und wieder als letzter vom Tisch geht, ganz nach vorn. Selten hab ichs mir angeschaut - erst Sven Hannawald weg, dann Knie-OP, dann nichts mehr, nur immer die Meldungen: nicht qualifiziert, nicht im zweiten Durchgang, nicht dabei. Grenzenlos meine Enttäuschung, daß er 2005 in Zakopane nicht dabei war, grenzenlos meine Bewunderung dafür, daß er nie aufgegeben hat. Immer sich gequält, immer wieder den endlosen Fragen nach der Form, dem Sprungstil, dem Material, der psychischen Verfassung ausgesetzt, und man sah es ihm doch an, daß er es auch nicht wußte, warum er von Schanzen purzelte, auf denen er den Schanzenrekord hält, warum er die, denen er damals die Meter abgenommen hat, immer noch aufs Podest steigen sieht - von ganz weit weg. Und doch geht er immer wieder hoch. Sechs Jahre lang. Jetzt lese ich vor der Tournee, er werde als Geheimtip neben den haushohen Favoriten und Saisondominatoren Loitzl, Amman, Schlierenzauer gehandelt. Fast ungläubig, icke. Und plötzlich muß ich es wieder sehen, fühlen: Vier-Schanzen-Tournee. Ungeliebtes K.O.-System, aber schönes Wetter. Und dann ein Martin Schmitt schon in Oberstdorf auffällig. In Garmisch auf Platz drei nach dem ersten Durchgang, fällt dann bissel zurück. In Innsbruck, dieser verfluchten Anlage mit dem kreuzigen Auslauf, dann, mit einem unglaublich Satz, der die versammelte Elite schlichtweg düpierte, Erster nach dem ersten Durchgang. Was hieß, daß er im zweiten als Letzter runterging. Wie früher. War ich aufgeregt! Daß es dann Platz 3 und (noch) nicht der lang herbeigesehnte Sieg war - die Enttäuschung konnte man ihm ansehen. Und doch ist dieser Podestplatz so wichtig, vielleicht wichtiger als ein Sieg gewesen - dieser Martin hat in Garmisch-Patenkirchen und in Innsbruck die Rechnungen der Favoriten tüchtig durcheinandergewirbelt, und daß ihn das wieder zusammenfügt, zeigt sich in der heute von ihm gewonnenen Qualifikation in Bischofshofen. Das heißt: er geht morgen wieder als Letzter runter, im ersten, und ich hoffe natürlich, auch im zweiten Durchgang. Und bringt das alte Bibelwort heim, das da heißt: Die Letzten werden die Ersten sein. Ich werde ihm natürlich sehr die Daumen drücken, bloß schauen kann ichs nicht, leider.

Also, Martin: hupf' morgen weit und schön, ja?


Freitag, 2. Januar 2009

U-Bahn-Diagnose: Ja oder Nein?

Das betrifft uns als Psychologen ja auch: was mache ich eigentlich, wenn ich jemanden sehe, den ich einer DSM-VI-festen Diagnose zumindest verdächtige? Lernen wir im Studium genausowenig, wie wir wissen, daß wir im Umfang unseres Studiums der Schweigepflicht unterliegen, wenn uns jemand als "angehenden Psychologen" in einer kniffligen Sache um Rat fragt. Dabei gibt es während des Studiums (außerhalb von Fallseminaren und Praktika) kaum mehr Situationen, in denen man mit seinem künftigen Stand konfrontiert ist.

(Stand meint: wenn im Fernsehen ein Autounfall oder ein Flugzeugabsturz gezeigt wird und sich jemand dazu äußern soll, wie es den Betroffenen jetzt wohl gehen mag, dann steht immer Diplom-Psychologe unten am Rand, und der Diplom-Psychologe äußert dann immer erstaunliches wie die Hinterbliebenen stehen unter Schock und die Hinterbliebenen sollte man jetzt besser in Ruhe lassen, und das verführt eine Fernsehstation niemals dazu, die Hinterbliebenen in Ruhe zu lassen, aber der Diplom-Psychologe hat gesprochen. Stand heißt, wenn der Diplom-Psychologe spricht, sagt er das, was eigentlich alle denken, aber mit gefühltem professionellen Hintergrund.)

Was mache ich also, wenn ein guter Freund sich offensichtlich in einer Major Depression befindet? Wenn jemand so viel grübelt, daß man über eine generalisierte Angststörung nachdenken sollte? Wenn sich jemand in der U-Bahn mit seinen Stimmen unterhält? Wenn ich dieselbe Person schon wiederholt im Klo in der Uni dabei getroffen habe, wie sie sich übertreiben und aufwendig die Hände wäscht? Wenn eine Kommilitonin alle Anzeichen einer Eßstörung aufweist? Wenn man also, aufgrund des erworbenen Fachwissens, eine Macke, einen Spleen, viel besser von einem klinisch auffälligen Verhalten differenzieren kann als der sterbliche, nicht mit einem Psychologiestudium gesegnete Normalbürger?

Ehemalige Kommilitonen beiderlei Geschlechts, die inzwischen - wo und wie auch immer - ihrem professionellen Tagwerk nachgehen, würden wahrscheinlich anmerken: es ist nicht so schlimm wie bei Medizinern, aber trotzdem hat man einen furchtbar professionellen Blick, den man, je nach zugrundeliegender Interessenausrichtung, nicht so schnell loswird - daher werden einem öfters Menschen auffallen, die vermutlich mit einer potentiellen Diagnose herumlaufen. Andererseits lernt man im Studium, daß eine Diagnose sorgfältig und aufwendig gestellt sein will - auch wenn das im Klinikalltag sicher auch nicht immer gemacht wird und Anfänger auch noch die entsprechende Erfahrung missen lassen - daß es also mit U-Bahn-Diagnosen schlecht aussieht. Aber trotzdem - hat man Verantwortung? Oder im Gegenteil - geht man ein großes Risiko ein, entsprechende Hinweise zu geben? Im privaten Bereich wird das eher ja noch problematischer. Schnell wird einem nachgesagt, die studiert Psychologie, und schon werden einem irgendwelche Auffälligkeiten angehängt.

Der klinische Professor hat in der Vorlesung gesagt, was er mit den Händewaschleuten macht: er fragt die, Sie wissen aber, daß man das behandeln lassen kann?

Aber an sich muß man da wohl selber drüber nachdenken. Gut, in den allermeisten Fällen wird man keine Angst vor einer Schadensersatzklage haben müssen - schließlich wird mich weder ein völlig Fremder noch ein guter Freund nach erfolgter doch-noch-Diagnose verklagen, daß ich als Psychologiestudierende oder später Psychologin ja schließlich hätte wissen müssen. Neben all den anderen, vornehmlich steuerlichen, unterhaltlichen oder schweigenden Pflichten existiert mitnichten eine diagnostische Pflicht. Über den ethischen Gehalt oder die moralische Pflicht von Diagnosen sollten zukünftige Fachleute im Studium aber eventuell nachzudenken lernen.

Mittwoch, 31. Dezember 2008

2008:

Das Unterwegs-und-manchmal-ankommen-Jahr.

Angekommen an der Zwischenhürde Vordiplom, drübergewetzt und gleich an der Haupthürde Diplom gekratzt, mit einer sehr guten Vorlage und brauchbaren Empfehlung für die Zeit nach dem Diplom.

Angekommen im dritten Lebensjahrzehnt und damit in einer Vorstellung von mir selbst, die erwachsener, selbst-bewußter ist als jemals zuvor.

Angekommen in Bielefeld, sicherlich nicht die schönste, aber auf jeden Fall auch nicht die schlimmste aller Wahlheimaten, mit diesem Teutoburger Wald und den fünfminütigen Fußwegen zur Freundin, zur Schwester, zur Arbeit, zur Straßenbahn und diesen unterm Strich doch sehr putzigen Ostwestfalen, die zumindest einen großen Teil meiner Belustigung verursachen, wenn ich mich nicht gerade bös über ihre tüdelige Stoffeligkeit ärgern muß.

Angekommen sind zwei, die eigentlich nie weg waren, aber dann ein kleines bißchen doch. Einmal Potsdam, einmal Mörbisch. Das ist doch ein recht großartiges Gefühl, daß man sich auch nach vielen Jahren was zu sagen hat, wenn man durch unsichtbare Bande verbunden ist.

Angekommen in einem Kitschfilm namens große Liebe, in welchem die Protagonisten vergeblich darauf warten, daß der jeweils andere die aus früheren Beziehungen bekannten Macken zeigt bzw. entwickelt, und sich, damit sie sich überhaupt mal kabbeln können, immer schön den schwarzen Peter in puncto Kitschseele zuschieben.

Was kam neu rein:

Norah Jones
Feist
Arctic monkeys
MIA
sowie einige neue Alben, zum Beispiel von Coldplay und REM.
Allerlei an Büchern, vor allem katzundgoldt-Comics.
Hosen und Jacken sowie, um diese endlich artgerecht unterzubringen, ein Kleiderschrank.
Für die artgerechte Eigenhaltung: ein Bett.
Fürs Ego: erster Kongreßbeitrag.

Jetzt also Kopp hoch und voran - 2009 wartet schon. Das sollte ja das Jahr für Herrn Nr. 9 werden, ain't it?

Sonntag, 28. Dezember 2008

Das Schönste an Weihnachten ist immer, wenns vorbei ist

Ich weiß nicht, ob es an der eigenen Weihnachtsbiographie, am fortschreitenden Alter, an der Abwesenheit von nachwachsenden Familienmitgliedern oder am mangelnden Eventcharakter infolge mangelnden Glaubens liegt, oder ob man einfach nach der siebenten Adventszeit, dem siebenten Weihnachten im Einzelhandel die Faxen dicke hat von Geschenksucht, Konsumrausch, Kaufzwang und Weihnachtsmusik in jeglicher Erscheinungsform - sei es jazziges Jingle bells, swingiges Driving home for christmas, klassiges Last christmas oder poppiges Rudolph the red-nosed rendeer.

Ich habe auch das Gefühl, daß die Leute heute anders heimfahren als noch vor ein paar Jahren. Da waren die Züge am 23., vielleicht noch 24. vormittags voll. Letzten Donnerstag drängelte ich mich in Minden am 1. Feiertag in Minden mit einer schieren Schar Heimreisewilliger in den IC, so daß wieder nur Wagen 9 Rettung bot, nachdem ich in Wagen 3 beinahe in eine Prügelei geraten war, weil Niederländer in den Niederlanden dem Rat des niederländischen Schaffners gefolgt waren und nicht die Freigabe ihrer reservierten Plätze verlangt, sondern statt dessen andere, mit Tischchen versehene Plätze eingenommen hatten, die dann ab Minden reserviert waren und deren Freigabe natürlich verlangt wurde.

Überraschend- und unglaublicherweise wurde ich schon wieder vom Zug abgeholt und verspeiste im Anschluß an die nur zu Weihnachten derart problemlose Parkplatzfindung (Ford Transit; Simon-Dach-Straße) einen Apfelstrudel mit Sahne, der vor lauter Sahne praktisch nicht zu sehen war. Praktisch, weil ich Apfelstrudel eigentlich gar nicht so mag. Und dann ging es nach Köpenick, inzwischen schon traditionell, zum Geburtstag. Überall sprangen Kurze herum, und obwohl es seit dem letzten Jahr noch gar nicht mehr geworden sind (wenngleich auch zwei in preparation - oder heißt das submitted?), kam es mir sehr quirlerig vor. Simon entschied sich beim ins-Bett-gehen dafür, die vom Weihnachtsmann geschenkten Lego-Steine mitzunehmen, nicht ohne zuvor ungefähr fünfzigmal gesagt zu haben Heute dürfen wir länger aufbleiben. Am Ende zeigte sich, daß eine Taxifahrt von Köpenick zur Box88 inzwischen 19 Öre kostet, das war auch schonmal weniger!

In Oranienburg gab es hervorragende Entenkeulen und selbstgeschnittenen Rotkohl und einen großen Tannenbaum und dann noch einen, mit Kamin, und kalt wars draußen und drinnen für Empfindliche zu warm. In Oranienburg muß ich immer ganz schlimm berlinern, oder wie der Dialekt heißt, der in Oranienburg gesprochen wird. Aber irgendwie hätte ich sonst, glaub ich, das Gefühl, eine andere Sprache zu sprechen, und dann müßte ich mich immer viel mehr konzentrieren.

Nach dieser Kurzvisite begab ich mich wieder ins ruhige Westfalenland, um mich gestern den von den mindestens drei freien und in Familie eingesperrten Tagen irre gewordenen Horden entgegenzuwerfen. Also ein Adventssonnabend war ja nix dagegen! Und wenn ich nicht auf so einen trostlosen, einsamen Feierabend hätte gucken müssen, hätte ich bestimmt auch nicht noch beim Kassenannehmen und -nachzählen geholfen und das blinkende Telephon im Spind ignoriert. Dann steht da die Prinzessin schon Stunden draußen im Schnee und wartet, wo mir doch umfängliche Aktivitäten noch in der Kaffeepause ins Telephon geflunkert wurden! Das war natürlich ein sehr versöhnliches Holzkopftagende. (Das mit Schnee und Stunden ist natürlich leicht übertrieben gewesen!)

Heute haben wir die Lieblingsschwester und deren verrückte Freundin von der Eisenbahn abgeholt und, weil wir noch nicht wußten, wie verrückt die zusammen sind, zum Essen ausgeführt. Naja, in den Schloßhof gehen wir ja eh nicht so oft, in einem halben Jahr können wir uns da vielleicht wieder blicken lassen. Und danach mußte ich auf der Wii Mario-Autorennen spieln, mit sonem Lenkrad für die Fernbedienung. Und was soll ich sagen, es war sehr, sehr lustig, und wir haben auch jeder mal gewonnen. Bin ja nicht immer gegen alles neue und moderne!

Rest zusammengefaßt:

Habe eine original katzundgoldt-Bleistiftzeichnung geschenkt bekommen, und wenn sie aufgehängt ist, werde ich das entsprechende Photo, wo man dann eh auch das schöne neue Bett und so sehen kann, hier reinstellen. Ich weiß gar nicht, wie man mit Originalen so umgeht, wenn man sie nicht in einem blöden Rahmen töten will? Aber wenn ungerahmt, dann nach drei Monaten bei mir speckig. Bei Büchern reichen ja schon Minuten, auch wenn gar kein Lachsbrötchen in der Nähe ist.

Langsam stellt sich das Gefühl ein, hier in Biele (in meinem neu eingerichteten Zimmer; in der Nähe der Prinzessin; mit der Schwester) endgültig zuhause zu sein und in Berlin endgültig zu Gast.

Looking forward for 2009; für einen Menschen wird es hoffentlich schon per nomen zu DEM Jahr.

Sonntag, 21. Dezember 2008

Entrecor und Trüffeln, Curry bei Konnopke, Lammkeule in Oranienburg, Sushi im Zug

Klingt nach den Kulinarika eines ganzen Monats?

Fahr mal ein Wochenende nach Berlin und lasse dir die dortigen Essensdüfte und -gerüche auf die Papillen spülen!

Schön: mit Kegelverein und Preußens Oberschaffner sowie nur ausgewählten Personen akustisch zugänglichen Gesprächen hinter uns im IC nach Berlin fahren. Die zehnminütige Verspätung wird zwischen Wolfsburg und Spandau wieder reingeholt und auf dem Ring zwischen Spandau und Berlin Hbf (tief) wieder zusammengestanden. Aus der S-Bahn heraus erste Eindrücke vermittelnd, nimmt das Drama seinen Lauf.

Der Untermieter ist der perfekte Gastgeber, bereitet das Schlafsofa und schenkt sogar Handtücher aus. Mit dem Geburtstagskind und dessen teils angeheirateten, teils angeborenen und teils verschwägerten Anhängen geht es in ein maßvoll angenobeltes italienisches Ristorante in der Wühlischstraße, das nach einem mir völlig unbekannten Filmklassiker mit Sophia Lorén, die dann auch visuell recht präsent war, benannt ist. Misére und noch irgendwas, ich weiß nicht. Ich weiß aber, daß der Signore ohne Umstände im nächsten Pate-Film authentisch hätte mitspielen können. Obwohl er an sich sehr gut deutsch sprach, hatte er die ganze Zeit genau diese Sprachmelodie, Körpersprache und Syntaxfehler in seiner ansonsten schwarzlockig, nach hinten gegelten Erscheinung, daß man ihn sich nicht anders als auf eine sizilianische Olivenplantage wünschen konnte. Das Essen war ohne jede Untertreibung phantastisch, aber das gekonnte, gleichzeitig professionelle und ungespielte Engagement des kleinen Familienbetriebes machte es zu einem allen Sinnen zugänglichen Erlebnis.

Am Sonnabend schnürt die Prinzessin die Sieben-Meilen-Stiefel, um mit den wichtigsten biographiebezogenen Brennpunkten nebst zeitgeistkoloritdurchdrungenen Kommentaren konfrontiert zu werden. Satz des Tages dabei unzweifelhaft: und da habe ich auch mal gewohnt. Und ich schwöre, daß wir nicht mal an allen ehemaligen Wohnorten vorbeigekommen sind! Also umziehen scheine ich ja ganz gerne zu machen, jedenfalls lass' ich keine Gelegenheit aus.

Was muß man tun? Alexanderplatz mit diesem neuen Gebäude (erst ist da ein Loch, und dann plötzlich ist das Haus fertig. Was war eigentlich dazwischen? Und vor allem: was stand da vorher?) und ohne all die grünen Inseln, dies da vorher gab, und keine Jugendlichen mehr, die da am Brunnen der Völkerfreundschaft Sternburg trinken, und ein Weihnachtsmarkt, der die Prinzessin zum Kopfschütteln ob der Einstufung des Alexanderplatzes als gefährlicher Ort bringt. Dann Fernsehturm von unten und Starbucks - ich übrigens nicht, nicht mal aus purem Widerwillen, sondern vor Angst, dem entsprechenden Fragenkatalog nicht gewachsen zu sein. Dann zu Fuß weiter, nur um festzustellen, daß es mittlerweile fünf oder so Weihnachtsmärkte gibt, wo früher einer war. Ganz früher: da, wo jetzt Alexa ist. Sonst nirgends in Mitte. Jetzt: Da, also hinterm Alexa, und außerdem am Neptunbrunnen, am Opernpalais, in der Sophienstraße und sonst überall auch. Da wir ja Currywurst essen müssen, da wir für den Abwärtsvergleich freitags extra noch Currywurst in der Mensa gegessen haben (lecker, aber nicht Currywurst), fahren wir nach Prenzlauer Berg zu Konnopke. Da ist es voll und lustig und lecker. Unglaublich lecker. Später noch ein Weihnachtsmarkt in der Kulturbrauerei - sehr sehr schön. Erinnere mich daran, daß ich dortselbst vor ca. 2 1/2 Jahren im Maschinenhaus POLA entdeckte.

Abends wieder und immernoch Geburtstagsfeier. Wenige, aber sehr liebe Gäste. Plötzlich rauchen alle, fast alle wieder *mal*, trotz Eiseskälte. Lustigerweise geraten wir beim eigenen Gastgeber, nachdem wir eigentlich müde ins Bett wanken wollten, in eine Topflappenboxerei im gastgebenden Flur und müssen uns mit den Halbstarken nochmal in die Küche begeben, also es war wie immer. Sonntags sehr, sehr schön und lecker in Oranienburg, und im Zug wird dekadent Sushi verspeist, mit Stäbchen natürlich.

Die Prinzessin ists zufrieden, und ich bin es auch. Weihnachten nochmal kurz, und dann weiß man wieder nicht, wann man hinkommt. Aber bald. Tut sehr gut, Berlin.

anhören:

Just as you take my hand
Just as you write my number down
Just as the drinks arrive
Just as they play your favourite song
As the magic disappears
No longer wound up like a spring
Before you've had too much
Come back and focus again

The walls abandon shape
You've got a cheshire cat grin
All blurring into one
This place is on a mission
Before the night owl
Before the animal noises
Closed circuit cameras
Before you're comatose

Before you run away from me
Before you're lost between the noise
The beat goes round and round
The beat goes round and round
I never really got there
I just pretended that I had
What's the point of instruments
Words are a sawed off shotgun

Come on and let it out
Come on and let it out
Come on and let it out
Come on and let it out

Before you run away from me
Before you start unravelling
Before you take my mic
Just as you dance, dance, dance

Jigsaws falling into place
There is nothing to explain
Regard each other as you pass
She looks back, you look back
Not just once
Not just twice
Wish away the nightmare
Wish away the nightmare
You've got a light you can feel it on your back
You've got a light you can feel it on your back
Jigsaws falling into place

radiohead

Montag, 15. Dezember 2008

Was es noch an Überraschungen gibt und gab:

1. Heute morgen träumte ich unter anderem davon, daß ich meinen Schlüssel verlor, aber im Laufe des Tages eine Frau in die Bibliothek kam und mir sagte, ich könne ihn am Jahnplatz abholen. Wo dort, sagte sie nicht, und ich kam im Verlaufe des Traumes auch nicht mehr dazu, das herauszufinden und den Schlüssel abzuholen.
2. Nach dem Aufwachen dachte ich, daß ich ohne Schlüssel gar nicht ins Büro komme.
3. Wachte dann richtig auf.
4. Ein Psychotherapeut sagte beim Mittagessen dazu, das scheint ja ein Thema zu sein bei dir, mit dem Schlüssel.
5. Das Referat macht sich immer noch nicht von selbst, und morgen ist Vorbesprechung. Es ist noch nicht richtig fertig, tja, wenn man über blöde Dinge referiert, lernt man aufblasen, wenn man über interessante Dinge referiert, lernt man vor allem weglassen.
6. Heute zu Gast im Pflegekinderseminar: Einer vom Jugendamt Bielefeld, aus dem Pflegekinderdienst. Sehr beeindruckend, sehr authentisch, und was mir vor allem gefallen hat, war, daß der Mann zu seinen Ansichten und seinem Tun 1A gestanden hat - ich weiß, das darf das Jugendamt vom Gesetz her nicht so restriktiv handhaben. Aber wir machen das. Und ich wußte nicht, gar nicht, daß wir hier in Bielefeld das beste Jugendamt Deutschlands haben, was den Umgang und den Erfolg mit Pflegekindern angeht. Also nicht nur mechanisch, auf einer Versorgungsebene, sondern auch psychosozial, nachhaltig gedacht. Nicht nur gucken, daß die herausgenommenen Kinder irgendwie bei Bewußtsein 18 werden, sondern daß sie so wenig Probleme wie möglich, soviel Betreuung wie nötig bekommen, daß man sich am Anfang vielleicht mehr Mühe macht, um später mit ihnen weniger Probleme zu haben. Das hat mich sehr erfreut und beeindruckt.
7. Das ist eine sehr, sehr schöne Liebeserklärung, die zudem völlig ohne das Wort Liebe auskommt und deshalb auch jedweden Kitsches entbehrt. Kitsch führt immer die Liebe im Mund, bei Kitsch werden die belanglosen Sachen in den Vordergrund gerückt, während das Wesen der Dinge im Verborgenen bleibt. Nur weil man weinen muß, ist es noch lange kein Kitsch, und nicht aller Kitsch löst weinen aus. [Habs leider nicht auf deutsch mit der unvergleichlichen Anke Engelke gefunden.]
8. Es gibt im Internet Foren, wo man sich über fragwürdige, unbekannte, einen anrufende Telephonnummern verständigen kann. Klingt komisch, ist aber praktisch, wenn man plötzlich Anrufe aus Kolumbien bekommt. Aha, kann man dann denken. Soso.
9. Damit wird auch verständlich, warum Frauen lieber auf Sex als auf Internet verzichten würden. Vom Partner wird man ja kaum erfahren, wem diese merkwürdige kolumbianische Telephonnummer zugehörig sei.
10. Das wars mit Überraschungen.

Sonntag, 14. Dezember 2008

Auch SEHR wichtig:

und soll auch nicht nebenbei abgehandelt werden im dritten Eintrag heut: telephoniert man zweimal, kriegt man zweimal gute Nachrichten und freut sich zweimal mehr auf Berlin nächste Woche. Einmal: wer will nicht gerne Teilhaber, richtiger Chef sein, auch wenns noch mehr Arbeit ist? Schon allein, um endlich ohne schlechtes Gewissen eine Putzfrau haben zu dürfen. Und damit sich die jahrelange Plackerei mal gelohnt hat.

Definitiv MEIN Satz des Tages, wenn nicht des Jahres war: In euerm Alter darf man ruhig aus Vernunftgründen heiraten. Und das meine ich auch so. Und ich arbeite ja an meiner angeblichen Kitschseele - natürlich hab ich fast heulen müssen. Und Satz Nr. 2 und 3 war "Du kennst mich ja" und "Du kennst ihn ja" - und da war Satz Nr. 1 noch gar nicht gefallen... Ich freue mich sehr und wünsche auch auf diesem Wege alles gute.

Natürlich habe ich keine Kitschseele, woher auch!

MIA

Ich bin hier weil ich hier hingehör'
Von Kopf bis Fuß bin ich verliebt
Du bist mutig weil du mir Treue schwörst
Zwischen all den schönen Souvenirs

Sprich mich an in einem Takt
der dieses Lied zu unserm Hit macht
Brich den Beat
mit Gefühl

Du bist so schön, weil du lachst

Mein Herz tanzt
Und jedes Molekül bewegt sich

Glaubst du wie ich daran
daß alles gut sein kann
solange wir zusammen sind

Brich das Eis mit dem Schritt
der jedes Atmen zum Wagnis macht

Halt mich fest mit Gefühl
Es ist so schön wenn du lachst

Mein Herz tanzt
Und jedes Molekül bewegt sich

Und jedes Positron entlädt sich
Und jedes Wort verbiegt und dreht sich

Mein Herz tanzt
Mein Herz tanzt
Mein Herz tanzt

Ich glaub' da ist ein Weg!

Oder: Spazierengehen im Westfalenland

Das geht nämlich so: Es ist ja Naturschutzgebiet hinterm Zweischlingen, und deshalb will man ja aufm Wege bleiben. Also wählt man den Weg, den man sieht. Der ist aber nach ca. 10 m verschwunden, und man stapft durch knietiefe Laubansammlungen. Hoch zum Fernmeldemast möchte man gerne auf Serpentinenwegen sich schlängeln, aber die gibts nicht. Querfeldein und hoch-den-Berg wird den Gelenken klargemacht, daß sie durch noch ab und zu was tun dürfen und noch nicht ganz eingerostet sind. Plötzlich steht man vor einer original westfälischen Brücke, und man fragt sich:

Was, wozu, wohin führt das? Sicher gehört auch das unfallfreie Überwinden umgestürzter Birkenstämme beim Erklimmen von fernmeldemasttauglichen Gebirgen zu den adaptivsten aller Verhaltensweisen, selbst und auch gerade im Westfalenlande... und Brücken können dabei durchaus von Nutzen sein. Aber nur vollständig! Liebe Westfalen, das ist jetzt vielleicht bitter, aber einer muß euch ja die Wahrheit mal sagen: eine derartige Brücke ist nicht nur unsinnig, weil sie ins Nichts, ja ins Bodenlose führt! Sie ist sogar gefährlich, weil sie Sicherheit vorgaukelt, wo man besonders aufmerksam sein sollte. Von oben ist das Drama im vollständigen Ausmaße sichtbar:

...und schwupp hat man sich nämlich die Haxen gebrochen!

oben jedenfalls der langweilige Fernmeldemast, der allerdings sympathisch genug ist, von überallher gut gesehen zu werden, wenn man auf Bielefeld zufährt. Sympathiefaktor trotzdem sehr jenseitig des berliner Fersehturmes. Logo.

Allerdings befand sich zuvor ein vermutlich attraktiver Aussichtsturm an der Stelle, der zu Ehren des zufälligerweise gleichzeitig stattfindenden Dreikaiserjahres mit der dem damaligen Namensvergabebrauch anhaftenden Originalität Dreikaiserturm genannt wurde. Daran erinnern ein paar alte Steine sowie eine Tafel, in die entsprechend mahnende Worte geschnitzt sind, die man von dem Zaun aus, der das Fernmeldegelände umgibt, aber nur mit Adleraugen oder dergleichen entziffern kann.

Hui, ganz schön hoch, von wo wir ohne schlimme Zwischenfälle wieder runtergeklettert, um nicht zu sagen -gerutscht sind.

Aber, wie so oft, wenn man im Gebirge zugange ist, Belohnung winkt in Form des schönen Blicks ins Tal, auch wenn der Glast auf der Ebene liegt wie der morgendliche Nebel auf einem sommerlichen See in Finnland.


Was muß noch schnell erzählt werden:

Niedlichkeitspreis des Monats geht an die vierjährige Tochter der Bürogenossin der einzigen Prinzessin, die sich in meinem Leben tummeln darf:

Es wird erklärt, wie das Leben so geht - erst Kindergarten, dann Schule, dann Universität, wenn man zum Beispiel Arzt werden will, oder eine Ausbildung, wenn man zum Beispiel Krankenschwester werden will, und dann sagt das Kind "Und wo muß ich hingehen, wenn ich Prinzessin werden will?"

(Noch lustiger ja eingentlich die völlig korrekte, aber pädagogisch zumindest fragwürdige Antwort der Mutter "Da mußte heiraten!")

Mehr später oder morgen oder nächste Woche oder überhaupt irgendwann.

Donnerstag, 11. Dezember 2008

Was dabei rauskommt, wenn man endlich Weihnachtsgeschenke kaufen will

... und wenn man gleichzeitig verrutschte Streifen zurechtrücken muß. Und ein Referat über psychosoziale Belastungen bei zerebralen Anfallsleiden und andere neurologischen Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter vorbereitet, wobei man feststellen muß, daß man Abstriche machen muß, weil es einfach viel zu viele Epilepsiesyndrome im Kindes- und Jugendalter gibt, die alle anders sind, anders verursacht und mit jeweils anderen Medikamenten mit entsprechend anderen Nebenwirkungen behandelt werden, und somit keine Zeit mehr hat, auf die berühmten anderen neurologischen Erkrankungen einzugehen - falls man es überhaupt jemals schafft, die Epilepsien ausreichend abzuhalten.

Gestern war Weihnachtscafé - d.h. kontrolliertes Glühweintrinken und Kekse essen mit dem Lehrkörper. Schön ist es, die nachwachsenden Psychos zu beobachten - wie waren wir denn vor zwei Jahren, vor einem Jahr? Schön auch, die nachwachsenden Professoren und Mitarbeiter zu beobachten. Die kochen ja auch nur mit Wasser, wie ich inzwischen zu wissen glaube. Was die erkennbar voraus haben, ist Zähigkeit, Wissen, Lernbereitschaft und - meistenteils - Coolness. Ich würde sogar behaupten, daß der Neue in der Klinischen seinen Ruf vor allem seiner einzigartigen Mischung aus nichtjovialer Jungenhaftigkeit, extrem breiten Fachwissen, persönlichem Engagement und der Fähigkeit, mit netten Menschen nett und mit unnetten Menschen so konstruktiv wie möglich umzugehen, zu verdanken hat. Insgesamt für mich schon amüsant: erst an der Auswahl qua Berufungskommission maßgeblich beteiligt, dann nahezu ehrfürchtig in der sehr guten Vorlesung lauschend, dann beim Mittagessen über möglicherweise unbotmäßige Witze lachend und beim Kaffee Vorschläge fürs Kolloquium machend.

Schon zwei Tage her, aber man kommt ja zu nix, war jedenfalls der Chef hier und überreichte mir, kaum verspätet, mein Geburtstagsgeschenk (große Freude!). Es handelt sich um Drachenläufer von Khaled Hosseini, was wohl auch verfilmt ist, und es ist sehr schön und furchtbar traurig. Jedenfalls wird auch gefrat, ob mit der Prinzessin alles noch am rechten Fleck sei, ob ich neue Schuhe hätte und ob ich nicht zum April fertig sein will, dann würde er mich nach Duisburg auf'ne Doktorandin-Stelle holen. Holla, in zwei Jahren vielleicht, dachte und sagte ich. Aber Danke. Gibts auch nicht alle Tage, nich?

Also, heute in der Stadt, gehe ich zu JPC - haben ja keine kleinen Plattenstores mehr hier. Also ist der Plan, JPC so stark wie möglich zu schädigen bei gleichzeitig größtem Nutzen für mein eigenes CD-Regal - ergo werden nur verbilligte Scheiben gekauft, und zwar heute Norah Jones und MIA. Und im Thalia wollt' ich Geschenke kaufen, aber es hat nur für zwei Bücher gereicht, die für mich sind. Wahrscheinlich, wenn ich mich selber übers Jahr genug beachte, kann ich Weihnachten auch großzügig sein, aber dieses Jahr nicht.

Hab Haare geschnitten gekriegt. Und gekocht, lecker. Und in zwei Etappen die Kommode völlig selbständig zusammengebaut. Und lese Drachenläufer fast ohne zu weinen. Und schwänze - endlich - Päps. Und lasse mir die Streifen zurechtruckeln, auch von Ferne. Und höre - dahinschmelzend - Norah Jones. Und lasse mir nicht unterkriegen, nicht hier.

Nächste Woche endlich Berlin, und mit der besten Prinzessin von allen.

Freitag, 5. Dezember 2008

... fortsetzung...

Also, wir sind ja mittendrin in der Weihnachszeit, und das zieht immer zeitliche Rattenschwänze nach sich. Durch die Stadt bummeln? Überall Stände, an denen überteuerte, heißgemachte flüssige und feste Nahrung feilgeboten wird. In den Geschäften wird man, falls man es nicht ohnehin ist, wenn man nur hineingeht, auf der Stelle wahnsinnig. Den Angestellten in den Geschäften gegenüber benimmt man sich ambivalent-unsicher, also zunächst dünste man seine glühweingeschwängerte Ausatemwolke über den Tresen, um dann ratlos nach der hunzigen EC-Karte zu fingern, nicht ohne Überraschung über die so schnell erfolgte Bezahlaufforderung zu zeigen. Befindet man sich mit mindestens drei anderen schwarzhaarigen Jungen in einer Shopping-Gemeinschaft, unterhalte man sich so laut wie möglich unter Fortlassung so vieler Pronomen und Präpositionen wie möglich über so langweiliges Zeug wie möglich, und kaufe am Ende je eine Dose Haarwachs. Mädchen sollten sich so laut wie möglich über ihre BH-Größen und die entsprechenden Probleme, einen passenden BH zu finden, unterhalten, denn alle anderen Menschen im Laden konnten sich bislang überhaupt nicht einfühlsam in dieses Problem einfühlen, weshalb sie entsprechende Konflikte auch nicht angemessen antizipieren und schon gar nicht intervenieren konnten.

Genug über die zahlende Kundschaft gemeckert. Weihnachten geht ja eigentlich immer noch ganz gut. Oster- und Herbstferien sind, zumindest in OWL, viel schlimmer.

Ich freue mich schon sehr auf den Staatsbesuch, den ich der Hauptstadt in zwei Wochen in Begleitung der Prinzessin abstatten werde. Kulinarisch würdiges Empfangen wurde bereits angekündigt. Nun muß es nur noch schneien und/oder sehr kalt sein, und ich kann die Hauptstadt angemessen und authentisch präsentieren.

Vorher werde ich das bereits erwähnte Referat über psychosoziale Belastungen bei Kindern und Jugendlichen und ihren Familien bei zerebralen Anfallsleiden und anderen neurologischen Erkrankungen beim putzigsten aller Professoren halten. 17, wenngleich chaotisch-unorganisierte Folien hab ich schon. Zauberhände malten schöne um-die-Ecke-Pfeile in die aus dem Internet gekl-äh als Inspiration dienende Graphik über verschiedene Epilepsien, gleichzeitig (was der Clou ist) nach Anfallsarten und Lokalisation klassifizierend. Über die Folie kann ich dann 10 Minuten reden, das spart weitere vier Folien. Immerhin, wenn man erstmal in die (von mir zunächst relativ ungeliebte) Epilepsie eingestiegen ist, tut sich ein weites, spannendes Feld auf. Es gibt offensichtlich haufenweise (und vor allem bei Kindern und Jugendlichen) Syndrome, die überhaupt nichts oder nicht viel mit dem bekannten großen Anfall zu tun haben, von dem wahrscheinlich jeder irgendein Bild hat, weil man entweder tatsächlich dabei war (wie alle Mädels und Jungs am Kieselstrande der Donau nördlich von Budapest im Sommer 1994) oder weils spektakulär im Fernsehen visualisiert wurde oder weil man drüber gehört hat von einem, der einen kennt, der es mal gesehen hat. Daß ein hyperkinetischer, schwerverstehender und schwerverständlicher Junge eine Epilepsie, und zwar das Lennox-Gastaut-Syndrom hat, ist, wenn die Diagnose erstmal erfolgt ist, nicht besonders aufregend. Aber nicht alle verhaltensanstrengenden Jungen bekommen gleich ein EEG angehängt. Ach, wie soll ich in den 90 Minuten überhaupt erschöpfend über Epilepsien UND andere neurologische Erkrankungen reden? Das heißt von vornherein Fasse dich kurz, wobei man den großen Überblick trotzdem erwerben muß (sonst weiß man ja gar nicht, was man weglassen kann - aber nach einer Kosten-Nutzen-Rechnung sollte man bei einem FoV*-Seminar, wenn man die FoV schon gemacht hat, eigentlich eh nicht fragen.

Was absolut zauberhaft ist und warum es sich allein schon lohnt, über verschlungene Wege das Privileg des mit-Professoren-Mittagessengehen zu erwerben, ist dabeizusein, wenn ausgebildete Therapeuten über Patienten erzählen. Da der entsprechende Professor auch frei in der Vorlesung entsprechende Geschichten erzählt, kann ich hier darüber reden, ohne irgendein T3-Schweigegelübde zu brechen (doch, sowas gibts!). Zitat von heute: Zwangsgestörte, da bleibt einem nur: bekloppt. Und: selber ist man auch schon auf dem Weg. Das ritualisierte Mittagessen führe zu merkwürdigen, unruhigen Empfinden am Sonntag um viertel eins. Plötzlicher, absoluter Hunger bricht herein; es ist viel zu spät, mithilfe von Kochen o.ä. diesem Hunger begegnen zu können - und schließlich: müssen WIR um viertel eins kochen? In der Uni? Nein, bloß anstehen.

Morgen gibt es Ente bei der Lieblingsschwester. Da bin ich ja mal gespannt! Und die Kommode ist noch immer unaufgebaut, weil ich heute zuungunsten von Feierabend auf die Prinzessin wartete und mit ihr den Sounds-Nachfolger antesten mußte (damit der Überblick über die aktuelle gastronomische Lage stets Aktualität bewahrt!), und morgen wird das auch nix, also Sonntag, als ideale Prokrastination um das Referat herum. Falls ich jemals dazu komme, verspreche ich mal ins Blaue beweiskräftiges Photomaterial - falls nicht, verspreche ich das auch, aber halte das nicht.

Was heute auch schön war - Nachricht vom Wahlrheinländer, auch wenn die Nachricht nicht nur gut war. Auf diesem Wege (fast) unbekannterweise Genesungswünsche ins Spital!

Begriff gesucht & mehr

Wie nennt man eigentlich Leute, die einem - bei absolutem Mistwetter - ein Auto leihen und fahren, an Station 1 ein Bett vom Haus ins Auto tragen, mit dem Auto - zum zweiten Mal in zwei Wochen - zu IKEA fahren, dort tonnenschwere Kleiderschrankkisten in den Wagen hieven und den Hotdog auch noch selber zahlen, das Ganze dann im Wohnheim vier Treppen hinaufschleppen und dann auch noch, nachdem sie das Auto - durch das anhaltende Mistwetter - zur Uni zurückgefahren haben, zurückkehren, um mit großer Freude einen Kleiderschrank aufzubauen?

Nun habe ich es endlich, und dann auch noch gleichzeitig, geschafft, mich mit Bett und Schrank zu versehen. Klingt ein bißchen spooky, aber das Bett kommt mir viel größer vor, obwohl sich doch die objektive Matratzengröße überhaupt nicht geändert haben kann, da es ja sogar dieselbe Matratze ist, die draufliegt. Schön jedenfalls, so ein Bettchen, und was für ein Gefühl, morgens die Beine aus dem Bett rauszuschwingen, auf den Fußboden zu stellen und dann sich nur noch aus dem Sitz zu erheben!

[Fortsetzung folgt...]