Dienstag, 26. Oktober 2010

Der Ethikantrag als Multiplikator

Habe in der letzten Woche ein Dokument namens Diplomarbeit erschaffen und im leeren Dokument schonmal den Zeilenabstand auf doppelt und die Seitenränder auf 2,6 cm (DGPs-Manuskriptrichtlinien - sicherlich der wichtigste Punkt!) eingestellt.

Habe anschließend ein Titelblatt entworfen sowie leere Blätter für Danksagung, Zusammenfassung und Abstract eingerichtet.

Habe weiterhin die Einleitung grob in thematische Einheiten untergliedert und jeweils stichwortartig Anliegen hingeschrieben, die irgendwann im Laufe des Prozesses der Manuskriptwerdung ausformuliert und mit Belegen hinterlegt werden wollen. Irgendwann vor dem 8. Februar 2011 wohlgemerkt.

Habe dann lustlos in einem weiter hinten liegenden Anliegen (bloß nicht mit dem ersten Satz anfangen, dann fängt man nie an!) begonnen, Sätze auszuformulieren, nur um eine Woche später (also heute) festzustellen, dass man (ich) diese Sätze getrost und verlustfrei wieder löschen könnte (sollte. 

Hatte dann also schon ca. 497 Wörter zusammen.

Am Wochenende ist mir dann eingefallen, dass ich ja vor einem Jahr schonmal einen Ethikantrag zu dem Thema geschrieben habe! Da steht doch alles drin!

Habe dann heute also aus dem Ethikantrag die Blöcke für die zentralen Anliegen der Studie per Strg+C und Strg+V in das Dokument Diplomarbeit übertragen.

Und so:


[zum Vergrößern einfach anklicken]

Mittwoch, 20. Oktober 2010

Erstaunliches

Die deutsche Leitkultur ist also eine christlich-jüdische.
Hmm. Beispielsweise die Familien- und Gleichstellungspolitik huldigt ja nicht gerade christlichen Werten. Abgesehen von den leidigen wann-beginnt-schützenswertes-Leben-Debatten haben Frauen deutlich mehr Rechte, als ihnen in den traditionellen Überlieferungen zugestanden werden, oder?
Und woher kommt eigentlich das "jüdische" in den Verlautbarungen? Das "jüdische" in unserer Vergangenheit, das "wir" gerne diskriminiert, ausgelacht oder vernichtet haben? Gut, ist schon 'ne Weile her, und heute können wir nicht mehr sagen, dass wir nur Christen haben wollen im Land. Dann könnte man die DDR-Nachkommen auch gleich wieder ausbürgern.

"Christlich-jüdisch" klingt für mich also wie: Nicht-Islam.

Neulich gab es eine Studie (hier auf sz-online), dass sich türkische Jugendliche ja so unglaublich gerne integrieren würden und Deutsche als Nachbarn haben wollen, aber bei ihren unermüdlichen Bemühungen stets zurückgewiesen werden würden. Dem kann ich nur entgegnen, dass eine größere Gruppe türkischer Jugendlicher beiderlei Geschlechts einem ganz schön auf die Ketten gehen kann. Vor allem wenn man nicht weglaufen kann, also auf der Arbeit oder in der Straßenbahn. Das trifft allerdings auch auf größere Gruppen deutscher Jugendlicher zu, wenn die einen entsprechenden Stefan-Erkan-Sprech pflegen, und ist somit unspezifisch. Aber dass man keine Sympathien zu Personen aufbaut, die einen als Schweinefresser oder wahlweise (bei Damen) als Schlampe titulieren, ist doch auch nicht besonders verwunderlich.

Eine berliner Lehrerin mit dem schönen Namen Mechthild Unverzagt hat auf einem passenden GEW-Kongress passende Worte gefunden (hier in einem Tagesspitzelartikel nachzulesen).

Ich sitze seit einiger Zeit an meiner Diplomarbeit und habe das entsprechende Dokument bereits mit über 400 Wörtern füllen können! Die meisten davon sind allerdings der Titelseite und dergleichen gewidmet und somit im derzeitigen Stadium unwichtig. Es ist unglaublich schwer, auch nur einen Satz zu Papier (bzw. zur Tastatur) zu bringen. Ich habe jetzt mit meiner alten Skript-Methode, einfach irgendwo mittendrin anzufangen, begonnen, und bin bereits jetzt sicher, dass die heutigen Sätze die ersten sind, die dereinst gelöscht werden müssen. Aber allem Anfang wohnt nicht nur ein Zauber inne, sondern auch, bevor der Anfang überhaupt begonnen hat, die Angst vor dem Anfang. Deshalb: Anfangen, bevor es zu spät ist! Dieser Rat ist kostenlos.

Ein Haufen Besuch kommt auf uns zu. Das ist sehr cool, denn bislang war die Menge der Personen, die sich hier nach Ostwestfalen verirrten, weitaus überschaubar. Und jetzt kommts Schlag auf Schlag. Gleich nächstes Wochenende der Herr Papa samt charmanter Begleitung, abgelöst von der Lieblingsfreundin und neuestem Nachwuchs. Dann kommt der frischgebackene Ökonom auf Urlaub, und wenn alles gutgeht und wir großes Glück haben, kommt Ende November auch die Modedesigner-Journalisten-Family mit einem kleinen Valentin vorbei. Unterm Strich ist das deutlich mehr Besuch als in den vergangenen vier Jahren. Überm Strich übrigens auch.

Sonntag, 10. Oktober 2010

Nordsee: Kaum bist Du da, ist sie weg! [II]

Das Siebhaus oberhalb des Hafens und vor dem Deich - bei Sturmflut ist es eingeschlossen. Das muss aber nicht schlimm sein, sofern es zufällig gerade geöffnet hat. Das kulinarische Angebot in der alten Krabbenwäscherei ist nämlich spitze, was den Apfelkuchen betrifft. Wahrscheinlich hätten wir dort auch netter gegessen als im gegenüberliegenden Deichgrafen, wo die Bedienung die Diskrepanz zwischen Eigenanspruch (vier Sterne plus) und dem Niveau der Gastschaft, das man notgedrungen in Kauf zu nehmen hat (Halbpensionsgäste, Internetreservierer) in Zeit, die der Gast unnötig bei sonst fast aufdringlichem Service abwarten muss, umsetzt.

 

Im Siebhaus sitzt man allerdings nicht gepolstert, und den Service muss man sich auch selbst machen. Dafür weiß man ja eigentlich fast immer, was man will.


Steine grau, Himmel grau, dazwischen das Watt, na? Auch grau. Die Fahrrinne wird mit grauen Bäumchen markiert. Schlick, wohin das Auge reicht. Dafür kein Rauschen, keine Wellen, keine Gischt. Nur Wind, wie es sich für ein Meer geziemt.


Blick auf einen Krabbenkutter, im Hintergrund picknickt eine Bollerwagengruppe auf der Deichkrone.


Ein anderer Leuchtturm, der außer Dienst ist und seinen Ruhestand hier neben dem Krabbenhafen von Dorum verbringt. Gedient hat er draußen in der Außenweser, und dann wurde er mit Schleppkähnen hierhergebracht, restauriert und schwarz lackiert, damit er keine Kennung mehr hat (eigene Interpretation). Leider konnte man nicht rein, aber bis zur Wendeltreppe kam man trotzdem.


Und so sah das Dorumer Aalbrötchenparadies gegen Ende der Saison von oben aus (im Vordergrund der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer): 


Man kann also direkt an der Nordsee im Wohnwagen sitzen. Bei Springflut sollte der Motor allerdings rasch anspringen! Und windig war es auch sehr. Mein persönliches Fazit: Nach der Prüfung ist so ziemlich jeder Ort geeignet, um rauszukommen. Im Wurster Land kann man prima Krabben essen und sich ordentlich durchpusten lassen; zudem liefern die nahen Häfen ausreichend Schiffe fürs fernwehe Auge. Wenn man jedoch (Achtung, Wortwitz!) Meer will, sollte man woanders hinfahren. Dahin, wo Wellen an den S-trand trecken und das Meer immer da ist (und vielleicht auch mal die Sonne scheint!).

Nordsee: Kaum bist Du da, ist sie weg! [I]

So steht der Deich vor einem. 8,50 Meter Deichkrone über NN, und es hat allein zwischen Cux- und Bremerhaven an die zwanzig Jahre gedauert, das Ding so hochzuziehen. 


Auf dem Deich weiden Kühe und angeblich auch Schafe (haben wir keine gesehen; keine Deichlämmer :-(), weil das die Grasnarbe beieinander hält und das Erdreich feststampft. Was macht man aber, wenn die Kuh direkt vor dem Tor steht, durch das man durchwill?


Einfach weitergehen - die Kuh geht weg, wenn man sich nähert... Übrigens: Wenn Euch Berlinern mal wieder so ein Landei erzählen will, dass man seinerzeit auf den Dörfern nachts zum Küheschubsen gegangen sei - das ist natürlich Quatsch, der vom Städter absolut angemessen auch sofort angezweifelt wird: "Echt? Das geht? So eine Kuh ist doch viel zu schwer, und warum sollte sie im Stehen schlafen, wenn sie sich sogar zum bloßen Verdauen gerne hinlegt, und zwar, wie aufgeklärte Städter wissen, vorzugsweise in Nord-Süd-Richtung!"


Das ist der kleine Preusse, der kleinste Leuchtturm der deutschen Nordseeküste. Ob es irgendwo anders an der Nordseeküste respektive der deutschen Nicht-Nordseeküste ein kleineres Exemplar gibt, würden wir allerdings anzweifeln: Dessen Lichtfunzel würde wahrscheinlich nicht mal über den Müggelsee reichen können.


Der Wremener Hafen, der hauptsächlich von Krabbenfischern verschiedener Jahrgänge genutzt wird. Hier im Bild ausnahmsweise MIT Wasser gefüllt. Meist liegen die Boote auf dem Schlick. Die Krabben sind, wenn man sie ungeschält kauft, nicht nur unverschämt billig (um sechs Öre das Kilo), sondern auch noch unglaublich lecker.


Man kann von Wremen halten, was man will, es gibt einen Geschenkeladen, einen Dorfkonsum, einen Schnickschnackladen und den Krabbenfriedhoff, aber vor allem kann man hier notfalls nach Berlin verduften, indem man einfach in den nächsten Bus steigt. Das ist wirklich mal eine Ansage für ein Kuhkaff! Jetzt wissen wir auch, warum es in Wremen keine Jugendlichen gibt.

Donnerstag, 23. September 2010

Wofür brauchen "Sport"schützen Ballerwaffen?

Amok ist zunächst ein kulturspezifisches psychisches Phänomen in Indonesien und Malaysia und beschreibt eine "willkürliche, anscheinend nicht provozierte Episode mörderischen oder erheblich destruktiven Verhaltens, gefolgt von Amnesie oder Erschöpfung. Viele Episoden gipfeln im Suizid. Die meisten Ereignisse treten ohne Vorwarnung auf, einigen geht ein Zeitraum mit intensiver Angst und Feindseligkeit voraus (...)" [International Classification of Mental and Behavioural Disorders (ICD-10), German Version, WHO]

Insofern habe ich zwar das Gefühl, dass einige der als solche benannten gar keine "echten" Amokläufe waren, aber wie man es letzten Endes nennt, wenn einer aus dem Haus geht und scheinbar ziel- und wahllos Menschen tötet, ist selbst Begriffsfanatikern wie mir ziemlich egal.

Was mir nicht egal ist, sind die reflexartigen Entgegnungen der ichsachjetzmalvereinfachend Waffenlobby und ihrer Büttel, dass ja nicht die Waffe (oder das Sportschützentum an sich) das Problem sei, sondern der Mensch, der mit der Waffe losgehe und auf andere schieße; außerdem hätten wir ja in Deutschland sowieso das schärfste Waffenrecht auf der Welt, und nur weil sich Einzelpersonen nicht an das geltende Recht halten, komme es zu leider bedauerlichen Zwischenfällen, was aber niemals ein zentrales Einschließen oder gar ein Verbot von "Sport"waffen rechtfertigen könne. Typisch Deutschland, so ist auch oft zu lesen, immer alles verbieten, nicht mal "Sport" dürfe man treiben, in der Gemeinschaft, usw.

Ich bin ganz klar positioniert: Schießen ist kein Sport. Alles, was über Luftdruckwaffen hinausgeht, gehört für den zivilen Bereich verboten. Wer sich darin üben will, auf eine Scheibe mit aufgemalten Kreisen zu schießen, kann das sehr gut mit einem Luftgewehr tun. Ich habe das selbst einmal ausprobiert und habe festgestellt, dass das funktioniert. Wer Sport treiben will um des Sportes willen, kann auch Mitglied in einem der gefühlten 132.000 Sportvereine in Deutschland werden, die sich so praktischen Tätigkeiten wie Laufen, Schwimmen oder Kanufahren widmen.

Natürlich gibt es Millionen "Sport"schützen in diesem Land, die noch nicht Amok gelaufen sind oder auch nur ihre krebskranke Katze erschossen haben, um die Einschläferungskosten zu sparen.

Wenn jemand, der psychisch gestört ist und infolgedessen Rachegefühle hat, die in die Tat umgesetzt werden wollen, dann kann er sich im Normalfall ein Küchenmesser schnappen und damit losziehen. Ganz schöne Sauerei. Oder er schubst jemanden vor die U-Bahn. Das hat es in Berlin tatsächlich mal gegeben, und niemand ist auf die Idee gekommen, deswegen die U-Bahn abzuschaffen. Es ist aber gar nicht so einfach, sehr viele Menschen auf einmal zu töten, wenn man weder Sprengstoff noch Schusswaffen hat. Und anders als viele "Sport"schützen in diversen Leserbriefen behaupten ist es auch nicht ganz leicht, illegal an eine Schusswaffe zu kommen. Vor allem geht es nicht schnell, was impulsive Taten ausschließt. Aber waren denn die "Amokläufe" in den Schulen impulsiv? Eher nicht, insbesondere der Erfurter Täter hatte seine Tat geplant und nahezu inszeniert. Es plant sich aber leichter, wenn man schon weiß, dass die Waffe in Reichweite herumliegt. Zum Beispiel bei Papa im Schlafzimmerschrank.

Die aktuell besprochene Täterin ist nun wieder keine typische Amokläuferin, einfach schon weil sie weiblich, gebildet, nicht benachteiligt und angeblich nicht psychisch krank gewesen ist. Interessanterweise halte ich ihre Tat auch nicht für einen typischen Amoklauf, sondern eher für eine typische und tragische Beziehungstat. Aber wäre sie mit dem Küchenmesser noch ins Krankenhaus rübergelaufen? Und schafft es eine gewöhnliche Frau überhaupt, einen gewöhnlichen Mann, wenn der jetzt nicht gerade im Tiefschlaf ist, mit einem Messer einfach so umzubringen? Schusswaffen verkehren die Kräfteverhältnisse, einer gegen viele, Schwache gegen Starke.

Ein Kommentar, der die Sachlage mit all den legalen Waffen gut wiedergibt, beschrieb, wie ein Ehepaar abends auf dem Sofa sitzt und überlegt, ob es - rein theoretisch - morgen "einfach mal so" Amok laufen könnte. Antwort: Nein. Keine eigenen Waffen, keine Bekannten, die welche haben, usw. Bei Millionen Sportschützen im Lande ist das wahrscheinlich schon der unwahrscheinliche Zufall. Eher kennt man immer irgendjemanden mit 'ner Knarre. Schlimmstenfalls den eigenen Vater, der aus dubiosen Gründen heraus glaubt, seine Familie jede Nacht mit der Kanone unterm Kopfkissen vor Einbrechern oder der Roten Armee schützen zu müssen.

Jede Schusswaffe ist eine zuviel. Wenn die Schützenvereine nicht willens sind, in ihren Schießanlagen für eine ordnungsgemäße Sicherung der "Sport"waffen zu sorgen, muss die "Sport"schießerei eben abgeschafft werden. Im Einzelfall ist das vielleicht dramatisch, weil man kurz vor der Qualifikation zur Europameisterschaft im Ballern steht und dann nicht mehr üben kann. Der Einzelfall des unbeteiligten Getöteten ist sicherlich mindestens gleichwertig dramatisch.

Es hat vereinzelt Amokläufe ohne Schusswaffen gegeben, zum Beispiel Personen, die mit Autos in Menschenmengen rasen, oder der Messerstecher während der Eröffnung des Hauptbahnhofs in Berlin. Es liegt für mich aber auf der Hand, dass wir wegen des Risikos eines Tötungsdeliktes nicht auf das Zerschneiden von Zwiebeln verzichten können, und wenn aus der Tatsache der impliziten Tödlichkeit von Automobilen überhaupt ein Schluss zu ziehen ist, dann sollte man das Tempolimit auf den Autobahnen endlich einführen, damit könnte man wirklich mehr Leben retten als die 60, die in den vergangenen 15 Jahren durch Missbrauch von "Sport"waffen umgekommen sind.

Ich glaube ja nicht mal, dass es sich in Deutschland um eine "Waffenlobby" handelt. Es ist eher so eine typisch deutsche Vereinslobby, die in ihrem Gebaren extrem unwichtig (was interessiert es, was Leute in ihrer Freizeit so treiben?), in den Folgen ihrer Lobbyarbeit aber offensichtlich erheblich erfolgreich sind.

Sonntag, 22. August 2010

bilder update

 

Vater und Sohn während des Finales der Juniorinnen-Fußballweltmeisterschaft in, ja, in Bielefeld, auf der ausverkauften Alm.

Die Leute von der FH hatten sich für das Pausenprogramm wirklich mächtig ins Zeug gelegt, aber beim Drucken des Erdballs hat der Praktikant offensichtlich den Unterschied zwischen Positiv und Negativ nicht verstanden.


Hier zeigen die südkoreanischen Juniorinnen, wie man sich angemessen über einen dritten Platz freut.


Nach dem gewonnenen Finale gegen die nigerianischen Juniorinnen tanzen die deutschen Nationalspielerinnen quasi um die Eckfahne und feiern sich selbst.

Die aktuelle Brandmauer vom Tacheles mit einem sehr schönen Motiv, das bereits mein Mobiltelephon als Startbildschirm verziert, und einem schlauen Plakat von den Grünen ("Vor der Mauer, nach der Mauer, schickt der Staat die Wanzen.")

Currywurst und Schmapus, das ist das unausgesprochene Motto dieser Wurstbude im S-Bahnhof Friedrichstraße. Die Currywurst ist übrigens ausgesprochen lecker, und der Schampussah so aus, als würde er nicht nur aus Spaß auf der Karte (und im Kühlregal) stehen.


Die Blümchenwiese "Airport" zu nennen, zeugt durchaus von ganz und gar unwestfälischem Selbstverständnis. Auch täuscht die relative Größe des Flugzeugs auf dem Piktogramm über die tatsächlichen Kapazitäten von Bielefeld Aeroporto hinweg. Immerhin ist die Startbahn betoniert. Weiteres Bildmaterial vom Flugplatzfest, daß ein derart vor Selbstbewußtsein nur strotzender Flugplatz selbstredend zum selben Termin stattfindet wie das Fest des doch etwas größeren Flughafens Paderborn-Lippstadt, folgt separat.

Freitag, 6. August 2010

Unwürdig

wie die Stadt Duisburg mit den Fragen nach Schuld und Verantwortung für das Unglück auf der Loveparade umgeht.

Jetzt, wo zum Beispiel der ZEIT der komplette Plan vorliegt, kann man genau sehen, daß Stadt und Veranstalter verschiedentlich manipuliert haben, um die Veranstaltung irgendwie genehmigt zu bekommen. Dabei wurden unter anderem nach außen völlig andere erwartete Besucherzahlen (eine zu geringe Zahl könnte der LP immensen Schaden zufügen) kommuniziert, als intern für die Berechnung der Fluchtwege usw. verwendet wurden. Und trotzdem konnte der Veranstalter nur 155 Meter breite Fluchtwege vorweisen, wo es mindestens 500 hätten sein müssen. Die Verwaltung konnte doch das Fluchtwegproblem nicht dem Veranstalter allein überlassen, wo doch der OB die Loveparade unbedingt wollte.

Der komplette und sehr lesenswerte Text findet sich hier.

Statt konstruktiv an der Aufklärung der Vorfälle mitzuarbeiten, hüllt sich die Stadt in empörtes Schweigen bzw. der OB in Polizeischutz, und gibt ein parteiliches Gutachten in Auftrag, das überraschenderweise die Stadt völlig freispricht und den Schwarzen Peter der pöhsen Polizei zuspielt, die ja schließlich mit drei Polizeiautos auf der Rampe gestanden und damit die Fluchtwege noch enger gemacht habe - deren Enge ja erst durch die ordnungswidrige Genehmigung durch die Stadt möglich wurde! Außerdem kann jeder Vollidiot auf den zahlreichen Bildern erkennen, daß es an der Stelle, der die Polizeiautos stehen, gar kein Gedränge gab.

Dieses Duisburger Schmierentheater zeigt in konsistenter Folge, wie geil die Stadt im Vorfeld auf das Megaevent war, wie erfolgreich im Zuge dessen Warnungen in den Wind geschlagen wurden, um ein "zweites Bochum" zu verhindern, und wie in geradezu menschenverachtender Skrupellosigkeit alles, was man über Massenveranstaltungen weiß, über Bord geworfen wurde. Und nun, nach einem Unglück mit 21 Toten und mehr als 500 Verletzten, setzen sich Zynismus und Verachtung fort, in peinlicher Tateinheit mit Ablehnung von Eigenverantwortung nach getroffenen Entscheidungen.

Wahrscheinlich wird es strafrechtlich keinen treffen, da es keine Kollektivschuld gibt. Umso unwürdiger der Eiertanz der Stadt Duisburg, persönliche Verantwortlichkeiten nicht aufzuklären. Natürlich ist die Stadt Duisburg verantwortlich für den Ausgang von Veranstaltungen, deren Durchführung sie genehmigt. Sonst könnten wir uns die gesamte Genehmigerei auch sparen, und jeder läßt die Puppen tanzen wie er will. Merkwürdig, daß das niemandem auffällt. Eher ist jetzt schon von einer Hetzjagd auf den OB die Rede, dabei soll er doch einfach nur seinen Mann stehen für das, was er zu verantworten hat.

Wasch mir den Pelz (Bring mir Ruhm und Ehre mit der Loveparade), aber mach mich nicht naß (wenns schiefgeht, hab ich nichts damit zu tun).

Unwürdig ist das vor allem den Opfern gegenüber.

Dienstag, 27. Juli 2010

Nachtrag

http://juliasloveparade.blog.de/2010/07/25/verstehe-9037707/

Heute im Bildblog verlinkt gewesen.

Präziser kann ein junges Mädchen ein traumatisierendes Erlebnis kaum beschreiben.

Sonntag, 25. Juli 2010

Ich glaube nicht, was ich sehe



Seit 2006 findet die Loveparade nicht mehr in Berlin statt, unter anderem wegen der Nichtbewältigbarkeit der Menschenmengen und der nicht finanzierbaren Folgekosten. (Ich bin mal zufällig am Tag nach einer Loveparade durch den Tiergarten geradelt... puh!) Die beiden obigen Bilder, die ich bei tweetphoto geklaut habe, zeigens aber deutlich, daß es nicht das mangelhafte Fluchtwegkonzept gewesen sein kann, weswegen es in Berlin keine Genehmigung gab [alles in der fabelhaften Wikipedia nachzulesen]. In Berlin konnte man die Veranstaltung jederzeit verlassen.

Wenn das Sicherheitskonzept in Duisburg so versagt haben sollte, wie es die ersten Hinweise nahelegen, wird diese Katastrophe ähnlich in die Annalen eingehen wie seinerzeit Ramstein, und zu neuen Vorschriften bei Massenveranstaltungen führen.

Daß überhaupt jemand mit einem Schulabschluß höher als sechste Klasse ernsthaft angenommen hat, durch eine Bahnunterführung wie die Karl-Lehr-Straße in Duisburg die Teilnehmer einer Massenveranstaltung schleusen zu können (hin und wieder zurück!), verwundert mich allerdings schon. Da hätte es ja schon gereicht, daß einer ganz normal in Ohnmacht gefallen wäre, um eine Panik auszulösen.

Jetzt wird es wohl keine Loveparade mehr geben, und ich würde es begrüßen, wenn es nicht aus so einem tragischen Grund geschähe.

Donnerstag, 15. Juli 2010

best words zum Thema ICE

Man soll sich nichts vormachen, dieser Planet ist nicht der richtige für die Ingenieure von Siemens. Er hat ein Klima und eine unverschämte Schwerkraft, damit konnte man wirklich nicht rechnen.

Sagt ein wortgewaltiger Kommentator auf ZEITonline.

Quasi die moderne Version von "Wie heißen die vier Feinde der Deutschen Reichsbahn? -Frühling, Sommer, Herbst und Winter!"

Die versammelten Skandale um weiche Radwellen, die Berliner S-Bahn und das systematische Sparen an Wartung, Personal und Ersatzzügen zeigen doch deutlich, daß eine Privatisierung den ureigenen Interessen eines öffentlichen Fernverkehrs auf Schienen zuwiederläuft... warum funktioniert es in der Schweiz so gut und hier so schlecht?

Montag, 12. Juli 2010

kontra

Wenn man die Kommentare zu derzeitigen Publikationen über den Koalitionsvertrag der zukünftigen Minderheitsregierung in Nordrhein-Westfalen (mein derzeitiges Heimatland) liest, bekommt man tatsächlich den Eindruck, daß man es bestimmten Personen einfach nicht recht machen kann.

- Hannelore Kraft hatte zwar keine gute Ausgangslage, weil sie fast alles, inklusive der jetzt doch zustandekommenden Minderheitsregierung, ausgeschlossen hatte, und das wenige, das sie nicht ausgeschlossen hatte, war durch die entsprechenden hypothetischen Koalitionspartner ausgeschlossen worden (z.B. Jamaika).

- Jürgen Rüttgers trat nach der doch deutlichen Wahlniederlage zunächst doch nicht zurück, um später dann doch von allen Ämtern zurückzutreten... von fast allen. Das Mandat behält er natürlich trotzdem.

- Jürgen Rüttgers hat sich einerseits alle Mühe gegeben, den Anspruch der CDU auf das Ministerpräsidentenamt mit den 6000 Stimmen Vorsprung, die sich freilich nicht in einem einzigen Sitz Mehrheit niederschlugen, geltend zu machen. Andererseits erwarte ich vom sich selbst als solchen empfindenden Mehrheitseigner, daß er sich bitteschön selber um entsprechende Regierungskoalitionen bemüht. Das ist nicht geschehen.

- Hannelore Kraft hat sich alle Mühe gegeben, ihre Wahlversprechen einzuhalten und nicht in die sogenannte Ypsilanti-Falle zu laufen. Stets versicherte sie sich des Rückhalts durch Bundespartei und Basis. Trotzdem wird ihr Machtgeilheit und Postenversessenheit vorgeworfen, und zwar in unverschämtem und polemisierendem Ton.

- Als Hannelore Kraft noch aus der Opposition heraus mit faktischen Mehrheiten im Landtag auf demokratisch geradezu vorbildliche Weise ( = kein Fraktionszwang) die amtierende Regierung zwingen wollte, Landtagsbeschlüsse umzusetzen, wurde ihr vorgeworfen, sie würde die Interessen des Landes zugunsten eigener Eitelkeiten und aus Angst vor Neuwahlen opfern.

- Kommentatoren benutzen häufig, um die weibliche Doppelspitze der künftigen Minderheitsregierung zu benennnen, die Phrase "die beiden Damen", was natürlich sofort an Kaffeekränzchen im Café Kranzler anmutet.

Ich freue mich darüber, in einem Bundesland zu wohnen, welches mutige Damen beherbergt, welche nach Äonen autokratisch-patriacharlich geführter Altherrenregierungen (Rau, Clement, Rüttgers) gleich zu zweit eine Minderheitsregierung stemmen wollen. Ob es klappt, kann man nicht wissen, aber das es sonst auch keine handlungsfähige Regierung gäbe, weiß man jetzt schon. Außerdem gehöre ich zu den fatalistisch-ergebenen Leuten, die glauben, die wahre und mich betreffende Politik finde ohnehin nicht mehr im Parlament statt (falls sie sich da jemals befunden habe), sondern auf Lobbybanketts und hinter zugezogener, gepolsterter Tür. Insofern ist es natürlich auch egal, ob sich das Frauenkonvolut in Düsseldorf irgendwie durchsetzen kann.

Sonntag, 4. Juli 2010

Am Ende eines langen Tages, oder war es Jahrtausends:

der Satz des Tages:

Ach, Sie schließen schon um Mitternacht?

Und auf die gegen 23:50 Uhr ob des Satzes relativ entgleisten Gesichter entgegnete das Intelligenzbündel: Naja, für Euch ist das ein bißchen doof. Aber ich bin ja schließlich gerade erst in die Stadt gekommen.

Zwei andere bemerkten ungeniert zueinander, ohne die Kassiererin in das Gespräch miteinzubeziehen, wie toll das wär, das könnt's jeden Abend geben. Einfach nach der Arbeit noch bißchen bei H&M shoppen. Da war es dann schon 24:00 Uhr, und eine ganze sozial und human unkompatible Gang war einfach nicht aus dem Laden zu bringen.

Gut, wenn man dann von der Einzigen abgeholt wird und genüßlich auf dem Balkon dahindämmern und den Lauten des Halbfinaleinzugs lauschen kann. Und auch wieder Luft kriegt, weil Starkregen zwischenzeitlich fiel. Und sich an der Erinnerung ans Viertelfinale labt.

Samstag, 3. Juli 2010

Jahnplatz, 19:02 MEZ


Für Nicht-Bielefelder: Das ist der zentrale Platz in der Innenstadt. Für ein 4:0 gegen Argentinien durchaus angemessen!

Sonntag, 27. Juni 2010

Das gab's noch nie:

Bißchen verwischt, aber noch zu sehen.
Infolge der Logik des Magischen Denkens muß ich jetzt natürlich bei jedem weiteren Spiel angemalt werden, und schauen müssen wir im Casa, wo sonst?

Einmal im Leben Erste sein! Von allen!

Aber den Professor werde ich wohl wieder vorlassen müssen... habe noch eine Prüfung bei dem.