Amok ist zunächst ein kulturspezifisches psychisches Phänomen in Indonesien und Malaysia und beschreibt eine "willkürliche, anscheinend nicht provozierte Episode mörderischen oder erheblich destruktiven Verhaltens, gefolgt von Amnesie oder Erschöpfung. Viele Episoden gipfeln im Suizid. Die meisten Ereignisse treten ohne Vorwarnung auf, einigen geht ein Zeitraum mit intensiver Angst und Feindseligkeit voraus (...)" [International Classification of Mental and Behavioural Disorders (ICD-10), German Version, WHO]
Insofern habe ich zwar das Gefühl, dass einige der als solche benannten gar keine "echten" Amokläufe waren, aber wie man es letzten Endes nennt, wenn einer aus dem Haus geht und scheinbar ziel- und wahllos Menschen tötet, ist selbst Begriffsfanatikern wie mir ziemlich egal.
Was mir nicht egal ist, sind die reflexartigen Entgegnungen der ichsachjetzmalvereinfachend Waffenlobby und ihrer Büttel, dass ja nicht die Waffe (oder das Sportschützentum an sich) das Problem sei, sondern der Mensch, der mit der Waffe losgehe und auf andere schieße; außerdem hätten wir ja in Deutschland sowieso das schärfste Waffenrecht auf der Welt, und nur weil sich Einzelpersonen nicht an das geltende Recht halten, komme es zu leider bedauerlichen Zwischenfällen, was aber niemals ein zentrales Einschließen oder gar ein Verbot von "Sport"waffen rechtfertigen könne. Typisch Deutschland, so ist auch oft zu lesen, immer alles verbieten, nicht mal "Sport" dürfe man treiben, in der Gemeinschaft, usw.
Ich bin ganz klar positioniert: Schießen ist kein Sport. Alles, was über Luftdruckwaffen hinausgeht, gehört für den zivilen Bereich verboten. Wer sich darin üben will, auf eine Scheibe mit aufgemalten Kreisen zu schießen, kann das sehr gut mit einem Luftgewehr tun. Ich habe das selbst einmal ausprobiert und habe festgestellt, dass das funktioniert. Wer Sport treiben will um des Sportes willen, kann auch Mitglied in einem der gefühlten 132.000 Sportvereine in Deutschland werden, die sich so praktischen Tätigkeiten wie Laufen, Schwimmen oder Kanufahren widmen.
Natürlich gibt es Millionen "Sport"schützen in diesem Land, die noch nicht Amok gelaufen sind oder auch nur ihre krebskranke Katze erschossen haben, um die Einschläferungskosten zu sparen.
Wenn jemand, der psychisch gestört ist und infolgedessen Rachegefühle hat, die in die Tat umgesetzt werden wollen, dann kann er sich im Normalfall ein Küchenmesser schnappen und damit losziehen. Ganz schöne Sauerei. Oder er schubst jemanden vor die U-Bahn. Das hat es in Berlin tatsächlich mal gegeben, und niemand ist auf die Idee gekommen, deswegen die U-Bahn abzuschaffen. Es ist aber gar nicht so einfach, sehr viele Menschen auf einmal zu töten, wenn man weder Sprengstoff noch Schusswaffen hat. Und anders als viele "Sport"schützen in diversen Leserbriefen behaupten ist es auch nicht ganz leicht, illegal an eine Schusswaffe zu kommen. Vor allem geht es nicht schnell, was impulsive Taten ausschließt. Aber waren denn die "Amokläufe" in den Schulen impulsiv? Eher nicht, insbesondere der Erfurter Täter hatte seine Tat geplant und nahezu inszeniert. Es plant sich aber leichter, wenn man schon weiß, dass die Waffe in Reichweite herumliegt. Zum Beispiel bei Papa im Schlafzimmerschrank.
Die aktuell besprochene Täterin ist nun wieder keine typische Amokläuferin, einfach schon weil sie weiblich, gebildet, nicht benachteiligt und angeblich nicht psychisch krank gewesen ist. Interessanterweise halte ich ihre Tat auch nicht für einen typischen Amoklauf, sondern eher für eine typische und tragische Beziehungstat. Aber wäre sie mit dem Küchenmesser noch ins Krankenhaus rübergelaufen? Und schafft es eine gewöhnliche Frau überhaupt, einen gewöhnlichen Mann, wenn der jetzt nicht gerade im Tiefschlaf ist, mit einem Messer einfach so umzubringen? Schusswaffen verkehren die Kräfteverhältnisse, einer gegen viele, Schwache gegen Starke.
Ein Kommentar, der die Sachlage mit all den legalen Waffen gut wiedergibt, beschrieb, wie ein Ehepaar abends auf dem Sofa sitzt und überlegt, ob es - rein theoretisch - morgen "einfach mal so" Amok laufen könnte. Antwort: Nein. Keine eigenen Waffen, keine Bekannten, die welche haben, usw. Bei Millionen Sportschützen im Lande ist das wahrscheinlich schon der unwahrscheinliche Zufall. Eher kennt man immer irgendjemanden mit 'ner Knarre. Schlimmstenfalls den eigenen Vater, der aus dubiosen Gründen heraus glaubt, seine Familie jede Nacht mit der Kanone unterm Kopfkissen vor Einbrechern oder der Roten Armee schützen zu müssen.
Jede Schusswaffe ist eine zuviel. Wenn die Schützenvereine nicht willens sind, in ihren Schießanlagen für eine ordnungsgemäße Sicherung der "Sport"waffen zu sorgen, muss die "Sport"schießerei eben abgeschafft werden. Im Einzelfall ist das vielleicht dramatisch, weil man kurz vor der Qualifikation zur Europameisterschaft im Ballern steht und dann nicht mehr üben kann. Der Einzelfall des unbeteiligten Getöteten ist sicherlich mindestens gleichwertig dramatisch.
Es hat vereinzelt Amokläufe ohne Schusswaffen gegeben, zum Beispiel Personen, die mit Autos in Menschenmengen rasen, oder der Messerstecher während der Eröffnung des Hauptbahnhofs in Berlin. Es liegt für mich aber auf der Hand, dass wir wegen des Risikos eines Tötungsdeliktes nicht auf das Zerschneiden von Zwiebeln verzichten können, und wenn aus der Tatsache der impliziten Tödlichkeit von Automobilen überhaupt ein Schluss zu ziehen ist, dann sollte man das Tempolimit auf den Autobahnen endlich einführen, damit könnte man wirklich mehr Leben retten als die 60, die in den vergangenen 15 Jahren durch Missbrauch von "Sport"waffen umgekommen sind.
Ich glaube ja nicht mal, dass es sich in Deutschland um eine "Waffenlobby" handelt. Es ist eher so eine typisch deutsche Vereinslobby, die in ihrem Gebaren extrem unwichtig (was interessiert es, was Leute in ihrer Freizeit so treiben?), in den Folgen ihrer Lobbyarbeit aber offensichtlich erheblich erfolgreich sind.
Donnerstag, 23. September 2010
Donnerstag, 2. September 2010
Mittwoch, 1. September 2010
Sonntag, 22. August 2010
bilder update
Die Leute von der FH hatten sich für das Pausenprogramm wirklich mächtig ins Zeug gelegt, aber beim Drucken des Erdballs hat der Praktikant offensichtlich den Unterschied zwischen Positiv und Negativ nicht verstanden.
Hier zeigen die südkoreanischen Juniorinnen, wie man sich angemessen über einen dritten Platz freut.
Nach dem gewonnenen Finale gegen die nigerianischen Juniorinnen tanzen die deutschen Nationalspielerinnen quasi um die Eckfahne und feiern sich selbst.
Die aktuelle Brandmauer vom Tacheles mit einem sehr schönen Motiv, das bereits mein Mobiltelephon als Startbildschirm verziert, und einem schlauen Plakat von den Grünen ("Vor der Mauer, nach der Mauer, schickt der Staat die Wanzen.")
Currywurst und Schmapus, das ist das unausgesprochene Motto dieser Wurstbude im S-Bahnhof Friedrichstraße. Die Currywurst ist übrigens ausgesprochen lecker, und der Schampussah so aus, als würde er nicht nur aus Spaß auf der Karte (und im Kühlregal) stehen.
Die Blümchenwiese "Airport" zu nennen, zeugt durchaus von ganz und gar unwestfälischem Selbstverständnis. Auch täuscht die relative Größe des Flugzeugs auf dem Piktogramm über die tatsächlichen Kapazitäten von Bielefeld Aeroporto hinweg. Immerhin ist die Startbahn betoniert. Weiteres Bildmaterial vom Flugplatzfest, daß ein derart vor Selbstbewußtsein nur strotzender Flugplatz selbstredend zum selben Termin stattfindet wie das Fest des doch etwas größeren Flughafens Paderborn-Lippstadt, folgt separat.
Freitag, 6. August 2010
Unwürdig
wie die Stadt Duisburg mit den Fragen nach Schuld und Verantwortung für das Unglück auf der Loveparade umgeht.
Jetzt, wo zum Beispiel der ZEIT der komplette Plan vorliegt, kann man genau sehen, daß Stadt und Veranstalter verschiedentlich manipuliert haben, um die Veranstaltung irgendwie genehmigt zu bekommen. Dabei wurden unter anderem nach außen völlig andere erwartete Besucherzahlen (eine zu geringe Zahl könnte der LP immensen Schaden zufügen) kommuniziert, als intern für die Berechnung der Fluchtwege usw. verwendet wurden. Und trotzdem konnte der Veranstalter nur 155 Meter breite Fluchtwege vorweisen, wo es mindestens 500 hätten sein müssen. Die Verwaltung konnte doch das Fluchtwegproblem nicht dem Veranstalter allein überlassen, wo doch der OB die Loveparade unbedingt wollte.
Der komplette und sehr lesenswerte Text findet sich hier.
Statt konstruktiv an der Aufklärung der Vorfälle mitzuarbeiten, hüllt sich die Stadt in empörtes Schweigen bzw. der OB in Polizeischutz, und gibt ein parteiliches Gutachten in Auftrag, das überraschenderweise die Stadt völlig freispricht und den Schwarzen Peter der pöhsen Polizei zuspielt, die ja schließlich mit drei Polizeiautos auf der Rampe gestanden und damit die Fluchtwege noch enger gemacht habe - deren Enge ja erst durch die ordnungswidrige Genehmigung durch die Stadt möglich wurde! Außerdem kann jeder Vollidiot auf den zahlreichen Bildern erkennen, daß es an der Stelle, der die Polizeiautos stehen, gar kein Gedränge gab.
Dieses Duisburger Schmierentheater zeigt in konsistenter Folge, wie geil die Stadt im Vorfeld auf das Megaevent war, wie erfolgreich im Zuge dessen Warnungen in den Wind geschlagen wurden, um ein "zweites Bochum" zu verhindern, und wie in geradezu menschenverachtender Skrupellosigkeit alles, was man über Massenveranstaltungen weiß, über Bord geworfen wurde. Und nun, nach einem Unglück mit 21 Toten und mehr als 500 Verletzten, setzen sich Zynismus und Verachtung fort, in peinlicher Tateinheit mit Ablehnung von Eigenverantwortung nach getroffenen Entscheidungen.
Wahrscheinlich wird es strafrechtlich keinen treffen, da es keine Kollektivschuld gibt. Umso unwürdiger der Eiertanz der Stadt Duisburg, persönliche Verantwortlichkeiten nicht aufzuklären. Natürlich ist die Stadt Duisburg verantwortlich für den Ausgang von Veranstaltungen, deren Durchführung sie genehmigt. Sonst könnten wir uns die gesamte Genehmigerei auch sparen, und jeder läßt die Puppen tanzen wie er will. Merkwürdig, daß das niemandem auffällt. Eher ist jetzt schon von einer Hetzjagd auf den OB die Rede, dabei soll er doch einfach nur seinen Mann stehen für das, was er zu verantworten hat.
Wasch mir den Pelz (Bring mir Ruhm und Ehre mit der Loveparade), aber mach mich nicht naß (wenns schiefgeht, hab ich nichts damit zu tun).
Unwürdig ist das vor allem den Opfern gegenüber.
Jetzt, wo zum Beispiel der ZEIT der komplette Plan vorliegt, kann man genau sehen, daß Stadt und Veranstalter verschiedentlich manipuliert haben, um die Veranstaltung irgendwie genehmigt zu bekommen. Dabei wurden unter anderem nach außen völlig andere erwartete Besucherzahlen (eine zu geringe Zahl könnte der LP immensen Schaden zufügen) kommuniziert, als intern für die Berechnung der Fluchtwege usw. verwendet wurden. Und trotzdem konnte der Veranstalter nur 155 Meter breite Fluchtwege vorweisen, wo es mindestens 500 hätten sein müssen. Die Verwaltung konnte doch das Fluchtwegproblem nicht dem Veranstalter allein überlassen, wo doch der OB die Loveparade unbedingt wollte.
Der komplette und sehr lesenswerte Text findet sich hier.
Statt konstruktiv an der Aufklärung der Vorfälle mitzuarbeiten, hüllt sich die Stadt in empörtes Schweigen bzw. der OB in Polizeischutz, und gibt ein parteiliches Gutachten in Auftrag, das überraschenderweise die Stadt völlig freispricht und den Schwarzen Peter der pöhsen Polizei zuspielt, die ja schließlich mit drei Polizeiautos auf der Rampe gestanden und damit die Fluchtwege noch enger gemacht habe - deren Enge ja erst durch die ordnungswidrige Genehmigung durch die Stadt möglich wurde! Außerdem kann jeder Vollidiot auf den zahlreichen Bildern erkennen, daß es an der Stelle, der die Polizeiautos stehen, gar kein Gedränge gab.
Dieses Duisburger Schmierentheater zeigt in konsistenter Folge, wie geil die Stadt im Vorfeld auf das Megaevent war, wie erfolgreich im Zuge dessen Warnungen in den Wind geschlagen wurden, um ein "zweites Bochum" zu verhindern, und wie in geradezu menschenverachtender Skrupellosigkeit alles, was man über Massenveranstaltungen weiß, über Bord geworfen wurde. Und nun, nach einem Unglück mit 21 Toten und mehr als 500 Verletzten, setzen sich Zynismus und Verachtung fort, in peinlicher Tateinheit mit Ablehnung von Eigenverantwortung nach getroffenen Entscheidungen.
Wahrscheinlich wird es strafrechtlich keinen treffen, da es keine Kollektivschuld gibt. Umso unwürdiger der Eiertanz der Stadt Duisburg, persönliche Verantwortlichkeiten nicht aufzuklären. Natürlich ist die Stadt Duisburg verantwortlich für den Ausgang von Veranstaltungen, deren Durchführung sie genehmigt. Sonst könnten wir uns die gesamte Genehmigerei auch sparen, und jeder läßt die Puppen tanzen wie er will. Merkwürdig, daß das niemandem auffällt. Eher ist jetzt schon von einer Hetzjagd auf den OB die Rede, dabei soll er doch einfach nur seinen Mann stehen für das, was er zu verantworten hat.
Wasch mir den Pelz (Bring mir Ruhm und Ehre mit der Loveparade), aber mach mich nicht naß (wenns schiefgeht, hab ich nichts damit zu tun).
Unwürdig ist das vor allem den Opfern gegenüber.
Mittwoch, 28. Juli 2010
Dienstag, 27. Juli 2010
Nachtrag
http://juliasloveparade.blog.de/2010/07/25/verstehe-9037707/
Heute im Bildblog verlinkt gewesen.
Präziser kann ein junges Mädchen ein traumatisierendes Erlebnis kaum beschreiben.
Heute im Bildblog verlinkt gewesen.
Präziser kann ein junges Mädchen ein traumatisierendes Erlebnis kaum beschreiben.
Sonntag, 25. Juli 2010
Ich glaube nicht, was ich sehe
Seit 2006 findet die Loveparade nicht mehr in Berlin statt, unter anderem wegen der Nichtbewältigbarkeit der Menschenmengen und der nicht finanzierbaren Folgekosten. (Ich bin mal zufällig am Tag nach einer Loveparade durch den Tiergarten geradelt... puh!) Die beiden obigen Bilder, die ich bei tweetphoto geklaut habe, zeigens aber deutlich, daß es nicht das mangelhafte Fluchtwegkonzept gewesen sein kann, weswegen es in Berlin keine Genehmigung gab [alles in der fabelhaften Wikipedia nachzulesen]. In Berlin konnte man die Veranstaltung jederzeit verlassen.
Wenn das Sicherheitskonzept in Duisburg so versagt haben sollte, wie es die ersten Hinweise nahelegen, wird diese Katastrophe ähnlich in die Annalen eingehen wie seinerzeit Ramstein, und zu neuen Vorschriften bei Massenveranstaltungen führen.
Daß überhaupt jemand mit einem Schulabschluß höher als sechste Klasse ernsthaft angenommen hat, durch eine Bahnunterführung wie die Karl-Lehr-Straße in Duisburg die Teilnehmer einer Massenveranstaltung schleusen zu können (hin und wieder zurück!), verwundert mich allerdings schon. Da hätte es ja schon gereicht, daß einer ganz normal in Ohnmacht gefallen wäre, um eine Panik auszulösen.
Jetzt wird es wohl keine Loveparade mehr geben, und ich würde es begrüßen, wenn es nicht aus so einem tragischen Grund geschähe.
Donnerstag, 15. Juli 2010
best words zum Thema ICE
Man soll sich nichts vormachen, dieser Planet ist nicht der richtige für die Ingenieure von Siemens. Er hat ein Klima und eine unverschämte Schwerkraft, damit konnte man wirklich nicht rechnen.
Sagt ein wortgewaltiger Kommentator auf ZEITonline.
Quasi die moderne Version von "Wie heißen die vier Feinde der Deutschen Reichsbahn? -Frühling, Sommer, Herbst und Winter!"
Die versammelten Skandale um weiche Radwellen, die Berliner S-Bahn und das systematische Sparen an Wartung, Personal und Ersatzzügen zeigen doch deutlich, daß eine Privatisierung den ureigenen Interessen eines öffentlichen Fernverkehrs auf Schienen zuwiederläuft... warum funktioniert es in der Schweiz so gut und hier so schlecht?
Sagt ein wortgewaltiger Kommentator auf ZEITonline.
Quasi die moderne Version von "Wie heißen die vier Feinde der Deutschen Reichsbahn? -Frühling, Sommer, Herbst und Winter!"
Die versammelten Skandale um weiche Radwellen, die Berliner S-Bahn und das systematische Sparen an Wartung, Personal und Ersatzzügen zeigen doch deutlich, daß eine Privatisierung den ureigenen Interessen eines öffentlichen Fernverkehrs auf Schienen zuwiederläuft... warum funktioniert es in der Schweiz so gut und hier so schlecht?
Montag, 12. Juli 2010
kontra
Wenn man die Kommentare zu derzeitigen Publikationen über den Koalitionsvertrag der zukünftigen Minderheitsregierung in Nordrhein-Westfalen (mein derzeitiges Heimatland) liest, bekommt man tatsächlich den Eindruck, daß man es bestimmten Personen einfach nicht recht machen kann.
- Hannelore Kraft hatte zwar keine gute Ausgangslage, weil sie fast alles, inklusive der jetzt doch zustandekommenden Minderheitsregierung, ausgeschlossen hatte, und das wenige, das sie nicht ausgeschlossen hatte, war durch die entsprechenden hypothetischen Koalitionspartner ausgeschlossen worden (z.B. Jamaika).
- Jürgen Rüttgers trat nach der doch deutlichen Wahlniederlage zunächst doch nicht zurück, um später dann doch von allen Ämtern zurückzutreten... von fast allen. Das Mandat behält er natürlich trotzdem.
- Jürgen Rüttgers hat sich einerseits alle Mühe gegeben, den Anspruch der CDU auf das Ministerpräsidentenamt mit den 6000 Stimmen Vorsprung, die sich freilich nicht in einem einzigen Sitz Mehrheit niederschlugen, geltend zu machen. Andererseits erwarte ich vom sich selbst als solchen empfindenden Mehrheitseigner, daß er sich bitteschön selber um entsprechende Regierungskoalitionen bemüht. Das ist nicht geschehen.
- Hannelore Kraft hat sich alle Mühe gegeben, ihre Wahlversprechen einzuhalten und nicht in die sogenannte Ypsilanti-Falle zu laufen. Stets versicherte sie sich des Rückhalts durch Bundespartei und Basis. Trotzdem wird ihr Machtgeilheit und Postenversessenheit vorgeworfen, und zwar in unverschämtem und polemisierendem Ton.
- Als Hannelore Kraft noch aus der Opposition heraus mit faktischen Mehrheiten im Landtag auf demokratisch geradezu vorbildliche Weise ( = kein Fraktionszwang) die amtierende Regierung zwingen wollte, Landtagsbeschlüsse umzusetzen, wurde ihr vorgeworfen, sie würde die Interessen des Landes zugunsten eigener Eitelkeiten und aus Angst vor Neuwahlen opfern.
- Kommentatoren benutzen häufig, um die weibliche Doppelspitze der künftigen Minderheitsregierung zu benennnen, die Phrase "die beiden Damen", was natürlich sofort an Kaffeekränzchen im Café Kranzler anmutet.
Ich freue mich darüber, in einem Bundesland zu wohnen, welches mutige Damen beherbergt, welche nach Äonen autokratisch-patriacharlich geführter Altherrenregierungen (Rau, Clement, Rüttgers) gleich zu zweit eine Minderheitsregierung stemmen wollen. Ob es klappt, kann man nicht wissen, aber das es sonst auch keine handlungsfähige Regierung gäbe, weiß man jetzt schon. Außerdem gehöre ich zu den fatalistisch-ergebenen Leuten, die glauben, die wahre und mich betreffende Politik finde ohnehin nicht mehr im Parlament statt (falls sie sich da jemals befunden habe), sondern auf Lobbybanketts und hinter zugezogener, gepolsterter Tür. Insofern ist es natürlich auch egal, ob sich das Frauenkonvolut in Düsseldorf irgendwie durchsetzen kann.
- Hannelore Kraft hatte zwar keine gute Ausgangslage, weil sie fast alles, inklusive der jetzt doch zustandekommenden Minderheitsregierung, ausgeschlossen hatte, und das wenige, das sie nicht ausgeschlossen hatte, war durch die entsprechenden hypothetischen Koalitionspartner ausgeschlossen worden (z.B. Jamaika).
- Jürgen Rüttgers trat nach der doch deutlichen Wahlniederlage zunächst doch nicht zurück, um später dann doch von allen Ämtern zurückzutreten... von fast allen. Das Mandat behält er natürlich trotzdem.
- Jürgen Rüttgers hat sich einerseits alle Mühe gegeben, den Anspruch der CDU auf das Ministerpräsidentenamt mit den 6000 Stimmen Vorsprung, die sich freilich nicht in einem einzigen Sitz Mehrheit niederschlugen, geltend zu machen. Andererseits erwarte ich vom sich selbst als solchen empfindenden Mehrheitseigner, daß er sich bitteschön selber um entsprechende Regierungskoalitionen bemüht. Das ist nicht geschehen.
- Hannelore Kraft hat sich alle Mühe gegeben, ihre Wahlversprechen einzuhalten und nicht in die sogenannte Ypsilanti-Falle zu laufen. Stets versicherte sie sich des Rückhalts durch Bundespartei und Basis. Trotzdem wird ihr Machtgeilheit und Postenversessenheit vorgeworfen, und zwar in unverschämtem und polemisierendem Ton.
- Als Hannelore Kraft noch aus der Opposition heraus mit faktischen Mehrheiten im Landtag auf demokratisch geradezu vorbildliche Weise ( = kein Fraktionszwang) die amtierende Regierung zwingen wollte, Landtagsbeschlüsse umzusetzen, wurde ihr vorgeworfen, sie würde die Interessen des Landes zugunsten eigener Eitelkeiten und aus Angst vor Neuwahlen opfern.
- Kommentatoren benutzen häufig, um die weibliche Doppelspitze der künftigen Minderheitsregierung zu benennnen, die Phrase "die beiden Damen", was natürlich sofort an Kaffeekränzchen im Café Kranzler anmutet.
Ich freue mich darüber, in einem Bundesland zu wohnen, welches mutige Damen beherbergt, welche nach Äonen autokratisch-patriacharlich geführter Altherrenregierungen (Rau, Clement, Rüttgers) gleich zu zweit eine Minderheitsregierung stemmen wollen. Ob es klappt, kann man nicht wissen, aber das es sonst auch keine handlungsfähige Regierung gäbe, weiß man jetzt schon. Außerdem gehöre ich zu den fatalistisch-ergebenen Leuten, die glauben, die wahre und mich betreffende Politik finde ohnehin nicht mehr im Parlament statt (falls sie sich da jemals befunden habe), sondern auf Lobbybanketts und hinter zugezogener, gepolsterter Tür. Insofern ist es natürlich auch egal, ob sich das Frauenkonvolut in Düsseldorf irgendwie durchsetzen kann.
Sonntag, 4. Juli 2010
Am Ende eines langen Tages, oder war es Jahrtausends:
der Satz des Tages:
Ach, Sie schließen schon um Mitternacht?
Und auf die gegen 23:50 Uhr ob des Satzes relativ entgleisten Gesichter entgegnete das Intelligenzbündel: Naja, für Euch ist das ein bißchen doof. Aber ich bin ja schließlich gerade erst in die Stadt gekommen.
Zwei andere bemerkten ungeniert zueinander, ohne die Kassiererin in das Gespräch miteinzubeziehen, wie toll das wär, das könnt's jeden Abend geben. Einfach nach der Arbeit noch bißchen bei H&M shoppen. Da war es dann schon 24:00 Uhr, und eine ganze sozial und human unkompatible Gang war einfach nicht aus dem Laden zu bringen.
Gut, wenn man dann von der Einzigen abgeholt wird und genüßlich auf dem Balkon dahindämmern und den Lauten des Halbfinaleinzugs lauschen kann. Und auch wieder Luft kriegt, weil Starkregen zwischenzeitlich fiel. Und sich an der Erinnerung ans Viertelfinale labt.
Ach, Sie schließen schon um Mitternacht?
Und auf die gegen 23:50 Uhr ob des Satzes relativ entgleisten Gesichter entgegnete das Intelligenzbündel: Naja, für Euch ist das ein bißchen doof. Aber ich bin ja schließlich gerade erst in die Stadt gekommen.
Zwei andere bemerkten ungeniert zueinander, ohne die Kassiererin in das Gespräch miteinzubeziehen, wie toll das wär, das könnt's jeden Abend geben. Einfach nach der Arbeit noch bißchen bei H&M shoppen. Da war es dann schon 24:00 Uhr, und eine ganze sozial und human unkompatible Gang war einfach nicht aus dem Laden zu bringen.
Gut, wenn man dann von der Einzigen abgeholt wird und genüßlich auf dem Balkon dahindämmern und den Lauten des Halbfinaleinzugs lauschen kann. Und auch wieder Luft kriegt, weil Starkregen zwischenzeitlich fiel. Und sich an der Erinnerung ans Viertelfinale labt.
Samstag, 3. Juli 2010
Jahnplatz, 19:02 MEZ
Für Nicht-Bielefelder: Das ist der zentrale Platz in der Innenstadt. Für ein 4:0 gegen Argentinien durchaus angemessen!
Mittwoch, 30. Juni 2010
Sonntag, 27. Juni 2010
Das gab's noch nie:
Bißchen verwischt, aber noch zu sehen.
Infolge der Logik des Magischen Denkens muß ich jetzt natürlich bei jedem weiteren Spiel angemalt werden, und schauen müssen wir im Casa, wo sonst?
Infolge der Logik des Magischen Denkens muß ich jetzt natürlich bei jedem weiteren Spiel angemalt werden, und schauen müssen wir im Casa, wo sonst?
Dienstag, 8. Juni 2010
Dienstag, 1. Juni 2010
Ach,
und H.K. nun auch.
Ja, hat es euch alle nun gebissen? Ihr wart doch sonst immer standfest bis fast ins Grab in euern Ämtern!
Und schon lobt man auf der zeit.de fast den andern K., daß er wenigstens einen Plan gehabt zu haben schien, wobei mir nicht klar wird, warum das ein Verdienst ist; eine beleidigte Leberwurst, wenn auch erst kurz nach der NRW-Wahl, schien er ja auch zu sein.
Der andere H.K. ist jedenfalls niemals zurückgetreten, aber er hätte es wirklich bitter nötig gehabt.
Ja, hat es euch alle nun gebissen? Ihr wart doch sonst immer standfest bis fast ins Grab in euern Ämtern!
Und schon lobt man auf der zeit.de fast den andern K., daß er wenigstens einen Plan gehabt zu haben schien, wobei mir nicht klar wird, warum das ein Verdienst ist; eine beleidigte Leberwurst, wenn auch erst kurz nach der NRW-Wahl, schien er ja auch zu sein.
Der andere H.K. ist jedenfalls niemals zurückgetreten, aber er hätte es wirklich bitter nötig gehabt.
Mittwoch, 26. Mai 2010
The Orbit of Steinhude Ocean
Steinhude Ocean
The Magic Sisters at Steinhude Ocean. Beeindruckendes Gewässer für jemanden, der seit drei- bzw. zweieinhalb Jahren in Bielefeld lebt, aber für welche, die früher auf den Gewässern des Berliner Südostens und entsprechend angrenzenden brandenburgischen Seen großgeworden sind, nur mäßig beeindruckend. Groß zwar, immerhin, aber drumherum ist nüscht weiter. Das Aalbrötchenparadies Steinhude sucht indessen eh seinesgleichen vergeblich. Der Aal wird wohl aus Holland herbeigeschafft. Auf dem See, pardon: Meer, gibt es soviele Boote, daß sie nicht alle gleichzeitig ablegen dürfen, denn dann wäre kein Platz mehr zum Segeln.
Hier eine Ansicht von einem der vielen Bootsanleger. Geübte und bebrillte Augen werden rechts die aufgeslipten Katamarane erkennen.
Aber natürlich fragt man sich: Wie machen das die Niedersachsen, bzw. in diesem Falle wohl vor allem die Ostfalen, mit dem vielen Wasser in dieser ansonsten wasserarmen Gegend? Wir haben es herausgefunden: mit WasserWERKEN - fast genial! Das sollte man den Bielefeldern mal stecken! Nicht Untersee, nicht Johannisbach weiter aufstauen, sondern einfach mal ein WASSERwerk bauen!
Auch ansonsten bedienen die emsigen Niedersachsen jedes Klischee: Abgesehen von Kanalüberquerungen ist es sehr flach, und an allen Ecken blüht und duftet der Raps. Eine Windmühle bekamen wir ebenso zu sehen wie die Einflugschneisenlichter des Fliegerhorsts Wunstorf. Große schwarze Schafe weideten auf kleinen Feldern. Überall Pferde. Überall andere Menschen, die ebenfalls Teilstrecken des Steinhuder Orbits per pedales zu bewältigen trachteten. Alleen, wie ich sie im Westen für längst ausgestorben und fadenscheinigen Präventionsmaßnahmen zum Opfer gefallen gehalten hatte (ich verweise hier auf das großartige Pamphlet "Die springenden Alleebäume" von Herbert Rosendorfer), und die mit fast autobahnartigen Radwegen versehen sind.
Wie gesagt, der Mittellandkanal fordert allein echten Tribut vom Flachlandradler. Das Photo ist unscharf, weil noch während des Fahrens geschossen. Oder weil der Organismus vom Anstieg überfordert war.
Photographisch nun gar nicht eingefangen ist der große Kaliberg unweit des Meeres. Den umrundet man nämlich quasi auch, also nicht tatsächlich, da er ungefähr neben dem See liegt, aber man sieht ihn doch aus verschiedenen Richtungen die ganze Zeit lang. Mit dem Handy ist so ein weit entfernt liegendes Objekt schlecht zu fassen, daher habe ich mir von der offiziellen Steinhude Ocean Website legal ein Photo des Kalimanscharos heruntergeladen:
Am Tag der Aufnahme spuckte offensichtlich gerade niemand Asche oder dergleichen durch die Stratosphäre.
The Magic Sisters at Steinhude Ocean. Beeindruckendes Gewässer für jemanden, der seit drei- bzw. zweieinhalb Jahren in Bielefeld lebt, aber für welche, die früher auf den Gewässern des Berliner Südostens und entsprechend angrenzenden brandenburgischen Seen großgeworden sind, nur mäßig beeindruckend. Groß zwar, immerhin, aber drumherum ist nüscht weiter. Das Aalbrötchenparadies Steinhude sucht indessen eh seinesgleichen vergeblich. Der Aal wird wohl aus Holland herbeigeschafft. Auf dem See, pardon: Meer, gibt es soviele Boote, daß sie nicht alle gleichzeitig ablegen dürfen, denn dann wäre kein Platz mehr zum Segeln.
Hier eine Ansicht von einem der vielen Bootsanleger. Geübte und bebrillte Augen werden rechts die aufgeslipten Katamarane erkennen.
Aber natürlich fragt man sich: Wie machen das die Niedersachsen, bzw. in diesem Falle wohl vor allem die Ostfalen, mit dem vielen Wasser in dieser ansonsten wasserarmen Gegend? Wir haben es herausgefunden: mit WasserWERKEN - fast genial! Das sollte man den Bielefeldern mal stecken! Nicht Untersee, nicht Johannisbach weiter aufstauen, sondern einfach mal ein WASSERwerk bauen!
Auch ansonsten bedienen die emsigen Niedersachsen jedes Klischee: Abgesehen von Kanalüberquerungen ist es sehr flach, und an allen Ecken blüht und duftet der Raps. Eine Windmühle bekamen wir ebenso zu sehen wie die Einflugschneisenlichter des Fliegerhorsts Wunstorf. Große schwarze Schafe weideten auf kleinen Feldern. Überall Pferde. Überall andere Menschen, die ebenfalls Teilstrecken des Steinhuder Orbits per pedales zu bewältigen trachteten. Alleen, wie ich sie im Westen für längst ausgestorben und fadenscheinigen Präventionsmaßnahmen zum Opfer gefallen gehalten hatte (ich verweise hier auf das großartige Pamphlet "Die springenden Alleebäume" von Herbert Rosendorfer), und die mit fast autobahnartigen Radwegen versehen sind.
Wie gesagt, der Mittellandkanal fordert allein echten Tribut vom Flachlandradler. Das Photo ist unscharf, weil noch während des Fahrens geschossen. Oder weil der Organismus vom Anstieg überfordert war.
Photographisch nun gar nicht eingefangen ist der große Kaliberg unweit des Meeres. Den umrundet man nämlich quasi auch, also nicht tatsächlich, da er ungefähr neben dem See liegt, aber man sieht ihn doch aus verschiedenen Richtungen die ganze Zeit lang. Mit dem Handy ist so ein weit entfernt liegendes Objekt schlecht zu fassen, daher habe ich mir von der offiziellen Steinhude Ocean Website legal ein Photo des Kalimanscharos heruntergeladen:
Am Tag der Aufnahme spuckte offensichtlich gerade niemand Asche oder dergleichen durch die Stratosphäre.
Dienstag, 25. Mai 2010
Immerhin:
die einfaktorielle Varianzanalyse samt Einzelvergleiche und Trendtests scheint verstanden. Als großen Fortschritt gegenüber dem Grundstudium kann ich das allerdings nicht empfinden.
Zu Pfingsten waren die Geschenke wie üblich am geringsten, aber Wetter und Stimmung immerhin eher gut. Und nach langen Wochen konnte man endlich abends wieder auf dem Sigi sitzen (wobei es sofort gar nicht kalt wurde - ganz im Gegensatz zu heute, wo es, trotz inzwischen stattgehabter Eisheiiger, örtlichen Bodenfrost angesagt gibt. Die Tomaten stehen nunmehr fachfraulich umgetopft draußen, komme was wolle. Photos folgen vielleicht ebenso wie eine Bildreportage von unserem Fahrradausflug rund um Steinhude Ocean.
Zu Pfingsten waren die Geschenke wie üblich am geringsten, aber Wetter und Stimmung immerhin eher gut. Und nach langen Wochen konnte man endlich abends wieder auf dem Sigi sitzen (wobei es sofort gar nicht kalt wurde - ganz im Gegensatz zu heute, wo es, trotz inzwischen stattgehabter Eisheiiger, örtlichen Bodenfrost angesagt gibt. Die Tomaten stehen nunmehr fachfraulich umgetopft draußen, komme was wolle. Photos folgen vielleicht ebenso wie eine Bildreportage von unserem Fahrradausflug rund um Steinhude Ocean.
Sonntag, 16. Mai 2010
An deutschen Dreiecken
'Ne komische Art, ihre Bagger abzustellen, haben die in Koblenz aber schon, muß man sagen.

Demnächst ist nunmal BUGA in Koblenz, und da wird die Stadt noch ordentlich aufgehübscht - als wenn sie es nötig hätte. Dabei zeigt sie sich mit erstklassigen alten Häusern und Gassen, zahlreichen Festungen bzw. Schlössern sowie zwei absolut vorbildlichen Flüssen von einer denkbar guten Seite. Umrahmt wird das ganze von Weinbergen. Eins A, muß man sagen. Und da, wo die - na, wer hätte es gewußt? - Mosel in den Rhein fließt, gibt es das Deutsche Eck mit Reiterstandbild und Zweitfigur. Zunächst aber die Pforte des Rheinmuseums mit Hochwasserstandsanzeiger.
Gegenüber vom Deutschen Eck und für die BUGA dann per exklusiver Gebirgsseilbahn erreichbar liegt die Festung. Da kann man ganz leger an den keuchenden Spaziergängern vorbei mit dem Auto hochfahren. Oben gibt es ein wiederum vorbildlich unter blühende Kastanien gelagertes Restaurant nebst Aussicht. Die muß sich der Leser jetzt aber anhand des folgenden Bildes, das von gegenüber aufgenommen wurde, vorstellen, weil die Verfasserin da oben dem analogen Gerät den Vorzug gab.
Wie man auf dem obigen Bild gut sehen kann, hat ja der Rhein so gut wie überhaupt keine Strömung! Vor allem verglichen mit der Spree. Nun aber das Reiterstandbild von Kaiser Wilhelm, der ja 1871 usw. nicht nur eigenhändig sämtliche verfügbaren Franzosen und obendrein Österreicher besiegte, sondern auch das Reich einte. Nun denn. Wer die Zweitperson am Pferd ist, ließ sich nicht feststellen. Vielleicht der Stallknecht.
Als weitere Attraktion, um etwas von der nun doch etwas völkischen Deutschtümelei abzulenken, stehen an den Kanten des deutschen Dreiecks die Fahnen sämtlicher verfügbarer Bundesländer aufgereiht und wehen im strammen Wind des Rheintals. Hier ein besonders schönes Exemplar:
In der furchtbar häßlichen und ekelhaften Altsadt habe ich keine Bilder gemacht, um den Photochip zu schonen. Alte Häuser, bepflasterte Plätze mit gastronomischen Sitzgelegenheiten, hausgemachte Eise, bäh! Dann war auch noch schönes Wetter, fast so schön wie das Wetter Ende März im frostgebeutelten Berlin! Da fährt man lieber raus ins Grüne und bestaunt Rot-, Schwarz- und Damwild im Wildgatter und gleichzeitig völlig genervte Familien auf Sonntagsausflug.
Also, Koblenz ist eine Reise wert. Wenn man dann auch noch luxuriös untergebracht ist in einer großen und so hoch gelegenen Altbauwohnung mit Balkon, daß man direkt auf den Rhein und das gegenüber gelagerte Spaßbad gucken kann, sollte man gleich länger bleiben, vor allem wenn der besagte Balkon mit einem Gasgrill ausgestattet ist...
Das spezifisch "deutsche" am Deutschen Eck besteht übrigens eher in der Tatsache, daß auf diesem durch den Moseleingang gebildeten Dreieck einst das Deutschordenhaus stand (heute ja irgendwie immer noch) (oder so ähnlich). Schön auch, wenn sich Halbwüchsige, nachdem sie sich aus den Kindersitzen geschält haben, an die Mündung stürzen und rufen "Der Rhein!", "Der Main!" Oder wenn Väter im Wildgatter zum Nachwuchs sagen, daß der Hirsch der Mann vom Reh sei.
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