Dienstag, 19. Januar 2010

Das Kleinhirn, dein Freund und Helfer

Schon nach zwei Wochen hat man das Gefühl, man möchte auf keinen Fall auf irgendeinen Gehirnteil verzichten, wenn es sich irgendwie vermeiden ließe. Aber heute hatte ich einen Patienten, der im letzten Frühjahr eine Cerebellitis (Kleinhirnentzündung) hatte, und ich sage euch, Freunde, entzündet euch niemals euer Kleinhirn! Egal wie es bettelt und fleht!

Das Kleinhirn, auf den ersten Blick vielleicht unspektakulär, hat bei so vielen Prozessen im Gehirn seine Finger im Spiel, daß es bei Forschungsarbeiten mit funktioneller Bildgebung, bei der also das Gehirn in action beobachtet wird, eigentlich immer als aktiv angezeigt wird. Die gesamte unbewußte Motorik zum Beispiel wird durch einen kontinuierlichen Abgleich zwischen Körperselbstwahrnehmung, Gleichgewichtssinn und aktuell laufenden Bewegungen gewährleistet - eigentlich weiß niemand genau, wie es funktioniert, aber die entscheidende Schaltstelle dabei ist das Kleinhirn. Jeder von euch ist schonmal BEINAHE hingefallen, auf einer Treppe gestolpert oder auf einer Kante umgeknickt. Und daß es beim BEINAHE bleibt, das macht dasKleinhirn. Der motorische Cortex in unserem eigentlich fortgeschrittenen Großhirn ist dafür viel zu langsam. D.h. das Kleinhirn denkt nicht nach, und deshalb ist es sehr schnell trotz sehr vieler Informationen.

Wenn man sich das Kleinhirn entzündet, dann hat man echt die Karte Nr. 8 gezogen. Ich konnte den Patienten heute nicht mal richtig untersuchen, weil er praktisch nicht sitzen konnte, von Zeichnen oder ankreuzen ganz zu schweigen. Die Wortlisten zu lernen fand er uninteressant, was ich eigentlich auch ganz gut verstehen konnte. Er hatte große Schwierigkeiten mit dem Sprechen - motorisch, nicht inhaltlich. Er litt. Er war vor allem voll da - gefangen in einem Körper, der seinen eigenen, unberechenbaren und unbeherrschbaren Weg ging.

Hauptsache gesund bekommt hier eine ganz andere, ernstgemeinte Konnotation. Gesund bedeutet nämlich mehr als die Abwesenheit von Krankheit. Gesund heißt Vertrauen in die eigene Unverletzlichkeit und nicht den Unwägbarkeiten statistischer Risiken ausgesetzt zu sein, und somit kann keiner von uns gesund sein.

Das Bettenhochhaus der Charité hat 21 Stockwerke, und auf den allermeisten befinden sich Stationen, das heißt Betten, das heißt, Patienten. Also Menschen, die so krank sind, daß man sie nicht zuhause behandeln kann. Es ist ein imposantes (wenn auch häßliches) Gebäude, und man darf davon ausgehen, daß ausnahmslos jeder der darin liegenden Patienten sich sein Leiden nicht ausgesucht, daß er sich nicht dafür entschieden hat, dort zu liegen. Niemand will mit 30 einen Schlaganfall, mit 40 eine Cerebellitis, mit 50 ein Parkinson-Syndrom und mit 60 eine Alzheimer-Demenz. Niemand will mit einer infantilen Zerebralparese (der frühere landläufige "Spastiker") auf die Welt kommen oder mit Verdacht auf juvenile ALS (das ist das, was Stephen Hawkings hat) im Virchow-Klinikum einer unbedarften Praktikantin gegenüber sitzen. Absolut niemand möchte, egal wie alt man geworden ist, am Ende nicht mal mehr wissen, was man für einen Beruf erlernt hat.

Im Falle der Cerebellitis hätte ich mir gewünscht, der Patient würde mehr als ganzheitliches Menschenwesen und weniger als neurologischer Fall behandelt werden, auch wenn die Behandlung hier in der Charité wahrscheinlich auf allen Ebenen erheblich besser ist als im Kreiskrankenhaus Hobbelow. Wie man das genau umsetzen müßte, weiß ich natürlich auch nicht. Aber eine neuropsychologische Diagnostik (vom Arzt angefordert) ist sicherlich die vorletzte Information, die man über diesen Patienten benötigt (jedenfalls für Psychologen).

Eine gute Nachricht: es gibt hier auch ein sozialpädiatrisches Zentrum, in welchem aufgrund der ebenfalls im Virchow vorhandenen Kinder-Neurochirurgie eine Neuropsychologin zugange ist, die ich neulich per fernschriftlichem Kontakt um einen Gesprächstermin anbettelte, und sie hat sich in einer sehr positiven Weise heute gemeldet. Ich werde also demnächst mit der Dame (übrigens eine Neuropsychologin mit BIELEFELDER Ausbildung!) mittagessen und eventuell sogar einer kindlichen Diagnostik beiwohnen können. Zeit habe ich ja meist genug, wie cool!

Montag, 18. Januar 2010

Liebe Bahn!

Früher, als ich noch klein war, fuhr man mit der Eisenbahn an die Ostsee. Es dauerte sechs Stunden, und die Züge waren nicht besonders sauber. Auf den Toiletten roch es schlecht, und beim "Spülen" konnte man die Schwellen von den Schienen gut erkennen, weil in der Kloschüssel ein Loch und der Zug so langsam war. Das dominierende Geräusch während der Fahrt war da-dam da- dam sowie das Klatschen der Skatspieler im nächsten Abteil.

Später war ich schon groß, hatte aber nix gelernt und deshalb für gewöhnlich Ebbe im Portemonnaie. Zudem war zwischenzeitlich die lang ersehnte Wiedervereinigung des Vaterlandes erfolgt, und mithin betrug die größte Ausdehnung nicht mehr 500, sondern mehr als tausend Kilometer. Da der Westen den Kalten Krieg gewonnen hatte, erfolgte die Berechnung der Mehrkilometer in Westmark und FriedensWestpreisen; weil man den Osten aber nicht unter den Tisch fallen lassen konnte, integrierte man Freundlich- und Pünktlichkeit der Reichsbahn in das nur kurze Zeit Deutsche BahnEN genannte Gesamtkonzept.

Vor einiger Zeit war es ungeheuer modern, alles, was in jahrelangen Steuergelderinvestitionen vom Staat aufgebaut wurde, in handstreichartigen Privatisierungsorgien den internationalen Finanzmiezekatzen zum Fraß vorzuwerfen. (Post und Telekommunikation können hier nicht erschöpfend behandelt werden, aber Ähnlichkeiten sind nicht nur zufällig.) Das Schienennetz, die Züge, die beliebten Mitarbeiter - all das war Bestandteil eines öffentlichen Unternehmens, das öffentlich agierte und öffentlich finanziert wurde. Es hatte vor allem einen öffentlichen Auftrag, der zu erbringen war, ganz ohne neumodischen Kram wie Ausschreibung und Beförderungsvertrag. Es mußte nicht mal Geld verdienen. Es mußte einfach nur dasein und einigermaßen funktionieren.

Sicherlich, auch früher gab es Witze über die Bahn. Was sind die 4 Feinde der deutschen Reichsbahn? Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Mit Recht. Ich verweise auf die Kurzgeschichte Wintergeschichte 2 von Lothar Kusche (vielleicht ist es auch Wintergeschichte 1, aber die andere ist auch lustig, nur mehr nahverkehrsbezogen). Insbesondere die Floskel Wegen des im Winter völlig unerwarteten Schneefalls ist mir bis heute ein beliebter Kalauer geblieben, und zwar mit Recht.

Und damit sind wir beim Heute.

Etwas witterungsbedingte Störungen zu nennen, das mit Schneefall und Temperaturen bis -10° einhergeht, zeigt ganz deutlich, was da für Jungspunde in den Kommunikationszentralen sitzen. Ich bin wirklich nicht sehr alt und kann mich sehr deutlich an mehrere aufeinanderfolgende Winter erinnern, in welchen es wochenlange Perioden mit nächtlichen Temperaturen um -25° gegeben hat, vom Schneefall wollen wir gar nicht erst anfangen. Ich bin in Polen mit einer Eisenbahn von Kraków nach Zakopane gefahren, die man vor lauter Eis- und Schneezapfen quasi nicht mehr erkennen konnte und an der auch an jeder Station Männer mit Äxten die gröbsten Klumpen entfernten, und trotzdem trafen wir einigermaßen pünktlich am Zielort ein, womit wir überhaupt nicht gerechnet hatten (ein Zug der deutschen Bahn hätte für die gleiche Strecke sicherlich das Doppelte gebraucht, bloß da die Reise ins Gebirge ging, wäre er vermutlich gleich ganz ausgefallen). Das aber nur als Einschub.

Kurz vor Weihnachten strich die Bahn JEDEN ZWEITEN ICE zwischen München und Hamburg (Berliner Strecke). Begründung waren das Wetter sowie die uneinhaltbaren, vom innovationsfeindlichen Bundeseisenbahnamt auferlegten Wartungsintervalle für die neigetechnikgestraften ICE-T. Inzwischen fährt seit ungefähr einem Monat jeder ICE zwischen Berlin und Köln nur einteilig, d.h. es gibt keine aneinandergekoppelten Halbzüge mehr, sondern nur einen. Begründung sind das Wetter sowie die verlängerten Aufenthaltszeiten während der innovationsfeindlich angeordneten zusätzlichen Wartungen, weil es zu lange dauere, die Züge zu enteisen. Häufig kommt es zu Verspätungen bereits an Abfahrtsbahnhöfen, weil Züge nicht rechtzeitig bereitgestellt werden, d.h. es gibt keinen Ersatzzug mehr, der vom Betriebsbahnhof losfahren könnte, wenn der eigentliche Zug warum-auch-immer erheblich zu spät kommt, und selbst wenn es ihn gäbe, fehlte es am entsprechenden Ersatzpersonal. Eine momentan beliebte Begründung für Zugverspätungen ist die dichte Zugfolge und die hohe Fahrgastdichte, wobei letztere teilweise damit gut zu erklären ist, daß es viermal solange dauert, bis alle Fahrgäste eingestiegen sind, wenn der Zug, der schon im Normalzustand sehr voll ist, nur aus der Hälfte der Waggons besteht. So wird der Schwarze Peter einmal mehr den Fahrgästen selber zurückgespielt, so wie bei der Einführung des neuen Preissystems schon einmal. Bereits damals wurden die Fahrgäste dafür bestraft, daß sie die Bahn dann nutzen, wenn sie sie brauchen, und nicht dann, wenn die Züge leer sind. Heute bekommt man per Durchsage mitgeteilt, daß der Zug bereits in Spandau zehn Minuten Verspätung hat, weil es in Hauptbahnhof so lange gedauert hat, bis sich die Fahrgäste von quasi zwei Zügen in einen gequetscht haben. Selber schuld!

Wenn das Wetter wirklich schlecht ist, und ehe Züge fahren, die von Rechts wegen in die Werkstatt gehören, hat wahrscheinlich jeder Fahrgast Verständnis für Einschränkungen, wenn er wenigstens trotzdem eine Chance bekommt, quer durch die Republik zu kommen. Aber derzeit findet etwas ganz anderes statt. Neuerdings zahlt der Fahrgast ICE-Tarif und hat nicht nur keine Chance auf einen Sitzplatz, sondern hört plötzlich Durchsagen, in denen er aufgefordert wird, den Zug zu verlassen, insofern er keine Platzkarte besitze - in Zeiten, in welchen die Bahn 4,50 für eine Reservierung kassiert. Glücklicherweise sind diese Aussagen auch mehr Ausdruck der Hilflosigkeit der Zugbegleiter angesichts der Massen in den verkürzten Zügen, als daß ein Rechtsanspruch der Bahn dahinterstünde, nur Personen mit Platzkarten befördern zu müssen - dann würde sie mit einer generellen Reservierungspflicht, wie sie in vielen Schnellzügen Europas gängig ist, besser fahren.

Was bleibt eigentlich an Gefühl nach all den Jahren Privatisierung nach dem Motto Gut gemeint ist nicht immer gut genug? Ich möchte mit der Bahn ein deutschlandweites Verkehrsmittel haben, das jeweils an definierten Punkten zugänglich ist (= Bahnhof) und in fest definierten Zeitfenstern die Republik durchschreitet (= Fahrplan). Die Fahrpreise sollen so gestaffelt sein, daß es auch bei der längsten anzunehmenden Strecke durch die Republik (= Flensburg-Regensburg) kein Monatsgehalt kostet, mit der Bahn zu fahren. Eine preiswerte Bahncard (schweizerisch: Halbtax) würde der Bahn kalkulierbare Aboeinnahmen einbringen. Eine am Bedarf orientierte Fahrplan- und Zugpolitik würde das Interesse an der Bahn erhöhen und mehr Zufriedenheit garantieren. Ein ICE sollte nur dann ICE-Preise kosten, wenn er ICE-Leistung erbringt, nämlich Sitzplatz plus Schnelligkeit plus Pünktlichkeit plus Freiheit vor Unruhebolden, die sich in einem öffentlich Fernverkehrsmittel nicht adäquat benehmen können. Wenn ich im Gang sitze und meine Arbeit nicht erledigen kann, die in den zwei Stunden Fahrt eingeplant war, dann soll ich auch bloß Regionalexpreß bezahlen müssen, im Ernst.

Im Moment erscheint mir die Bahn als immer-noch-Monopolist, der nicht mehr den Katzbuckel vor dem Steuerzahler machen muß, weil ja alles privatisiert ist. Also auch sehr arrogant, und eigentlich, seit sie ihre Fahrpreiserhöhungen nicht mehr mit dem zuständigen Minister diskutieren müssen, schlimmer als je zuvor.

Liebe Bahn! Bitte werde wieder cool. Ich will mit dir überallhin fahren. Aber es geht einfach nicht, daß es schon nach Kopenhagen 500 Öre zu zweit kostet, und dann will man ja noch weiter nach Stockholm. Für das gleiche Geld kann man wochenlang sonstwohin fliegen, oder man läßt es ganz bleiben und macht sich einen netten Sommer in Bielefeld. Es kann nicht sein, daß Temperaturen mit nächtlichen -10° als sibirisch eingestuft werden und Züge systematisch ausfallen, während der Rest auch viel zu viel verspätet ist. Es geht nicht, daß lange Enteisungszeiten als Begründung für dann fahren wir gar nicht erst herhalten müssen. Und wie kann ein Zug wegen dichter Zugfolge eine halbe Stunde verspätet sein, wenn die Hälfte der Züge auf der Strecke gar nicht fährt? Das kommt mir ein bißchen vor, als möchtest du mich für dumm verkaufen!

Dienstag, 12. Januar 2010

Go friday


Go neuro

Heute war Frühbesprechung.

Das ist so eine Art Teamtreffen, einmal in der Woche, wo der Chef und seine Granden zum Rapport bitten vortanzen lassen, und alle haben was davon.

Heute gab es eine Fallkonferenz, d.h. der Doktor mit der unleserlichen Handschrift (wir üben uns regelmäßig in graphologischen Gutachten) stellte eine Patientin vor, die ein seltenes Syndrom mit dem schönen Namen Bálint-Syndrom zu haben scheint, vielleicht ist es aber auch was ganz anderes, höchstwahrscheinlich aber immerhin keine Alzheimer-Demenz.

Prinzipiell war die Veranstaltung offensichtlich dafür gedacht, mir den Sex-Appeal von Neurologen vorzuführen. Im Ernst: Der Chef und seine beiden Helferlein sitzen da durchaus wie die beiden alten Herren in der Muppetshow (bloß daß sie nicht alt sind). Und aber, neue Generationen eroberten Chefarztsessel, die Gesprächsführung ist kooperativ und konstruktiv, von Alphatiergehabe ist nichts zu spüren. Witzigerweise wird eine kleinere Runde im Benjamin-Franklin-Krankenhaus Steglitz, das der Charité angegliedert wurde, per Skype zugeschaltet. "Hallo, Steglitz, könnt ihr uns hören?", brachte heute ein paar Lacher (trotz der frühen Stunde).

Dann hatte ich meinen zweiten Patienten. Meine erste Patientin gestern litt vor allem unter Logorrhoe, d.h. mehr leidet ja in der Regel die Umwelt, in diesem Falle also ich. Diese Logorrhoe war auch auf dem Anmeldungszettelchen von Dr. Herbst, dem Mann, dem Graphologinnen nicht vertrauen, hübsch unter Besonderheiten vermerkt. Lesbar. Der heutige Patient war insofern nett, als daß er trotz seines erheblich fortgeschrittenen Alters nicht nur nicht dement, sondern überhaupt erfrischend aktiv und lebendig war. Fragen nach dem Datum und dem Stadtbezirk  konnte er besser beantworten als so mancher Sechzigjähriger in den letzten Tagen, und bei der Frage nach der Bundeskanzlerin fragte er vor der korrekten Antwort schmunzelnd, ob er das wirklich wissen müsse. Ach, der war schon sehr fit! Morgens im Bett mache er immer seine Gymnastik, "allein, nicht was Sie vielleicht denken", was auch immer ich mir unter morgendlich allein im Bett durchgeführter Gymnastik vorstellen mochte. Er nahm ASS und Gingko-Präparate ein. Wahrscheinlich braucht man ein überdurchschnittliches Ausgangsniveau, ein paar Pseudo-Gedächtnispillen und regelmäßige Gymnastik, und dann wird man nicht dement und bleibt sogar nett, insofern man jeden Morgen für sich und die Frau das Frühstück bereitet. Letzte Woche hingegen war einer im ähnlichen Alter da, den hatte es schon schwer erwischt. Jetzt habe ich mal den Unterschied gesehen - in der Jugend kannst du die Leute nach Jahrgängen klassifizieren. Im Alter ist die Leistungsfähigkeit viel variabler, und das, obwohl ja einige auch schon gestorben sind!

Morgen bin ich wieder im Virchow. Also, man muß mir immer eine Woche mit möglichst wenig Anforderungen geben, und dann wird schnell alles gut. Aber zwei Tage lang zweifle ich selber daran, ob es so eine gute Idee war, mich als Praktikantin zu nehmen ;-).

Schneller noch als in die Praktikantinnenrolle zu schlüpfen habe ich mich an Berlin gewöhnt und daran, hier unterwegs zu sein. Und das trotz der Schneeberge! Keine Passanten kommen mir ins Gehege. Ich achte grad extra drauf, aber niente. Man kann intuitiv besser überholen, selbst bei den eingeschränkten Verhältnissen auf den teilgeräumten, eher festgetrampelten Bürgersteigen. Und überhaupt wächst meine Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit rapide. Überallher kommen Informationen, und sie werden knackig verarbeitet und integriert. Eine Fähigkeit, die in Bielefeld offensichtlich verkümmert und hier nun wieder zu neuem Leben erwacht.

Mittwoch, 6. Januar 2010

Go East

Berlin ist kalt. Überall stapelt sich der Schnee, und niemand macht sich mehr die Mühe, ihn irgendwie wegzuschaffen. Man hat einfach abgewartet, bis er festgetrampelt wurde und in Verbindung mit einigen Splitkörnchen eine einigermaßen zuverlässig begehbare Oberfläche gebildet hat.


Das Bettenhochhaus der Charité in der Luisenstraße ist nicht ganz so alt wie ich, sieht aber von außen wesentlich ramponierter aus, wenn ich das in aller Bescheidenheit so sagen darf. Wenn man drinnen arbeitet, kriegt man vom ramponierten Äußeren aber nichts mit und kann dafür ganz ungeniert einen herrlichen Ausblick auf alles genießen - Hauptbahnhof, Reichstag, Potsdamer Platz, Regierungsviertel und alles, bis zum Turm vom Flughafen Tempelhof. Innen ist auch alles - Patienten, deren Besucher, Studenten, Praktikanten, Ärzte, Pfleger, Assistenten, Putzfrauen (bei den anderen sind auch Frauen dabei); im Fahrstuhl wird gegrüßt; in der Verwaltung herrscht die gefährliche Mischung aus DDR, Preußentum und Berliner Schnauze. 


Schon nach drei Tagen und vier Patienten, die ich selber zu Gesicht bekommen habe, spüre ich, wie sehr diese Wende und der nachfolgende Anschluß an die BRD Biographien und Vertrauen zerstört haben. Die wollten mich nich mehr, die wollten uns bloß loswerden, die hatten dann keene Verwendung mehr für uns, die ham mich vorher rausjeschmissen. Diese Menschen sind deswegen nicht depressiv oder verzweifelt; sie beklagen sich nicht - aber eins ist klar: die Fete 1989 war den Kater 1990 ff. nicht wert. 


Meine Chefin mag die Berliner nicht, und schon gar nicht die aus dem Osten. Sie sagt, sie hätten Schnauze, aber kein Herz. Ich sehe das naturgemäß anders, und ich entdecke auch immer wieder Beispiele (genauso, wie sie wahrscheinlich auch immer Beispiele, die ihre Hypothese untermauern, findet). Ich bin froh, hier zu sein und ausgerechnet hier erstmals ernsthaften Patientenkontakt zu haben, wo ich dann wenigstens die Hintergründe und Geschichten ohne weiteres nachvollziehen kann. Ich jedenfalls mag die Berliner, die einem wenigstens nicht vor den Füßen rumhampeln, sondern in der Regel wissen, wohin sie wollen, und das auch zügig in die Tat umsetzen. Sie haben praktische, witterungsgemäße Kleidung an, weswegen ihnen häufig mangelndes Modebewußtsein nachgesagt wird. Was für ein lächerlicher Einwand! Als wenn Modebewußtsein irgendein höheres, erstrebenswertes Ziel wäre, im Vergleich zu keine Lungenentzündung. Gut aussehen kann man auch in alten Skijacken, sofern man gut aussieht. Wenn man nicht gut aussieht, machts eine dünne BOSS-Jacke auch nicht wett. Ach, und ich berliner natürlich wie wild. Die Prinzessin wird sich freuen. 


Die als inspirierend erwartete WG mit Finnin und Italienerin war bislang zur Hälfte nicht vorhanden (in Form der erst morgen eintreffenden Italienerin) und zum Teil anstrengend, weil die Finnin einen finnischen Freund da hatte, der anstrengend war (und der von ihr auch als anstrengend empfunden wurde), und zudem ebenbesagte Finnin auch an jeder Ecke und zu jeder Uhrzeit mitteilt, wie sie und Erika es mit den Haaren im Duschabfluß halten würden und daß sie nunmehr nicht wüßte, wo sie ihr Handtuch hinhängen sollte. Da mein Englisch noch eingeschränkter ist als auch schon, wenn ich selber angeschlagen bin, habe ich viele ihrer Informationen noch gar nicht richtig verstanden, und das ist wahrscheinlich gut so. Von wegen schweigsame Finnen... puuuuh. 

Mittwoch, 23. Dezember 2009

My Review of Custom Messenger


My beloved Timbuk2 handmade

By sunshine from Bielefeld, Germany on 12/23/2009

 

5out of 5

Pros: One-of-a-kind, Adjustable, Comfortable, Lots of Storage, Rugged

Best Uses: City Bikes, Not Just Biking, Commuting

Describe Yourself: Student

Primary use: Personal

Besides the horrible shipping and custom costs to europe, it is all the perfect bag, good-looking, and bearing everything. I use it every day for taking my notebook and everything else to university, by bike or train. I love its colors, which I chose for myself, and so did I for the left-handed strap and the compression straps at the bottom. Inside, it has quite a lot of small pockets for the little bric-a-brac you carry with you the whole day. The notebook case is very thickly cushioned and safe. Last but not least it took only 36 hours to made the bag and bring it directly into my loving waiting arms, from San Francisco right to the german back province. So I did not regret my order to date, and I won't tomorrow.

(legalese)

Freitag, 4. Dezember 2009

Sonntagsruhe

Ich hab ja schonmal was zum Sonntag geschrieben, aber ich habe so gar keine Ahnung, wann das gewesen sein könnte, deshalb versuche ich es gar nicht erst, den Link zu finden.

Nun hat also mein geliebtes Verfassungsgericht (mit dem seinerzeit sehr ungeliebten W.Hassemer) entschieden, daß die grundgesetzliche Sonntagsruhe auch wirklich RUHE bedeutet, und zwar für alle, und auch gegen den Willen vieler. Ich wußte gar nicht, daß es eine so strenge Sonntagsruhe im Grundgesetz gibt, aber ich bin dankbar für den schweren Riegel, den die Herren in Karlsruhe (inzwischen sind hoffentlich auch einige Damen dabei) der wochentäglichen Beliebigkeit vorgeschoben haben. Dabei geht es mir nicht um Religion. Daß die Läden an verkaufsoffenen Sonntagen erst um 12 oder 13 Uhr öffnen durften wegen Gottesdienst, fand ich nämlich schon immer albern. Niemand, dem die sonntägliche Kirche so wichtig ist, daß er nicht auf sie verzichten möchte, geht anschließend zum Shoppen ins nächstegelegene Shoppingcenter und ärgert sich, daß das in drei Stunden schon wieder zu macht. Ich hoffe jedenfalls schwer, daß diese Aussage zutrifft. Es gilt die alte Regel: Niemand muß tun, was er nicht will, also beispielsweise sonntags einkaufen. Aber - die formale Abschaffung eines allgemein gültigen Feiertages pro Woche würde das soziale Leben sehr nachhaltig verändern. Der Sonnabend, der ja schon beide Entwicklungen erleben durfte, konnte das nachhaltig lehren. "Samstag gehört Vati mir", steht auf einer typischen Gewerkschaftsanzeige der, na, da muß ich raten, wahrscheinlich 60er Jahre. Da wurde für Vatis arbeitsfreien Sonnabend gekämpft. Heute geht das Wochenende mit einiger Selbstverständlichkeit für Entscheidungsträger aller Art von Freitagmittag (Freitag nach Eins macht jeder seins) bis Montag früh (Wer später kommt, kann früher gehn);  Studenten nicht ausgeschlossen.

Daß es oft und viel Studenten sind, die dem Einzelhandel reibungsarm die Umstellungen auf veränderte Öffnungszeiten ermöglichen; daß es die sonst arbeitslosen, voll flexiblen Stundenlöhner sind, die mit einer garantierten Mindestarbeitszeit von acht Stunden in der Woche zurechtkommen müssen und damit, daß sie eigentlich nie Nein sagen können, wenn sie wegen eines Engpasses angerufen werden, immer in der Hoffnung, in eine Festanstellung übernommen zu werden, das wird meist nicht besprochen. Den Studenten ist es ja egal oder sogar recht, wenn die Arbeitszeiten ungewöhnlich sind, denn sie machen den Job nicht für immer und müssen sich schon gar nicht im Rahmen einer Familie damit arrangieren. So gibt es häufig ein kurioses Gerangel um die begehrten Arbeitsplätze bei Sonntags- und Mitternachtsshopping-Öffnungen, weil die Bezahlung überdurchschnittlich ist und es zusätzlich einen Gutschein gibt.

Da ich ja nicht bestechlich bin, habe ich bislang nur unter Protest in die harte Birne eines Sonntags- bzw. eines Sonnabendabendeinsatzes gebissen und muß für beide Erlebnisse deutlich sagen, daß sie nicht wiederholt werden müssen. Weder möchte ich, am Rande meiner Konzentrationsfähigkeit und darüber hinaus, bis 24 Uhr an irgendeiner Kasse stehen müssen, noch möchte ich eine ganz normale Arbeitswoche am Sonnabend um 20:30 beschließen, um am Sonntag von 12 bis 17:30 ebenfalls im Laden Landeier bedienen zu müssen, um dann am Montag wieder voll in der Uni zu sein. Da brauch ich auch keinen Gutschein für.  

Sonntag... alleine das Geräusch am offenen Fenster... selbst in Berlin ist das anders, weil andere Leute mit anderen Zielen unterwegs sind. In de Zeit hat das ein Kommentator sehr nett zusammengefaßt mit "ein Tag, an dem keine Rechnungen kommen, an dem nur Freunde anrufen und sonst niemand an der Tür klingelt... und wenn man sich für ausgiebige Aktivitäten verabreden will, ist es auch blöd, wenn einer sonntags frei hat, der andere aber donnerstags, das aber nur alle zwei Wochen, weil in den anderen hat er ja "lange Woche", was auch immer das bedeuten mag... Sonntag schafft gewisse Verbindlichkeit, und da ich glaube, daß in diesem Lande tatsächlich niemand sterben wird, weil er nicht am Sonntag einkaufen gehen konnte, begrüße ich das BVG-Urteil (wie die vergangenen fünf anderen auch) aufs allerherzlichste!

P.S. Und ich bin so unreligiös (und fast angenervt von dieser gebetsmühlenartigen Leier "von wegen säkularisiert, die Kirchen zwingen uns ihren Mist auf, Christenterror usw.) und sage bloß: Das Grundgesetz hat gesprochen! Ohne Jesus!

Mittwoch, 2. Dezember 2009

Es hat nix mit Verschwörungstheorien zu tun! Oder vielleicht doch!?

Früher hing ich gerne Verschwörungstheorien an. Es war einfach, selbsterklärend, duldete keinen Widerspruch, und man hatte immer recht. Optimale Zustände, meine ich. Aber ach, das Alter. Plötzlich beginnt Kamerad "Gesunder Menschenverstand" sich in das Selbst zu nagen, manchmal begleitet von seiner Freundin "Nachvollziehbare Argumentation". Gemeinsam führen sie die Gang "Nur weil es einfach ist, muß es nicht richtig sein" an. Fad ist es, wenn man erwachsen wird! Wenn man erwachsen wird, denkt man Sachen wie "es ist Quatsch, Hörsäle zu besetzen" und schämt sich nicht einmal dafür. Und ich, das kann ich ganz sicher sagen, bin sicherlich nicht vor den Verlockungen der Reaktion eingeknickt und schwöre früheren Überzeugungen ab, weil ich bestechlich geworden bin! Die Reaktion hat es bislang gar nicht versucht, mich mit Verlockungen aller Art zu umgarnen!

Andererseits scheint mich Post nicht mehr zu erreichen. Das Adventspaket ist noch immer nicht hier; das Dezember-Magazin ist auch noch nicht eingetroffen. Nicht einmal Rechnungen erreichen den schützenden Hafen meines Altpapierstapels. Schneidet mich jemand bewußt von den Errungenschaften moderner Kommunikationsmittel ab? Ist es derselbe, der an meinem Laptop erst das drahtlose Internet und nun auch den CD-Brenner zum Erliegen brachte? Und warum, zum Henker, tut er das?

Immerhin haben wir alle hier in Ostwestfalen den aufsehenerregenden Gefängnisausbruch unverletzt, sogar meistenteils unbeteiligt überstanden. Nächtlicher Hubschraubereinsatz gepaart mit tagsüber Autodurchsuchungen, da kann man hierzulande schon aus dem Häuschen geraten. Und dann flieht der Bewußte auf einem silbernen Damenrad gen holländische Grenze, hat sich vermutlich gar nicht "hier bei uns" aufgehalten... die Enttäuschung unter den Einheimischen wird verborgen, ist aber zu spüren. Wieder nix mit Hotspot EastWestFalia.

Vor einer Woche haben wir Wiglaf Droste gelauscht und bewundert. Es ist retrospektiv wirklich überhaupt nicht mehr zu verstehen, wie es kommen konnte, daß Wiglaf Droste und Max Goldt seinerzeit in Berlin gleichzeitg, höchstens 500 Meter voneinander entfernt, zur Lesung eingeteilt  gewesen sein konnten! Eigentlich hätte man sogar erwarten können, daß die beiden Künstler protestiert hätten, sie würden gerne jeweils zur Parallelveranstaltung gehen wollen, aber nichts dergleichen; Max Goldt im Berliner Ensemble und Wiglaf Droste nebst Herr Nilsson im Friedrichstadtpalast, was am späten Abend noch zu einer kombinierten Darstellung von Johnny Cashs Ring of Fire führte. Und es ist ein schönes, seltsames Vergnügen, Wiglaf Droste zuzuhören. Er ist extrovertierter als Max Goldt, verfügt aber dennoch über dieselbe bescheidene Zurückhaltung, was die eigene Person betrifft.

Ich stelle gerade schmerzhaft auf einen ursprünglichen Uni-Modus um. Kein Büro, kein Uni-Rechner. Das klingt banal, aber Morgenroutinen zeichnen sich durch eine unhinterfragbare Zuverlässigkeit aus. Sofort ist es verlockender, einfach im Bett zu bleiben, weil ja in der Uni ohnehin nichts lockt außer die Bibliothek mit ihrer Prüfungsmentalität, ihren Zombies, ihren ungenutzten Semesterapparaten und ihrer Erklärungsbedürftigkeit - im Büro ist die Frage "Und du arbeitest fleißig?", obwohl es nicht stimmt, aber in der Bib ist die erste Frage stets "Und was machst du?", und gemeint ist die avisierte nächste Prüfung. So läuft das, und selber macht mans auch so.

Bißchen Studiermüdigkeit isses, und bißchen bin ich ja bald eh weh hier, und danach, wenn ich wieder hier bin, hab ich Prüfungen und schreibe Diplomarbeit. Also spannend wird es in diesem Studium nicht mehr, dafür geht es seinem Ende zu. Das begrüße ich sehr.

Dienstag, 24. November 2009

Antwort auf vert, aber kurz und intuitiv

Ja, sicher ist der neue Rektor nicht aus dem Nichts gekommen. Trotzdem scheint er ein paar Sachen radikal anders zu machen als sein Vorgänger. Übrigens war er schon als Prorektor verhältnismäßig beliebt und zählte im Rektorat zu den wenigen nicht vollständig verrückt gewordenen, und da ich das Glück habe, ihn persönlich kennenlernen zu können, kann ich das hiermit bestätigen: Ja, den Eindruck machte er durchaus!

Ja, es ist wahnsinnig dämlich, sowohl eine 40-Jahr-Feier der Universität als auch eine entsprechende Uni-Gala ohne Studierende durchzuführen und zu planen. Auch hier ist fraglich, inwieweit die aktuelle Unileitung darauf überhaupt Einfluß hatte; solche Events werden erfahrungsgemäß mit erheblichem zeitlichen Vorlauf vorbereitet. Gerhard Schröder wurde ja auch unendlich für die architektonische Pompösität und Überheblichkeit des Bundeskanzleramts in Berlin gescholten, obwohl dessen monströse Auswüchse, sofern nicht ohnehin vom Architekten verbrochen, verbindlichen Vorschlägen seines Amtsvorgängers Helmut Kohl zu verdanken sind. Natürlich sind fünf Minuten Redezeit für den Asta peinlich, andererseits wollte der Asta in der Ansprache laut NW zur allgemeinen Lage an den deutschen Universitäten, in den neuen Studiengängen, zu Studiengebühren und weiß der Henker was sagen - das hätte vielleicht auch nicht so recht zum Anlaß gepaßt. Und, wohlgemerkt, die Proteste letzte Woche waren ja eben nicht eine vom Asta konzertierte Aktion, die gegen den Ausschluß der durchaus wichtigsten Statusgruppe der Uni protestiert hätte - mit aufsehenerregenden und vielleicht sogar witzigen Aktionen (wo waren die denn eigentlich?), sondern es handelte sich um ein paar Hitzköpfe, die sich bei der Demo noch nicht genug ausgetobt haben und dann mal eben Ballett in der Halle veranstalteten (ich habs gesehen und gehört). Das man bei so einem angehitzten Haufen nicht das Risiko eingehen möchte, daß dann doch ein paar austicken und ordentlich Rambazamba machen, kann ich eigentlich gut verstehen. Schließlich waren ja weder die Audimax-Besetzer noch die Demo-Aufrufer Leute, die ihr Gesicht zeigen oder eben mal für ihren ach so friedlichen Protest mit ihrem Namen und ihrer Person stehen.

Im übrigen: Der Asta braucht keine Daten der Studierenden und somit nicht einmal den Datenschutz zu verletzen. Es gibt komfortable Möglichkeiten, über das eKVV beliebige Statusgruppen anschreiben zu können. Ich habe das selbst bereits erfolgreich gemacht. Wenn die Uni diese Emails nicht durchläßt (was ich einerseits zwar, wenn es um den Studiengebührenboykott geht, verstehen kann, andererseits natürlich trotzdem Zensur ist), dann gibt es immer noch die Möglichkeit, die Studierenden über die Fachschaften zu erreichen. Schlußendlich scheint mich ja die Asta-Verkehrsgruppe ganz altmodisch per Snailmail zu erreichen, wenn sie mir das ungeliebte Semesterticket zukommen läßt.

Da ich mich gerade eine Stunde lang mit einem der Krawallbrüder konstruktiv unterhalten habe, ist mir meine eigene Quintessenz des Themas bewußter geworden: es ist einfach nicht mein Thema. In Sachen Durchlässigkeit akademischer Bildung für alle sozialen Schichten, vor allem unabhängig von den Eltern, rennt man bei mir offene Türen ein. Auch das selbständige Denken möchte ich immer und überall, sogar außerhalb der Uni, gefördert und gefordert sehen, und ich meine, daß eine Abkehr von allzu unstrukturierten Studiengängen nicht automatisch bedeuten muß, daß man Studenten wieder zu Grundschülern macht. Im neuerdings eingeführten Hochschulrat (was macht der eigentlich?), der sich offensichtlich einfach selber gegenseitig wählt und der bei uns pikanterweise von Annette Fugmann-Heesing angeführt wird, die wiederum auf eine mittelstolze Karriere (Verkauf der relevanten stadteigenen Betriebe BEWAG, GASAG, GEHAG und Wasserbetriebe) als Berliner Finanzsenatorin zurückblicken darf, aber das nur nebenbei, jedenfalls ist da kein einziger Student drin! Natürlich ist das skandalös. Kurzum: Viele Forderungen sind nachvollziehbar, aber finden nicht immer den richtigen Weg oder Adressaten, und irgendwie räume ich mir das Recht auf bildungsrelevante Selbstbestimmung ein. In einem Diplomstudiengang mit zurückhaltender Studienstruktur ist natürlich auch viel einfacher.

Montag, 23. November 2009

Update

Der Sonntagsausflug führte auf die zauberhafte Burgruine Ravensberg, die hier einem ganzen Landstrich und einer Straße den Namen gibt und seinerzeit vom Herrn Schinkel auf Vordermann gebracht wurde. Ob man es glaubt oder nicht, aber gestern konnte man tatsächlich draußen, im Freien auf einem Berg, Tomatenbrote essen und Spezi trinken! Vor einem Jahr hatte es schon heftig geschneit! Offensichtlich hat sich der Klimawandel an Bielefeld erinnert (Oh, gibts ja doch!), jedenfalls ist es sehr warm, und heute gab es auch das ein oder andere, eher an April oder August erinnernde Unwetter.

Ich merke ganz deutlich, daß mir die behäbig-umständliche ostwestfälische Art um so mehr auf den Keks geht, wie der Berlin-Aufenthalt näher rückt. "Endlich mal normale Leute", werde ich laut ausrufen, wenn ich zum ersten Mal von Weißensee nach Wedding fahre. Insofern ist das Praktikum in Berlin auch als therapeutischer Aufenthalt zu werten, als Idee, wie es auch sein könnte, wenn man nur nicht arbeiten müßte. (Und inbegriffen sämtliche Erkenntnis darüber, daß es auch nicht besser wäre, weil man einfach umso langsamer studiert, je weniger man zu tun hat. Das merke ich grad schmerzlich. Veranstaltungen habe ich praktisch keine, und bloß so einen klitzekleinen Ethikantrag muß ich schreiben... okay, Ethikantrag für die eigene Diplomarbeit unterscheidet sich nachhaltig von schnell noch zurechtzukloppenden Seminararbeiten "für den Schein", aber ich hatte auch schon Semester, wo ich von Seminar zu Seminar getaumelt bin, für die man ja auch immer Referate halten muß.)

An der Uni hat ja der Rektor gewechselt, und obwohl die parallel stattfindenden Randaleveranstaltungen den Eindruck erweckten, als sei das bei den Studierenden nicht angekommen, hat sich der Ingenieur nicht gleich beleidigt in die Ecke verzogen, sondern in einer geradezu dramatischen Anhörungs- und Diskussionsbereitschaft Veranstaltungen und Strukturen ermöglicht, die der Altrektor nicht mal nach schlimmer Folter (bei Pädagogen: Folter = echte empirische Arbeiten lesen & verstehen) ermöglicht hätte. Obwohl die Audimax-Besetzung in meinen Augen Blödsinn war (und sicherlich die "dramatische Räumung" von den Möchtegernkrawallis eher erträumt wurde, als daß sie so durchgeführt wurde), genießt der Forderungskatalog eine gewisse Aufmerksamkeit und Brisanz seitens des Rektors, und neuerdings erhält man als Student alle naselang Emails vom Rektorat, in welchen der Stand der Dinge haarklein aufgeschlüsselt ist - wohlgemerkt, vom Rektorat! Vom Asta hab ich noch nix bekommen!

Bielefeld gönnt sich nasse und laute und warme Unwetter.

Die Tasche steht ihren Mann. Die $15 teuren compression straps, die das Ding optisch verschlanken, wenn nicht viel Inhalt zu transportieren ist, machen sie zu einer echten Allround-Tasche. Sie fährt mit Laptop ohne zu murren Fahrrad und war heute auf dem Weg nach Hause der wasserdichteste Teil von mir. Die klugen Unterteilungen machen sie zu einem Gegenteil von Damenhandtasche, insofern nicht ständig der gesamte Kleininhalt herumfliegt, andererseits aber auch nicht aufwendig in diversen Untertaschen gesucht werden muß. Sie scheint auch mit schweren Gewichten zu funktionieren und sieht einfach phantastisch aus! Also, egal war sie echt mal teuer, aber sie ist super und gleichzeitig ein echter Hingucker. Das einzige, was ich noch nicht rausgefunden habe: der mittlere Streifen ist ja so ein Reflexions-Orange-Material. Aber wenn ich die Tasche selber aufhabe, kann ich das gar nicht sehen, ob das wirklich reflektiert, so wie ich mir das vorstelle!

Bald in Berlin, vielleicht dann auch wieder mehr interessante Beiträge!

Mittwoch, 18. November 2009

Studierendenproteste

... sollte ich vielleicht was zu sagen. Bloß, für vieles bin ich ganz und gar inkompetent; ich bin einfach nicht die typische Studentin, weder von der wirtschaftlichen als auch von der motivationalen Ebene her.

Aber Heinis, die mit Masken versehen in die A&O-Vorlesung stürzen, um für eine legale und angemeldete Demo zu werben, stoßen bestenfalls auf Unverständnis, bei mir jedenfalls.

Die möglicherweise gleichen Heinis haben ja zunächst unser Audimax besetzt, sind dann aber weggegangen, als angeblich die Räumung durch die Polizei drohte (das ist alles so ungeklärt, daß mit zumindest nicht klar ist, ob es wirklich eine von der Unileitung veranlaßte Räumung gab oder die Besetzer in einer schwachen Minute Schiß gekriegt haben, auf der Polizeiwache ihre Personalien angeben zu müssen). Wo ich ja schon denke, wenn ich hinter der Besetzung stehe, kann ich mich doch auch verhaften lassen!? Bei einer Verhaftung passiert einem doch gar nichts, und in so einem Rahmen kann das sogar die Aktion deutlich in der Außendarstellung aufwerten.

Als gefühlt Außenstehende hat man zumindest das Gefühl, daß bei den Protestleuten eine Mischung aus das Bachelorstudium ist blöd, Kapitalismus gehört abgeschafft, egal wie und ich bin jung und kann mir mit Papis Scheck protestieren leisten vorherrscht. Sorry, aber is so.

Vielleicht macht es das eigene Alter, aber die feierliche, mit dem 40. Uni-Geburtstag gekoppelte Altrektor-Verabschiedung und Neurektor-Einführung oder wie das heißt dermaßen zu sprengen, daß der Empfang, von Polizei flankiert, abgesagt werden muß, finde ich dämlich.

Ich bin noch nicht so richtig

im Prüfungsmodus.

Da die Vorlesung letztendlich der totale Witz ist, weil für 20 Leute, die sich mit Mühe am Kaffeebecher festhalten, vorgeturnt wird, was man SO hoffentlich nie verstehen muß, während die Essenz des Prüfungsstoffes sich merkwürdig-nebulös immer verbirgt, sobald man nach ihr sucht (ein typisches Beispiel für angewandte Heisenbergsche Unschärferelation), befinde ich mich jedenfalls überhaupt nicht im Prüfungsmodus. Ich muß ja schließlich auch drei Referate vorbereiten und einen Ethikantrag schreiben, wobei das Nichtvorbereiten der Referate mit ebendiesem Ethikantrag begründet wird, der allerdings auch nicht von selbst an Umfang zunimmt. Ich habe inzwischen sogar eine Deadline eingefordert, das habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gemacht. Dafür habe ich den Kliniker-Star als Zweitbetreuer gewinnen können, das ist zwar nicht besonders wichtig, klingt aber auch nach Dinge erledigen. Und viele Artikelchen habe ich schon, ääh, ausgedruckt.

Heute abend war Ringvorlesung Psychotherapie, ein ehrgeiziges Unterfangen, das vor ca. einem Jahr vom o.a. Star initiiert wurde und nun also endlich gestartet ist. Die Ehrgeizigkeit besteht in dem ganzen Ideenpaket, das dahinter steht. Zum einen sollen, ganz banal, Studierende über Entwicklungen in der Psychotherapie informiert werden, für die in den regulären Vorlesungen keine Zeit ist bzw. von denen unsere Leute aus pragmatischen Gründen auch einfach keine Ahnung haben. Zweitens sollen aber nicht irgendwelche Heinis kommen, die auch eine Zertifizierung in einer beliebigen anerkannten Therapieform haben, sondern gestandene Professorleute, die eben auch Geld nehmen für so einen Vortrag, und die dann ein Hotelzimmer, und Essen, und eben bezahlt kriegen. Die aber auch die wissenschaftliche Ahnung mitbringen. Daher, drittens, die Zielgruppe der niedergelassenen Psychotherapeuten, die gegen Kohle den Besuch der Veranstaltung als Fortbildung angerechnet bekommen. D.h. hier finanzieren in einem einzigartigen Pilotprojekt Studierende via Studiengebühren und Psychotherapeuten über Fortbildungspunkte eine gemeinsame Veranstaltung! Das ist schon cool, und heute war es auf jeden Fall hörenswert.

Der Vortragende ist Psychiater und Psychotherapeut, mithin Arzt, Chefarzt natürlich (in Kiel) und als solcher schonmal in der Zielgruppe möglicher Feindbilder von zukünftigen oder bereits aktiven Psychologen. Aber darauf geht er gar nicht ein, nicht mal scherzhaft, wie ich das auf Kongressen erlebt habe. Es gibt Psychotherapeuten, und fertig. Das fand ich sofort sympathisch. Und er hat es mit Sicherheit geschafft, die nicht unproblematische Brücke zwischen Neuro und Psychotherapie zu schlagen und sogar sichtbar zu machen! Er redet einfach davon, was sie in Kiel gemacht haben, und wo Grenzen sind, gibt er sie zu. Stereotypendenkengefolgt benimmt er sich also untypisch, und dabei ist er hinreißend sympathisch.

Also, Star, mehr Ringvorlesungen!

Donnerstag, 12. November 2009

So sieht das aus:

Wenn man in Kalifornien eine Kuriertasche bauen läßt.

Abgesehen von den kryptischen Zeitangaben scheint das Täschlein ja schon in Köln zu sein - das ist durchaus beeindruckend für ein Kundenwunschding, das ja erstmal auch zusammengebaut sein will. Naja, ist ja auch nicht grad inklusive, der Transportpreis.

Bloß amazon war seinerzeit noch schneller, als wir mit dem Internettelephon am Sonntagnachmittag ein Buch bestellten, das ohne Witz am Montag bereits geliefert war (wie auch immer amazon am Sonntag die Pakete packt und von DHL abholen läßt!).

Ich bin gar nicht wegen der Tasche an sich aufgeregt, sondern eher, weil diese modernen Techniken einem erlauben, dabei zuzusehen, wie etwas persönlich bestelltes den halben Erdball umrundet, um zu einem zu gelangen. Da draußen rennt ein Haufen UPS-Mitarbeiter herum, um mir meine Tasche zu bringen (und zwar hurtig).

Oder: Egal wie schnell es geht, eine Tasche zusammenzunähen, aber selbst wenn sie SOFORT nach Bestelleingang quasi fertig ist, finde ich das Sicheinfinden am nächsten Tag in Köln sehr beeindruckend! Jetzt kann ich morgen natürlich überhaupt nicht aus dem Haus gehen und muß daher meinen Ethikantrag brav zuhause zuendeschreiben.

Location
Date Local Time Description
PHILADELPHIA, PA, US 11/12/2009 11:19 A.M. DEPARTURE SCAN

11/12/2009 8:43 A.M. ARRIVAL SCAN
LOUISVILLE, KY, US 11/12/2009 6:46 A.M. DEPARTURE SCAN

11/12/2009 3:34 A.M. EXPORT SCAN

11/12/2009 3:03 A.M. EXPORT SCAN
KOELN (COLOGNE), DE 11/12/2009 9:01 A.M. PACKAGE DATA PROCESSED BY BROKERAGE. WAITING FOR CLEARANCE / RELEASED BY CLEARING AGENCY. NOW IN-TRANSIT FOR DELIVERY

11/12/2009 8:16 A.M. PACKAGE DATA PROCESSED BY BROKERAGE. WAITING FOR CLEARANCE
LOUISVILLE, KY, US 11/12/2009 1:58 A.M. ARRIVAL SCAN
OAKLAND, CA, US 11/11/2009 7:13 P.M. DEPARTURE SCAN

11/11/2009 6:23 P.M. ARRIVAL SCAN
SAN FRANCISCO, CA, US 11/11/2009 5:52 P.M. DEPARTURE SCAN

11/11/2009 5:32 P.M. ORIGIN SCAN

11/11/2009 4:11 P.M. PICKUP SCAN
US 11/11/2009 7:03 P.M. BILLING INFORMATION RECEIVED



Mittwoch, 11. November 2009

Kummer auf hohem Niveau?

Das Land weint um einen toten Nationaltorhüter, ich auch.

Im Hörsaal 14 hörte man heute abend über posttraumatische Belastungsstörung in Bürgerkriegsgebieten, bei Kindersoldaten und bei Tsunamiopfern. Und lernte, daß bei 28 und mehr unterschiedlichen traumatischen Erlebnissen die Wahrscheinlichkeit, eine PTSD zu entwickeln, den Wahrscheinlichkeitsbereich verlassen und sich in eine sichere Annahme verwandelt hat. Daß sogar pragmatische Kürzesttherapien Verbesserung bringen, aber weder kulturelle noch politische noch soziale Ursachen für Traumatisierungen verschwinden lassen. Daß die Kontrollbedingung in einer randomisierten kontrollierten Therapiestudie auch mal "Macht, was ihr wollt" heißen kann. Daß einen ausgerechnet wissenschaftlicher Pragmatismus mehr zum engagierten Entwicklungshelfer machen kann als alle Menschenliebe der Welt.

Wunderbar, wenn Professoren sich nicht lange bitten lassen, von ihrer Arbeit zu berichten, vor allem, wenn sie so spannend ist und gleichzeitig zeigt, wie verantwortungsbewußte Forschung außerhalb der Blase funktionieren kann. Wunderbar, wenn sich der 200-Personen-Hörsaal als etwas zu klein entpuppt, am Mittwochabend.

Da erscheint der Tod von Robert Enke und die dazugehörige Aufmerksamkeit fast ungehörig, und doch sind sie es eben nicht. Psychische Erkrankungen sucht sich niemand aus, genausowenig wie man sich für Krebs oder eine gepflegte Grippe entscheidet, sie sind genauso schwer zu heilen, und in allerlei Berufsgruppen hat man sie besser nicht. Es bewegt mich sehr, wie nun eine ganze Stadt und ein Testosteronhaufen namens DFB Abschied nimmt von einem, der sich das Leben genommen hat - mit Ernst und Würde und wahrnehmbarer Fassungslosigkeit. Mein Beileid gilt seinen Hinterbliebenen.

Montag, 9. November 2009

20 Jahre

Ich verzichte auf das Vergnügen, im berliner Nieselregen den Mauerfallfeierlichkeiten beizuwohnen.

"Wir wolln doch bloß drühm zwee Stunden spazieren und ma kieken. Wir komm'doch wieda, soll'n wir da uff der Straße pennen oder wie? Wollt ihr uns vaarschen?" - Wenn der Berliner erstma vaärgert is, dann läßta nich mehr mit sich spaßen. Und steht dann ehmt ooch stundenlang am trostlosen Grenzübergang Bornholmer Straße und wartet, daß die Grenzbeamten auch endlich erfahren, daß sich Herr Schabowski ein wenig versprochen hat.

In den unbewegten Gesichtern der Grenzer ahnt man das grenzenlose Staunen über das unversehens wahrgewordene Undenkbare. Die Massen, die immer, wenn auch unsichtbar, auf der einen Seite zu ahnen waren, überqueren die Grenze, gehen durch das Tor, der Schlagbaum wird weggemacht, damit mehr durchpassen, denn alle, alle wollen durch. Die meisten kommen wieder. Wollten ja nur ma kieken.

Auch wenns komisch klingt, aber für mich ist das immer die Nacht geblieben, in der ich erwachsen wurde. Alle, alle Erwachsenen, die mir bis zu diesem Tage was über richtig und falsch, über gut und böse und über den Zweck des antifaschistischen Schutzwalls erzählen wollten, hatten offensichtlich geflunkert. Schließlich haben ja nicht die faschistischen Bürger Westberlins an die Mauer getrommelt. Ab da hatten es die Lehrer schwer mit der Glaubwürdigkeit und mit der Autorität, aber da die Veränderungen rapide auf allen Ebenen wirkten - ganze Familien reisten aus und verschwanden gen Westen, darunter auch Funktionäre und ehemalige Speichellecker - gab es keinen Halt mehr. Wenn man in der eigenen Familie nicht gerade geborgen war, stand man blöd da mit seinem zwölf Jahre alten Wissen von der Welt.

Ein sehr schönes Video zeigt in überraschend guter Qualität die Ereignisse an der Bornholmer Straße. Für den Fall, daß es verboten ist, das Video zu verlinken, erkläre ich meine völlige Ahnungslosigkeit über die Rechte an dem Video und behaupte, daß es sich um ein wertvolles Dokument der Zeitgeschichte handelt, daß der staunenden Öffentlichkeit nicht vorenthalten werden darf.

Dienstag, 3. November 2009

Topf, die Watte quillt:

Wie viele Salzstangen schafft man in einer Minute?

a) 20
b) 15
c) 10

Ohne trinken, mit runterschlucken.

Na?

Montag, 2. November 2009

Wieviel sind $50 wert?

Also, weil ich ja bald viel mit dem Computer unterwegs sein werde, wollte ich mich mit einer handelsüblichen Kuriertasche ausstatten. Aber was heißt schon handelsüblich! Das hat ja jeder, zum Beispiel die sehr schönen, aber völlig überteuerten und dann nicht besonders praktikablen freitag-Taschen. Oder die wesentlich preiswerteren aber auch unschön gefärbten Vaude-Taschen. Die ebenfalls teuren, aber schönen Segeltuch-360°-Taschen haben keinerlei Laptop-Einsatz. Kurzum, man landet leider bei timbuk2.com und stellt fest, daß man sich für $160 eine wunderschöne Tasche mit blauen und orange Reflexstreifen außen und blau innen und für Linkshänder und Reflektorgenupse am Verschluß einen individuelle Tasche schneidern kann, die sehr cool aussieht und gleichzeitig eine Laptoptasche par excellence, da von Fahrradkurieren in S.F. hergestellt, darstellt. Leider werden die handgestylten Taschen auch in S.F., CF gefertigt, was die unschöne Information shipping $50 zur Folge hat. Und Shipping ist dabei kein Programmname - das ist der UPS-Expreß per Flugzeug. Allerlei Recherchen beim U.S. Postal Service brachten allerdings zutage, daß "normales", nomen est omen-shipping auch 40 Dollar kostet. Und das kann man bei Timbuk2 eh nicht ordern.

Nun frage ich mich die ganze Zeit: Ist es die Coolness und die Verwendbarkeitness der Tasche wert, nahezu ein Drittel ihres Verkaufswertes auch noch für den Transport aufzuwenden?

Es geht los: die Diplomarbeit

Der Chefarzt findet es super, daher habe ich jetzt ein Diplomarbeitsthema.

Es wird um Entscheidungsverhalten in unsicheren Situationen gehen, und die Opfer werden aus Opiatabhängigen, Alkoholabhängigen und meinen lieben Freunden bestehen, denn eine gesunde Kontrollgruppe braucht man ja auch! Daher kann ich gar nicht so viel darüber erzählen, denn vielleicht sitzt du, der geneigte Leser, die geneigte Leserin, demnächst bei mir auf dem Versuchsstuhl!?

Immerhin gibt es plötzlich Aufgaben und Telephontermine.

Wir sägen an dem Stuhl, in den die Worte "ohne Abschluß" eingefräst sind. Ernsthaft.

Mittwoch, 28. Oktober 2009

Danke für die Blumen

... und schon gibt es einen weiteren erfolgreichen Link, wenn man auf Google nach mir sucht ;-) und wenn schonmal ein Photo von mir im Netz ist, dann doch bitte eins, wo ich einen Rock anhab!

Wahrscheinlich habe ich irgendwo im Zuge der geldgierigen Bewerbungsprozedur meine Zustimmung zu all dem gegeben, in Form eines Häkchens im Onlineformular vielleicht oder als "vorgedrucktes" Unabänderliches. Gut, soll meine Hochschule auf mich stolz sein. Der Papa und die Hauptfrauen sind es ja auch.

Die Feier in Paderborn entsprach in etwa dem, was man Paderborn vorher so dem Hörensagen nach so zugetraut hat: Wer von den geneigten Lesern allerlei Geschlechts kann sich etwa einen Umtrunk und Stehempfang, bei dem wir uns alle mal so richtig kennenlernen und begrüßen wollen, vorstellen, wo es nur Apfelsaft und Wasser zu trinken gibt? Und wie locker ist man da? Immerhin ließ ich mich erfolgreich vom Präsidenten der Universität Paderborn und gleichzeitigem Stiftungsvorstand Prof. Risch ausfragen, während er unbewußt ein größeres Salzkrümel auf seiner Unterlippe balancierte, und ich zuckte nicht mit der Wimper! Das finde ich schon großartig, aber "ich habe mit Prof. Risch persönlich auf mein Stipendium angestoßen" finde ich irgendwie großartiger.

Immerhin hatte ich selbst ein inneres Kichererlebnis beim Urkundenüberreichen, weil ich sowohl unseren ehemaligen Rektor Timmermann als auch den mir persönlich die Hand schüttelnden, den aktuellen Rektor vertretenden Prof. König vor einigen Jahren bei einem Fachschafts-Rektoratstermin traf, naja, das ist nicht so schlimm, daß die sich daran nicht mehr erinnert haben. Noch schöner allerdings war der Gedanke einer ebenfalls bedachten Erziehungswissenschaftenstudentin beim Händeschütteln mit Rektor a.D. Timmermann: Ich habe schon unter deinem Schreibtisch geschlafen!, weil sie nämlich seinerzeit in die Besetzung des Rektorats aktiv verwickelt war (damals war ich noch nicht in Bielefeld).

'Unsere' Carina-Stiftung glänzte vermutlich mit Abwesenheit, oder sie hatte ihre sozialextremphobischen Betreuer geschickt, jedenfalls hielt niemand nach uns Ausschau, und wir entdeckten auch niemanden, der so aussah, als würde er bzw. sie nach uns oder überhaupt jemandem Ausschau halten.

Insgesamt: Verleihung selber nett und gut gelungen, Empfang naja, und wenn jetzt das Geld noch kommt, glaub ichs wirklich ;-) so'ne Urkunde sieht aber auch schon nett aus!